Deep Dive Office #2: Bürofachplanung – der Weg in eine neue Bürowelt

12. November 2019 Podcasts 0
Deep Dive Office #2: Bürofachplanung – der Weg in eine neue Bürowelt

In seinem Büro Design Podcast Deep Dive Office spricht digital kompakt regelmäßig mit Einrichtungsexperten. Sie erläutern praxisnah, wie aus Büros Marken und aus Räumen Arbeits- und Wohlfühloasen werden. In dieser Folge berichtet Pirjo Kiefer, wie vitra. Bürolandschaften kreiert und was sich hinter dem Begriff Bürofachplanung verbirgt.

  • Bürolandschaften

    Büros sind komplexe Welten. Welten, die gestaltet und beeinflusst werden können, um so das Arbeitsklima und den Workflow zu verbessern. Diese Position verficht das Schweizer Unternehmen vitra. (Webseite) schon seit Jahrzehnten. Bekannt wurde der Möbelhersteller in den 60er und 70ern durch die Designs von Ray und Charles Eames sowie Verner Panton.

    Mittlerweile stellt vitra. nicht nur Möbel her, sondern berät Kunden auch bei der Gestaltung von Büro- bzw. Arbeitsräumen. 1000 Mitarbeiter hat das Unternehmen weltweit. 16 davon arbeiten auf zwei Teams verteilt in Deutschland. Team 1 konzentriert sich auf Planung und Möbelgestaltung. Team 2 begleitet Projekte mit Kunden von Anfang bis Ende. Die einzelnen Schritte umfassen:

    • Konzeption

    • Design

    • Erleben von Raum

    Die zwei Teams arbeiten keineswegs getrennt. Die Zusammenarbeit zwischen Designern und Planern ist wichtig. Denn vitra. sieht die eigenen Produkte immer in Bezug zum Raum: Die Möbel entwickeln sich in Einklang mit gesellschaftlichen Prozessen.

    Der Klassiker

    Das klassische Büro ist das Gegenteil von aufregend und ansehnlich. Grau, weiß, beige gehalten, ohne Vielfalt, ohne Akustik, mit festen Schreibtischen und Meetingräumen, die meist viel zu groß und kalt sind. Da kommt schnell das Bild auf, dass Großraum nicht funktioniert.

    Klassische Büros fühlen sich eher abgeschottet an. 20 % der Arbeit scheint aus Abstimmungen durch Meetings zu bestehen, 80% aus Schreibtischarbeit. Der Büroraum ist mehr Legebatterie als Wohlfühlfläche.

    Das Collage Office und modulare Konzepte

    Deshalb hat vitra. das Konzept des „Collage Office“ ins Spiel gebracht. Ein als Landschaft neugedachtes (Großraum)Büro. Durch das jeweils individuelle Zusammenspiel aus Formen, Farben und Materialien wird die Identität eines Unternehmens in die Ausstattung übersetzt.

    Büro wird immer mehr als modulare Landschaft verstanden. Das liegt auch an der Veränderung von Arbeitsstrukturen. So gibt es beispielsweise mittlerweile oft crossfunktionale Teams, die für jedes Projekt neu zusammengestellt werden. Diese Arbeitsweise zeigt sich zwingend auch in der Bürogestaltung.

    Je agiler ich im Unternehmen bin, umso flexibler muss die Umgebung sein. (Pirjo Kiefer | Leitung Innenarchitektur, vitra.)

    Das ist für Innenarchitekten und Architekten gleichermaßen eine spannende Herausforderung. Mitzubedenken ist auch, dass selbst bei maximaler Agilität nicht alle Prozesse flexibel sein können. Administrative Aufgaben werden auch weiterhin nach einer gewissen Formalität verlangen. Aber genau hier setzt der Gestaltungsraum an.

    Besonders der Mittelstand hat früh verstanden, dass sich Mitarbeiter bei der Arbeit wohlfühlen müssen. Corporates sind da langsamer gewesen. Doch das ändert sich, die Raumplanung wird auch für Großunternehmen wichtiger, denn der Mensch fühlt sich wertgeschätzt, wenn die Umgebung mit Bedacht gestaltet wurde. Das wirkt sich auch auf die Arbeitshaltung aus. Die Idee des Desksharings wird beispielsweise auf einmal leichter akzeptiert. Und das Büro nicht als das eigene, sondern als Raum für alle aufgefasst.

    Der Arbeitsethos von vitra.

    Was wir als Innenarchitekten wollen, ist, die DNA eines Unternehmens zu entdecken.

    (Pirjo Kiefer | Leitung Innenarchitektur, vitra.)

    Das Standardmodell für die Umsetzung eines Projekts setzt sich zusammen aus:

    1. Analyse

    2. Konzept

    3. Umsetzung

     

    Die einzelnen Schritte werden im ständigen Austausch mit dem Kunden erarbeitet.

    1. Analyse

    Um die Formen, Farben und Materialien für ein Planungskonzept bestimmen zu können, werden zunächst einmal die Schmerzpunkte des Kunden abgefragt.

    Meist sind das:

    • keine passenden Mitarbeiter

    • Arbeitsprozesse laufen nicht

    • Raumgestaltung fühlt sich nicht gut an

    Der nächste Schritt ist, die Geschäftsführer auf den vitra. Campus einzuladen. Dort wird das Zwischenmenschliche ausgelotet. Projekte können manchmal mehrere Jahre dauern. Da ist es wichtig, dass ein klares Verständnis füreinander existiert.

    Dann wird die Architektur des jeweiligen Unternehmens analysiert. Laute und leise Bereiche werden identifiziert, mögliche Wegeführungen angedacht – enorm wichtig für einen funktionierenden Arbeitsablauf.

    2. Konzept

    Die erste Frage bei der Erstellung eines Konzepts ist, was die Vision des Chefs beinhaltet. Aufbauend darauf werden von vitra. Nutzungsworkshops angeboten. Dort werden das Arbeitsverhalten, die unterschiedlichen Arten von Kommunikation und die Workflows im Unternehmen herausgefunden. Die vitra.-Experten benutzen hierfür einen sogenannten Indexfächer. Anhand des Fächers kann die Gewichtung der einzelnen Elemente bestimmt werden. Auch wird so erfasst, welcher Arbeitsbereich welche Anforderungen hat. Denn nur dann kann entschieden werden, welches Team neben welchem sitzen sollte, um E-Mails zu reduzieren und die persönliche Kommunikation zu fördern. Wenn die informelle Kommunikation funktioniert, kann man auf Meetingräume fast verzichten.

    Zudem arbeiten die Experten mit einer Auswahl an 100 assoziativen Bildern, um den Ethos der Firma herauszuarbeiten. Im Team muss sich unter der Frage, was das Unternehmen speziell macht, auf 10 Bilder geeinigt werden. So bekommen die Berater ein Gespür dafür, welche Materialien und Farben zum Einsatz kommen können.

    Anschliessend werden auf einem Grundrissplan maßstabgetreu ausgedruckte Möbel hin- und hergeschoben, um einen visuellen Eindruck der möglichen Umsetzung zu bekommen. Dann wird anhand der Diskussionen ein 3D-Konzept erstellt. So erarbeitet man sich gemeinsam die Bürofläche.

    3. Umsetzung

    Ein Standardrezept gibt es für die Umsetzung nicht. Dafür ist jedes Konzept zu orts- und firmenspezifisch. Wichtig ist, dass man dem Kunden nicht einfach eine Idee überstülpt, sondern dass vor und während der Umsetzung alle Elemente diskutiert werden.

    Bei der Umsetzung arbeitet vitra. mit weiteren Fachkräften zusammen. Dank ihrer jahrzehntelangen Erfahrung besitzt das Unternehmen ein großes Netzwerk an Experten in allen Bereichen. So vermittelt vitra. z.B. Change Management und Organisationsberatung, Lichtinstallation und Schallschutzkonzepte an andere Profis.

    Wenn das Konzept umgesetzt ist, ist die Wirkung der Veränderungen sofort spürbar. Die Leute sehen, welche Möglichkeiten ein Raum bietet. Und das ist immer eine erfrischende, inspirierende Erkenntnis.

     

  • Darum solltest Du reinhören

    Dieser Podcast gibt Dir einen guten Überblick über Bürofachplanung. Du verstehst…

    • …was Raumplanung mit einem Büro machen kann
    • …welche Kosten damit verbunden sind
    • …welchen Einfluss kulturelle Unterschiede auf das Raumdesign haben
    • …wie Planungskonzepte erstellt werden
    • …was ein Indexfächer ist
    • …welches vitra.s beliebteste Kunden sind
    • …was die Raumplanung über den Reifegrad eines Unternehmens verrät

    Last, but not least: Nach dieser Folge weißt Du, warum klassische Möbeldesigns ständig größer werden müssen.

  • Darüber sprechen wir mit Pirjo Kiefer

    Im Deep Dive Office Podcast werden diese Themen rund um Bürofachplanung behandelt (Links führen zum Track):

    Hä? Bonus? – ganz einfach, wenn Du Unterstützer von digital kompakt auf Patreon wirst, hast Du die Möglichkeit, extralange Podcasts ohne Werbung von uns zu bekommen 😍.

Dauer: 43 Minuten

Abonnieren:

Die Podcasts von digital kompakt können auf SoundCloud verfolgt, per RSS-Feed abonniert oder bei iTunes und Spotify abgespielt werden – so können Sie unsere Podcasts ganz bequem via Smartphone in Podcast-Apps abonnieren und hören.

Bildmaterial: digital kompakt


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.