Deep Dive Mobility #6: Intermodale Mobilität im ÖPNV

02. Dezember 2019 Podcasts 0
Deep Dive Mobility #6: Intermodale Mobilität im ÖPNV

In unserem Mobility-Podcast „Deep Dive Mobility“ spricht Mobility-Experte Patrick Setzer regelmäßig mit Unternehmern und Experten über Themen aus den Bereichen Mobility und Automotive. In dieser Folge redet Patrick mit Sebastian Hofer von der Hamburger Hochbahn AG über Entwicklungen im Bereich Mobility im ÖPNV.

  • Auf neuen Pfaden – die Hamburger Hochbahn AG

    E-Scooter, autonome Fahrzeuge, Drohnentaxis – die Welt der Mobiltät entwickelt sich ständig. Mittlerweile gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten, um von A nach B zu kommen. Und immer mehr Anbieter, die das Suchen und Finden des besten Transportmittels vereinfachen wollen. Auch im Bereich der Mikromobilität, d.h. auf Ebene des öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV), finden hier Entwicklungen statt. Durch Kooperationen und Mobility-Plattformen sollen Menschen an alternative, umweltbewusstere Transportarten herangeführt werden.

    Intermodal vs. Multimodal

    in Hamburg setzt sich ein Seitenarm der Hamburger Hochbahn AG damit auseinander, solche Modelle zu entwickeln. Klassischerweise ist der ÖPNV multimodal ausgerichtet. Das soll sich aber ändern. Vermehrte Intermodalität ist angestrebtes Ziel.

    • multimodal: Es werden verschiedene Verkehrsmittel genutzt, pro Strecke aber nur eine Art und das regelmäßig.
    • intermodal: Es werden Teilstrecken mit verschiedenen Fahrzeugarten gefahren und bleiben flexibel (Verkettung von DIensten).

     

    Pendler haben oft ihre festen Strecken und Transportmittel. Trotzdem ist Intermodalität auch im ÖPNV wichtig. Besonders in Zukunft spielt das Nutzen unterschiedlicher Transportarten eine größere Rolle. Denn: Intermodalität verspricht maximale Effizienz und Optimierung der zurückgelegten Strecken.

    Wie man festgefahrene Leute dazu bringt, neue Transportmittel auszuprobieren, testet die Hochbahn AG derzeit aktiv. Wenn es um das Erreichen der Nutzer geht, ist Sichtbarkeit ein zentraler Faktor. Sieht man Scooter oder Räder beim Verlassen der S- oder U-Bahn, ist man eher geneigt,  das jeweilige Transportmittel für anschliessende Wegstrecken zu nutzen.

    Anhand verschiedener Fallstudien versucht die Aktiengesellschaft, herauszufinden, wie Angebote attraktiver gemacht werden können und was Nutzer überhaupt brauchen. Derzeit konzentriert sich die AG vor allem auf

    • das Einschließen des ländlichen Raums bzw. der Stadtrandbezirke
    • die Weiterentwicklung von switchh

     

    Eine Frage des Bündelns

    Der ÖPNV muss Wege finden, um Alternativen für die Flexibilität, die private Autos bieten, attraktiver zu machen. Ein guter Ansatz ist ein Kostenvergleich: Der durchschnittliche Autobesitzer gibt im Monat €500 für sein Fahrzeug aus. Schafft der ÖPNV gebündelte, intermodale Angebote, wird eine ähnliche Flexibilität wie die des Autos erreicht – und das um einiges günstiger. Hier kommen MaaS-Operator (Mobility as a Service) ins Spiel. Sie sind diejenigen, die die Aufgabe des Bündelns als Plattform übernehmen.
    In Berlin hat die BVG zusammen mit der Mobility-Plattform Trafi vor Kurzem die intermodale App Jelbi herausgebracht. Switchh ist Hamburgs Antwort darauf, auch wenn der Service noch nicht so extensiv entwickelt ist. Eine Besonderheit aber: Mit dem Partner DriveNow zusammen bietet die Hochbahn AG ihren Kunden monatliche Bündel mit Freiminuten für DriveNow und car2go an.

    Die Hürde, Mobilität zu konsumieren, soll reduziert werden. (Sebastian Hofer | Innovation Manager Hochbahn AG)

    Gebündelte Angebote erleichtern es den Nutzern, verschiedene Transportmittel auszuprobieren, bzw. schnell umzusteigen.

    Ein Problem bei allem ist nach wie vor die Infrastruktur, die entwickelt werden muss. Doch auch hier gibt es bereits viele Lösungsansätze. Beispielsweise sind autonom zurückfahrende E-Scooter in der Entwicklung. Das würde die Ausgaben in diesem Bereich senken. Denn: bislang ist es sehr kostspielig, die Scooter einzusammeln und an die jeweiligen Hubs zurückzubringen.
    Bei all dem muss aber auch die (Lokal)Politik mitspielen: Mehr Flächen für Fahrräder und Scooter sind gefordert. Eine verbesserte Vernetzungsmöglichkeit und die Versorgung mit Energie sind wichtig. Die Zusammenarbeit mit lokalen Stromerzeugern wird schon vielfach vorangetrieben. Viele E-Bikes werden von Stadtwerken versorgt. Projekte wie die Entwicklung von SmartGrids und das Mobilty2Grid am EUREF Campus in Berlin setzen sich hiermit auseinander. Doch es gibt noch viel Luft nach oben.

     

    Vom Beförderungsfall zum Kunden

    Ein internationales Vorzeigebeispiel ist die finnische App Whim. Deren Ziel ist, international zu fungieren, nicht lokal beschränkt. In Deutschland geht die Entwicklung in Sachen Mobilitätsplattformen eher schleppend voran. Der VDV (Verband Deutscher Verkehrsunternehmen) versucht das zu ändern. Er plädiert u.a. für eine städteübergreifende Vernetzung des ÖPNV, um es Nutzern deutschlandweit zu ermöglichen, einfach öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

    In Hinsicht auf Kundenzugang hinken die ÖPNV-Anbieter hinter privaten Anbietern hinterher. Die Datenerhebung ist sehr schwer – man kann nicht viel aus den Kaufvorgängen an Automaten schließen. Private Anbieter wie Uber wissen über ihre Nutzer hingegen so gut wie alles. Daten sind enorm wichtig für die Entwicklung der Mobilitätsangebote im öffentlichen Nahverkehr. Wenn der “Beförderungsfall” zum Kunden wird, öffnen sich dieser Entwicklung neue Türen. Subscription-Modelle könnten helfen, dieses Problem zu lösen. Beispielsweise kann man dann alternative Transportmittel anbieten, je nach Strecke, Vorlieben und Wetter.

    Private Anbieter haben ganz eigene Interessen und Metriken. Letztendlich geht es um die Kundenzahl. Wenn große, nutzerstarke Unternehmen wie Uber oder Moovit das Rennen bestimmen, kann das schnell den Markt verschieben. Ggf. gehen Kunden nicht mehr vom ÖPNV aus zu privaten Anbietern für Teilstrecken, sondern umgekehrt. Private Anbieter kontrollieren dann, in welchem Maße Kunden den ÖPNV nutzen. Auch jemandem wie Google ist es sehr leicht möglich, vom bloßen Routing überzuwechseln in die Rolle eines MaaS-Operators. Wohl niemand sonst hat über die vergangenen Jahre so viele Daten über Wege und Transportmittelwahl sammeln können. Da wäre es ein Leichtes, die Kunden mit gezielten Angeboten als Anbieter für sich zu gewinnen. Deshalb ist es ist wichtig, dass öffentliche Anbieter mithalten und eigene Lösungen entwickeln. Lokale Marken müssen gestärkt werden. Der Vertrauensvorschuss, den die ÖPNV-Anbieter haben, ist ihr größter Bonus.

     

  • Darum solltest Du reinhören

    Dieser Podcast gibt Dir einen guten Überblick über intermodale Mobilität im ÖPNV. Du verstehst…

    • …welche Entwicklungen es derzeit im intermodalen Mobilitätsbereich gibt
    • …was MaaS (Mobility as a Service) kann
    • …welche Bestrebungen die Hochbahn AG auf diesem Gebiet unternimmt
    • …warum Kundendaten im Mobilitätsbereich für Innovation ausschlaggebend sind
    • …weshalb der ÖPNV eine Art Grundrecht sein sollte
    • …wie Kosten bei E-Scooter-Services mit AES-Systemen eingespart werden können
    • …wie man Menschen dazu bringt, alternative Transportmittel zu nutzen

    Last, but not least: Nach dieser Folge weißt Du, warum der Name unseres Verkehrsministers sehr passend ist.

  • Darüber sprechen wir mit Sebastian Hofer

    Im Deep Dive CleanTech Podcast werden diese Themen rund um intermodale Mobilität im ÖPNV behandelt (Links führen zum Track):

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Dauer: 41 Minuten

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Bildmaterial: digital kompakt


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