Ohlala – Wie verdient man Geld mit einer Escort-App?

Ohlala – Wie verdient man Geld mit einer Escort-App?

Ohlala ist ein Marktplatz für das Buchen von bezahlten Dates und erfreut sich in der Digitalbranche großer Aufmerksamkeit – vor allem jedoch aus (gesellschafts-)kritischer Sicht. Dabei ist es vor allem das Geschäftsmodell, das die App spannend macht, weist Ohlala doch einige intelligente Vorgehensweisen auf, während gleichzeitig noch unterschiedliche komplexe Herausforderungen warten.

Schlaue Ansätze bei Ohlala

Die Verpackung und der Markenauftritt

Mit Ohlala (Webseite) bringt Pia Poppenreiter bereits ihr zweites Unternehmen im Bereich der käuflichen Liebe an den Start, auch wenn sie dies bei Ohlala selbst nie so nennen würde. Der junge Dienst aus Berlin spricht davon, „bezahlte Dates“ zu vermitteln, was zum einen vermutlich damit zu tun hat, dass man auch in New York aktiv ist, wo allein die Vermittlung von Prostitution mit teils drakonischen Strafen belegt wird.

Zum anderen stellt das Ganze aber eine gar nicht mal so schlechte Neuverortung dar, welche es erlaubt, die gesellschaftliche Stigmatisierung von Begriffen wie Escort oder Escort-Agentur zu vermeiden. Spräche das Unternehmen von Escort-Vermittlungen, würde wohl bei vielen NutzerInnen eine stark emotionale Reaktion einsetzen, verbinden sich mit (der eigenen) Sexualität doch häufig Ängste und Vorurteile.

Stattdessen inszeniert sich das Unternehmen sehr geschickt mit einem lockerleichten Image und einer auf das Thema patentierten Pia Poppenreiter. Die Marke Ohlala wird damit zum wesentlichen Asset der Gründung und gewinnt umso mehr an Reichweite, wenn PR-Aktionen wie die Kooperation zur Noah-Party gelingen – auch wenn dies nicht frei von Diskussionen bleibt, was die Bekanntheit des Dienstes aber wiederum stärken dürfte. Stets glaubwürdig erscheint das Ganze nicht, zumal jedem klar sein dürfte, dass es um Escort-Leistungen geht, gelungen ist Ohlalas Markeninszenierung aber allemal.

Verknappung der Kommunikationszeit vorab

Die eigentlich inhaltliche Intelligenz macht sich dann im Produkt selbst bemerkbar. Wer sich bei Ohlala anmeldet, kann unmittelbar eine Date-Anfrage mit Ausrichtung, Uhrzeit, Dauer und Ort angeben. Anhand der drei Kategorien „150 Euro“, „150 bis 350 Euro“ und „mehr als 350 Euro“ kann der Nutzer seine Budgetvorstellungen angeben, anschließend haben die beim Dienst registrierten Frauen 21 Minuten Zeit, sich mit ihrem Profil beim Nutzer zu bewerben. Erst mit einer Bewerbung wird das Profil einer interessierten Dame für den Nutzer sichtbar.

Damit realisiert Ohlala zwei Dinge: Zum einen verkürzt es die kommunikative Anbahnung signifikant und reduziert damit das Risiko, dass sich der gegenseitige Austausch zu lange hinzieht oder gänzlich einschläft. Zum anderen umreißt es eine klare Erwartungshaltung. Die Damen können sich ein Bild vom Nutzer machen und anhand des Budgets abschätzen, ob es das Gegenüber ernst meint.

Effiziente Kommunikation bedeutet für den Dienst in der Folge bessere Retention Rates und eine höhere Conversion Rate von Date-Anfragen zu Dates. Schließlich ist es für die Frauenseite unattraktiv, wenn sie Aufwand in die Beantwortung nicht ernst gemeinter Anfragen steckt, während es für den männlichen Part frustrierend ist, wenn eine Antwort zu lange auf sich warten lässt.

Anonymität für die Frauenseite

Findet der Nutzer ein Profil interessant, kann er mit der entsprechenden Dame einen Chat beginnen und die Details klären – vom finalen Budget bis hin zu der Frage, was gemeinsam unternommen und wie weit gegangen wird. Unter dem Strich bedient Ohlala damit die Nachfrage nach Dates sehr geschickt, weckt es doch Spannung, wer sich für ein Date bewirbt.

Vor allem signalisiert der Dienst jedoch seinen angemeldeten Frauen, dass er ihre Privatsphäre schützt. Diese können nicht einfach von beliebig vielen Männern angeschrieben werden, sondern suchen sich ihre Dates selbst aus und werden erst sichtbar, wenn sie sich selbst dazu entscheiden. Ein Profilblättern à la Tinder tauscht Ohlala damit zugunsten eines spielerischen Bewerbungsprozesses aus.

Welche Herausforderungen noch warten

Ohlala hat damit also eine gänzlich neue Herangehensweise unter einem wertigen Markendach geschaffen. Nichtsdestotrotz warten auf den Dienst noch eine ganze Reihe an Herausforderungen – allen voran die Frage, wie eigentlich Geld mit Ohlala zu verdienen ist.

Monetarisierung & Payment als größte Baustellen

Derzeit gibt es über Ohlala noch keine Bezahlabwicklung, mit der Konsequenz, dass der Nutzer das Geld für sein Date bar zum gemeinsamen Treffen mitbringen muss. Doch auch wenn dies aus unterschiedlichen Gründen nachteilig ist – etwa weil die Geldübergabe eine unangenehme Situation heraufbeschwört oder der Nutzer viel Bargeld mit sich tragen muss – ist es doch herausfordernd abzuändern.

Neben den denkbaren juristischen Implikationen (Stichwort: Prostitutionsverbot in manchen Märkten), dürfte es für viele Nutzer unattraktiv sein, bezahlte Verabredungen über die eigene Kreditkarte oder via PayPal zu bezahlen. Hinzu kommt, dass Ohlala einem Haftungsrisiko ausgesetzt sein könnte, wenn Nutzer die durchaus hohen Beträge unmittelbar abgebucht bekommen, ein Date dann jedoch nicht stattfindet. Ohlala müsste in solch einem Fall aufwändig in die Fallklärung gehen.

Und mehr noch: In Ermangelung eines Geschäftsmodells gibt es derzeit noch gar keinen Weg, auf dem Ohlala selbst Geld verdient. Mit Abwicklung der Bezahlfunktionen böte sich die Möglichkeit, einen Anteil des Transaktionsvolumens einzubehalten, doch bisher erwecken die Berliner eher den Eindruck, auf Premiumfunktionen gegen eine Gebühr setzen zu wollen. Ein Weg, der rechtlich weniger Risiken bedeuten dürfte und vielen Nutzern ersparen könnte, zuhause den Kauf von Dates verargumentieren zu müssen. Wie das Ganze aussehen könnte, bleibt allerdings noch recht offen.

Das Matchmaking perfektionieren

Eine andere große Baustelle, die auch reguläre Datinganbieter regelmäßig plagt, ist das akkurate Matching der beiden Marktplatzseiten. Für die buchenden Männer ist es frustrierend, wenn sich zu wenige oder falsche Frauen auf die eingestellten Date-Anfragen bewerben und auf der Frauenseite sind zahlreiche zu beantwortende Date-Anfragen mit geringer Konvertierung nachteilig für das Geschäft.

Wie gut Ohlala im Zusammenbringen der Teilnehmer ist, bleibt bisher offen, doch angesichts der Tatsache, dass die vom Dienst vermittelten Dates in dieser Form vergleichsweise einzigartig sind, schlummert wohl noch einiges an Potenzial im Matchmaking-Prozess – von Bezahlhürden zum Aussieben von Spaßanfragen bis hin zu feineren Präferenzabfragen.

Ohlala und Mobile

Daneben wird es auch spannend zu beobachten sein, wie sich Ohlala im mobilen Segment schlagen wird. Natürlicherweise wäre anzunehmen, dass gerade Geschäftsreisende die App nutzen und auf Reisen häufig über keinen stationären Internetzugang verfügen. Während die Anzahl mobiler Zugriffe ohnehin steigt, ist es also gut vorstellbar, dass Ohlala auch intensiv auf mobilen Endgeräten konsumiert wird.

Dort bliebe die Frage, wie sich Apples strenge Door Policy beim Einstellen von Apps umgehen ließe. Bisher geht Ohlala dies über eine Artikel-App mit Date-Tipps an, von denen aus auf den eigentlichen Dienst als mobil optimierte Webseite verlinkt wird. Ebenso unklar: Wie löst Ohlala das Problem, dass viele Nutzer mobil stöbern, aber stationär buchen. Angesichts der hohen Preise für ein Date könnte dies umso intensiver zum Thema werden.

Allerdings ist aus dem Umfeld von Ohlala zu vernehmen, dass eine native Mobile-App bisher keine gesondert hohe Rolle spielt. Ein Grund dafür mag die Fokussierung von Ressourcen sein, ein anderer, dass App-Funktionen wie Push-Notifications bei Bezahldates womöglich nicht sehr gefragt sind. Auch auf der Frauenseite ist gut vorstellbar, dass die Beantwortung zahlreicher Anfragen auf dem Smartphone eher schwierig ist. In Verbindung mit der unklaren Door Policy von Apple könnte vieles also komplett gegen eine native App sprechen.

Warum der US-Markt?

Angesichts dieser operativen Herausforderungen stellt sich ein wenig die Frage, warum sich Ohlala dazu entschlossen hat, zusätzlich zu Deutschland mit den USA einen sehr herausfordernden Markt anzugehen. Neben dem harten Wettbewerb im Technologiebereich und der hohen Reife des Markte, dürften die harschen rechtlichen Vorschriften viele Limitierungen mit sich bringen. In Verbindung mit rein praktischen Herausforderungen wie der Arbeit in unterschiedlichen Zeitzonen stellt sich also die Frage, warum sich Ohlala einen Markt antut, der per se für deutsche Unternehmen bereits schwer zu bedienen ist.

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass Ohlala noch keinen Ansatz zum Geldverdienen aufweist und der deutsche Markt aufgrund der sehr liberalen Rechtsprechung zu bezahltem Sex sehr groß ist, könnte es der sinnvollere Weg sein, sich auf das hiesige Wachstum zu konzentrieren und mit Hochdruck am Faktor Monetarisierung und Geschäftsmodell zu arbeiten.

Vor allem darf bei allem Respekt für Ohlalas intelligente Kniffe beim Geschäftsmodell konstatiert werden, dass der Dienst auf der technischen Seite bisher eher schwachbrüstig aufgestellt ist. Bis dato gibt es nur eine mobiloptimierte Webseite, die Profile, Chats und das Einstellen von Terminanfragen erlaubt – IT-Voodoo ist dies beileibe nicht. Ohlala muss nun also beweisen, dass es bei Monetarisierung und Produktentwicklung ähnlich viel Fantasie besitzt, wie bei der Konzeption seines Angebots. Einfach wird dies wohl nicht, doch darin liegt ja auch der Reiz.

digital kompakt, PaypPal Me

Bildmaterial: Ohlala (Montage)


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