Business Building #19: Fehler in der Spätphase

15. August 2019 Podcasts 0
Business Building #19: Fehler in der Spätphase

In ihrem Gründer-Podcast Business Building sprechen Florian Heinemann und Joel Kaczmarek regelmäßig über den Aufbau von Digitalunternehmen. Diesmal analysieren sie, welche Fehler in der Spätphase besonders häufig gemacht werden und zeigen, wie Du diese vermeiden kannst.

  • Fehler in der Spätphase

    Die Spätphase ist für Unternehmen eine große Herausforderung: es mangelt weniger am Geld als am Mindset für den Wachstumskurs. Das Management trifft deshalb oft Fehlentscheidungen. Einige dieser Entscheidungen unterlaufen Gründern immer wieder, obwohl diese bekannt – also vermeidbar – sind. Fünf Bereiche des Unternehmens sind besonders anfällig.

    1. Management
    2. Unternehmenskultur
    3. IT-Struktur
    4. Governance
    5. Businessmodell

    In der Spätphase kommt es darauf an, all diese Bereiche einer gründlichen Inspektion zu unterziehen, sozusagen ein TÜV für das kommende Wachstum.

    Das Businessmodell in der Spätphase

    In der Spätphase hat sich das Geschäftsmodell schon bewährt, zukunftsfest ist es deswegen nicht. Die Konkurrenz wächst, neue Einkommensströme sollten geschaffen werden. Die erfolgreichsten Unternehmen sind Multiproduktunternehmen, gibt Florian zu bedenken. Spätestens jetzt gehört die Frage nach neuen Businessmodellen auf die Managementagenda. Die Vorteile:

    • Neue Wertbasis (Investoren)
    • Mehrere Revenueströme
    • Resilienz gegen Krisen

    Corporate Governance als Korrektiv

    Die Spätphase ist eine gute Möglichkeit die Entscheidungsstrukturen zu professionalisieren und die Verhältnisse neu zu strukturieren. Das kann auch bedeuten, dass Gründer das Team verlassen, Investoren aussteigen, neue hinzugewonnen werden. Das dient dazu, klare Mehrheitsverhältnisse zu schaffen und dadurch die Entscheidungsstruktur zu entschlacken.

    Der Beirat gibt eine professionelle Struktur und bringt notwendige Kompetenz ins Unternehmen. (Florian Heinemann | Project A Ventures)

    Bei der Neuausrichtung der Governance-Strukturen hilft ein Beirat. Abgesehen von der Möglichkeit, sich Kompetenzen ins Unternehmen zu holen und sich nach außen und für Investoren eine professionelle Struktur zu geben, hilft er Unternehmern, sich zu sortieren.

    Die Notwendigkeit, vor Gremien Rechenschaft ablegen zu müssen, unterstützt die Gründer dabei, ihre Ideen zu überdenken, sich über das Geschäftsmodell klarzuwerden und den Plan für die Zukunft zu exemplifizieren.

    Ist meine IT Future Proof?

    Für die IT-Systeme gilt, was Häuslebauer schon immer wussten: Renovierungsarbeiten sind immer teuer und Fehler sollten so schnell wie möglich behoben werden, sonst steigen die Kosten exponentiell.  Gründer stellen sich im Hinblick auf die IT leider oft nur eine Frage, ob sie die IT-Systeme und Software besser selbst bauen oder einkaufen sollen. Die Antwort ist einfach.

    Die Kern-IT – die User Experience muss man selbst bauen. (Florian Heinemann | Project A Ventures)

    Statt sich auf diese Frage zu konzentrieren, rät Florian in der Spätphase andere Bereiche in den Fokus zu nehmen

    • Dateninfrastruktur
    • Kundendaten
    • Transaktionsmanagement

    Besonders die Qualität der Kundendaten spielt eine entscheidende Rolle. Die Qualität des Datenbestandes ist eine wesentliche Wertschöpfungskette eines Unternehmens.

    Es gibt kein Consumerbusiness, das ohne gute Retention skaliert. (Florian Heinemann | Project A Ventures)

    Ohne Purpose keine Zukunft

    In der Spätphase können auch personelle und kulturelle Weichen gestellt werden. Die Startup-Phase ist oft durch hohe personelle Fluktuation gekennzeichnet. In der Spätphase ist es notwendig, das Personal zu konsolidieren.

    Typische Fehler

    • Falschen Mitarbeiter auf der Payroll
    • Kein ambitioniertes Hiring
    • Mangelndes Investment in Mitarbeiter
    • Management stagniert

    Wie verändert sich HR in der späten Phase

    1. Gute Firmen zeichnet aus, dass sie eine eigene Kultur und Werte haben
    2. Wachstum erfordert neue Leute: skalieren meine Mitarbeiter mit?
    3. Professionalisierung der Karrierepfade

    Beim Hiring sollte der Fokus auf Kultur, Purpouse und Value shiften. (Florian Heinemann | Project A Ventures)

    Sehr wichtig ist es, dass Unternehmen in dieser Phase erkennen, dass das Wachstum nur mit guten, motivierten Mitarbeitern gelingen kann. Der Ausbau der mittleren Managementebene, das Einkaufen von guten, teuren Leuten ist wichtig, um positive Signale zu setzen.

    Positive Signale und Wertschätzung werden wichtiger. Deshalb brauchen Mitarbeiter Entwicklungsmöglichkeiten und Trainings. Das verhindert hohe Fluktuationen und schafft Werte.

    Als skalierbares digitales Unternehmen kann man nicht zu viel in Coaching und Weiterbildung investieren. (Florian Heinemann | Project A Ventures)

    Was für die Mitarbeiter gilt, betrifft das Management nicht weniger. Leadership-Coaching als Teil der Unternehmens DNA ist ein wichtiger Baustein für den Erfolg in der Spätphase.

    Management: Das Geld liegt auf der Straße, aber…

    In der Spätphase ist das Unternehmen so weit konsolidiert, dass die Investoren – sofern das Geschäftsmodell stimmt – einfacher zu überzeugen sind. Die Investoren schauen dafür etwas genauer auf die Persönlichkeitseinstellung des Unternehmers. Die größte Hürde ist, dass das Management für die nun kommenden Wachstumsphase nicht genügend gerüstet ist. Fehlende Fähigkeiten kann sich das Team durch Ausbau hinzukaufen. Sehr oft fehlen die Kompetenzen eines CFOs – das ist nicht verwunderlich, so Florian, denn in der frühen Phase hat ein CFO kaum einen Werthebel.

    Die Relevanz eines CFO wird in der Spätphase sehr oft unterschätzt. (Florian Heinemann | Project A Ventures)

    In der Spätphase ist es also entscheidend, dass sich das Management einer kritischen Bewertung unterzieht und sich fragt, sind wir der Aufgabe gewachsen? Investoren bewerten in dieser Phase die Fähigkeit zur Veränderung.

    Diese Unternehmertypen gibt es:

    1. Selbstreflektierter Unternehmertyp: er trägt Fehler offen in das Team und den Investorenkreis, ist offen für Kritik und Veränderung
    2. Verschwiegener Unternehmertyp: er trägt die Probleme mit sich aus, allenfalls mit den Mitgründern. Eher verschlossen gegenüber Kritik, weniger rational, eher emotional

    Florian bevorzugt den selbstreflektierten Unternehmertyp, weil der offene Umgang ein Zeichen dafür ist, dass das nötige Mindset für die Inspektion und die Veränderung in der Spätphase vorhanden ist. Schließlich sitzen alle im gleichen Boot und wollen, dass aus dem Startup nun ein erfolgreiches Unternehmen wird.

  • Darum solltest Du reinhören

    Dieser Podcast gibt Dir einen guten Überblick, über Probleme in der Spätphase. Du verstehst,…

    • …was typische Fehler in der Spätphase sind
    • …warum eine eigene Unternehmenskultur für das Wachstum notwendig ist
    • …weshalb Du gute Mitarbeiter auf der Payroll haben solltest
    • …wieso in der Spätphase ein Blick auf die IT-Systeme lohnt
    • …dass Governance bei der Fehlervermeidung helfen kann
    • …dass die Suche nach neuen Geschäftsmodellen oft vernachlässigt wird
    • …warum auch das Management ein Update vertragen kann
    • …warum Du nie zu viel in Deine Mitarbeiter investieren kannst

    Last, but not least: Nach dieser Folge weißt Du, welcher Unternehmertyp Du bist und wie Investoren das bewerten.

  • Darüber sprechen wir mit Florian Heinemann

    Im Business Building Podcast werden diese Themen rund um Fehler in der Spätphase behandelt (Links führen zum Track):

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Dauer: 40 Minuten

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Bildmaterial: digital kompakt


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