
Susan Sideropoulos: Klein, aber oho! - eine Schauspielkarriere
22. Juli 2020, mit Joël Kaczmarek, Sebastian Krumbiegel
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Sebastian Krumbiegel: Kunst trifft digital, der Podcast.
Joël Kaczmarek: Liebe, Freunde und Freundinnen der guten Unterhaltung, Wir geben immer hier unser Bestes, um euch spannende Leute ranzuholen. Mit spannenden Themen. Aber auch wir sind auf euch angewiesen, denn wir brauchen zum Beispiel tolle 5-Sterne-Bewertung. Am liebsten mit Super Rezensionen, Zum Beispiel bei iTunes, aber auch bei anderen Podcast.
Sebastian Krumbiegel: Wenn ihr guten Geschmack habt. Und wir sind davon überzeugt, dass ihr den besten Geschmack der Welt habt, empfehlt uns weiter, hört uns an. Wir haben eine Menge zu sagen. Natürlich wie immer der gute Spruch, glaubt Nicht alles, was ihr hört.
Joël Kaczmarek: Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Folge. Kunst trifft digital von digitalkompakt. Mein Name ist Joël Kaczmarek. Und wie immer an meiner Seite der charmante Sebastian Krumbiegel. Hallo Sebastian.
Sebastian Krumbiegel: Moin, Ich grüße dich.
Joël Kaczmarek: So und heute geht es in die Welt der Schauspielerei. Es wird auch ganz viel im Bereich Social Media dabei sein und natürlich Moderation. Denn wir haben eine ganz spannende Persönlichkeit hier, die man aus den Medien kennt, die, glaube ich, gefühlt, so ein bisschen allgegenwärtig ist. Also, ich würde behaupten, jeder kennt die irgendwie, wenn man, also zumindest jeder Zweite mindestens.
Sebastian Krumbiegel: Schon mal gesehen, so mindestens. Und mehr als das würde ich sogar auch sagen.
Joël Kaczmarek: Glaube ich auch. Und mit ihr wollen wir darüber reden. Also, es ist eine Dame, so viel merkt man schon. Wie denn das Mediengeschäft? So funktioniert, wie die Schauspielerei gerade im TV-Bereich Auch funktioniert. Und nach hinten raus natürlich auch ein bisschen was über Social Media. Und wenn nichts schief geht, reden wir auch ein bisschen über Kulturdinge rund um das schöne Land. Israel. Liebe Susan, jetzt muss ich den Namen erstmal, den Nachnamen üben. Liebe Susan Sideropoulos. Es irritiert gerade von mir selber, dass ich über Israel Rede und dann einen griechischen Nachnamen ausspreche.
Susan Sideropoulos: Das irritiert alle. Aber um es in Stefan Raabs Worten zu sagen, es war nämlich total lustig bei Schlag den Raab, Da war mal so ein Quiz, wo dann so Promis aufpoppen. Und dann kam mein Bild, Ich werde es nie vergessen. Und er sagt. Ich kenne die, ich kenne die. Ich weiß nicht, ich kenne niemanden von dieser Serie, aber die kenne ich, Die hat so einen griechischen Namen. Ja, das war sehr lustig. Also, Sideropoulos ist es.
Joël Kaczmarek: Genau. Schön, dass Du da bist. Herzlich willkommen.
Susan Sideropoulos: Dankeschön.
Joël Kaczmarek: Es ist auch ganz lustig, Man beließt sich ja vor seinen Podcast und bei dir ist es mir immer so ergangen, irgendwie, ich kenne dich. Und du bist bei mir aber auch irgendwie gar nicht. Krass aufgeladen mit irgendeiner Richtung, Sondern du bist für mich irgendwie auch so offen für alles. Also Du stehst für mich ganz viel so für Medienarbeit, für irgendwie Schauspielerei, für irgendwie Weltoffenheit. Wie siehst du dich denn selber eigentlich, wenn du dich jemandem beschreiben müsstest, den ich noch nicht kenne?
Susan Sideropoulos: Ja, also, ich würde mich auch in dem Allround-Thema beschreiben. Also in erster Linie bin ich Schauspielerin und Moderatorin, Weil ich das, denke, ich mal, am meisten gemacht habe. In den letzten 20 Jahren. Und weil ich aber einfach das TV-Leben liebe und mich überall ein bisschen zu Hause fühle, hatte ich irgendwie das Glück, dass ich in ganz vielen Formaten dabei sein durfte. In Spiele-Shows, in Quiz-Shows, bei Let's Dance, letztes Jahr bei The Masked Singer. Irgendwie freue ich mich darüber und das liegt vielleicht daran, dass man sich ein bisschen breit bewegt hat und die Leute etwas mit dem Namen anfangen können. Und sagen, Ah, ja, doch, die kenne ich. Von da und dort. Und deswegen freue ich mich, dass ich da überall ein bisschen vorbeikommen kann.
Sebastian Krumbiegel: Wo fühlst du dich am meisten zu Hause, wenn ich mal fragen darf? Eher auf der Theaterbühne, eher auf der Fernsehbühne? Wenn auf der Fernsehbühne, auf welcher Fernsehbühne?
Susan Sideropoulos: Ich will mich gar nicht so festlegen. Also, ich finde das immer so auch ein bisschen schade. In Deutschland habe ich immer das Gefühl, da muss man sich so ein bisschen festlegen. Und die Leute wollen einen immer so gerne in eine Schublade reinpacken. In Amerika ist das ja ein bisschen anders. Da irgendwie singt und tanzt und schauspielt jeder querbeet. Und hier ist es alles so ein bisschen festgefahren. Und ich möchte das gerne aufbrechen und sagen, ich fühle mich sowohl vor der TV-Kamera wohl, als auch auf der großen Bühne. Und ich moderiere gerne, und ich liebe Shows, und ich mag spiele, und ich singe gerne und tanze gerne. Und ursprünglich komme ich ja vom Musical. Und ich glaube, das vereint es alles. Und deswegen freue ich mich, dass ich alles machen kann.
Joël Kaczmarek: Ich habe auch gerade gedacht, du hast ja an der Hamburger Stage School quasi gelernt. Und Stage ist ja dann so ein bisschen, was dich dann verbindet wahrscheinlich. Also, die Bühne ist quasi deins, lerne ich.
Susan Sideropoulos: Die Bühne ist meins schon immer gewesen. Ich glaube, ich konnte es damals noch nicht so klar formulieren als Sechsjährige, Aber ich habe immer gesagt, wenn ich groß bin, werde ich Superstar. Und, ähm. Yeah, das kenn ich,
Sebastian Krumbiegel: das kenn ich.
Susan Sideropoulos: Ja, ich glaube, dann ist man doch auf einem ganz guten Weg. Und meine Eltern haben das irgendwie total unterstützt und haben da mein Potenzial gesehen. Und mein Wunsch und mein Feuer und mein Traum. Und es ging nur in die eine Richtung. Und ja, so der Klassiker, wenn so drei Gäste bei meinen Eltern zu Hause waren, war so, setzt euch alle hin. Ich sing jetzt was, und dann tanze ich was und führe was auf und kündige mich selber an. Und so ist es geblieben.
Joël Kaczmarek: Und wie hast du dann den Schritt in die Medienwelt geschafft? Also ich glaube, es ist klar, GZSZZ war bei Dir irgendwie ein super relevanter Karriereteil. Das ist, glaube ich, auch, wovon die meisten Dich am längsten und Intensivsten kennen. Aber wie hat das für dich alles begonnen?
Susan Sideropoulos: Genau, Ich war mit 16 schon an der Stage School, also jüngst in meinem Jahrgang und war mit 19. Dann ja schon fertig mit meiner Ausbildung, was früh war und ziemlich cool, weil ich dann direkt schon anfangen konnte, zu arbeiten. Das war auch mein Ziel. Im Ganzen, ja, meinen Eltern immer gesagt, was soll ich, das Abitur machen, Ich will doch sowieso auf die Bühne.
Sebastian Krumbiegel: Voll überschätzt.
Susan Sideropoulos: Brauche ich nicht. Und genau, dann war ich mit 19, hatte ich schon mein erstes Engagement am Theater. Und habe ein Jahr lang eine Hauptrolle in einem Musical gespielt und war währenddessen schon bei ganz vielen Castings, unter anderem eben bei GZSZZ, Das hat geklappt. Und dann bin ich mit 20 nach Berlin und dann war ich dort zehn Jahre. Und irgendwie ging es alles ganz reibungslos ineinander über.
Joël Kaczmarek: Was lernt man auf so einer Musicalschule? Also, ich habe mal in meinem Studium, ich habe ja so Medienwissenschaften und Sowas studiert, hatte ich mal so einen Theaterkurs, und dann gab es so ganz lustige Sachen mit, ja, Stell dir vor, Du stehst in der Fußgängerzone und jetzt musst du irgendwie ein Lied singen. Oder irgendwie mach eine Glocke nach oder ganz abstrakte Sachen, manchmal. Ist das manchmal so ein bisschen Ballerballer, wie man sich das von außen vorstellt?
Susan Sideropoulos: Ja, absolut. Also Ich mit 16 dachte, ich bin einfach im Film, Fame, Flashdance. Ich war irgendwie so, yeah, wie cool ist das denn? Ich singe und tanze, während meine Freunde irgendwie in der Schule sitzen. Und habe das nicht so ganz ernst genommen im ersten Jahr und dachte einfach nur, wie cool. Als dann die Prüfung war, war dann relativ schnell klar, okay, man muss das Ganze hier doch ein bisschen ernst nehmen. Und die Leiterin der Schule hat damals zu mir gesagt, Susan, Technisch müssen wir arbeiten, aber dafür bist du hier. Du hast aber was, das kann man nicht lernen. Das ist eben deine Ausstrahlung und dein Willen und dein Feuer. Und deswegen bist du auch hier genau richtig. Den Rest kriegen wir dann hier in der Schule hin. Und ja, es ist so, wie man das sich eigentlich vorstellt. Es ist sehr streng. Man lernt auf jeden Fall Disziplin, pünktlich, da sein. Wenn du eine Minute zu spät, bist, dann... Geht's ohne dich los. Und dieser Schauspielunterricht, Der hat mich schon sehr verwirrt. Ich wollte auch gar keine Schauspielerin werden, muss ich sagen, am Anfang. Ich war eher so bei der Musik. Ich dachte, ich werde Popsängerin. Aber es hat sich anders entwickelt. Aber mit diesen ganzen komischen Übungen, mit Wahrnehmung, Damit konnte ich mit 16 überhaupt nichts anfangen. Also, ich hab's irgendwie mitgemacht und mitgenommen und irgendwas ist wahrscheinlich hängen geblieben.
Sebastian Krumbiegel: Was ich ja lustig finde, also, ich treffe selten Leute, die noch früher als ich gewusst haben, wo sie hinwollen, in ihrem Leben. Also ich bin immer ganz stolz, wenn ich sage irgendwie, hey, ich hab mit 14 oder 15 Jahren gewusst, ich will mal irgendwie Popstar werden. Und das war für mich immer klar. Wenn du jetzt sagst, du hast wirklich mit sechs Jahren schon die ersten Bühnenerfahrungen zu Hause auf der kleinen Bühne gemacht. Also Ich habe auch zu Hause mit... 10 Jahre, mit 12 Jahren Podcast. Und so wie Freddie Mercury mir irgendwie einen Stock genommen und den als Mikrofonständer gebraucht und mir irgendwie Strumpfhosen angezogen. Und hab dann da irgendwie zu der Musik mit Gemimt und so. Aber das finde ich schon. faszinierend. Ich glaube, dass das ein großer Vorteil ist, wenn man so zeitlich weiß, wo man hin will. Das wünscht man heute so oft jungen Leuten, die heute so viele Möglichkeiten haben, extrem sonst, wo hinzugehen und sich nicht entscheiden können. Genau wie du vor irgendeinem Zahnpasta-Regal stehst, vor 50 Sorten und denkst... Was willst du ja eigentlich?
Susan Sideropoulos: Total. Also wir versuchen das auch mit unseren Kindern. Also, dass wir ein bisschen gucken, Wo gehen die Interessen hin? Dass man die nicht irgendwo reinquetscht und die in irgendein Studium machen, was die nie wieder benutzen. Sondern Magst du Haare, ja, dann werd Friseur. Magst du das, dann mach das. Aber geh auf jeden Fall deiner Leidenschaft nach.
Sebastian Krumbiegel: Das ist, glaube ich, wirklich das, dass jeder in dem, was er liebt, der Beste werden kann. Oder auf jeden Fall besser werden kann als jemand anderes. Dass jeder irgendwas besser kann als irgendjemand anderes. Absolut. Und das finden sollte.
Susan Sideropoulos: Absolut.
Joël Kaczmarek: Und was sind so die Fähigkeiten, die man eigentlich in deinem Job hat? braucht, weil ich frage mich immer, Wir haben jetzt demnächst Jan Josef Liefers hier und denke mir so, was für eine Fähigkeit hat der schauspielerisch, die jetzt Otto Normalverbraucher nicht hat? Was hat der sich antrainiert? Was hat der gelernt?
Susan Sideropoulos: Ich glaube, es gibt da total viele Unterschiede. Also, es gibt ja die klassischen Schauspielstudenten, Aber es gibt ja auch die, die noch nie eine Schauspielschule besucht haben. Denen liegt es einfach im Blut.
Sebastian Krumbiegel: Jürgen Vogel Oder solche Leute. Genau,
Susan Sideropoulos: die können das einfach. Und da finde ich auch gar nicht, dass man das groß unterscheiden muss. Also, ich finde, da kommen wir wieder zur Klassifizierung. Also, ich finde ja auch, ob jetzt ein Sänger aus einer Castingshow kommt oder Ja. Eben auf der Straße Musik gemacht hat, Für mich ist alles gleiche. Die alle haben die selbe Leidenschaft und brennen für dasselbe Thema. Und bei der Schauspielerei ist es eben so. Ich glaube, du musst das, was du tust, einfach sehr, sehr lieben und keinen Plan B haben. Also das würde ich immer den jungen Menschen raten, wenn Sie mir sagen, ich will Schauspielerin werden. Dann würde ich immer als erstes fragen, hast du auch noch einen Plan? B? Wenn die sagen, ja, also Tierärztin, finde ich auch gut, dann würde ich sagen, ja, dann werde Tierärztin.
Sebastian Krumbiegel: Du sprichst mir so aus der Seele, das glaubst du gar nicht. Das ist echt Hammer. Finde ich echt geil.
Joël Kaczmarek: Ja, wie kommt es, dass es bei dir auch so ein Thema ist?
Sebastian Krumbiegel: Naja, weil ich auch immer denke, du musst finden, was du willst. Und keinen Plan B finde ich einfach erstmal Grundvoraussetzung dafür oder auf jeden Fall eine gute Voraussetzung dafür, dass Du es mit dem, Was du... tust, Ernst meinst und da auch die Möglichkeit hast, da eben wirklich zu was zu bringen. Oder ja, eben das gefunden zu haben oder das zu finden, wo du wirklich hin willst. Weil wenn du sagst, ist mir doch eigentlich egal, was ich mache. Und mal gucken, vielleicht das und mal, vielleicht das, dann hast du das Feuer nicht. Das Feuer hast du wirklich nur dann, wenn du irgendwie Straight deinen Weg gehst.
Joël Kaczmarek: Ja, ist ja vielleicht auch so eine selbsterfüllende Prophezeiung, wenn man sich überlegt, da erwarte ich ja noch das Tierarztstudium, wenn nicht. Genau, ganz genau. Und was für eine Welt hat dich dann irgendwie empfangen, wenn Du gesagt hast, okay, GZSZZ Casting, zack, bumm, Hier bin ich. Was ging dann ab?
Susan Sideropoulos: Boah, Es ging richtig ab, ne? Weil das war ja auch eine ganz andere Zeit als heute. Also, ich bin ja eh. Ein Kind der 90er und 2000er waren auch noch ziemlich cool. Jetzt ist es eine andere Dynamik. Ich würde gar nicht sagen, es ist schlechter, besser, keine Ahnung, kann ich nicht vergleichen. Aber ich weiß, dass damals alles irgendwie lauter, realer. Näher war. Und GZSZZ war natürlich, Ich bin da zu einer Zeit hingekommen, wo die Fans noch vor den Studios standen, wo Stars eben noch Stars waren, wo es kein Instagram gab, wo alles, was wir erfahren konnten, irgendwie in der Zeitung stand. Es hatte, was mit Aufwand zu tun, etwas zu erfahren. Und ich als Ex-Fan, Ich habe also quasi ganz klar die Seiten gewechselt. Ich war der klassische Bravo-Fan-Teenager, der vor Hallen übernachtet hat und mit meinen Stars auf Tournee war.
Sebastian Krumbiegel: Wer waren Deine Stars?
Susan Sideropoulos: Die Kelly Family.
Sebastian Krumbiegel: Hey komm, nicht so peinlich berührt, sagen. Nein, überhaupt nicht.
Susan Sideropoulos: Ich stehe dazu zu 100%. Ich habe auch dazu gestanden, als jeder dagegen war. Also, ich habe mich da überall hingesetzt. Ich war auf 32 Konzerten, ich habe das übelst gefeiert. Ich habe nichts anderes gemacht, in meiner Jugend. Als Konzerte besucht, Autogrammstunden, Lieder auswendig gelernt. Und war immer da. Und habe dann die Seite gewechselt. Und ich glaube, wenn man so ganz klar die Seite wechselt, dann empfindet man das noch so viel stärker. Ich kann diese Fans einfach so doll nachfühlen. Und deswegen habe ich mich so gefreut, über deren Freude mich dann zu sehen.
Joël Kaczmarek: Das war so krass.
Susan Sideropoulos: Und auch, als ich dann das erste Mal The Dome moderiert habe. Und Musikshows, Also, als ich mich sehr viel in der Branche bewegt habe, wurde es mir noch bewusster. Ich war immer die, die da unten stand. Und jetzt stehst du plötzlich da oben. Und das war so, dass ich die ersten Male immer geheult habe, weil ich das so emotional fand, dass ich dann plötzlich einfach wirklich das geschafft habe, irgendwie. Und bei GZSZZ, Da ging es dann halt eben so nach oben. Also, wie man sich das eigentlich so vorstellt. Also, wenn man eine tägliche Serie beginnt, dann muss man das ganze Paket lieben, weil sonst wirst du super unglücklich sein. Weil das bedeutet nicht einfach nur Schauspielerei und einfach deinem Job nachgehen, sondern du nimmst das ganze Package. Du bist dann plötzlich eine Person der Öffentlichkeit, und das muss man irgendwie auch ein bisschen lieben. Wenn man das nicht liebt, dann schwierig.
Sebastian Krumbiegel: Ich glaube auch, weil du eben sagst, du hast die Seiten gewechselt. Was ich glaube, was ganz wichtig ist, dass man sozusagen dadurch auch sein Publikum ehrt oder achtet oder auch liebt. Dass man wirklich, Und ich merke das bei mir manchmal auch selbst, dass ich, Ich erkenne mich manchmal gar nicht selbst wieder, wenn wir mit den Prinzen auf Tour sind. Und wenn ich am Ende eines Konzertes wirklich, dann voll pathetisch sage, Hey, Leute, wir sind so froh, dass ihr da seid. Wir sind so froh, dass es euch gibt und wir haben euch wirklich lieb. Und ich meine das in dem Moment wirklich so ernst und so ehrlich. Und das ist... Klingt so pathetisch, Aber ich glaube, das ist auch eine Grundvoraussetzung. Auf jeden Fall, weil dann, Wenn du das nämlich nicht machst, dann wirst du wirklich unglücklich. Dann denkst du, scheiße, du spielst hier irgendeine Rolle und bist irgendwie ein anderer Mensch. Du musst, glaube ich, schon, Also, wir können jetzt über Authentizität sprechen. Was ist das eigentlich? Und spielt nicht jeder eigentlich immer irgendwo immer wieder eine Rolle? Aber am Ende musst du dein Innerstes schon nach außen kehren. Und das hat mich eben so beeindruckt, dass du sagst, du hast die Seiten gewechselt. Und dadurch eben auch das Verständnis für die Leute, vor denen du auf einmal dann auf der anderen Seite stehst. Weil du weißt genau, hey, ich war damals da unten, wo ihr jetzt seid. Und das ist geil.
Susan Sideropoulos: Total. Ich liebe das.
Sebastian Krumbiegel: Echt schön.
Joël Kaczmarek: Ich frage mich gerade mal eine ganz naive Frage. Wie macht man denn Urlaub eigentlich, wenn man eine tägliche Serie dreht? Oder wenn man mal krank ist, was ist denn dann los?
Susan Sideropoulos: Bei der täglichen Serie hast du tatsächlich deine bestimmte Anzahl an Wochen Urlaub. Die kannst du einreichen. Und dann wird das Drehbuch so geschrieben, dass du dann eine Zeit lang auch nicht da bist.
Joël Kaczmarek: Cool.
Sebastian Krumbiegel: Dann machst du vielleicht Urlaub gerade in der Stadt. Dann machst du vielleicht gerade Urlaub,
Susan Sideropoulos: genau. Das ist eigentlich ganz schön.
Joël Kaczmarek: Und auf der Straße erkannt werden, War das für dich ein Thema sozusagen, dass du dann auch gesagt konntest, okay, Ich kann jetzt nicht nach Mallorca fahren, oder wenn ich mal an der Ostsee bin, dann gleich.
Susan Sideropoulos: Tatsächlich war es für mich nie ein Thema. Meine Freunde haben oder meine Kollegen haben immer gesagt, wie, du fährst immer in Robinson Club. Und ich bin als Kind schon in Robinson Club gefahren. Ich habe gedacht, das kann ich mir jetzt nicht mehr nehmen lassen. Ich liebe das. Ja, da sind nur Deutsche. Aber ganz ehrlich, bist du da zwei Tage völlig normal unterwegs, ist das auch vorbei. Und dann sind die Leute, verstehen die, okay, alles klar. Dann machst du hier mal drei Fotos und dann ist auch gut. Und willst du jetzt irgendwie total deine Ruhe, natürlich darfst du dann nicht nach Mallorca oder einen Robinson-Club fahren. Aber ich habe mein Leben irgendwie immer so weitergelebt wie bisher, und das war dann auch vollkommen... Okay.
Joël Kaczmarek: Ich überlege noch gerade so, du bist jetzt da hingekommen, stehst auf der anderen Seite, bist unglaublich empathisch, weil du weißt, wie es sich unten und oben anfühlt. Also unten klingt immer so Als Wertung, sagen wir mal drinnen, draußen, vielleicht. Wie ging es für dich weiter? Also irgendwann setzt wahrscheinlich Alltag ein, Irgendwann sagt man, okay, jetzt habe ich irgendwie schon vieles gesehen. Ich meine, du hast zehn Jahre da, Das ist ja eigentlich sehr, sehr lang für so ein Thema. Wie ging es dir da über die Jahre mit?
Susan Sideropoulos: Mir ging es über die Jahre gut. Also mein Mann sagt immer, so wie du da heute drüber redest, so ging es dir nicht die ganze Zeit, Aber man erinnert sich ja immer nur an die guten Zeiten.
Sebastian Krumbiegel: Schön ist das, ist doch gut, dass es so ist, oder?
Susan Sideropoulos: Das ist gut, weil er sagt, du hast doch schon hin und wieder immer gesagt, ja, Du kannst den Film nicht drehen und den Film nicht drehen, weil klar, Man ist da sehr gebunden. In so einer Vollzeitserie und viele Projekte musste ich in der Zeit absagen. Andersrum will ich mich gar nicht beschweren, weil ich war total der Workaholic und habe... Eben Sachen wie Let's Dance gemacht oder halt auch Gastrollen in verschiedenen Filmen und Serien. Und dadurch mich ein bisschen breiter aufgestellt, was halt gut war und viel moderiert, immer an den Wochenende. Das bedeutet, Ich hatte eigentlich nie frei und empfinde das als einfach eine tolle Zeit. Also jetzt rückblickend denke ich, das ist das Beste, was mir passieren konnte.
Joël Kaczmarek: Ist das manchmal auch ein Anker? Also, es ist auch, was, was ein bisschen runterzieht, wenn man bei GZSZZ war. Ist man dann so festgeschrieben auf eine Rolle oder ist das eher ein Katalysator?
Susan Sideropoulos: Also viele sagen das, Aber ich will dem einfach, ich sag einfach nein.
Sebastian Krumbiegel: Ich glaube, es gibt schlimmere Schicksale.
Susan Sideropoulos: Es gibt schlimmere Schicksale, ganz genau. Und ich glaube, dass du, Viele sagen Ja, und nach der täglichen Serie. Und wie geht es dann weiter? Und dann bist du immer nur die und so. Und ich sage, nee, also entweder bist du gut in deinem Job, Dann machst du danach auch weiter oder du bist eben nicht so gut, Dann kannst du aber auch den geilsten Kinofilm der Welt gedreht haben. Und dann geht es danach auch nicht weiter. Also, es ist eigentlich vollkommen, egal, woher du kommst. Genauso musikalisch kommst du von DSDS und bist aber einfach. Super gut und bist auch schlau, wie in Alexander Klaws oder so, und machst irgendwie Theater, Musical und Bildest dich weiter, dann bist du halt auch eben 15 Jahre später, immer noch da. Und andere eben nicht. Also ich glaube, das ist einfach das Ding. Du musst fleißig sein, du musst irgendwie am Ball bleiben und dich weiterentwickeln.
Joël Kaczmarek: Wie sind denn so die Dynamiken insgesamt? Also ich sag mal so, ich muss dazu sagen, ich hab, glaube ich noch wirklich. Keine Folge GZSZ in meinem Leben geguckt. Das ist gar nicht, also wertfrei. Nicht, weil ich es doof finde oder so, sondern es hat sich für mich einfach nie ergeben. Trotzdem, ich weiß, Du warst für mich so ein Gesicht für diese Sendung, ohne dass ich sie je gesehen habe. Und ich frage mich so, was ist eigentlich die Mechanik, nach der sich herauskristallisiert, Diese 1, 2, 3 Nasen? Man kennt ja dann doch so ein paar, wie Janina Uhse, dich, hier die Oonagh, die Senta. Also, was ist das eigentlich, dass es bei dir sozusagen dazu geführt hat, dass du so ein Stück weit fast schon das Gesicht dieser eigentlich sehr vielgesichtigen Serie warst?
Susan Sideropoulos: Ich glaube, das hat so einen Nachrück. Prinzip, Diese Serie. Es gibt ja keine Hauptrollen, sondern irgendwie immer zehn Hauptfiguren. Und dann gibt's halt irgendwie die drei, vier Mädels. Und dann kommen die Jüngeren, und dann gehört man zu den Älteren. Ich weiß es nicht. Und auf jeden Fall ist es so ein bisschen so ein Nachrücksystem. Und ich war halt einfach in einer Zeit, glaube ich, sehr präsent. Aber ich hatte auch einfach eine wahnsinnig dankbare Rolle. Das muss man einfach sagen. Ich hätte als Zuschauer Verena Koch, hieß sie, übelst abgefeiert. Also die war einfach cool. Eine Coole Socke. Die, mit der man befreundet sein möchte und die irgendwie shoppen geht und ein bisschen zickig ist, aber irgendwie immer die große Liebe sucht. Also eine tolle, tolle Rolle, die auch nie langweilig wurde. Die war nicht, auserzählt, die konnte immer irgendwie weiter existieren. Und ich glaube, damit hängt das viel zusammen. Und natürlich, wie weit man, abgesehen von GZSZZ, sich noch draußen bewegt.
Sebastian Krumbiegel: Meine Frage wäre jetzt dazu auch wieder, weil du das eben sagst, die Rolle sozusagen, war cool. Inwiefern hast du beobachtet, dass dich Leute sozusagen draußen auf der Straße treffen und dich mit deiner Rolle verwechseln und dich sozusagen in dieser Rolle ansprechen? Also genau wie irgendwie jetzt, was ja Mutter Beimer ist, eben Mutter Beimer. Und ja, wie geht das? Wie geht man auch damit um?
Susan Sideropoulos: Also, es ging ewig, EWIG war ich Verena, ganz klar. Und das ist auch vollkommen in Ordnung. Ich meine, für mich ist auch, weiß ich nicht, Carrie ist Sex and the City oder weiß ich nicht. Also, das ist halt auch etwas. Man kann das ja auch immer positiv sehen. Oder negativ. Aber wenn man so viele Menschen berührt und die freuen sich einen Cola-Keks, Wenn Sie dann Verena sehen, dann sollen sie sich doch freuen. darüber. Klar, also, man hat da vertauscht. Und dann kommt ja immer die Frage, was ist denn die Ähnlichkeiten zur Rolle oder so. Und eigentlich hatten wir ein paar Parallelen, aber auch echt viele Unterschiede. Aber es ist okay, Es ist jetzt nicht so extrem, dass ich mich dann gar nicht mit der Verena identifizieren könnte. Oder so.
Sebastian Krumbiegel: Es ist schon interessant, weil bei mir ist es zum Beispiel so. Wenn ich manchmal unterwegs bin, Mich sprechen Leute an und sagen dann, wo sind denn eigentlich die anderen? Wo ich dann sage, Du ja, die sind eben, die machen gerade auch ihr Ding. Und wo ich dann sage, naja, wir gehen dann wieder auf Tour, da waren wir dann auf Tour. Und naja, Aber was machen die, Wo sind denn die gerade? Wo ich dann sage, Naja du, ey, Wir wohnen nicht alle zusammen in einer WG. Sondern wir sind eben irgendwie schon auch, Wir haben unsere Familien und haben unser eigenes Leben. Und dieser Fokus auf diese Rolle sozusagen, die du bist, wobei es bei uns ja noch was anderes ist, weil ich bin ja wirklich, ich und ich spiele in dem Moment keine Rolle. Und trenne das auch gar nicht so sehr voneinander und genieße es übrigens auch eher, wenn ich angesprochen werde, als dass ich sage, ach, Hilfe, Hilfe, Hilfe, Ich bin so prominent und ich werde überall erkannt. Hey, fuck, Das ist doch geil und deswegen habe ich es doch gemacht. Ich freue mich doch darüber, ja, und mag das nicht, wenn irgendwelche Leute sagen, ich komme damit nicht klar. Und nee, dann Augen auf. Bei der Berufswahl. Genau,
Susan Sideropoulos: sage ich auch immer.
Joël Kaczmarek: Träumst du dann eigentlich manchmal als deine Rolle? Also hast du manchmal sozusagen Träume, wo du dann die Rolle bist oder sowas oder ist das sauber getrennt?
Susan Sideropoulos: Also zu harten Serienzeiten gab es natürlich Geschichten, die dich aufgewühlt haben und die Dich ein bisschen durcheinander gebracht haben, das schon. Aber jetzt nicht so dramatisch. Ich kann damit sehr gut abschließen.
Sebastian Krumbiegel: Method Acting.
Susan Sideropoulos: Ja.
Joël Kaczmarek: Aber ist es bei Dir so, wenn ich zum Beispiel an so bekannte Serien denke, Nimm Mal so The Big Bang Theory, Sheldon Cooper. Der ist gefühlt sein Leben lang. Sheldon Cooper. Der ist, glaube ich, unsterblich für die nächsten 50 Jahre, so, Aber der ist auch immer Sheldon Cooper. Genauso wie Daniel Radcliffe irgendwie immer. Harry Potter ist. Verfolgt dich sowas auch so ein bisschen? Bist du immer GZSZZ?
Susan Sideropoulos: Ich glaube, das ist auch wieder eine interessante Auslegungsweise. Also klar Kannst du dich jetzt ein Leben lang darüber ärgern oder du drehst es um und sagst, wie geil ist das denn? Genau,
Sebastian Krumbiegel: Fluch oder Segen oder beides.
Susan Sideropoulos: Genau. Also, ich denke mir, man hat ja was geschafft, damit. Man hat ja geschafft, dass sich eine ganze Generation mit dieser Figur verbindet und etwas Positives hinterlassen hat. Und ich glaube, der Kampf dagegen, also. Meg Ryan hat das mal ganz schön im Interview gesagt, wo sie gesagt hat, Sie will nicht mehr diese Romantic Comedy und immer das gleiche und immer das Gleiche. Sie will jetzt irgendwie ernste Filme drehen. Und irgendwann hat sie aber gesagt, ich mache das nicht mehr, weil wen? fragt man als Erstes für eine Romantic Comedy? Mich. Also, es ist doch was total Schönes. Und ich finde, es ist schade, Aber das ist auch ein bisschen, was unsere Gesellschaft mit uns macht. Ja, du musst dich irgendwann davon abkapseln, GZSZZ, DSDS. Whatever, weißt du, so. Warum? Also, nö.
Joël Kaczmarek: Wir hatten zum Beispiel Kim Gloss hier sitzen, die hat zu uns gesagt, weißt du, wenn du bei DSDS warst, Castingshow, kannst Du abhaken, dass Du eine Musikkarriere hast. Also, die war sogar noch einen ticken radikaler. Kannst du nicht unterschreiben?
Susan Sideropoulos: Nö, kann ich nicht unterschreiben. Weil es haben ja auch ein Paar vorgemacht, wo es eben nicht so war. Es wird denen etwas schwer gemacht, das stimmt. Und dann wechseln die Namen oder keine Ahnung. Und das finde ich super. schade, weil... Diese Menschen, also, das finde ich so toll an Amerika, Die werden ja so abgefeiert mit diesen Castingshows. Das sind dann die Superstars, so wie das Format ja auch, heißt. Und das sollten Sie auch sein, weil da kommen junge Leute, Die Leben für Ihren Traum. Die wollen unter allen Umständen singen und setzen sich so viel aus in so einer Castingshow. Da wird ja auch nichts geschenkt. Und ich finde, dass die den höchsten Respekt verdienen. Genau den gleichen, wie jemand, der einen anderen Weg wählt.
Sebastian Krumbiegel: Ich denke auch, man kann da irgendwie sehr schnell als Independent... Band oder als irgendwie eben nicht gekastete Band unheimlich hochnäsig. Über solche Leute urteilen. Und da muss man echt vorsichtig sein. Am Ende ist alles Geschmack. Ich brauche diese Abgrenzung nicht. Und ich denke irgendwie, jeder soll doch das machen, was er für richtig hält, womit er klarkommt. Wie gesagt, Überheblichkeit, Das klingt jetzt auch wieder sehr salbungsvoll, Aber das rächt sich. Ich glaube, dass ich das wirklich rächt.
Joël Kaczmarek: Wie ist denn das? Ist es so, wenn du in so einer Serie bist, dass Du auch dem Gutdünken anderer Menschen ausgeliefert bist? Also ist es so, wenn ich eine GZSZZ-Rolle habe, kann es mir jeden Monat passieren, dass die rausgeschrieben wird? Ich bin irgendwie sozusagen arbeitslos, fertig, aus? Nee,
Susan Sideropoulos: du hast immer einen Jahresvertrag.
Joël Kaczmarek: Und trotzdem, weil du gesagt, hast, Da kommen die Jüngeren nach und die Älteren, merkt man trotzdem so einen Druck? Du bist ja an ganz vielen Sendungen gewesen, du hast ja gerade schon ein Paar gesagt. Let's Dance, dann hast du irgendwie Top of the Pops moderiert, The Dome, Also sehr viel, auch. Oder hier Promi Shopping Queen mal mit dabei gewesen. Also alles so. Senderfamilie RTL. Also das Erste, was mich beschäftigt hat, war, Wie machen die das, dass die sich sozusagen, dass die sich so quer vermarkten, dass die sagen, Wir haben uns jemanden aufgebaut und jetzt ziehen wir den überall durch. Gibt es da irgendwie so ein Setting für?
Susan Sideropoulos: Nee, das würden wir uns manchmal sogar mehr wünschen, weil tatsächlich passiert das so nicht. Das ist sehr willkürlich, Wie unsere Branche Halt ist, sehr willkürlich. Nee, also, ich glaube, ich hatte einfach viel Glück.
Joël Kaczmarek: Weil das Zweite, was mir so in den Kopf kam, war, dass ich bei RTL beobachte, man hatte immer so dieses Bild, gerade so, Ich kenne das so viel aus amerikanischen Serien, dass man immer so suggeriert, Frauen, die erfolgreich im Rampenlicht stehen, kommen irgendwann ins A**. Alter und dann sozusagen merken sie so ihre Fälle davon schwimmen. Also, das ist jetzt mal eine ganz hart diskriminierende Wahrnehmung. Will ich jetzt nicht sagen, dass es die teile, aber das ist ja was, was man immer so suggeriert, kriegt, Wenn die Älter werden, ach du je, dann muss man sich was überlegen. RTL nehme ich da zum Beispiel relativ positiv wahr, also, so eine Birgit Schrowange, eine Katja Burkhardt, eine Frauke Ludewig, Also ich finde, man baut denen richtige Karrieren auf und die halten sich doch super lange. Beschäftigt einen, das als Frau, dass man irgendwie mit dem Aussehen und dem Alter, sich sozusagen auch mit seinem Job verbindet?
Susan Sideropoulos: Also, ich glaube, als Moderatorin bist Du da ja ein bisschen safe. Das sind ja alles. Moderatorinnen. Also weil, klar, die können ja einfach älter werden. Und damit werden sie reifer und erfahrener und vielleicht sogar besser in ihrem Job und können andere Formate moderieren, die vielleicht dann auch besser zu ihrem Alter passen. Als Schauspielerin ist das natürlich wieder eine ganz andere Geschichte. Also bei mir war es ein bisschen andersrum. Also mir wird zumindest gesagt, klingt immer komisch, wenn man es selber sagt, Aber anscheinend sehe ich viel jünger aus, als ich bin. Und falle dann beim Casting.
Joël Kaczmarek: Das Kompliment kann man dir unterschreiben.
Susan Sideropoulos: Bei den Castings eher immer durchs Raster, wo ich mir immer sage, Leute, wie alt muss ich denn werden, um meine Mutter zu spielen? Ich habe schon zwei große Kinder. Aber tatsächlich kriege ich diese Rollen oft gar nicht. Also die Ärztin oder die ein bisschen souveräne Figur. Ich bin immer noch ein bisschen getaktet auf die Anfang 20-Jährige. Aber ich bin jetzt schon dieses Jahr 40. Also, das ist schon ein bisschen eigentlich eine andere Altersstufe. Was aber nicht schlimm ist, Weil ich meine, dann spiele ich halt in zehn Jahren die 40 Jahre.
Sebastian Krumbiegel: So sieht's aus.
Susan Sideropoulos: Also, deswegen mache ich mir da ehrlich gesagt, überhaupt keinen Stress.
Sebastian Krumbiegel: 40 ist die neue 20.
Susan Sideropoulos: So sieht's aus. Ja.
Joël Kaczmarek: Naja, weil du eben auch Meg Ryan gesagt hast, da hab ich so ein bisschen Erinnerungen. Man muss ja sagen, die hat sich ja ganz schlimm veroperiert, muss man ja fast sagen. Diesen Jugendwahn, den man halt in dieser Branche, gerade in Hollywood hat. Und dann hab ich so andere Leute im Kopf, so eine Diane Keaton, zum Beispiel, Die ist natürlich patentiert. Also wenn ich eine ältere, wow, so zweite Karrierewegfrau mir angucke, Dann denk ich an Diane Keaton oder irgendwie Jane Fonda oder so. Total, total. Und das hat mich so beschäftigt, dass ich dachte, okay, Wie getrieben ist man denn da von dem Geschäft? Also merkst du gar nicht so.
Susan Sideropoulos: Nee, ich bin im Herzen, so jugendlich. Ich bin ja einfach, ich werde jedes Jahr 21 und mit voller Überzeugung und hab mir, nee.
Sebastian Krumbiegel: Ich finde das so witzig, wie ich immer denke, so viele Sätze könnte ich unterschreiben. Das sage ich nicht, um die Honigmusik mal zu schmieden. Also, ich bin 53 und erschrecke mich, wenn ich diese Zahl höre und bin in meinem Herzen und in meinem Gefühl so gar nicht wie 53. Weil ich immer denke, aber anders als... Hey, ich bin so alt, und wir werden ja hoffentlich alle noch viel, viel älter als unsere Vorfahren werden. Und da, also, hey, ich freue mich da. Ich glaube,
Susan Sideropoulos: das ist auch so wichtig, dass man so, ja eben, Ich glaube, das ist so viel Lebensqualität, wenn man eben dieses innere Kind, nenne ich es ja immer, erhält. Ich glaube, das ist das Allerwichtigste. Viele müssen da noch hinkommen oder erfahren es nie. Aber wir wissen das, ne?
Sebastian Krumbiegel: Wir wissen das.
Joël Kaczmarek: So und jetzt heißt ja unser Format hier. Kunst trifft digital. Du hast so ein Stück weit gesagt, Früher hat sich alles irgendwie echter angefühlt, näher, direkter. Ich habe das mehr gelebt. Jetzt kommen auf einmal, so Kisten wie Netflix um die Ecke oder bei Musik wäre es was wie Spotify oder YouTube, mal ganz banal. Also oder Instagram, Jeder kann mittlerweile Content Producer sein. Was hat das mit Dir und deinem Job gemacht?
Susan Sideropoulos: Ja, ich bin auch so ein bisschen Spätzünder und bin dann immer so, huch, wo kommt das denn jetzt her? War das schon immer? Und ich bin auch... Kein Freund von, Also, wenn sich alles immer so weiterentwickelt, ja, ich denke immer so, Oh nein, setzen sich jetzt wirklich. Du bist kein Maschinenstürmer, meinst du sozusagen? Ja, da denke ich so, wie, Die DVDs wird es bald nicht mehr geben, glaube ich nicht. Und dann halte ich noch voll dran fest. Und dann denke ich so, Oh, scheiße, Ich muss jetzt doch alles irgendwie digital haben. Und bin deswegen ein bisschen Spätsünder, bin ein Riesen. Netflix-Fan, Das ist auf jeden Fall eine Coole Sache, Eine Riesenchance für alle Leute aus der Branche, plötzlich irgendwie weltweit gesehen zu werden. Das Niveau wird größer. Gefährlich daran finde ich einfach die Klassifizierung, die ja eh schon da ist. Und die früher. zwischen, sage ich jetzt mal, Serienschauspielern und Filmschauspielern gemacht wurde, ist jetzt zwischen Fernsehschauspielern und Streamingschauspielern.
Joël Kaczmarek: Ah, interessant.
Susan Sideropoulos: Und das ist so ein bisschen so, Warum gibt es diese Hürde? Ja, und das ist so ein bisschen schade, Das ist aber das, was ich von Anfang an schon, sagte, dass alles immer in Schubladen gesteckt wird. Um das zu verstehen,
Sebastian Krumbiegel: heißt Das Streaming ist mehr wert als Fernsehen?
Susan Sideropoulos: Ja, so könnte man es auslegen, würde ich jetzt aber nicht so sagen.
Sebastian Krumbiegel: Aber in der Wahrnehmung vieler Leute.
Susan Sideropoulos: In der Wahrnehmung vieler Leute und auch in der Besetzung. Also, es ist so ein bisschen, Die Macher trauen sich nicht so sehr zu mischen. Also dann sagen sie, Die einen bleiben lieber dort und die anderen kommen dahin oder so. Das ist so ein bisschen selten, dass es so vermischt wird. Und YouTube und Instagram, also? Klar habe ich am Anfang gedacht, Oh, Mann, jetzt bin ich so alt. Ich wäre doch voll die YouTuberin gewesen, ohne Kinder und mit viel Zeit. Ich hätte mir total viele Sachen ausgedacht, aber ich habe da gar keinen Bock mehr drauf. Also, da denke ich so, Oh nee, das ist mir viel zu anstrengend. Instagram wiederum liebe ich, konsumiere ich viel zu viel und hatte aber da anfangs auch Probleme, weil ich nicht wusste, für was stehe ich denn da eigentlich in diesem Instagram. Und ich wollte so gerne da stattfinden und habe aber gedacht so, ja, also so, Ich bin hier am Set, interessiert niemand. Dann, Ich bin nicht Sport, kochen kann ich nicht, Ernährung, nee, Kinder zeige ich nicht, so, was bleibt übrig, weiß ich nicht. Und da war ich erst mal am Anfang. Ein bisschen lost, weil ich dachte, was macht man jetzt mit dieser großen Reichweite, Die ist so cool, die muss man doch irgendwas mit bewegen. Und dann Seit zwei Jahren bewege ich mich extrem viel im Bereich Persönlichkeitsentwicklung. Und habe gemerkt, dass ich Instagram total gut mit diesem Thema koppeln kann. Und merke jetzt, wie viel Content ich da plötzlich aufbinde. Aufbauen kann und wie gut es ankommt und wie authentisch es dadurch auch ist, weil das wirklich etwas ist, was ich gerne nach außen tragen möchte. Und das ist total toll. Und ich glaube, das wird noch richtig, Richtig wachsen.
Joël Kaczmarek: Und warum ist das so, dass Leute diesen Blick hinter die Kulissen gar nicht so sehr schätzen? Also hast du gleich ganz bestimmt gesagt, so Ich bin ja am Set, interessiert, keine Sau. Wie kam's?
Susan Sideropoulos: Ja, ich glaube, das ist einfach schon viel. Alle haben es schon gesehen, es ist so nicht mehr so interessant. Also klar kann man es machen, Aber damit kannst du keinen Kanal füllen. Das sehe ich ganz klar. Also ich bin jetzt hier am Set, egal mit wem, Foto, Wie es, Ich zeige meine Kinder von hinten, wie sie einen Kuchen backen, also. Ja,
Sebastian Krumbiegel: finde ich übrigens auch wieder, Also wollte ich eben auch schon einhaken, weil du so im Nebensatz eben sagtest, Kinder zeige ich nicht. Das ist für dich auch ein Tabu sozusagen, dass du wirklich sagst, Privatleben oder diese Art von Privatleben, Gerade Kinder hat nichts zu suchen. In der Öffentlichkeit. Ja. Finde ich ja sehr klug, übrigens. Ja, ich glaube ja wirklich, dass man das irgendwie zurückkriegt und dass man dafür bestraft wird. Im allerbösesten Sinne. Also, ich wäre da immer vorsichtig, irgendwie Kinder in die Öffentlichkeit zu zehren.
Susan Sideropoulos: Ja, ich auch. Also, ich habe da mehrere Gründe, Aber mein größter Grund ist jetzt gar nicht, dass ich mir wahnsinnige Sorgen um meine Kinder mache. Es ist eher, dass es sich für mich falsch anfühlt, den Applaus zu kriegen, für meine Kinder. Also nur, weil ich jetzt nichts mehr zu bieten habe, also, ich möchte da niemandem zu nahe treten. Es gibt so viele Mutti-Blogger und Kollegen von mir, sollen Sie alle machen, was Sie für richtig halten? Und alles hat seine Daseinsberechtigung. Aber für mich würde es sich so wahnsinnig falsch anfühlen. Und natürlich denke ich, meine Kinder sind die schönsten. Jedem möchte ich dir ungefragt. Auch die Fotos zeigen. Aber muss man nicht nach außen, weil für mich fühlt sich das dann falsch an. Und dann wäre es nicht authentisch.
Sebastian Krumbiegel: Also dir geht es nicht, um den Schutz der Privatsphäre sozusagen, sondern dir geht es einfach darum, du willst sie nicht benutzen.
Susan Sideropoulos: Ich will sie nicht benutzen.
Joël Kaczmarek: Das ist der geilste Grund, den ich je gehört habe, glaube ich. Weil ich habe immer, ich habe da mit der Ina Aogo da sehr intensiv darüber diskutiert, dass ich meinte, ey, wie kommt das hin? Ihr seid ja auch viel mit Wohlstand, irgendwie assoziiert. Und dann zeigst du deine Kinder, Hast du keine Angst vor Entführung, und dann kannst du so ein bisschen den pädagogischen Moralapostel raushängen. Das kannst du sagen, ey, du kannst doch deinen Kindern nicht vorbestimmen, wie ihr Medienkonsum oder ihre Mediendarstellung ist. Das sollen sie mit 18 oder 16 machen, wenn Sie es eigenverantwortlich wirklich mit Brain entscheiden können. Aber zu sagen, ja, du guck, mal, Ich schmück mich hier mit fremden Federn, weil ich hier irgendwie Minderwertigkeit empfinde oder nichts zu bieten habe, Total geil.
Sebastian Krumbiegel: Naja.
Susan Sideropoulos: Zweiter Riesengrund, Warum ich das nicht mache, ist, Ich finde, man macht sich so wahnsinnig angreifbar. Und umso mehr Du natürlich Preis gibst, umso mehr Plattform Bietest du. Und wenn ich das lese bei manchen Influencern, was da abgeht, ja, also ich meine, Ich bin echt gut davon gekommen. Mit Hate-Kommentare, wahrscheinlich, weil man einfach keine Plattform bietet. Ich wüsste jetzt nicht, was die Leute großartig jetzt schreiben sollten, Außer die finde ich irgendwie langweilig oder doof oder weiß ich nicht. Aber es ist jetzt nicht so eine Plattform wie, Warum stillst du, stillst du nicht. Dein Kind guckt Fernsehen oder nicht und mit dem Alter. Und es gibt so viel, also nichts, wo es mehr Meinungen gibt als Kindererziehung. Und ich habe gedacht, boah, also, wenn ich mir das reinziehen würde, was man da alles kritisieren könnte, wie ich meine Kinder erziehe, das will ich einfach nicht.
Joël Kaczmarek: Okay, aber dann hast du gesagt, Also Selbstoptimierung, Selbstverbesserung, Selbstentwicklung ist, so dein Thema. Was teilst Du da für Inhalte?
Susan Sideropoulos: Erstmal musste ich auch gucken, wie ich das mache, weil die Leute mich ja mit was ganz anderem irgendwie verbinden. Ich habe damit so ganz langsam angefangen, gar nicht so bewusst, dass ich sage, ich will jetzt hier Content schaffen, der irgendwie positiv ist und weiß ich nicht. Das hat sich ganz schleichend entwickelt, Dass ich irgendwie immer Geschichten aus meinem Leben erzählt, habe, die irgendwie so eine kleine Message haben. Und ich habe dann irgendwie so viel nettes Feedback bekommen, dass Leute mir geschrieben haben, gesagt haben, Heute morgen ging es mir noch schlecht. Und dann habe ich deinen Post gelesen. Und jetzt dachte ich,
Joël Kaczmarek: jetzt geht es mir besser. Und dann habe ich gedacht, wie schön. Und ja,
Susan Sideropoulos: Irgendwie hat sich das dann immer weiterentwickelt. Und mir sind so viele tolle Sachen passiert in diesen zwei Jahren durch diese Reise in dieser Persönlichkeitsentwicklung. Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt. Ich war einen tollen Podcast zu Gast. Bis hin zu, Jetzt schreibe ich mein erstes Buch. Und das ist halt total schön, weil das hätte ich auch überhaupt nicht gedacht. Aber irgendwie gibt es viel zu erzählen. Und jetzt habe ich auch, glaube ich, ist die richtige Zeit dafür da.
Joël Kaczmarek: Ich finde das total interessant, weil ich habe mir deinen Account angeguckt und du interviewst Ja, auch Leute. Also Du gehst dann irgendwie hin, Ich habe hier zum Beispiel Katja Saalfrank gesehen, Die wollen wir auch demnächst mal bei uns ins Gespräch holen. Oder das letzte Mal hast du über jemanden sozusagen. Live gehabt, der so Hilfsorganisationen gebaut hat. Also ganz spannend. Siehst du dich manchmal auch ein bisschen als Journalist, dann in der Sekunde?
Susan Sideropoulos: Also, ich habe mir gedacht, es kam jetzt ein bisschen durch Corona und so. Alle haben plötzlich live gemacht, Alle machen irgendwie irgendwas Kreatives. Und ich habe gedacht, oh. Hilfe, Da war wieder das Spätzünder. Oh Gott, ich verpasse den Zug. Irgendwie habe ich gar nicht, was mache ich denn jetzt eigentlich mit dieser Zeit? Okay, was heißt, ich mache ja viel mit der Zeit. Ich schreibe und habe ja auch eine eigene Produktionsfirma, Wir entwickeln Stoffe. Also das heißt, ich bin sowieso viel mit Schreiben, beschäftigt. Aber irgendwie habe ich gedacht, Live-Videos Finde ich super, liebe ich. Ich hole mir auch Gäste, aber irgendwie habe ich gedacht, hm. Irgendwie muss das so ein bisschen auch eine Message haben und irgendwie zeitgemäß sein und den Leuten, was mitgeben. Und dann habe ich gedacht, okay, was sind denn so die Themen und wen kenne ich dazu? Und dann ist mir halt eben eingefallen, okay, Homeschooling, gerade Riesenthema, Alle drehen durch. Katja Saalfrank, Super Frau, Hole ich mir. Dann habe ich mit einer ganz tollen Autorin, Mareike Awe, über Wohlfühlgewicht gesprochen, Was ein großes Thema ist, wo ich dachte, das ist auch, was für meine Community. Habe ich mich auch durchgequält. Ansätze sind toll von ihr. Dann natürlich Coaches, mit denen ich viel gearbeitet habe. Und dann aber auch dazwischen irgendwie. Patricia Kelly. Da haben wir dann irgendwie über die alten Kelly Family-Zeiten geredet. Und das war so cool für diese ganzen Fans, die dann natürlich sich total mit mir verbunden gefühlt haben, wenn ich dann sage... Ich war auch vor den Hallen geschlafen und die so, wir waren bestimmt zusammen dort. Und das war irgendwie so cool, dann haben wir zusammen gesungen, das war abgefahren. Also irgendwie ja, dann erfüllt man sich selber, so ein, Zwei Träumchen damit.
Sebastian Krumbiegel: Ich glaube, dass das auch so eine Intention ist, Wenn man sich selbst Träume erfüllt, dass man da natürlich auch der authentischste Mensch ist und das dann am besten rüberbringen kann. Aber wenn du nicht das so tust, ich muss jetzt hier künstlich irgendwas machen, sondern wenn du sagst, hey, Bei mir war gerade der Trigger Kelly Family wieder da, wo ich dann denke, ja, natürlich, logisch, eigentlich folgerichtig, ja?
Susan Sideropoulos: Ja, total, total.
Joël Kaczmarek: Ich habe das hier übrigens auch gerade, dass ich mir einen Traum mit dir erfülle, lieber Sebastian. Mir macht das total Freude, mit jemandem, der mich in der Kindheit aus der Ferne begleitet hat, also ohne, dass wir uns jemals irgendwie Berührungspunkte hätten, dass wir sowas Schönes machen. Das sei dir mal gesagt an dieser Stelle.
Sebastian Krumbiegel: Hey, hey.
Joël Kaczmarek: Ja, doch, und auch mit dir. Hast du denn eine Strategie insgesamt? Also du hast für dich jetzt sozusagen, so ein USP. gefunden, eine Lücke, eine Marktlücke, was man irgendwie macht inhaltlich. Zahlt das bei Dir auf was ein, dass Du sagst, okay, Pass mal auf, Mein Businessplan ist jetzt, Hier baue ich mir Reichweite auf mit der und der Richtung, Dann will ich da Werbegelder akquirieren, oder ich befördere mein Buch oder ist das einfach sozusagen. Passion?
Susan Sideropoulos: Es ist kein Masterplan dahinter, nee. Also, es ist wirklich eher so aus dem Bauch heraus, Es entwickelt sich, Es entwickelt sich Total toll. Ich merke einfach, dass ich zu meinen alten Fans, nenne ich Sie jetzt mal aus. GZSZZ-Zeiten, kommen irgendwie ganz spannende Leute dazu, die dann sagen, ich kenne dich zwar von früher, aber ich habe gar nicht gewusst, dass du dich mit denen und den Themen auseinandersetzt. Und dann irgendwie ist es so eine schöne Brücke. Aber Masterplan steckt da nicht hinter.
Joël Kaczmarek: Was ich mich so ein Stück weit auch gefragt habe, ist, wenn du in diesen ganzen Formaten immer warst. Wie baust du eigentlich deinen Job auf? Also, was bist du eigentlich? Bist du immer so ein bisschen abhängig von der Gunst? Es muss wieder was kommen, Da muss mal wieder eine Shopping-Queen-Geschichte kommen. Oder ach, Mensch, die machen wieder, so ein Tanzspecial auf RTL. Mit irgendwie zwei Stunden Abendshow. Ist man davon so ein bisschen abhängig, oder ist das bei dir einfach nur so ein Zubrot, eine Passion?
Susan Sideropoulos: Man ist total abhängig. Also, da müssen wir uns nichts vormachen. Wir sind total abhängig. Und darum geht es auch ein Stück weit in meinem Buch. tatsächlich, weil es mir genau mit dem Thema auch nicht so gut ging. Ein Stück weit vor ein paar Jahren. Und ich irgendwie so einen Weg finden musste, mich davon zu distanzieren. Also zu sagen, okay, das nicht so persönlich zu nehmen. Dass es einfach so ist, wie es ist. Dass die Branche eben so wahnsinnig willkürlich ist. Und wir sind dem ausgesetzt. Und was machen wir jetzt damit, dass es eben so ist? Entweder Light Forever oder es ist, wie es ist. Und es ist das, was du daraus machst. Und was mache ich jetzt damit, dass es so ist? Aber ja, wir sind auf jeden Fall viel am Warten und gucken, Was passiert. Und dem wollte ich mich nicht mehr aussetzen. Und deswegen habe ich gesagt, okay, Jetzt gründe ich zum einen eben meine eigene Produktionsfirma. Das heißt jetzt nicht, dass da jetzt morgen die krassen Filme kommen, die ich jetzt geschrieben habe, weil auch das ist ein Weg, der ist ewig lang. Aber zumindest hat man das Gefühl, man ist selber in der kreativen Phase, und man macht irgendwas. Und das Buchschreiben, Das kam jetzt dazu.
Sebastian Krumbiegel: Würde ich gerade sagen, das Buch ist ja auch noch das Ding. Und außerdem glaube ich auch, also, wenn wir jetzt... Es fiel ja vorhin so im Nebensatz. Corona-Zeiten. Da merken wir ja alle, dass wir alle von Dingen abhängig sind. Also was hätte ich mir, Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass ich im Jahr 2020, dass ich nichts zu tun habe. Es ist wirklich echt schräg. Also wir als Künstler, die raus auf bühnen müssen, Wir sind gerade arbeitslos. Und das ist schon irgendwie auch schräg. Und das ist irgendwie ein bisschen beängstigend, manchmal. Aber ich versuche da auch was. Also, wenn das nicht wäre. Joël, Hätten wir nicht zusammen das Ding hier aufgezogen. Das ist für mich auch so ein Ding, wo ich sage, hey, sei neugierig, versuche, irgendwie nach anderen Sachen gar nicht unbedingt exzessiv zu suchen, sondern Lass dich, fallen. Denk immer dran, wenn eine Tür zugeht, geht eine andere wieder auf. Und das ist für mich gerade so eine herrliche Erfahrung, dass ich die ganzen interessanten Leute, die wir hier treffen, bei diesem Podcast, Das ist für mich ein Jungbrunnen oder irgendwie eine neue Sache, die stattfindet. Für die ich dankbar bin. Und natürlich ist es scheiße, dass Touren ausfallen und dass wir irgendwie nichts zu tun haben. Aber dafür passieren immer andere Sachen. Und das ist doch schön, wenn man das so sehen kann. Und weil du vorhin gesagt hast, wir sind abhängig von irgendwas. Immer passieren irgendwelche Dinge um uns rum. Hey, zurzeit, Ich freue mich gerade, was hier gerade passiert. Das sind neue Sachen. Und ich möchte gerne hier in eine neue Abhängigkeit geraten.
Susan Sideropoulos: Wir lernen auf jeden Fall durch Corona alle, dass wir eh zu keiner Zeit die Kontrolle haben. Ich meine, das ist ja eine Illusion. Und es ist... Auf jeden Fall der leichtere Weg, das anzunehmen und zu sagen, okay, was kommt jetzt?
Sebastian Krumbiegel: Ja, und wir sind vor allem irgendwie so gestrickt. Und das meine ich überhaupt nicht, respektiere ich, dass das nicht jeder kann. Aber wir können es irgendwie, dass wir sagen, es geht immer weiter und wir kriegen irgendwas auf die Reihe. Wir machen irgendwas, ja. Natürlich gibt es immer Leute, die brauchen es an die Hand genommen zu werden. Deswegen bin ich ja so ein großer Freund. Das klingt auch wieder so pathetisch, des Solidargedankens, sich sozusagen, um andere Leute zu kümmern. Weil es ist nicht jeder sein eigenes Glückes Schmied, sondern es gibt eben Leute, Die kriegen das nicht gebacken, weil sie es nie gelernt haben. Und wenn ich nochmal sage, was uns verbindet, dass wir eben schon als Kinder irgendwie gesagt haben, yeah, hier bin ich und ich mache jetzt hier was. So sind wir und das ist ein großes Glück.
Joël Kaczmarek: Total. Was war so der Job, den ihr machen wolltet, als ihr Sechs wart? Wenn man euch gefragt hat mit sechs Jahren, was habt Ihr gesagt? Förster.
Sebastian Krumbiegel: Ich wollte Förster werden, wirklich. Weil mein Onkel irgendwie, Wir waren viel im Wald und ja, Förster wollte ich werden.
Joël Kaczmarek: Und du hast ja schon gesagt, du wolltest auf die Bühne.
Susan Sideropoulos: Ich wollte Superstar werden.
Joël Kaczmarek: So und bei mir war es lustigerweise so, Ich wollte erfinder werden. Und der Grund war, dass mein Vater mir als Kind gesagt hat, So, wenn du ein Auto erfindest, das mit Bier angetrieben wird, kannst du richtig reich werden. Das war so mein sechsjähriger Traum, und irgendwann habe ich für mich festgestellt, Ich bin erfinder geworden, Nur meine Produkte sind da sozusagen nicht tangibel, nicht anfassbar. Und der Job heißt vielleicht auch gar nicht Erfinder, sondern Unternehmer. Und was ich hier am Tisch bei uns allen Dreien irgendwie merke, ist ganz viel Unternehmertum. eigentlich, weil wenn ich zum Beispiel in deiner Situation wäre, würde ich auch sagen, fuck. Ich habe doch keinen, Also, Unternehmen sind immer paranoid. Die haben immer sozusagen, Die riechen immer den Wettbewerber hinter sich und suchen immer nach Abhängigkeiten, die sie abschneiden wollen. Das heißt, An deiner Stelle würde ich auch sofort sagen, ey, okay, Ich habe doch keinen Bock hier. Von Bild, RTL und Co. Abhängig zu sein. Ich will mir was eigenes aufschreiben. Wie kann das gehen? Deswegen bin ich auch neugierig, was die Strategie dahinter ist. Also wie baust du das auf? Was sind die Bausteine? Wie puzzelst du das?
Sebastian Krumbiegel: Vielleicht ist die Strategie wirklich dein Herz. Geh deinen Weg, den du gehen willst und gar nicht. Irgendwie mach einen großen Businessplan. Auch wenn du das vielleicht jetzt gar nicht hören willst. Ja, aber am Ende ist es wirklich so. Ich glaube, bei mir ist es auch wirklich so. Ich habe nie gedacht irgendwie, ich muss jetzt hier reich werden. Mit irgendwas. Ich habe immer gesagt, ich möchte gern das machen, was ich gern machen möchte. Das, was mir am nächsten liegt, was mich erfüllt. Und da hast du die Chance, gut zu werden. darin.
Joël Kaczmarek: Ich habe einen Freund, der ist Unternehmer, der sagt immer, Er hat für sich und seine Frau. Wochenziele, Monatsziele, Jahresziele, 5- und 10-Jahresziele. Sowas finde ich zum Beispiel pervers. Das denke ich mir so, Come on, 10-Jahresziele, Wenn er eine Frau und ich, was ist denn mit Dir los?
Susan Sideropoulos: Manche brauchen das vielleicht.
Joël Kaczmarek: Gut, vielleicht ist es sozusagen, wenn man auch so in der Selbstoptimierung denkt, Ziele zu haben, ist immer gar nicht schlecht, weil Produktionsfirma ja auch bei dir so ein Ding war. Also A, Lerne ich, Passion ist die tollste Strategie. Was produzierst du denn? Was ist denn der Gedanke? Also Filmstoffe. Oder was kommt noch?
Susan Sideropoulos: Genau, also, das ist das eine, Wir entwickeln Filmstoffe. Im kreativen Bereich. Das heißt, Wir schreiben Exposés, Treatments und suchen dann Menschen, die das mit uns gemeinsam realisieren wollen.
Joël Kaczmarek: So, Und jetzt haben wir ja vorhin Netflix und vielleicht können wir auch Amazon Prime nennen. Und Joyn. Und wen es da noch? So gibt. Wir wollen ja gar keine Schleicherung machen. Haben wir so relativ schnell weggebügelt. Ist das nicht auch ein Thema, mit dem du dich beschäftigst? Mal zu sagen, okay, ich schreibe jetzt mal eine Serie, die ist Streaming orientiert. Da spiele ich vielleicht sogar eine Hauptrolle.
Susan Sideropoulos: Serien schreiben wir nicht. Wir sind bei Filmen und haben jetzt gerade einen echt schönen... Fertiges Treatment, das wir sehr, sehr lieben und haben jetzt auch eine andere Firma, die es auch liebt. Und jetzt hoffen wir, dass wir das zusammen realisieren. Das wäre toll.
Sebastian Krumbiegel: Ideen sind Gold wert. Das ist schon irgendwie am Ende das, worum es geht. Also, ich musste gerade dran denken, weil es um Filmideen geht. Ich bin ja großer Fan von Jan Böhmermann und Olli Schulz. Und Olli Schulz hatte jetzt so eine großartige Idee, dass er gesagt hat, Er würde gerne einen Film machen. darüber, dass jemand in der Zeit zurückgeschickt werden muss. Ins Jahr 1980. Um zu verhindern, dass John Lennon erschossen wird. Und dann hat er aber gesagt, Und gleichzeitig passiert dann aber noch, dass jemand anders auch in der Zeit zurückgeschickt wird, Weil die Beatles dadurch, dass John Lennon eben nicht erschossen wurde, Ein Comeback hinlegen, das so peinlich und so scheiße, ist, dass er sagt, nein, er muss das verhindern, dass der das verhindert. Ach so, super. Und das finde ich echt so eine Geile Idee. Deswegen denke ich immer, Die Idee ist wirklich das Wichtigste an irgendeinem Ding. Weil du gerade sagst Treatment, wenn Du so eine Idee hast, dann such dir Partner und verwirkliche sie.
Joël Kaczmarek: So sieht's aus. Ist das in eurem Bereich so? Bei uns ist das nämlich genau nicht so. Bei uns sagen wir immer, Ideen sind nichts wert, sondern nur Umsetzung. Das ist natürlich was Unternehmerisches, wenn man sagt...
Sebastian Krumbiegel: Naja, Die Umsetzung, Du kannst aber nur, was umsetzen, was geil ist. Und du kannst natürlich, Die Geile Idee muss erstmal da sein. Genau. Also die Idee ist erstmal der Grundstock dafür, dass du was umsetzen kannst.
Joël Kaczmarek: Und du hast so ganz schnell bestimmt gesagt, Serien machen wir nicht. Wie kommt's?
Susan Sideropoulos: Da haben wir uns einfach noch nicht so dran getraut. Das ist ja viel umfangreicher, viel größer, viel länger. Und deswegen waren wir jetzt erstmal bei Filmen.
Joël Kaczmarek: Merkst Du denn dann Druck in deinem Geschäft? Also macht das was mit den Dynamiken, die da passieren? Ich meine, man muss ja sagen, Filmbusiness in Deutschland ist sowieso sehr spezifisch, Viel mit Förderung gearbeitet. Man muss ganz klar gucken, wer sind die Player, mit denen man arbeitet? Und merkst Du da eine Form von Veränderung?
Susan Sideropoulos: Ja, klar. Also, es ist sowieso für Leute, die neu sind in dem Business, Man muss da erstmal mit ganz anderen Sachen ja auch kämpfen. Wir sind zwei junge, blonde Frauen, die sich dann erstmal mit vielen Menschen... Sich hinsetzen müssen.
Sebastian Krumbiegel: Das hast du doch gar nicht nötig, das so zu sagen. Ja, doch,
Susan Sideropoulos: aber hab ich leider doch, weil es ist doch so, dass. Erstmal muss man sich erkämpfen, dass man mal ernst genommen wird in dieser ganzen Geschichte. Und es ist tatsächlich immer noch so, also, das ist ja kein Geheimnis, also, dass man dann erstmal schauen muss, Wir haben hier wirklich eine gute Idee, hört mal zu, so und so. Und dann geht's Halt Step by Step. Aber wir sind halt auch, wie gesagt, noch relativ am Anfang. Zwei Jahre klingt jetzt viel, aber das ist nicht viel. Also in den zwei Jahren haben wir ja mehr oder weniger nur geschrieben, geschrieben, geschrieben und sind jetzt seit einem Jahr unterwegs. Und nach Menschen, die quasi für Dasselbe brennen, wie wir.
Sebastian Krumbiegel: Und wie läuft das mit geschrieben, geschrieben, geschrieben? Ist das so, dass Ihr dann irgendwo hinfahrt, dass Ihr euch sozusagen wie in eine Art Camp fahrt? Oder ist es so, dass Ihr euch Ideen hin und her schickt?
Susan Sideropoulos: Hin und her, also meine Freundin, mit der ich das zusammen mache, die sitzt in Köln. Sag mal Ihren Namen,
Joël Kaczmarek: die hat jetzt hier mal Fame verdient. Wie heißt die? Ja,
Susan Sideropoulos: Marisa, Marisa. Wir zwei haben uns das zusammen ausgedacht. Wir sind Summer Sisters Film. und...
Sebastian Krumbiegel: Summer Sisters Film.
Susan Sideropoulos: Ja.
Sebastian Krumbiegel: Yeah.
Susan Sideropoulos: Und wir sind das Duo, die zusammen kreativ arbeiten.
Joël Kaczmarek: Und machst du auch viel Sparring? Also gehst du sozusagen mit Leuten in Dialog und sagst, guck, mal, das ist meine Idee, Weil das merkt zum Beispiel Unternehmer teilen ihre Idee mal nicht gerne. Das ist ironisch. Ja, ja. Wir sagen immer, Ideen sind nichts wert, aber wir teilen Sie nicht, weil Sie Angst vor Diebscher haben.
Susan Sideropoulos: Richtig, ja, das ist ja hier nicht anders. Also, Aber man muss rausgehen irgendwann mit den Ideen. Man muss gucken, wie kommt das an, Wie reagieren Leute, Sonst kommst du ja auch nicht weiter. Und klar, jetzt, durch Corona sind wir ein bisschen gestoppt worden. In dem ganzen Prozess, Weil ja einfach auch nichts mehr produziert wurde und alles irgendwie auf Pause gedrückt wurde. Und deswegen habe ich mich jetzt ganz aktiv in den letzten zwei Monaten. Corona-Zeit nur mit meinem Buch beschäftigt, Weil. Da brauche ich ja niemand anderes, sondern da bin ich ja alleine mit mir und meinem Kopf. Und am Schreiben.
Joël Kaczmarek: Wie ist denn das, wenn man TV und Film macht, braucht man da mittlerweile eigentlich noch so viele Player? Braucht man Produktionsfirmen und Co.? Weil ich meine, Ein Smartphone hat teilweise mittlerweile schon geniale Kameras, jetzt mal überspitzt gesagt. Könntest du vieles auch selber machen?
Susan Sideropoulos: Nein. Also bestimmt kann man vieles selber machen, Aber das ist nicht unsere Intention.
Sebastian Krumbiegel: Blair Witch Project.
Susan Sideropoulos: Genau. Nee, das ist nicht unsere Welt.
Joël Kaczmarek: Okay, also. Das Ziel ist sozusagen eigentlich das klassische, schön gebaute, große...
Susan Sideropoulos: Ja, definitiv.
Joël Kaczmarek: Was ist denn da? Dein Motor? Was kickt dich daran?
Susan Sideropoulos: Ich liebe Schreiben. Also, ich habe das jetzt einfach in den letzten Jahren gemerkt, tatsächlich durch Instagram, dass ich einfach super gerne schreibe und dass ich das auch... Ganz gut kann. Also tatsächlich das Treatment, das eine, was wir geschrieben haben, hatte jetzt eine Produzentin gelesen aus einer großen Produktionsfirma, Die sagte, boah, Ich hab lange nicht mehr so ein gutes Treatment gelesen. Und dann haben wir uns extrem gefreut, weil das ein Super Feedback war, Weil die Person liest eine Menge. Was wir sehr, sehr gerne schreiben, ist Halt Komödie mit Hintergrund. Ich liebe, bin Riesenfan von Adam Sandler zum Beispiel, und ich finde wirklich seine Filme großartig, weil du denkst, du guckst dir einfach so eine platte Komödie an. Und danach sitzt du aber noch drei Stunden und denkst, boah, was hat mir der Film? Denn gerade? erzählt? Also gerade so ein Film wie Click oder so, der einfach super tiefgründig ist, wo ich denke, wow, aber so geil leicht verpackt, Das finde ich eine Super Kunst.
Sebastian Krumbiegel: Das ist wirklich der Trick, das ist echt die große Kunst, dass Du entertainst, aber das, haha, mein Lieblingsspruch irgendwie in dem Wort Unterhaltung steckt, Das Wort Haltung. Dass du sozusagen. Das Entertainment benutzt, um was zu transportieren und damit doch einen mitzugeben. Das ist echt die große Kunst.
Susan Sideropoulos: Absolut. Also, wir haben einen super schönen Film geschrieben, mit dem sind wir echt leider noch nicht weitergekommen. Warum, weiß ich nicht. Es ist eine super tolle Culture-Clash-Komödie,
Joël Kaczmarek: eine jüdisch-muslimische tatsächlich.
Susan Sideropoulos: Die hat natürlich eine gewisse Haltung und weiß ich nicht, warum es da irgendwie sich schwer tut, Aber da bleiben wir dran.
Sebastian Krumbiegel: Wie heißt dieser französische Film, die Töchter des… Genau. Das ist eine... Habe ich das neulich gesehen. Hammergeil. Ja, total. Das finde ich wirklich auch so zeitgeistig. Und trotzdem eben genau das Ding. Total lustig, aber schon echt, also Hammer, was dahinter.
Susan Sideropoulos: Genau.
Joël Kaczmarek: Ist ja manchmal lustig, wenn einem das Lachen im Halse stecken, bleibt. Wenn man sich so dabei ertappt. Das ist in der einen Sekunde noch lustig, in der anderen nicht mehr. Genau.
Susan Sideropoulos: Das ist Superkunst auf jeden Fall. Das liebe ich.
Joël Kaczmarek: Eine Sache, die mich mal wirklich interessieren würde, also ganz indeskret gefragt, ich möchte nicht von dir wissen, wie viel Geld du Verdienst oder weiß ich nicht, wenn Du es mir sagen willst, kann man auch gerne darüber reden, Aber was mich eher interessiert, ist, wie Verdienst Du Geld? Weißt du, ich habe einen Job für mich, ich muss eine Firma aufbauen, Alles klar, ich habe ein Gehalt, bumm, fertig. Wie ist das bei dir? Ist das irgendwie, dass Du von Gagen dich irgendwie finanzierst, dass du irgendwie Social Media Influencer-Geschichten bezahlt, bekommst? Womit Verdienst du eigentlich dein Geld so?
Susan Sideropoulos: Ja, also am Wochenende gehe ich immer Nein, Quatsch. Also, ich verdiene tatsächlich mein Geld über Drehtage und Moderationsjobs und auch für die Spiele-Shows gibt es Geld. Also, tatsächlich kann ich von mir sagen, ich glaube, da kann man ganz froh und stolz drüber sein, dass ich jetzt 20 Jahre nur von meinem Job gelebt habe, tatsächlich und jetzt noch nie, was anderes nebenbei machen musste. Ich glaube, das ist schon mal ganz schön. Viel wert. Was noch? Also klar, Social Media ist ein Bereich, wo man jetzt viel Geld mitverdienen kann. Da tue ich mich ein bisschen schwer. Ich bin halt keine Influencerin im klassischen Sinne. Also, ich mache nur Werbung für Sachen, für die ich auch ohne Geld Werbung machen würde. Und da, ja, da braucht man schon viel Haltung für, glaube ich. Weil es ist nicht so leicht, da immer nein zu sagen. Weil klar, also, da wird mit Unsummen umhergeschmissen. Und dann mein Mann, der ist da immer so ein bisschen pragmatischer unterwegs. Da sagt er dann immer so, oh, Was ist das für eine Anfrage? Ich sage ja, das und das. Und er so, oh, voll der Scheiß. Und dann sage ich ja, und sagt er, was gibt es dafür? Ja, das und das. Oh, mach doch. Ja, nee. Und das ist halt eben das Ding. Da muss man halt gucken, wie man damit umgeht. Und dann sagt er, Ja, gut, ist doch nur eine Story, ist doch morgen weg. Aber so sehe ich das Halt nicht. Also, ich kann das nicht und will es auch nicht und muss es ja auch nicht.
Sebastian Krumbiegel: Das hatte ja Kim Gloss erzählt, als wir gesagt haben, das ist schon echt schräg. Wir haben vorhin darüber gesprochen, was man wirklich mit einer Insta-Story irgendwie verdienen kann. Und das ist schon... Schräg, ja.
Susan Sideropoulos: Das ist schräg. Und da muss man jetzt einfach mal gucken. Jeder muss sehen, wie er damit zurechtkommt. Ich bin ja keine Influencerin, wie gesagt, daher nehme ich das eine oder andere da mit. Aber eben, wo ich sage, okay, ich erzähle eine authentische Geschichte dazu.
Joël Kaczmarek: Also Ich als Unternehmer wäre jetzt so an deiner Stelle, dass ich selber ein Produkt entwickeln würde. Also, wenn du sagst, hey, wow, ich stehe auf… Ja, tue ich ja.
Susan Sideropoulos: Ich schreibe Ja, ein Buch.
Joël Kaczmarek: Ja, genau sowas, dass man zum Beispiel sagt, Ein Kurs oder irgendwie sowas Repetitives, dass man sagt, eine Seminarreihe, Susan tells you how to do this and that. Oder sowas.
Susan Sideropoulos: Kann man machen, definitiv. Da hat mich jetzt noch nicht die Muße gepackt, dass ich sage, das ist es jetzt. Aber klar, das wäre auf jeden Fall eine Richtung.
Sebastian Krumbiegel: Würde ich dir mal ein Brainstorming mit Joël empfehlen. Empfehlen, ja,
Susan Sideropoulos: da setzen wir uns nochmal zusammen, was es sein könnte.
Joël Kaczmarek: Ich steuere gleich den vermarktenden Podcast dazu mit bei. Okay, aber spannend, finde ich super, weil ich meine, um mal eine Zahl zu nennen, also, ich weiß hier, Kim hatte? glaube ich damals erzählt, 20.000 Euro für eine Story, teilweise, Also, wenn du auch auf hohem Niveau bist, das kriegt jetzt nicht jeder. Nee,
Susan Sideropoulos: die hat ja auch echt viele Follower.
Joël Kaczmarek: Also, ich weiß gar nicht, ob die so weit weg ist, Ich glaube, sie hätte jetzt so 400.000. gesagt, du bist bei 150.000.
Susan Sideropoulos: Ja, das ist aber schon nochmal ein Unterschied, und vor allen Dingen ist sie auch eine klassische Influencerin. mittlerweile, also, sie bewegt sich da total im Feld. Und hat ja auch diese Zielgruppe, die dann anscheinend auch jeden Kosmetikkram da auch kaufen und ihr auch. Auch glauben, dass sie das nutzt. Also wahrscheinlich nutzt sie es auch. Ich meine, sie schminkt sich total gerne. Und sie ist ja auch das, was sie repräsentiert.
Sebastian Krumbiegel: Wir haben sie als extrem authentisch kennengelernt. Du,
Susan Sideropoulos: ich kenne Sie auch. Sie war meine Nachbarin, witzigerweise, auch bei mir im Haus. Und ein ganz liebes Mädchen. Und ich finde Sie auch in dem, was sie macht, Super authentisch. Und dann passt es ja auch einfach. Aber zu mir würde es jetzt nicht passen, wenn ich dann plötzlich die Kosmetik da auspacke. Da würden meine Freunde alle sagen, du schminkst dich, doch nie. Was machst du da? Und dann würde ich denken, ja, nee, stimmt.
Joël Kaczmarek: Na, Dennis Aogo hat es auch gesagt, dessen Frau, ja auch Influencerin ist, dass er meinte, ja, du musst halt auch irgendwie deine Community pflegen. Also das unterschätzt man vielleicht auch. Ich habe mal geguckt, Ina Aogo, Die schreibt echt unter jedem Ihrer Posts, schreibt bestimmt. 40 Kommentare, also als Antworten auf Kommentare, die Sie kriegt. Also das ist, denke ich, so wow. Die Leute denken immer, Die sitzt in der Sonne im Solarium, macht ein Foto. Nee, ist viel Arbeit.
Susan Sideropoulos: Ist viel Arbeit.
Joël Kaczmarek: So,
Susan Sideropoulos: ja.
Joël Kaczmarek: Eine spannende Sache bei dir, By the way. Wir schließen, wo wir angefangen haben, quasi. Herkunft. Also, du hast ja auch mal schon gesagt, mein Mann. Und wenn man dich recherchiert, findet man ganz schnell, Dass du auch sozusagen mit deinem Jugendfreund quasi verheiratet, bist. Plus, ich habe ja schon eingeleitet, Israel ist so ein Thema. Was bedeutet das bei Dir in deiner Welt?
Susan Sideropoulos: Ja, also Familie, Herkunft, Alles in allem kommt ganz oben vor Karriere und definitiv wichtigster Punkt in meinem Leben, in meiner Wertekette. Und ja, da habe ich glaube ich ganz schön viel Glück gehabt. Also, ich bin jetzt 24 Jahre mit meinem Mann zusammen. Obwohl ich erst 21 bin, hatte ich ja schon gesagt. Ich weiß nicht, wie das ausgeht, aber gut. Ja, wir sind 24 Jahre zusammen und das ist sehr schön. Und es ist anscheinend eine Seltenheit. Also immer wieder, Wenn ich sage, sagen die Leute so, was gibt's da nicht? Und ja, wir haben zwei Söhne und mein Mann kommt aus Israel. Und meine Mutter ist auch in Israel geboren. Und mein Vater ist in Griechenland geboren. Und ich bin in Hamburg geboren. Also, ich komme aus einer Multikulti-Familie und habe mich auch noch in eine Multikulti-Familie eingeheiratet, weil mein Mann, die Eltern, Die sind wiederum aus Moldawien. Und ich liebe Multikulti. Ich finde, es ist super bereichernd. Ich finde, alles ist willkommen. Bei uns zu Hause ist alles willkommen. Wir feiern Weihnachten und Chanukka und Ostern.
Joël Kaczmarek: Die Kinder freuen sich.
Susan Sideropoulos: Die Kinder freuen sich. Alle sind eingeladen, die Zahnfee und ja, also Total Open. Und so bin ich auch aufgewachsen. Und ich finde das wunderschön. Ja, man muss sich nicht entscheiden für irgendwas. Also, ich bin alles von allem ein bisschen und finde das auch gut.
Sebastian Krumbiegel: Ich will jetzt gar nicht so schwer werden, so tief werden, Aber weil du eben das sagst, Multikulti. Und wir erleben ja zur Zeit doch irgendwie befremdliche Dinge, Die passieren. Also mit Fremdenfeindlichkeit, mit Antisemitismus. Nutzt du deine Bühne, die du hast, in irgendeiner Weise dich zu positionieren?
Susan Sideropoulos: Tatsächlich erst seit kurzem. Ich habe früher nie gepostet, wenn ich in Israel war oder so, weil ich immer dachte. Ach, nee, Und dann kriegt man irgendwie so einen Shitstorm oder irgendwas. Habe ich gar nicht ausprobiert, aber habe ich irgendwie gedacht. Auch zum jüdischen Leben eher weniger Mal so zu den Feiertagen, Hanukkah oder so. Jetzt mache ich das tatsächlich ein bisschen bewusst, auch mehr, weil ich auch ein großes Interesse sehe. Überhaupt kein Shitstorm, nur Interesse. Also ich erlebe wirklich... Ein positives Feedback und die Leute sagen immer, wie schön, und es sieht alles so familiär aus. Und das freut mich total, und ich will eigentlich den Leuten da draußen nur zeigen, es ist nichts Hokus, pokus, Es ist jetzt irgendwie nur eine Religion am Ende des Tages, Es ist ja überhaupt nicht, Ja, ich finde, es ist wieder so wie, Wenn die Leute fragen, fühlst du dich jetzt Deutsch oder jüdisch?
Joël Kaczmarek: Ja, weißt du, das Komische ist ja eigentlich, dass Israel und Jüdisch immer gleichgesetzt wird. Auch lustig,
Susan Sideropoulos: auch lustig, definitiv, also das finde ich schade. Weil ich könnte jetzt auch jüdisch sein und noch nie in meinem Leben in Israel gewesen sein. Also auch das gibt es.
Joël Kaczmarek: Also bei mir war es zum Beispiel, so, Ich war vor ein paar Jahren auf eine Delegationsreise nach Israel eingeladen. Ich habe so eine E-Mail gekriegt, ich glaube so bei Xing oder sowas, wo man mir gesagt hat, Hallo Herr Joël Kaczmarek, Wir würden gerne irgendwie 100 junge Leader irgendwie einladen, dass sie in Israel auf eine Reise gehen. Und dort quasi mit der Kultur, der Politik und so weiter in Kontakt gebracht werden. Wir sind jetzt austauscht. Also, wir sind da hingefahren und es fing so an, Am Flughafen gab es erstmal menschliche Kontrollen. sozusagen. Da musste ich irgendwelchen Leuten... Ins Gesicht gucken. Und die haben mir Fragen gestellt, was ist denn so eine unangenehme Art? Die Reden dann so abgehackt, Why do you plan to go to Israel? Und all so Ein Zeugs, ne, So what is your purpose there? Have you ever been to Israel? What do you do here? Mich hat mehr gestresst, dass ich die kaum verstanden habe, und das ist ja sozusagen, so, Sicherheitscheck hast, bist du irgendwie antisemitisch und so weiter und so fort. Das heißt, die Gucken auf deine Augen, wie du reagierst und so weiter. Und dann kam er da so an. Und dann meinte er, ja, Leute, das war auch jetzt echt hier, Ihr Seid im Schnelldurchlangen durchleuchtet worden. Normalerweise, wenn ihr ankommt, kommt das Ganze noch mal und viel intensiver. Wir haben jetzt, weil wir die Botschaft von Israel sind, Die Möglichkeit, das abzukürzen.
Susan Sideropoulos: So,
Joël Kaczmarek: kommen wir in den Flughafen rein, in so einen Raum, Und dann hält irgendwie jemand eine Begrüßungsrede. Und das erste, was er gesagt hat, war Hallo. Und das zweite, was er gesagt hat, wir sind das, verfolgte Volk. Uns hasst jeder auf der Welt, Bla, wir wollen Barrieren abbauen und herzlich willkommen, dass ihr da seid. Da hab ich gesagt, boah, Das ist aber eher schwermütig, so. Und das war so lustig. Also das war so diese Berührung, die ich mit diesem Land hatte. Ich habe ganz viel gesehen. Wir sind da wirklich rumgeschliffen worden. Also, ich habe selten so wenig geschlafen. In der Woche. Wirklich jede Nacht nur fünf, sechs Stunden. Wir haben alle getroffen. Wir haben den Ministerpräsidenten getroffen, den Präsidenten. Wir haben künstler getroffen, Investoren, Buchautoren, alles. So, und das war, so ulkig. Also, da floss so viel zusammen. Das erste, was ich dachte, war so Wahnsinn. Warum haben die denn so einen Verfolgungswahn?
Sebastian Krumbiegel: Na, warum wohl? Na ja, Moment. Na, ja, ich weiß, ich gehe da steil bei dem Thema. Ich habe eben gesagt, ich will, wie gesagt, gar nicht so schwer werden. Aber was wir zurzeit beobachten... Also auch bei uns hier in Deutschland ist wirklich für mich gruselig. Ich war am 8. November in der Synagoge. Hier in Berlin, nach den Attentaten von Halle, Als die Synagoge in Halle an der Saale angegriffen worden ist, Und habe das erste Mal so richtig gemerkt, und Kriege jetzt Gänsehaut, wenn ich darüber spreche, wie es diesen leuten, geht. Das ist keine Paranoia, das ist irgendwie richtige Angst, die diese Menschen haben, wo ich dann denke, ich habe dich vorhin so doof gefragt, Susan, ob du dich positionierst. Ich bin der Meinung, Wir müssen uns heute positionieren, weil wir können das nicht einfach irgendwie ungewöhnlich, also, ich wollte jetzt gar nicht so reingrätschen, Aber für mich ist es ganz wichtig, mich zu positionieren und ganz klar zu sagen, fuck you Nazis, fuck you Antisemitismus, Das geht nicht. Und wirklich, das ist für mich so ein ganz emotionales, tiefes, tiefes Ding, wo ich gar nicht anders kann und wo ich mir auch gerne von irgendwelchen bösen Menschen, von irgendwelchen, Ich versuche, jetzt, böse Vokabeln wegzulassen, Shitstorms abhole.
Joël Kaczmarek: Nee, ich finde das verritabel, was du sagst. Bei mir war eher der Punkt... Also, mir ist natürlich klar, warum die so sind. Weil es gibt, so zwei Strömungen. Ich bin auch viel aufgewachsen, mit irgendwie Arabern. Da war mal Yahudi, war wie so ein, Ich glaube, das heißt auf Arabisch, irgendwie Jude. Das war so diese Schimpfworte und so. Ich habe das nie verstanden, warum das so ist. Aber es ist natürlich klar, wo diese Strömung herkommt. Was bei mir zusammenfloss, waren zwei Sachen. Das eine war, dass ich dachte, Wahnsinn, Wenn ich schon in meinem Kopf die Opferrolle drin habe, komme ich da auch nie wieder raus. Dann auf der anderen Seite, Wir sind auch so durch Yad Vashem durchgegangen. Also dieses große Mahnmal. Ich finde, ich finde bei der Nazi-Zeit Das Faszinierende ist... Du denkst, du hast jeden kranken, scheiß darüber schon gehört. Und dann gibt es immer noch einen drauf. Aber da habe ich so gedacht, Wahnsinn, wenn du Opferrolle im Kopf hast, das ist so schwer loszuwerden. Auf der anderen Seite ist es eine Realität, die nicht wegzudenken, ist. Wir saßen da und dann hat uns Netanyahu, der hat uns zwar lustig, Der hat so einen Mitarbeiter rausgeschickt, Der kam mit einer Landkarte wieder und hat gesagt, guck, mal, This is Israel. Und das sind unsere Nachbarn. Und dann fing der an hier irgendwie. Iran, Ägypten, Jordanien. Da ging es so, okay, das ist jetzt nicht Niederlande, Polen und so, Da geht ein anderer Schnack. Das war das eine, aber das ist so. Von außen hat man dann diese ganzen bedeutungsaufgeladenen Dinge und jetzt holen wir dich mal wieder rein, lieber Susan. Und dann bin ich drin gewesen und es war ganz anders. Also, es war so, Die Leute haben getanzt, teilweise nachts. Es gab auch ganz viele irgendwie Moslems, die Tür an Tür mit Christen und Juden gelebt haben. Und so von der Sicht. Das ist so Wahnsinn. Das wirkte so abschotterisch und so in die Opferrolle begeben. Und das ist es aber überhaupt nicht gewesen, sondern es ist im Gegenteil, so, embracen, sagt der Engländer, So total öffnen und umarmen, trotz dieser Angst. Und das fand ich faszinierend. Und jetzt mal wieder die Überleitung zu dir zurück. Und geht es dir damit auch, so? Merkst du das auch, dass das so eine Kultur ist, die eigentlich ganz viel vereint und offen ist? Und da gibt es ganz viele Widersprüche, Irgendwie Widerkräfte, Habe ich das Gefühl, oder?
Susan Sideropoulos: Ja, also, das ist ein großes Thema. Ich tue mich da manchmal ein bisschen schwer, weil einem oft auch das Wort im Mund irgendwie umgedreht wird. Und so. Und ich finde es, ja, da schießen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Ich weiß jetzt gar nicht genau, worüber ich jetzt anfangen soll, über Israel selbst oder über die Situation hier. Für mich ist ganz klar, ich bin jedes Jahr ein bis zweimal dort. Ich liebe dieses Land. Es ist für mich das tollste Land, was es gibt auf der Welt. Ich glaube, das kann man nur verstehen, wenn man einmal dort gewesen ist, weil es eben doch so ganz anders ist, als man glaubt. Es ist das Land mit den meisten Start-up-Unternehmens. Es ist halt immer in Bewegung. Es sind viele junge Menschen. Es ist sehr, sehr offen. Die Menschen, die dort leben, Natürlich gibt es dort auch Fanatiker, die gibt es überall. Idioten gibt es überall. Das sage ich meinen Kindern, auch. Das hat nichts mit Nationalität zu tun. Man muss natürlich sagen, dieses Land ist umgeben von Feinden, so, wie du es gesagt, hast, schon immer gewesen. Wenn es dort keinen Schutz gibt, innerhalb dieses Landes, dann würde es dieses Land auch gar nicht mehr geben. So ist es einfach. Das ist ein Fakt. Und wer das nicht glaubt, der war nie dort. Und anders kann es nicht existieren. Viel Spannender. An der ganzen Geschichte finde ich, dass das überhaupt so ein relevantes Thema ist. Ich meine, diese Welt ist so groß. Es gibt so riesengroße Länder mit so vielen Problemen. Krieg, Syrien. Tote, Massen, Folter, Flucht, Afrika. Es gibt so viele Themen, wo jeden Tag Tausende Menschen sterben. Aber worüber wird gesprochen? Nur über Israel. Und das finde ich viel spannender an der ganzen Geschichte. Weil ich frage mich dann immer, muss sich jeder rechtfertigen auf dieser Welt, für alles? Nein. Aber wenn du jüdisch bist oder irgendeine Position hast zu Israel, musst du dich politisch äußern. Und da frage ich mich, dieses winzige Land. Das so groß ist wie Brandenburg. Also, es ist winzig, ja. Also ich meine, es ist winzig klein, dieses Land. Und hat so viel Potenzial. Die Menschen gehen auf die Straße, Es gibt Demonstrationen. Wenn dort irgendwie etwas passiert und dann, Ich frage mich immer, wo das herkommt. Und das finde ich viel erschreckender als alles andere, weil einfach die Welt ist groß und es passiert wirklich viel Böses. Und dass diese Vermischung passiert. Ich frage mich, warum ich mich in einem Land wie Deutschland rechtfertigen muss. Für Israel nur, Weil ich jüdisch bin, also, das muss ja auch sonst niemand tun. Niemand muss sich für ein anderes Land rechtfertigen.
Sebastian Krumbiegel: Du hast das Gefühl, dich rechtfertigen zu müssen, ja? Naja,
Susan Sideropoulos: Also, es ist, dass man sich positionieren muss in irgendeiner Art und Weise.
Sebastian Krumbiegel: Dann hast du mich vielleicht falsch verstanden. Mir geht es wirklich nur darum, Völlig unabhängig von Israel, mir geht es wirklich um Antisemitismus. Genau,
Susan Sideropoulos: man darf es vielleicht nicht vermischen, Aber es passiert natürlich dadurch, dass wir jetzt auch mit einer neuen Art von Antisemitismus hier zu tun haben. Das eine sind halt eben die Nazis, und das andere ist halt die Problematik, der Nahostkonflikt, der hier rüber schwappt. Den finde ich natürlich trauriger, weil der hat hier gar nichts zu suchen. Wir sind hier und wir leben hier und wir sollten es besser machen als die dort. Ja,
Sebastian Krumbiegel: die Welt, vermischt sich. Du hast vorhin, so von Multikulti geschwärmt und natürlich, Ich schwärme genauso von Multikulti und glaube, Man darf nicht die Augen davor verschließen, dass es eben so ist, Weil wenn Leute sagen, wir mögen das nicht. hey, es ist so und die Welt wächst zusammen, können wir machen, was wir wollen. Können wir machen, was wir wollen.
Susan Sideropoulos: Und ich habe super viele muslimische Freunde, und da darf man überhaupt nicht alle über einen Kamm scheren. Null, null, null. Also, ich kenne eigentlich selbst niemand, mit dem ich persönlich ein Problem habe. Und daher sollten wir einfach das gute Vorbild sein und nach vorne gehen und sagen, wir machen es besser, wir rücken zusammen.
Sebastian Krumbiegel: Ich wollte gerade sagen, ich wollte vorhin auch gar nicht so eine Box der Pandora öffnen. Mir geht es einfach nur darum, dass mich das wirklich bewegt und dass ich da einfach denke, man darf auch, ich finde, man sollte zur Zeit jede Möglichkeit nutzen, sich zu positionieren, gerade das, weil es passieren gruselige Dinge und es wären Sachen wieder normal. Und Antisemitismus wird eben wieder irgendwie so salonfähig, was wir uns vor fünf oder zehn Jahren vielleicht gar nicht hätten vorstellen können, Geschweige, denn vor 30 Jahren.
Susan Sideropoulos: Es ist Antisemitismus, Es sind aber viele Themen, die man sich nicht hätte vorstellen können. Aber ich verbinde das alles mal mit Angst. Also Menschen, die Angst haben, sagen Schlimme Dinge, Die Angst haben um sich selbst. Und ich glaube, wenn jeder vor seiner eigenen Tür ein bisschen mehr aufräumen würde und mit sich in Frieden kommt, Dann gäbe es auch nicht so viel Unruhen überhaupt. Also Ich glaube, die Menschen sollten anfangen, einfach mit sich selber viel mehr Frieden zu finden.
Joël Kaczmarek: Naja, Schade ist ja manchmal, dass keiner sich mehr die Zeit nimmt, sich mit den Dingen auseinanderzusetzen. Also, ich muss ganz klar sagen, ich komme aus Wilmersdorf, Das ist in Berlin harmloses Pflaster, vergleichsweise. Trotzdem gab es bei uns auch solche Geschichten. Ich glaube, es wäre super wertvoll, mal in Bezirke zu gehen, wo irgendwie viel arabischstämmiges Publikum ist, mal zu sagen, Ey Jungs, kommt, Wir nehmen euch mal mit rüber, schaut euch den Kram mal an, weil es war so, ey, Man muss da nicht alles geil finden, aber es geht mir wie dir, komischerweise, Wenn man erzählt, ich war in Israel, dann hat man zwei Sätze später auf einmal bei Grenzpolitik oder hier so Siedlungsbau, ja. Da denke ich so, ey, Alter, come on. Was ist denn das? Redest du jetzt mit jedem Russen darüber, wie irgendwie die Krim-Annexion zu rechtfertigen, ist? Oder Tschetschenien, komm, was machst du da auch nicht? Von USA brauchen wir gar nicht anfangen, was die für Dreck am Stecken haben. Das ist unfassbar in einem Maße, das jenseits von Gut und Böse ist. Das ist so, wo ich denke, also, ich glaube, wenn ich eine Sache mitnehme, auch von dir jetzt wieder, ist, dass man sich miteinander beschäftigen muss und dass man auch sich überlegen muss, wofür will ich stehen, was bewegt mich und sich miteinander auseinandersetzen.
Susan Sideropoulos: Und aufklären. Aufklärung, Bildung. Also ich glaube, das ist das Einzige, was wir machen können. Es fehlt halt einfach oft an
Sebastian Krumbiegel: Bildung. So sieht's aus. Drüber reden, aufklären, richtig.
Joël Kaczmarek: Ich erinnere mich, wir hatten damals Gespräche, da haben die uns, erzählt, Es gab irgendwie einen Bombenattentat oder eine Explosion im Gaza-Streifen. Und dann hatten sie Palästinenser, die quasi nicht gerettet werden konnten, von dort aus, Die haben die mit israelischen Hubschraubern ins israelische Krankenhaus geschickt. Die hatten panische Angst. Die haben gedacht, Das sei sozusagen eine Wurstfabrik für Menschen. Die haben gedacht, weil die so dämonisiert sind, Die Israelis, Die Schleppen uns, die Juden, die schleppen uns jetzt hier da rein, Dann werden wir klein gehackt und so. Und die waren völlig baff, als man sie damit irgendwie Wertschätzung behandelt hat, als man sie irgendwie gesund gemacht hat und dann wieder nach Hause geschickt hat. Also bei Sowas fängt es ja irgendwie wirklich schon an. Ich meine, mag auch mal Propaganda dabei sein und Fair point. Aber ich habe das zum Beispiel als Land erlebt, wo man sehr selbstkritisch mit sich umgeht und offen den Dialog sucht. Von daher das Mal als kleinen Exkurs. Lebst Du eigentlich nach jüdischem Glauben auch oder bist du da eher?
Susan Sideropoulos: Doch, doch, ich lebe jüdisch. Also dadurch, dass mein Mann ja auch jüdisch ist. Und ja, ich das auch schon von zu Hause. Zwar alles. Mitgenommen habe, Aber es ist halt. Mit den Jahren ist es eher jüdisch geworden. Aber wir sind überhaupt nicht religiös. Wir sind traditionell und die Unterscheidung ist darin, dass wir jetzt nicht strikt. jetzt, keine Ahnung, den Schabbat halten. An Schabbat darf man eigentlich nicht Auto fahren, nicht arbeiten und kein Fernsehen gucken. Und so. So streng sind wir nicht, aber wir gehen in die Synagoge, Wir feiern die großen Feiertage. Für mich hat das eher, was mit Werte zu tun. Familie kommt zusammen. Das könnte jetzt auch ein Sonntagmittag sein, Aber wir nehmen halt die Feiertage, die da sind.
Joël Kaczmarek: Okay, also Sowas mit zwei Kühlschränke, Kota Essen und sowas. Nein, nein, nein,
Susan Sideropoulos: gar nicht.
Joël Kaczmarek: Ein bisschen, ich meine, Generell bei der Religion muss man ab und zu auch mal schmunzeln, oder? Also, wenn man sich manchmal überlegt, woran wir glauben, auch als Christen. Also, ich habe manchmal so Amerikaner vor mir, Die sagen, Wissenschaftliche Studien über irgendwelche Sachen, Das ist Fake News, glauben aber an ein 2000 Jahre altes Buch.
Sebastian Krumbiegel: Oder glauben daran, dass Eva aus Adams Rippe gemacht worden ist? Und Evolutionstheorie wird nicht mehr gelehrt. Das ist für mich auch echt gruselig. Da denke ich irgendwie an, Leute. Also, hey, ich glaube, man sollte wirklich Respekt haben. Also, ich bin Respekt vor jeder Art von Religion, würde ich sagen. Ich bin christlich erzogen. Ich habe für mich irgendwann entschieden, aus der Kirche auszutreten. Ich hatte meine Gründe dafür. Ich war im Tom-Mahner-Chor. Wir haben Johann Sebastian Bach gesungen. Bach hat unter jedes seiner Werke Soli Deo Gloria, Allein Gott die Ehre, geschrieben und hat sozusagen seine Musik für Gott geschrieben. Ich habe jeden Freitag, jeden Samstag predigt, in der Thomaskirche gehört und habe irgendwann dann für mich beschlossen, hey, das ist nicht meins. Und trotzdem versuche ich, einfach respektvoll, gegenüber jeglicher Art von Religion zu sein. Natürlich nicht gegenüber Eiferern, egal, ob sie, also fundamentalistische Muslime, fundamentalistische Christen, Das nervt alles total rum, und das ist böse. Alles, was extrem ist,
Susan Sideropoulos: ist nicht gesund.
Joël Kaczmarek: Also, ich nehme heute mit, man braucht irgendwie einen Kern, mit dem man sich identifizieren kann, man sollte für was stehen, Aber es ist auch irgendwie wichtig und toll, wenn man irgendwie offen ist. Und mich begeistert, dass du deine Kunst, und so heißen wir hier dein Schauspiel, was für uns wirklich eine Kunst ist. Und deine Moderation und deine ganzen Social Media Aktivitäten dazu nutzt, um genau sowas zu tun. Von daher bin ich dir ganz, ganz dankbar, dass Du das mit uns geteilt hast und wünsche dir ganz viel Erfolg, dass wir bald einen Kinofilm von Dir sehen, dass wir eine Buchreihe haben.
Sebastian Krumbiegel: Ja, vor allem, was wir heute geschafft haben, was ich auch so, also. Vielleicht müssen wir noch den Dreh finden, hinten raus wieder ein bisschen leichter zu werden. Also, es ist schon jetzt irgendwie sehr schwer geworden, hinten raus. Ja, gut,
Susan Sideropoulos: aber dann haben wir alle Themen jetzt mal abgekriegt. Ja,
Sebastian Krumbiegel: und das finde ich genau richtig, dass wir irgendwie sozusagen Entertained haben. Und trotzdem, hey, ja, wir haben was, erzählt.
Susan Sideropoulos: Es ist wieder ein Adam Sandler Film.
Sebastian Krumbiegel: Yes, yes.
Joël Kaczmarek: Hinten gehen wir noch einzeln mit nach der Film. Genau. In diesem Sinne, lieben dank Dir und natürlich, wie gesagt, Viel Erfolg bei All deinem Tun.
Susan Sideropoulos: Danke, danke.
Sebastian Krumbiegel: Vielen, vielen Dank.