In drei Jahren zum Milliardenunternehmen? Geschäftsmodellanalyse zur Auto1 Group

In drei Jahren zum Milliardenunternehmen? Geschäftsmodellanalyse zur Auto1 Group

Wie der sprichwörtliche Phönix aus der Asche tauchte zur Mitte des Jahres 2015 die Auto1 Group auf dem Radar der deutschen Internetszene auf und machte mit einer Milliardenbewertung und dreistelligen Millionenumsätzen von sich reden. Doch mit welchem Geschäftsmodell gelang dies in so kurzer Zeit?

Die Auto1 Group im Überblick

Die Funktionsweise der Auto1 Group (Webseite) ist denkbar schnell erklärt: Das Unternehmen kauft Gebrauchtwagen an, die es vorher in eigenen Werkstätten bewerten lässt, und verkauft diese dann zu einem höheren Preis an Autohändler weiter. Auf welche Ausmaße das Berliner Startup dieses Geschäft gehoben hat, weiß aber durchaus zu beeindrucken:

  • Gründer: 2012 von Christian Bertermann (vorher Head of Product bei Groupon) und Hakan Koç (vorher CPO Home24, Key Account Manager DailyDeal, EIR Rocket Internet) sowie ab 2014 Christopher Muhr (vorher versch. Rollen bei Groupon, CEO eCareer)
  • Umsatz: 850 Mio. Dollar Run-Rate (Stand Sommer 2015)
  • Marktgröße: Laut Auto1 angeblich 1 Billion Dollar
  • Verbreitung: 23 Märkte, 15.000 angebundene gewerbliche Händler, jährliches Vermarktungsvolumen von über 150.000 gehandelten Fahrzeugen
  • Mitarbeiter: 400 in vier Berliner Büros und 13 Logistikzentren
  • Finanzierung: Laut eigenen Angaben (PDF) 200 Mio. Dollar von Investoren wie DST, DN Capital, Piton Capital oder Mutschler Ventures, plante 2015 die Strukturierung einer 500 Millionen-Runde
  • Lead-Einkauf: An Autos gelangt man durch ein Netzwerk aus Webseiten wie Auto1.com (ehemals PKW1.net) oder wirkaufendeinauto sowie durch Partnerschaften mit Autohändlern
  • Wettbewerb: Emil Frey (Deutschland), Avag (Deutschland, Automobilhandelsgruppe), CarMax (USA, 1993), Manheim Auctions (USA, Autoauktionator), Carspring (Deutschland)

Die Erfolgsgeheimnisse der Auto1 Group

Nun stellt sich die Frage, wie vermochte es die Auto1 Group einen an und für sich so gesättigten Markt wie den Gebrauchtwagenhandel, auf dem sich absurd viele Gebrauchtwagenhändler und große Webplattformen wie Mobile.de oder AutoScout24 tummeln, derart schnell mit so hohen Umsätzen zu erschließen?

  • Infrastruktur: Der wesentlichste Unterschied zu gängigen Marktplätzen ist, dass Auto1 die vertriebenen Autos selbst ankauft, was eine Infrastruktur aus Ankaufstellen und Logistikzentren erfordert und eine Eintrittsbarriere für viele reine Webplayer darstellt
  • Beschleunigung: Doch durch die Kontrolle der Wertschöpfungskette ließe sich der Prozess in Europa vor allem von angeblich 90 Tagen im Durchschnitt auf zirka zehn Tage beschleunigen
  • Arbitrage: Kern der Auto1 Group ist eine Sonderform des Arbitrage-Modells, da das Unternehmen weiß, welches Auto in Europa zu welchem Preis verkauft werden kann, so ist es etwa denkbar, einen Mercedes günstig in Brandenburg zu kaufen und in Paris deutlich teurer weiter zu verkaufen
  • Netzwerkeffekte: Darüber hinaus blickt Auto1 auf massive Netzwerk- und Skaleneffekte, weil es bei den größten Automobiltransporteuren der größte Kunde ist und dadurch extrem günstig Fahrzeuge von A nach B bringen kann – bei gleichzeitigem Wissen über die Preisgefüge vor Ort
  • Automatisierung: Fährt ein Nutzer auf den Parkplatz eines Auto1-Ankaufs, kann der Inspektor über eine Art Konfigurator unmittelbar den Preispunkt ablesen, der dem Kunden geboten werden kann

Durch algorithmenbasierte Vernetzung schafft die Auto1 Group also ein fein verzahntes Verkaufsnetz aus Preisbestimmung, Fahrzeugannahme, Instandsetzung, Transport und Verkauf. Und sein C2B-Modell setzt Auto1 in solch einem Tempo um, das klassische Anbieter nicht mithalten können. Zieht man dann noch die rasant gewachsene Reichweite in Betracht, kommt man der Bewertungs Stück für Stück auf die Spur.

Oder wie es die Gründer einmal selbst verpackt haben: Die Auto1 Group etabliert eine Börse für Gebrauchtwagen, bei der Verkäufer und Käufer durch Technologie zusammengebracht werden. Das unerwähnte Detail dabei: Auto1 ist der einzige Akteur, der die durch geschicktes Sourcing möglichen Arbitrage-Gewinne zwischen den unterschiedlichen Handelsplätzen kennt und diese nutzen kann, weil es ein Auto günstig von Berlin nach Paris zu bringen vermag.

Soviel zum theoretischen Hintergrund des Geschäftsmodells der Auto1 Group, weitere Analysen, etwa zur Rechtfertigung der Milliardenbewertung oder den im Netz grassierenden Kundenstimmen, werden folgen.

Bildmaterial: Pixabay


9 Gedanken zu “In drei Jahren zum Milliardenunternehmen? Geschäftsmodellanalyse zur Auto1 Groups”

  • 1
    Weber am März 14, 2016 Antworten

    Die Analyse ist falsch
    Die Filialen welche. angemietet wurden sind nicht
    representativ.
    Sie haben einen durchschnittlichen. Investitionsvolumen von. Maximal 3000 Euro
    Mehr Schein als sein !!
    Seit letzten Donnerstag. ist die wichtigste Werbemaßnahme Google.gestoppt worden
    Das ist sehr verdächtig
    Ich denke wir werden noch einiges hören in der nächsten Zeit von denen
    Google ist die wichtigste Werbung für. WKDa
    Sie haben letztes Jahr
    angeblich. 200 Mio. Erhalten
    Und nun suchen sie. Schon wieder Geld
    Ist alles schon verbraucht??

  • 2
    jan am März 16, 2016 Antworten

    OT: ich finde die Schrift „Roboto“ für die Kommentare zu thin. Läßt sich das evtl. ändern?

    • 3
      Joël Kaczmarek am März 16, 2016 Antworten

      Danke, werde ich mal berücksichtigen. Grundsätzlich ist der Aufbau von digital kompakt auch noch nicht am Ende angelangt. Derzeit testen wir die Formate und wollen dann das Produkt mit unseren Learnings anpassen. Da hilft solch vermeintlich detailliertes Feedback also wirklich weiter! 🙂

  • 4
    Jochen am November 29, 2016 Antworten

    Habe vor einer Woche mein Fahrzeug an WKDA verkauft. Bis heute noch kein Geld erhalten.
    In der Filiale und der Hotline konnte man mir nicht weiterhelfen.
    Werde jetzt einen Rechtsanwalt einschalten müssen.

  • 5
    Dirk Schild am November 30, 2016 Antworten

    Viel Wind um eine Kurze erfolgsgeschichte. Ich denke noch max ein jahr bis die ersten zelte abgebaut werden

  • 6
    WBs am Februar 26, 2017 Antworten

    Ehrlich so schnell so viel Geld verdienen geht nicht. Evtl. mit Betrug?
    Hallo, ich bin ebenfalls Händler und habe zum Testen 4 Fahrzeuge von Auto1.com gekauft. Alle Fahrzeuge hatten Mängel, was ja auch normal ist. Nur abweichend von der Fahrzeugbeschreibung bei Auto1.com hatte ich bei einem Fahrzeug – nach Gutachten 2195,55€ Reparaturkosten – beim zweiten Fahrzeug nur noch 2040,00€ – bei den beiden anderen Fahrzeugen zwischen 300,00€ und 700,00€ Reparaturkosten. Die Schadenabteilung bei dieser Fa. ist einfach lächerlich – erst kpl. Ablehnung – dann ein Gutschein 200,00€ ( einlösbar bei Kauf eines weiteren Fahrzeuges) bei Androhung von Rechtsmitteln machen die komplett zu. Bei genaueren Nachforschungen werden Sie feststellen dass bereits eine wahre Flut von Betrugsanzeigen und Klagen gegen die Superfirma vorliegen.
    Hier meine ausdrückliche Warnung an alle Händler – Finger weg – es werden keine Geschenke verteilt – es kommen fast nur Schrottmühlen die Eure Kollegen zu -Wir kaufen Dein Auto – geschickt haben.
    Werde die Fahrzeugbeschreibungen von Auto1.com und die erstellten Gutachten nach Erteilung des rechtlichen Segens ins Netz stellen. Bei Facebook und bei Motortalk gibt es schon seitenweise Lektüre zu Auto1.com.    

  • 7
    Peter Müller am März 6, 2017 Antworten

    Natürlich kann Auto1 schnell wachsen und macht hohen Umsatz. In jeder Stadt werden billige Hinterhof-Filialen aufgemacht, welche dann Autos von Privatpersonen deutlich unter Wert ankaufen.
    Im Weiterverkauf werden Mängel verschwiegen und das Auto überteuert an Händler weiterverkauft.
    Kundenfreundlichen und Kommunikation? Fehlanzeige!

  • 8
    Werner Brandl am Mai 9, 2017 Antworten

    Die Grundidee ist super nur real funktionieren kann das Geschäft so wie Auto1.com es betreibt niemals oder nicht lange. Für dieses Geschäft benötigt man sehr gut geschultes Personal mit Erfahrung und Sachverstand. Es genügt nicht einen Schuhverkäufer – bitte nichts gegen Schuhverkäufer – mit dem ankauf von Gebrauchtwagen zu beauftragen. Natürlich erkennt dieser niemals Mängel an einem gebrauchtem Fahrzeug wie ein Fachmann. Genau das ging wie ein Lauffeuer durch die Branche. Händler schicken mittlerweile Kunden mit schlechten Antauschfahrzeugen zu „wir kaufen Dein Auto“ damit sie diesen Müll nicht auf dem Hof stehen haben. Bei Auto1.com werden diese dann wiederum an Händler verkauft. Natürlich nicht ohne Probleme und vor allem läßt sich jeder Händler nicht beliebig oft betrügen.
    Auch ich kaufte versuchsweise Fahrzeuge bei Auto1.com. In der Tat kein einziges Fahrzeug entsprach der Beschreibung. Drei von fünf Fahrzeugen hatten laut Gutachten nicht aus den Beschreibungen ersichtliche Schäden über 2000 € bis hin zu Totalschäden. Service für Händler gibt es nicht. Betrugsanzeigen und Androhung von Rechtsmitteln helfen nicht – da gibt es schon ausreichend.
    Es hilft nur Finger weg – es werden keine Geschenke verteilt es kommen fast nur Schrottmühlen die Eure Händlerkollegen zu deren Ankaufstellen geschickt haben.

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