Das sagen Deutschlands Top-Investoren zu Softbank

Das sagen Deutschlands Top-Investoren zu Softbank

Im Rahmen seiner Softbank-Serie (Was ist Softbank?) hat digital kompakt einige der deutschen Top-Investoren gefragt, wie sie den mit Abstand weltweit größten Tech-Investor Softbank einschätzen und inwieweit sie unserer Strategie-Analyse zustimmen. Hier ihre Antworten.

Florian Heinemann | Project A

Der Ansatz von Softbanks Vision Fund ist mit Sicherheit die bislang konsequenteste Reaktion auf die Erkenntnis, dass „Gewinner-Firmen“, insb. im digitalen Bereich mit starken Netzwerkeffekten, eine deutlich überdurchschnittliche Wertentwicklung erfahren und erfolgreiches investieren in diesem Bereich daher einen gewissen „Hit Business“-Charakter hat. Und die Wahrscheinlichkeit eines Hits wird durch Investments in bislang ungekannter Größenordnung deutlich erhöht.

Es zeigt auch, dass die Grenzen zwischen Investieren/Beteiligungen und dem Verfolgen von operativem Geschäft zunehmend verschwimmen. Die Finanzbeteiligung von heute kann morgen durchaus – zumindest in Bezug auf die Werthaltigkeit bzw. Anteil am Gesamtunternehmenswert – das Kerngeschäft von morgen sein. Sehr erfolgreiche Firmen von Naspers verfolgen diesen Ansatz, insb. über ihre Tencent-Beteiligung, bereits seit längerem.

Auch VCs im frühphasigen Bereich werden sich darauf einstellen müssen: Die Möglichkeit bzw. Fähigkeit, auch in späteren Finanzierungsrunden noch den eigenen Anteil verteidigen zu können, nimmt an Relevanz und erforderlicher Größenordnung deutlich zu. Das wird zu steigenden Fondsgrößen und auch einem zunehmenden Einsatz von Folgefonds oder Special Purpose Vehicles (SPVs) führen, um nicht „unter die Räder zu kommen“. Dennoch haben sie weiterhin eine essentielle Funktion: die Firmen früh zu identifizieren, die das Potenzial zur „Softbank-Tauglichkeit“ aufweisen, und diese auf dem Weg dorthin konstruktiv zu begleiten.

Späterphasig investierende Fonds müssen sicherlich noch stärker über ihre Differenzierung gegenüber Softbank nachdenken.

Klaus Hommels | Lakestar

Als mich Rajeev Misra [Board Director bei der SoftBank Group, Anm. d. Red.] gefragt hat, was ich vom Vision Fund halte, habe ich ihm geantwortet, dass ich den Vision Fund für eine geopolitische Waffe halte. Die Top 20 nicht gelisteten Internetfirmen/-Plattformen haben kumuliert in den letzten acht Jahren zirka 64 Milliarden Dollar eingesammelt. Mit 60% des Funds hätte man also alle Finanzierungsrunden machen können und wäre Top-Shareholder mit allen Rechten und Einfluss in den wesentlichen globalen Tech-Playern von morgen. 20 Top-Firmen deren Macht eine global-politische ist, werden durch einen Shareholder und letztendlich durch Masayoshi Son [CEO von Softbank, Anm. d. Red.] kontrolliert.Wir haben ja heute schon Plattformen gegen Staaten, wo viele Staaten den kürzeren ziehen. Wie soll das erst bei so einem Modell werden?

Christian Leybold | e.ventures

Ein Faktor bei der Strategie rund um Softbank ist es, dass Firmen länger „private“ bleiben, da die Kapitalkosten in den Private Markets sehr gering ausfallen, während ein Börsengang gewisse Kosten und gestiegene Transparenz erfordert, da man sich den Märkten aussetzt.

Insofern ist der Analyse von digital kompakt zuzustimmen, nur würde ich nicht sagen, dass wir „traditionellen“ VCs dadurch zwangsläufig stärker verwässern oder sich unsere wirtschaftliche Position dadurch verschlechtert. Im Gegenteil, am Ende gibt es auch immer Liquidität über Secondaries, also Private Sales von Private Company Stock. Jemand wie Masayoshi Son [CEO von Softbank, Anm. d. Red.] ist also eher eine Alternative zum IPO und damit gleichzeitig auch als möglicher Exit-Kanal zu sehen. Unangenehm ist es nur, wenn man in den Wettbewerber investiert hat, für denn ein erfolgreiches Fundraising dann sehr schwierig werden dürfte….

Insgesamt ist dies alles Ausdruck des massiven „Value Shift to Digital“. So machen allein die FANG Stocks [Akronym für die Tech-Aktien von Facebook, Amazon, Netflix und Google (jetzt Alphabet), Anm. d. Red.] alleine bereits ca. 8% des S&P 500 [Standard & Poor’s 500 ist ein Aktienindex, Anm. d. Red.] aus, der MSCI World Information Technology Index legte letztes Jahr sogar um fast +40% zu und damit um ganze 15% mehr als der breit gestreuute MSCI World Index Und hier setzt Softbank einfach darauf, dass die nächsten FANG Stocks heute private sind und man sich mit so einem Fund massiv daran beteiligen kann.

Vereinfacht gesprochen macht Softbank das, was Naspers damals mit der Beteiligung an Tencent und anderen privaten Unternehmen erfolgreich umgesetzt hat, jetzt nur vielleicht 100x größer, weil die Firmen auch ungleich höher bewertet und größer sind. Wenn man sich ansieht, wie viele Firmen heute schon mit über einer Milliarde bewertet sind, diese als Universum dann aber quasi gerade so die Marktkapitalisierung  von Facebook ausmachen, ergibt das schon Sinn.

Christian Saller | Holtzbrinck Ventures

Bisher hat der Softbank Vision Fund mit Auto1 nur ein Investment in Deutschland gemacht, welches zwar sehr groß war, aber vergleichbar mit anderen Later-Stage-Investments in sehr erfolgreiche Grown-Ups – wie dem Investment 2017 von Naspers in Delivery Hero oder dem von Kinnevik in Zalando 2012. Ein Game Changer war der Vision Fund hierzulande also bisher nicht. Natürlich beobachten wir aber sehr genau, wie der Vision Fund in anderen Geographien den Markt verändert. Ein paar Gedanken hierzu:

Wir sehen schon seit einigen Jahren einen Trend zu höherem Kapitalbedarf der Startups, weil sich Gründer und Investoren nicht mit einem kleinen Exit zufriedengeben, sondern etwas richtig Großes aufbauen wollen, und das kostet eben Geld. Entsprechend werden Finanzierungsrunden und Fondsvolumina größer. Der Vision Fund passt hier also durchaus in einen Trend, den er allerdings nicht linear fortsetzt, sondern auf ein völlig neues Niveau hebt.

Für Fonds mit Early-Stage-Fokus kann der Vision Fund (oder ähnliche Megafonds wie im Artikel erwähnt) eine „günstige“ Quelle von Late Stage Growth Capital sein, welches in Deutschland zwar nicht mehr so knapp ist wie vor einigen Jahren, aber immer noch nicht im Überfluss vorhanden ist. Für Early-Stage-Investoren ist der Vision Fund sogar eine Exit-Alternative, so hat zum Beispiel DN Capital beim Einstieg des Vision Funds bei Auto1 einen Großteil seiner Anteile verkauft und so einen Teil-Exit erzielt. In diesem Sinne sehen wir die Entstehung derartiger Megafonds durchaus positiv.

Die Größe des Vision Funds stellt natürlich auch eine Gefahr dar, weil er potentiell durch ein großes Investment die Wettbewerbslandschaft in einem Sektor komplett verändern kann. „You don’t want to be on the wrong side of a Vision Fund investment“ hat mir ein Venture Capitalist aus den USA gesagt. Es wird interessant sein, diese Dynamik in den nächsten Jahren zu beobachten.



Bildmaterial: digital kompakt, Lakestar, E.ventures, Project A, Holtzbrinck Ventures

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