Deep Dive CleanTech #14: Claudia Kemfert über das Klimaschutzpaket

06. November 2019 Podcasts 1
Deep Dive CleanTech #14:  Claudia Kemfert über das Klimaschutzpaket

In seinem CleanTech-Podcast Deep Dive CleanTech spricht David Wortmann regelmäßig mit Akteuren der CleanTech-Branche. In dieser Folge trifft er auf die Wissenschaftlerin Claudia Kemfert und diskutiert mit ihr das Klimaschutzpaket.

  • Ein Bündel Unmut – Das Klimaschutzpaket

    Quo Vadis, Klimaschutz?

    Vor etwas mehr als einem Monat gingen Millionen von Menschen weltweit auf die Straße. Ihre Forderung an Regierungen und Unternehmen: Der Klimaschutz muss ernst genommen werden. Zeitgleich einigte sich die Große Koalition auf ein Klimaschutzpaket. Ein Paket, das auf großen Unmut stößt. Vielen gehen die gesetzten Ziele nicht weit genug. Und tatsächlich ist beispielsweise die geringe Verteuerung des Tonnenpreises für CO2-Emissionen kombiniert mit der erhöhten Pendlerpauschale weder dem Klimaschutz, noch der sozialen Gerechtigkeit zuträglich.

    Fossilenergie, Gas und Öl ist billig. Da entsteht eine Unwucht. Das hätte sich ändern müssen. (Claudia Kemfert | Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am DIW)

    Hohe Einkommensbezieher werden bevorteilt. Generell wird weiter zu wenig darauf gesetzt, die eigentlichen CO2-Produzierer zahlen zu lassen.

    Der CO2-Preis müsste um einiges erhöht werden, um einen Effekt zu zeigen. Dann jedoch kann es zu ähnlichen Protestbewegungen wie in Frankreich mit den Gelbwesten kommen. Alles also nicht so einfach.

    Dennoch – es gibt auch positiv zu bewertende Aspekte des Pakets. Dazu zählt beispielsweise das Verbot von Ölheizungen.

    Wird über Chancen geredet, wird es spannend. Anstatt schwarz zu sehen, steht auf einmal das Potential für neue Geschäftsmodelle im Vordergrund.

    Klimawandel als Geschäftsmodell

    Ich postuliere immer, über die Chancen zu reden. Die sind gewaltig.(Claudia Kemfert | Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am DIW)

    Das Thema Klimaschutz tangiert viele Bereiche. Deshalb ist es für Unternehmen und deren Geschäftsmodelle sehr interessant. Besonders die folgenden Sektoren bieten spannende Anknüpfungspunkte für neue Entwicklungen:

    • Energiesektor

    • Gebäudesektor

    • Verkehrssektor

    Der Energiesektor ist das Herzstück vieler nachhaltiger Modelle. Sei es Elektromobilität oder Wärmeeffizienz von Gebäuden, Strom ist der ausschlaggebende Faktor. Die sogenannte Sektorkopplung, die Verbindung des Energiesektors mit anderen Sektoren, wurde im Klimaschutzpaket zu wenig berücksichtigt. Ein enormes Versäumnis. Denn:

    • Wind- und Solarkraft sind in der Produktion kostengünstiger

    • die Preisverzerrung entsteht durch Abgaben, Umlagen und Steuern

    Günstigere Ökostrompreise wären der Energiewende zuträglich. Da sollte nachgesteuert werden.

    Die Verkehrswende ist als Geschäftsmodell schon länger erkannt worden. Durch E-Scooter- und Car Sharing-Modelle haben sich hier in den letzten Jahren viele neue Unternehmen etabliert.

    Bereiche, die der Entwicklung benötigen, existieren trotzdem zu Genüge:

    • der Schienenverkehr muss besonders im ländlichen Raum ausgebaut werden

    • Elektromobilität muss weiter gefördert werden

    • die Digitalisierung von Transportmitteln steht weitestgehend aus

    • der Einsatz von KI ist nicht ansatzweise erschlossen

    Es hilft nicht, Transportarten wie den Flugverkehr nur zu verteuern. Alternativen müssen angeboten werden. Sonst gerät man schnell in Kommunikationsfallen – Menschen werden moralisch in die Verpflichtung genommen und verunsichert.

    Alternativen lassen sich vor allem im Bereich von KI und der Erprobung neuer (synthetischer) Treibstoffe finden. Eine Verzahnung von KI und Digitalisierung ermöglicht z.B. die Entwicklung smarter Aufladevorgänge von Elektrofahrzeugen. So könnten Elektroautos autonom je nach Verfügbarkeit des Stroms zur nächsten Ladestation fahren. Wichtig ist: Mobilitätsmodelle müssen inklusiv und erschwinglich sein.

    Bauen und Mobilität hängen eng zusammen.

    • über 70% der Ladevorgänge von Elektrofahrzeugen finden zuhause oder an der Arbeitsstelle statt – es braucht dementsprechende Baugenehmigungen für Ladestationen

    • durch Dämmung kann enorm viel Energie gespart werden

    • Rundumpakete, die Stromversorgung und Baumaßnahmen verbinden, bieten große Chancen

    Durch Sanierungen lassen sich Gebäude um ein Vielfaches effizienter gestalten. Aber: Die Sanierungsrate liegt mit knapp 1% unter den angestrebten 2%. Fehlende Investitionen durch Investoren und mangelnde Information sind Schuld daran. Auch der beschlossene Mietendeckel in Berlin könnte sich negativ auf Sanierungsraten auswirken – wenn keine entsprechenden Anreize durch die Regierung gesetzt werden.

    Ein weiterer Aspekt ist die Informationslage. Durch richtige Aufklärung z.B. während der Ausbildung könnten bereits existierende Technologien viel öfter eingesetzt werden. Da müssen Institutionen wie die Industrie- und Handwerkskammern Verantwortung übernehmen.

    Die Klimaformel

    Die Formel für Erfolg in Sachen Klimaschutz lautet derzeit:

    Energie sparen + erneuerbare Energien + Energiewendekombination = enorme Chancen

    Wenn es um den Einsatz alternativer Modelle und erneuerbarer Energien geht, ist dies oft mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden. Geschäftsmodelle, die den Kunden in diesem Bereich an die Hand nehmen, wie beispielsweise EcoWorks (Webseite), sind gefragt. Bei Vattenfall gab es ein solches Modell bereits einmal. Damals fehlte der Bedarf allerdings noch. Das hat sich geändert.

    Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. So ein bisschen ja, aber nicht wirklich, bringt uns nicht weiter.(Claudia Kemfert | Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am DIW)

    Derzeit gibt es ein Momentum in der Klimaschutzbewegung. Fridays for Future (Webseite) haben andere Zusammenschlüsse wie Scientists for Future (Webseite) inspiriert. Menschen gehen auf die Straße. Medien setzen sich mit der Thematik auseinander. Junge Unternehmer*innen können diesen Impuls aufgreifen. Neuen Geschäftsmodellen stehen momentan Fenster und Türen offen. Auch nachhaltige Ernährung und Landwirtschaft sind Gebiete, die Raum für interessante Konzepte bieten. Es bleibt viel zu tun.

     

  • Darum solltest Du reinhören

    Dieser Podcast gibt Dir einen guten Überblick, über die verpassten und aufgetanen Chancen durch das Klimaschutzpaket. Du verstehst…

    • …in welchen Brennstoff auf keinen Fall investiert werden sollte
    • …welche Kommunikationsfallen sich in der Klimadiskussion verstecken
    • …warum es schwierig ist, private Ladestationen zu errichten
    • …welche Auswirkungen der Mietendeckel auf den Sanierungsmarkt haben könnte
    • …warum man nicht alles negativ sehen sollte
    • …was sich im Flugverkehr in Hinsicht auf Alternativen tut
    • …warum der ländliche Raum in Sachen Elektroautos vor Städten liegt

    Last, but not least: Nach dieser Folge weißt Du, welche Rolle die Tagesschau im Klimaschutz einnehmen könnte.

  • Darüber sprechen wir mit Claudia Kemfert

    Im Deep Dive CleanTech Podcast werden diese Themen rund um das Klimaschutzpaket und neue Geschäftsmodelle behandelt (Links führen zum Track):

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Dauer: 44 Minuten

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Bildmaterial: digital kompakt


1 Gedanke zu “Deep Dive CleanTech #14: Claudia Kemfert über das Klimaschutzpaket”

  • 1
    Kalle Knack am November 11, 2019 Antworten

    Guten Tag, ich höre diese Podcast-Serie seit längerem wirklich gerne, vor allem aufgrund der unaufgeregten und tief gehenden Gesprächsführung.
    Aber hat sich jemand der Macher mal (selbst)kritisch das Gespräch mit Claudia Kemfert und deren Antworten angehört? Hochtrabendes Geschwurbel, unfassbar langatmig, immer im Ungefähren. Nicht ein praxistauglicher Hinweis zu entdecken. Exakt so wie man es sich von Politikern nicht wünscht und von Wissenschaftlern nicht erwartet. Leider kennt man Frau Kemfert so bereits aus Talkshows. Dass sie auch in diesem Podcast dafür nicht mal eine kritische Nachfrage bekommt, finde ich ärgerlich.
    Und es passt leider zu vielen Gesprächen über die “Energiewende”: viel Meinung, wenig Fakten. MfG

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