Wie baut man eine Rechtsabteilung auf? (Transkript zu Legal & Tax #6)

Wie baut man eine Rechtsabteilung auf? (Transkript zu Legal & Tax #6)

Was kostet eine interne Rechtsabteilung?

digital kompakt: Wie und wo finde ich denn solche Personen?

Daniel Halmer: Wenn wir jemanden suchen, gehen wir zunächst über unser Family & Friends Netzwerk. Kanzleien, mit denen man bereits zusammen arbeitet, haben vielleicht einen Associate, der auf dem Absprung ist und neue Herausforderungen als In-house Counsel sucht. Was man natürlich auch machen kann, aber relativ teuer ist, ist der Weg über Legal Recruiter. Diese sind aber eher tätig, um auf Kanzlei-Ebene neue Teams zu besetzen. Unsere Erfahrungen mit den bisherigen Recruitments, die wir gemacht haben, waren aus unserem Friends & Family Netzwerk.

digital kompakt: Gib uns mal ein Gefühl für die Kosten, die bei Einholung von externem juristischen Rat entstehen. Wie ist der Kostenposten bei eher klassischen Modellen, und was kostet mich eine interne Rechtsabteilung?

Daniel Halmer: Das ist schwer zu sagen. Die Anwaltskanzleien rechnen meist Stundensätze ab, die rangieren zwischen 200 und 600 Euro, je nachdem bei welcher Kanzlei und bei welchem Anwalt man landet. Und dann sind die Gesamtkosten sehr stark davon abhängig, wie eng man mit dem externen Anwalt arbeitet, wie man ihn auf die Fragestellung, die mich interessiert, einstellen kann, wie stark der laufende Beratungsbedarf ist oder aber ob man mal ein spezielles Thema aufbauen will.

Zum Beispiel lässt man ein Gutachten fertigen, dass dann vielleicht 30.000 bis 40.000 Euro kostet und danach ist damit die Frage beantwortet. Sprechen wir von den internen Kosten einer internen Rechtsabteilung so sieht man, dass bereits bei Berufseinsteigern nichts unter 100.000 Euro Jahresgehalt geht. Und das muss natürlich ein Start-up gerade in der frühen Phase abfangen und auch Equity-Packages anbieten, um da ein gutes wettbewerbsfähiges Gesamtpaket zu offerieren.

Buddy, Matratze

digital kompakt: Dann kann es gut funktionieren, wenn man anstelle von 120.000 Euro „nur“ 80.000 Euro bietet und oben drauf ein attraktives Equity-Paket legt, bei dem man unmittelbar am Erfolg der Firma beteiligt ist und somit ein intrinsisches Interesse hat, das Unternehmen zu formieren?

Daniel Halmer: …und natürlich auch noch einen anderen Lifestyle bietet. Es ist ja bekannt, dass man in Kanzleien auch lange Arbeitszeiten hat. In vielen Startups ist dies zwar auch so, aber vielleicht nicht ganz so viel wie in der Großkanzlei.

digital kompakt: Woran erkenne ich als Unternehmer denn einen guten General oder Legal Counsel? Woher weiß ich, dass er seinen Job beherrscht und in einem 100 Seiten langen Vertrag ein Wort findet, das für mich einen riesigen Impact bedeutet?

Daniel Halmer: Das ist eine ungemein wichtige Frage und hängt damit zusammen, dass aus meiner Wahrnehmung heraus die Arbeit von In-house-Juristen bzw. der Value Ad, den sie liefern, häufig unterschätzt wird. Man hat im Grunde nur Downside, d.h. wenn alles glatt geht und Legal nicht groß auffällt, dann macht er offenbar eine gute Arbeit, denn dann scheint alles gut zu laufen. Im Idealfall kann man aber, und das ist beispielsweise in regulierten Industrien der Fall, mit juristischer Kreativität auch Geschäftsopportunitäten erschließen, indem man juristische Rahmenbedingungen so miteinander kombinieret, dass sich daraus beispielsweise Erleichterungen aus Kundensicht ergeben. Man ist also nicht nur der Spielverderber und muss gewisse Dinge bremsen, sondern ganz im Gegenteil: ein guter General Counsel zeichnet sich dadurch aus, dass er proaktiv Konzepte entwickelt, die das Leben vereinfachen oder neue Geschäftsopportunitäten aufdecken.

digital kompakt: Wie benchmarkst du so jemanden? Wie kann ich an der Vita ablesen, ob er sein Handwerk beherrscht. Worauf würdest du achten?

Daniel Halmer: In Deutschland ist leider Gottes immer noch der Blick auf die Noten in den beiden Staatsexamen sehr weit verbreitet. Ich versuche mich persönlich davon freizumachen. Ich glaube, dass Noten nicht sehr aussagekräftig sind. Nichtsdestotrotz sind sie eine gewisse Indikation, welches Qualitätslevel der Bewerber hat. In unserem Recruitment-Prozess machen wir einen Drafting Excercise, das ist eine kleine Hausaufgabe, die der Bewerber uns schicken muss, und aus der wir relativ klar sehen können, wie kommerziell der Bewerber denkt, wie sehr er Optimierungsgedanken beim Drafting einbringt, wie sauber er draftet und ob er das Handwerkszeug, das man eigentlich erwarten würde, beherrscht.

Im persönlichen Gespräch erkennt man dann relativ schnell, welch Geistes Kind jemand ist. Und dann hängt es natürlich davon ab, welche Rolle zu besetzen ist. Wir hatten bei Weltsparen beispielsweise das Thema „Europe“. Da ist es natürlich hilfreich, wenn jemand eine Doppelqualifikation hat. Wir haben eine Anwältin, die ist deutsche und französische Anwältin, spricht fließend Französisch, Deutsch und Englisch. Solche Dinge sind dann sehr hilfreich, weil gerade für ein internationales Geschäftsmodell Sprachenkenntnisse total relevant sind.


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