Strategiebetrachtung: Was kann ein (Metro) Accelerator?

Strategiebetrachtung: Was kann ein (Metro) Accelerator?

Im letzten Jahr führte digital kompakt eine Kooperation mit dem Metro Accelerator durch, bei der es die Arbeit des Firmenbeschleunigers in dessen Auftrag analysierte und Zugang zu allen relevanten Hintergrundinformationen erhielt. Herausgekommen ist eine Analyse der Funktionsweise und Strategie, die für interessierte Startups und andere Corporates gleichermaßen Anhaltspunkte bietet.

Wie digital ist das Hospitality-Segment?

Fragestellung: Die Beantwortung der Frage nach dem Sinn und der strategischen Ausrichtung des Metro Accelerators beginnt bei der gewählten Zielgruppe: Warum konzentriert sich der Konzern mit seinen Förderaktivitäten für Startups auf den Bereich Hospitality (Restaurants, Hotels, Over-the-Counter-Services usw.) und inwiefern bedarf dieses Segment digitaler Lösungen?

Executive Summary: Der Hospitality-Bereich hat einen signifikanten (volks-)wirtschaftlichen Impact (3,7% von Europas Bruttoinlandsprodukt und 7,8% aller Jobs hängen an der Industrie), ist massiv unterdigitalisiert und weist keine so großen Konzernoligarchien wie vergleichbar große Branchenzweige auf. Die große Anzahl von Einzelbetrieben verbrennt in der Regel eher Geld und kann mit organisierten Franchise- und Systemgastronomieketten zumeist nicht mithalten, was in der Regel mit schlechten Konzeptions- und Planungsprozessen, hohen Burnout-Raten und schlechter Food und Service-Qualität zusammenhängt (vgl. die Studie „Why Restaurants fail“ (PDF)). Gleichzeitig ist das Segment extrem kostensensitiv und droht Opfer unterschiedlicher Gesellschaftsentwicklungen zu werden – wie dem Aussterben des Kochberufs, schnelleren Trendwechseln, unterschiedlichen Entwicklungen in der Stadt und auf dem Land oder eben der Unterdigitalisierung. Unter dem Strich bietet das Segment damit hohe Digitalisierungspotenziale bei gleichzeitig hoher Komplexität auf dem Weg dorthin.

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Strategie: Offen oder proprietär?

Fragestellungen: Wie kann die Metro die Vermarktbarkeit einzelner Betriebe erhöhen und so die Digitalisierung des gesamten Segments fördern? Sollte das Unternehmen dazu eigenen Gründungen starten oder finanzieren und dann die viel versprechendsten einsetzen, um damit seinen Kundenzugang durch digitale Services weiter zu monetarisieren? Oder verspricht eine offene Plattformlösung mehr als dieser proprietäre Ansatz?

Executive Summary: Dass die Metro digitale Lösungen über eine eigene Angebotswelt vertreibt, erscheint nicht sinnvoll, weil das Segment schon öfter gezeigt hat, dass Suiten- und Cross-Selling-Ansätze nicht funktionieren. Daneben dürfte auf den relevanten Sales-Levels der Metro die notwendige Non-Food-Produktkompetenz und die passende Absendermarke fehlen. Gastronomen fürchten Abhängigkeiten und werden von der Vielfalt überfordert, weshalb die Metro stattdessen auf einen Plattformansatz setzt. Da die Metro über einen breiten Kundenstamm im KMU-Bereich verfügt, bietet sie ihren Accelerator-Startups im Austausch gegen Daten und Testimonials unmittelbaren Kundenzugang. Kunden offeriert sie eine Palette aus modularen Diensten, mit der diese mitwachsen können und bemüht sich gleichzeitig, diese kuratierten Dienste mit externen Finanzierungen zu versehen. Denn als Strukturimplikationen dieser Plattformstrategie ergibt sich, dass die selektierten Startups incentiviert gehalten und weder ausgebremst noch besessen werden dürfen. Es gilt, Abhängigkeiten als Signalling zu vermeiden, während das Deal-Volumen für eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit massiv erhöht werden und die eigene Vision durch die eigene Bestandsorganisation kaskadiert werden muss.

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Was bietet ein (Metro) Accelerator?

Fragestellung: Was bietet die Metro mit seinem Accelerator und ist das Angebot für Startups attraktiv? Daraus folgend: Wann ist die Teilnahme an einem Accelerator-Programm insgesamt sinnvoll?

Executive Summary: Die Metro und der Accelerator-Umsetzer Techstars platzieren ein obligatorisches Investment über 20.000 Euro und erhalten 6% des Unternehmens. Zusätzlich wird ein Convertible Note (ein in Anteile wandelbarer Kredit) über 100.000 Euro vor Beginn des Programms angeboten. Inhaltlich bietet die Metro den Startups ein dreimonatiges Mentorenprogramm und hilft dabei, den Market Fit der Produkte durch die Vernetzung mit Industriepartnern, Wissensträgern, Investoren und Kunden sicherzustellen. Dazu hilft das Marktforschungsinstitut Rheingold bei der Zielgruppenanalyse und die Maschmeyer Group bei der Optimierung des Sales-Prozesses. Die (monetären) Komponenten erscheinen absolut markttypisch, der eigentliche Wert liegt aber ohnehin im Content Support sowie dem Kundenzugang der Metro, was das Angebot für Startups relevant macht. Dennoch müssen die Unternehmen darauf achten, nicht den Eindruck zu hoher Abhängigkeiten zu erwecken, weil dies den späteren Finanzierungsprozess erschweren könnte. Auf Seiten der Metro bietet es sich an, selektiver zu sein und den Deal Flow zu optimieren, zumal es einigen der Teilnehmer in der Vergangenheit noch an der notwendigen Marktreife zu fehlen schien.

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