Nach dem Gau: Was Movinga nun leisten muss

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Nach seinen radikalen Umbrüchen steckt die Umzugsplattform Movinga in einer unternehmenskritischen Transformation. Für die Digitalbranche wäre es besser, wenn das Unternehmen seinen Umbau meistert – digital kompakt schaut auf die Faktoren, die dazu notwendig sind.

Aufgaben im Strukturbereich

Das Gründerausscheiden managen

Am Anfang steht die wohl naheliegendste Herausforderung des Wandels: Das Ausscheiden der Gründer Bastian Knutzen und Chris Maslowski muss operativ abgefedert und formal-juristisch umgesetzt werden. Aus dem Umkreis des Unternehmens ist zu hören, dass dies recht gut – will sagen konfliktfrei – gelingt.

Spannend zu beobachten bleibt die Frage der Anteilsverteilung. Vermutlich müssen die Gründer einen Großteil ihrer Anteile im Austausch gegen eine Abfindung abgeben. Es wäre sogar vorstellbar, dass die Gründer nach ihrer offenbar doch recht kapriziösen Performance in der Vergangenheit vollständig als Anteilseigner ausscheiden.

Neue Führungsstruktur

Hand in Hand mit dem Ausscheiden der Gründer geht auch die Installation einer neuen Führungsspitze. Immerhin: Mit Finn Age Hänsel und Christoph Müller-Guntrum steht bereits ein Zweigespann bereit, das von vielen der Beteiligten als sehr kompetent und aufrichtig charakterisiert wird. Dem dürfte in naher Zukunft sicher noch eine Personalie im Finance-Bereich folgen.

Eine Brückenfinanzierung realisieren

Mit der Entlassung eines Großteils der Belegschaft wurde ja bereits auf die augenscheinlich rasant gewachsene Burn-Rate reagiert, nichtsdestotrotz wird Movinga eine Finanzierung zur Aufrechterhaltung und Neuausrichtung seiner Geschäfte benötigen. Von der ursprünglich für 15 Millionen Euro Investment anvisierten Bewertung über 140 Millionen Euro dürfte das Unternehmen dabei aber weit entfernt sein. Dem Vernehmen nach verlaufen die Gespräche über eine Finanzierung sehr vielversprechend, schließlich besteht auch aus Investorensicht ein profundes Interesse daran, das potent finanzierte Unternehmen wieder auf sichere Beine zu stellen.

Die IT-Systeme optimieren

In seiner Außendarstellung spricht Movinga immer wieder von den Geschäftsmodellfaktoren Leerfahrten-Reduzierung und algorithmenbasierte Umzugsplanung. In der Praxis jedoch erweckte das Unternehmen eher den Eindruck, beides nicht wirklich zu beherrschen und anstatt eines IT-Unternehmens vielmehr eine Sales-Organisation gebaut zu haben. Die kolportiert rund 500 Mitarbeiter der Vergangenheit erwecken mit der heutigen Kenntnis nun eher den Eindruck, Movinga könnte statt auf Algorithmen vor allem auf Manpower gesetzt haben – sei es für massive Sales-Bestrebungen oder Kundenservice-Aufgaben.

Hinzu kommt, dass aus dem Speditionsbereich immer wieder zu hören ist, dass der Dienst Leads weiterverkauft habe, an denen Movinga selbst wohl eher Verlust, zumindest aber keinen signifikanten Gewinn gemacht habe. Eine der zentralen operativen Aufgaben der neuen Führung wird daher also vermutlich die Neuaufstellung von Movingas IT-Systemen und Prozessstrukturen, um endlich Technologie zum Kern des Unternehmens zu machen und eine Qualität zu generieren, mit der die dem Geschäftsmodell sicher innewohnenden Potenziale nachhaltig erschlossen werden können.

Aufgaben in Sachen Wahrnehmung

Vertrauen der Investoren wiederherstellen

Auch wenn der Abschluss einer zeitnahen Finanzierungsrunde als sehr wahrscheinlich gilt, wird es auf lange Sicht nötig werden, das Vertrauen der beteiligten Investoren wiederherzustellen. Insbesondere unter den Business Angels war in den letzten Wochen eine merkliche Schockstarre und Frustration zu spüren. Zum einen angesichts des offensichtlichen Versagens der im Board sitzenden Venture Capitalists, zum anderen aus dem Bewusstsein heraus, als Partei, die zu einem frühen Zeitpunkt des Finanzierungsprozesses viel Risiko trägt, nur mit schlechten Informationen versorgt worden zu sein.

Beziehungen zur Speditionsbranche verbessern

Hört man sich im Bereich der höherpreisigen, professionell organisierten Speditionen um, fällt Movinga mit einem weitgehend negativen Image auf – auch wenn eine gewisse Ablehnung bei der digitalen Disruption einer Branche nicht überraschen mag. Die Verträge des Unternehmens werden von professionellen Speditionen als knebelhaft empfunden und neben der Sorge vor einem Preisverfall störten sich viele Speditionen auch an einem Video, mit dem Movinga für seine Dienste warb, welches Speditionen in einem denkbar schlechten Licht erscheinen ließ.

Unter dem Strich sehen viele Speditionen die Berliner folglich nicht als attraktiven Partner für Zusatzgeschäft, sondern als Gefahr für das Marktgefüge und in seiner Abwicklung als problembehaftet an. Dass Movinga dabei an vielen Stellen wohl auch Unrecht getan wird, ändert nichts an der Tatsache, dass die Umzugsplattform gut daran täte, die Beziehungen zur Speditionsbranche zu verbessern.

Das Image der Marke wiederherstellen

Ein wesentlicher Faktor bei Movingas Geschäftsmodell ist der Aufbau einer werthaltigen Marke, zumal sich so in einem Segment, das kaum Wiederholungskäufe bietet, Weiterempfehlungen und Verbesserungen der Lead-Conversion erzielen lassen. Vor allem aber auch, weil Movinga auf Dauer eine gewisse Unabhängigkeit bei der Lead-Generierung erzielen muss. Steuern Nutzer die Marke von sich aus an, spart der Dienst unmittelbar Geld.

Nach der verheerenden Berichterstattung rund um staatsanwaltliche Ermittlungen wegen Urkundenfälschung sowie den zuletzt öffentlich gewordenen Diskrepanzen, muss Movinga also dringend sein Image verbessern und durch Erfolge punkten. Gerade der Hype der Vergangenheit wurde für Movinga nun zum Bumerang. Die Wiederherstellung des eigenen Images wird sicher eine Weile in Anspruch nehmen, abschreiben sollte man das Geschäftsmodell aber nicht.

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Bildmaterial: Movinga (Montage)

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1 Gedanke zu “Nach dem Gau: Was Movinga nun leisten muss”

  • 1
    Povilo am Juli 11, 2016 Antworten

    Sounds about right!

    – theoretisch hohes Potenzial
    – bisheriges Business absoluter Müll (null Produktinnovation, unfähig und massiv unseriös)
    – fähige neue Geschäftsführer installiert

    = 30-40% Überlebenschance. Was denken die anderen?

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