GFC vs. Rocket Internet Capital Partners: Wie passen Rockets Fonds zusammen?

13. Dezember 2016 Informiert 0
GFC vs. Rocket Internet Capital Partners: Wie passen Rockets Fonds zusammen?

Mit Global Founders Capital (GFC) und Rocket Internet Capital Partners (RICP) gibt es gleich zwei Fonds, mit denen die Samwers in Digitalunternehmen investieren. Und immer öfter finden sich beide Vehikel in den Gesellschafterlisten der geförderten Unternehmen. Doch wie genau gehören beide zusammen?

Zwei Fonds im Samwer-Universum

Wie genau die beiden Samwer-Fonds orchestriert werden, bleibt in weiten Teilen noch nebulös. Grundsätzlich stellt GFC mittlerweile so etwas wie eine Marke für die Fondsaktivitäten von Rocket Internet dar, weshalb beide Fonds ihre Investments mittlerweile häufig zusammen zu tätigen scheinen. Digital kompakt wirft daher einen Blick auf die Genese beider Fonds und versucht nachzuvollziehen, wie die Strategie und Orchestrierung beider Vehikel mittlerweile gestaltet ist.

Unternehmer, die Kapital von beiden Fonds aufgenommen haben, berichten durchaus, dass es zwar einen einheitlichen Ansprechpartner gibt, wenn GFC und RICP gemeinsam investieren, dass es aber durchaus vorkommt, dass Formalitäten wie das Einholen von Vollmachten durchaus mit individuellen Fondsverantwortlichen verbunden sind.

GFC – Fonds zu Rockets globaler Expansion

Gestartet im März 2013 als 150-Millionen-Folgefonds des European Founders Fund (EFF) unter der Federführung von Marc und Oliver Samwer sowie Ex-Delivery Hero-CEO Fabian Siegel war Global Founders Capital (Webseite) dazu gedacht, phasenagnostisch mit Ticketgrößen zwischen 100.000 und zehn Millionen Euro weltweit zu investieren. Der Gedanke dahinter schien auch unmittelbar einzuleuchten: Durch seine radikale internationale Expansion speziell in Zukunftsmärkte wie Südostasien, den Mittleren Osten oder Afrika bekam Rocket Internet eine Fülle an Geschäftsmodellen und Copycats zu sehen, die zu finanzieren durchaus attraktiv sein konnte.

Auf diese Weise bot sich Rocket Internet die Möglichkeit, Wachstumsmärkte, deren massive Digitalisierung noch bevor stehen würde, entweder selbst durch Eigengründungen zu erschließen oder aber doch zumindest in Form früher Beteiligungen mit zu partizipieren. Freilich verband sich dies dennoch für viele der zu finanzierenden Unternehmen mit der Sorge vor einem Interessenskonflikt von Rocket Internet – der Gedanke, dass Rocket die finanzierten Gründungen bei Erfolg nachbauen könnte, lag nahe.

GFC wird in Rocket integriert

Strategisch intelligent war das Vorhaben dennoch und in seiner Positionierung hat sich für GFC laut Webseite bis heute offenbar auch nicht viel geändert. Allerdings ging Global Founders Capital mit dem Börsengang des Inkubators schließlich vollständig in Rocket Internet auf, wobei sich im IPO-Prospekt (PDF) interessante Informationen über die Entwicklung des Fonds finden lassen:

„The Global Founders Capital Fund portfolio consisted of 53 investments into internet companies held jointly by United Internet and GFG. Investments in marketplace businesses accounted for about one-third of the value of this portfolio, investments in e-commerce, financial technology and media & marketing businesses for less than 30% and investments in other internet businesses, including online games, for about 40% of the value of this portfolio. As part of this transaction, the whole Global Founders Capital Fund portfolio valued at €255 million was contributed to the Issuer [Rocket Internet] by way of an exchange of GFG’s share in the Global Founders Capital Fund portfolio for equity in the Issuer, taking GFG’s stake in the Issuer upon completion of this transaction to 53.7%. The Issuer currently intends to use the cash proceeds from this investment to retain higher stakes in our emerging stars and concepts and to further accelerate the growth of some of our emerging stars, such as foodpanda. (Seite 157)“

Mithin wurden die Finanzmittel des Fonds aber nicht nur in Rockets „Emerging Stars“ investiert, sondern auch Rockets Investments in externe Unternehmen finden regelmäßig unter Teilhabe von GFC statt. Hört man sich im Umfeld von Rocket Internet um, gilt GFC dort vor allem noch als „Marke des Rocket-Fonds“.

RICP – Beschleunigung für Rocket-Ventures

Mit Rocket Internet Capital Partners verbindet sich derweil eine gänzlich andere Strategie (PDF), die auch sehr anschaulich in Rockets Präsentation zur Gründung (PDF) klar wird:

„[Rocket Internet Capital Partners] wird in Rocket Internet Beteiligungen investieren und dadurch den Kapitalbeschaffungsprozess für die Portfoliounternehmen vereinfachen und effizienter gestalten, indem die Abhängigkeit von Finanzierungsrunden mit Drittinvestoren bei Portfoliounternehmen erheblich reduziert wird. Weiterhin partizipiert Rocket Internet – und damit die Aktionäre – durch die Erfolgsbeteiligung an den getätigten Investitionen. Die Renditeperspektive für Rocket Internet Anteilseigner wird verbessert, ohne deren Anteile zu verwässern oder zusätzliches Risiko einzugehen.“

Von 420 Millionen Dollar, die Rocket im ersten Closing Anfang des Jahres erzielte, wurden 50 Millionen durch Rocket beigesteuert und umgerechnet 28 Cent jedes investierten Euros sollen von Rocket Internet stammen, ist der Inkubator doch mit Kapital am Fonds beteiligt und partizipiert darüber hinaus wohl auch aktiv an den getätigten Finanzierungsrunden. In Rocket-Firmen darf RICP jedoch nur investieren, wenn mindestens 20% der betreffenden Runde von einem externen Geldgeber kommen.

Ein Vorgehen, das sicher einleuchtet, aber auch nicht frei von Herausforderungen ist, hatte digital kompakt doch Anfang des Jahres etwa kritisiert, dass sich mit dem Geflecht aus Inkubator und Fonds ein Interessenskonflikt ergeben dürfte. Vor allem zeigen Rockets Aktivitäten, dass RICP längst nicht auf die Folgefinanzierung von Rocket-Ventures beschränkt bleibt, sondern vielfach auch extern investiert.

Wie investieren GFC und RICP zusammen?

Und bei diesen Investitionen in Drittunternehmen ist Rocket Internet Capital Partners auch nicht alleine. Immer häufiger lässt sich beobachten, dass Global Founders Capital und Rocket Internet Capital Partners gemeinsam in Unternehmen investieren. Es überrascht ein wenig, dass ein eigentlich als Wachstumsmotor für Rocket-Ventures gedachter RICP-Fonds inzwischen umfangreich im Early-Stage-Bereich investiert, was Rocket im Umkehrschluss immer öfter Diskussionen einbringt, ob der Inkubator nicht zunehmend Umsätze über Investments statt Eigengründungen anstrebt.

Insgesamt bleibt die Kommunikation zum Rocket-Fonds bisher aber denkbar spärlich. Es finden sich keine Finanzberichte, die Aussagen über die Performance des Fonds tätigen und interessant zu beobachten ist, nach welchem Verhältnis, beide Geldgeber gemeinsam investieren. Wer kommt wie zum Zug und gibt es ein gemeinsames Muster? digital kompakt hat dazu einmal fünf gemeinsame Investments von GFC und RICP betrachtet:

 HomebellHumanooOpinarySmaccThermondo
Prozente am Unternehmen:
Rocket gesamt7,44%6,63%5,11%6,79%12,7%
GFC1,49%1,33%1,02%3,08%5,11%
RICP5,95%5,3%4,08%3,71%7,59%
Euro-Vehikel2,28%2,02%2,31%1,42%2,9%
US-Vehikel3,68%3,27%1,77%2,29%4,69%
Verteilungsschlüssel auf Rocket bezogen
GFC19,99%20,01%20%45,36%40,25%
RICP80,01%79,99%80%54,64%59,75%
Euro-Vehikel38,22%38,21%56,67%38,2%38,2%
US-Vehikel61,78%61,79%43,33%61,8%61,8%

Bei Beteiligungen, die beide Geldgeber von Beginn an gemeinsam finanziert haben, wie etwa dem Handwerkerdienst Homebell, dem Fitnessprogramm Humanoo oder dem Meinungsdienst Opinary, lässt sich sehr anschaulich nachvollziehen, dass sich eine 80-20-Verteilung eingebürgert zu haben scheint: 80% der von Rocket gehaltenen Anteile an einer externen Beteiligung werden von RICP gehalten, 20% von GFC. Derweil verändert sich diese Quote logischerweise bei Unternehmen, in die GFC vor dem erst später geschaffenen RICP-Vehikel investiert hat.

Aus dem Umfeld von Rocket Internet ist derweil zu erfahren, dass das Verhältnis, nach dem beide Fonds miteinander investieren, nicht immer gleich ist. Es gebe demnach eine Reihe von Faktoren, die darüber entscheiden, wie sich welcher Fonds engagiert und daneben dürften separate Investment Committees bestehen, welche sich entsprechende Deals noch einmal individuell anschauen.

Ferner ist zu beobachten, dass Rocket Internet Capital Partners seine Beteiligungen über zwei Vehikel tätigt: Eine Entität mit Euro-Konto sowie eine zweite, dessen Kontoführung in Dollar erfolgen soll. Für die Vielzahl der Fälle verteilen diese beiden Vehikel ihre Beteiligungen im Verhältnis 60:40 zu Gunsten des US-Vehikels. Dahinter könnten Konstrukte zur Steueroptimierung stecken oder aber operative Erwägungen. Insgesamt bleibt es in jedem Fall interessant, Rockets Investitionsverhalten weiter zu beobachten.

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digital kompakt, PaypPal Me

Bildmaterial: Global Founders Capital, Rocket Internet (Montage)


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