Dietmar Bär: Vom Gymnasialpunk zum Tatortkommissar

29. Juli 2020, mit Joël KaczmarekSebastian Krumbiegel

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Sebastian Krumbiegel: Kunst trifft digital, der Podcast.

Joël Kaczmarek: Liebe, Freunde und Freundinnen der guten Unterhaltung, Wir geben immer hier unser Bestes, um euch spannende Leute ranzuholen. Mit spannenden Themen. Aber auch wir sind auf euch angewiesen, denn wir brauchen zum Beispiel tolle 5-Sterne-Bewertung. Am liebsten mit Super Rezensionen, Zum Beispiel bei iTunes, aber auch bei anderen Podcast.

Sebastian Krumbiegel: Wenn ihr guten Geschmack habt. Und wir sind davon überzeugt, dass ihr den besten Geschmack der Welt habt, empfehlt uns weiter, hört uns an. Wir haben eine Menge zu sagen. Natürlich wie immer der gute Spruch, glaubt Nicht alles, was ihr hört.

Joël Kaczmarek: Mein Name ist Joël Kaczmarek, Wie immer an meiner Seite, von einem dynamischen Duo der Liebe. Sebastian Krumbiegel. HALLO SEBASTIAN Moin,

Sebastian Krumbiegel: Ich grüße dich, ich grüße euch da draußen.

Joël Kaczmarek: Heute geht's ja hier mal in die Doppelwelt. Schauspiel- und auch musikalische Ursprünge habe ich gerade im Vorgespräch gehört, oder? Bist du schon aufgeregt?

Sebastian Krumbiegel: Ich bin eigentlich überhaupt nicht aufgeregt, weil ich den Mann, den wir heute zu Gast haben, wirklich als guten Freund bezeichnen kann und ihn gefragt habe, ob er unser Gast sein möchte und er sehr spontan zugesagt hat. Und ich mit ihm schon nächtelang geredet habe. Über alle möglichen Dinge.

Joël Kaczmarek: Woher kennt Ihr euch denn?

Sebastian Krumbiegel: Wir kennen uns über den Intendanten des Theaters der Jungen Welt, Jürgen Zielinski in Leipzig, Weil er unseren heutigen Gast schon aus Tagen in Dortmund kennt, glaube ich, ja, aus ewig langen vergangenen Zeiten.

Joël Kaczmarek: Dann ist es jetzt an dir, ihn anzumoderieren.

Sebastian Krumbiegel: Liebe Leute, Ich freue mich extrem, wir freuen uns extrem, ein, Ich hätte fast gesagt, ein Schwergewicht der Schauspielkunst, und das meine ich überhaupt nicht despektierlich, begrüßen zu dürfen. Dietmar Bär, Wir freuen uns, dass Du da bist, yeah.

Dietmar Bär: Ich freue mich auch sehr, aber das Mit dem schwer können wir ruhig gleich das erste Geheimnis verraten. Wir sprechen oft indianisch zusammen, und das ist mein Roter Bruder, Sebastian Krumbiegel und ich bin Häuptling. Schwerer Bär.

Sebastian Krumbiegel: Yeah. Auf der Ebene schreiben wir uns ab und zu.

Dietmar Bär: Da kommen die alten Karl-May-Fans durch. Genau. Besser als aus den Ostdeutschen.

Sebastian Krumbiegel: Yes.

Joël Kaczmarek: Ach, guck mal, Ich frage Sebastian, mal, hast du einen Spitznamen? Nein, ich bin über 50, da, sagt man Sebastian.

Dietmar Bär: Das ist ja unser Kleines. Karl-May-Universum. Und das weiß auch keiner,

Sebastian Krumbiegel: Das darf auch keiner erfahren. Also Leute, die ja das hören, sagt es nicht weiter und glaubt sowieso Nicht alles, was wir erzählen.

Dietmar Bär: Aber ich bin es trotzdem, Dietmar Bär. Schön, hier zu sein.

Joël Kaczmarek: Ja, man merkt schon, du hast eine ganz tolle Stimme. Ich habe gelernt, du machst auch ganz viele Hörbücher.

Dietmar Bär: Ja, das gehört zu meinem Berufsfeld. Also, man spielt Theater eigentlich, dafür bin ich mal ausgebildet worden, Dann kommt die Kameraarbeit dazu. Und irgendwann ging das so Ende der 90er, 2000 los, Dass ich anfing mit Hörbüchern. Und das ist irgendwie sehr nah am Theaterspielen, Geschichten erzählen und das macht mir großen Spaß.

Joël Kaczmarek: Ich fange immer gerne an, dass ich versuche zu verstehen, wie Menschen zu ihrer Kunst kommen. Wie bist es denn bei dir gewesen? Wie bist du zu deiner Kunst gekommen und wie ich das richtig höre, hat, die sich auch ein bisschen gewandelt über die Jahre?

Dietmar Bär: Ja, ich habe eben schon mit Schrecken von den musikalischen Ursprüngen gehört. Ich kann keine einzige Note lesen, aber ich glaube du auch nicht. Naja doch, ich kann schon noten lesen.

Sebastian Krumbiegel: Ich habe ja als Kind im Thomanerchor schon Noten lesen gelernt.

Dietmar Bär: Das ist für mich das Größte. Das ist so wie in der Fußballschule von Real Madrid ausgebildet worden zu sein.

Sebastian Krumbiegel: Wenn du als Kind diese Bildung kriegst, ist das schon der Hammer. Aber ich bin heute überhaupt nicht notenfest. Ich mache wirklich Musik ausschließlich nach Gehör.

Dietmar Bär: Bei mir ist es, wie gesagt, ich habe zwar auch immer eine Affinität zur Musik gehabt, Heute ärgere ich mich, dass man sich in der Sprache nicht ausdrücken kann, Aber ich bin zu der Kunst, die ich ja irgendwie als Menschendarsteller, Was schwer ist, als Kunst zu bezeichnen, Aber Sie ist ja irgendwo Kunst. Ich glaube eher, dass eben Mozart, Beethoven oder die alten Meister in Holland Künstler sind, Aber wir Schauspieler haben halt, auch die Schauspielkunst irgendwie zu tragen oder zu ertragen. Ich bin da dran gekommen, wie es die meisten gemacht haben. Über Schultheater. Also später, Die anderen wissen mit fünf, dass sie Schauspielerinnen werden wollen. Und ich habe es erst mit 19, 20 entdeckt, indem ich halt im Theater in Dortmund als Statist unterwegs war. Aber ich habe auch im Schultheater mitmachen dürfen, Da habe ich noch gar kein Theater von innen gesehen. Da haben wir 1977 das Stück Biedermann und die Brandstifter von Max Frisch gemacht im Deutschkurs. Und da wurde ich auf die Bühne gestellt. Und Dr. Ernst August Wicke, Einer meiner, glaube ich, wirklichen Urväter meines Berufs, sagte so, du bist jetzt Biedermann. Und dann habe ich das gespielt. Und dann wusste die halbe Lehrerschaft, dass ich wohl nach dem Abi Schauspieler werden würde. Ich wusste das noch nicht, aber die anderen. Und dazu kam dann später eben die Arbeit als Statist am Dortmunder Theater. Und dann kam es zu einer Inszenierung von Frühlings Erwachen, Frank Wedekind. Dietrich Hilsdorf war damals ein junger Regisseur im Schauspielbereich, mittlerweile ein renommierter Opernregisseur. Und da wurden richtig Proben. Wir waren nicht nur Statisten, die als Gruppe hingestellt wurden, sondern wir hatten Text. Wir haben geprobt, gespielt, Es wurde inszeniert. Und dann merkte ich, das ist es wohl. Und ich wurde sehr unterstützt von Kollegen im Ensemble, die gesagt haben, ja, du musst auf eine Schule gehen, dich anmelden, Vorsprechrollen einstudieren. Und das hat dann auch geklappt.

Sebastian Krumbiegel: Weil Joël das eben angekündigt hat, so mit großen Pauken und Trompeten, Was wirklich in großen Anführungsstrichen von mir aus musikalische Vergangenheit betrifft. Du hattest eine Punkband, du warst Trommler in einer Punkband.

Dietmar Bär: Ja, zu einer Zeit, wo man halt...

Sebastian Krumbiegel: Wo jeder gesagt hat, ich werde jetzt mal Trommler in einer Punkband.

Dietmar Bär: Jeder hatte, wer zwei Riffe konnte, nahm die Gitarre, der andere hat einen Bass. Und ich habe auch vorher ein bisschen bei anderen Bands als Percussionist mitgemacht, die sich so in Schülerzeiten gebildet haben.

Sebastian Krumbiegel: Wie hieß die Band?

Dietmar Bär: Also unsere Punkband, Die erste hieß Planlos, und zwar nur Planlos. Und dann, wir waren halt zu viert, Und dann stieg einer aus, weil er schon Abi hatte und musste erstmal irgendwie zum Bund. Wir waren nur noch drei, und dann waren wir Schlagzeuggesang, Das war ich, ein Bassist und ein Gitarrist, Und wir nannten uns, Jetzt Achtung. Die fantastischen Drei.

Sebastian Krumbiegel: Wann war das?

Dietmar Bär: Das war 1980, weil ich liebte den Marvel Comics, Die fantastischen Vier, Und dann haben wir uns DF3 in Kürzelform genannt, Die fantastischen Drei. Da musste ich damals sehr schmunzeln, als diese vier begabten jungen Männer aus Stuttgart auf einmal auftauchten und deutschen Sprechgesang machten.

Sebastian Krumbiegel: Und hast du heute noch irgendwas von dieser Zeit in Dir drin? Oder bist du, Ich frage jetzt mal extra, so, bist du im Herzen ein Punk?

Dietmar Bär: Wir waren Gymnasialpunks, nenne ich das immer. Wir haben uns aber trotzdem durch meine Heimatstadt Dortmund in der Szenerie, mit denen zusammengetan, die das lebten, die auf der Straße lebten, die Schule abgebrochen haben, die wirklich Punk als Lebensgefühl hatten. Dann gab es eine irrlichternde Musikszene, Überall ploppten die Bands auf, Man ging in verschiedene Kneipen, Clubs, sagte man damals noch nicht. Es gab das Masterpiece, Dortmund war englisch besetzt, Das heißt, wir hatten einen Haufen englischer Soldaten in der Stadt und damit auch eine bestimmte musikalische Vorgabe. Da konnte man Konzerte spielen, wenn man wie gesagt, zwei Songs drauf hatte. Das war eine wilde Zeit, ABER ich... Ich glaube nicht, dass ich jetzt immer noch ein Punk bin, aber ich muss immer so lächeln, wenn ich sie auf der Straße sehe, die es natürlich immer noch gibt. Mit den Wäscheklammern, hätte ich fast gesagt, mit den Sicherheitsnadeln und den großen Roten Zuckerwasser-Iroquiesen Und denke mir, hey, ja, Das war irgendwie eine verrückte Zeit.

Sebastian Krumbiegel: Also eine Sympathie ist da durchaus da.

Dietmar Bär: Da ist ein Verständnis da.

Sebastian Krumbiegel: Naja.

Dietmar Bär: Für die man jetzt ja Opa ist. Wenn die einen auf die Straße sehen, dann ist der Lauf der Welt.

Joël Kaczmarek: Aber wie ist das? Ich frage ja immer jeden Schauspieler, der mir unter die Fittiche kommt, was lernt man eigentlich, wenn man Schauspiel lernt? Also was macht gutes Schauspiel aus?

Dietmar Bär: Oh, da haben wir jetzt, glaube ich, Die folgenden Sendungen verschieben sich um drei Tage. Also, ich muss erstmal sagen, dass, als ich auf die Schauspielschule kam, Und das gibt da ja. Große Regalmeter, Bücher zuzulesen zu deiner kleinen Frage. Was ist das eigentlich? Ich habe einen Satz für mich mitgenommen, der mir am wichtigsten war, Aber da sind wir eher im Handwerk schon. Das war der Satz unseres Schuldirektors und eine große, wichtige, Väterliche Figur für mich, Professor Otto Wilhelm, der die Westfälische Schauspielschule in Bochum geleitet hat. Zu meiner Zeit. Der sagte, Es ist eigentlich Spielen, Darstellen ist das Neuordnen von privaten Mitteln. Das sagt schon ganz viel. Fangen wir mal da an, dass damals zum Beispiel ein Lehrer sagte, Stell dir jetzt mal vor, du sagst so einem Hells Angels Rocker, Er soll eine Tunte spielen. Nachdem du dich berappelt hast und die drei Zähne ausgespuckt, hast, die er dir ausgeschlagen hat, wirst Du über die Frage noch mal nachdenken, weil. Er müsste jetzt anfangen, in sich die Tucke zu suchen. Also was ist in Dir drin davon? Was ist alles in Dir drin? Und wir haben nur unser Instrument. Wir haben keine Gitarre, wir bauen keine Tische oder reparieren Autos oder Malen. Bilder, Sondern unser Instrument ist nicht wie dein Klavier, sondern mein Körper. Wie Ich lache, spreche, schreie, wimmere, tanze, Das musst du überprüfen, was so in dir drin ist. Das heißt, es ist eine große Nabelschau. Psychologische Veranstaltung. Und am Anfang von so einer Ausbildung wirst du erst mal auf dieses Material zurückgeworfen. Man guckt, wer bist du, was kannst du? Und wichtig ist nämlich auch dieses Zeitfenster, dass die meisten Aufnahmeprüfungen laufen. In den Schauspielschulen, dass du zwischen Deinem 18. Und 23. Lebensjahr, Danach bist du schon ein bisschen ausgebildet in deiner Persönlichkeit. Und da wollen Sie gerne ran, in deine Persönlichkeit mit auszubilden. Und das ist so ein Hintergrund, Aber das ist, wie gesagt, jetzt hebe ich den Teppich mal an, so einer Ecke hoch. Weil man kann jetzt über Selbstdarstellung reden, über Verwandlung. Und was da alles hinter steckt. Aber ich finde immer, was ganz wichtig ist, ist Authentizität. Und da ist das Theater wirklich hosen. runter. Wenn du im Theater sitzt, dann siehst Du live auf der Bühne, was da passiert. Wenn sich da versprochen wird oder vertanzt, siehst du das. Wir können beim Film alles korrigieren. Wir können beim Hörbuch produzieren, schneiden und meine Versprecher rausnehmen oder neu schneiden. Und so. Aber das ist der Live-Effekt, da siehst du alles. Und wenn du dann sagst, ey, du bist ein echt netter Kerl, die immer. Aber da den König, den du da gestern Abend gespielt hast, den glaube ich dir nicht. Das ist ziemlich hart, eigentlich, weil da ist nichts dazwischen. Ich kann sagen, Sebastian, du bist echt nett, aber du hast mein Auto wieder schlecht repariert. Oder die Stühle, die du baust, die gefallen mir nicht. Aber du bist in Ordnung. Aber wenn ich sage, du glaubst dir aber jetzt nicht den Musiker, den du mir da vorspielst. In dem Film, als Beispiel, dann ist das, was völlig anderes. Da guckst Du mit in die Abgründe, die der Beruf mit sich bringt. Also viele Leute scheitern ja, dann. Psychisch auch in diesen Arbeiten oder in dieser Arbeit. Und auf der anderen Seite ist es halt Emotion. Du guckst leuten beim Erzählen von Geschichten zu und bist dabei, wenn Emotionen entstehen. Im Film ist natürlich die Illusionswelt eine viel größere, Aber im Theater, in der Kuckastenwelt kommen alle und sagen, wir gucken heute in einen Aufbau, in eine Welt, in einen Kosmos. Und Ihr spielt uns das vor, mit Eurer Fantasie.

Sebastian Krumbiegel: Ist da Theater, die Königsdisziplin der Schauspielerei sozusagen? Kann man das so sagen?

Dietmar Bär: Das ist dieses zweischneidige Schwert. Das ist ja auch aus dem klassischen Fragekatalog immer, Was machst Du lieber, Film oder Theater? Und es sind zwei verschiedene Berufe. Das eine ist, wie gesagt, was die Schauspielschule mit uns jedenfalls zu unserer Zeit getan hat, Da gab es keine Seminare für Kameraarbeit. Das habe ich mir dann irgendwie mit angeeignen dürfen, weil ich während der Schule das Glück hatte, schon Filme drehen zu dürfen. Aber im Theater ist erstmal Ausbildung für den großen Moment, dass du in einem Raum sitzt und guckst auf eine Bühne, Da sind 800 Leute, und jeder soll hinten das sehen und hören, was du machst. ALSO Körper, Stimme, Ausdruck wird irgendwie geformt, weil es überhöht ist. Im Film ist es ganz anders, da ist wenig gar nichts am besten, weil die Kamera, Das Auge ist manchmal vor dir und sieht jede Regung. Das heißt, du denkst etwas, und das sieht man schon auf deinem Gesicht. Im Theater müsstest du es schon ein bisschen größer machen. Beim Kindertheater noch mehr, ein bisschen mehr draufhauen. Und wie ich von den Kollegen gelernt habe, die Freilicht spielen.

Sebastian Krumbiegel: Große Gesten.

Dietmar Bär: Große Störtebeker Bühne. Da ist es am besten, wenn du dann auf dieser, weiß ich nicht, Podcast 120 Meter mal kurz einen Arm hebst, damit Sie wissen, ah, jetzt spielt er.

Sebastian Krumbiegel: Ah ja.

Dietmar Bär: Dass du nicht erstmal gucken musst, wo ist mir jetzt das Licht? Also das sind verschiedene Ebenen. Aber ich finde, dass live, und Live ist. Theater, es ist immer noch der Gig überhaupt. Jeder Abend ist anders, Das Publikum ist anders, Dein Stück verändert sich, Auch wenn du es wochenlang geprobt hast und schon 30 mal gespielt hast. Jeder Abend ist anders. Du gehst auf die Reise mit den anderen zusammen, spielst die Geschichte vor.

Sebastian Krumbiegel: Ich habe dich ja in Bochum einmal gesehen. Auf der Bühne. Das war für mich, ich bin kein Theaterfreak. Wenn ich ausgehe, gehe ich wirklich dann zu konzerten, und das weiß ich was. Und weil wir uns eben kennen, du hast gesagt, hey, ich bin da und dann da und da. Und da bin ich vorbeigekommen und das fand ich schon faszinierend, weil es ist natürlich wirklich das Ding. Live ist live.

Dietmar Bär: Live ist live. Dazu kommt natürlich auch die Fantasie des Bühnenbildners. Oder wie ist die Inszenierung aufgebaut. Also Was für eine Fantasie bringst Du mit? Und natürlich ist die Auseinandersetzung eine größere, als sich einfach vor eine Glotze zu setzen.

Joël Kaczmarek: Ist das Publikum dann auch Teil? Dann eigentlich, weil Jan Josef Liefers meinte, Das Publikum weiß es gar nicht, Aber das ist ein unglaublicher Teil meiner Performance, weil es eigentlich mitmacht. Weil es mir einen Spiegel vorhält und wenn die schlecht drauf sind, funktioniere ich nicht gut. Also ist das, was, was du sozusagen mit aufsaugst?

Dietmar Bär: Ja, ich würde es anders beschreiben. Es ist halt, Das Publikum ist jeden Abend ein anderes und kommt mit seiner Stimmung da rein. Und du kommst natürlich mit deiner jeweiligen Tagesform rein. Du hast dich vielleicht frisch getrennt, jemand aus deinem Feld ist verstorben, Es gibt ja tausend Gründe oder du kommst zurück, hast gerade die Wohnung gefunden oder du hast eine Gehaltserhöhung bekommen vom Intendanten. Mit irgendeiner Stimmung kommst du da abends rein und spielst. Oder es geht dir irgendwie total schlecht und musst trotzdem spielen. Das ist das eine. Das Publikum erwartet natürlich, was von dir, und dann kommt es darauf an, machen wir Tragödie, Komödie. Wenn du weißt, eins meiner Lieblingsstücke, Ich durfte es schon zweimal spielen, Der zerbrochene Krug, einer der wichtigsten deutschen Stücke, wird immer als Spiel verheizt. Weil es ist eigentlich... Ein sehr tolles Stück über das Leben, über menschliches Scheitern, über Tragödie, über Liebeskummer, über alles und nicht nur ein Schenkelklopfer. Und das Publikum ist in dem Aufbau von Kleist eigentlich zusammen mit dem Dorfrichter Adam und der Efe, Das sind die drei, Die Bescheid wissen. Der Rest auf der Bühne kriegen erst im Laufe des Stückes raus, was hier eigentlich gespielt wird. Und da ist das Publikum natürlich sehr nah bei dir und nimmt dich mit. Aber es gibt auch Abende, wo du dann merkst, du erreichst Sie vielleicht gar nicht. Und dann weißt du, oh, du hast jetzt hier noch zwei Stunden hohe Not. Musst es noch zu Ende spielen oder positives Beispiel, Ich war am Anfang meiner Theaterzeit, war ich am Landestheater. Baden-Württemberg-Hohenzollern in Tübingen, Mein erster Engagement. Landestheater bedeutet, für die, die es nicht kennen, du hast ein Stammhaus in Tübingen, aber du fährst über Land. Du spielst also so ein Stück, wenn das inszeniert wird.

Sebastian Krumbiegel: Du gehst auf Tour.

Dietmar Bär: Du gehst auf Tour und zwar durch Baden-Württemberg und dann spielst du auf Handtüchern oder in irgendwelchen Wirtshäusern, in kleineren Nebenbühnen oder in großen, schönen Kulturhallen. Also du spielst dann dein Stück irgendwie, wenn es geht, überall. Das können musikalische Revues sein, wie kleiner Mann, was nun oder Iphigenie auf Tauris, Ein Stück, was ich machen, durfte. Und dann spielten wir Shakespeare, der widerspenstigen Zähmung und haben das in Tübingen, der Studentenstadt, Glaube ich, ganz gut über die Bühne bekommen. Die Leute haben Spaß gehabt, haben gelacht. Und dann fährst du den nächsten Abend nach Backnang, Nehmen wir jetzt mal so, oder Tuttlingen oder eins von diesen kleineren Städten in Baden-Württemberg, wo man dann spielt und Totenstille. Du denkst, das hast du jetzt falsch gemacht, das ist jetzt los. Dann wird aber der erst artig in der Pause geklatscht, weil Man will ja keinen Lärm machen und da rumlachen, wenn die da spielen.

Sebastian Krumbiegel: Man kennt sich ja im Publikum, man will ja,

Dietmar Bär: ich kenne das. Nein, aber da sind wir wieder beim Organismus Publikum. Das Publikum ist dann sehr vorsichtig und will da, Also, das sind dann Leute, die jetzt nicht jeden Tag ins Theater gehen und die das nicht so kennen wie jetzt. Studenten in Tübingen, die mit dir ganz anders agieren. Also das so als Beispiel, Das kann ja richtig verunsichern.

Joël Kaczmarek: In einer anderen Folge können sich unsere Hörer darauf freuen, dass wir mit Susan Sideropoulos gesprochen haben. Die meinte zu uns, das, was du gerade beschrieben hast fürs Theater ist anders. Als Film, hat sie auch nochmal gesagt, Film ist auch wieder anders als Streaming. Also, wenn man heutzutage quasi Netflix, eine Serie oder einen Film dreht, ist das nochmal was ganz, ganz anderes. Hast du damit schon mal Berührungspunkte gehabt mit diesen neuen Medien, diesen digitalen Schauspiel? Oder ist das bisher noch an dir vorbeigegangen, der Krug?

Dietmar Bär: Dieser Krug, der Unzerbrochen ist, ist ja noch an mir vorbeigegangen. Ich bin ja ziemlich fest verhaftet in meinem goldenen Arbeitsplatz in Köln. Und es kommen ab und zu jetzt, Wie auch gerade eine steckengebliebene, historische Serie in sechs Teilen mit dem Titel Little America, die wir noch weiterdrehen, werden. Aber jetzt, in dieser Welt, der Serien für Streamingdienste bin ich noch nicht angekommen. Und kann es mir jetzt als 60-jähriger Schauspieler noch gar nicht vorstellen, was daran jetzt so anders sein soll. Das klingt sehr interessant.

Joël Kaczmarek: Hast du denn sonst Berührung? Also reden irgendwie Kollegen mit dir über diese Medien, Fragen nach deinem Rat, werden, die vielleicht irgendwie angefragt werden, für so ein Engagement? Kriegst Du da so eine Stimmung mit in deiner Gilde?

Dietmar Bär: Eigentlich eher nicht. Das letzte Mal, wo man merkt, Man ist etwas älter und kann Erfahrung mitbringen, ist, dass ich mit einer jungen Kollegin gedreht habe, beim Tatort vorletztes Jahr. Und die war gerade in Verhandlungen, um vielleicht auch in ein Kommissar-Team aufgenommen zu werden. Für eine neue Tatort-Kombo. Die wollte so ein paar Informationen haben und die war fest im Theater. Und das ist dann immer ganz wichtig, wenn jemand da das Genre Mal wechselt, für längere Zeit. Weil wenn du im Theater steckst und fest im Ensemble bist, probst du den ganzen Tag, spielst abends, Das ist eigentlich ein 24-Stunden-Job. Und wenn man da noch so ein Engagement annimmt, dann muss man sich mit dem Theater absprechen, weil Das war immer so ein Manko für mich, Dass diese beiden Medien sich manchmal freundlich ignoriert haben, auch in den 80ern noch. Oder es gab Intendanten, die gesagt haben, wer hier zum Film geht, ist sofort verbrannt, ist der Verräter, und das finde ich schwierig. Heutzutage ist es schon seit vielen Jahren so eigentlich, dass Intendanten und Intendantinnen merken, da hast du Schauspieler, Die sind vielleicht schon prominent auf eine Art und Weise. Und das befruchtet sich gegenseitig. Leute kommen ins Theater. Ich habe es am eigenen Leib erlebt, im Schauspielhaus Bochum, dass Anselm Weber mich engagiert hat als Gast. Und ich komme aus so einer Vorstellung. Und dann stehen da draußen Leute, also, dass sie das auch können, Herr B., Ich habe nicht gedacht. Du denkst, ja, dafür bin ich aber ausgebildet. Schon hast du jemanden ins Theater gelockt, der vielleicht noch nie im Theater war. Und das Theater hat, was davon, Ich habe was davon. Aber wie gesagt, diese andere Welt, die dann mehr aus dem Digitalen jetzt kommt, weil. Letztendlich werden die Filme da genauso gedreht wie bei uns. Das ist das gleiche Prinzip. Deswegen würde mich das schon fast jetzt reizen, mal rauszufinden, wo da? Der Unterschied wäre von den Kollegen, die darüber hier berichtet, haben, dass es im Streaming...

Joël Kaczmarek: Also jetzt, zum Beispiel habe ich gesagt, dass die länger sind, dass die Erzählstränge länger sind, weil du früher warst Ja, so, das hat auch hier die Minkai zu uns gesagt, dass die meinte Früher war anders. 30, 60, 90 Minuten. Und in so einem Streaming-Format ist es zum Beispiel so, also Manchmal lustigerweise variieren die. Ich habe das festgestellt, Die gleiche Serie hat mal eine Folge, Die ist irgendwie 40 Minuten lang, mal irgendwie 52. Und dann erzählst du halt viel, viel länger. Also die Spannungsbögen Kannst du Halt viel, viel länger ziehen. Ich glaube, das ist auch gewollt, dass die Leute immer wieder einschalten, dass man so ein bisschen ja so gehuckt ist, quasi. Ja,

Dietmar Bär: Serie halt. Du brauchst immer einen Cliffhanger, damit du dran bleibst. Aber das ist eher ein Prinzip von Serie. Gegenüber jetzt, sagen wir mal, Tatort ist eine Fernsehspielreihe, abgeschlossene 90-Minüter. Ist aber beim Drehen also für mich immer noch nicht nachvollziehbar, wo der Unterschied sein könnte, weil du hast einen Drehtag mit maximal heutzutage, dass du fünf Minuten drehst, ist schon viel, weil wir ja digital nicht mehr auf Material drehen. Früher hat man am Tag zwei Minuten, vielleicht drei gemacht, netto. Heutzutage schafft man mehr. Gut, Bei einer Daily wird natürlich am Tag eine Folge gedreht, Aber das mit vielen Sets und vielen Kameras, Das ist dann schon echt Fließband. Auch hohen Respekt vor den Kollegen, die das dann machen. Deswegen, das drehen muss das gleiche sein. Ich schätze mal, dass eher das Zusammenschneiden, Vielleicht müsstet ihr euch mal einen jungen Regisseur aus der Riege mal ranholen, die über Sowas berichten könnten, wo da der Unterschied liegen könnte zum Streaming.

Joël Kaczmarek: Ja, ist eine gute Idee. Aber wie kommt es, dass du damit noch gar keine Berührung hattest? Ist das ein bisschen, dass du nicht gefragt wirst oder willst du nicht?

Dietmar Bär: Also Ich sag mal, manche Sachen, für die ich gefragt werde, kriege ich gar nicht mit, weil meine tollen Agentinnen irgendwie schon sagen, oh, Der Kollege hat gar keine Zeit für sowas, Weil das ist dann immer Fluch und Segen meines goldenen Arbeitsplatzes in Köln. Ich mache drei Tatorte im Jahr, dazu ein paar Hörbücher. Und dann wird es schwer, noch irgendwo da, was reinzukriegen.

Sebastian Krumbiegel: Wie lange ist eine Drehzeit für einen Tatort? Wie viele Wochen? Wie viele Tage?

Dietmar Bär: So, wir in Köln haben es immer noch geschafft, dass wir 23 Drehtage für so einen 90-Minüter haben oder 88-30, richtig im Netto. Andere Kollegen müssen sich schon mit 20 bis 19 Drehtagen begnügen, wie wir hören, weil gespart wird. Ich finde, es scheiße, weil es geht auf die Qualität, auch wenn es der Zuschauer nicht merkt. Das ist immer so ein fadenscheiniges Argument dafür, Aber die Filme werden dadurch nicht besser und sie bleiben genauso lang. Und wie gesagt, diese Zeit, die Filme herzustellen, auch Serien, die brauchst du. Und ich, wie gesagt, Kriege Anfragen, von denen es dann gleich heißt, brauchen wir dir gar nicht, erzählen, dass da ein toller Film gekommen ist oder eine Serie, weil da wirst du nicht mitmachen können. Deswegen war das... Toll, Dass der Sechsteiler, der aber für die ARD gemacht wird, für das Abendprogramm, Dass das funktioniert und nebenbei klappen kann. Und das ist schon immer schwer genug, wenn du halt in einem Projekt drinsteckst, auch für die freien Kollegen. Jetzt da draußen in den Corona-Zeiten, die irgendwo ein paar Drehtage haben und dann da ein paar Drehtage haben, die jetzt gerade gar nichts haben. Das ist so ein großes Problem im Moment.

Joël Kaczmarek: Nimm uns doch mal mit in diese Tatort-Welt. Wie bist du dazu gekommen und wie ist das so von den ganzen Dynamiken her? Schließt man da Jahresverträge ab, oder wie läuft das? Also, ich habe so gar keine Vorstellung davon.

Dietmar Bär: Ja, okay. Das ist also Erstmal war das natürlich Irre für uns damals, für den Klaus-Jürgen und mich, weil wir haben das schon als eine Art Ritterschlag betrachtet, dass man da in Frage kam, um Tatort-Kommissar zu werden. Wir hatten beide in unseren jungen Jahren, waren wir Teil eines Schimanski-Tatortes. Klaus hatte einen wunderbaren Debilen gespielt in seiner Folge, Ich war Fußball-Hooligan. Das war schon noch zur Schauspielschulzeit überhaupt meine zweite Arbeit. Und deswegen war ich, als ich fertig war. Mit der Schauspielausbildung fürs Theater und in die Engagements gegangen. bin, schon mal mit einem Bein. Immer schon in der Fernseh- und Filmwelt unterwegs. Ja, und bleiben wir gleich bei meinem Freund. Klaus J. Behrendt, Den habe ich 1990 kennengelernt. Wir haben beim WDR einen Sechsteiler gedreht. Fürs WDR-Programm, Was damals auch noch Usus, war, das die dritten Programme eigene Produktionen. Ketten hatten, also selber produziert, haben, nur für ihr fürs Dritte. Leo und Charlotte, ein kleiner Sechsteiler, spielt im Ruhrgebiet. Seitdem kennen und lieben wir uns. Und Klaus kam auf mich zu und fragte mich damals, 1995, Ob ich Lust hätte, mit ihm den Spannmann im Kölner Theater zu machen, den man plante. Ich war zu der Zeit gerade dabei, mein letztes Theaterengagement aufzugeben, weil ich kam, auch in einen Konflikt. Ich bin zwar gerne im Theater, aber ich musste so viele Sachen absagen. Da sind wir wieder bei dem Thema Genrewechsel. Im Theater Fulltime-Job, Da kannst du eigentlich nur in den Sommerferien drehen. Oder du hast einen Vertrag am Theater, wo du sagen kannst, ich mache zwei Stücke im Jahr, bin trotzdem Ensemble-Mitglied, aber Ihr lasst mir den Freiraum für Film- und Fernsehprojekte. Und ich bin damals dann ausgestiegen und habe gesagt, ich traue mich, mach das Risiko, Weil du hast dann eben kein festes Geld, sondern Du musst warten, was an Jobs reinkommt. Und dann kam Klaus um die Ecke. Und dann haben wir halt 1997 angefangen mit den Tatorten. Und das ist, Ich sag's immer wieder, in der freien Welt meines Berufes. Ein goldener Arbeitsplatz, weil du machst dann eben drei bis vier Fernsehspiele. Hauptrolle im Jahr, Das heißt. Die Miete ist drin, hast ein Standbein, mit dem du viel anfangen kannst und hast ein großes Privileg. Und das nächste Privileg ist, Den Rest kannst du dir aussuchen. Wenn jetzt ein Theaterstück um die Ecke kommt, wo du als Gast mitmachen kannst. Oder ein Hörbuch, oder ein paar Drehtage, oder als Gast irgendwo anders mitspielen, zu sagen, hey, interessiert mich, hätte ich die Zeit, aber ich mag es nicht. Oder Gage stimmt nicht oder irgendwas stimmt nicht, weil... Ich habe ja schon mein Standbein in Köln. Das ist mir über die Jahre immer mehr klar geworden, was das eigentlich bedeuten kann.

Sebastian Krumbiegel: Vielleicht auch dazu eine Frage, die du bestimmt auch oft hörst, weil du gerade sagst, Es ist goldener Arbeitsplatz, Es ist sozusagen ein Segen, diese Sicherheit zu haben. Ist das trotzdem, dass du auch auf diese Freddy-Schenk-Rolle sozusagen? IMMER wieder... Das würde dich mit Freddy Schenk assoziieren. Selbstverständlich. Ist das Fluch oder Segen oder beides? Oder wie siehst du das?

Dietmar Bär: Also Ich betrachte das jedenfalls nicht mit der Lamoianz, die ich dann bei anderen Kollegen beobachten muss. Wo ich immer damals gesagt habe, man muss eine Pommesbude aufmachen, wenn dich das irgendwie stört.

Sebastian Krumbiegel: Genau.

Dietmar Bär: Dass sich da draußen einer anspricht, weil du bist, für die diese Rolle. Und mit diesem Tatort-Format bist du noch in einem exponierteren Format. Wir wohnen bei den Leuten, Die Serie gibt es seit 50 Jahren. Und wir wohnen, bei denen im Fernseher. Und wenn die im Supermarkt stehen? Oder jetzt noch kürzlich in der Kölner Südstadt, wo wir alle schön in der Schlange coronamäßig draußen warten. Beim Metzger. Und da waren drei ältere Damen. Und ich sage, ja, stehen Sie an, Madame? Nee, der Herr Schenk. Und dann sagt er, nee, der Herr Schenk, Der schläft bei Ihnen im Fernseher, Der ist heute nicht hier. Aber ich kann damit umgehen, weil es ist eben kein Fluch. Fluch ist eher, wenn jemand mit einem tollen Projekt kommt, einem Film oder so oder einem Theaterstück. Und ich sagen muss. Ah nee, da sind wir gerade leider dabei, unseren zweiten Tatort dieses Jahr zu drehen. Tut mir leid, muss ich absagen. Mit dem anderen kann man umgehen. Und das ist halt ein Teil unseres Jobs, dass wir halt auf den Bildschirm rumflimmern, Weil keiner kommt auf die Idee, morgens im Supermarkt, in Bochum oder in Köln zu sagen, ach, sie war doch gestern. Der Dorfrichter Adam, ist doch der Dorfrichter Adam. Nein, die wissen, Wir haben gestern Abend ein Theaterstück gesehen. Bei uns sind wir natürlich näher dran an der Illusion, aber das ist automatisch.

Joël Kaczmarek: Und machst du das, wie der Kollege Liefers mit seinem sozusagen dynamischen Duo, Dass ihr immer nur so Jahresverträge macht und euch jedes Jahr das wieder neu überlegt? Das hat er, erzählt, dass er das macht, um sich auch mal wieder zu hinterfragen und zu rekapitulieren, ob er das noch will. Oder ist das bei Dir sozusagen längerfristig und wirklich ein Herzensding, wo du sagst, nee, gedacht ich.

Dietmar Bär: Das muss ich machen, bis ich umfalle. Nein, Bei uns ist das damals ganz anders gestartet. Axel und J.J waren ja unsere ersten kleinen Brüder im WDR. Vorher gab es ja nur den Tatort vom WDR in Köln, Dann kamen die Münsteraner dazu und dann noch die Dortmunder. Wir haben damals auch angefangen, unsere Verträge auch mit den jeweiligen Filmproduzenten zu machen. Mittlerweile machst du deine Verträge mit den Sendern. Und es gibt auch die Möglichkeit, das irgendwie in Rahmenverträgen zu machen, Immer ein paar Jahre. Das ist bei uns Usus. Dass man sagt, man macht für ein paar Jahre einen Vertrag, Da steht dann drin, du machst im Jahr mindestens X Filme. Manchmal kommt der Sender und sagt, wir könnten das ja noch einen mehr machen, habt Ihr Zeit und Lust, geht das? Und dann spricht man halt am Ende von so einem Rahmenvertrag, ob es weitergehen kann, ob beide noch wollen, Sender und Schauspieler. Das ist unser Weg. Und was ich weiß, dass die Silberrücken aus München, Die beiden, Udo und Miro, Die machen seit 30 Jahren immer von Film zu Film, Weil das sich irgendwie nie anders ergeben hat. Ist auch eine Möglichkeit. Also, da muss sich, glaube ich, Jeder überprüfen, wo er sich sicherer mitfühlt, weil Du kannst auch einen Zehn-Jahres-Vertrag machen, Wenn der Kunde sagt, ich glaube, das war es, Herr Sebastian Krumbiegel, Wir haben genug von ihnen gesehen, Abfindungsschlüssel und dann adevederci. Also, das ist genau so, Aber natürlich hast du eine andere Sicherheit oder für dich eine Planung, wenn du sagst, du hast jetzt einen Vertrag für zwei Jahre mit einer Option auf noch zwei, Das ist natürlich wirtschaftlich, guckt man erstmal ein bisschen weiter geradeaus damit.

Joël Kaczmarek: Hast du da eigentlich Mitbestimmungsrechte, Was die Inhalte angeht? Also kannst du zum Beispiel sagen, Oh ne, Der Dialog gefällt mir nicht. Oder lass mal die Rolle anders. Oder irgendwie das macht doch keinen Sinn. Seid Ihr da im Austausch mit den Drehbuchschreibern oder ist das Sozusagen fest vorgegeben?

Dietmar Bär: Das passiert bei uns, indem wir irgendwann mal, weil wir ja keine Drehbuchautoren sind, Aber irgendwann ist das Drehbuch in seiner Entwicklungsphase so weit, dass wir dann die Fassung bekommen, Meistens ist es dann schon die dritte Fassung, Da haben dann schon Redaktion und Filmproduzenten zusammen mit den Autoren gesessen. Oder auch schon der jeweilige Regisseur ist mit an Bord, weil natürlich eins passiert, Sobald der Schauspieler sein Drehbuch in die Hand bekommt, hat er eine Meinung dazu. Und das heißt genau das, was du gerade fragst. Ich habe dann... Das gefällt mir, das gefällt mir nicht, Was vielleicht den anderen schon seit Wochen gut gefallen hat in dem Drehbuch. Und dann kommt der Spieler und sagt, das finde ich aber nicht gut. Aber das ist ein künstlerischer Prozess, der da passiert. Und dann gibt es dazu, meistens, wenn dann das Buch soweit ist, eine Leseprobe. Das machen die guten Regisseure. Ist eine Zeitfrage, Dann trifft man sich mit dem Podcast. Alle können mal ihre Bauchschmerzen benennen, Weil wenn der Drehtag läuft, ist dafür keine Zeit. Das heißt, das geht dann irgendwie, Die 13, 14 Stunden wird gedreht, da kannst du nicht diskutieren, ob du das so oder so oder so sagen willst, Aber manche Sachen passieren auch Work in progress, dass man auf einmal merkt, ach, Die Szene ist ganz anders angelegt gewesen, oder wir haben ein ganz anderes Motiv. Oder da stimmt inhaltlich, was nicht. Ich hatte das im kleinen Detail mit einem wunderschönen Porsche, um den. Es ging im Bild, Ein Oldtimer, Da ging es um einen Farbcode, weil Freddy Schenk ist so ein Auto nah. Und der Farbcode gab es aber zu dieser Modellreihe gar nicht. Und das heißt, wir mussten dann den Dialog ändern, damit wir nicht dann irgendwie von den Freaks draußen. Am Fernseher sagen, das stimmt so nicht. Auf Sowas achte ich ganz gerne. Aber wenn Dialoge nicht stimmen, wenn Sie Papieren, rascheln, also, wenn ich sage, das kommt jetzt nicht aus dem Leben, Da sind wir schon die, die auch eine Verantwortung für ihre Babys haben, Ihre Figuren, dass man mitspricht.

Sebastian Krumbiegel: Und gibt es auch manchmal Situationen, in denen Sachen spontan passieren, die dann wirklich reinkommen?

Dietmar Bär: Ja, na, klar, das passiert auch, weil du musst wissen, es gibt ja auch Rollen, Die Tauchen genauso wie du, tauchen heute das erste Mal am Set auf. Wir alle sehen, aha, So sieht die Küche aus. Oder so hat sich die Kollegin die Figur überlegt, weil wir eben nicht wie im Theater wochenlang proben können. Natürlich kann man auch Filme machen, die man vorprobt, das gibt es auch, aber da sind wir in einer anderen Qualitätsstufe. Das ist meistens Beim Kino passiert das eher, dass man sagt, oder Fernsehspiele, Kammerspiele, wo man sagt, da müssen wir eh alle proben, weil das wie ein Theaterstück ist. Da triffst du dann auf jemanden, Der hat auch eine Idee zu der Szene, die wir heute spielen. Dann kommt noch der Regisseur, Der hat auch eine Idee. Der Kameramann hat ja noch eine Idee, wie er das auflöst. Wo man sagen muss, nee, warte mal, Ich kann mich jetzt nicht so hinstellen, Auch wenn das für dich Toll aussieht. Dann muss der Kameramann leider sagen, boah, schade. Und dann sagst du, ja, dann müssen wir uns was anderes überlegen. Das passiert natürlich an kreativen Prozessen am Tag. Oder es kommt im Text zu einer Impro. Also Da passieren die dollsten Dinge. Ich mag das sehr. Man muss nur immer daran denken, dass dann später natürlich, Wenn der Film abgenommen wird, dann auch, da ein Redakteur sitzt und sagt, huch. Das stand aber jetzt nicht so drin. Und da muss der Regisseur das ganz gut verkaufen, dass es trotzdem gepasst hat.

Joël Kaczmarek: Aber was du vorhin erzählt, hast, dass das, wie hast du es genannt, was dein Mentor gesagt hat, Das sei die Neuordnung?

Dietmar Bär: Neuordnung privater Mittel, Was ich irgendwie ganz spannend finde. Du hast eine Figur und denkst, okay, Aber ich kann jetzt nicht so schreien wie du oder weinen wie du, sondern das kommt aus mir. Ich muss es suchen in mir. Ich muss das finden. Als heterosexueller Mensch einen homosexuellen Menschen spielen, muss ich das natürlich irgendwo in mir finden. Das sollte jetzt nicht unbedingt in Charlies Tante enden oder in einer hohen Stimme und hektischen Bewegungen, Sondern das sind andere Dinge. Da muss ich die in mir finden. Ich bin ja auch nicht, wenn ich Mörder spiele, muss ich erstmal draußen ein paar Probemorde machen. Ich muss irgendwie mal gucken, wo ich dann in mir drin bin, ja? Sollte ich jetzt einen Musiker spielen, müsste ich jetzt sagen, zeig mir mal bitte, wie das aussieht, damit nicht alle lachen, wie man am Klavier sitzt. Oder Schlagzeug habe ich auch schon im Film gespielt, weil da weiß ich noch ungefähr, wie es geht. Aber das sind so Dinge, auf die man sich dann natürlich handwerklich vorbereitet und einrichtet.

Joël Kaczmarek: Heißt das eigentlich, dass immer das, was die Rolle darstellt, auch in dir steckt? Also, ich habe da so dran gedacht.

Dietmar Bär: Ja, das ist ja auch einer aus diesem Fragekatalog. Der Klassiker. Wie viel Dietmar Bär steckt denn in Freddy Schenk?

Joël Kaczmarek: Wie viel Freddy Schenk steckt in Dietmar Bär, ist die spannende Frage.

Dietmar Bär: Das ist die andere Frage. Wie ergibt sich genau daraus? Und natürlich in dem Moment, wenn die Verabredung steht, seit 1997, spielt Dietmar Bär, Hauptkommissar Freddy Schenk, Bin ich diese Figur. Heißt aber nicht, dass ich, was ich manchmal gerne täte, mit der Bullenmarke dann nach dem Drehschluss fließt.

Sebastian Krumbiegel: Für euch genau, noch ein bisschen raus nach den Straßen.

Dietmar Bär: Aber natürlich färbt da was in mir ab. Aber ich habe ja eine Vorgabe, in dem es ja vorher, wenn man solche Figuren annagelt, wie es so schön heißt, wenn die ersten Drehbücher kommen und sagen, ja, das ist das Profil, Dann gibt es einen schönen Trick, Das machen Schauspielerinnen und Schauspieler auch sehr gerne. In der Arbeit zu sagen, wir bauen uns eine Biografie, die musst du gar nicht wissen, die ist nur für mich wichtig, dass ich sage, hey, ich bin da und da habe ich Abi gemacht oder für mich, weiß. Freddy Schenk ist Polizistensohn. Dein Hintergrund. Mein Hintergrund, der auch damals von dem Regisseur Niki Stein, der unsere Figuren erfunden hat und auch mit uns einige Tatorte gedreht hat. Dann diese Affinität zu Autos oder zu Amerika. Am Anfang hatte ich ja Cowboystiefel an, nach denen die Leute heute noch fragen, obwohl sie schon im dritten Film rausgeflogen sind. dramaturgisch. Dann die alten Karren, die ich immer fahre. Das hat alles so Hintergründe, die sich dann aufbauen. Und das nehme ich natürlich mit in meiner Figur. Und wenn da jetzt ein Drehbuch kommt, wo ich auf einmal mit kurzen, hosen und roten Haaren rumrennen würde, Würde man sagen, stopp, mal.

Sebastian Krumbiegel: Das ist der doch gar nicht.

Joël Kaczmarek: Träumt man dann manchmal als seine Rolle, auch als Schauspieler?

Sebastian Krumbiegel: Das ist eine gute Frage, das ist ja geil.

Dietmar Bär: Das überhaupt nicht, nein, weil ich streife, die ab. Also, ich bin jetzt keiner, der den ganzen Tag rumrennt und ist jetzt, nein, gar nicht. Also, es gibt zwar oder gab es früher, Ich glaube, es gibt es nicht mehr, so eine Art kleinen Freibrief, wenn du jetzt aus der Theatervorstellung kommst. Und war es jetzt, sage ich mal, fünf Stunden lang. King Lear oder Franz Moor, Der Bösewicht in den Räubern von Schiller. Und ziehst dich um und gehst in deiner Kneipe. Nach dem Theater noch ein Bier trinken und bist noch Franz Moor und Haust, einem den Zahn aus. Dann ist das, also jetzt mal ganz grobbildlich gesprochen, Aber, dass es da so einen kleinen Freibrief gab, dass diese Figur erstmal ausklingt.

Sebastian Krumbiegel: Das wäre dann strafmindernd. auch, wenn dann die Polizei kommt, kannst du dann sagen, ach,

Dietmar Bär: ich kann doch nichts dafür. Das heißt natürlich jetzt nicht, dass du aufgrund dessen alles machen darfst oder durftest, aber... Natürlich gibt es auch tragische Beispiele. Das meinte ich vorhin, dass es in die psychischen Abgründe gehen kann, Dass jemand aus der Rolle nicht rauskommt, weil er so intensiv drin ist oder sich damit so identifiziert. Das kann natürlich passieren, weil, wie gesagt, da gibt es eben nicht diese Zwischenwände.

Joël Kaczmarek: Ja, ich meine, Wir hatten so über Method Acting auch schon mal in der Vergangenheit gesprochen, dass du dann manche Schauspieler hast, die gar nicht die abstreifen, während sie sozusagen, so filmen.

Dietmar Bär: Ich sage, da gibt es verschiedene, Wir fanden das damals auch natürlich. Irre spannend, dass einer der großen Idole unserer Zeit, Robert De Niro. Der dafür bekannt war. Und da sind wir jetzt natürlich wieder beim Film, dass man sagt, wenn man so in die Illusionswelt steigt, die Filme Halt bedeuten, zu sagen, klar, da fährt jemand erstmal ein halbes Jahr. Taxi in New York. Und ich kann das nur mit meinem kleinen, bescheidenen Beispiel anbringen. Ich habe damals das Glück gehabt, dass. Mein Vater war metzgergeselle und ich kam mit Leuten von der DFFB, von der Hochschule aus Berlin zusammen, Die wollten einen Film machen, hatten ein Script. Und da ging es um einen Metzgergesellen, der sich an eine Fotografin verliebt. Und die hatten sich mich auserkoren, das fand ich natürlich schon spannend. Dann redete ich damals mit dem jungen Regiestudenten, und der war hoher Respekt, der war gelernter Metzger, hat neben diesem Knochenjob, über den ich ja viel weiß, mein Vater uns damit ernährt hat, hat dann Abendschule gemacht, Abitur gemacht, hat studiert und diese Aufnahmeprüfung an der DFFB in Berlin geschafft. Das musste er erstmal hinken. Und im Gespräch kam raus, dass er in der Metzgerei gearbeitet hatte, in der mein Vater, damals Mitte der 80er, noch arbeitete. Ach, so geil. Und dann haben die da, wir haben gesagt, okay, dann können wir das da vielleicht auch drehen. Die haben das auch zugelassen. Und dann habe ich so mein Method Acting, Ich habe dann erst mal zwei Wochen, weil ich wollte. Nicht wie ein Schauspielschüler mit einer Gummischürze und zwei Messern da stehen, habe dann zwei Wochen lang, bevor wir angefangen haben, zu drehen, weil es auch Szenen gab. Aus der Arbeitswelt dieses jungen Mannes, habe ich zwei Wochen lang in der Nähe meines Vaters gestanden. Und dann das erste Mal. Auch erstmal eine Wertschätzung. Ich war am Ende meiner Ausbildung, Das war 24, auf der Schauspielschule erstmal geschnallt wie so ein Leben von morgens 5 bis abends. 5. Nicht 9 to 5, sondern 5 to 5 Job, weil Metzgerei ist, was anderes als Büro. Die Rauheit, Die Herzlichkeit in meinem Ruhrgebiet, Das spielt ja auch noch in Dortmund, das zu erleben und dann einfach nach ein paar Tagen drin zu sein.

Sebastian Krumbiegel: Sie kommen dich zu holen.

Dietmar Bär: Ja, keine Freunde, das kann schon los. Ja, oder die Kollegen hier sind unterwegs. Ja, das gehört auch alles in den Spaßkatalog. Was das anbetrifft, der Freddy Schenk ist hier. Ja, und dann haben wir angefangen zu drehen. Und ich habe dann später den Film angemerkt, aha, ich hatte mir einfach was zeigen lassen, wo ich sage, zeig mir mal etwas, was ich später beim Film, Während wir Szenen, Texte haben, nebenbei machen kann, um zu erzählen, das ist ein Metzgergeselle. Und ich lernte damals aus, irgendwie Lackschinken auszulösen, aus, so einem Kotelettstrang. Und diese Messer sind ähnlich wie der Opel. Bei einer OP, Deswegen haben die Kettenhandschuhe an. Dann ist der Finger ab.

Sebastian Krumbiegel: Sehr scharf.

Dietmar Bär: Ja, sehr scharf. Und die können das natürlich, wenn Sie oben mit dir quatschen. Und das in ihrem Ruhrgebietscharme. Weil ich habe mich natürlich erstmal ein bisschen Blöd angestellt, weil das ist alles neu. Also auch Lehrlingen, die ich da erlebt habe, geht das irgendwie nicht so toll. Die Pädagogik ist ziemlich einfach in so einer Metzgerei. Da kommt es dann eher, aber dicke Weiber stemmen, das kann er. Solche Sprüche hörst du dann. Und das hat irgendwie, Also, da habe ich verstanden, dass Method Acting was... Was bedeuten kann. Und natürlich, wenn eine Rolle einen Anspruch hat, wie eben jetzt, Wir waren bei Taxi Driver, aber De Niro hat ja noch einiges mehr geleistet, Zum Beispiel für einen der größten Filme überhaupt, Raging Bull, Wie ein wilder Stier. Dafür eine Boxausbildung hingelegt, wo ja sein Trainer gesagt hat, Er könnte jetzt sofort aufhören, mit der Schauspielkarriere und eigentlich eine Profikarriere anfangen, weil er ziemlich weit gekommen ist. Aber das sieht man im Film auch an.

Joël Kaczmarek: Ich überlege die ganze Zeit, wie dieser Film hieß, der kam so Anfang der 90er. Wo er so einen Stalker spielt, bei so einer jungen Frau. Dreieck des Todes oder so irgendwie sowas. Da muss ich mich dran denken, steckt dann sowas in so einem Schauspieler drin?

Dietmar Bär: Du meinst glaube ich Cape Fear. Ja, danke, genau. Das ist ein Remake von einem anderen Film.

Joël Kaczmarek: Gregory Peck Film, ne?

Sebastian Krumbiegel: Wo er den Anwalt... Ja, genau, genau. Na, Anwalt?

Dietmar Bär: Ja, Anwalt. Hey, komm her. Ja,

Sebastian Krumbiegel: ja, ja.

Dietmar Bär: Und den Film gab es schon mal. Ich glaube, es war Robert Mitchum, der ihn vorgespielt hat.

Joël Kaczmarek: Ja, vielleicht hast du recht.

Dietmar Bär: Ja, ich... Ihr habt ja oft recht.

Sebastian Krumbiegel: Der war mit Juliette Lewis, genau, Hammerfilm, Hammergeil.

Dietmar Bär: Wir kommen auch gleich noch drauf, Wer die Frau war. Ich glaube, es war Jessica Lange, aber bin mir jetzt nicht sicher. Da war aber De Niro auch schon älter und hatte diesen durchtrainierten Körper über und über tätowiert. Ein Hammerfilm.

Sebastian Krumbiegel: Hast du den Letzten von ihm gesehen, diesen Irishman?

Dietmar Bär: Nein, das habe ich nicht gesehen, weil das ist ja, wie ich dann jetzt, um auf euer Thema digital zu kommen, Der wurde doch, glaube ich, nur in auserwählten Kinos gezeigt, und sonst musste man sich den im Streaming... Genau.

Sebastian Krumbiegel: gucken. Ich habe ihn auf Netflix gesehen.

Dietmar Bär: Ich habe einige Kollegen gesagt, man sieht halt, dass da aus älteren Kollegen junge Männer gemacht werden.

Joël Kaczmarek: Also Der Robert Mitchum hat den Lieutenant Elgart gespielt und Gregory Peck auch mitgespielt.

Dietmar Bär: Ah, doch, dann hast du auch recht.

Joël Kaczmarek: Haben wir beide recht gehabt.

Dietmar Bär: Gott sei Dank.

Joël Kaczmarek: Hand in hand, drauf. Und Ileana Douglas heißt die Dame.

Dietmar Bär: Aber wie gesagt, dieses Junge Juliette Lewis, Da gibt es eine magische Szene, wenn er ins Schultheater kommt, und sich ihr nähert. Ach, genau. Was passiert denn jetzt?

Joël Kaczmarek: Ja, weil ich noch genau weiß, ich hatte einen Kommilitonen, der hat, erzählt, Seine Mutter konnte nach Robert de Niro nicht mehr gucken, weil die dachte, wer sowas spielt, das muss ja ein Kranker sein. Sowas, so krank kann man nicht spielen, das muss in dem stecken.

Sebastian Krumbiegel: Ist ja ein Ritterschlag eigentlich.

Dietmar Bär: Es geht auch in dem und dadurch, dass er spielen kann, ist er Gott sei Dank, wird er nicht weggeschlossen. Während es andere gibt, Meine Liebe Frau gehört dazu, die sagt, Tarantino gehört sofort weggeschlossen. Und ich sage, nein, deswegen macht er diese Filme, damit er nicht weggeschlossen werden muss. Sondern er kann halt Filme mit solchen Gewaltfantasien oder solchen Bildern machen. Aber da sind wir in einem anderen Bereich. Was darf man zeigen, was kann man erzählen? Und Kunst ist groß und frei und geht eher darum, dass man eben sagen kann, Da spielt jemand so etwas und begibt sich in die Gefahr, Das Abenteuer in den Abgrund, so eine Figur zu spielen.

Sebastian Krumbiegel: Ist Kunst groß und frei? Also darf kunst alles? DARF Kunst...

Dietmar Bär: Also für meinen Begriff sollte Kunst so gut wie alles können dürfen. Sobald da irgendwo ein Stock in die Speichen gesteckt wird, kriege ich große Schwierigkeiten.

Sebastian Krumbiegel: Es gibt keine Zensur, Grundgesetz.

Dietmar Bär: Eine Zensur findet nicht statt. Ja, genau,

Sebastian Krumbiegel: Eine Zensur findet nicht statt.

Dietmar Bär: Er hat immer recht. Nein, ich habe den Satz erst gerade wieder gelesen. gestern. Deswegen, Eine Zensur findet nicht statt. Und es gibt auch ein großes, berühmtes Plakat von Klaus Steck, einem sehr bekannten politischen Plakatmacher.

Sebastian Krumbiegel: Großartig.

Dietmar Bär: Und da habe ich diesen Satz noch immer vor Augen. Eine Zensur findet nicht statt. Nein, wenn die Zensur aus bestimmten Ecken kommt, wird es schwierig, finde ich. Wenn ich jetzt gerade ans Theater denke und an die gute alte AfD, die dann irgendwie kommt, dass sie andere Inhalte in ihren Theatern der Städte fordert, wo Sie was zu sagen hat oder gerne, was zu sagen hätte. Also, wenn das losgeht, wenn das angegriffen wird, Was Theater für Spielpläne haben, Da stellen sich alle meine künstlerischen Nackenhaare sofort.

Sebastian Krumbiegel: Ich finde, man muss da ja immer, wenn man jetzt über links und rechts spricht, Beide Seiten sehen. Also weil natürlich dieser berühmte. Luxemburg-Satz, Die Freiheit des Andersdenkenden. Ist natürlich immer genauso das Ding. Wenn ich jetzt überlege, scheiße, Irgendwie diesen ganzen Wahnsinn gehört eigentlich verboten. Es ist sehr schwierig, weil es gehört. Eigentlich verboten. Natürlich gehört Rassismus verboten. Natürlich, jetzt sind wir wieder bei meinem Lieblingsthema.

Dietmar Bär: Aber du warst ja, gerade bei Kunst und Kunst ist ja immer etwas Gewolltes. Was gemachtes, was Reflektierendes, was Ausgestelltes.

Sebastian Krumbiegel: Es gibt zum Beispiel, Ich fand einen Satz von Harald Schmidt mal sehr spannend, wo er gefragt worden ist, ob es für ihn Tabus gibt. ALSO jetzt... Lustig zu machen, drüber oder irgendwas eben aufs Korn zu nehmen, wo er gesagt hat, Witze über den Holocaust. Darf man nicht machen, weil, also mindestens darf man es nicht machen, Solange noch Holocaust-Überlebende unter uns weilen. Und ich verstehe das total, weil natürlich kannst du auch sagen, es ist verboten, Heil Hitler zu sagen. Es ist verboten, den Holocaust zu leugnen. Und das ist gut so und das ist richtig, so, dass das so ist. Und das ist ja am Ende auch eine Art... Zensur in Anführungsstrichen. Und das finde ich aber richtig und gut, so.

Dietmar Bär: Also, wenn du Heil Hitler auf der Bühne sagst, weil es im Kontext eines Theaterstückes steht, Ist das legitim.

Sebastian Krumbiegel: Ich singe auch Heil Hitler in einem meiner Lieder.

Dietmar Bär: Dann haben wir aber sofort wieder einen Kunstbezug dazu. Und spannend, weil ich kenne diesen Zitat über Harald Schmidt oder von ihm auch. Und denke mir, Dass er trotzdem für viele als einen der größten Zyniker bezeichnet wird. Weil er natürlich dann wieder über andere Leute, da kommst du an die nächsten Humorgrenzen oder Schmerzgrenzen, Witz über Polen oder Frauen oder solche Dinge gemacht hat, wo man sich dann fragen kann, aha, Da hat dann jeder, so seine Ecke, wo man eben keine Witze drüber macht. Aber ich finde es großartig, dass dieser, mir fällt. Noch älterer Satz, Ein Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Darin versteckt sich für mich auch, dass man über alles Witze machen kann.

Joël Kaczmarek: Also, ich versuche da, auch ein Verhältnis für mich zu gewinnen. Es gibt ja speziell in Amerika diesen Begriff des Roastens, dass man jemanden... To Roast Somebody ist halt den so richtig Rösten mit irgendwie harten Sprüchen.

Sebastian Krumbiegel: Aber auch eher scherzhaft übrigens, ja. Also immer irgendwie schon, also mit einem... Du weißt, worauf Du dich einlässt. Ich habe das schon mal selbst gemacht. Ich war selbst schon mal ein zu roastender. In Leipzig gab es das, und ich habe das sehr genossen. Du wirst natürlich wissen, worauf du dich einlässt. Es wird echt unter der Gürtellinie geschossen. Und da kannst du aber, wenn du damit selbstironisch, humorvoll umgehst, ist das cool. Das finde ich auch wirklich in Ordnung.

Joël Kaczmarek: Also ich beobachte so einen amerikanischen Comedy, da wird es halt richtig hart gebrettert, manchmal. Und ich hatte, Kürzlich habe ich mir bei Netflix ein Comedy-Programm angeguckt von einem jungen deutschen Künstler. Mir ist dessen Name entfallen. Er machte auch einen Podcast. Ich finde ihn persönlich grob. Unsympathisch. Und sein Spruch war, ja, Leute, Mit dem ersten Satz auf der Bühne ist das wie mit einem Behinderten, Der muss sitzen. Und da saß ich so da und dachte so, find ich voll daneben. Und gleichzeitig bemerke ich aber, dass das in der Kunst manche akzeptieren. Das sozusagen, also das frage ich mich, wie geht denn Ihr damit um?

Dietmar Bär: Wo du das jetzt gerade sagst, Ich hab nämlich erst vor Kurzem im Radio, was gehört, und ich kannte den jetzt gar nicht, jemand, der aus Kabarett macht, aus dem Rollstuhl heraus. Und der hat natürlich alle diese Witze in petto, sodass du, glaube ich, als Publikum erstmal...

Joël Kaczmarek: So wie was ganz anderes, ne, von der Absenderschaft.

Dietmar Bär: Da kam ein paar Kalibre aus der von dir gerade zitierten Ecke. Oder der andere Kollege, der junge Kabarettist oder Comedian, muss man ja sagen. Man muss ja heutzutage unterscheiden. Kabarettisten hatten für mich immer einen viel größeren politischen Anspruch als Comedian.

Joël Kaczmarek: Das ist richtig, ja.

Dietmar Bär: Der sagt, hey, die Judenwitze kann ich machen, weil ich komme ja, daher. Da kommen wir auch in so eine Ecke. Da sind wir wieder bei, Was ist frei und nicht, Was ist Humor, was darf Kunst? Dass man sagt, Oh, Gott, ja, darüber darf ich doch jetzt gar keine Witze machen. Allein schon diese Fragestellung.

Sebastian Krumbiegel: Es gibt ein geiles Lied von den Hosen. Das ist, glaube ich, Ein Text, den Fanny van dan geschrieben hat. Schwarze, Schwule Behinderte können auch ätzend sein. Auch letztlich, so Schwarze Behinderte können ätzend sein. Und das finde ich wirklich auch eine gute Herangehensweise. Weil natürlich, man muss Witze machen. Also Tucholsky sagt Ja auch, Eigentlich ist alles erlaubt. Ja, klar.

Dietmar Bär: Aber da sind wir in einer ganz anderen Welt, wenn ich jetzt an diesen Text denke. Wir haben damals mal in Tübingen, weil da war überhaupt keine Chance, an eine Wohnung zu kommen. Das war ganz schwer in so einer Studentenstadt. Und wenn du dann auch noch vom Theater kamst, hängt die Wäsche weg, Die Gaukler kommen.

Sebastian Krumbiegel: Ja, ja.

Dietmar Bär: Da haben wir damals mal ein Kollege, ich, der wir zusammenboten, haben gesagt, wir machen jetzt mal so einen Text. Schwuler, Schwarzer, Jüdischer, Jazzband, Neger sucht Altbauwohnung. 400 Quadratmeter für 600 Mark warm. Also die Unmöglichkeit, Damit zu... Weil da war ja eine Professorentochter, Nichtraucherin, Wochenendfahrerin, sucht Zimmer bis 750 Mark warm. Das waren die Anzeigen, die da geschaltet wurden. Aber es ist genau das gleiche drin, was du damit alles aussagst und in welche Ecke du dann da kommst. Wo der Humor hingeht, was Humor kann, Ist das eine. Weil ich glaube, eine Humorgrenze ist wieder was anderes, als über die Kunstfreiheit zu reden. Es gibt auch eine Geschmacksverirrung, manchmal. Also, wenn ich daran denke, so auf der Volksbühne hier in Berlin, die Schlingensief-Inszenierung damals, Die war nicht ohne, Die muss man auch aushalten können. Da war irgendwie viel los, wo Leute dann vielleicht auch rausgegangen sind, weil es ihnen zu viel wurde. Oder die Künstler, Ich weiß nicht, wie der heißt, der sich als lebender Glockenschwängel mal ein Kunstobjekt von links nach rechts, in so einer Glocke selber als menschlicher Glockenschwängel. Ich glaube, ein berühmter österreichischer Künstler, also Leute, die so an die Grenzen gehen, mit ihrer Kunst, an die körperliche Grenze.

Sebastian Krumbiegel: Mir fällt da spontan jetzt, weil ich gerade auf dem Deichkind-Konzert war, Lars Eidinger. ein, der ja auch so ein Grenzgänger ist. Und der ja auch so ein Verrückter ist. Im allerbesten Sinne. Und ich liebe diesen Künstler. Und ich glaube ja, ich kenne ihn nicht persönlich, aber ich glaube, dass das bestimmt. Ein anstrengender Kerl ist. Aber dadurch, dass er so anstrengend ist, eben auch ein Freigeist ist und einer, der einen Fack drauf gibt, ob er irgendjemanden beleidigt oder so. Lieber Lars,

Joël Kaczmarek: wir suchen noch einen direkten Kontakt zu dir, wenn du das hier hörst.

Sebastian Krumbiegel: Also, ich habe ja gerade, erzählt, Deichkind-Konzert Leipzig, Das war das letzte Konzert, das ich live gesehen habe. Das ging los. Eine Musik,

Dietmar Bär: die auch ich kenne.

Sebastian Krumbiegel: Deichkind ist hammergeil. Also das war für mich, Ich kriege Gänsehaut, wenn ich darüber nachdenke, weil das war für mich das Großartigste. Das erste Mal war es das letzte Konzert, das ich gesehen habe. Vor Corona, Anfang März. Und das Konzert, also, es war kein Konzert, es war ein großes Happening. Eine Riesenshow in der Zehntausenderhalle mit Wahnsinnsbühnenbildern, mit... Musik MIT Hip-Hop, mit wahnsinnig Text, mit viel Haltung übrigens. Nachher wollen wir auch noch ein bisschen auf Haltung kommen, Was Haltung für dich in deiner Kunst. Auch für eine Rolle spielt. Wo Deichkind für mich auch in einer Band ist, wo die so ganz vorne steht, die eben natürlich irgendwie, wie sie selbst sagen, Großen Kindergeburtstag für Erwachsene machen, Aber trotzdem das ganze Ding immer auch mit Haltung machen. Und dieses Konzert oder dieses Happening ging los mit einem, Ich glaube, Achtminütigen Film, der auf der Leinwand gezeigt wurde. Und deswegen komme ich jetzt drauf, weil du von dem österreichischen Künstler erzählst, dass er sich als Glockenschwängel... Ich meine, das ist ein

Dietmar Bär: Österreicher Film. Kann sein.

Sebastian Krumbiegel: Also Eidinger, also das Deichkind-Konzert ging los. Ein Film auf der Leinwand, Lars Eidinger, liegt am Boden, wird dann hochgezogen und hängt Kopfüber in der Luft und wird dann in einen blauen Farbtopf getan. Und mit diesem menschlichen Pinsel sozusagen wird unten eine weiße Leinwand bemalt, die dann der Backdrop der Bühne ist, Also der Hintergrund der Bühne. Und das war für mich extrem beeindruckend und wirklich irgendwie ganz großartig. Und er hat ja auch in vielen Videos mitgespielt von Deichkind. Also für mich ein großer Künstler.

Joël Kaczmarek: Ihr meintet Wolfgang Flatz. Der ist österreichischer Aktionskünstler.

Dietmar Bär: Ah ja, Wolfgang Flatz. Ich danke dir sehr, weil der Name lag, mir auf der Zunge. Also, der hat so einige spektakuläre Sachen hinter sich.

Joël Kaczmarek: Als Dartscheibe hat er sich auch hier wohl mit Dartpfeilen bewerfen lassen.

Dietmar Bär: Und natürlich Dazu kommt diese andere tolle Künstlerin. Ich glaube, Sie heißt auch Abramowitsch, der berühmte Oligarch. Die sich zum Beispiel in ein Kunstobjekt hingesetzt hat. Und du konntest dich vor ihr setzen und konntest ihr in die Augen schauen. Fünf Tage lang hintereinander. Unter anderem. Also auch eine Ausnahmekünstlerin.

Joël Kaczmarek: Hast du eigentlich jemals darüber nachgedacht, den Tisch Schweiger zu machen, dass du auch anfängst, Regie zu führen, zu produzieren, So unternehmerisch in dem Schauspielbusiness?

Dietmar Bär: Dieser kleinen Frage verstecken sich ganz viele Fragen. Also erstmal ist das nicht in mir. Und ich würde mal sagen, unternehmerisch, um die Frage mal nochmal irgendwie auseinander zu fasern, wenn du Regisseur bist, bist du nicht gleichzeitig Unternehmer, wenn du Produzent bist und machst deine eigene Produktionsfirma. Das ist natürlich was anderes. Es gibt natürlich ganz viele Kolleginnen und Kollegen, die aus meiner Branche kommen und Regisseurinnen geworden sind. Habe ich beim Theater das erste Mal erlebt, denen kannst du nichts vormachen. Die kennen, also Regisseure und Theater im Theater, wissen zwar, du bist Schauspieler und Schauspieler, Aber wenn die aus deiner Branche kommen, also irgendwann mal diesen berühmten Sprung, Ich weiß nicht, ob ihr die Geschichte kennt, Wie Regisseure entstanden sind. Da waren zwei Schauspieler auf der Bühne, haben, was geprobt und der eine, sagte, Pass mal auf, Ich gehe mal eben kurz runter und gucke mal von unten, wie das aussieht. Und er ist nie wiedergekommen.

Sebastian Krumbiegel: Ist Regisseur geworden?

Joël Kaczmarek: Ist Regisseur geworden. Ja,

Sebastian Krumbiegel: okay.

Dietmar Bär: Und die Kollegen, die Halt als Schauspieler Regisseur, werden irgendwie, weil das hat schon, was miteinander zu tun, dass man ein Auge dafür haben kann, wenn man Sachen inszeniert oder sagen kann, das gefällt mir. Oder ich kenne das aus der Schauspielschulzeit, wo wir uns selber ein bisschen so mitkontrolliert haben, Aber dann wirklich dann, die Aufgabe in sich zu sehen und die Berufung zu spüren, jetzt Theater zu inszenieren oder Filme zu machen oder Autorenfilme, spüre ich immer nicht, halte ich mich auch nicht fähig für, Produzent schon gar nicht. Interessant wäre eher, Projekte oder Ideen zu haben, die man dann umsetzt mit anderen. Weil so da sehe ich mich dann schon in meinem schmalen Feld, dass ich das, Was ich glaube, vielleicht ein bisschen können zu können, auch können kann. Das ist ja ein toller Satz geworden, gerade. Nein, aber den, da kann ich dir nicht anbieten, mach mal den Til Schweiger. Das erinnert mich gerade an eine Neunjährige in der Südstadt. Vor kurzem Draußen saßen wir von der Eisdiele, von Freunden, Und dann sagt er zu mir, Schauspieler, doch mal was. Du findest da ne Musikbox, wo man einen Euro reinschmeißt, dann spiel ich dir was vor. Aber das ist auch so ein gern genommen, Mensch, Mach doch mal was.

Joël Kaczmarek: Ja, aber das ist so ein Impuls. Da hab ich mich auch bei. Ich hab auch die ganze Zeit vorhin gedacht, ob ich dich frage, ob du mal eine Tunte spielen kannst, als du das meintest. Da hab ich gedacht, nee, das ist kacke, da würde ich auch kotzen, wenn mich das jeder drückt. Nein,

Dietmar Bär: aber ich würde natürlich, Dann kommt es auf die Rolle an. Also, was ist das für ein Stück? Wie würde man das erziehen? Oder legt man eine Rolle, so an? Was nämlich ganz interessant ist, dass zum Beispiel auf dem Theater oder so, dass viele Regisseure gesagt haben, wenn man darüber redet, es ist dann auch spannender, Oder auch beim Film, Und da erinnere ich euch vielleicht an den großen Film Tootsie.

Joël Kaczmarek: Mit

Dietmar Bär: Dustin Hoffman. Wenn du jetzt sagen würdest, du nimmst einen homosexuellen Schauspieler, Und der muss ja nicht gleich durch die Gegend rennen. Wie beim Käfig voller Narren, sondern du nimmst einen heterosexuellen Schauspieler, der das vielleicht anders umsetzen würde, so eine Rolle, weil er, Wie gesagt, das erstmal in sich finden muss. Das ist zum Beispiel so eine Theorie, Das ist dann spannender, das so rumzubesetzen.

Joël Kaczmarek: Ich habe bei meiner Frau, da sind der Onkel und die Tante Polizisten. Und wir waren einmal irgendwie an der tschechischen Grenze, waren wir irgendwie zum 60. Geburtstag oder irgendwie so eine Kiste? Und dann hat der mit seinen Jungs da rumgetobt. Und dann hat der so richtig laut gebrüllt, so Zackige Ansagen gemacht. Und ich meine, Das ist ein Polizist, der teilweise wirklich in Montur vorm Fußballstadion steht. Oder wenn da die Juli geht. Also richtig beknüppelt und so. Und ich fand das so beeindruckend, wie der das gesagt hat. Dann meinte er, Joël, beim Polizistenjob. 80 Prozent ist die Stimme. 10% ist vielleicht noch die Körperhaltung und 10% ist dann das, was ich sage. Ist eigentlich scheißegal, was ich sage, es sagt, wie ich sage.

Dietmar Bär: Okay, aber da reden natürlich aus der harten Zeit, sag ich mal jetzt zum Beispiel, Hooligans vom Hauptbahnhof zum Stadion und zurück zu begleiten.

Joël Kaczmarek: Ja, auf jeden Fall Leute sozusagen zu...

Dietmar Bär: Nicht in Diskussionen zu kommen, ne?

Joël Kaczmarek: Und wie ist das in deinem Beruf? Wie wichtig ist Stimme für die Wirkung? Deiner Kunst?

Dietmar Bär: Also Ich glaube, dass nicht umsonst Stimmbildung mit zu einer Ausbildung gehört oder zu einer Sprechausbildung für die Bühne. Am Mikro, Jetzt, wo wir sind, Das habe ich dann später, als ich dann auch mal in den Hörspielbereich kam, was dann auch nochmal ein Extra Genre ist neben dem Hörbuch. Und es gibt ja fantastische Beispiele von Hörspielen. Und das wisst ihr selber, dass Stimme natürlich unheimlich viel ausmacht. Also ich weiß es eben durch die Zeiten, wo ich dann anfing, Hörbücher zu machen. Im Theater ist es so, dass du natürlich je nachdem, was für ein Genre du spielst, das ist was, Wir sprachen vorhin schon mal über Kleist, den zerbrochenen Krug, Eine wunderbare Sprache, die Kleist, da irgendwie gebaut hat. Da kannst du nicht anfangen, zu improvisieren, wie vielleicht in einem Alltagsstück. Shakespeare hat ja eine ganz andere Art und Weise, damit mit Sprache umzugehen. Da gibt es also verschiedene Möglichkeiten. Dazu kommen natürlich... Ah, wir müssen mal eine Kollegin abwarten. Die kommt ja gleich. Da ist ordentlich, was los.

Sebastian Krumbiegel: Ja, das ist eine harte Gegend.

Dietmar Bär: Das ist eine helle Gegend in Charlottenburg. Dass Stimme natürlich ein Teil des Ausdrucks ist. Das ist ja nicht nur im Theater, so. Du weißt selber, Sebastian, was das im Gesang, in der Musik bedeutet, Was mit Stimme passiert. Oder wenn wir über Oper reden würden. Oder ich würde da vielleicht mal einen Opernmenschen reinholen, die ins Haus eine Sängerin.

Sebastian Krumbiegel: Du musst erstmal in der letzten Reihe auch verständlich sein.

Dietmar Bär: Du musst verständlich sein. Das heißt, du kriegst natürlich auch einen Stimmtrainer. Das ist auch eine physische Geschichte. Und zwar so, dass du nicht irgendwie nach zehn Minuten heiser bist.

Sebastian Krumbiegel: Mit Stütze sprechen.

Dietmar Bär: Mit Stütze, genau. Dazu kommt natürlich dann das Ausbilden des Sprachorgans, das man anfängt, mit bei uns auf der Schule. Wir hatten ein wunderbares, dickes Buch, echter Meier von Wiese, Deutsche Gedichte von Biss. Und da wurden verschiedene Gedichte rausgenommen, was mir großen Spaß gemacht hat, auseinandergebaut. Da wurden Sinnes-Setzesbögen geübt. Dann haben wir über Zeitungsartikel, was den großen Spaß macht. Wenn du jetzt mal die Tageszeitung nimmst und sagst, den liest du jetzt mal vor wie eine Tucke. Und den liest du jetzt mal vor, wie ein Polizeibeamter. Einfach, um das zu überprüfen, wie man damit umgeht, wie man Figuren baut.

Sebastian Krumbiegel: Das interessante ist, dass wir das teilweise ähnlich machen bei der Musik, also beim Songwriting. Zum Beispiel unsere Produzentin, Unsere langjährige Produzentin Annette Humpe hatte immer den Sport, wenn wir mit einem neuen Lied ankamen, Dass Sie gesagt hat, wie würde das David Bowie singen, Wie würde das Leonard Cohen singen, Wie würden das AC/DC umsetzen. Und der Witz ist, dass Du da wirklich auf... Total verschiedene Trichter kommst. Und dass das wirklich eine gute Schule ist.

Dietmar Bär: Und das ist zum Beispiel etwas, was bei der Schauspielerei genauso reinkommt. Wenn man sagt, mach das doch mal so. Oder wie auch mal Alberne Proben hatten im Theater, sagt, Heute ist mal alles erlaubt. Um einfach mal an das Stück anders ranzukommen oder an die Situation, dass dann jeder Mal Gas geben konnte. Oder dass die Regisseurin gesagt hat, auch Spiel mir doch mal. Bitte immer ein bisschen hier mal Komödiantenstadel vor oder so. Und da liegst du am Boden, wenn du mit dem Text völlig verfremdet angehst. Oder jemand sagt, Sing das doch mal wie Bowie oder so. Das finde ich gerade sehr interessant vor. Nicht schlecht.

Joël Kaczmarek: Ist das so eine Disziplin, die man als Schauspieler kann? Also, wenn ich jetzt sagen würde, Ich mache mal die Augen zu, und jetzt möchte ich dich mal irgendwie als Polizeikommissar hören, der homosexuell ist, Kriegst du das über Stimme abgebildet? Wie würdest du sowas machen?

Dietmar Bär: Das müsste ich dann in mir suchen, aber was ich zum Beispiel immer sehr mag, sind, Ich sammle ja, so Sätze aus Kinofilmen, aus denen man dann vielleicht einen ganzen Film machen könnte. So sätze wie, du hast mich nie geliebt, ich will dein dreckiges Geld nicht.

Joël Kaczmarek: You're talking to me.

Dietmar Bär: War ein anstrengender Tag heute, Jetzt könnte ich einen Schluck vertragen, wenn man jetzt mal so in die Western abteilt. Und dann so ein Satz, den man auch nur mit Colt am Gürtel sagen kann, ist Ich will, dass Sie aus meiner Stadt verschwinden. Das ist so ein Satz. Da wären wir dann vielleicht eher bei rauchende Colts. Aber jetzt zu überlegen, Ach Mensch, Stell dir doch mal vor, Einer von den Cartwright-Jungs wäre doch homosexuell. Vielleicht der, wie hieß er denn noch? Es gab einmal, es gab Horse, es gab Little Joe. Da gab es doch noch den, der dann irgendwann aussieht, da seid ihr jetzt zu Jung für Bonanza.

Sebastian Krumbiegel: Doch, Bonanza. Ich kenne das auch, ich habe das als Kind gesehen. Doch, okay.

Dietmar Bär: Gab es noch einen Dritten, und da gab es einen unglaublichen Satz. Und ob der jetzt aus der lustigen Schule der deutschen Synchronsprecher kam, wo es hieß, wo ist eigentlich der? Und der? hieß, der ist nach Paris Kunstgeschichte studiert. Ich dachte, ich brauche meine Ohren nicht. Aber vielleicht hat man sich das auch wirklich nur im deutschen Synchronbereich ausgedacht. Aber natürlich, wie gesagt, Stimme macht ganz viel. Und ich kenne das, wenn ich ein Hörbuch mache, einen Roman. Kriminalroman Einlese oder ein Kinderbuch, habe ich jetzt ein paar sehr schöne Kinderbücher gemacht. Da kannst du jetzt, und da sind wir wieder beim Geschichtenerzählen und ganz nah am Theater, Da kannst du dem Affen Zucker geben. Das war ein schwedischer Autor, Der schreibt Bücher über die Familie von Stibitz. Das ist eine Gangsterfamilie, also Mutter, Vater sind Räuber, Oma sitzt im Knast und die beiden Kinder, Der Junge kann nicht lügen. Für die Familie ist das schon das schwarze Schaf. Ja, genau. Ein richtiger Gangster. Und da eben die verschiedenen Charaktere darzustellen oder Tiere zu sprechen. In Kinderbüchern, da weißt du, dass du natürlich einen Charakter anlegst. Und wenn du jetzt sagen, du hast einen Roman und willst nicht das Lineal durchlesen, sondern ich habe dann immer, Während ich das Buch, das Manuskript lese, habe ich schon eine Idee, wie der aussehen könnte. Nur für mich. Wie sieht die Figur aus? Wie sieht dieser Mann aus? Oder diese Frau? Ich spreche ja dann nicht die Frau und so, sondern ich würde der Frau trotzdem meine Stimme geben. Aber versuche es so zu modulieren, dass du dann später merkst, ah, das ist ein Mann und das ist eine Frau. Oder es sind die zwei verschiedene Leute darin oder so, vier verschiedene im Raum. Und dadurch, dass ich alleine für mich eine Vorstellung habe, wie das aussehen könnte, passiert dann schon, was mit der Stimme. Das ist irgendwie, das macht mir großen Spaß, das dann auszuarbeiten.

Joël Kaczmarek: Ich kann es total nachvollziehen. Ich muss gerade daran denken, ich lese meinem Sohn auch immer seine Bücher vor. Und der steht total auf diese Olchis. Ich weiß nicht, ob man, hast du Kinder?

Dietmar Bär: Nee, meines Wissens habe ich keine.

Joël Kaczmarek: Keine von denen du weißt. Und da gibt es ja unterschiedliche Rollen, Mutter, Vater, die Kinder und dann immer irgendeine Gastfigur. Und es hat sich schon herauskristallisiert, wen ich mit welcher Stimme spreche. Und ich kann das ein bisschen verstehen, das ist frustrierend, wenn ich jetzt vormachen müsste, okay, wie redet euch Ihr Kind versus euch Ihr Papa oder so. Also deswegen bewundere ich das manchmal, dass ihr vor der Kamera sowas so anknipsen, könnt.

Dietmar Bär: Vor der Kamera ist, was anderes. Ob ich da anknipsen könnte, dann müsste ich ja auch schon wieder spielen. Dann würde ich mir ein Kostüm dazu an oder auf der Bühne. Also, wo ich zum Beispiel, Wir haben das Dschungelbuch gemacht. In Wuppertal als Weihnachtsmärchen. Wir haben ein Dreispatentheater. Die Schauspieler machen ja dann meistens von November bis in den Januar hinein. Weihnachtsmärchen. Ein Stück, was du morgens zweimal für Schulen und Kindergärten spielst. Und bei uns ist es damals das Dschungelbuch geworden. Im ersten Jahr unter neuen Intendanz. 88. Und wir dachten alle, Oh, Gott, die wir den Film kannten, das ist ein Erbe, das trägst du nicht. Und wir haben aber eine Mischung gehabt. Aus dem Original von Rudyard Kipling, der viel härter ist als der Disney-Film, den wir alle kennen. Und haben da dieses Theaterstück rausgemacht. Und ich habe Schlange K. gespielt und Vater Wolf.

Joël Kaczmarek: Ja, großartig.

Dietmar Bär: Schlange K. war im hautengen Paillettenkleid mit High Heels. Und ich habe auch ein Lied gesungen. Und ich war natürlich irgendwie der komische Onkel für die Kinder. Aber ich habe natürlich da auch nicht auf die Travestitube drücken dürfen und natürlich auch anders gesprochen. Und beim Mikro geht das natürlich auch. Wenn du das dann aber wirklich vor der Kamera machst, ist das was anderes. Aber da bist du drin im Geschichtenerzählen. Einer alleine muss fünf Rollen sprechen oder spielen.

Sebastian Krumbiegel: Ich habe das gemerkt, also, ich habe ja vorhin erzählt vom Theater der Jungen Welt in Leipzig. Jürgen Zielinski.

Dietmar Bär: Wo wir uns immer regelmäßig trafen zum Adventslesen und Singen.

Sebastian Krumbiegel: Also, weil wir beide sind, Paten, Wir. Beide sind Freunde von dem Intendanten Jürgen Zielinski, der uns da eben jedes Jahr einlädt, wo wir so eine Benefizlesung machen, sozusagen, wo wir dann auch, Und jetzt komme ich wieder zu meinem Lieblingsding Haltung, Bla für einen guten Zweck sozusagen. Und was ich, um jetzt mal zu der Stimme zu kommen, Letztes Jahr haben wir gemacht. Hemingway, Der alte Mann und das Meer. Ja, fand ich total. Total geil. Und ich sitze dann daneben und höre mir das an. Also wir machen es immer, so, Dietmar Liest. Und ich mache zwischendurch ein bisschen Musik und Spiele am Klavier, irgendwie ein paar Lieder. Und das macht immer wirklich richtig viel Spaß, und ich fühle mich da wirklich auch in diese Welt mitgenommen. Gerade, was mit Stimme möglich ist, wo Du eben wirklich... Nur die Stimme hast, weil du eben nicht mit Gesten, mit Kostümen irgendwas unterstreichen kannst. Und das fand ich schon wirklich faszinierend, wie du da die verschiedenen Charaktere gesprochen hast? Und wie du eben auch dann der Erzähler bist und wie du dann irgendwie die ganze Geschichte wegträgst.

Dietmar Bär: Da freue ich mich sehr drüber. Gott sei dank, gab es ja nur den alten Mann und den Jungen. Aber da hast du dann zum Beispiel schon im Hintergrund ein Hemingway stehen. Das ist auch eine Erfahrung für mich mit Stimme, wenn ich ein Hörbuch mache. Kein Schriftsteller schreibt, Glaube ich, Bücher, damit man Sie laut vorliest. Sondern in dem Moment, wo aus dem Buch, wenn die Entscheidung getroffen wird, wir machen aus dem Roman, Fast aus jedem Neuerscheinung, wird ein Hörbuch produziert, Kommen wir in das nächste Medium rein, nämlich laut lesen. Und dann merkst du, ob das Buch sich trägt oder nicht, Wie gut die Literatur ist. Und eine Story, Wir haben es natürlich eingekürzt, aber wir haben da echt, Das war eine Stunde 20 oder so durchlesen. Das ist auch ein Ritt fürs Publikum. Eigentlich sind, so Lesungen maximal 50 Minuten mit einer Pause. Und wir haben da echt gerockt, mit Musik zusammen, Aber wir haben ja ein treues Publikum da in Leipzig immer vor Ort. Und dann merkst du, dass die Literatur trägt dich, also mich selber, dass ich merke, hier passiert, was anderes, da bin ich jetzt jemand, der kann das vorlesen, aber ich selber hab auch Spaß daran, dass das funktioniert in dem Moment.

Joël Kaczmarek: Bei mir ist aufgefallen dieser Tage, weil du gerade Dschungelbuch sagtest, ich hab meinem Sohn, Wir haben uns jetzt hier so Disney+ geklickt, also, so das Disney Pendant zu Netflix, Dann fiel mir zum ersten Mal auf, Wisst Ihr wie viele Disney Filme die gleichen... Stimmen für unterschiedliche Figuren benutzt. Das fiel einem gar nicht auf.

Dietmar Bär: Du meinst jetzt die guten alten, Das gute alte deutsche Synchronensemble.

Joël Kaczmarek: Ja, Klaus Havenstein oder so hieß der doch, ne?

Dietmar Bär: Natürlich, Klaus Havenstein. Aber was mich so fasziniert, hat, Einer meiner ersten Kinofilme, als ich Kind war, war das Dschungelbuch. Deswegen krieg ich auch eine weiße Nase, als siehst du, du spielst jetzt hier, hör auf mich,

Sebastian Krumbiegel: glaube mir.

Dietmar Bär: Und wir haben natürlich ganz, wir haben einen völlig anderen Film gemacht, Wir haben auch gar nicht die Musik benutzen dürfen, Weil Walt Disney ist ein großer, großer Konzern. Der hat einen Musiker, einen Komponisten, der hat Lieder komponiert, Die wurden doch damals, Telefonhörer, Dramaturgie, Wuppertal hat das bei Disney vorspielen müssen. Und die haben dann gesagt, Daumen, Rauf oder Daumen runter, weil die haben alles kontrolliert. Zu der Zeit, 88, gab es den Film nicht, irgendwo in der Videothek oder Sowas zu kaufen. Ich glaube, der hatte nach 25 Jahren Freigabe, der kam immer schön zur Weihnachtszeit in die Kinos. Ansonsten, Wir haben bei den Proben damals nämlich als Bootleg geguckt. Weil unser erster Regisseur, den wir dann rausgeschmissen haben, den Film noch nicht kannte. Der wusste gar nichts von der Tragik, von der wir alle saßen. Dass wir jetzt bei Bagheera und Balu und alle spielen müssen. Und da haben wir auch gespielt. Und als ich dann im Kino saß und sah, dann irgendwie Mowgli. Und ich glaube, das ist einer von den vielen, vielen Filmen, die hier in Berlin synchronisiert worden sind, in den 60ern. Und der kleine Mowgli, der dann, Ich höre noch, wie er, lass mich, ich will allein sein. Und denkst, ah, Mowgli ist aber jetzt nicht aus Indien.

Sebastian Krumbiegel: Alter, Ich will allein sein

Dietmar Bär: Lass das Balu, Ich will allein sein, das stimmt, das ist so großartig. Das ist, glaube ich, auch eine von jungen Stimmen, der vielleicht früher viel gesprochen hat. Aber diese Riege, Klaus Hafenstein hat natürlich, den ich noch als Fernsehmoderator erlebt habe. Der hat King Louie gesprochen, im Original übrigens Louis Prima

Joël Kaczmarek: weißt du, wer den Balu gesprochen hat?

Dietmar Bär: Nee, keine Ahnung.

Joël Kaczmarek: Weil der hat nämlich auch den Thomas O'Malley gesprochen. Bei Aristocats. Da fiel mir das zum ersten Mal auf, wo du dann zwei, drei Filme mit deinen Kids so hintereinander guckst. Da war ich so, die kenne ich doch, Wahnsinn.

Dietmar Bär: Ja, ich glaube schon, das war eine große alte Riege. Meistens auch natürlich alles. Große Theaterschauspieler.

Joël Kaczmarek: Es gibt ja auch, Das habe ich mal von einem Freund gesagt. bekommen, in den USA, Bei Disney ist ja Carl Barks, so einer der Erfinder dieses ganzen Entenuniversums. Und es gab eine Dame, Ich müsste ihren Namen nachschlagen, Die hat die deutschen Übersetzungen der Barks’ Texte. Wie heißt Sie gleich?

Sebastian Krumbiegel: Erika Fuchs. Erika Fuchs, genau.

Dietmar Bär: Die Selige. Genau, großartig. Keuch, Schluck und all solche Sachen.

Joël Kaczmarek: Ja, diese ganze Magie, Daniel Düsentrieb. Und wie ist der genannt? Oder der Panzerknacker, Die heißen ja auf Englisch. Eigentlich Beagle Boys, so ganz anders.

Sebastian Krumbiegel: Beagle Boys, Das bin ja ich.

Joël Kaczmarek: Ja, siehste? Ja.

Dietmar Bär: Ich fand es ganz spannend, irgendwann mitzubekommen, wie sie in den anderen Ländern alle heißen. Also in Schweden heißt Donald Duck. Kalle Anka. Was ich auch großartig finde. Oder dass diese Ekligen drei Besserwisser-Neffen, Diese Nervensägen,

Joël Kaczmarek: Tick,

Sebastian Krumbiegel: Tick, Trick und Track.

Dietmar Bär: Hui,

Sebastian Krumbiegel: nui und Lui, ne? Ja, genau.

Joël Kaczmarek: Ja, eben, das finde ich so faszinierend bei Sprache. Und ich frage mich zum Beispiel manchmal, also ehrlich gesagt, relativ oft, Das mag total bekloppt, klingen, Aber ich habe schon mal darüber nachgedacht, warum deutsche Filme eigentlich nicht nach dem Drehen nochmal Deutsch synchronisiert werden. Weil was mir ganz oft auffällt, ist, Die Vertonung amerikanischer Filme hat oft eine viel, Viel bessere Wirkung als die deutschen. Weil die Deutschen nehmen, glaube ich, den Ton auf, während sie drehen. Mit ganz anderen Mikros, dass die auch teilweise ganz schwer zu verstehen, sind. Also, ich habe schon ein paar Mal darüber nachgedacht, dass das, was interessantes wäre. Weißt du, wie ich meine?

Dietmar Bär: Ich versuche es gerade rauszufinden, Aber da haben wir eher so ein Feld, wo wir uns auch alle nicht so einig sind. Auf der einen Seite ist ja Synchronisation sowieso erstmal ein Markt. Ein Kollege von mir hat mal gesagt, das ist Rache Deutschlands an den Alliierten, dass wir halt Filme angefangen haben, zu synchronisieren, weil, als ich das erste Mal auch in den Genuss kam, mal einen Omo-Film zu sehen. Das ist jetzt auch schon ein paar Jahre her. Ich traue mir leider nicht zu viel mit Originalfassung zu sehen, dafür ist mein Englisch zu schlecht. Aber alleine Omo, den Ton, Das ist ja auch in der Oscar-Kategorie Bester Ton. Ton. Natürlich ist das eine völlig andere Dynamik. Oder wenn du manchmal Schauspielerinnen und Schauspieler siehst, Die kriegen dann im Deutschen eine völlig andere Stimme, die aus dem Charakter, was völlig anderes macht. Oder wir alle wissen, weil wir eben über den großen De Niro gesprochen haben, den hat immer The Voice gemacht, Christian Brückner. Es gibt einen Film, Hexenkessel, da ist jemand, Ich weiß nicht, wer es war, Da hat De Niro eine Fistelstimme. Und du denkst, huch, das ist doch nicht. Robert De Niro, Das kann doch jetzt nicht stimmen. Da siehst du, wie sehr wir konditioniert sind. Und natürlich ist das ein großer Markt. Ich habe Riesen Respekt vor den Kolleginnen und Kollegen, die sich in so einem dunklen Studio hinstellen, Gucken sich einmal kurze Szene an, Vielleicht sogar einen dreiminütigen Monolog von irgendeinem Amerikaner oder Finn und Hauen danach diesen deutschen Text Da drauf. Das ist echt ein Job, den man machen muss. Im Dunkeln stehen, natürlich, wenn du Glück hast, du bist die Stimme von. Ich hatte auch noch die Tage vor Corona, saß ich bei uns in Wilmersdorf, im Restaurant und neben mir bestellte Gérard Depardieu auch Pizza. Da saß der große Kollege Manfred Lehmann. Der Depardieu Schon seit vielen, vielen Jahren spricht. Und das ist faszinierend, was damit so passiert. Auch ich als Kollege.

Joël Kaczmarek: Macht der nicht auch Bruce Willis? Ist doch auch er, oder?

Dietmar Bär: Ich weiß nicht, wen er noch so alles auf der Fahne hat, aber es sind so einige, die er spricht.

Joël Kaczmarek: Irgendwann ist mir mal aufgefallen, dass Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger in den deutschen Varianten die gleichen Stimmen haben. Und dann kamen die in einem Film mal zusammen. Und dann wird es spannend. Was mich ja noch abschließend mal beschäftigen würde. Ich glaube, auf dich trifft das nicht zu, aber wir haben ganz oft, Sebastian und ich schon irgendwie diskutiert, Bei Büchern ist es so, Es gibt irgendwie gefühlt. 30 Leute in Deutschland, Die können damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Ich glaube, bei Schauspielerei ist es ähnlich. Ganz viele Menschen draußen denken Ja, immer, wenn du Schauspieler bist, du bist so in Saus und Braus, genauso wie beim Popstar, Da denkt man, ihr Fahrt nur Porsche, Der Lebensabend ist gesichert.

Dietmar Bär: Einen Benz, der in der Sonne glänzt. Den habe ich immer gesucht bei dir.

Joël Kaczmarek: Aber ich habe dann irgendwann mal festgestellt, dass es nicht wenig Schauspieler gibt, Die Hartz IV beantragen, die so saisonal arbeitslos sind und so weiter und so fort. Also... Diese Abhängigkeit von, Ich meine, Es ist ja immer so, dass der Künstler quasi vom Mäzenen irgendwie lebte. früher. Was macht das mit einem?

Dietmar Bär: Also, ich habe ja schon öfter gesagt, dass ich in einer sehr privilegierten Lage sein darf. Seit einigen Jahren. Ich muss aber mal vorne anfangen, um es zu relativieren, weil natürlich jetzt in unserer Corona-Zeit ganz viele Kolleginnen und Kollegen, die frei arbeiten. In meinem Beruf, gerade nichts zu tun haben. Ich fange aber mal da an, dass dieser Beruf, das habe ich auch gelernt. Auf der Schauspielschule, Du, Joël und du könnten morgen eine Schauspielschule aufmachen, Weil das ist ein ungeschützter Beruf. Es ist so ein Ausbildungsberuf, hoffentlich und Gott sei Dank, Es gibt auch viele Quereinsteiger, aber jeder kann sich irgendwie Schauspieler nennen. Und ich habe dann beobachtet, da gibt es dann auf einmal diese Dailies, Dann haben da so ein paar Leute ein paar Jahre lang Daily gemacht, wie sie alle heißen, gute Zeiten, schlechte Zeiten und unter uns und über uns und nebenbei. Und dann sind das auf einmal Kolleginnen und Kollegen. Also, es gibt in diesem Beruf, Ich weiß nicht, wie groß die Dunkelziffer gerade ist, aber so bei 15.000.

Joël Kaczmarek: Ich war auch gleich da, 15 oder 20.

Dietmar Bär: Wenn ich an meine Aufnahmeprüfungen in meiner Schauspielschule denke, die wir Schauspielschüler zu betreuen hatten. Und ich selber war ja auch auf einer dabei, wo dann irgendwie 800 Leute kommen. Oder in anderen Schulen 1100 auf 10 oder 12 Studienplätze. Könnt Ihr euch vorstellen, was da los ist. Aber es kommen einfach. Bei 800 Leuten kommen 500 rein, die kommen zur Tür rein. Ich kann euch das nicht erklären, aber ich habe den Beruf ja nun selber. Da weiß ich schon, hey, sorry, aber du hast dich umsonst auf den Weg gemacht. Du willst aber auch Neben den Nero stehen nächstes Jahr. Habe ich schon verstanden. Komm mal rein, sprech mal vor, Wirst nach Hause fahren müssen. Von den anderen 300 sind 150 Spannende dabei. Die kommen dann in die Auswahlkriterien. Jede Schule macht das anders. Und dann bleiben irgendwann mal 20 über oder auch nur 5. Es gibt es auch wohl an Jahrgängen, wo dann die Lehrerschaft da sitzt. Und sagt so, und wen nehmen wir jetzt für diese Studienplätze mit rein? Und keiner weiß, ob die nicht im halben Jahr auch wieder Ruhrkrepierer sind oder aufgeben müssen. Also, da ist ein ganz, ganz großes, enges Feld. Bist du das auch wirklich? bist. Und ich glaube, vielen, von denen würde man sagen, mach, doch vielleicht was anderes. Aber du redest ja wahrscheinlich wirklich über die, über die wir auch gerade reden. Und für die auch jetzt. Gott sei dank einiges getan wird. Ich habe jetzt demnächst so ein tolles Projekt bei Anruf Kunst. Leute können eine Nummer rausgeben, Dann rufe ich da an, als Schauspieler, lese da was vor und die Spenden ans Ensemble-Netzwerk, wo dann eben zum Beispiel Kolleginnen und Kollegen, die gerade nicht wissen, wo die Juni-Miete herkommen soll, die dann unterstützt werden. Das sind die Sachen, die gerade wichtig sind. Für solche Kollegen. Aber natürlich, viele, viele von denen in dem Beruf haben ihre paar Drehtage und leben da von der Hand in den Mund. Oder Arbeiten in freien Theaterprojekten. Das ist ein großer Unterschied zu dem, der Fest im Ensemble ist. Aber das ist ein immer, nicht nur ungeschützter, auch sehr unsicherer Beruf. Auch wenn du im Theater bist. Du hast einen Vertrag, der meistens Mitte Oktober auf den Prüfstand kommt. Sowohl im Theater selber, Wenn du keinen blauen Brief bekommst, kannst du jetzt sagen, hänge ich nächstes Jahr dran. Das sind so die Aussichten, die dieser Job mit sich bringt.

Joël Kaczmarek: Ganz schön, viel Druck. Klingt ja für mich aus.

Dietmar Bär: Ja, es ist vom ersten Tag und deswegen fand ich es auf meiner Schule. Und ich bin bis heute glücklich. darüber, dass die Westfälische Schauspielschule Bochum meine Schule war, die immer gesagt haben, ja, wir machen mit euch jetzt hier sieben Semester lang. Nabelschau, Psychologischer Elfenbeinturm, Wir kümmern uns um euch, Ihr seid hier in einem beschützten Nest, aber später, Wenn ihr dann auf der Bühne probt. Im Theater, müsst ihr in wenigen Tagen, Wochen. Die Möglichkeit haben, eure Figuren herzustellen. Das merkst du dann, wenn du dann... Wenn du vorsprechrollen Vorbereitest für die Vorsprechenden in den Theatern, am Ende deiner Ausbildung, zu sagen, ah, du musst schnell diese drei, vier Rollen, mit denen du dein Potenzial da zeigen kannst, irgendwie auf die Bühne stellen. Und das ist eben nicht. Kuschelrock.

Sebastian Krumbiegel: Und es gehört trotzdem noch eine Menge Glück dazu, ja? Das denke ich ja auch immer.

Dietmar Bär: Ich habe eine Fette Glücksträhne erwischt, dass ich in diesem Job war. Und dann kommen die Leute vorbei, holen mich dann für die Filme dazu. Ich mache beim Schimanski mit und erlebe das erste Mal eine Arbeit mit richtigen großen Stars, die total Nett zu einem waren. Ich musste nicht tingeln. Mein erster Oberspielleiter war einer der Schauspieler aus dem Dortmunder Theater, der mir gesagt hat, mach eine Ausbildung, das kannst du. Der hat dann später auch noch die Bochumer Schauspielschule geleitet mit dem Namen Johannes Klaus. Der ist jetzt in wohlverdienter Rente, Aber das waren so, Ich musste nie dieses Tingeln erleben. Wenn Schauspielschüler losfahren und fahren von einem Theater zum anderen und sprechen vor, um einen Anfängervertrag zu bekommen. Das ist schon die erste Benchmark, wo du die Leute scheitern sehen, kannst. Nach der Ausbildung rauskommen. Und wenn Sie Glück haben, wie ich bis heute behaupte, irgendwann auf einer staatlichen Schule. Es gibt unzählige Privatschulen, die meistens aber auch den Arbeitslosenüberschuss produziert haben. Es ist immer dieser Druck da. Und natürlich gelingt das nur einigen, was du anfangs deiner Frage sagtest. Also der kleine Pool, von denen, die unsere Fernseh- und Filmlandschaft bestimmen. Natürlich kommt immer wieder frisches Fleisch rein von der Seite. Neue Leute kommen dazu. Und es gibt auch manche, die mir sagen, ich sehe immer nur die gleichen Leute da in der Kinowelt. Das deutsche Kinoensemble ist größer geworden. Früher waren das... Absolute Berührungsängste. Keiner machte, wer Fernsehen machte, machte keine Kinos. Das hat sich geändert. Das hat sich mittlerweile überlappt. Oder dass berühmtere Kolleginnen und Kollegen Werbung machen. Wenn du früher zu meiner Anfangszeit Werbung gemacht hättest, dann wärst du erstmal für ein paar Jahre tot gewesen. Im Fernsehen. Das gehörte sich nicht.

Sebastian Krumbiegel: Ich habe auch noch eine Frage von mir aus. abschließend. Ich schreibe dir manchmal, wenn ich dich sehe, im Tat oder so? und frage dann auch immer, Ist das eigentlich doof, dass ich dir schreibe, wenn ich sage, hey, Cool oder irgendwie, Oder zitiere ich dann irgendwie, Was du gerade gesagt hast in deiner Rolle. Und Du hast mir irgendwann gesagt, nee, ich freue mich da wirklich drüber, wenn du ein Feedback sozusagen, kriegst. Meine Frage ist jetzt für dich, also aus künstlerischer Sicht, wenn du dein gesamtes Werk bis jetzt betrachtest, was Du gemacht hast, gibt es irgendwas, von dem du sagst, hey, das ist so mein, das ist so mein, Das würde ich am liebsten als meine Visitenkarte, Das ist mein... Da bin ich stolz drauf. Das ist das, was für mich das künstlerisch wertvollste, ist. Oder wie auch immer. Jetzt mal unabhängig von kommerziellem Erfolg, sondern wirklich, wo Du sagst, die Rolle, das Ding, das ist mein Hauptding.

Dietmar Bär: Das fällt mir unheimlich schwer, weil da kommst du in einen Bereich, Da sind wir ja bei Selbsteinschätzung, Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein, Reflexion. Da habe ich es total schwer. Da war ich aber sehr beruhigt, als ich mitbekam, dass es da so eine Grund... Angst in unserem Beruf gibt, neben den Existenzängsten, die selbst die ganz großen mitbringen, ist der Bereich,

Sebastian Krumbiegel: Selbstzweifel.

Dietmar Bär: Selbstzweifel. Und zwar dieser Gedanke, Irgendwann wird es mal rauskommen, dass ich doch ein riesengroßer Blender bin.

Sebastian Krumbiegel: Ein Scharlatan,

Dietmar Bär: ja. Und als ich das erste Mal in Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen in so einer Schauspielschulzeit, Da war ich ja auch zur Peymann-Ära am Schauspielhaus Bochum unterwegs und habe da so einige erlebt. Von den Großen, die auch alle nur mit Wasser kochen und proben. Und die genau den gleichen Schiss in der Hose haben, wie man selber. Und diese Selbstzweifel, Ich kann das nur als künstlerischen Motor betrachten. mittlerweile, dass die Selbstzweifler auf jeden Fall anders aufgestellt sind, als die, die ich auch schon in der Schauspielschule kennengelernt habe, Die vorm SPIEGEL Stehen morgen und sagen, hey, was bist du denn für eine Coole Sache.

Sebastian Krumbiegel: Ja, ja.

Dietmar Bär: Ja, während ein großer Ausbilder bei uns immer, sagte, Vor dem SpiEgel stirbt der Schauspieler. Also, wenn du anfängst, wie Adi Hitler damals, Gesten einzustünden, das bringt dir gar nichts. Da brauchst du schon den, der da unten steht und Regisseur geworden ist. Weil da verzweifelt es. Auf dem Spiegelbild geht nichts. Und deswegen ist das für mich ganz schwer, dass ich sagen kann, ich sehe da einen Film, was mir eh ganz schwer gefallen ist, als ich mich das erste Mal laufen und sprechen, sehe. Auf einem bewegten Leinwand.

Sebastian Krumbiegel: Du guckst dir deinen Scheiß nicht an. Mittlerweile.

Dietmar Bär: Damals bin ich erst mal zusammengebrochen. Wir haben damals beim WDR, Meine allererste Arbeit war eine Schulfernsehserie, endlich 18. Und was nun? Da wurde draußen gedreht, aber die Klammer war, dass eine Band, Da habe ich auch Schlagzeug gespielt, Die trafen sich immer im Probenraum, und das war immer, so der Trailer vor jeder Folge, hey, mir ist heute aber folgendes Ding passiert. Und das haben wir alles damals auf Matz gedreht, im Studio im WDR. Da sah ich dann das erste Mal vorwärts, rückwärts laufen, Das ist ja wie ein Videorekorder, Du konntest dir das zusammen mit dem Regisseur angucken, arglos wie der war, hat er uns das gezeigt. Und ich sah mich das erste Mal und dachte mir, wieso haben die mich auf der Schauspielschule aufgenommen, das kann doch jetzt nicht wahr sein. Die anderen Drumherum super und dazwischen, Was macht er denn da? Oh Gott, wie sieht das denn aus? Und das konnte ich später ein bisschen trainieren, dass ich dann trotzdem sehe oder wenn ich dann Muster geguckt habe, wie das bei uns heißt, wenn. Am Ende des Drehtags geht der Regisseur mit dem Kameramuster gucken, also aus der Zeit vom Filmmaterial. Die Kopierwerke haben immer einen Tag gebraucht in eine Nacht, und das war immer sehr nett, dann am Abend in der Flasche Feierabendbier Muster Gucken von gestern. Hat das funktioniert? Hat die Autofahrt, hat die Verfolgungsjacke geklickt oder die Szene? Das Verhör, um dann zu gucken und zu sagen, Ah, ja, hat, funktioniert, das, was ich machen wollte, geht. Auszublenden, Guck da nicht hin, Wer ist denn der Beste, Was ist denn das denn da für ein Scheiß, Was machst du denn da für ein Gesicht? Wie klingt denn der? Auch Stimme. Das habe ich erst im Laufe meiner Berufserfahrung ein bisschen mir professionell antrainieren können, dass ich weiß, was ich da mache. Also deswegen fällt mir da wenig ein, außer vielleicht den Film über häusliche Gewalt, Kehrtwende, hieß der. Ja, habe ich gesehen. Das war auch für mich ein großer Ritt.

Sebastian Krumbiegel: Da hast du einen bitteren Typen gespielt, glaube ich. Da warst du schon irgendwie ein Böser.

Dietmar Bär: Also, ich war ein Vizedirektor eines Gymnasiums, ein Lehrer, der beliebt war, Aber eben Frau und Sohn schlug. Und mit dieser Geschichte umzugehen, Das war natürlich auch eine Melange von tollen Sachen. Mein Bester Kumpel hat das Drehbuch geschrieben. Ein sehr guter Regisseur kam ins Boot, um den Film zu machen. Ich hatte eine fantastische Partnerin, Inka Friedrich. Weil da kommst du dann an Szenen, wo es sehr physisch wird. Und du kannst zwar alles mit Schnitt viel erzählen, aber trotzdem können wir jetzt nicht tun, ich hau dich, mal.

Joël Kaczmarek: Du musst dich dann schon über die Tischplatte schmeißen.

Dietmar Bär: Du musst schon oder rumschmeißen. Und ich weiß nur, dass da, wo ich merkte, aha, ich glaube, das klappt hier, war meine Maskenbildnerin, die schon so manchen Tatort mit mir gemacht hatte und die mir danach sagte, ich muss dir sagen, dieser eine Drehtag, wo du dann aus 0 auf 100 deine Frau verdrischst, da sind wir wieder, das ist dann natürlich irgendwo in mir. Das mache ich jetzt nicht zu Hause, Gott sei Dank, sondern für den Film. Aber zu hören, dass jemand davon dann so beeindruckt war, war natürlich der Punkt, dass du bis dahin für Sie erstmal wieder nur als Kommissar natürlich eine Rolle spielst, die sie schon länger kannte oder jetzt nicht im Theater, war, wo man andere Figuren spielt. Aber diesen Moment auch so aufgenommen, hat, dass ihr das körperlich sehr, sehr nahe ging, was wir da spielten. Und sie selber eine Maskenbildnerin, eine Profi, der weiß, Hier werden Filme gedreht. Aber den würde ich jetzt mir schon mal so auf die Fahne schreiben. Und die Arbeit damals, Aber da kommt auch das tolle Ensemble dazu, als wir den zerbrochenen Krug am Bochumer Schauspielhaus gemacht haben. Vor sechs Jahren. Das war auch eine Arbeit, die ich sehr, sehr mochte. Auch mich. So, Aber ansonsten ist es wirklich, da ich jetzt schwer sagen kann, was da toll war, weil eigentlich kommt das immer von außen, dass Leute das gut finden, was man macht. So geht es mir, also, da hangele ich mich von Tag zu Tag.

Joël Kaczmarek: Ich hänge noch mit dem Kopf dran, dass du gesagt, hast, man kann mit dem SPIEGEL nicht. schauspielern. Wir haben gestern Fotoshooting gemacht, Promoshooting zu unserem Podcast.

Dietmar Bär: Du kannst sowas machen, aber du