Warum Oliver Samwers Investoren wie Verlierer dastehen

Warum Oliver Samwers Investoren wie Verlierer dastehen
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Mit dem Verkauf von Lazada an Alibaba sorgte Rocket Internet zwei Tage vor der Bekanntgabe seiner neuen Quartalszahlen für einen Paukenschlag. Verblüffend ist dabei aber weniger die Transaktion selbst, sondern vielmehr der Umstand, dass Oliver Samwer (mal wieder) als einziger Gewinner dasteht und Rockets Investoren wie schlecht verhandelnde Amateure dastehen lässt.

Ein sinnvoller aber schlechter Deal

Die Eckdaten des Lazada-Exits sind schnell umrissen: Bei einer Bewertung von 1,5 Milliarden Dollar für Lazada nimmt Alibaba eine Kapitalerhöhung über 500 Millionen Dollar vor, wird zum kontrollierenden Anteilseigner und kauft einigen der Bestandsinvestoren einen Teil ihrer Anteile sofort ab und vereinbart eine Put-Call-Option für den Kauf der restlichen Anteile sowie das gemeinschaftliche Recht der sonstigen Anteilseigner zum Verkauf der verbleibenden Lazada-Anteile. Rocket erlöste bei dieser Transaktion 137 Millionen Dollar (bei 18 Millionen Euro Investment) und auch Kinnevik (57 Millionen für 3,8%) und Tesco (129 Millionen für 8,6%) verkauften Anteile.

Von der Grundsache ist der Deal stark sinnvoll, aber schlecht im Ergebnis: Lazada hat angesichts des kapitalintensiven Geschäfts bisher eine Menge Geld verschlungen, machte in Südostasien alles andere als einen guten Eindruck und es bestand die Gefahr, dass Alibaba womöglich selbst in den Markt eintreten würde. Dass ein Gründerszene zu dem Ergebnis kommt, ein Exit über 1,5 Milliarden Dollar bei 710 Millionen Dollar Investment sei „kein schlechtes Ergebnis“, ist folglich haarsträubend.

Aus Sicht eines VCs kommt dies einem Ausfall gleich, während ein Oliver Samwer 15 mal Geld einstreicht und der Börse eine wichtige Erfolgsstory verkaufen kann. Dabei war ein Verkauf angesichts sonst wohl notwendiger weiterer Finanzierungen mit entsprechender Verwässerung und der Gefahr von Down Rounds für Rocket vermutlich praktisch alternativlos.

Der eigentliche Geniestreich: Selbstoptimierung

Beim Glücksspiel heißt es, dass immer die Bank gewinne. Im Gründungsgeschäft von Rocket Internet muss diese Faustregel aber verkehrt werden, denn dort gewinnt nur einer: Oliver Samwer. Dessen eigentlicher Geniestreich lag darin, bei einem Exit, der das Investment gerade einmal verdoppelte, für Rocket eine Verfünfzehnfachung von dessen Investment zu erzielen. Rocket Internet steuerte also gerade einmal drei Prozent des investierten Kapitals bei, verfünfzehnfachte aber seinen Einsatz.

Etwas derartiges bei vergleichsweise niedrigen 18 Millionen Euro Investment über sechs potente Millionenfinanzierungen mit internationalen Schwergewichten und entgegen aller Liquidation Preferences hinweg zu realisieren, ist Beleg eines meisterlichen Verhandlungsgeschicks. Gleichzeitig wird deutlich, dass Oliver Samwer mit seinen Investoren machen kann, was er will. Potente Geldgeber wie Tesco, Summit oder Tengelmann steuern das Geld bei, verdient wird so richtig aber eigentlich nur im Hause Samwer.

Auch einem Deutsche Startups ist also zu widersprechen, wenn es den Einstieg von Alibaba bei Lazada als „eine Meganummer“ und Rocket als „Juniorpartner“ verortet, für den „nur ein Krümel übrig“ bleibe. Lazadas Exit war ein schlechter Deal aus dem Oliver Samwer dennoch als einziger wirklicher Gewinner hervorgeht. Andere Investoren beziehen absolut gesehen höhere Summen, haben aber auch deutlich mehr Kapital investiert und verdienen relativ gesehen signifikant schlechter. Oliver Samwer hat trotz großer Ankündigungen dabei versagt, in Südostasien einen klaren Marktführer im Amazon-Business zu etablieren, für sich aber bei einem durchwachsenen Ergebnis das Maximum herausgeholt.

digital kompakt, PaypPal Me

Bildmaterial: Pixabay, digital kompakt (Montage)

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4 Gedanken zu “Warum Oliver Samwers Investoren wie Verlierer dastehens”

  • 1
    Tobias am April 22, 2016 Antworten

    Hallo.

    Wenn Lazada nicht der klare Marktführer in seinem Bereich in SEA ist: Wer dann?

    Wenn du sagst die Multiples sind für VCs schlecht trifft das auf Kinnevik vielleicht zu, so man sie denn als klassischen VC verortet, aber für Tesco? Die sind ja nicht klassischer VC, die können bei dem geringen Risiko doch sicher mit nem kleineren Multiple auch sehr zufrieden sein?

    Ist der Deal wirklich sachlich schlecht oder wird er nur an überzogenen Erwartungen gemessen?

    • 2
      Joël Kaczmarek am April 22, 2016 Antworten

      Ich bin durchaus der Meinung, dass es ein schlechter Deal ist, vor allem wenn die Ansage vorher lautet, man würde Alibaba einheizen. Zwei mal Geld mag bei konservativen Anlegern Freude hervorrufen, aber das kann doch nicht der Anspruch sein, wenn du zur „führenden Online-Plattform außerhalbs der USA und China“ werden willst. Wie gesagt, da als Rocket 15x Geld rauszuziehen ist ein Phänomen, reicht letztlich aber auch nicht lange aus.

  • 3
    Alex am April 27, 2016 Antworten

    Zusätzlich sind noch die Beträge zu beachten, die Rocket Internet von Lazada für diverse Services wie IT, Online Marketing, Operations, Finance, HR, etc. abgerechnet und erhalten hat (Böses Zungen sprechen auch von „Inflated Invoicing“).
    Hierdurch holt sich Oliver Samwer quasi „durch die Hintertür“ nochmal Geld von Investoren zurück. Natürlich leisten Rocket Leute dafür auch Arbeit, allerdings nicht zu Preisen, die ein fremder Dritter zahlen würde.

    • 4
      Joël Kaczmarek am April 27, 2016 Antworten

      Oh ja, guter Punkt, danke.

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