Die Digitalisierung der Traditionsmarke Viessmann (Transkript zu Deep Dive #18)

Die Digitalisierung der Traditionsmarke Viessmann (Transkript zu Deep Dive #18)

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In seinem Unternehmer-Podcast Deep Dive sprach digital kompakt mit Maximilian Viessmann über die Digitalisierung des 100 Jahre alten Familienunternehmens Viessmann. Die spannenden Ausführungen des Heizungsherstellers bietet digital kompakt im Folgenden als Textversion für alle Leser, die Inhalte lieber lesen als anhören.

Der Podcast zum Textinterview:

Maximilian Viessmann über Digitalisierung

Digital kompakt: Wir sitzen hier in einem mollig warmen, aber wirklich sehr gemütlichen und fast schon romantisch eingerichtetem Serverraum bei einem alteingesessenen Unternehmen. Stell dich doch mal ganz kurz vor und beschreib uns was du machst.

Maximilian Viessmann: Mein Name ist Max Viessmann und ich bin Chief Digital Officer [auch CDO] im 100-jährigen Familienunternehmen Viessmann. Wir befinden uns hier gerade in unseren heiligen Hallen, ein wenig im Auge des Sturms unserer digitalen Aktivitäten. Wir sind dabei, unser Unternehmen nachhaltig zu erneuern und links und rechts zu digitalisieren.

Digital kompakt: Gib uns mal ein Gefühl von deinem Unternehmen: Im Vergleich zu einem Internetunternehmer ist ein Unternehmen mit einer hundertjährigen Geschichte ja beinahe schon ein Relikt aus dem Dinosaurierzeitalter. Was für ein Unternehmen führst du da eigentlich, was macht ihr im Kern, wie groß seid ihr und was ist euer ganzes Spektrum?

Maximilian Viessmann: Die Ursprünge unseres Unternehmens liegen in der Heiztechnik. Wir haben das Unternehmen in den letzten Jahren sehr stark internationalisiert und das Wachstum sehr stark vorangetrieben. Wir machen jetzt etwa 2,3 Milliarden Euro Umsatz mit etwa 11.500 Mitarbeitern als Teil unseres Familienunternehmens. Der Hauptfokus liegt nach wie vor auf den Heiz-, Energie-, Industrie- und Kühlsystemen. Wir sind hier in Summe sehr solide aufgestellt und erschließen jetzt für uns völlig neue Möglichkeiten – nicht nur aus dem Serverraum heraus.

Buddy, Matratze

Digital kompakt: Vielleicht kannst du auch mal einen Satz zu dir und deinem Job als Chief Digital Officer sagen – im Übrigen habe ich gelesen, ist deine Position bis 2017 befristet…

Maximilian Viessmann: Der Hintergrund ist, dass man, ähnlich wie in Early-Stage-Startups, in Familienunternehmen einen sehr bereinigten Captable hat. Das heißt, es ist ein sehr fokussierter Gesellschafterkreis, der es mir und der restlichen Familie ermöglicht, sehr unternehmerische Entscheidungen zu treffen. Wir haben in der Vergangenheit das Glück gehabt, dass wir in den vorangegangenen drei Generationen immer Gründer-Unternehmer gehabt haben; also Gründungen im Jahr 1917, Gründungen nach dem Zweiten Weltkrieg und in gewisser Weise auch die Neuerfindung des Unternehmens in den 1990er Jahren. Und letztendlich stehe ich zu einem gewissen Teil jetzt ebenfalls vor derselben Herausforderung, dass wir das Unternehmen ein Stück weit neu erfinden bzw. neue Opportunitäten für uns erschließen müssen. Und da steht natürlich die Verantwortung für die 11.500 Mitarbeiter zunächst über allem.

Digital kompakt: Was machst du als Chief Digital Officer?

Maximilian Viessmann: Im Wesentlichen besteht meine Aufgabe aus drei Teilen: Der Großteil besteht darin, das bestehende Geschäft besser zu machen. Das heißt größere Skalierbarkeit in die Prozesse hinein zu bringen und digitale Touchpoints aufzutun; also alles das, was sich auf Basis der bestehenden Plattformen schneller erschließen lässt. Der zweite Teil beinhaltet angrenzend an das bestehende Geschäft neue digitale Geschäfte für uns zu erschließen. Der dritte Teil umfasst, dass wir sehr stark diversifizieren, über Company-Building-Vehikel, über einen Venture-Capital-Fonds etc. So schaffen wir für uns Möglichkeiten, eher breit an Deep-Tech-Themen zu partizipieren und weniger nur auf unseren strategischen Kern zu schauen.


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