Was ist ein Arbitrage-Modell und wie funktioniert es?

Was ist ein Arbitrage-Modell und wie funktioniert es?

Geschäftsmodelle, die auf einer Arbitrage basieren, finden durch die gestiegene Datenverfügbarkeit und komplexere Algorithmen zusehends Verbreitung im Internetgeschäft. Doch was genau ist ein Arbitrage-Modell und welche Implikationen bringt es mit sich?

Was ist eine Arbitrage?

Ins Deutsche übersetzt bedeutet der Begriff der Arbitrage so viel wie „Gutdünken“ oder „freies Ermessen“ und entstand im 14. Jahrhundert im Handelsbereich, wo es sich zunutze gemacht wurde, dass es an verschiedenen Standorten unterschiedlichen Preisgefüge gab. Konkret hieß dies, Waren dort zu kaufen, wo sie billig sind und anschließend dahin zu verkaufen, wo sie teuer gehandelt werden. Vor allem begünstigten die zahlreichen Währungen und Münzsorten dieser Zeit die Ausnutzung solcher Preisunterschiede.

Ein Arbitrageur kann in räumlich getrennten Teilmärkten dann Arbitrage-Gewinne erzielen, wenn die Marktpreisdifferenz höher ist, als die Transaktionskosten zwischen beiden Standorten. Besondere Verbreitung findet das Prinzip der Arbitrage deshalb in der Finanzwelt, wo sich Kurs-, Zins- oder Preisunterschiede quasi in Echtzeit ausnutzen lassen. So kann eine Aktie etwa an einer Börse günstig eingekauft und per Computerbefehl Millisekunden später an einer anderen teurer weiterverkauft werden.

Damit sind Arbitragegeschäfte für den Arbitrageur risikolos, da sämtliche Informationen über Kurse, Zinsen oder Preise zum Zeitpunkt des Geschäftsabschlusses bereits vorliegen. Dennoch weist ein Arbitrage-Geschäft eine dezidierte Zeitkomponente auf, denn es bedarf bei der Abwicklung eines gewissen Tempos, zumal häufig Veränderungen ausgenutzt werden, die von anderen Marktteilnehmern noch nicht sofort nachvollzogen wurden. Somit stellt sich beim Erzielen einer Arbitrage auch eine gewisse Asymmetrie ein, indem je nach Marktteilnehmer unterschiedliche Transparenz- und Kenntnisgrade vorliegen können.

Arbitrage-Modelle im Netz

Auch das Internet- und Digitalgeschäft hat aus dem Erzielen einer Arbitrage ganze Geschäftsmodelle entwickelt. Ein typisches Beispiel dafür sind etwa Preisvergleiche wie Idealo, LadenZeile oder Trivago oder ReCommerce-Plattformen wie Momox, Rebuy oder Auto1.com. Aus der Kombination von besserer Marktkenntnis durch Algorithmen und dezidierter Online-Marketing-Kompetenz sind solche Akteure in der Lage, Clicks günstig einzukaufen und anschließend Einnahmen zu erzielen, welche die Transaktionskosten überschreiten. Dies gelingt beispielsweise durch gute Conversionrates oder das Verteilen von Traffic auf mehrere Shops.

Arbitrage-Modell, Arbitrage

Während ein Momox oder Auto1.com also genau weiß, für viel Geld es einem Nutzer sein Produkt abkaufen muss, um trotz Click- und Abwicklungskosten immer noch einen Gewinn zu erzielen, sind Preisvergleiche in der Lage, mit dem Weiterverkauf eines Clicks entsprechende Einnahmen zu erzielen und bringen es so auf eine bessere Click-Monetarisierung. Die Differenz zwischen Click-in-Preis und Click-out-Monetarisierung stellt dabei den Arbitrage-Erlös dar.

Da reinen Arbitrage-Modellen jedoch häufig eine gewisse Zeitkomponente bei gleichzeitig geringer Kundenbindung anhaftet, ist es tendenziell schwer, ein solches Arbitrage-Geschäft lange zu erhalten. In der Konsequenz zeigen viele Unternehmen mit Arbitrage-Modell eine natürliche Tendenz zu erhöhter Kundenbindung, etwa anhand von Nutzerprofilen, umfangreichen Kundendatenerhebungen, Nutzermehrwerten oder durch den Versuch, User nicht jedes Mal aufs Neue einkaufen zu müssen. Letztlich besteht die langfristige Herausforderung von Arbitrage-Modellen folglich darin, eine wirkliche Kundenbeziehung zu etablieren und nicht zu einem reinen Click-in-Click-out-Geschäft (Preisvergleiche) oder einem One-Stop-Shop ohne Wiederkaufsraten (ReCommerce) zu verkümmern.

Passend zum Thema: Der Business Building Podcast mit Florian Heinemann, dessen erste Ausgabe sich um wichtige Faktoren bei Geschäftsmodellen dreht und auch intensiv auf Arbitragemodelle eingeht.

Bildnachweis: Pixabay


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