Deep Dive #49: BASF und die Digitalisierung der Chemiebranche

Deep Dive #49: BASF und die Digitalisierung der Chemiebranche

In seinem Unternehmer-Podcast Deep Dive spricht digital kompakt in regelmäßigen Abständen mit erfolgreichen Unternehmern aus der Digitalbranche. In dieser Folge ist Markus Bold (Head of Chemovator) von BASF zu Gast. Er gibt unter anderem Insights zum Chemovator, dem Inkubator von BASF.

  • BASFs Digitalisierungswaffe: der Chemovator

    Die Gründungszeiten BASF (Webseite) liegen einige Jahre zurück. 1865 wurde das Unternehmen als Badische Anilin und Sodafabrik gegründet und hat sich seitdem zu einem börsennotierten Konzern entwickelt. Heute ist der Chemiekonzern in über 80 Ländern aktiv, beschäftigt mehr als 100.000 Mitarbeiter und der Umsatz liegt bei über 60 Milliarden Euro. Mit dem Chemovator (Webseite) beginnt nun die Reise ins digitale Zeitalter. 

    Wir digital ist BASF?

    Die Gleichung: Großkonzern ist gleich Tanker ist gleich Digiatlisierungsverlierer lässt Markus Bold, der Leiter des Inkubators Chemovator, nicht so stehen. Zwar räumt er ein, dass noch Digitalisierungs-Baustellen bestehen, vor allem im Bereich Datamining und Datasharing sieht er noch Potenzial, verweist jedoch darauf, dass BASF an vielen Stellen längst digital ist und gibt einen kleinen Überblick über die fünf zentralen Bereiche:

    1. Forschungsbetrieb: Modellierung der Forschung am Computer
    2. Anlagen: Sensoren und Vernetzung den Anlagen
    3. Sales: Digitalisierung der Prozesse
    4. Digitaleinheit innerhalb des Unternehmens
    5. Chemovator: Erkennen von Entrepreneuren und Geschäftsmodellen innerhalb der BASF

    Was macht der Chemovator?

    Der Chemovator ist der Inkubator von BASF. 50 Ideen haben die Verantwortlichen gesehen, davon neun Ventures ausgewählt, von denen wiederum fünf digitale Geschäftsmodelle entwickeln. Zwei Beispiele hat Markus Bold mitgebracht.

    • Boxlab – Logistikanwendung

    Das Problem: In der Chemiebranche werden hoch regulierte Chemikalien verschickt, etwa Pflanzenschutzmittel. Die Verpackung gehört, da sie alle relevanten Sicherheitsinformationen enthält, zur Zulassung. Wird die Verpackung zerstört, ist die Chemikalie aus Sicherheitsgründen nicht mehr verkäuflich. Oft wird das Produkt dann fachgerecht entsorgt, da dies günstiger ist als eine neue Verpackung zu beschaffen. Boxlab bietet dafür eine Lösung. Das Start-up versieht jedes einzelne Produkt mit einem Code, der es ermöglicht innerhalb von 24 Stunden eine Ersatzverpackung bereitzustellen.

    • Sustragil – Chemikaliensicherheit

    Das Problem: Jede Chemikalie ist reguliert und das bedeutet, dass es zu jeder Chemikalie unzählige Sicherheits- und Verwendungsvorschriften gibt. Diese werden von der Zulassungsbehörde dem Hersteller mitgeteilt, der gibt sie an die Anwender weiter und so weiter. Kommt es zu einer Änderung werden darüber wieder alle Beteiligten informiert: meist in Papierform. Sustragil digitalisiert diesen Prozess. Die Kernfrage: wie kommen alle relevanten Informationen, in Echtzeit und papierlos zum Kunden?

    Für wen ist der Chemovator?

    Der Slogan “The protected space for BASF intrapreneurs” macht klar: der Inkubator richtet sich an die Mitarbeiter von BASF. Zwar sei es möglich, dass ein externes Start-up für die Chemovator Journey ausgewählt wird, dann gilt jedoch auch, dass einer der Gründer von BASF sein muss.

    Wir sollten den Unfair-Advantage, den wir als Unternehmen haben, auch zu nutzen. Technologie und Marktzugang sind unheimlich viel wert. (Markus Bold | Head of Chemovator)

    Das klingt erst einmal arrogant und wenig offen, hat aber einen branchenspezifischen Hintergrund, führt Markus Bold weiter aus.

    Start-ups haben es in dieser Branche sehr schwer an relevante Industriekontakte zu kommen. Deswegen nutzen wir unsere BASF Kompetenzen. (Markus Bold | Head of Chemovator)

    2019 sind drei Ausgründungen geplant, dabei ist es in erster Linie nicht erheblich, ob es sich um eine Spin Off oder ein Spin In handelt. Die Spin Ins sind typischerweise nicht digitale Themen. Bei Ausgründungen übt das Corporate keine Kontrolle mehr aus, um VC Investments zu ermöglichen.

    Wie arbeitet der Chemovator?

    Beim Besuch der Webseite fällt auf, dass diese eine eigene Domain besitzt und nicht irgendwie an die BASF Domain angeflanscht ist. Der Chemovator agiert sowohl digital als auch physisch getrennt vom Mutterkonzern.

    Unsere Intrapreneure bekommen den Freiraum, sich auszuprobieren und machen zu dürfen. Wir sind keine Abteilung des Unternehmens. (Markus Bold | Head of Chemovator)

    Markus Bold fasst die Arbeitsweise in fünf Punkten zusammen:

    1. Freiraum schaffen.
    2. Frei-Raum ernst nehmen durch räumliche Trennung.
    3. BASF muss als Chemiekonzern risikoavers sein. Der Chemovator nicht.
    4. Prozesse ersetzen durch Erfahrung und Coaches.
    5. Ventures werden durch externe Juroren bewertet. Der Kunde und das Team rücken so in den Fokus.

    In jedem Zyklus können maximal 12 Teams, die aus zwei bis drei Gründern bestehen, die Chemovator Jouney antreten. Diese ist in mehrere Schritte gegliedert.

    1. Vorphase: Start-up Bootcamp
    2. Pitch und Auswahl
    3. Validierungsphase (Drei Monate)
    4. Erneuter Pitch
    5. Inkubationsphase (Bis zu 21 Monate)
    6. Spin Off oder Spin In

    Bei der Reise durch die Inkubationspahse werden die Gründer und Gründerinnen von Coaches begleitet. Dazu hat BASF ein “Entrepreneure in Residence”-Programm aufgelegt. Die Idee dahinter ist es, das unternehmerische und digitale Mindset in die Gründerteams zu coachen.

    Bei der Auswahl unserer Mentoren achten wir auf Diversität. Wir haben jemanden der Geschäftsmodelle versteht, jemanden, der Produkte versteht, andere haben Branchenwissen. (Markus Bold | Head of Chemovator)

    Die Finanzierung erfolgt aus unterschiedlichen Mitteln. Hilfreich ist sicherlich, dass es bei der Gründung um einen Vorstandbeschluss handelt. Die Arbeit es Chemovators ist “Free of charge”, die einzelnen Journey-Phasen sollen keine Abteilungen belasten. Zusätzlich kann es sein, dass eine Sparte ein Venture aus eigenen Mitteln unterstützt. Das sei etwa bei Boxlab der Fall, hier habe die Agrosparte große Potenziale gesehen. Das hat gleich mehrere Vorteile: erstens erhalten die Start-ups Mittel und zweitens einen Testkunden. Bold betont, dass diese internen Finanzierer keine Kontrolle ausüben.

  • Darum solltest Du reinhören

    Dieser Podcast gibt Dir einen guten Überblick über die Digitalisierungsstrategie bei BASF. Du verstehst…

    • …wie digital BASF ist
    • …wie die Chemiebranche digitaler werden kann
    • …warum es Start-ups in der Chemiebranche schwer haben
    • …wieso der Konzern auf Intrapreneure setzt
    • …was die Ziele des Inkubators Chemovator sind
    • …wie der Konzern seine Gründer auf der Founders Journey unterstützt
    • …warum der Freiraum entscheidend ist
    • …wie ein Inkubator den Gründern geschützen Raum bietet
    • …warum sich der Chemovator Mentoren ins Boot holt
    • …was BASF aus diesem Prozess gelernt

    Last, but not least: Nach dieser Folge weißt Du, warum Mannheim ein guter Standort für einen Inkubator sein kann.

  • Darüber sprechen wir mit Markus Bold

    Im Deep Dive Podcast werden diese Themen rund um die Digitalisierung der Chemiebranche behandelt (Links führen zum Track):

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Dauer: 39 Minuten

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Bildmaterial: digital kompakt

 


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