Monetarisierung: 6 Beispiele, wie sich mit Foto-Apps Geld verdienen lässt

Monetarisierung: 6 Beispiele, wie sich mit Foto-Apps Geld verdienen lässt

Die Foto-App Prisma erlebt dieser Tage einen echten Hype und flutet die sozialen Medien mit kunstverzierten Fotos. Allerdings weist die App noch gar keine Monetarisierung auf, weshalb digital kompakt beleuchtet, mit welchen Geschäftsmodellen sich bei Foto-Apps eigentlich Geld verdienen lässt.

Viel Hype, noch keine Einnahmen

Nach MSQRD, einer Live-Filter-App, die im März von Facebook akquiriert wurde, erlebt dieser Tage die Bildbearbeitungs-App Prisma einen großen Hype („3 Hype-Apps, die man kennen sollte“). Doch ähnlich wie „Masquerade“, das bis heute noch keine Monetarisierung aufweist, verdient auch Prisma bisher kein Geld. Bisher zahlte es sich für so manche Foto-App aus, es zunächst auf große Reichweite zu bringen, um dann gekauft zu werden und mit seiner Relevanz in häufig jungen Zielgruppen anschließend nach einem Geschäftsmodell zu suchen. Neben Spielen stellen Foto-Apps einen Großteil der Apps in den App Stores, weshalb digital kompakt denkbare Foto-App-Geschäftsmodelle jenseits von Bezahlapps betrachtet.

Instagram – Advertising

Instagram dürfte bis dato die bekannteste Foto-App sein und sucht sein Glück vor allem über Advertising. Mit Werbung im Foto-Stream und Videoanzeigen sollen ähnlich hohe Werbeumsätze erzielt werden, wie dies bereits der Unternehmensmutter Facebook gelungen ist. Ein Vorgehen, das durchaus gelernt sein will, zeigte doch etwa MySpace in der Vergangenheit, dass nicht-kontext-sensitive Werbung einem Sozialen Netzwerk großen Schaden bescheren kann. Das feine Aussteuern von Werbung ohne den eigentlichen Content allzu stark zu entwerten, stellt also eine der größten Herausforderungen im mobilen Advertising dar – neben den bisher oft schlechten Konvertierungsraten. Dafür bringt Instagrams Bildlastigkeit hingegen die Chance auf eine größere Emotionalisierung der Werbebotschaften mit sich.

Pinterest – Affiliate Marketing & Kaufbuttons

Auch wenn Pinterest keine reine Foto-App, sondern vielmehr ein bildlastiges Social Network ist, zeigt der Dienst dennoch auf, wie sich über Foto-Verlinkungen Geld verdienen lässt. Da wäre zum einen das klassische Affiliate Marketing, bei dem Nutzer für die Anregung von Verkäufen entlohnt werden. Dass Pinterest die provisionierten Links allerdings für 15 Monate von seiner Plattform verbannte, weil es erst seine Spam-Erkennungsroutinen verbessern musste, zeigt, dass die Handhabung der oft betrugsanfälligen Affiliate Links nicht ganz trivial ist.

Noch spannender sind derweil die Bestrebungen des Dienstes rund um einen Buy-Button, mit dem Nutzer Produkte, die sie auf Fotos entdecken, unmittelbar kaufen können. Zwar stellen zu Beginn noch die als „Promoted Pins“ bezeichneten Werbeeinträge des Unternehmens den Hauptfokus der Monetarisierung dar, doch auch eine Monetarisierung der blau hervorgehobenen Kaufenbuttons anhand von Provisionen u.ä. dürfte nicht mehr fern sein.

Clip2Comic/BeSafe – In-App Purchases

In eine funktional ähnliche Richtung wie Prisma tendiert auch die vom Potsdamer Unternehmen Digital Masterpieces entwickelte App Clip2Comic: Nutzern ermöglicht die App, ihre Fotos und Videos mit wenigen Clicks in Comicbilder umzuwandeln und bietet dazu unterschiedliche Comictypen und Feineinstellungen an. Geld verdient die App über In-App Purchases, also durch Käufe von Zusatzfunktionen innerhalb der App. Dazu bietet Clip2Comic bisher nur die Entfernung der Wasserzeichen an, doch vermutlich dürften noch weitere Bezahlfeatures folgen. Häufig dienen Wasserzeichen in einer frühen Phase zur Verbreitung einer App, während weitere Monetarisierungsfunktionen erst später folgen.

Und während Clip2Comic eine Wasserzeichenentfernung nur sehr versteckt anbietet, löst BeSafe, eine ebenfalls von Digital Masterpieces entwickelte App zum Verpixeln und Blurring von Fototeilen, dies noch einmal geschickter: Hat der Nutzer ein Foto bearbeitet und will es speichern, wird er gefragt, ob es mit oder ohne Wasserzeichen exportiert werden soll. Entscheidet er sich gegen ein Wasserzeichen, lädt die App zum Bezahlen eines Kaffees in drei Preisstufen ein, um Wasserzeichen dauerhaft zu entfernen.

Snapchat – Sonderfunktionen und -inhalte

Auch das speziell bei jungen Nutzern beliebte Foto-Social-Network Snapchat experimentiert nach wie vor mit seinem Geschäftsmodell. Neben Erwägungen im Advertising-Bereich kam dabei in der Vergangenheit auch das Thema der Wiederholungen auf. War Snapchat bis dato dafür bekannt, Bilder nach dem Ansehen zu löschen, konnten Nutzer sich gegen Zahlung von 99 Cent drei Bilder oder Videos jeweils noch einmal ansehen. Auch in der Schaffung von Zusatzfeatures können also Monetarisierungspotenziale liegen und Snapchats jüngst geschaffene Emojis könnten hier nach dem Vorbild asiatischer Apps einen weiteren Anwendungsfall aufzeigen.

EyeEm – Stockfoto-Marktplatz

Einen ungewöhnlichen, aber durchaus innovativen Weg zur Monetarisierung seiner Dienste hat die Berliner Foto-App EyeEm gewählt. Die ganz ähnlich wie Instagram funktionierende Filter-App verdient Geld, indem es die Fotos seiner Nutzer mit deren Erlaubnis über einen Marktplatz für Stockfotos vertreibt. Zum Start taxierte das Unternehmen seine Fotos mit Preisen zwischen 20 und 250 Dollar bis hin zu einer erweiterten kommerzielle Nutzung inklusive Cover-Option. Die Macher der Bilder erhalten einen Anteil am Umsatz und seinen Kunden verspricht EyeEm authentischere Fotos als auf anderen Plattformen.

Dennoch bestehen auch dabei unterschiedliche Herausforderungen, etwa dass viele mit dem Smartphone aufgenommene Fotos keine ausreichend hohe Auflösung bieten oder die Durchsuchbarkeit und Kuratierung der Bilderdatenbank zur Herausforderung gerät. Das Problem der Kuratierung dürfte EyeEm derweil mit der Übernahme des Schweizer Bild-Analyse-Dienstes Sight.io angegangen sein, das per Algorithmus die Qualität von Fotos misst. Und mit The Roll ist darüber hinaus sogar eine Ableger-App zur Sortierung der eigenen Foto-Roll entstanden.

digital kompakt, PaypPal Me

Transparenzhinweis: Der Autor war früher im unmittelbaren Umfeld von Digital Masterpieces beruflich tätig, weißt aber keinerlei wirtschaftliche Beziehungen zum Unternehmen auf.

Bildmaterial: Pixabay, Pixabay, Pixabay, Pixabay, Firmenlogos (Montage)


2 Gedanken zu “Monetarisierung: 6 Beispiele, wie sich mit Foto-Apps Geld verdienen lässts”

  • 1
    Nikolaus Kühn am Juli 25, 2016 Antworten

    Option 7: Gar nicht (oder nur als Vorwand).

    Primärziel ist Exit zur qualitativen Verbesserung einer anderen App oder Dienstleistung, die ein eigenes, tragfähiges Geschäftsmodell hat und damit ihre Marktposition (userbasis zusammenhalten) und Nutzerbindung (braucht keine separate app für einen use case) stärkt.

    Man muss nicht vorher wissen, an wen. Es reicht, wenn die bestehenden Möglichkeiten alle teuer oder schlechter sind.

    Siehe Mailbox (dropbox), SketchUp (google), Picasa (google), Snapseed (google), Aviary (Adobe), evtl. Vine (twitter) etc. pp.
    Adobe hat auch schon viele Filteranbieter übernommen für Photoshop.

    • 2
      Joël Kaczmarek am Juli 25, 2016 Antworten

      Ja, guter Punkt, hatte ich auch schon überlegt, etwas ironisch an den Anfang zu stellen, aber ist sogar eigentlich ein valider Aspekt.

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