Gehyptes Geschäftsmodell: Homebell, Movinga und die Vertikalisierungswelle

Gehyptes Geschäftsmodell: Homebell, Movinga und die Vertikalisierungswelle

Digital kompakt berichtete schon vor sechs Wochen vom Interesse des Londoner Vorzeiginvestors Index an der Handwerkervermittlung Homebell – nun ist das Investment bestätigt und soll sich auf etwa zehn Millionen Euro belaufen. Ein Grund: Das Geschäftsmodell vertikal integrierter Marken erfreut sich derzeit großer Beliebtheit – ein Überblick.

Was eine vertikal integrierte Marke ausmacht

Die Webseite von Homebell ist noch kaum bei Google indexiert, da geben Index Ventures und Rocket Internet bereits ein Zehn-Millionen-Investment in das Unternehmen von Felix Swoboda und Sascha Weiler (über die Macher hinter Homebell). Grund dafür dürfte wohl das Geschäftsmodell der „vertikal integrierten Marken“ sein, dass in letzter Zeit stark an Auftrieb in der Branche gewinnt.

Movinga, Geschäftsmodell, Umzugsdienstleister
Geschäftsmodellanalyse zu vertikal integrierten Marken am Beispiel Movinga

Bei einer vertikal integrierten Marke handelt es sich um ein Unternehmen, das an und für sich wie ein Marktplatz funktioniert und Angebot und Nachfrage zu einem bestimmten Themengebiet aggregiert (z.B. Handwerker oder Logistiker), dabei aber die volle Wertschöpfungskette abwickelt und dementsprechend den Kunden „besitzt“ (aber auch in der Verantwortung steht). Anbieter wie Homebell sind dadurch ein One-Stop-Shop für den Kunden: Ein Anbieter bietet alles aus einer Hand und soll den Prozess vereinfachen, die Umsetzungsqualität kontrollieren und die Kundenzufriedenheit erhöhen.

Verdient wird über eine Lead-Provision, doch im Gegensatz zu klassischen Lead-Generation-Modellen reichen vertikal integrierte Marken den Kunden nicht einfach nur weiter, sondern begleiten ihn über den gesamten Abwicklungsprozess als unmittelbarer Ansprechpartner.

Eine Reihe vertikal integrierter Marken

Dass das Modell derzeit auch bei Investoren sehr gefragt ist, belegen eine Reihe von Gründungen:

  • Flixbus: Flixbus ist einer der frühen Vertreter des Modells, indem es die Kapazitäten von Busunternehmern auf seiner Plattform aggregriert, die Fahrzeuge mit seinem Markenauftritt brandet und die gesamte Prozesskette steuert.
  • Thermondo: Das Geschäft hinter Thermondo ist denkbar komplex, verkauft das Startup aus Berlin doch Heizungen, für deren Einbau es sogar eigene Heizungsmonteure beschäftigt. Auch Thermondo steuert den gesamten Prozess des Heizungseinbaus vom Angebot bis zur Rechnungslegung.
  • Helpling/Book a Tiger: Die Putzkraftvermittlungen Helpling und Book a Tiger vermitteln Putzkräfte und treten dabei für den Endkunden als verantwortliche Marke auf. Angesichts der kleineren Warenkörbe dürfte das Modell hier allerdings schwieriger anwendbar sein.
  • Movinga: Eines der bekanntesten Beispiele einer vertikal integrierten Marke ist derzeit das Umzugsstartup Movinga, das mit Move24 auch unmittelbar einen Nachahmer gefunden hat. Der 370 Mitarbeiter starke Dienst aus Berlin vermittelt Umzugsunternehmen und garantiert seinen Kunden per Algorithmus errechnete Umzüge zum Festpreis. Digital kompakt hat das Geschäftsmodell von Movinga bereits detailliert analysiert.
  • Homebell: Homebell-Macher Felix Swoboda hat früh beim Aufbau von Movinga geholfen und dürfte folglich ein ähnliches Geschäftsmodell avisieren, nur mit der Ausrichtung auf Handwerker. Vorbild ist wohl das amerikanische Pro.com.
  • AskCharlie: Auch die Tirendo-Gründer sind mit einer vertikal integrierten Marke zum Thema Handwerker aktiv, die den Namen AskCharlie trägt und sich an Thumbtack orientieren soll.

Digital kompakt hat das Geschäftsmodell hinter vertikal integrierten Marken bereits ausführlich analysiert, zum einen im Falle von Homebell für das Handwerkersegment, zum anderen am Beispiel von Movinga stellvertretend für das Vertikalisierungsmodell als Ganzes.

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Bildmaterial: Pixabay


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