Sechs Jahre Stealth-Modus: Startet der Business-Alleskönner Number Four bald?

Sechs Jahre Stealth-Modus: Startet der Business-Alleskönner Number Four bald?

Das Technologieunternehmen Number Four befindet sich seit sechs Jahren im Stealth-Modus, wurde mit einer dreistelligen Millionensumme bewertet und will das GeschÀftskundensegment umkrempeln. Nun steht das Unternehmen anscheinend kurz vor dem Launch und weckt riesige Erwartungen.

Number Four will KMUs helfen

Um ein Unternehmen mit Dutzenden Mitarbeitern lange selbst zu finanzieren, anschließend 38 Millionen Dollar von einigen der bekanntesten Technologie-Investoren des Kontinents einzusammeln und dann noch einmal ĂŒber Jahre im stillen KĂ€mmerlein an seinem Produkt zu arbeiten, erfordert wohl eine Reihe von Charaktereigenschaften: Ausdauer, Zuversicht, Eier aus Stahl, ein festes Standing in der Branche und vor allem eine Vision gepaart mit einer gewissen GrĂŒndlichkeit. Marco Börries bringt offensichtlich eine Reihe dieser Eigenschaften fĂŒr die Umsetzung seiner Vision hinter Number Four (Webseite) mit.

Bereits seit 2009 arbeitet er an dem Unternehmen, das in der Szene als so etwas wie ein SAP fĂŒr kleine und mittelstĂ€ndische Unternehmen (KMUs) gehandelt wird. Bisher wird spekuliert, dass Number Four eine offene, cloudbasierte Software-Plattform (PaaS) werden soll, ĂŒber die KMUs unterschiedliche Dienste in Form von kleinen Apps beziehen können. Quasi ein Selbstbedienungsladen fĂŒr technik-averse GeschĂ€ftskunden, die ihren Kunden aber digitale Services bieten wollen. So könnte sich ein Coffee Shop mit wenigen Klicks ein Treueprogramm zusammenklicken oder ein Restaurant ein Kassen- und Bezahlsystem beziehen. Denn mittlerweile machen auch GerĂŒchte die Runde, dass sogar Hardware-Komponenten Teil des Number-Four-Angebots werden sollen.

Das abgedeckte Spektrum des Dienstes scheint also riesig:

Mit NumberFour arbeitet Börries und sein 40-Mann-Team seit nunmehr vier Jahren an einer Plattform insbesondere fĂŒr kleine Unternehmen. Von ProduktivitĂ€ts-Tools ĂŒber Kommunikationswerkzeuge, Hilfsmittel fĂŒr die Bereiche Sales, Produktion, Einkauf oder Versand aber auch Finanzen und bis hin zu Reservierungsfunktionen soll das Angebot reichen. Und das sowohl fĂŒr Online- wie auch Offline-Unternehmen.

GrĂŒnderszene zur Finanzierung von Number Four

Großes Potenzial, große Erwartungen

Ähnlich groß dĂŒrften die Marktpotenziale von Number Four sein, immerhin markiert das GeschĂ€ftskundensegment einen der grĂ¶ĂŸten MĂ€rkte ĂŒberhaupt und winkt hĂ€ufig mit großen Warenkörben und langen Customer Lifetime Values. Vor allem stehen die wesentlichen Digitalisierungsprozesse dieser Wertschöpfungsketten erst noch bevor und werden dann zu massiven UmwĂ€lzungen fĂŒhren. Dass sich mit Business-Software gutes Geld verdienen lĂ€sst, beweisen ohnehin ja bereits SAP und Oracle, deren GrĂŒnder weit oben auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt zu finden sind.

Number Four, Lars HinrichsUnd Marco Boerries macht in diesem Kontext einiges richtig: Zum einen verwendet er sehr viel Zeit im Vorfeld auf die BewĂ€ltigung der KomplexitĂ€t, die sich mit dem Segment verbindet, zum anderen scheint er an einer ganzheitlichen Lösung zu arbeiten, die dennoch als offene Plattform konzipiert ist und damit Raum bietet, dass Number Four zu einem B2B-Ökosystem werden könnte, das nicht selbst jede Entwicklung umsetzen, sondern nur die dafĂŒr nötige Plattform bereitstellen muss. Und das man in genau diese Richtung zu denken scheint, offenbart auch die jĂŒngste Veröffentlichung von N4JS (PDF), einer Open-Source-Sprache, die auf Javascript basiert und deren Dokumentation so dick wie ein Telefonbuch ist.

Wenn dann noch der Preispunkt stimmt und eine gewisse skalierbare ModularitĂ€t gegeben ist, erscheint es sehr gut vorstellbar, dass hĂ€ufig steife und ĂŒberalterte Lösungen wie sie bei SAP an der Tagesordnung sind, einen ernsten Gegenspieler erhalten. Sofern denn auch die Produktgestaltung und die Vertriebsstrategie der Vielkönnerlösung stimmen.

Denn Ă€hnlich stark dĂŒrften auch die Erwartungen und der Erfolgsdruck auf dem Unternehmen lasten. Bereits 2011 wurde publik, dass Index Ventures das Unternehmen unterstĂŒtzt und seitdem hat der Vorzeigeinvestor Börries sagenhafte fĂŒnf Jahre der Entwicklung ohne Launch zugestanden. In einem Segment, dessen Sales-Zyklen brutal lang sind, ist dieses dem sonst verbreiteten Rapid-Prototyping-Ansatz entgegenstehende Vorgehen also durchaus mutig. Sicherheiten bieten an dieser Front wohl unter anderem Marco Börries bisherige Erfolge (Star Division-Exit an Sun, StarMoney-Exit, VerdiSoft-Exit an Yahoo!).

So auch so: Aus deutscher Sicht ist ein Erfolg von Number Four unbedingt wĂŒnschenswert und das bisherige Vorgehen lĂ€sst eine große Vision und mutige Detailarbeit vermuten.

Bildmaterial: Number Four (Montage)


7 Gedanken zu “Sechs Jahre Stealth-Modus: Startet der Business-Alleskönner Number Four bald?s”

  • 1
    fred am MĂ€rz 18, 2016 Antworten

    Sucht mal nach awino easy im Netz. Die Firma ist schon mit ner komplett neuen Suite am Markt. Und die kann auch noch die gesamte IoT-Integration.

  • 2
    Stephan am MĂ€rz 19, 2016 Antworten

    Finde es kaum vorstellbar, dass jemand 38 Mio. fĂŒr ein ungelaunchtes Produkt erhĂ€lt. Wirklich gĂ€nzlich unvorstellbar. Die im Artikel angesprochenen Features finde ich lĂ€cherlich, denn es gibt oder besser gab fĂŒr all diese Themen lĂ€ngst fokussierte Startups, die am Markt aber nicht erfolgreich waren.

    Auf der anderen Seite: Eine Software, in die 38 Mio. geflossen ist muss schon etwas Besonderes sein. Da muss es noch Killerfeatures geben, die dieses Investment rechtfertigen. Vielleicht ein ausgesourctes Vertriebsmodell?

  • 3
    David am September 29, 2016 Antworten

    „….Mit NumberFour arbeitet Börries und sein 40-Mann-Team seit nunmehr vier Jahren an einer Plattform insbesondere fĂŒr kleine Unternehmen. Von ProduktivitĂ€ts-Tools ĂŒber Kommunikationswerkzeuge, Hilfsmittel fĂŒr die Bereiche Sales, Produktion, Einkauf oder Versand aber auch Finanzen und bis hin zu Reservierungsfunktionen soll das Angebot reichen. Und das sowohl fĂŒr Online- wie auch Offline-Unternehmen……“

    Das liest sich 1:1 wie die Story von http://www.weclapp.com, die auch als so etwas wie das SAP fĂŒr kleine und mittelstĂ€ndische Unternehmen (KMUs) gehandelt wurden. Mit dem Unterschied allerdings, dass weclapp schon seit vielen Jahren mit einem fertigen Produkt erfolgreich am Markt vertreten ist.

    Bin aber trotzdem mal gespannt zu sehen was Number 4 da auf die Beine gestellt hat. Ob die GeheimniskrĂ€merei gerechtfertigt ist oder die Investoren die Story einfach nur groß reden wollen, damit sie ihren Invest wieder raus bekommen.

  • 4
    Matze am September 30, 2016 Antworten

    Number Four hat ja sogar fast das gleiche Logo mit der Hand wie bei weclapp.

    Number Four kassiert 38 Millionen von Investoren ein und hat dann noch nicht mal Geld fĂŒr ein eigenes Logo? #FAIL

  • 6
    Baba Kilmister am Februar 10, 2017 Antworten

    Es gibt bereits genug ERP/ CRM Produkte auf dem Markt, die mir alles liefern was ich in Eigenregie brauche. Bereits gesetzlich geregelt ab 2017 obligatorisch: Alle Registriekassen mĂŒssen eine USB-Schnittstelle besitzen, um Finanzberichte an das Finanzamt auch elektronisch ĂŒbermitteln (wie z.B. bei Elster) zu können. Das bedeutet jeder Kassenhersteller stattet seine GerĂ€te zusĂ€tzlich mit eigener Software fĂŒr USB-PC Schnittstelle aus.

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