Warum ein NDA bei VCs ein No-Go ist

Warum ein NDA bei VCs ein No-Go ist

Erst kürzlich hat Jörg Binnenbrücker im Blog von Capnamic Ventures einen prägnanten Beitrag darüber verfasst, warum ein NDA (eine Verschwiegenheitsverpflichtung) bei Venture Capitalists keine gute Idee ist. Digital kompakt erweitert diese Liste.

Jörg Binnenbrückers Argumente zu NDAs

Da ihm in seiner Position als Investor die Höflichkeit und der Respekt gegenüber jungen Gründern vielleicht die eine oder andere klare Aussage verbieten und weil Jörg Binnenbrücker einen guten Punkt hat, den zu unterstützen sich lohnt, sammelt digital kompakt einige weitere No-Go-Gründe für NDAs bei Investoren. Als Lektüre zum Thema empfiehlt sich übrigens „Venture Deals“ von Brad Feld und Jason Mendelson.

In unseren eigenen Worten wiedergegeben und um die eine oder andere Einordnung ergänzt, sind dies die Argumente, die Capnamic Ventures zum Thema NDA bei VCs zusammengetragen hat:

#1 NDAs sind unwirtschaftlich und lenken ab

Als Investor, der jährlich über tausend Finanzierungsanfragen erhält, würde die rechtliche Prüfung Unsummen an Zeit und Geld verschlingen und dabei vom Wesentlichen ablenken. Ein guter Investor steckt seine Zeit und sein Geld daher lieber in die Unternehmen als in eine Anwaltskanzlei.

#2 Vertrauen: VCs sind Partner, keine Konkurrenten

Ohne Vertrauen funktioniert eine Beteiligung nicht. Letztlich will ein Investor Partner sein und Mehrwerte stiften und nicht zum Konkurrenten werden. Wer dann mit einem NDA auffährt, kann leicht den Eindruck erwecken, die Branche und ihre Mechanismen nicht verstanden zu haben. Sicherlich ein anspruchsvoller Aspekt, grassieren doch gerne einmal Gerüchte über Informationen absaugende Investoren, doch hier kommt auch #3 ins Spiel.

#3 VCs leben von ihrem guten Ruf

In einer so stark vernetzten Branche wie dem Internetgeschäft lebt ein Venture Capitalist von guten Netzwerken. Und in solchen Netzwerken geht Fehlverhalten nicht einfach unter, sodass der gute Ruf eines Investors oftmals sein Kapital darstellt. Gute Recherche bewirkt hier folglich mehr als ein NDA.

#4 VCs investieren in Teams, nicht Ideen

Ideen sind nichts wert, sondern nur deren Umsetzung. Und für eine erfolgreiche Umsetzung braucht es ein gutes Team. Wer auf einem NDA besteht, hat also nicht verstanden, dass er selbst der Kern des Unternehmens ist und nicht die Idee.

#5 Gute Ideen fürchten keine Konkurrenz

Oft arbeiten mehrere Teams an der gleichen oder einer ähnlichen Idee. Ein NDA würde da den Auswahlprozess massiv torpedieren und vor allem braucht ein Gründer, der eine klare Vorstellung seines zu entwickelnden Geschäftsmodells aufweist, Konkurrenz nicht zu fürchten.

Dies lässt sich zu NDAs ergänzen

#6 Ein NDA schadet mehr, als dass er nützt

Am Anfang einer Gründung geht es darum, sie vom Boden zu bekommen. Dazu sind der Rat, das Netzwerk und die Expertise vieler Inputgeber von zentraler Bedeutung. Anstatt sich dieses Asset durch einen NDA also zu begrenzen, sollte ein Gründer lieber darauf achten, mit wem er über seine Idee spricht.

#7 Ein NDA disqualifiziert einen Gründer als unerfahren

Ein Gründer, der einem VC einen NDA vorlegt, disqualifiziert sich unmittelbar als unerfahren. Da Ideen nichts wert sind und ein NDA gleichzeitig ein Klima des fehlenden Vertrauens und einen hohen Aufwand schafft, signalisiert jeder Gründer mit einem NDA unmittelbar, dass er nicht weiß, wie die Branche tickt. Das Gute: der Investor spart sich so einen aufwändigen Prüfungsprozess.

#8 NDAs würden für VCs ein Minenfeld hervorrufen

Ein Venture Capitalist sieht viel zu viele Ideen und Teams und ist häufig in viel zu vielen Segmenten aktiv, als dass es ihm effektiv möglich wäre, einen NDA zu unterzeichnen. Damit würde er sich an den unterschiedlichsten Fronten ein rechtliches Risiko einkaufen. Dies wäre in etwa so, als würde ein Musikproduzent unterschreiben, sich nach einem vorspielenden Künstler keine andere Musik aus dieser Sparte mehr anzuhören.

#9 NDAs haben keine wirkliche Bindekraft

Die rechtliche Verbindlichkeit eines NDAs in der Anfangsphase darf bezweifelt werden. Das Geschäftsmodell hat einen leicht anderen Dreh, die Entstehung kam auf anderem Wege zustande oder ein anderer Partner saß auf einem Thema – die Gründe, warum ein NDA nicht greifen könnte, sind vielfältig und rechtlich sind sie schwer durchsetzbar.

#10 Ein NDA schließt Co-Investoren aus

Hätte ein Investor einen NDA unterzeichnet, wäre er anschließend auch nicht mehr in der Lage, mit anderen Venture Capitalists, die als gute Co-Investoren fungieren könnten, über die Idee zu sprechen. Der Netzwerkeffekt der Idee käme zum Erliegen.

#11 Ausnahme: Beim Verkauf ist ein NDA sinnvoll

Geht es um den Verkauf eines Unternehmens, kann ein NDA als Vorsorge für das Nichtzustandekommen sehr wohl sinnvoll sein. In diesem Fall muss nicht gefürchtet werden, dass das Gegenüber mit sensiblen Daten hausieren gehen kann und gleichzeitig kann ein NDA hier bereits testen, ob es das Gegenüber wirklich ernst meint, denn einseitige Verschwiegenheitsvereinbarungen haben an dieser Stelle keinen Sinn. Kommt der Kauf zustande, haben beide Seiten ein Interesse an Verschwiegenheit, ist dies nicht der Fall, schafft der NDA Abhilfe.

Bildmaterial: Pixabay


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