Telegram wächst auf 100 Millionen Nutzer

Telegram wächst auf 100 Millionen Nutzer

Der aufstrebende Messaging-Dienst Telegram verkündete gestern das Durchbrechen der Schallmauer von 100 Millionen Nutzern. Schickt sich der Messenger aus Berlin damit an, zu einem der ersten Verfolger von WhatsApp zu werden?

Beeindruckendes Wachstum bei Telegram

Erst kürzlich stellte digital kompakt den Messenger Telegram als eines jener Berliner Startups vor, das sich anschicken könnte, es in naher Zukunft bis zu einer Milliardenbewertung zu bringen. Nun kommuniziert das Startup durchaus beeindruckende Wachstumszahlen: Auf 100 Millionen monatlich aktive Nutzer will es der Dienst von VKontakte-Gründer Pavel Durov bringen – jeden Tag sollen 350.000 neue hinzu kommen. Würde das Wachstum in dieser Geschwindigkeit weiter gehen, stünden in 285 Tagen 200 Millionen Nutzer auf der Habenseite, wenngleich offen bleibt, wie viele der neuen Sign-ups aktiv bleiben und ob sich die Anmeldequote mit steigender Nutzerzahl nicht sogar noch deutlich erhöht.

Telegrams Wachstumsprozess in der Übersicht:

Anzahl NutzerAnzahl Messages
03/2014: 35 Millionen12/2014: 1 Milliarde
09/2015: 60 Millionen05/2015: 2 Milliarden
02/2016: 100 Millionen08/2015: 10 Milliarden
02/2016: 15 Milliarden

WhatsApp und Telegram im Wachstumsvergleich

Zum Vergleich: WhatsApp hatte für die Schallmauer der 100 Millionen Nutzer ebenfalls rund zweieinhalb Jahre benötigt (und war damit schneller als Facebook gewachsen), war aber auch rund vier Jahre früher als Telegram entstanden und blickte damit auf einen deutlich geringer entwickelten Markt.

Umgekehrt profitierte Telegram auch massiv von der WhatsApp-Übernahme durch Facebook, störten sich doch zahlreiche Nutzer am neuen Besitzer und suchten deshalb nach einer sichereren und datenschutzorientierten Alternative, was Apps wie Telegram oder Threema massives Wachstum bescherte.

Für den Sprung von 200 auf 700 Millionen Nutzer hatte WhatsApp dann gerade einmal 21 Monate benötigt, mit entsprechender Skalierung stellen sich also offensichtlich entsprechende Skaleneffekte für Messenger ein. Telegram scheint derweil vor allem bei der Anzahl der verschickten Nachrichten zu punkten (was sich schon länger abzuzeichnen scheint):

 WhatsAppTelegram
Anzahl Nutzer1 Mrd.100 Mio.
Anzahl Messages42 Mrd.15 Mrd.
Messages/Tag pro Nutzer (Durchschnitt)42150

Spannendes Geschäftsmodell hinter Telegram

Gegründet worden ist Telegram vor zweieinhalb Jahren und operiert nach eigenen Angaben aus Berlin. Von wo genau, bleibt jedoch offenbar eher ein Geheimnis, scheint Gründer Durov nach der Enteignung von seinem Vorgängerstartup durch den Kreml doch eine gewisse Paranoia zu eigen.

Spannend ist der Messenger neben seinem hohen Innovationsgrad vor allem hinsichtlich seines Geschäftsmodells, zeichnet sich doch ab, dass Telegram mit seiner Bot-API eine Art App Store im Messenger-Bereich etablieren könnte („Wie monetarisiert man einen Messenger?“).

Bildmaterial: Telegram (Montage)


5 Gedanken zu “Telegram wächst auf 100 Millionen Nutzers”

  • 1
    Kau Tschuk am Februar 26, 2016 Antworten

    Trotzdem nutzen in meinem Freundeskreis die meisten Threema. In Deutschland scheint Telegram nicht so verbreitet zu sein.

    • 2
      Joël Kaczmarek am Februar 26, 2016 Antworten

      Ich glaube, es nimmt signifikant zu, bei mir sind immer mehr Kontakte auch bei Telegram. Vielleicht gibt es da aber auch unterschiedliche Affinitäten.

      • 3
        Kau Tschuk am Februar 29, 2016 Antworten

        Ich denke, die, welche bereits bei Threema sind, werden nicht wechseln, da es für sie keinen Grund gibt. Aber die, welche bei WhatsApp sind, probieren Telegram vielleicht mal aus, da es nichts kostet und (vermeintlich) die Privatsphäre besser schützt als WhatsApp.

  • 4
    Nico Rehmann am März 1, 2016 Antworten

    Ich habe auch vor 2 Monaten auf Telegram umgestellt. Da ich meine Haupt-Chatpartner dazu überreden konnte kommuniziere ich nun hauptsächlich über Telegram. Hauptsächlich aus dem Grund, dass ich die Bildrechte nicht an Facebook / WhatsApp abtreten möchte. Auf WhatsApp kann ich aber aktuell leider noch nicht verzichten.

    • 5
      Kau Tschuk am März 1, 2016 Antworten

      Die Bildrechte werden bei WhatsApp m.E. nicht abgetreten. Zumindest zwischen Android-Nutzern soll ja (gem. WhatsApp) Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zum Einsatz kommen, also können die Bilder nur vom Empfänger eingesehen werden.

      PS: Warum nicht gleich Threema verwenden? Wäre in jeder Hinsicht die bessere Lösung.

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