Was ist eigentlich aus den relevanten Shoppingclubs geworden?

Was ist eigentlich aus den relevanten Shoppingclubs geworden?

Zum Ende des letzten Jahrzehnts erlebte Deutschland einen wahren Boom der Shoppingclubs, doch spätestens seit dem Verkauf von Brands4Friends an Ebay wurde es in der Branche recht still um das einst gefeierte Geschäftsmodell. Was ist also aus den relevanten Shoppingclubs geworden?

Deutschland, deine Shoppingclubs

Als der Hype der Shoppingclubs (geschlossene Communities mit Zugang per Einladung, die bekannte Markenwaren in zeitlich begrenzten Aktionen stark rabbatiert anboten) zum Ende des letzten Jahrzehnts in Deutschland an Fahrt aufnahm, war es vor allem das französische Vorbild Vente-Privee (Webseite), das Begehren weckte. Neben dem auch in Deutschland aktiven französischen Vorreiter widmeten sich das spanische BuyVIP (Webseite), das ebenfalls in Iberien ansässige Privalia (Webseite), der deutsche Platzhirsch Brands4Friends (Webseite) oder das auf Familien fokussierte Limango (Webseite) dem Thema.

Shoppingclubs, Entwicklung, Geschaeftsmodell
Shoppingclubs heute: attraktiv im Schattendasein

Auch Zalando trat ab 2010 mit seinem eigenen Shoppingclub Zalando Lounge (Webseite) in den Markt ein und offenbarte angesichts der denkbaren Synergieeffekte einiges an Potenzial. Hinzu kamen internationale Angebote mit deutscher Beteiligung wie etwa Markafoni in der Türkei oder KupiVIP in Russland sowie zum Teil recht spitze Anbieter wie Triphunter (Reisen), Pauldirekt (Technik), Westwing (Wohnaccessoires) oder Mysportbrands (Sportartikel). In den USA zog derweil Gilt (Webseite) breites Interesse auf sich. Gründerszene bietet eine Übersicht, die den Charme der damaligen Goldgräberstimmung verdeutlicht.

Was aus den bekannten Shoppingclubs wurde

Lange beschäftigte die Branche, inwieweit das Geschäft der Flash Sales denn internationalisierbar sei und vor allem wie skalierbar es auf Kunden- und Markenseite denn werden würde. Doch spätestens seit dem Verkauf von Brands4Friends ist das Thema Shoppingclub gefühlt vom Radar der meisten Branchenpublikationen verschwunden. Dabei hat sich sowohl bei den einzelnen Anbietern sowie dem Geschäftsmodell („Spannend: das Geschäftsmodell von Shoppingclubs heute“) einiges getan:

  • Brands4Friends: Brands4Friends wurde nach einigen internen Querelen bereits im Dezember 2010 durch Ebay übernommen und auch wenn der Berliner Shoppingclub seitdem eher den Eindruck eines Ebay-Moduls erweckt, lesen sich die Zahlen des Dienstes viel versprechend. Bereits 2014 konnte Brands4Friends die Umsatzmarke von 100 Millionen Euro knacken und kam durch die Optimierung der Produkt- und Sortimentsgestaltung sowie auf den Ausbau des Sales- und Outletbereichs bereits 2014 auf einen Jahresumsatz von 112 Millionen Euro.
  • BuyVIP: BuyVIP wurde im Oktober 2010 für 70 Millionen Euro von Amazon übernommen, was sich für BuyVIP wohl vor allem durch die Umstellung des Marktes und für Amazon als strategische Erweiterung darstellte. Nachdem der US-Riese BuyVIP mittlerweile firmenseitig eingegliedert hat, ist seitdem nicht mehr viel über die Performance der Spanier durchgedrungen.
  • Gilt Groupe: Einen enttäuschenden Ausgang zeigte die Gilt Groupe, welche lange als Hypeunternehmen im Segment gehandelt wurde. Das US-Unternehmen wurde im Januar 2016 für gerade einmal 250 Millionen Dollar vom Kaufhof-Besitzer HBC übernommen (bei 286 Millionen Dollar an Investments) und soll dort mit dem Outletgeschäft von Saks 5th Avenue zusammengeführt werden. Ein ähnlicher Ausgang zeichnete sich zuletzt für One Kings Lane ab.
  • Limango: Das bereits im Januar 2009 von Otto übernommene und im April 2013 an MyToys angedockte Limango hat eine der überraschendsten Entwicklungen gezeigt. Das auf Familien ausgerichtete Unternehmen fuhr 2015 einen Umsatz von 129 Millionen Euro ein und überzeugt durch ein sehr gutes Management, das sein Geschäft mittlerweile sehr gut zu verstehen scheint.
  • Privalia: Der spanische Shoppingclub Privalia hatte im März 2011 das deutsche Online-Outlet Dress-for-less übernommen, um es dann im Juli 2015 wieder zum Verkauf zu stellen, sodass eine Refokussierung auf das Shoppingclub-Modell möglich wurde. Für 2014 zeigte Privalia Umsätze von 415 Millionen Euro und könnte nun ein Übernahmekandidat für Vente-Privee sein.
  • ShowroomPrive: Ein Anbieter, den zur Hochphase der deutschen Shoppingclub-Welle nicht jeder auf dem Radar hatte, war ShowroomPrive. Und wenngleich sich das französische Unternehmen mit dem deutschen Markteintritt eher schwer tat, zeigte es doch, dass es selbst als Second Mover nach Vente-Privee einige Bewegung in den Markt bringen konnte und das ohne übermäßig hohe Investments. Mehr noch: Im Herbst 2015 legte das Unternehmen einen sehr guten Börsengang hin und untermauerte diesen mit analog guten Zahlen (442,8 Millionen Euro Nettousatz 2015) und exzeptionell tiefen Einblicken in seine Kennzahlen (PDF).
  • Vente-privee: Vorreiter Vente-privee vermochte es lange, eine sehr viel versprechende Entwicklung hinzulegen, kam aber weder mit dem Deutschland-Geschäft noch mit der Expansion gen USA klar. Wie auch ShowroomPrive beziehen die Franzosen damit den wesentlichen Anteil ihrer Umsätze aus ihrem Heimatmarkt. Gleichzeitig blieb man 2014 trotz eines Umsatzes von stattlichen 1,7 Milliarden Euro hinter den eigenen Erwartungen zurück, was 2015 dazu führte, Marktanteile zum Teil durch Übernahmen hinzu zu gewinnen.
  • Zalando Lounge: Mit der Zalando Lounge hat Zalando eine sehr charmante Ergänzung seines Kerngeschäfts gefunden, die auch noch sehr gute Zahlen vorzuweisen hat. So wuchs der hausinterne Shoppingclub auf einen Jahresumsatz von 166,5 Millionen Euro. Siehe dazu auch die Strategiepräsentation (PDF) auf dem Kapitalmarkttag 2016.
  • Zulily: Ebenfalls interessant war die Entwicklung des US-Anbieters Zulily, das sich zunächst als solides Wachstumsunternehmen präsentierte, dann aber Opfer einer sehr hohen Bewertung bei seinem Börsengang wurde und schließlich für 2,4 Milliarden Dollar durch die QVC-Mutter Liberty Interactive übernommen wurde (siehe dazu auch den Exchanges-Podcast zu Zulily).

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Bildmaterial: Pixabay


3 Gedanken zu “Was ist eigentlich aus den relevanten Shoppingclubs geworden?s”

  • 1
    Mike am April 8, 2016 Antworten

    Wie betitelt man Brands4friends als Platzhirsch wenn selbst Limango schon größer ist. Ich bezweifle dass Brands4friends Limango in 2015 überholt hat. Davon hätte man schon etwas gehört…

    Selbst Zalando Lounge war früher immer kleiner und ist nun größer als Brands4friends.

    • 2
      Joël Kaczmarek am April 8, 2016 Antworten

      Naja mittlerweile ist dies so, aber damals, zur Hochphase der Shoppingclubs, war Brands4Friends schon der Marktführer oder erweckte zumindest diesen Eindruck. Aber Limango ist für mich auch eine der Überraschungen.

  • 3
    Anna Readoz am Januar 12, 2017 Antworten

    Ich bin schon ein ewiges Mitglied und kann nur sagen, diese Clubs sind wirklich gut und außer der langen Lieferzeiten habe ich keine negativen Erfahrungen gemacht! Ich habe alle meine Einladungen über die App von http://www.kumk.de erhalten und finde die Idee auch super.

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