Minh-Khai Phan-Thi: Auf und nicht zwischen den Stühlen sitzen

15. Juli 2020, mit Joël KaczmarekSebastian Krumbiegel

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Joël Kaczmarek: Hallo und herzlich Willkommen zu einem neuen Kunst trifft Digital Podcast von digital kompakt. Mein Name ist Joël Kaczmarek und heute gehen wir auf Zeitreise Ich und der Liebe. Sebastian Krumbiegel.

Sebastian Krumbiegel: Hallo Sebastian Moin Grüße Dich.

Joël Kaczmarek: Also habe ich gelernt, oder? Unser spannender, liebevoller und wirklich interessanter Gast heute, der hat dich schon früh begleitet.

Sebastian Krumbiegel: Also, so alt bin ich ja noch gar nicht oder fühle mich auf jeden Fall nicht, Aber wir haben in den 90ern zusammen zu tun gehabt, weil sie damals bei VIVA gearbeitet hat. Und jetzt können wir langsam mal das Geheimnis lüften, Wer heute da ist.

Joël Kaczmarek: Wir begrüßen heute ganz, ganz herzlich die Liebe. Jetzt muss ich mir mal sagen, wie man den Nachnamen ausspricht. Ich habe immer Minh-Khai, Phan-Thi gesagt.

Minh-Khai Phan-Thi: Das ist genau richtig. Ich sage immer, Fantasie ist immer eine Brücke. Es ist immer interessant, dass Leute immer Panti sagen, obwohl PH ja, man sagt Ja auch nicht. Philipp. Und komischerweise fangen die Leute immer an, bei einem ausländischen Namen zu denken, das heißt Panti. Und ich sage, ja, aber PH ist auch immer Pf, also Panti.

Joël Kaczmarek: Cool. Ja, wir haben nämlich gestern Promo-Videos schon aufgenommen. Also, wir haben gestern schon so getan, als wärst du schon da gewesen. Ja. Da hat Sebastian gesagt, ja, es ist Panti. Ich bin mir da ganz sicher. Wir waren beide.

Sebastian Krumbiegel: Jetzt hast du es doch, erzählt, auweia. Ist nicht schlimm.

Minh-Khai Phan-Thi: Ist nicht schlimm.

Joël Kaczmarek: Einmal du und die anderen Zehnmal ich. Das ist schon okay. Gut, aber Erzähl mal, Sebastian, Wie habt Ihr euch damals kennengelernt? Was war da so, was war euer happening zusammen?

Sebastian Krumbiegel: Das war ein wirklich... Legendäres in meinen Augen Interview, war das VIVA Sion. Oder wie hieß die Sendung? Weiß ich gar nicht mehr. Auf jeden Fall bei VIVA. Die hast du moderiert? Und wir waren mit der ganzen Band anwesend, und damals waren wir die Prinzen schon irgendwie, Ich will fast sagen, gefürchtet. Scheiße, Die kommt mit der ganzen Band. Hilfe. Wir waren zwar charmant, immer, aber wir waren eben auch wirklich eine Wand und wir waren eine Macht. Wir waren echt charmant zu dir, Aber wir haben trotzdem eben unseren Humor freien Lauf gelassen. Und ich habe dieses Interview in großer Erinnerung. Im Netz ist es bestimmt, irgendwo zu finden.

Minh-Khai Phan-Thi: Ja, es war natürlich schwer, gegen so viele Herren, die auch so eingespielt waren, anzukommen. Aber ich kann mich auch daran erinnern, dass es immer sehr charmant war und dass wir uns immer sehr mochten. Also, es war eine sehr große Sympathie da.

Joël Kaczmarek: Das hat dir aber nett gesagt. Du bist sowieso, so charmant. Man guckt dich mal an, man kommt schwer. Es gibt Leute, die kann man schwer nicht mögen. Da zählst du, glaube ich, ein bisschen dazu. Danke. So viel zu mir. So zur Schleimerei. Genau. So,

Minh-Khai Phan-Thi: jetzt zu den Fakten.

Joël Kaczmarek: Mit Honig fängt man Bienen, hat man irgendwann mal zu mir gesagt, glaube ich, habe ich gelesen. Lass uns doch mal so ein bisschen historisch starten. Wie war denn dein Weg in die Medienwelt? Wie bist du zum Fernsehen gekommen? War das so der erste Schritt für dich? Was war sozusagen dein Beginn?

Minh-Khai Phan-Thi: Also, ich habe mit drei Jahren schon zu meinen Eltern gesagt, ich werde Schauspielerin, habe immer in diesen Kasten gezeigt, Der Fernseher, habe gesagt, da will ich rein und meine Eltern so, Oh, Gott. Vietnamesisches Migrantenkind im Deutschen Fernsehen Auf keinen Fall. Mache erst mal Abitur. Das habe ich mühevoll, dann mich durchgequält. Durch die Schule. Und dann habe ich ein Praktikum bei der Bavaria gemacht. Da musste ich ein Farbbalken suchen. Das ist echt gemein. Die schicken immer junge Praktikanten los und lassen dann, Das ist ja ein Riesengelände, und lassen die dann irgendwas suchen, was es nicht gibt. Farbbalken ist ja das, was im Fernsehen immer als Testbild ist. Und da bin ich rumgerannt auf diesem Gelände und habe mich durchgefragt. Und irgendjemand hatte so Mitleid mit mir und hat gesagt, Mädchen, bist du Praktikantin? Und ich so, ja. Ja, ein Fahrbiken gibt es nicht, ich gehe wieder zurück. Also, das ist echt eine gemeine Geschichte. Oh wei, das IST ja... Und parallel, Das war für den Disney Club und parallel dazu hatte ich mich als Moderatorin beworben. Hatte eigentlich gar keine Chance, bin aber unter die letzten von 6.000 Leuten, unter den letzten 20 gewesen. Und bin dann aufgrund meiner Herkunft abgelehnt worden, allerdings von Disney USA. Die haben gesagt, die sieht ja gar nicht deutsch aus, das geht ja gar nicht. Und dieses Band hat aber existiert, und da hat der Holger Roos, der damals Hugo, produziert hat, hat das gesehen und hat gedacht, Mensch, also die hat was, ist irgendwie mal anders, Die probiere ich mal aus und dann hat kabel eins sofort gesagt, warum nicht, weil die hatten ja damals Arabella Kiesbauer, Auch bei ProSieben, ist ja eine Mediengruppe, und so bin ich bei Hugo gelandet.

Sebastian Krumbiegel: Das war diese Telefonsendung.

Minh-Khai Phan-Thi: Genau. Eigentlich nur für Kinder, aber irgendwie haben nur Erwachsene angerufen. Und das ist, für alle, die es nicht kennen, Es war ein kleines Computermännchen, was immer springen musste, also der kleine Hugo. Und damals gab es ja noch ein Tastentelefon, Also für vier nach links, sechs nach rechts, zwei nach oben und acht nach unten. Und dann saß ich immer im Studio und sagte, vier, vier, vier, vier, vier, sechs, Und irgendwie haben die Leute das immer nie gerafft. Und dann ist der Halt irgendwie vom Holzbalken gefallen und dann haben sie nichts gewonnen. Das war die Sendung eigentlich. Also, völlig sinnbefreit.

Joël Kaczmarek: Ich fand das damals als Jugendlicher war ich glaube ich da auch total cool, weil es war irgendwie so, Man hat immer zugeguckt. Ich habe mich mal gefragt, sind die Leute, so blöde? Oder ist es was Technisches, dass da so ein Delay drin ist? Also du sagst, was, und die hören es erst zwei Sekunden später oder so?

Minh-Khai Phan-Thi: Ich glaube, das ist so eine Mischung aus beiden. Aber die Leute haben das ja live gesehen, Aber irgendwie weiß ich auch nicht.

Sebastian Krumbiegel: Es ist ja immer so, Du sitzt vor dem Fernseher und denkst, Wie bescheuert sind die eigentlich. Und dann bist du selbst. Genau,

Minh-Khai Phan-Thi: deswegen habe ich immer gesagt, Wer wird Millionär? Das ist meine Horrorsendung. Weil zu Hause bist du immer so der Allerschlauste. Aber wenn du in der Sendung scheiterst, dann schon bei der 200-Euro-Frage.

Joël Kaczmarek: Ja, glaube ich auch. Aber komisch, als hat es sich eingebrannt. Also, als ich so dachte, ja, ich habe mit einem Freund geredet, so, hey, wen fändest du denn spannend für unsere Show? Und dann meinte er, ja, hier, du musst mit mir in Kai, Die ist auch, die ist toll vernetzt, die ist super, die kann reden, die ist schlau, hat was zu erzählen und so. Und dann meinte ich, ja, war das nicht, die, war das von Hugo? Ja, VIVA und so. Es hat sich irgendwie eingebrannt. Also da hat ja Dein sozusagen Entdecker eigentlich ein gutes Gespür bewiesen. quasi. Ja,

Minh-Khai Phan-Thi: also, es ging ganz schnell und danach, Eineinhalb Jahre später, bin ich von VIVA ab. Geworben worden. Und da sind wir uns ja begegnet. Also, ich war da auch nur dreieinhalb Jahre. Leute denken, ich war viel länger da, aber ich war nur dreieinhalb Jahre. Ich hatte zwei Sendungen. Einmal, das war interaktiv. Ich glaube, da haben wir uns gesehen. Die Version war immer Stefan Raab.

Sebastian Krumbiegel: Genau, der war da erst dabei. Stefan Raab, Nils Bokelberg, Heike Makatsch,

Minh-Khai Phan-Thi: Aleksandra Bechtel, Matthias Opdenhövel, Der jetzt ein ganz großer Fußballmoderator ist.

Sebastian Krumbiegel: Mola Adebisi.

Minh-Khai Phan-Thi: Mola Adebisi, Markus Kavka. Enie van de Meiklokjes. Also wir waren eine ganz tolle Generation an jungen Leuten. Tobi Schlegel. Stimmt,

Sebastian Krumbiegel: die alle heute auch irgendwie was geworden sind.

Minh-Khai Phan-Thi: Genau. Nur die erste Generation. Nein, Quatsch.

Joël Kaczmarek: Waren Joko und Klaas nicht sogar auch da?

Sebastian Krumbiegel: Weiß ich nicht. Nee, das weiß ich nicht.

Minh-Khai Phan-Thi: Das war, glaube ich, nach mir. Ganz spät nach mir. Jessica Schwarz war nach mir da. Nadine Krüger Auch damals, die jetzt auch im ZDF ist. Also, das war schon eine ganz tolle Generation. Und dann habe ich auf VIVA Zwei noch eine Sendung gehabt, Die ist Minh-Khai & Friends. Komischerweise haben wir das nie zusammen gemacht. Nee,

Joël Kaczmarek: nee.

Minh-Khai Phan-Thi: Obwohl Ihr Ja Friends seid, ne?

Joël Kaczmarek: Tja.

Minh-Khai Phan-Thi: Tja, blöd.

Joël Kaczmarek: Aber war das damals viel mit Ellenbogen eigentlich? Also hast du dann hier gesagt, oder war man da freundschaftlich? Weil im Fernsehen denkt man ja immer so, Moderatorinnen schlagen sich gegenseitig die Köpfe ein für den Sendeplatz.

Minh-Khai Phan-Thi: Also, ich habe ehrlich gesagt, mit den anderen nicht so viel zu tun. gehabt, weil ich sozusagen abgeworben wurde von einem anderen Sender und bin gleich bei Interaktiv, Das war die stärkste Sendung damals, Die beliebteste Sendung. Das Flaggschiff. Genau, Das Flaggschiff, Das haben wir uns zu fünf geteilt und wir haben uns ehrlich gesagt, nicht so viel gesehen, weil sozusagen immer einer eine Woche gemacht hat und ansonsten, Ich habe nicht in Köln gelebt. Ich habe zu allen ein sehr gutes Verhältnis gehabt, Auch zu Stefan Raab, der damals auch schon sehr zurückgezogen war. Also, das war so ein unnahbarer Mensch, schon damals. Und wenn wir uns mal gesehen haben, das war dann bei der ECHO-Verleihung. Die war damals noch ganz klein in Hamburg, kann ich mich erinnern, in diesem Messe-Ding da. Und das war irgendwie nie wirklich mit Ellbogen. Also die erste Generation, Wir waren ja auch völlig unbedarft, das gab es ja alles noch nicht. Also, es gab ja eine MTV, das war ja immer MTV. Und dann war dieses... Dieser kleine chaotische Sender VIVA. Also ich weiß noch, auch mein erster Arbeitstag kam ich dahin, keiner wusste, wer ich bin. So, was willst du denn hier? Ja, ich bin eure neue Moderatorin. Keiner wusste von irgendwas, also, das war irgendwie VIVA. Das war sehr sympathisch.

Joël Kaczmarek: Ich versuche es, mir manchmal vorzustellen. Das klingt ja, Also lustigerweise aus der Kundensicht sozusagen, in Anführungsstrichen, Aber aus Zuschauersicht habe ich es gar nicht so gemerkt. Als Jugendlicher gab es immer zwei große Mediensender, Was jetzt irgendwie Musik-TV eigentlich, Das waren die beiden. Ja, das stimmt. Das habe ich gar nicht so gespürt. irgendwie, dass MTV so das Wow, Das Podest war.

Minh-Khai Phan-Thi: Ja,

Sebastian Krumbiegel: VIVA war schon irgendwie, logischerweise das deutsche Paar da. Und das ist auch zu unserer Zeit entstanden. Also, wann warst du da?

Minh-Khai Phan-Thi: Ich war ein Jahr nach Gründung von VIVA. Also ICH bin... 95 dahin gekommen und Ende 93 sind die, Glaube ich, irgendwie on-air gegangen. Und meine allererste Sendung bei interaktiv war auch noch das Break-up von Take That. Also, wo du nur hysterische Teenies hattest, die Du beruhigen musstest. Das war eigentlich so ein bisschen gemein. Das kann man jetzt im Nachhinein erzählen. Ich habe das mit der Aleksandra Bechtel zusammen moderiert, weil ich eingeführt wurde bei Interaktiv. Und wir haben sozusagen, es war ja live und wir haben immer so ganz betroffen. Mit den Leuten telefoniert. Wenn ein Video lief von Take That, haben wir uns dann so ein bisschen drüber lustig gemacht.

Sebastian Krumbiegel: Das ging uns aber genauso. Ich weiß noch, dass wir damals auch an irgend so einem Sorgentelefon waren, als die sich aufgelöst hatten. Das war auch gar nicht so lustig, weil teilweise wirklich da suizidgefährdete Jugendliche angerufen haben, die wirklich sich umbringen wollten, weil ihre Band sich aufgelöst hat. Wo wir dann gesagt haben, EY Leute, bleibt cool und bleibt entspannt. Also, man hat da ja auch, ohne dass man es will, Eine Verantwortung auf einmal irgendwie. Man muss dann schon irgendwie cool bleiben. Man muss dann schon die Sache ernst nehmen.

Minh-Khai Phan-Thi: Und wir wurden auch echt wirklich ermahnt, von dem Redakteur, das wirklich auch ernst zu nehmen. Aber ich meine, gut, Wir waren selber Anfang 20 und natürlich macht man sich dann gerne lustig, Aber es war wirklich ein wahnsinniges Ereignis. Und für mich war das die erste, eine der ersten Live-Sendungen auf VIVA. Das werde ich niemals vergessen. Immer, wenn Alex und ich uns sehen, das ist irgendwie immer noch so ein Déjà-vu. Das ist so ein Erlebnis, so wie bei uns beiden, dass man sagt, das verbindet einen irgendwie damit.

Joël Kaczmarek: Wie hast du das sozusagen eigentlich gelernt, was Du da tust? Also du hast gesagt, mit drei Jahren auf dem Fernseher gezeigt, dann Praktikum. Und dann bist du da, zack, bumm, kaltes Wasser, keiner kennt dich, du musst aber gleich funktionieren, live. Ich meine, es gibt ja Rhetorik-Kursen und all so eine Späßchen, Aber hast Du da irgendwie eine Ausbildung genossen, oder hast du das einfach so aus dem Gefühl? rausgemacht?

Minh-Khai Phan-Thi: Nee, merkt man ja bis heute, dass ich nichts gelernt habe von dem, was ich mache. Weder Schauspiel noch moderieren. Nee, ich glaube, das war ja auch das Geheimnis damals, dass wir eigentlich so gar nichts konnten und dass wir so gesprochen haben wie die Jugendlichen. Also, wenn wir jetzt... Glaube ich, so geschult worden wären wir, so Nachrichtensprecher, dann hätten wir nicht diesen Erfolg gehabt. Das war bei Hugo ja auch damals so. Das hat übrigens noch die Sonja Zietlow mit mir zusammen moderiert. Und die Judith Hildebrandt, die damals bei Marienhof noch gespielt hat. Und wir haben einfach frei Schnauze gesprochen. Und also bis heute ist das so, dass ich immer behaupte, ich habe nichts von dem, was ich gemacht habe, jemals gelernt. Und manchmal, wenn ich so drüber nachdenke, ich kriege immer so Kurzschusspanik, bevor ich irgendwas anfange, Auch beim Drehen immer noch, dass ich sage, wie kannst du überhaupt, dass du sowas kannst, erinnere ich mich gerne genau an diese Zeit zurück, dass eben dieses Authentische aus dem Herz heraus, Ich meine, da können wir, glaube ich, da kennst du ja auch.

Sebastian Krumbiegel: Ich sage immer gerne, ich bin Harlequin.

Minh-Khai Phan-Thi: Ja, genau.

Sebastian Krumbiegel: Das sage ich auch voller Inbrunst. Weil am Ende, Ich habe auch, Natürlich habe ich Singen gelernt als Kind im Thomanerchor, aber ansonsten alles andere. Lernst Du Eben dann, während du es machst. Richtig. Und ich glaube, die Authentizität, Wir haben neulich mal über Authentizität gesprochen, Das ist ja auch ein sehr schwieriges Ding, Weil was ist eigentlich authentisch? Und du spielst ja immer irgendeine Rolle, sobald du rausgehst, sobald du auf die Straße gehst, überlegst Du dir, was ziehst du an, wie guckst du, wie läufst du, was machst du? Und natürlich kannst du versuchen, SO zu... Zu sein, Wie du bist. Und das versuche ich natürlich auch so zu machen. Aber am Ende ist jeder eben auch auf irgendeine Weise künstlich, sobald er mit anderen Leuten zusammen ist.

Minh-Khai Phan-Thi: Richtig. Und ich glaube aber, was das Wichtigste ist, Deswegen rutschen einem Ja manchmal auch so Sachen raus, die vielleicht nicht wirklich gut waren. Oder man wird dafür kritisiert. Aber damit lernt man irgendwann umzugehen. Aber ich sage immer, also, wir sind alles nur Menschen. Wir kochen auch nur mit Wasser. Und das war einfach die beste Schule, die ich haben durfte, weil wir eben nicht diesen Quotendruck hatten, weil wir eben so sein durften, wie wir sind. Und das war einfach sowohl bei Hugo damals, also bei kabel eins, als auch bei VIVA, Das war eine Super Schule. Und der Ernst des Lebens fing erst später an.

Joël Kaczmarek: Wann denn?

Minh-Khai Phan-Thi: Ja, mit der Professionalität natürlich. Je größer der Sender, Dann habe ich angefangen zu spielen. Dann haben die Leute gesagt, was ist das, Die kann das doch überhaupt nicht. Da habe ich zum ersten Mal so Gegenwind gespürt, weil ich gleich den Fehler damals gemacht habe, gleich Hauptrollen zu spielen, denen ich überhaupt nicht gewachsen bin. Und heute, Ich mache jetzt sehr, sehr lange diesen Job als Schauspielerin schon, sehe ich schon, dass... Etwas dazugehört, was ich damals nicht so empfunden habe. Und ich hätte eigentlich damals vielleicht mit kleinen Rollen, mir besser getan. Ich habe natürlich durch meinen Bekanntheitsgrad gleich riesengroße Hauptrollen gespielt, und das musst du schon tragen. Das ist beim Film nochmal ein bisschen anders als bei der Moderation, Wobei ich sagen würde, Eine Samstagabendshow so wie Thomas Gottschalk, Das könnte ich auch nicht tragen. Das hätte ich in dem Alter nicht tragen können. Und das sind Sachen, die lernst du irgendwann und mit der Ernsthaftigkeit. Und ich habe mich dann... Coachen lassen viel. Ich habe mich dann viel damit auseinandergesetzt. Ich habe dann das Glück gehabt, dass ich 16 Jahre lang einen Krimi-Serie spielen durfte. Neben Armin Rohde, der wie ein Schauspiellehrer zu mir war, und Barbara Auer. Und da habe ich einfach wahnsinnig viel gelernt.

Joël Kaczmarek: Ich habe damit, oder wir haben zusammen mit Jan-Josef Liefers darüber geredet, als ich ihn gefragt habe, was lernt man eigentlich als Schauspieler? Was muss ich können, damit ich ein guter Schauspieler bin? Weil ich mich immer so frage, ich bin jetzt jemand, ich kann, glaube ich, auf einer Bühne stehen, Ich kann gut labern, Ich führe einen Podcast, Ich habe irgendwie ein Gefühl für Spannungsbögen, etc. etc. Und frage mich so, wenn er jetzt eine Kamera angeht, könnte ich das. Und dann hat er gesagt, das ist eigentlich nichts mit Lernen, weil ich so meine, Der muss ja Texte gut beherrschen, was ist das? Ich meine, eigentlich musst du Vorstellungsvermögen haben. Du musst da sitzen und wissen, jetzt bin ich gerade in einem U-Boot, Das läuft hier voll und wir ersaufen gleich. Oder hier ist gerade ein Kind gestorben oder ich bin am Krimi-Tatort. So, das ist sozusagen, so das. Wie ist das für dich? Was hast du so entdeckt? Was macht Schauspielerei aus? Was trennt die Guten von den Schlechten?

Minh-Khai Phan-Thi: Ich glaube, Eitelkeit.

Joël Kaczmarek: Echt?

Minh-Khai Phan-Thi: Also wenn du sehr Eitel bist als Schauspieler, also dich nicht der Rolle unterordnest, Dann glaube ich, kannst du kein guter Schauspieler sein. Und das hat ganz viel mit Geschichten erzählen und berühren und auch Psychologie zu tun. Ich sage immer, wir Schauspieler sind, verkappte Psychologen, weil du dich unglaublich mit der Psychologie eines Menschen auseinandersetzt. In der Rolle. In der Rolle. Was macht diese Rolle oder warum agiert die in dem Moment so? Ja, und das ist vielleicht total Fernab von dem, wie ich reagieren würde. Es geht nicht um mich, Minh-Khai, sondern es geht um die Rolle. Und ich glaube, was mir Armin Rode mal… Ganz am Anfang mitgegeben hat, ist zuhören. Weil häufig sind Schauspieler so fixiert auf deinen Stichpunkt, dass du ganz tote Augen hast beim Spielen. Und er sagt, Eigentlich ist es nur wie im richtigen Leben. Spielen und zuhören. Und so finde ich auch, wenn du gute Interviews führst, geht es genau darum, oder gute Gespräche, dass du deinem gegenüber zuhörst und nicht an deiner nächsten Frage schon, weil das hast du dir auf den Zettel geschrieben, und das musst du jetzt durchbringen. Und ich glaube, das unterscheidet immer. Da sind wir wieder beim Thema Authentizität, dass du halt wirklich in dem Moment authentisch bist.

Sebastian Krumbiegel: Da sind wir ja ganz gut, eigentlich, weil wir haben uns ja fest vorgenommen, Bei unserem Podcast eben nicht so einen Fragenkatalog abzuarbeiten, sondern uns wirklich treiben zu lassen, wo die Reise hingeht. Finde ich super. Am Ende ist das, glaube ich, also, ich kann das gar nicht anders, weil alles andere wäre für mich auch so ein künstliches Ding, wo ich dann sage, nee, das bin ich gar nicht.

Minh-Khai Phan-Thi: Genau, genau. Und das bin ich gar nicht, ist, glaube ich, sehr, sehr wichtig. Natürlich bei der Schauspielerei. Ist häufig so, dass ich sage, das bin ich gar nicht. Aber es geht viel, um natürlich auch einen Kompromiss zu finden. Zwischen dem, was sich der Regisseur in dem Moment überlegt, Dein Schauspielkollege und du. Aber je mehr man sich zuhört, desto mehr kommt man zu einem Ergebnis. Und das ist eigentlich das Befriedigende an dieser Arbeit. Es ist sehr viel Wiederholung, Es ist sehr viel Technik. Die Leute denken ja immer, also auch bei Liebesszenen, das ist so schwächer, das ist nur Technik. Tatsächlich ist es so unsexy. Das Unsexieste und das, was man am ungernsten macht, weil das wirklich nur... Darum geht technisch, dass es gut aussieht. Aber das dann zu transportieren, das ist es halt.

Joël Kaczmarek: Ich habe immer gedacht, dass das früher so war, Dass die sich sozusagen, nur so die Gesichter voneinander halten. Mittlerweile, wenn manche Filme sieht, machen das doubles. Die Knutschen Ja, da richtig rum. Da würde ich ja denken, da kriege ich ja zu Hause, Ärger.

Minh-Khai Phan-Thi: Ja, da muss man auch das... Ich habe ja 2015 bei Let's Dance mitgemacht. Da haben die Leute ja mir auch mit Massimo Sinató irgendwelche Affären angehängt. Und so. Wir konnten auch nur Müde drüber lächeln. Und dann haben Sie gesagt, ja, Und wie ist das so mit dem Tänzer? Wie reagiert denn dein Freund? Also mein Damaliger Freund, Jetziger Mann. Wenn ihr so eng aufeinander seid, habe ich gesagt, na, hör, mal, ich bin Schauspielerin, Der muss tagtäglich damit umgehen. Also, da ist mit Tanzen, das ist ja noch, sag ich mal, das Wenigste. Weil beim Spielen kann das schon sehr intim werden. Man verliebt sich in jemanden, man küsst. Das muss man alles darstellen. Und manchmal verschwimmen diese Grenzen auch. Deswegen gibt es ja immer gerne, so Pärchenbildungen zwischen Schauspielern.

Sebastian Krumbiegel: Das ist ja wirklich auch das Interessante. Wir haben ja mit Jan-Josef auch über Method Acting gesprochen. Also, wenn du sozusagen das, was Du sagst, es gibt ja Schauspieler, was weiß ich, Robert De Niro, Der eben dann sagt, ich spiele jetzt diese Rolle. Und der rennt dann wirklich den ganzen Tag in den Klamotten rum. Und ist dann auch... Oder hier Shining, Wie heißt der gleich? Jack Nicholson. Jack Nicholson, genau. Der muss ja wirklich ein Vieh gewesen sein. In dieser Dreharbeiten.

Minh-Khai Phan-Thi: Oder Christian Bale. Christian Bale ist ja ein fanatischer. Ich weiß nicht, ob ihr das gesehen habt, aber ich habe hier Dick Cheney. Also Dick Cheney war, Ich meine, du vergisst. Dass das ein Schauspieler ist, nicht Dick Cheney. Also ich leg euch, den wirklich ans Herz. Du vergisst irgendwann, dass das ein Schauspieler ist, der das darstellt.

Joël Kaczmarek: Ich hab das nur mal. Bei Meryl Streep gehört, als die Der Teufel trägt Prada gespielt hat, hat, die auch am Set die Leute halt alle so gegängelt und war unfreundlich, zu denen. Und als vorbei war, waren dann natürlich alle so, Was ist denn hier los? Schalter umgelegt, Die ist ja gar nicht so, ja? Also, was? Das frage ich mich ja wirklich, wie man das macht, ohne dass man da nicht so dieses, was du gerade genau beschrieben hast, man verliebt sich, Also Die Rollen verlieben sich ineinander, Man verbringt die ganze Zeit miteinander. Passiert das nicht? Total oft, dass da Leute irgendwie...

Minh-Khai Phan-Thi: Also ich sage immer, man ist vielleicht verliebt für diese Zeit, manchmal magst du dich ja, auch nicht. Dann ist es noch schwerer. Also, ich hatte das Gott, sei dank noch nie, dass ich einen Schauspieler nicht mochte, einen Schauspielkollege. Ich bin ja eh ein Mensch, der sehr gut einfach mit Menschen kann. Aber ich glaube, es gibt Schauspieler, die sich wirklich verlieren. Aber ich bin jemand, da bin ich einfach, ich bin nicht dieser Mensch dafür. Also, ich bin eng mit demjenigen in dem Moment, aber das ist ja eben auch, Deswegen braucht man auch ein bisschen nach dieser Zeit, dass man wieder so in der Realität ankommt. Aber ich habe zwei Kinder zu Hause und ein Mann, das geht ganz schnell, wenn ich nach Hause komme, dass ich wieder in der Realität bin. Und ich glaube, es hat ganz viel damit zu tun, wie du selber gestrickt bist. Ich glaube, es gibt Schauspielkollegen, die sich viel schwerer tun, und es gibt andere, Die haben damit überhaupt kein Problem. Es gibt solche und solche.

Joël Kaczmarek: Ich habe ja so ein bisschen eine Zeitachse im Kopf. Also ich versuche ja so nachzuvollziehen, VIVA und dann Schauspielerei. Ich will jetzt auch mal demnächst zu, was wie so Netflix kommen oder Amazon, Was macht das mit deiner Gilde? Aber was mich vorher nochmal so interessieren würde, wäre, gab es so einen Break? Also ist so ein VIVA zum Beispiel, Ist das ein Push, dass ich sowas gemacht habe aus schauspielerischer Sicht, oder war das eher so ein Stigma? Das habe ich mich auch bei den ganzen GZSZ-Leuten gefragt.

Minh-Khai Phan-Thi: Ah, beides. Also, ich habe ja bewusst nach VIVA, also ich habe... Bewusst nach dreieinhalb Jahren die Reißleine gezogen, obwohl es ja hätte weitergehen können. Aber ich habe damals schon gesagt, ich mache das nur für eine Zeit, und ich bin dem entwachsen. Ich habe irgendwann gemerkt, das reicht mir einfach nicht mehr, obwohl ich ja meine eigene Gesprächssendung hatte. Aber mir hat das einfach nicht mehr gereicht. Und ich wollte unbedingt in die Schauspielerei und ich habe gewusst, ich war überpräsent. Also du weißt ja, wie das damals war, Sebastian. Wir sind ja überall gelaufen, also MediaMarkt.

Sebastian Krumbiegel: Du wirst dann auch angekreischt auf der Straße und wirst dann irgendwie erkannt. Und das ist schon irgendwie... Ihr macht ja... Popstars eigentlich. Ja,

Minh-Khai Phan-Thi: genau. Und es lief auch im Flughafen. Also für mich war der entscheidende Moment, dass ich einmal in den MediaMarkt gegangen bin, um was zu kaufen oder in einen, darf jetzt wirklich nicht den Namen nennen, aber ich kam rein und da waren 200 Fernseher. Und da lief überall VIVA drauf, und es war eine Wiederholung meiner Sendung. Und da habe ich echt gedacht, oh nee, das geht gar nicht mehr. Ich konnte mich selber nicht mehr sehen. Und das war der Punkt, wo ich gesagt habe, jetzt mache ich erstmal Schluss.

Sebastian Krumbiegel: Das ist ja so ein Horrorfilm. Ja, du kommst selber rein.

Minh-Khai Phan-Thi: Und du kennst es ja, Sebastian, selber. Man will ja eigentlich auch nicht erkannt werden, wenn man im Privatleben irgendwo hingeht, um irgendwas zu kaufen. Und dann siehst du dich selber. Und ich bin rückwärts wieder rausgegangen. Und dann habe ich mir auch irgendwie überlegt, Als Schauspielerin musst du ja auch ein gewisses Geheimnis haben. Und dieses Geheimnis transportiert sich nicht, wenn du tagtäglich ständig zu sehen bist. Und da habe ich dann erstmal einen Cut gesetzt, um auch erstmal selber rauszufinden, Will ich das überhaupt noch alles? Und dann habe ich erstmal ein Jahr Pause gemacht. Und das war, glaube ich, Einer der mutigsten Schritte für mich zu der Zeit, weil. Ich war ja am Zenit meiner Karriere und ich hätte alles zu dem Zeitpunkt machen können. Aber ich habe irgendwie gemerkt, ich konnte mich selber nicht mehr hören. Ich wusste selber nicht mehr, was möchte ich? Will ich überhaupt noch in dieser Branche bleiben? Und da habe ich dann einfach eine Pause gemacht. Und das war echt schwer auszuhalten, weil am Anfang sagt man sich ja, ach. Das ist ja kein Problem, aber wenn das Telefon nicht mehr so viel klingelt, wenn du plötzlich nicht mehr weißt, wie du deine Miete zahlst, wenn du nicht mehr überall eingeladen wirst, das auszuhalten. Und ich habe damals in München gelebt, da ist eh immer gerne, was machst du gerade? Das Erste, was man dich immer? fragt. Und irgendwann, den Mut zu haben, zu sagen, nichts, Das hat mich sehr viel Überwindung gekostet, Aber als ich an dem Punkt war, wusste ich, jetzt ist es gut.

Sebastian Krumbiegel: Ja, vor allem ist es ja auch insofern mutig, dass du dir bestimmt. Auch darüber im Klaren warst, dass du auch schnell leer, als Du denkst, in Vergessenheit geraten kannst. Und dass dich einfach keiner mehr, fragt. Und dass er sagt, ach, Minh-Khai Phan-Thi, das war ja die damals. Und dann, was macht denn eigentlich? Das ist dann der nächste Schritt. Genau, genau. Scheiße, nee, das wirst du natürlich auch nicht. Im Stern die Rubrik, Was macht eigentlich?

Minh-Khai Phan-Thi: Und mein damaliger Manager hat mir dann auch gesagt, wenn du jetzt aufhörst, dann wird dich keiner mehr buchen. Und das war auch der Zeitpunkt, wo ich mich von ihm getrennt habe und gesagt habe, ich mache jetzt erstmal gar nichts. Ich glaube, eben darüber haben Sebastian UND ich... Vorhin auch gesprochen, nach oben zu kommen, ist nicht schwer, aber sich oben zu halten, und das geht nur, das weißt du selber, ihr habt ja 30-Jähriges, jetzt hast du mir gerade, erzählt, Ich bin seit über 20 Jahren in diesem Business, Das kannst du nur, wenn du auch mal den Mut hast, dich zurückzuziehen.

Joël Kaczmarek: Ich finde das total spannend, ich habe gedacht, für mich war das im Kopf immer, Ich weiß nicht, Vielleicht gibt es da auch irgendwie Theorien zu oder dass man so Medienforschung hat, für mich war das Mal der Sylvie-Meis-Effekt. Ich hatte irgendwann den Moment, dass ich dachte, Silvie Mais, Die hängt mir jetzt ein bisschen drüber. Oder Helene Fischer. Genau. Wenn Helene Fischer schon anfängt, Jeans bei Tchibo zu verkaufen, dann denke ich, ist es irgendwie drüber. Und das finde ich ganz interessant. Also ich meine, was du erzählst, Muss das unglaublich viel Mut erfordern. Also, ich hätte da tausend Ängste. Ich bin auch so gedrillt gewesen als Jugendlicher. Du musst Geld verdienen, Du musst einen Job haben, Du musst eine Ausbildung haben oder eine gute Schule, Studium und so. Das heißt, das wäre die erste Frage, die ich mir gestellt hätte. Wenn Du sagst, okay, NACH sieben, Acht Monaten merke ich, oh, meine Miete ist gar nicht so wenig. Jetzt kommt hier VIVA blecht nicht mehr. Ich habe ja aufgehört. Wie hast du das gemacht? Also, wie bist du denn da?

Minh-Khai Phan-Thi: Ich bin in eine kleinere Wohnung gezogen. Ich habe überlegt, was ich mache. Ich habe angefangen, an meinem Dokumentarfilm zu arbeiten. Und deswegen finde ich das ja so witzig, so parallel jetzt in der Corona-Zeit. Ich erinnere mich an diese Zeit einfach. Und ich glaube, dass es Menschen gibt, die damit ganz schwer umgehen können, weil die Existenzängste so groß sind. Aber als Freiberufler, weißt du ja auch, Stehen wir immer vor dem Punkt, dass wir manchmal nicht wissen, wie wir unsere Miete bezahlen. Und auch unserer Branche geht es ja wie allen Branchen sehr schlecht oder wie den meisten Branchen. Aber ich habe... Und komischerweise in dieser Zeit, obwohl ich jetzt auch gerade momentan auch nicht weiß, wie es weitergeht, glaube ich, hat diese Zeit mich unglaublich stark gemacht. Und das habe ich irgendwie schon als Junger, also. Ich war ja Mitte 20, als ich diesen Schlussstrich gezogen habe, Ich habe das gespürt, dass es mir als ältere, spätere Minh-Khai guttun wird, wenn ich das jetzt erfahre. Dass ich den Stecker ziehe und nicht jetzt wie in der Corona-Zeit, dass der Stecker gezogen wird. Und deswegen glaube ich, das hat mich unglaublich beruhigt. Und ich kann nicht sagen, dass ich angstfrei in dieser Corona-Zeit war. Also vor Corona habe ich überhaupt keine Angst gehabt, aber eben vor den Folgen. Und wir haben ja auch darüber gesprochen, wir drei, dass es eben wichtig ist, weil man was Neues vielleicht erschafft. Und ich habe aus dieser Zeit damals, Mitte 20, habe ich was Neues erschaffen. Ich habe meinen Dokumentarfilm auf den Weg gebracht, den habe ich irgendwann gedreht. Ich habe ein Buch geschrieben. Ich bin irgendwann mutter geworden. Ich bin Schauspielerin geworden. Damals war, also in dieser Zeit, wo ich noch Schauspielerin geworden bin, war das unmöglich als Asiatin im deutschen Fernsehen. Da hast du nur Klischee-Rollen gespielt. Und das hat mich alles stark gemacht. Und das spüre ich jetzt, das kommt mir total. zugute. Und dafür bin ich unfassbar dankbar, dass ich diese Zeit schon erleben durfte. Und deswegen hat mich diese Corona-Krise jetzt gar nicht mal so ängstlich gemacht.

Sebastian Krumbiegel: Ich glaube, der Unterschied, oder wir drei, die wir hier sitzen, gerade, von Plexiglasscheiben voneinander getrennt, Wir sind ja alle drei Leute, die in irgendeiner Weise schon wissen, dass sie immer irgendwas machen werden. Ich habe auch Bekannte, die eben sagen, ey, Was ist denn jetzt bei dir? Und wie geht es denn weiter? Also ganz abhängig davon, dass ja sowieso alle denken, die Prinzen oder auch Minh-Khai, Die ist im Fernsehen, die hat ausgesorgt für ihr Leben. Hey, Völliger Quatsch, haben wir auch mit Jan-Josef neulich drüber gesprochen. Wie viel Prozent aller Schauspieler, die wir alle kennen, Bei denen ist es eben wirklich nicht so. Die allerwenigsten, genau wie auch Buchautoren. Musiker, Die ganz wenigsten können wirklich davon leben. Aber das Ding, selbst an sich zu glauben und selbst zu wissen, ich werde immer irgendwie mein Ding machen, das ist, glaube ich, der Unterschied. Und das ist eine Gabe zu haben, über die man sich freuen sollte. Weil es ist nicht jeder seines Glückes Schmied. Einige Leute können das nicht, Sie haben es nie gelernt. Und das meine ich überhaupt nicht abwertend, sondern ich meine das eher verständlich. Und ich meine eher, Da sind wir wieder jetzt bei dem, Was sich ein bisschen wie ein roter Faden durch unsere Sendung zieht. Der Solidargedanke, dass wir den immer haben sollten, dass wir immer sagen müssen, es ist eben nicht so wie, was weiß ich, Irgendwelche Hardcore-Freidemokraten sagen, Jeder kann sich für sich selbst kümmern, um sich selbst kümmern. Das ist nicht so. Es gibt Leute, um Die müssen wir uns kümmern, und es gibt Leute, denen müssen wir die Hand reichen. Und wir brauchen manchmal auch Leute, denen wir die Hand reichen, die uns aus dem Dreck ziehen.

Minh-Khai Phan-Thi: Ja, und ich will vor allen Dingen auch den Leuten Mut machen, dass das Leben immer weitergeht, Aber, dass eben den Mut haben, muss, seinen Pfad auch mal zu verändern. Zu verlassen und neue Pfade zu gehen. Und ich glaube, wir Künstler sind immer wieder genötigt, diese Pfade zu verlassen, Weil wir uns sonst nicht weiterentwickeln als Künstler. Ich meine, das erfährt man ja immer wieder, ob das jetzt? Sarah O'Connor ist, die jetzt plötzlich auf Deutsch singt und auch gesagt hat, Sie konnte irgendwie ihre eigene Musik nicht. Helene Fischer macht jetzt auch eine lange Pause. Ich nenne jetzt mal große Künstler, aber es gibt eben so viel andere. Und ich glaube, du bist nur gut in dem, was du machst, wenn du mutig bist. Weil Angst macht total eng. Und ich finde... Mutig zu sein und zu sagen, Ich versuche es jetzt einfach mal, Weil was soll passieren?

Joël Kaczmarek: Ich glaube, was du eben gesagt hast, ist interessant. Ich gehe ab und zu so zur Osteopathin, die mich auch viel in Richtung Ernährung berät, Weil viele Rückenprobleme sind oft ernährungsbedingt. Und dann meinte die, ja, Joël Kaczmarek, ich habe den Eindruck, Sie essen zu viel. Also, ihre Portionen sind zu groß. Ich glaube, sie haben immer so einen Trieb, dass Sie immer so ein Gefühl haben, ich muss, was richtig in mich reinschaufeln haben. Dass sie nur dann funktionieren, dass sie nur dann Energie haben. Probieren Sie mal Intervallfasten, wenn Sie merken, es funktioniert, Es geht auch ohne. Dann wird ihr Mindset sich drehen. Und ich habe verstanden, was sie meinte, weil es war bei mir auch so, in der Schule. Immer hieß es so, oh, hier, du musst einsen schreiben. Ich war, Also, das kennen wir eigentlich von asiatischen Kindern viel auch, so Chinesen, richtig gedrillt. Und ich habe immer mal gemerkt, okay, Für die Arbeit hast du jetzt gar nicht so viel gelernt. Und es war trotzdem wie eine eins minus. Also, man muss manchmal lernen, dass es auch ohne geht. Also, was passiert eigentlich, wenn? Und das habe ich mich bei dir gefragt, ist das bei dir auch so ein bisschen, Du hast ja gesagt, Migrationshintergrund. Deine Eltern haben gesagt, Oh, gottes Willen, Zugewanderte asiatische Frau mit Migrationshintergrund, Die ins Fernsehen. Hat Dir das auch ein bisschen geholfen, dass du quasi aus einem Eck kommst, wo du vielleicht gewohnt warst, mit nicht viel auszukommen, wo du vielleicht auch irgendwie ein Outsider warst?

Minh-Khai Phan-Thi: Ja, auf jeden Fall. Und ich glaube, ich bereite ja meinen eigenen Podcast vor. Und da geht es ganz viel um dieses Anderssein, also von anderen anders gemacht werden, Obwohl man sich nicht anders fühlt, deswegen auch anders sein. Und alle Fragen, die ich mir da gestellt habe, die habe ich mir versucht, erst mal selber zu beantworten, weil ich ja mich mit Menschen mit Migrationshintergrund austausche. Und ich habe einfach gespürt, ich musste mich schon sehr früh immer wieder erklären. Ich musste immer früh erklären, warum ich so aussehe, wie ich aussehe, obwohl ich mich ja eigentlich genauso gefühlt habe wie jeder Deutsche, der hier lebt. Ich bin hier geboren, Ich bin in Darmstadt geboren. Nein, Meine Eltern sind keine Flüchtlinge. Nein, wir sind keine Boat People. Also, ich musste mich schon ganz früh mit Dingen auseinandersetzen als Kind, die eigentlich, Du hast keinen Bock, dich damit auseinanderzusetzen, weil du willst so sein wie deine Freunde. Ich wurde bei der Grenze rausgezogen, wenn ich auf Klassenfahrt war, weil ich eben keinen deutschen Pass hatte, sondern einen vietnamesischen Pass. Und ich musste, ich habe meine deutschen Freunde unglaublich beneidet, dass sie sich nicht damit auseinandersetzen mussten. Jetzt, im Nachhinein sage ich mir, ich bin einfach sehr früh reif und sehr früh erwachsen geworden. Und musste mich schon sehr früh mit Dingen auseinandersetzen und mit Hürden erklimmen und über Hürden gehen. Und das hat mich eigentlich sehr stark gemacht. Und ich glaube, nur deswegen bin ich seit so langer Zeit überhaupt im Fernsehen. Und mir werden immer wieder Rollen, jetzt auch angeboten, die überhaupt nichts mit Migrationshintergrund zu tun haben, weil ich das immer... Versucht habe, leicht zu nehmen.

Sebastian Krumbiegel: Es hat sich dann natürlich auch wirklich eine Menge verändert. In den letzten 20 Jahren. Das merke ich ja bei mir auch selbst. Ich weiß noch genau, dass ich, also die Schwelle zwischen Rassismus und ich bin neugierig, ist ja auch wirklich sehr schmal. Sehr schmal, genau. Und da tut man, glaube ich, manchmal auch leuten Unrecht. Und ich glaube schon, dass ich Extreme antennen habe. Für Rassismus. Und ich glaube, das Ding ist immer, Rassistisch ist wirklich dann, wenn es böse und missgünstig und eben rassistisch gemeint ist. Ja. Ich bin ja auch Fußballfan. Noch vor 20 Jahren oder vor 30 Jahren, als die Bundesliga mit ran, irgendwie entertainend ins Fernsehen kam, habe ich mich immer gefreut, wenn dunkelhäutige Fußballer fließend Deutsch gesprochen haben. Und habe gedacht, EY geil. Man hätte es auch gar nicht gedacht, bei irgendwelchen Namen, die eben nicht Müller, Meier, Schulze waren, Dass die eben fließend deutsch sprechen. Das ist heute mittlerweile schon Gang und gäbe. Und es ist heute auch Gang und gäbe, Dass viele ausländische oder ausländisch aussehende oder für mich auch ausländische Fußballer eben in Mannschaften sind, dass sich das alles vermischt. miteinander. Dass halt keiner mehr vorwirft, du bist ja auch fußballmäßig unterwegs. Ja, sehr. Du bist bei Hertha irgendwie gut dabei. Können wir auch, könnten wir stundenlang drüber reden. Aber das Ding, dass es sozusagen auch normal ist, dass eben bei Hertha BSC nicht nur Berliner drin sind, sondern eben auch irgendwie Leute, die von sonst wo her kommen. Egal, ob die aus München kommen, ob die aus Hamburg kommen oder ob die eben aus Barcelona oder aus London kommen. Genau. Und das ist für mich so eine Art von... Auch Normalität, die man auch, ja, die mittlerweile sich eben Bahn bricht, was mich freut. Also die Welt wird bunt, Die Welt vermischt sich. Und da können irgendwelche Rassistenschweine noch so viel irgendwie aus der Gegend haben. Es ist, wie es ist, und da sollten wir versuchen, irgendwie brücken, zu bauen und aufeinander zuzugehen.

Minh-Khai Phan-Thi: Ja, deswegen versuche ich mich ja auch gerade mit in diesem Podcast, dass das Problem ist. nur, dass ich immer wieder merke, In meinem Podcast geht es ganz viel um die Frage, woher kommst du? Und ich sage immer, ich mag eigentlich diese Frage nicht so. Und das habe ich schon vor 20 Jahren formuliert. Und jetzt gehe ich der Frage nach, fragen wir das eigentlich immer noch? Und wenn ich mir die Frage beantworten muss, muss ich leider sagen ja. Und viele fühlen sich unglaublich angegriffen. Also, wenn wir drei hier sitzen... Bin ich die Einzige, die gefragt wird, woher kommst du? Und für mich bedeutet diese Frage Moment,

Joël Kaczmarek: Wirst du hier gefragt? Wenn wir zusammen irgendwie nach China gehen würden, würden die mich das wahrscheinlich fragen. Richtig,

Minh-Khai Phan-Thi: aber wir leben ja in Deutschland. Und China hat nicht so viel Migrationshintergrund wie hier, ist nicht so durchmischt. Und die Leute sagen dann immer, ja, aber das hat doch nur, was mit Neugierde zu tun. Und dann sage ich immer, ja, ich komme aus Darmstadt. Und dann kommt immer gleich, nee, das meine ich gar nicht, weil du siehst ja gar nicht aus wie eine Darmstädterin. Also, ich finde schon. Und dann sagen die immer, ja, Aber woher kommen denn deine Eltern? Und dann habe ich gesagt, na, dann frag das doch. Gleich, und das hat nichts mit Ich verbiete dir was, sondern ich möchte nur, dass du mal drüber nachdenkt, dass immer, wenn ich gefragt werde, von uns drei, woher kommst? Du heißt immer, du kommst nicht von hier und stimmt einfach nicht. Ich komme von hier, ich habe einen deutschen Pass, ich bin hier geboren und ich bin hier zur Schule gegangen. Zahl meine Steuern, meine Eltern kommen nicht von hier und es ist für mich ein Unterschied. Und das, um jemanden zu integrieren, hat das ganz viel mit Selbstverständnis zu tun. Und das ist das, was ich mir einfach nur wünsche, dass die Leute drüber nachdenken und sagen, wo sind deine Wurzeln? Das ist was ganz anderes, weil das heißt immer, also Deine Wurzeln sind von woanders, Aber du bist von hier. Und das macht ganz, ganz viel aus mit Menschen wie mich, die sozusagen ein asiatisches Aussehen haben, aber perfekt Deutsch sprechen.

Joël Kaczmarek: Ja, ich überlege die ganze Zeit, wie es mir damit gegangen wäre, weil was ich jetzt natürlich beobachte oder was ich jetzt rausgehört habe, war bei dir, dass du gesagt, hast, ich habe mich dadurch ausgeschlossen gefühlt. Ich habe gedacht, du könntest dich ja auch besonders fühlen. Also, du könntest ja auch sagen, wow, ich bin die Einzige, die hier gefragt hat, wo ich herkomme.

Minh-Khai Phan-Thi: Aber das möchte man nicht. Das möchte man nicht, weil weißt du, dieses Besonderssein, Das wird ja immer sozusagen, so umgedreht. Ja, wieso? Du fühlst dich besonders. Aber ich sage nochmal, ich weiß nicht, du hast Kinder, du auch? Kinder wollen so sein wie ihre Freunde. Das wollte ich gerade sagen. Als Kind ist das besonders schlimm. Und die wollen nicht besonders sein. Die wollen so sein wie alle anderen, auch. Wenn du immer diejenige bist, von Klein auf an, die immer als anders getweetet. In der Ecke steht. Genau. Das möchtest du einfach nicht. Ich behandle, Entschuldige. Das möchtest du einfach nicht. Du möchtest gerne so sein wie andere. Und ich möchte das gerne meinen Kindern mitgeben. Dass eben nicht dieses Besondere durch dein Aussehen, sondern besonders durch deine Begabung, durch Dein Talent. Oder was du kannst, aber nicht durch dein Aussehen. Und das ist etwas, was mich eins mit allen Menschen mit Migrationshintergrund, keiner wird, sagen, ach, das war voll toll. Natürlich, irgendwann mit 16, 17 bin ich leicht an den Club gekommen, weil ich so aussehe, wie ich aussehe. Aber ganz ehrlich, Das ist ein Miniteil von dem, wie du tagtäglich behandelt werden möchtest.

Joël Kaczmarek: Ich muss ja übrigens mal ein kleines Intermezzo einlegen. Das habe ich mich schon ein paar Mal gefragt, Sebastian. Wie kommt es eigentlich, dass das Thema, was wir mit Minh-Khai gerade besprechen, wo mich auch gleich der Podcast nochmal interessiert, bei dir so ein Reiz ist? Also wie kommt es, dass du dich dafür so einsetzt? Du könntest dich ja für alles einsetzen. Umweltschutz, Wirtschaftlichkeit, Gerechtigkeit, Irgendwie was. Was macht bei Dir eigentlich das Thema? Rassismus? Hat das bei Dir so auf die Uhr gebracht?

Sebastian Krumbiegel: Ach, das weiß ich gar nicht. Also am Ende kann ich sagen, weil meine Eltern mich so raufgebracht haben. Oder weil ich, hey, also? Ich glaube, am Ende liegt es doch wirklich an der Erziehung. Klar, die Eltern geben Dir irgendwann so einen Kompass mit, der versucht, Ungerechtigkeiten zu benennen. Aber das klingt auch wieder viel zu. Edel jetzt. Also ich bin, hey, ich wollte das vorhin schon sagen, Ich hatte auch Erlebnisse, wo ich selbst an mir Rassismus entdeckt habe. Ich hatte ein Ding, ich war damals die die toten Hosen haben, in Leipzig gespielt, Riesenkonzert, 70.000 Leute auf der Festwiese. Ich war nicht da und die haben dann ein paar Wochen später in Conne Island, in meinem Lieblingsclub in Leipzig gespielt. Und das war wirklich so ein kleines Minikonzert. Und ich hatte keine Karte gekriegt, habe dann angerufen und habe gesagt, ihr könnt mich irgendwie auf die Gästeliste, hat irgendwie funktioniert, ich bin da reingekommen. War ein wunderschöner Abend. Ich war mit dem Fahrrad da, hatte mein Fahrrad da angeschlossen und das Fahrrad war weg, als ich rauskam. Im Nachhinein hat sich rausgestellt, wirklich geklaut und irgendwie, hm, eben, ja, shit happens. Und es saß noch so ein paar Punks rum und es waren kaum noch Leute da. Ich war auch nicht mehr ganz nüchtern, weil wir natürlich irgendwie Aftershow-Party-mäßig noch zugeschlagen hatten. Und dann kam, Die letzte, die ich gesehen habe, war eine Frau, die auch ihr Fahrrad gerade holte. Es war eine dunkelhäutige Frau. Und ich habe die angespannt und gesagt, ey, sag mal, weißt du, wo hier irgendwie noch vielleicht Fahrräder sind? Hat jemand Fahrräder weggeräumt? Und die guckte mich so an und reagierte nicht richtig. Und da habe ich dann angefangen, äh, excuse me. Ich habe versucht auf Englisch und da ist die Ausgerastete gesagt, im feinsten Sächsisch gesagt, willst du mir das auch noch? fragen, ob ich aus dem Busch komme oder was? Und da habe ich gesagt, sorry, das war wirklich überhaupt nicht so gemeint. Und natürlich war das für mich alles andere als rassistisch gemeint. Oder noch ein anderes Beispiel, Taufe der kleinen Tochter meines Bruders. Die ganze Familie hatte sich versammelt, Alle Schick hergerichtet vor der Kirche und alle haben gewartet. Und dann kommt auf einmal ein... Dunkelhäutiger Typ an, 17, 18, 19 Jahre alt. Und das war, muss ich dazu sagen, kurz nachdem irgendwo in Frankreich gerade ein rassistischer Angriff auf irgendeinen katholischen Priester stattgefunden hat, der mit der Machete irgendwie in der Kirche massakiert worden ist. Und der kommt da rein, Dieser Typ, also dieser dunkelhäutige Typ, so ein 18-jähriger Typ und guckt sich so unsicher um. Und in dem Moment geht bei mir der Film an den Kopf. Und ich denke, scheiße, Was will denn dieser Typ jetzt hier? Weil eben gerade zwei Tage vorher dieser Wahnsinn passiert war. Und dann kommt er auf uns alle zu und fragt uns auch so sächsisch, wo ist denn eigentlich der Franz? Und Franz ist der große Sohn meines Bruders. Und da habe ich mich so geschämt, für mich selbst, dass ich gedacht habe, irgendwie, Warum hast du sofort gedacht, dunkelhäutig, irgendwie Terrorismus, irgendwie Scheiß.

Minh-Khai Phan-Thi: Aber weißt du, Sebastian, also? Ich finde diese Geschichte ganz toll und ich finde auch, dass du das sagst, Total toll. Rassistisch sind wir leider alle. Es gibt keine Ausnahme. Und das ist auch ein Thema sozusagen im Podcast, dass ich eben sage, wir haben alle Vorurteile. Alle. Da nehme ich keinen aus. Ich meine, guck, mal, Jetzt nur beispielsweise in Amerika haben ganz viele Latinos und Vietnamesen Trump gewählt, obwohl der so ist, wie er ist. Also, es ist nicht so, dass wir alle frei davon sind. Ich glaube, nur wichtig ist, dass man den Mut hat, das zu korrigieren. Und ich ertappe mich auch dabei. Und es geht auch nicht damit, einen Zeigefinger mit rumzurennen und zu sagen, ja, also das und das, sondern für mich geht es immer ganz viel, nur darum, Leute zum Nachdenken anzuregen. Und ich weiß, dass diese Frage, woher kommst du, Auch in meinem Freundeskreis, habe ich ganz viele Diskussionen. Also ich bin in München in einem rein, sage ich mal, Deutschen Freundeskreis groß geworden, ganz mit wenig Migrationshintergrund. Und auch meine Freunde haben sich unglaublich angegriffen. gefühlt. Ja, und du verbietest uns den Mund, das ist doch reine, Neugierde, Was soll das denn? Und jetzt mach doch nicht so ein Ding draus. Aber Sie haben alle im Nachhinein gesagt, dass sie drüber nachgedacht haben, und sie fragen es nicht mehr. Darum geht es mir. Es geht mir nur darum, zum Nachdenken anzuregen. Wenn du danach beschließt, nee, ich frage, ich sage das immer noch so, das ist Demokratie. Völlig okay. Ich sage nur, denk kurz drüber nach, wie sich jemand fühlt, wenn du, gibt, zum Beispiel jemand, Mit dem habe ich ganz lange über den Begriff Japse diskutiert, dass ich gesagt habe, das kannst du auf keinen Fall sagen zu Menschen.

Sebastian Krumbiegel: Fidschis auch.

Minh-Khai Phan-Thi: Oder Fidschis, Ja genau, also Asiaten. Und der hat mir irgendwie versucht, das zu sagen. Oder zum Beispiel Neger ist ja gerade in Bayern, Ich bin ja in München groß geworden. Ja, wieso? Das ist überhaupt nicht Böse gemeint, das sagen wir schon immer, so. Und dann sage ich, Überleg, einmal, wie sich ein Mensch fühlt, der dunkelhäutig ist. Und es geht immer nur, ums Nachdenken anzuregen, weil du willst ja auch nicht als deutscher Pauschal als Nazi bezeichnet werden, Weil du diese Vergangenheit vielleicht hast.

Joël Kaczmarek: Naja, Ich habe so im Vorgespräch, wir hatten ja Dennis Aogo vor Kurzem hier über Fußball geredet, Da wollte ich ihn auch, was über Rassismus fragen, da habe ich mich darüber nachgedacht, wie es in meiner Jugend war. Und wir waren so eine Clique. Wir hatten einen Jungen, der war, Das fängt ein bisschen an, Ich weiß nicht mehr, ob man schwarz oder farbig sagt heutzutage. Schwarz. Also das ist so, Der war dunkelhäutig, Person of Color, Aber jetzt nicht so tief afrikanisch schwarz, sondern eher so ein Cappuccino-Ton, sage ich mal. Der war immer der Mocker. Ich kam aus Deutschland, ich war die Kartoffel. Wir hatten einen Polen, das war dann, der hat mal geklaut, Das waren, so die Vorurteile. Und ich habe das so, wenn ich so dabei ertappt, also, ich habe Mocker eigentlich so gut wie nie gesagt, weil das fand ich echt schon drüber. Aber ich habe gemerkt, das war so eine Art selbstregulierendes System. Jede Gilde hat immer die andere aufgezogen. Wenn es drüber war, sind aber alle draufgegangen und gesagt, so nicht. Wenn von extern jemand kam und hat gesagt, du Nigger oder so, da war was los. Da ging hier richtig stress los. Trotzdem habe ich darüber nachgedacht. Wir wussten alle, dass es rassistisch ist. Trotzdem hat man sich gegenseitig ein bisschen aneinander gerieben. Ich habe wirklich darüber nachgedacht. Ich habe gemerkt, wie kam das eigentlich, dass man

Sebastian Krumbiegel: Wie gesagt, ich glaube, es geht immer um die Intention. Warum du irgendwas sagst. Natürlich darfst du das N-Wort nicht gebrauchen. Völlig klar. Also natürlich... Verändern sich auch Sprache, muss man ja auch sagen. Das N-Wort war vor 30, 40, 50 Jahren, also Negerkuss. Genau,

Minh-Khai Phan-Thi: richtig.

Sebastian Krumbiegel: Das haben wir als Kinder noch ganz normal gesagt. Oder Mohrenkopf. Mohrenkopf. Geht mir heute nicht mehr über die Lippen, versuche ich echt nicht mehr zu sagen. Und ich kenne trotzdem viele Leute, nicht nur in meinem Alter, sondern sogar auch jüngere Leute, Die sagen, warum darf ich denn heutzutage nicht mehr Negerkuss sagen, Mohrenkopf. Aber das ist, oder du kannst ja noch weitergehen, Die Diskussion, die wir jetzt in Hamburg hatten, letztes Jahr, Als gesagt wurde, Kinder sollten in irgendeinem Kindergarten nicht mehr als, also BlackFacing, sowieso nicht, aber eben irgendwie sich, oder überhaupt der Begriff Indianer, oder der Begriff Eskimo. Wir sagen Inuit und ich denke auch, und ich versuche, mich auch so zu verhalten, dass ich da mitgehe und dass ich nicht sage, ich habe immer Eskimo gesagt. Und natürlich komme ich mir jetzt auch doof vor, wenn ich sage, Wir dürfen nicht mehr Cowboy und Indianer spielen, sagen. Ich weiß nicht, vielleicht ist es wirklich, Vielleicht ist das mit dem Indianer-Wort genauso wie mit dem N-Wort, Dass wir in 20, 30 Jahren sagen, hey, damals haben wir das noch so gesagt.

Minh-Khai Phan-Thi: Und das kommt nur zustande, wenn man eben darüber diskutiert. Und wenn man auch sagt, dass sich eine ganze Gruppe von Menschen diskriminiert, fühlt, wenn man das sagt und auch erklärt vielleicht, warum.

Joël Kaczmarek: Aber geht es euch nicht, manchmal auch, so? Ich muss sagen, mich nervt es manchmal. Ich bin jetzt mal ehrlich. Ich kann das verstehen. Mir geht es immer wichtig darum, dass Leute sich gut finden, bei mir. Aber bei Eskimo weiß ich zum Beispiel gar nicht, was die Wortherkunft ist. Also ich weiß gar nicht, Was an Eskimo beleidigt, ist. Weiß ich nicht. Habe ich wirklich keine Ahnung.

Sebastian Krumbiegel: Ich sage mal scherzhaft, wenn es ein Eskimo gibt, muss es auch ein Trinkimo geben. Das kann man auch rausgreifen.

Minh-Khai Phan-Thi: Das ist ja geil.

Joël Kaczmarek: Ich habe das in den Kinderbüchern, meiner Kids, Die haben Malbücher, Dann schreiben die das in die Inuit, dann haben die ein Sternchen dran. Früher haben wir alle Eskimo gesagt, das ist mittlerweile verboten. Weiß ich nicht mehr so. Und ich ertappe mich so dabei, Jeder hat jetzt mittlerweile irgendein Pläsierchen. Also manche Leute wollen nicht mehr Frau oder Mann genannt werden, Manche wollen Einhorn oder was weiß ich genannt werden. Ja,

Minh-Khai Phan-Thi: ich gebe dir total recht. Man kann es auch völlig übertreiben. Ja, und jeder hat ja immer so seine Wehwehchen. Und man muss auch total aufpassen. Ich finde auch ganz schwierig, Wie bezeichnet. Ich habe zum Beispiel eine Freundin, Die ist eritreischer Herkunft, die sagt, ich bin nicht schwarz, ich bin dunkelhäutig. Weil sie ist de facto von der Hautfarbe eben nicht schwarz, sondern dunkelhäutig. Und ich ertappe mich auch dabei, dass ich immer überlege, sage ich jetzt schwarz? Weil Schwarz ist ja eigentlich eine politische Gruppierung wie POC. Aber und hat ja was mit Solidarität zu tun, gerade unter Schwarzen. Aber ich tue mir natürlich auch schwer, weil in Amerika sagen die Afro-Americans, Dann haben wir angefangen mit Afro-Deutsch. Aber manche haben ja keine afrikanische Herkunft. Also, ich weiß genau, was du meinst. Mir fällt es genauso schwer. Ich finde es völlig in Ordnung, aber dein gegenüber zu fragen. Darf man, Also würde ich das, weißt du, es geht ja um, Es geht wie immer um Kommunikation. Genau, Es geht um Sensibilität. Es geht um Kommunikation. Und ich finde, du hast aber genauso ein Recht zu sagen, ich finde es echt anstrengend. Finde ich auch völlig in Ordnung.

Sebastian Krumbiegel: Und das ist, glaube ich, auch wirklich genau der Punkt, Warum Rechtspopulisten gerade so einen Auftrieb haben, Weil sie genau mit diesen Animositäten auch, weil sie das genau wissen, dass es viele Leute gibt, die sagen, man darf heute nicht mal mehr das. Und das sagen. Und Denkverbot, und irgendein Sprechverbot und der ganze Wahnsinn. Und ich verstehe das auch. Mich nervt manchmal auch irgendwie, ich sage es mal wirklich auch in großen Anführungsstrichen. Übertriebene politische Korrektheit. Ich finde politische Korrektheit erstmal total cool, ich finde es erstmal wirklich richtig. Man sollte respektvoll mit Leuten umgehen, Man sollte irgendwie nicht beleidigend sein. Und wenn man aus Versehen beleidigend ist, wie eben, wenn Leute dies nicht mit böser Absicht sagen, wo kommst du her, Dann klär sie auf und dann versuch aber auch, Cool zu reagieren, weil das ist nämlich genauso scheiße, wenn du irgendwie jetzt sofort in eine Rakete hochgehst und sagst. Wie kannst du nur? Ich ertappe mich doch selbst dabei. Was haben wir als Kinder oder als Jugendliche, habe ich doch auch manchmal gesagt, das finde ich ja echt. schwul. Und wenn heute irgendwie Leute sagen, das finde ich ja echt schwul, Da versuche ich dann auch kurz innezuhalten und zu sagen, du, finde ich nicht gut, wenn du das sagst. Und ich sage aber nicht, du Schwein, du homophobes Arschloch. Nee, sage ich dann nicht. Ich versuche dann einfach zu sagen, hey, Pass auf. Ich möchte nicht, dass du so redest, weil das ist beleidigend.

Joël Kaczmarek: Ich glaube, das eine ist Empathie. Und ihr habt ja recht, wenn man sagt, was ist die Intention? Also, es gibt ja zum Beispiel dieses, wenn manche Leute über Kinderschänder geredet haben, Das ist ein Nazi-Begriff. Das muss man aber echt mal wissen. Also Es gibt Worte, Die werden aufgeladen mit Bedeutung. Und dann werden sie mir aus dem Sprachschatz geklaut. Und ich weiß nicht, ob ich die Geschichte erzähle, Aber wenn nicht, streichen wir sie raus, Sebastian. Du hast ja ein Lied geschrieben mit den Prinzen, wo es auch darum ging, darf man das? Da ging es darum, Darf man Frauen noch komplimente machen? Dann hast du gesagt, wie findest du das? Da finde ich total geil, weil ganz viele Leute wissen nicht mehr, was man darf, was okay ist. Die haben diese Unsicherheit. Warum denen nicht mal eine andere Ecke geben als rechts? Immer diese rechte Wut finde ich einen Kackkanal. Sondern links zu sagen, lass doch mal drüber reden.

Sebastian Krumbiegel: Sich Worte nicht klauen lassen, sozusagen. Das ist natürlich auch richtig. Das Lied übrigens ist noch nicht draußen. 30.000 Jahre Die Prinzmädels, ja, Die Lamentären, kurz zur Werbung. Nein, wir werden an den nächsten Jahren eine Platte rausbringen und da wird das Lied drauf sein. Natürlich machen wir uns darüber Gedanken, weil wir möchten dieses Thema ansprechen und wollen. Aber bitte, bitte keinen Applaus von irgendwelchen Idioten kriegen. Wir wollen, Ich will nicht von Nazis gut gefunden werden. Oder von Rassisten oder von eben irgendwelchen Verschwörungstheoretikern. Aber, dass auch da die Grenzen fließend sind, Das müssen wir uns immer wieder vor Augen halten, dass wir viele Leute auch verprellen, wenn wir Sie beschimpfen, weil sie... In irgendeiner Weise eben nicht ganz so politisch, korrekt oder nicht. Ganz so, ja, weil sie eben schneller Sachen, rausplatzen, die Sie garantiert, eben auch nicht. Böse meinen. Da sollten wir cool bleiben, finde ich wirklich.

Joël Kaczmarek: So, aber apropos fließende Grenzen, Wir wollen ja noch ein bisschen, was über dich jetzt erfahren. Du hast nämlich zwei spannende Stichworte eigentlich gegeben. Einmal deinen Podcast und einmal, dass du ja eine Serie machst und was dokumentativ ist. Fangen wir mit dem Podcast an. Also Anderssein, hast du gesagt, heißt ja, es werden jetzt alle Hörer aufgerufen, das bei Spotify und Co. Zu suchen und zu abonnieren. Worum geht's da und warum machst du das?

Minh-Khai Phan-Thi: Im Anderssein geht es eben genau um diese Frage, woher kommst du? Und ist man anders, nur, weil man anders aussieht, aber sich nicht anders fühlt. Und dafür Ich Gespräche mit Menschen mit Migrationshintergrund, also zu dem Zeitpunkt des Gesprächs, was wir jetzt führen, habe ich es noch nicht gemacht, aber ich werde in ein paar Wochen, werden. Gäste da sein wie Cem Özdemir, über die ich mich wahnsinnig freue, weil der einfach mein Andersdenken über das, was ich bin, sehr beeinflusst hat, weil er vor über 20 Jahren, Als ich ganz frisch in dieser Branche war und sehr radikale Interviews gegeben habe, so, ich hasse es, als Exotin bezeichnet zu werden. Also, ich war damals noch Anfang 20 und habe immer mit so Begrifflichkeiten wie Hassen und Sowas durch die Gegend geschmissen. Und dann habe ich meine eigenen Interviews gelesen und habe gesagt, oh, Das klingt aber irgendwie komisch. Und der hat damals gesagt, ich bin ein Mensch, der auf zwei Stühlen sitzt und nicht zwischen zwei Stühlen. Und das hat mich so nachhaltig beeinflusst, weil ich dann irgendwann gedacht habe, stimmt, vielleicht muss ich das so rum. Man sitzt doch auf zwei Stühlen viel besser als dazwischen. Und ich habe aber ganz lange mich zwischen zwei Stühlen gefühlt, weil ich immer gesagt habe, was bin ich denn jetzt? Bin ich deutsch? Bin ich vietnamesisch? Darf ich beides sein? Und ich bin wahnsinnig stolz, dass er zugesagt hat, weil das ein Mensch ist, der politisch mich lange begleitet hat, einfach nicht politisch als grüner Politiker, sondern als ein Mensch. Eben, wie ich mit zwei Kulturen, der aber anders damit umgegangen ist. Anders. Dann wird da sein. Jasmin Tabatabai, Die Schauspielkollegin, die auch ganz toll ist, die zum Beispiel nicht mehr in den Iran reisen darf. Was auch natürlich viel macht, wenn du eben nicht in die Heimat deiner Eltern darfst. Dennis Aogo wird da sein, der Euch auch war. Das habe ich ja dir zu verdanken, da danke ich nochmal sehr. Dann Fatih Akin und Nikeata Thompson.

Sebastian Krumbiegel: Ich werde Eko Fresh nochmal in den Hintergrund treten. Richtig, lieber Echo, wenn du das hörst. Genau,

Minh-Khai Phan-Thi: Hans Sarpei wird dabei sein. Also, es ist einfach total schön. Ich bin keine Journalistin, ich bin ein Mensch, der... Genauso betroffen ist. Und ich glaube, es wird ein Gespräch, was ein bisschen anders ist. Und darum geht es.

Joël Kaczmarek: Also, wir haben ja jetzt schon zahlreiche gute Gründe, über dort einzuschalten, neben dir. Aber was war deine Motivation, dieses Medium zu wählen? Ich bin ja immer vergeblich dabei, Künstler zu fragen, ob sie eine geschäftliche Strategie haben. Sebastian belächelt mich immer. Aber dir traue ich das zu. Also verfolgst Du damit auch irgendwie ein Ziel? Hast Du Dir irgendwie, oder hat dich das gefunden? Wie kam das zu dir?

Minh-Khai Phan-Thi: Ja, also, es kam deswegen zu mir, also. Ich habe ja sehr, sehr lange nur noch gespielt und hatte irgendwann wieder den Wunsch zu moderieren. Und im Fernsehen geben Sie dir ja keine Chance, ein langes Format zu machen. Also ein Gespräch zwischen zwei Menschen ist ja total out, das macht keiner mehr. Da gibt es keine Einschlagquote. 1,30, zack, Ganz schnell. Richtig, genau. Darüber haben wir auch gesprochen, dass du einfach nur noch, oder wenn du in irgendeiner Talkshow sitzt, hast du acht Minuten. Und ich finde das Medium Podcast Total toll, weil das ist was Uneidliches. Und es ist nur das gesprochene Wort. Und es macht auch, was ganz anderes mit dir, als wenn du den Menschen siehst. Und deswegen auch durch den Rechtsruck und durch das Erstarken der AfD habe ich immer schon gesagt, ich muss was dagegen machen, es geht nicht. Ich muss mit Menschen reden, ich muss wieder Menschen erreichen. Ich spüre das selber, den Rechtsruck. Also, ich bin hier im bürgerlichen Charlottenburg schon echt richtig hart angemacht worden, Weil die Leute eine Stimme bekommen haben, weil es normal ist. Und ja, ich kann doch mal sagen, was ich denke. Und das hat mich... Sehr nachdenklich gemacht und deswegen wollte ich das unbedingt machen, schon vor der Corona-Krise Und dann wurde ich ein bisschen ausgebremst, Aber jetzt mache ich das und ich finde das total schön. Guck mal, so, wie wir jetzt reden, Dieses Medium hast du nirgendwo mehr. Weder im Radio noch irgendwo anders. Oder es wird ein Bericht über dich gemacht. Aber das ist dann auch nur eine halbe Stunde. Hier, Wir haben kein Limit. Das ist ja auch das Geheimnis der Streaming-Dienste. Die haben ja auch unsere Fernsehwelt verändert, weil früher war es so, 45 Minuten, 60 Minuten, 90 Minuten. Und drunter oder drüber geht es nicht. Und die Streaming-Dienste haben gesagt, ich mache meine Serie halbe Stunde oder 50 Minuten. Also Du hast einfach keine Limits mehr. Und Podcast finde ich ein ganz tolles Medium.

Joël Kaczmarek: Ich glaube, was interessant daran ist, was ich immer wieder merke, Wenn man nicht in den Schuhen anderer Menschen wandert, dann kann man nicht nachempfinden, wie es ihnen geht. Und das könnte ich mir bei deinem Konzept interessant vorstellen, dass eine Betroffene mit Betroffenen redet. Also, ich will jetzt nicht irgendwie deine sozusagen. Herkunftsfaktoren als eine Krankheit jetzt verstanden wissen im Sinne von Betroffenheit. Aber du erlebst, was, was manche Menschen nicht erleben. Genau. Und hast dann sozusagen, glaube ich, einen ganz anderen Zugang. Genau, genau.

Minh-Khai Phan-Thi: Und ich glaube, es ist auch anders, wenn man journalistisch rangeht. Ich gehe überhaupt nicht journalistisch ran. Das ist so wie jetzt hier. Man führt ein Gespräch, das ist was ganz anderes.

Sebastian Krumbiegel: Weil du gerade über Streaming-Dienste gesprochen hast, weil das natürlich auch unser Thema ist, Kunst trifft digital. Du hast vorhin, erzählt, dass du eine Serie jetzt auch machst, Die Barmherzigen. Wie verändert wirklich Sowas wie Netflix oder wie eben, ja, wie Streaming, auch, also unsere Musik? Als Musiker verändert es extrem. Inwiefern? Wir verkaufen keine Tonträger mehr. Und wir verdienen irgendwie da kein Geld mehr. Wir verdienen unser Geld, sozusagen auf der Straße. Wir verdienen, glaube ich, an einem Stream 0,003 Cent. Wahnsinn. Also Du brauchst wirklich erstmal, du musst irgendwie eine Million Streams haben, um, Ich glaube, 3000 Euro zu verdienen, wenn ich das richtig rechne. Und das ist schon irgendwie was anderes. Und ich will überhaupt nicht rumjammern. Es ist, wie es ist. Und die Welt dreht sich weiter. Und wir sind keine Maschinenstürmer. Wir versuchen, irgendwie mit der Zeit zu gehen. Und es hat ja auch alles die Herausforderungen, die uns auch fordern. Und die, wie gesagt, auch die Welt verändern. Dass heutzutage viele, gerade Hip-Hopper, eben keine ganzen Alben mehr rausbringen, Sondern dass Sie lieber irgendwie jede Woche, jeden Monat eine neue Single rausbringen. Die Formate ändern sich. Wir sehen uns immer noch Oldschool als Album-Band. Wie gesagt, wir bereiten gerade ein neues Album vor. Aber es verändert sich ja doch alles um uns rum. Und wir versuchen da schon mitzugehen. Wie ist das bei dir? Und wie ist das wirklich, Was jetzt Filmschaffende betrifft, WAS eben... Fernsehen, beziehungsweise eben, Früher war es ja immer so, Es gibt Theater, es gibt Fernsehen und es gibt Kino. Und Kino, richtig. Und heute gibt es eben noch dazu Streaming. Ja. Sorry für die lange Frage, aber wie verändert sich das bei dir?

Minh-Khai Phan-Thi: Genauso wie du es sagst, wie bei euch auch als Band. Es eröffnet neue Horizonte, Es verändert die Gagen, ganz klar, ins Negative. Aber es öffnet neue Wege. Und zwar, dass Geschichten auch erzählt werden, die vielleicht ein öffentlich-rechtlicher Sender sich nicht traut, zu erzählen, weil sie das ihren Zuschauern nicht zutrauen. Und das finde ich manchmal immer sehr. schade, weil ich immer sage, wieso traut Ihr euren Zuschauern das nicht zu? Da gibt es sehr viel Vorbehalte. Die müssen natürlich immer gucken, Die Rundfunkgelder, Wie geht man damit gut um? Und bla bla bla. Also die haben ganz andere Auflagen. Die Barmherzigen, Wir sind noch überhaupt nicht so weit. Wir sind jetzt gerade erst in der Entstehungsphase. Und es ist genau das, was du eben auch gerade beschrieben hast, weil es Streamingdienste gibt und so Serien wie 4Blocks, habe ich meine Chance gesehen, endlich meine Geschichte zu erzählen. Und zwar eigentlich. Über drei Schwestern kurz nach der Wende, die ins Zigarettengeschäft einsteigen müssen aufgrund des Alkoholkranken, Vaters und der Arbeitslosigkeit, die damals dann geherrscht hat nach der Wende, dass du nicht weißt, wie geht es jetzt weiter, wirst du abgeschoben, darfst du überhaupt da bleiben, Sie sind in der DDR groß geworden, Mauer fällt und es wird die deutsch-deutsche Geschichte aus Sicht der Vietnamesen, erzählt. Weil das ist ja das, was den Leuten nicht bewusst ist. Die Vietnamesen haben eine ähnliche Geschichte wie die Deutschen. In Vietnam herrschte eine Teilung. Es wurde wiedervereint, etwas früher als hier in Deutschland. Ein Teil der Vietnamesen, die aus dem Süden kommen, wie meine Eltern, sind in den Westen gegangen, und zwar legal, noch während des Krieges. Und der andere Teil wurde Nach der Wiedervereinigung, gab es Gastarbeiter in der DDR, Das waren die Nordvietnamesen. Und die Boat People sind die, die aus dem Süden geflüchtet sind, nachdem die Grenzen zu waren. Das heißt, In Deutschland leben drei verschiedene vietnamesische Gruppen. Und wir erzählen die Gruppen der Nordvietnamesen, die in der DDR groß geworden sind, die da als Gastarbeiter kommen sollten und dann quasi nach Mauerfall nicht wussten, Werden wir jetzt abgeschoben, werden wir zurück nach Vietnam gebracht und die eigentlich mit Vietnam gar nichts mehr am Hut haben, weil die ähnlich wie hier die Gastarbeiter hier groß geworden sind. Und ich erzähle die Geschichte, um es grob zu sagen, 4 Blocks, Aber aus der Sicht von drei Frauen, von drei Schwestern. Und das geht hin bis zu der heutigen Zeit, wo sie in das Schleusergeschäft. einsteigen, Was ein Wahnsinns Riesengeschäft ist. Ich meine, jetzt. Gerade wurden ja wieder 30 oder 40 Leute in einem Lkw in Großbritannien gefunden. Das sind ja auch Vietnamesen, die sozusagen eingeschleust wurden, um in verschiedenen Nagelstudios, Haschplantagen illegal zu arbeiten. Und wir erzählen diese Geschichte. Die Vietnamesen sind unfassbar verschwiegen, weshalb du sehr schwer bei der Recherche, also, es ist sehr schwer zu recherchieren, bis hin zu fast unmöglich.

Sebastian Krumbiegel: Warum? Weil sie Angst haben?

Minh-Khai Phan-Thi: Weil sie einfach nicht reden. Das ist ein Mentalitätsding. Genau, also der Richard Kropf und sein Team, Die haben 4 Blocks geschrieben und sie haben gesagt, bei den Arabern ist was ganz anders. Die sind immer sehr nach außen. Die erzählen gerne, hier, hier, guck mal, hier mein Auto, Und es ist immer so, hier, mein dicken Eier.

Sebastian Krumbiegel: Ey, du Rassistin, was erzählst du hier? Genau,

Minh-Khai Phan-Thi: die Vietnamesen reden einfach nicht. Du kommst nicht an Infos dran. Und ich bin auf die Zugetreten und habe gesagt, könnt ihr euch das vorstellen? Und sie haben eine große Chance darin auch gesehen, weil es gendermäßig drei Frauen sind und nicht immer nur Männer. Bei uns ist es offiziell zwar ein Patriarchat, aber die Frauen haben total das Sagen, Wir haben auch den Krieg gewonnen, sagt man in Vietnam. Und weil einfach er natürlich auch die Chance sieht, eine Geschichte zu erzählen durch mich. Weil ich zwar jetzt auch nicht an alle Infos komme, aber doch an mehr Infos und sehr viel Authentisches mitbringe. Und wir haben jetzt diese Geschichte kreiert.

Sebastian Krumbiegel: Habt Ihr schon einen Auftraggeber? Nein. Denkst du über Netflix nach?

Minh-Khai Phan-Thi: Ich denke natürlich über Netflix nach, weil es einfach eine großartige Chance ist, Geschichten zu erzählen, die sich öffentlich-rechtlich nicht trauen. Ich setze noch sehr auf meinen ZDF, weil ich ein ZDF-Gesicht bin. Wir wissen es noch nicht, an wen wir es verkaufen.

Sebastian Krumbiegel: Weißt du, woran ich gerade denken muss? Ich habe jetzt kürzlich gesehen. Diese Serie Unorthodox von der Maria Schrader. Genau. Und das fand ich so, also, ich krieg jetzt richtig Gänsehaut, wenn ich das sehe. Ja, ich liebe diese Serie. Weil das auch so ein Thema ist, das eigentlich so sperrig ist.

Minh-Khai Phan-Thi: Durch Schlüsselloch gucken. Ja,

Sebastian Krumbiegel: genau. Aber weil es eben, das ist eben nicht so ein Mainstream-Thema im ersten Moment. Genau, genau. Weil auch viel jüdisch gesprochen wird. Und weil du irgendwie, also die Story eben, Eine Jüdin flieht aus New York nach Deutschland, Weil sie mit ihrem orthodoxen Umfeld nicht mehr klarkommt und irgendwie ausbrechen will.

Joël Kaczmarek: Ich hab nur den Trailer gesehen.

Sebastian Krumbiegel: Richtig, also echt total zu empfehlen. Ganz toll, wirklich. Richtig, richtig gut.

Minh-Khai Phan-Thi: Und eine Frau als Macherin und Frauen, die das Drehbuch geschrieben haben, Die haben auch Deutschland 83 geschrieben. Es ist ganz toll. Ich habe das verschlungen.

Sebastian Krumbiegel: Verconnectet man sich eigentlich? Also, Kennst du Maria Schraderr? Ja,

Minh-Khai Phan-Thi: ich habe ihr geschrieben. Ich habe ihr gleich geschrieben und habe gesagt, ich bewundere dich total, weil sie ist ja auch Schauspielkollegin, wie du das umgesetzt hast. Ich habe gesagt, ich würde in zugegebener Zeit gerne auf sie zukommen, weil ich ein paar Fragen habe. Und es ist einfach so, dass Frauen im Filmbusiness ja völlig unterbesetzt sind, also die Macherinnen, Ich rede jetzt von Produzentinnen, Regisseurinnen, Kamerafrauen, Kameramännerinnen, genau. Und deswegen habe ich auch, Meine Geschichte spielt natürlich auch Welt. Ich eine der Hauptrollenspiele, aber weil ich eben auch gesagt habe, aus Frauensicht Dinge zu erzählen, ist was ganz anderes. Und da spielt ja auch eine Frau, die absolute Hauptrolle, aus ihrer Sicht, erzählt. Und es ist eigentlich genau wie unorthodox. Du guckst durchs Schlüsselloch in eine Welt, die dir sonst verborgen bleibt. Und es ist eigentlich fast genau dieselbe Geschichte. Deswegen war das für mich so ein, Oh toll. Weil ich genau parallel an so einer Geschichte sitze.

Sebastian Krumbiegel: Und ist es jetzt so, um nochmal hinter die Kulissen zu gucken? kurz. Wenn du jetzt Maria Schraderr diesbezüglich anfungst und sagst, hey, das und das und so und so, Ich kann mir ja vorstellen, wirklich rein inhaltlich, dass Sie dann sagt, Hey, geil, Minh-Khai Phan-Thi hat ein Thema. Und da möchte ich ja bei helfen. Oder ist es auch ein bisschen so, wie ich jetzt mal auch voll klischeebeladend sagen würde, wie es bei den Männern wäre, dass der eine sagt, Oh, jetzt, da kommt jemand, Der will mir Konkurrenz machen und den Kicke ich mal weg. Also, da ist jetzt mal eine sehr suggestive Frage, natürlich.

Minh-Khai Phan-Thi: Also, es gibt immer. Diese Menschen, Aber Maria ist eine Frau, die sofort geantwortet hat und gesagt hat, super gerne, Wir können uns gerne mal treffen.

Sebastian Krumbiegel: Grüß dich mal bitte, unbekannterweise, weil ich habe das so genossen. Ja,

Minh-Khai Phan-Thi: ich werde es ihr sagen. Es ist eine Frau-Frau, sage ich immer. ES GIBT ja, Frau-Frau, sage ich immer, das sind die Frauen, die Frauen mögen. Ich bin auch eine Frau-Frau und ich finde, genau, was du sagst, finde ich so wichtig, weil da muss ich jetzt nochmal auf ein ganz anderes Thema kommen, Aber ich habe ja 2015 bei Let's Dance mitgemacht und mit Massimo Sinató. Und der hat ja jetzt gerade erst gewonnen. Mit einer Frau, mit der wahnsinnig tollen Deli Paul Roncalli, die Tochter von dem Roncalli, Circus Roncalli. Und die ist mir schon aufgefallen, bei so einem anderen Format. Ich sage, was ist das für ein Wesen? Anfang 20, Wahnsinn, Was für ein tolles Mädchen. Und die hat gewonnen, und die hat jetzt, nach dem Sieg. Erst gesagt, dass sie wahnsinnig gehatet wurde im Netz. Und dass alle gesagt haben, du wirst als Frau nicht gewinnen, weil Frauen, und zwar nur Frauen haben das geschrieben, wie unsolidarisch. Deswegen ist deine Frage richtig? Und ich sage immer, es gibt die und die Frauen, und ich plädiere immer für Solidarität unter Frauen. Deswegen habe ich auch gesagt, ich schreibe einen Film für Frauen, also mit Frauen in der Hauptrolle, für Frauen. Und natürlich Am besten wäre es, wenn auch noch eine Frau Regie führt, Aber die muss natürlich auch mit dem, Das ist kein einfaches Thema tatsächlich, weil das auch eine ganz verborgene Welt ist. Und wir werden auch sehr viel vietnamesisch reden. Ich muss so nordvietnamesisch lernen, ist gar nicht so einfach. Ich spreche Süd. Ja, das ist mir total wichtig. Und ob wir das jemals verkauft bekommen, wissen wir nicht. Aber ich habe halt natürlich einer der tollsten Autoren an meiner Seite, und die sind halt natürlich gerade. Die sehr gehypten Autoren.

Sebastian Krumbiegel: Aber du hast dann auch ein bisschen das Gefühl, dass so eine Frau wie Maria Schraderr dir dann eben auch Türen öffnet und dir Wege ebnet und dir irgendwie…

Minh-Khai Phan-Thi: Also dadurch, dass sie Unorthodox gemacht hat. Und ich habe witzigerweise mit dem Produzent letztes Jahr einen Film parallel gedreht. Und mit dem bin ich auch im Gespräch für meinen Stoff. Es ist einfach so, dass das natürlich, Ich weiß es nicht, ob… Ob Maria das machen würde, aber allein, dass Sie sagt, frag mich alles, was du wissen, willst und brauchst, Das ist schon mal total viel wert.

Joël Kaczmarek: Und man muss ja dem geneigten Hörer auch mal sagen, Minh-Khai ist ja wirklich Networkerin. Par excellence. Ja, du ja auch wohl.

Minh-Khai Phan-Thi: Da nehmen wir uns beide ja wohl nichts. Wenn wir uns da irgendwann so hin und her geschoben haben. Ja, okay, die, kannst du der schreiben? Ja, mach ich.

Joël Kaczmarek: Ich finde sowas wichtig und toll. Ist doch geil,

Sebastian Krumbiegel: ist doch wunderbar. Ja, total. Das ist doch eine Gabe. Das zu können.

Joël Kaczmarek: Ja, weil ich merke das immer wieder, Viele Menschen denken, es gibt ja diesen schönen Spruch, Wissen ist das Einzige, was mehr wird, wenn man es teilt. Genau. Und ich finde, das ist mit Liebe und Kontakten auch so.

Minh-Khai Phan-Thi: Und ich finde ja auch, ich bin zum Beispiel jemand, die gerne Menschen zusammenbringt, obwohl das gar nichts mit mir zu tun hat, aber ich finde das toll.

Sebastian Krumbiegel: Das ist echt total interessant, weil das hat Joël genau wortlaut, wirklich. Hast du neulich, gestern hast du das zu mir gesagt. AcH, Mensch, Joël,

Minh-Khai Phan-Thi: WIR beide. Ja, aber ich finde, das hat ja ganz viel mit Großzügigkeit zu tun. Je großzügiger du bist, desto mehr kommt zurück. Und jetzt An meinem Podcast zum Beispiel arbeite ich mit jemandem zusammen, den kenne ich schon seit zehn Jahren, Das ist übrigens mein Tipppartner bei der Bundesliga. Der ist HSV-Fan und ich bin Hertha-Fan. Und wir tippen und immer derjenige, der am Ende der Saison gewonnen hat, muss den anderen zum Essen einladen. Und mit dem mache ich jetzt einen Podcast. Hätte ich niemals gedacht. Also ich glaube, so was kommt irgendwann immer in irgendeiner Form zurück. Und ja.

Joël Kaczmarek: Wie ist denn das in euren Geschäften? Das möchte ich noch wissen, weil Elcham gefragt hat, also du schreibst, was und willst es dann verkaufen. Wie sind da so die, Wie soll man sagen, Die Parteien gestrickt? Weil wir haben das damals von Susan Sideropoulos, da darf ich mich bei dir bedanken, Zum Thema Networking gehört, die meinte, ja, Früher gab es den Unterschied zwischen irgendwie Fernsehschauspieler und Filmschauspieler. Jetzt gibt es noch den Streamingschauspieler, Das kommt als Drittes hinzu. Das heißt, ist das so, dass die sozusagen so nach bestimmten Stoffen gucken, je nachdem, welches Medium es ist oder welche Art von Kanal. Oder ist das eigentlich alles so ein bisschen ähnlich? Also es macht einen Unterschied, ob du es jetzt an Arte, ZDF oder Netflix verkaufst? Ja,

Minh-Khai Phan-Thi: es macht wahrscheinlich deswegen einen Unterschied, weil wir sind ja jetzt in der Rohfassung. Wir haben jetzt zwölf Seiten, und dann kriegst du irgendwann einen Drehbuchauftrag. Und natürlich wird das ZDF es anders, erzählt. Erzählen wollen. Erzählen wollen als jetzt natürlich Netflix. Also, das ist auf jeden Fall ganz klar, dass es da Unterschiede gibt. Aber mir ist es wichtig, dass diese Geschichte erzählt wird und dass sie authentisch bleibt. Das ist das Wichtigste. Deswegen habe ich mich da auch so reingekniet und auch nicht nur zu, Ich bin nicht nur zu den Autoren hingegangen und gesagt, hier macht mal so, sondern ich habe mitgeschrieben.

Sebastian Krumbiegel: Und glaubst du, dass ZDF zum Beispiel als öffentlich-rechtlicher Sender mehr reinredet als Netflix, zum Beispiel?

Minh-Khai Phan-Thi: Auch wieder so aktiv gefragt? Es ist eine tricky question, WEIL einfach... Bei uns gibt es ja etwas, was in anderen Ländern nicht existiert, Und zwar der Redakteur. Und das kann... Wenn du einen Redakteur hast, der an deine Geschichte glaubt, toll sein, Aber es kann auch echt schwer sein. Und das hast du bei Netflix nicht. Also so ein Redakteur. Das gibt es tatsächlich, Das ist eine Einzigartigkeit hier, die es manchmal schwer macht und manchmal leicht.

Sebastian Krumbiegel: Und ist es eher so, dass so etwas wie Netflix, dass die eher auf Masse gehen? sozusagen? Eher auf, Wir hauen jetzt hier ganz viel raus und checken, was davon funktioniert. Und das bei öffentlich-rechtlichen Sendern. doch. vorher, viel länger vorher ausgesiebt wird?

Minh-Khai Phan-Thi: Auf jeden Fall. Also, es ist so, dass zum Beispiel Amazon, Da wäre mein Stoff, den wäre das zu klein. Die wollen immer einen Bestseller haben, aus dem, wo sie auch noch Bücher verkaufen können. Und daraus werden dann Filme gemacht. Also ein unorthodox, hätte wahrscheinlich auf Amazon auch nicht so gut funktioniert. Die haben ganz klare Vorgaben. Also Sky hat andere Vorgaben als Netflix. Das ist, Ich fuchs mich da auch erst gerade rein. tatsächlich. Ich finde es total spannend. Netflix ist natürlich eine Plattform wie Spotify, Da hast du Möglichkeiten, aber du kannst da auch voll untergehen. Ich meine, die haben einen wahnsinnigen Zuwachs, weiß man ja, jetzt durch Corona? Und jeder lobt natürlich Netflix in den Himmel, Aber es kann natürlich Fluch und Segen zugleich sein, So wie alles. Aber ich glaube, es ist gut, dass es das gibt, weil ARD und ZDF sich dadurch auch viel bewegen mussten. Und ich finde auch, dass sie sich in eine richtige Richtung bewegen, weil Sie haben es leider verpasst, mit ihren Mediatheken genau das zu tun, was Sie jetzt machen, erst. Mit der Mediathek eine unglaubliche Macht, dass sie einfach Filme schon im Voraus zeigen, dass sie es am Stück zeigen. Und die haben damals nicht an das Thema Mediathek geglaubt, das haben Sie ja selber zugegeben. Und dann kamen die Streaming-Deans und plötzlich mussten sie nachziehen. Und das ist für uns Schauspieler und für uns Kreative eine Wahnsinnschance, weil wir dadurch auch anders, Bad Banks zum Beispiel war ein reines Mediathek-Thema. Das war nicht am Anfang fürs große Fernsehen gedacht und die sind durch die Decke gegangen. Und da konntest du auch alle Folgen auf einmal gucken. Und dann haben sie es erst im Öffentlich-Rechtlichen gezeigt, das wäre früher unmöglich gewesen. Weil sie auch verstanden haben, dass wir Menschen nicht mehr um 20.15 Uhr den Fernseher einschalten, sondern Halt. Vielleicht erst um 21 Uhr oder erst drei Tage später. Und ja, das hat es verändert.

Joël Kaczmarek: Ja, man staunt ja trotzdem. Also mir geht es ja, so, Ich finde auf Netflix gar nicht so viel so gut. Also manchmal merkt man ja auch, das steigert sich. Es gibt dann so ein House of Cards, ein Stranger Things, Das sind sozusagen, so die wirklichen Blockbuster-Serie. Aber es kommt danach lange eigentlich nichts. DAS IST so... Also, eigentlich ist es ganz interessant, dass so ein Mythos sich dann auch selbst befüttert.

Minh-Khai Phan-Thi: Das stimmt. Übrigens, was ich euch ans Herz legen kann, ist The Last Dance. Die Dokumentation über Jordan. Und es ist echt so, auch wenn du kein Basketballfan bist, Also, ich bin einer, aber auch wenn du keiner bist, Ich habe mich durch zehn Folgen geheult. Es war echt wirklich, der ist ein so besessener, einsamer, Talentierter

Sebastian Krumbiegel: Freak. Olli Schulz hat davon geschwärmt. Ich habe das bei Schulz und Böhmermann Fest & Flauschig gehört. Und er hat auch gesagt, er ist eigentlich nicht so. Basketball-Besess. Ich glaube, wenn ich es nicht erinnert habe. Auf jeden Fall, Er hat auch davon genau gesagt, selbst, wenn du kein Basketball-Fan bist, ja,

Minh-Khai Phan-Thi: werde ich mir dann mal reinziehen. Ich glaube, wir haben so denselben Geschmack. Ich glaube, du wirst nicht mehr aufhören können. Klar, die Basketball-Szenen, da wird man, glaube ich, ein bisschen abschalten, wenn man sich mit der Sportart nicht so gut auskennt. Aber diese Art und Weise, du guckst es ja gerade, Wie Jordan mit seinem eigenen Ehrgeiz, gefangen ist in seinem eigenen Ehrgeiz, Das ist Wahnsinn. Also, ich habe diese, ich habe es aufgefressen. Ich habe gedacht,

Joël Kaczmarek: dass der eigentlich depressiv sein muss. mittlerweile. Naja,

Minh-Khai Phan-Thi: Siehst du ja auch. Also, der hat ja ganz schön gelbe Augen, also seine Leber sieht nicht gut aus. Der sitzt ja da auch mit seinem Whisky-Glas, ist mal voll, mal leer, mal voll, mal leer. Und ich finde das natürlich wahnsinnig gut, recherchiert. Ich habe selber Dokumentarfilme gemacht. Ich weiß, was das für ein Aufwand ist. Ich finde das unfassbar gut recherchiert und die haben es auch schlau gemacht. Die haben ihn in so einen leeren Raum gesetzt, einen sehr großen, leeren Raum, zum Teil für die Interviews. Und ich finde das da ganz viel bildsprachenmäßig, Da kommt wieder die Regisseurin durch, weil das ist total Schlau gemacht, weil das zeigt einfach, wie Einsam, der auch ist. Das ist ein ganz einsamer Mensch, weil der nirgendwo hingehen kann, ohne diesen Hype um diesen Menschen. Wahnsinn.

Joël Kaczmarek: Komischerweise musste ich an den denken, als du vorhin vom MediaMarkt erzählt. hast, vom Elektronikfachmarkt, wo du deine Bilder gesehen hast. Weil das ist mir hängen geblieben, der war in Frankreich, gibt so eine Szene und dann kommt die andere und will ein Autogramm haben. Und dann guckt er den nicht mal an, der dreht sich dem nicht mal zu. Und dann sagt er, gehen Sie mal, bitte weg hierher, Jordan hat jetzt auf Sowas keinen Bock. Also, da habe ich so gedacht, wie muss ich das anfühlen, wenn du sozusagen... Und die haben auch, erzählt, Nike hat mit ihm seinen Deal gemacht. Eigentlich war Converse damals so, King of the Kotelett.

Minh-Khai Phan-Thi: Er wollte zu Adidas. Die werden sich bis heute in den Arsch beißen.

Sebastian Krumbiegel: Puma ist auch noch zu erwähnen.

Minh-Khai Phan-Thi: Ja,

Joël Kaczmarek: aber das Krasse war ja, dass die gesagt haben, Nike war damals eine kleine Nummer. Genau. Und dann haben die gesagt, die machen mit ihm einen Deal, Der kriegt das Doppelte von dem, was normal war, damals. Und das war echt wenig, 250.000 Dollar pro Jahr. Ja, ja. Da lacht man ja heute drüber. Genau. Und dann haben die gesagt, wir wollen in drei Jahren drei Millionen Schuhe verkaufen. Schätzt mal, wie viel sie in einem Jahr verkauft haben.

Sebastian Krumbiegel: Naja. Sag mal.

Joël Kaczmarek: 125 Millionen paar Schuhe.

Minh-Khai Phan-Thi: Da kam die Nike Air her. Und was ich aber geil finde, Er musste auf seine Mutter hören, weil seine Mama hat gesagt, du gehst da hin. Und da habe ich gesagt, siehst du, hör einfach nur auf die Mami. Die Mami weiß es besser.

Joël Kaczmarek: Ja, stimmt. Gut, vielleicht mal, so als kleines abschließendes Thema noch. Wie bist du eigentlich so von den sozialen Medien her? aufgestellt? Also, du machst jetzt so ganz viele kreative Dinge und was wir jetzt auch bei Netflix herausgehört haben, ist, man muss gucken, wo man bleibt. Am Ende des Tages geht es um Eyeballs, wie so Facebook sagt. Sprich, selbst wenn du jetzt bei Netflix bist, musst du es schaffen, gesehen zu werden. Wie ist das bei dir? Was machst du im Bereich Social Media, um gesehen zu werden als Medienpersönlichkeit?

Minh-Khai Phan-Thi: Also, ich habe das total unterschätzt, muss ich wirklich sagen. Also Facebook war ich ganz, ganz spät. Da war Facebook schon jahrelang auf dem Markt. Ich habe gesagt, krass. Facebook mache ich nicht. Dann habe ich irgendwann damit angefangen, kann ich nicht mal aufhören. Und Instagram habe ich komplett unterschätzt. Bin eine leidenschaftliche Instagramerin geworden. Ich habe erst vor drei Jahren, glaube ich, Instagram entdeckt für mich. Ich hätte es eigentlich zu den Zeiten von Let's Dance machen sollen, wäre mein Instagram wahrscheinlich durch die Decke gegangen. Nee, weil ich gesagt habe, was soll das denn? Jetzt noch, jetzt neben Facebook auch noch Instagram. Tatsächlich merke ich, Die direkte Kommunikation mit den Fans macht mir Spaß. Früher haben wir immer noch. Post bekommen, unterschrieben, körperweise. Und ich habe gesagt, das reicht. Aber mittlerweile muss ich sagen, komme ich ohne dem überhaupt nicht mehr aus und verstehe auch die Wichtigkeit. Das Einzige, was ich versuche, nicht zu machen, Ich versuche nicht, die Leute komplett zuzumüllen, Jeden Tag mit irgendwelchen Selfies. Ich versuche, das schon immer so zu machen, dass es Sinn. macht.

Sebastian Krumbiegel: Und kannst Du sagen, wie viel Zeit du da täglich damit verbringst, ungefähr?

Minh-Khai Phan-Thi: Also ich versuche nicht jeden Tag, was zu posten, sondern nur, wenn ich wirklich was habe. Oder auch mit Antworten,

Sebastian Krumbiegel: weil du sagst, du kommunizierst mit den Leuten.

Minh-Khai Phan-Thi: Also meine digitale Zeit auf Instagram ist auf jeden Fall die Längste neben WhatsApp, Weil ich halt viel gucke. Genau,

Sebastian Krumbiegel: du kannst ja bei deiner Bildschirmzeit auf deinem Smartphone genau gucken, wie lange warst du, wo. Genau.

Minh-Khai Phan-Thi: Und leider ist Instagram immer ganz oben dabei neben WhatsApp.

Sebastian Krumbiegel: Wie lange ungefähr?

Minh-Khai Phan-Thi: Das müsste ich mal nachgucken. Manchmal ist es 50 Minuten, wenn ich drehe, länger. Weil dann ist mir langweilig, kennst Du es ja, diese Wartezeiten, dann hängst. Du halt die ganze Zeit auf Instagram zu und dann machst du auch 5000 Fotos. Und dann überlegst du dir zehnmal, willst du das wirklich? Jetzt? posten? Ich habe Storys ganz spät auch entdeckt.

Joël Kaczmarek: Verstanden, verstehe ich manchmal bis heute nicht, was man davon gewinnt. Ja,

Minh-Khai Phan-Thi: aber es gibt Leute, die gucken nur Storys an. Ich finde es irgendwie gut, dass es nach 24 Stunden Weg ist. Finde ich, irgendwie hat auch was. Aber ich bin jetzt nicht so ein wahnsinniger Profi, ich fuchs mich da immer mehr rein. Aber ich bin da immer noch manchmal sehr, sehr unbedarft. Aber ich finde nur, was mich immer ein bisschen erschreckt ist, wenn ich ein Selfie von mir mache, kriege ich mehr Feedback, als wenn ich jetzt zum Beispiel irgendwas Sinnvolles, politisches, schreibe. Da kriegst du dann immer so ein paar Kommentare und bei dem anderen, Da merkst du halt, da geht's halt voll ab. Das finde ich manchmal ein bisschen schade. Tja,

Sebastian Krumbiegel: Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte.

Minh-Khai Phan-Thi: Richtig, aber nur, wenn du selber drauf bist. Also jetzt jedes Mal von mir ein Foto zu machen. Aber jetzt würde ich nach unserem Gespräch natürlich auch ein Foto machen. Und ich verstehe auch, das hat ja auch etwas mit Teilnehmen am Leben zu tun. Tabu sind Kinder. Mein Partner mag es überhaupt nicht. Das verstehe ich auch. Ich sage immer, ich bin gerne persönlich, aber nicht privat.

Sebastian Krumbiegel: Ah ja, sehr gut. Ja,

Joël Kaczmarek: Man lernt hier manchmal so gute Sätze. Das ist wie von Gregor Gysi, der gesagt hat, Ich bin nicht populistisch, aber ich will populär sein. Ja,

Minh-Khai Phan-Thi: sehr gut. Ja, genau. Deswegen, Kinder sind komplett tabu. Sieht man bei mir nicht von vorne. Und ich verstehe auch diese Übervermarktung von Kindern nicht.

Sebastian Krumbiegel: Wir hatten ja das Thema mit Kim Gloss und Ina Aogo, mit den beiden Influencerinnen. Und also erstmal, Ich habe da richtig viel gelernt und habe auch echt extrem viele Vorurteile abgebaut.

Minh-Khai Phan-Thi: Welche denn zum Beispiel?

Sebastian Krumbiegel: Dass es eben nicht irgendwelche blonden Schicksals sind, die irgendwie nichts zu erzählen haben, Sondern, dass sie durchaus was zu erzählen haben und dass die vor allem auch ernsthaft reflektiert sind. Aber bei dem Thema Privat und Kinder, Da waren wir meilenweit auseinander, weil sie eben sagen, das gehört zu mir. Und dann haben wir gleichzeitig auch darüber gesprochen, wie das auch missbraucht werden kann. Oder wie man eben da auch sich selbst angreifbar macht. Und wie man eben dadurch, dass man die Kinder in die Öffentlichkeit zerrt, sag ich jetzt mal, so böse, dass man sie damit auch gefährdet, ja?

Minh-Khai Phan-Thi: Ja, nicht nur das, sondern die Kinder werden gar nicht gefragt, ob Sie das wollen. Also zum Beispiel Mein Sohn, mein Großer, Der durfte jetzt erst mit fast 15 Instagram installieren. Und ich finde das eben, der ist sehr… Zurückhaltend. Und der will das nicht. Und wenn ich ihn jetzt von Klein auf an immer sozusagen nach vorne gestellt hätte, der hätte mir wahrscheinlich jetzt gesagt, du hast mich niemals gefragt. Das finde ich eben eine schwierige Grenze, weil nur, weil ich diesen Job gewählt habe, sehe ich ja meinen Mann, der Hasst alles, was mit Social Media zu tun hat, Der arbeitet im Management von Alba Berlin, Der weiß, dass es wichtig ist, Aber er selber benutzt es nicht so gerne. Ich finde, man muss jemanden fragen können, ob er das will. Und wenn er irgendwann, wenn mein Sohn, mein Großer, der Kalani, Irgendwann beschließt, es zu wollen, dann ist es was anderes. Aber der hätte das als Kind nicht gewollt. Nein,

Joël Kaczmarek: der wird mal Modehersteller. Kalani, Das klingt wie so ein Angriff.

Minh-Khai Phan-Thi: Genau. Nicht mal Karl Lagerfeld, nicht mal Armani, sondern Kalani. Genau. Das klingt gut. Das klingt gut.

Joël Kaczmarek: Aber da muss ich ja jetzt noch mal ein kleines Postscriptum in Sachen Sport mit dir machen. Also, was ja, viele, glaube ich, über dich, auch gar nicht so wissen. Ich glaube, du spielst auch Basketball, hast du mir mal, erzählt, richtig? Nee,

Minh-Khai Phan-Thi: ich spiele nicht, ich gucke. Du guckst. Ich bin leider eine ganz schlechte Ball... Tante, Ich habe gar kein Gefühl dafür, aber ich bin eine leidenschaftliche Guckerin und ein richtiger Nerd. Also, ich fuchse mich dann richtig rein. Ich habe eine Zeit lang, immer Kicker und elf Freunde und Sportbild. Also die Bild selber nicht, aber Sportbild. Und es ist echt lustig, weil ich hatte manchmal so mit Kollegen, saß neben mir, haben die Bunte gelesen. Lese ich auch, so ist es nicht. Aber ich habe dann immer meine Sportzeitung da gehabt und in der Zeit war ich richtig fanatisch. Also deswegen, Dennis Aogo ist mir natürlich nicht nur so ein Begriff. Und dann, Wenn da Freundinnen neben mir sitzen, dann sage ich, Oh nee, das geht gar nicht. Also, ich bin, wenn ich ins Stadion gehe, am liebsten alleine oder mit jemand, der Ahnung hat. Oder er hält den Mund. Aber er darf auf keinen Fall mit mir über Aussehen reden. Da kriege ich gleich einen Hals.

Sebastian Krumbiegel: Und hast du gestern Natürlich.

Minh-Khai Phan-Thi: Und ich habe 2-2 getippt. Ja, ich habe zweimal auf Sieg Hertha, weil ich weiß ja, was Labbadia kann. Hammer. Und ich habe gestern auf 2-2 getippt und meinen Tipp Tipppartner, der kotzt. Der schickt mich jedes Mal, so Kotzzeichen, weil er immer das Gegenteil getippt hat. Weil bei uns geht's Ja, darum, wer zuerst tippt. Der andere darf nicht denselben Tipp. Also, wenn er 3-1 tippt, darf ich jetzt nicht. 2-1 tippen. Ich muss unentschieden. Oder auch... Deswegen geht es immer darum, Und er guckt sich immer die Pressekonferenzen an. Und ich sage, nee, nee, ich tippe aus dem Bauch heraus. Und jetzt kriegt er die Krise, das auch noch gegen Leipzig, dass die Hertha gewonnen hat.

Joël Kaczmarek: Unentschieden?

Minh-Khai Phan-Thi: Äh, unentschieden, entschuldige. Gegen die anderen zwei, genau.

Joël Kaczmarek: Ich war ganz happy, weil...

Sebastian Krumbiegel: Aber gefühlt gewonnen.

Minh-Khai Phan-Thi: Gefühlt gewonnen, ja, das stimmt. Ja, klar. Gefühlt gewonnen.

Joël Kaczmarek: Aber nee, das müssen wir mal ganz kurz vertiefen. Also dein Mann ist irgendwie bei Alba im Management, und du bist ja bei Hertha aktiv. Also, wir haben auch schon festgestellt, du und ich, Wir sind beide Masochisten, das kann man nur sein. Ja, das stimmt. Bis dato, ja? Ja, das stimmt. Jetzt geht es vielleicht hoch. Genau. Was machst du da?

Minh-Khai Phan-Thi: Also ich sitze in der Hertha Stiftung. Die kümmert sich ja vor allen Dingen auch um das Thema Integration und Kiezkicker. Und es ist, sage ich immer, Die moralische Instanz der Hertha. Und das stimmt, Man muss sehr masochistisch veranlagt sein. Wenn man Hertha-Fan ist, Weil zwei Abstiege, Ich habe einen Wiederaufstieg auch moderiert, stand damals, Das war das Allerschlimmste, Da ist auch noch Bayern, Mein Hassverein, Meister geworden bei der Hertha. Und dann war der Stadionsprecher da und hat dann auch diese Stimme. Von diesem Stadionsprecher, kriege ich schon echt schlechte Laune. Und da habe ich vor der Ostkurve gesprochen und habe gesagt, wir schaffen den Wiederaufstieg nach einer Saison. Das habe ich nie vergessen, das war echt ein Wahnsinnsgefühl. Und mein Halbes, anderes Herz, schlägt ja sehr für Dortmund. Ich liebe ja so Geschichten, fast Pleite, dann wieder, Weißt du, wie Phoenix aus der Asche? Und dann natürlich durchkloppt. Natürlich war das die schönste Ära. Und dann bin ich natürlich ein sehr großer Basketballfan. Also, ich bin sehr, sehr, sehr viel in der Halle und habe diesen Sport sehr geliebt. Aber er ist frustrierend, weil der so schnell ist. Und wenn du nicht selber spielst, siehst du manchmal nicht, wenn es ein Foul ist. Also mein Mann und mein Sohn, die ja beide spielen, sehen immer sofort, warum es ein Foul ist. Und ich musste mich da sehr reinfuchsen. Aber meine Leidenschaft geht schon so weit, dass mein Mann echt genervt ist, weil ich fast jedes Spiel gucke. Und zwar von jeder Mannschaft. Und er kriegt schon immer so einen Hals und sagt, ja, das musst du aber auch nicht übertreiben. Aber ich bin halt so jemand, ich möchte ein Spiel verstehen. Und deswegen habe ich mich jetzt auf zwei Sportarten. Also, ich könnte jetzt nicht noch eine dritte gucken.

Joël Kaczmarek: Ja, das ist aber auch meine Weile. Ich habe Basketball gespielt als Jugendlicher und dann Fußball.

Minh-Khai Phan-Thi: Point Guard, oder?

Joël Kaczmarek: Eigentlicherweise wusste ich die Position gar nicht, aber ja, ich war so ein klassischer Aufbauspieler. Ja, würde ich auch sagen.

Minh-Khai Phan-Thi: Oder ein Shooter.

Joël Kaczmarek: Und irgendwann trennt sich die Spreu vom Weizen, weil dann die Größe kommt. City Basket war... Ne, Erst BSC und dann wurde von City Basket gekauft. Ja, ja, kenn ich. Von daher, Ich kenn das. Und ich mein, das ist ja auch was Amouröses. Also ich erinnere mich noch, Hertha BSC gegen den 1. FC Kaiserslautern, 2. Liga, ausverkauft. 80.000 Leute, Axel Kruse schießt 1-0 und Es ist 2-0, weiß ich nicht mehr. Wir haben 2-0 gewonnen. Flog ja die Decke weg. Und dann sind beide aufgestiegen und Kaiserslautern ist Straight Meister geworden.

Minh-Khai Phan-Thi: Das waren noch Zeiten,

Sebastian Krumbiegel: ne? Jetzt geht das nicht mehr.

Minh-Khai Phan-Thi: Und jetzt wird Bayern wieder Meister. Das ist für mich, Also vorgestern das Spiel, Danach habe ich den Fernseher ausgemacht und gesagt, jetzt reicht es