Beispiel Transkript

Anfang

Joel Kaczmarek: Hallo und herzlich willkommen zu einem neuen Legal & Tax Podcast von digital kompakt. Heute bin ich in kompetenter juristischer Begleitung. Hallo, stell dich doch mal kurz vor.

Daniel Halmer: Hallo, ich bin Daniel Halmer, ich bin General Counsel bei Weltsparen bzw. der Raisin GmbH in Berlin.

Wann brauchen Unternehmen juristische Beratung?

Joel Kaczmarek: Ehe wir klären, was denn eigentlich ein General Counsel genau macht, steigen wir mal ganz simpel ein. Ab wann braucht man eigentlich als Unternehmen juristischen Rat?

Daniel Halmer: Die Frage ist, wann ist es überhaupt ein Unternehmen, das heißt es gibt ja auch die Vorgründungsphase, wo sich die Gründer erst einmal zusammenraufen und ein Geschäftsmodell entwickeln. Auch hier, also bei der Entwicklung des Geschäftsmodells, kann es sinnvoll sein, bereits juristischen Rat hinzu zu ziehen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn es sich zum Beispiel um regulierte Industrien handelt wie Fintech, InsurTech u.ä. – hier macht es häufig Sinn, das Geschäftsmodell in Begleitung von Anwälten aufzusetzen oder zumindest evaluieren zu lassen. Das haben wir damals auch bei Weltsparen gemacht. Wenn ich jetzt aber nur eine E-Commerce-Plattform aufbaue und Schuhe verkaufe, dann ist es unter Umständen nicht zwingend erforderlich.

Joel Kaczmarek: Etwas derartiges ist nur oft sehr teuer. In solch einem Fall fließt der Cashflow ja unmittelbar in Legal-Faktoren. Für manch jungen Unternehmer stellt dies ein Problem dar und es ist auch eine Mindset-Frage, dass diese sagen „Ich bin jetzt bereit, ein paar hundert oder tausend Euro in solch eine juristische Beratung, in einen juristischen Check-up von meinem Geschäftsmodell zu investieren“. Aber du würdest das trotzdem empfehlen?

Daniel Halmer: Ich würde dies auf jeden Fall empfehlen. Denn häufig ist es, wenn man schon mal losgelaufen ist, zu spät, das Geschäftsmodell nochmal zu adjustieren. Es ist möglich, aber kostet im Zweifel mehr als vorab den Rechtsrat einzukaufen. Dazu vielleicht ein Hinweis: Es gibt durchaus mittlerweile viele Anwälte, auch Kanzleien, die sich auf die Startup-Welt eingestellt haben und auch im Vergütungsmodell Rücksicht darauf nehmen, dass jemand Pre-Funding noch kein Cash zahlen kann, die beispielsweise dann Deals machen, bei denen normaler Stundensatz abgerechnet wird, der aber erst in Rechnung gestellt wird, wenn die Runde geklappt hat.

Joel Kaczmarek:Was ist mit den grundlegenden juristischen Dokumenten zur Gründung: Würdest du für die Gründung und alles was dort mit dran hängt, auch bereits auf professionelle Juristen setzen? Du denkst ja auch ein wenig Cash-sensitiv, vielleicht hast du noch den ein oder anderen Tipp für Gründer, was man da sonst noch machen könnte.

Daniel Halmer: Der erste Schritt einer Gründung ist das Aufsetzen einer UG oder GmbH. Eine UG ist total simpel, da braucht man sicherlich keinen Anwalt für, sondern man geht zum Notar und sagt was man möchte. Aber auch wenn man mit der GmbH als etwas seriöser erscheinende Rechtsform an den Markt gehen will, die noch eine stärkere Glaubwürdigkeit genießt, kann man ein Beratungsgespräch mit dem Notar vereinbaren und in der Regel sind Notare nicht nur gesetzlich verpflichtet, sondern auch bereit, eine Satzung aufzusetzen und diese auch nach spezifischen Wünschen zu gestalten. Man muss also nicht Boilerplate-Dokumente übernehmen, sondern der Notar passt sie für einen an.

Dies wissen viele nicht, aber das Beratungsgespräch ist bei der Vergütung des Notars immer mit dabei. Es sei denn, es sind ganz spezielle Satzungen zu entwerfen. Für die Satzung selbst lässt sich aber direkt mit dem Notar interagieren. Wenn es dann darüber hinausgeht in Richtung Shareholder’s Agreement inklusive ESOP-Programm – also ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm – da empfiehlt es sich meines Erachtens schon, mit externen Anwälten zu arbeiten, weil es doch recht komplex wird und Notare möglicherweise nicht durch die Bank die notwendige Drafting-Expertise haben.

Joel Kaczmarek: Dann heißt dies eigentlich: Wenn ich ein relativ simples Gründungsvorhaben vornehme, also erst einmal nur eine Firma aufsetze und Anteile verteile, dann kann ich dies beim Notar umsetzen, dafür bräuchte es keinen Anwalt, der ab 200 Euro die Stunde kostet. Wenn es derweil etwas fortgeschrittener wird, also mit Faktoren wie Mitarbeiterbeteiligungen u.ä., dann wäre dies schon sinnvoll?

Daniel Halmer: Das kann man aber auch nachziehen. Ich habe ja nicht bereits am Tag 1 schon zehn Mitarbeiter, denen ich Anteile übertragen muss, sondern ich kann dies dann später aufsetzen.

Joel Kaczmarek: Also bei manchen Aspekten fällt das Kind aus juristischer Sicht in den Brunnen und diese können hinterher nicht mehr angepasst werden, während sich andere Aspekte nachrüsten lassen. Die Frage ist also, ab wann man juristischen Rat im operativen Geschäft wirklich dringend einholen sollte und wann sich Aspekte nachrüsten lassen. Wann sollte man denn externe Hilfe für das eigene Geschäftsmodell einholen und wann bietet es sich sogar an, etwas entsprechendes sogar intern aufzubauen?

Daniel Halmer: Diese Frage hängt extrem davon ab, in welcher Industrie ich unterwegs bin. Regulierte Industrien sollten unbedingt relativ früh einen In-house Legal Counsel reinholen. Je weniger Exposure man zu regulatorischen oder rechtlichen Themen hat, desto später kann man etwas Derartiges umsetzen. Und je stärker man international ausgerichtet ist, desto früher kann es sinnvoll sein, sich da In-house Expertise in den jeweiligen Ländern aufzubauen. Häufig unterschätzt wird der Value Add, den auch ein In-house Jurist leisten kann, obwohl man gleichzeitig noch mit externen Anwälten zusammenarbeitet.

Das ist zum einen das Thema Kostenkontrolle. Wenn ein erfahrener In-house Jurist, der vielleicht in einer Wirtschaftskanzlei gearbeitet hat, In-house kontrollieren kann, wie externe Anwälte arbeiten, was diese für welche Dienstleistungen abrechnen und was so üblich ist, kann dies enorm helfen, die eigene Kostenkontrolle in den Griff zu bekommen. Zum anderen aber auch das Thema Übersetzung des externen Rechtsrats in interne Implikationen.

Mal ein Beispiel: Ein Hinweis in einem Rechtsgutachten, das ich von einem externen Anwalt bekomme, lautet: „Ein Dokument bedarf der Schriftform“. Schriftform bedarf nach deutschem Gesetz der Originalunterschrift, beispielsweise des Kunden. Das kann massive Implikationen für die Operations eines Unternehmens haben, wenn man beispielsweise allen Kunden im B2C-Bereich plötzlich schriftlich unterschriebene Dokumente zustellen muss – inklusive logistischem Aufwand, internem Operations-Aufwand usw. Das ist nur ein schlaglichtartiges Beispiel dafür, dass etwas, das juristisch relativ simpel ist und das die externen Anwälte in ihrer Konsequenz vielleicht nicht einschätzen können, durch einen internen Anwalt sozusagen als richtig großes Thema geflagt werden kann, obwohl juristisch dort nicht die Musik spielt.