Zwischen Chaos und Diskrepanzen – darum ist für Movingas Gründer Schluss

Zwischen Chaos und Diskrepanzen – darum ist für Movingas Gründer Schluss
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Es war eine News, die aus heiterem Himmel kam und die Branche erschütterte: Am Freitag wurde publik, dass Movingas Gründer Bastian Knutzen und Chris Maslowski das Unternehmen verlassen – mit ihnen muss ein Viertel der 500 Mitarbeiter gehen. Nun deutet sich an, dass finanzielle Diskrepanzen bei der zu schnellen Skalierung zur Trennung führten.

Eine geplatzte Finanzierung macht den Anfang

Was genau bei Movinga dieser Tage vorgeht, bleibt ein Buch mit sieben Siegeln. Denn die Situationsbewertung aus dem Gesellschafterkreis ist ungemein variant und ändert sich häufig: Die beteiligten Geldgeber des Unternehmens sind in heller Aufruhr, weil es angeblich finanzielle Diskrepanzen gegeben haben soll. Ob und in welcher Form es diese gegeben hat und wie hoch sie für den Fall der Fälle ausgefallen sind, weiß derweil kaum ein Movinga-Gesellschafter. Der Kontostand des Unternehmens soll sich angeblich nicht mit den kommunizierten Umsatzangaben gedeckt haben und unter dem Strich hat das Unternehmen sein Kapital zu schnell verbrannt.

Während einige aus dem Gesellschafterkreis berichten, dass die „angegebenen Umsätze vorne und hinten nicht stimmten“ und es aber noch unklar sei, ob dies aus Absicht oder Unvermögen erfolgte, heißt es von anderen, dass es nicht etwa zu Fälschungen gekommen sei, sondern, dass Movingas Gründer wohl bei der Skalierung ihres Unternehmens überfordert gewesen seien und das Eintreiben von Außenständen sowie die saubere Abwicklung der Buchhaltung nicht richtig im Griff hatten.

Am Anfang einer Spurensuche steht dazu eine geplatzte Finanzierung: Angedacht gewesen sei eine 15-Millionen-Finanzierung, bei der die Samwers mit ihrem Rocket-Fonds zwei Drittel hätten beisteuern sollen, während Earlybird und Index vermutlich den Rest übernehmen wollten. Movingas Gründer hätten gleich mehrere Term Sheets für eine weitere Finanzierung des Unternehmens erhalten, sich dann aber auf eine interne Runde konzentriert, um Zeit und Aufwand zu sparen. Auf der letzten Meile soll diese Finanzierung dann geplatzt sein.

Accounting und Reporting mit Problemen

Warum diese Finanzierung ein jähes Ende fand, bleibt hingegen Gegenstand unterschiedlicher Spekulationen. Rocket Internet habe eine Due Dilligence durchgeführt und dabei Missstände festgestellt, heißt es. Movinga hätte im Finance- und Accountingbereich ein gewisses operatives Chaos aufgewiesen, wodurch hohe Außenstände – einige Quellen sprechen von bis zu fünf Millionen Euro – zustande gekommen seien, die das Unternehmen versäumt hätte einzutreiben.

Daneben sei das Reporting des Unternehmens äußerst ungewöhnlich gewesen, meinen einige Akteure der Geldgeberseite. So sollen die Gründer ihr Datenmaterial stets so aufbereitet haben, dass es Movinga in einem sehr günstigen Licht erscheinen ließ. Per se sollte dies keine Besonderheit in der Branche darstellen, gehört es doch gerne mal zum üblichen Säbelrasseln, Auftragseingänge, aggressive Forecasts oder Außenumsätze in Dollar inklusive Mehrwertsteuer zu kommunizieren. Offenbar hat Movinga es nach Ansicht der Investoren hier aber etwas übertrieben.

Verkettung ungünstiger Situationen

Unter dem Strich heißt es vom Gros der Beteiligten, dass es wohl eine Verkettung ungünstiger Situationen war, die jeweils für sich genommen eine Absetzung des Gründerteams nicht gerechtfertigt hätten, in Summe aber dazu bewogen haben. Da sei zum einen die schlechte Berichterstattung rund um eine beantragte Lizenz gewesen sowie die hohe Burn Rate des Unternehmens allgemein. Auch das Handelsblatt hatte ja bereits berichtet, dass Movinga sein Kapital deutlich zu schnell aufgezehrt hatte.

Mit Aufkommen der operativen Rückstände rund um Buchhaltung und Reporting war das Maß dann offenbar voll. Die Geschwindigkeit der Absetzung legt derweil die Vermutung nahe, dass die Situation brisanter war, als es bis dato den Anschein macht. Immerhin mangelte es dem Unternehmen lange an einer Kommunikationsstrategie und viele der Beteiligten schienen von den unternommenen Schritten überrascht. Dass nicht auch Finn Age Hänsel von Movingas Management-Kahlschlag betroffen war, soll sich durch sein hohes Maß an Ehrlichkeit und Proaktivität erklären und weil er bei vielen der betroffenen Prozesse nicht involviert gewesen sei.

Auf Investorenseite glaubt man derweil weiter an das Modell. Es wird gemunkelt, dass Rocket Internet willens sei, an einer Finanzierung über fünf Millionen Euro zu partizipieren – dann aber sicherlich zu einer deutlich niedrigeren Bewertung als die zuletzt kolportierten 140 Millionen Euro. Movinga wird sich nun also mit konsolidiertem Aufbau auf seine Kernmärkte fokussieren. Wie gut ein Modell mit geringer Wiederkaufsrate und einem hohen Maß an externem Leadeinkauf ohne die ursprünglich anvisierte Skalierung funktionieren wird, bleibt dennoch abzuwarten.

digital kompakt, PaypPal Me

Bildmaterial: Movinga (Montage)

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5 Gedanken zu “Zwischen Chaos und Diskrepanzen – darum ist für Movingas Gründer Schlusss”

  • 1
    HelloMove am Juni 22, 2016 Antworten

    Hallo Joël,

    leider sehen die Investoren noch immer nicht, dass mit jeder Minute, in der Movinga am Markt ist, Kapital verbrannt wird. Und mit Finn Hänsel wird es nicht besser werden, da er das eigentliche Problem von Movinga noch immer nicht erkannt hat!

    Ein trauriges Schauspiel, dass deutlich macht, wie naiv und mit welcher Unkentniss des Marktes, selbst ein hiesige Größen agieren. In diesem Zusammenhang sehe ich Knutzen/Maslowski eher als Bauernopfer.

    Viele Grüße
    HelloMove

  • 2
    Tobias am Juni 22, 2016 Antworten

    @hellomove: was ist denn das eigentliche Problem von Monvinga?

    • 3
      HelloMove am Juni 22, 2016 Antworten

      Problemfelder:
      1) Der Ansatz zur Ermittlung des Umzugspreises ist falsch. Dieser ist ungeeignet zur schnellen internationalen Skalierung
      2) Ausführung der Dienstleistung mit Hilfe von „unprofessionellen“ Speditionen
      3) Daraus resultieren Schäden und sehr schlechte Bewertungen
      4) Der unfähige Kundenservice rundet das chaotische Bild ab! Selten so etwas schlechtes erlebt! Bsp.: Auf meine korrigierte Umzugsrechnung musste ich 2 Monate warten. Und selbst diese schickten Sie erst, als ich begann im großen Stil Humankapital zu binden um so massive Kosten zu verursachen.

      Viele Grüße
      HelloMove

  • 4
    der kritische am Juni 22, 2016 Antworten

    So langsam bildet sich ein Muster das bereits durch Rocket Internet und andere Akteure aus der Szene kultiviert wurde. Junge Gründer werden für die harte Aufbau Phase rekruitert. Erfahrene Manager werden in/nach der Anfangsphase mit „an Board genommen“. Die Fehler der Anfangszeit werden den jungen Gründern angelastet, diese haben ohnehin ausgedient, da ihre Erfahrungen und Kenntnisse nicht für Phase 2 (Wachstum durch Optimierung) ausreichen.

    Jungen Gründern kann hier nur der Rat gegeben werden sich ausreichend abzusichern oder die Mehrheitsbeteiligung „ihrer“ Gründung zu beanspruchen. Letzteres ist grundsätzlich zu empfehlen. Wenn Investoren Gründer Teams mehr als die Hälfte der Company (bei Gründung) abnehmen wollen, ist Vorsicht geboten. Solche Deals sind zwar in Deutschland durchaus üblich, aber nur in gewissen Kreisen. Und in diesen Kreisen ist der Begriff „Gründer“ auch nur noch ein belächelter Ausdruck naiver Vorstellungen.

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