Warum ResearchGate das Google der Wissenschaft werden könnte

Warum ResearchGate das Google der Wissenschaft werden könnte

Mit seinen acht Millionen Mitgliedern hat es das Wissenschaftsnetzwerk ResearchGate geschafft, dass schätzungsweise jeder zweite (!) Wissenschaftler der Welt den Dienst aus Berlin nutzt. Viele Berichterstatter sprechen daher von einem „Facebook der Wissenschaft“, dabei hat der Dienst, auf dem Wissenschaftler ihre Forschung teilen und gegenseitig diskutieren können, ein noch viel größeres Potenzial: er könnte ein Google der Wissenschaftswelt werden, das beeinflussen kann, welche Forschung rezipiert wird.

Echtzeitkommunikation trifft auf Reputation Management

Denkbar ist dies durch die Möglichkeit, statistisch die Popularität individueller Publikationen erfassen zu können – quasi deren Impact. Dazu hat das Unternehmen schon 2012 mit dem RG Score unter anderem den Versuch einer alternativen Form der Reputationsmessung gestartet – wenn man so will einen PageRank für wissenschaftliche Publikationen –, dem noch weitere Indices folgen sollen und der andere Bewertungsalgorithmen wie den Citation Index oder das Academic Ranking of World Universities (ARWU) ergänzen, vielleicht sogar ablösen soll.

Dahinter verbirgt sich eine gigantische Gelegenheit: Bisher ist der wissenschaftliche Austausch nur sehr langsam und selektiv anhand von Publikationen in Fachzeitschriften möglich, wodurch sich lange Antwortzeiten bilden. ResearchGate wandelt diesen Austausch nicht nur in eine digitale Echtzeitkommunikation, sondern ist auch im Begriff, Reputation-Management-Prozesse anhand von Popularitätsindices in Gang zu setzen, die relevant von irrelevant zu unterscheiden helfen. Es sind also ResearchGates Algorithmen, die messen und aussteuern, welcher Content wem angezeigt wird. Ein relevantes Feature, immerhin hat Nature in einer Umfrage festgestellt, dass Wissenschaftler Researchgate vor allem zum Finden und Gefunden-werden nutzen.

Damit verbindet sich freilich auch eine immense soziale Verantwortung, müssen doch Verzerrungen und Beeinflussungen verhindert werden, vor allem ist ResearchGate angesichts seiner großen Durchdringung damit im Begriff, indirekt zu bestimmen, welche Forschung (als wichtig) wahrgenommen und in der Folge rezipiert und zitiert wird. Spielt ResearchGate seine Karten gut aus und wird es seiner Verantwortung gerecht, dürfte es zu einem echten Gamechanger avancieren. Womöglich ist es aber auch schon längst zum Google der Wissenschaft geworden und muss nun nur noch sein weiteres Potenzial heben.

Wie ResearchGate-CEO Ijad Madisch die Rolle von Reputation Management auf seiner Plattform einschätzt, lässt sich übrigens im entsprechenden Abschnitt seines Videointerviews mit digital kompakt nachvollziehen.


2 Gedanken zu “Warum ResearchGate das Google der Wissenschaft werden könntes”

  • 1
    Schneeflocke am Februar 11, 2016 Antworten

    Mit der digitalen Echtzeitkommunikation ist das auf ResearchGate so eine Sache. Freilich findet man viele Publikationen und Autoren. Mit den wenigsten kommt man ins Gespräch. Das fängt schon mit dem Button „Request full text“ an. Die wenigsten reagieren. Dabei ist ja Interesse an den eigenen Papern positiv. Im Grunde ist es verständlich, dass Texte nicht als Volltext verfügbar sind. Das kann nicht funktionieren, da wird es massiven Widerstand der Fachzeitschriften dagegen geben. Also gibt es nur das Abstract. Ob damit ein Austausch angestoßen wird und irgendwer beurteilen kann, welche Publikationen relevant sind, ist fraglich. Dass ResearchGate zum Finden von Forscherkollegen genutzt wird und zum Gefundenwerden der eigenen Person, das ist sicher eine sinnvolle Überlegung, aber dafür gibt es schon andere Netzwerke wie LinkedIn oder Xing. Dazu noch eine nicht wirklich leistungsfähige Suchfunktion … spannend finde ich ResearchGate nicht mehr.

  • 2
    Martin am Juni 29, 2016 Antworten

    Laut Similarweb.com hat Researchgate die doppelte Reichweite von XING und wächst kräftig. Bei Alexa schaut es ebenso aus. Mit 30% Share aus Search ist das auch kein reines SEO-Projekt. Hauptwettbewerber Academia.edu verliert langsam aber sicher den Abstand. In einiegen Bereichen funktioniert der Community-Aspekt wohl auch schon deutlich besser (Mathematik z.B.. Meines Erachtens sind die auf einem richtig guten Weg.

    https://www.similarweb.com/website/researchgate.net
    http://www.alexa.com/siteinfo/xing.com
    http://www.alexa.com/siteinfo/researchgate.net
    https://www.similarweb.com/website/xing.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.