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Iva Samina: Ich als Kopf, ich darf mich entspannen, weil ich mitbekomme, Der Körper ist sicher. Wenn Menschen langsam reden, dann ist es ein Indiz dafür, dass sie viel eher in ihrem Körper sind. Dann sind Sie mit dem verbunden, was sich gerade in ihnen bewegt. Wenn ich meine Wut, zeige, dann weiß ich nicht, ob ich weiter geliebt werde, dann weiß ich nicht, ob ich überleben werde. Das sind manchmal so ganz tiefgehende Ängste.
Intro & Outro Speaker: 5 oder mehr, Gib Mir alles, was Du mir sagen kannst und sag, was hast du gelernt? Vom Fallen und Aufstehen, suchen und Versehen. Und jetzt Du Hi 5 Leute,
Joël Kaczmarek: Hier ist Joël und ihr wisst, Feel Good Friday. Setzen wir uns mit dem Thema Gesundheit auseinander. Da wollen wir ja auch wachsen. Und naja, Vielleicht geht es euch auch so, dass wir manchmal so ein bisschen das Problem haben. Ich habe das zumindest, dass wir mit uns... Selber zusammenwachsen müssen. Also, ich habe heute ein Thema am Start, wo ich lustigerweise gar nicht so viel darüber weiß, wo ich dieses Stichwort aber gehört habe, als ich mit der lieben Iva zu ihr gleich mehr gesprochen habe. Und dachte, warte mal, da ist irgendwas dran. Und zwar heißt Dieses Thema Embodiment. Also, Verkörperung steckt da offensichtlich drin. Es wird wohl um sowas gehen, wie in den Körper kommen, fühlen. Und was macht das mit einem. Und ich habe im Vorgespräch gemerkt, so viel kann ich schon mal sagen, da steckt richtig, richtig viel drin. So, aber ich hole euch erstmal ganz kurz ab, mit wem ich heute spreche. Und zwar ist das die Liebe... Iva Samina. Und Iva hat gleich mehrere Rollen, könnte man sagen. Also, die ist Sexologin und Sexcoach. Sie macht auch sowas wie Sexological Bodywork, also super spannend, Geburtsvorbereitung und ist auch Autorin. Und wenn ich euch eine Sache ans Herz legen kann, geht einfach mal auf. Iva Samina. Die Macht richtig. Spannende Sachen. Zum Beispiel steht demnächst auch ein ReTREat im schönen Italien an. Das heißt Secret Garden nur für Frauen. Da geht es genau um sowas, worüber wir heute sprechen. Aber ihr merkt auf jeden Fall schon. Sexualität, Körper, Sinnlichkeit, Das ist genau das Feld, in dem Iva aktiv ist. Und ich bin total neugierig, da mal zu hören, was eigentlich im Body mit alles drinsteckt. Von daher schön, dass Du da bist, Liebe Iva. Hallo Hallo,
Iva Samina: Joël voll schön, dass ich wieder bei dir sein darf.
Joël Kaczmarek: Ja, ja, ja, ja. Wir haben festgestellt, wir haben uns noch gar nicht live gesehen, Das erste Mal. Und da sind wir schon mittendrin in irgendwie Körperlichkeit, Kontakt, sich sehen und so weiter. Also, das steckt drin, und ich darf auch sagen, Ich habe bei dir ja schon mal so einen Sexkurs auch für Männer gemacht und habe da auch Spannendes gelernt. Und da fiel dieser Begriff Embodiment an irgendeiner Stelle. Weil, das darf ich ja sagen, ich habe bei diesem Kurs gedacht, ach, das ist so ein Ding mit, Wie werde ich besser im Bett, schneller, höher, weiter, So typisch männlich. Und dann habe ich festgestellt, so, hä, Hier ist etwas ganz anderes am Start. Hier ist ja irgendwie so, Wie fühle ich mich, wie komme ich in Ruhe, Wie mache ich dies, wie mache ich das. Und war ganz fasziniert, dass da ganz viele Männer waren, wo ich so realisiert habe, ach krass, Die sind so gar nicht mit sich in Kontakt. Und dann fiel dieses Wort Embodiment. Und so Ward, meine Neugierde geweckt. Und jetzt... Holen wir es doch vielleicht mal ab, vielleicht fangen wir mal mit so einer Basic-Definition an. Was ist denn eigentlich Embodiment?
Iva Samina: Also Ich freue mich total, dass Du dir dieses Thema ausgesucht hast, weil da wird nicht so viel drüber gesprochen. Und ich finde, Im Deutschen gibt es leider nicht so eine gute Übersetzung. Man könnte sagen Verkörperung. Und das ist dann immer so ein bisschen, naja, hört sich komisch an. In den Körper kommen. Und im Endeffekt geht es darum, Gefühle, Emotionen, Gedanken, Wahrnehmung, Selbst, Wert über den Körper auszudrücken. Und da mögen jetzt viele Leute sagen, ja, klar, ist doch logisch. Aber wenn wir bedenken, dass ein Großteil der Bevölkerung hauptsächlich nur hier den Körper bewohnt, also? Der Kopf ist meistens sehr, sehr stark. Und der Rest des Körpers ist oft nur so ein Anhängsel. Das heißt, Viele Menschen bewohnen ihren Körper nicht wirklich. Die kriegen gar nicht wirklich mit, was da los ist. Und ich glaube, das ist unabdingbar, dass wir Menschen wieder lernen, zurück in den Körper zu finden, dass wir wirklich lernen, dass der Körper ein sicherer Ort ist, den wir auch bewohnen können und dürfen.
Joël Kaczmarek: Ich weiß total, was du meinst, weil ich weiß nicht, ob es meine Sphäre, ist, die Businesswelt oder dass ich jetzt ein Mann bin, Viel mit Männern verkehre. Ich habe den Eindruck, dass in unserer Gesellschaft dem Denken ein riesiger Stellenwert eingeräumt wird. Also, es ist ganz wertvoll. Ganz toll, wenn man das gut kann. Und das Fühlen, nehme ich so wahr, Dem wird so eine Bedeutungslosigkeit beigemessen. Ich habe den Eindruck, Viele beschäftigen sich mit ihrem Körper eigentlich erst dann, wenn er nicht mehr funktioniert. Und dann holt er einen so ein bisschen zurück. Erlebst du das auch, so?
Iva Samina: Das erlebe ich auch so, absolut. Dieses Kognitive ist total toll, so. Aber es ist halt eben nur ein Teil. Wir brauchen beides. Wir brauchen Kopf und wir brauchen Körper. Und ich erlebe es auch, dass die meisten Menschen sich erst mit dem Körper auseinandersetzen, wenn er nicht mehr wirklich funktioniert, Aber dann versuchen sie meistens aus dem Kopf heraus, sich mit dem Körper auseinanderzusetzen. Und das Leben verändert sich. Das verändert sich total, wenn wir lernen, aus dem Kopf und in den Körper rein zu entspannen.
Joël Kaczmarek: Ich hatte ein ganz anregendes Gespräch vor Kurzem gehabt. Ein ganz toller Arzt, der auf Neurotechnologie spezialisiert, ist. Also der kann mit deinem Gehirn die Krassesten sachen machen. Und dann habe ich ihn so gefragt. Ich sage so, du hör mal, du kennst dich, doch auch mit dem Nervensystem gut aus. Ich habe eine Nachbarin, Die hat gerade Hexenschuss oder hat so Bandscheibenvorfeld. Und seitdem hat die depressive Verstimmung. Kann sowas miteinander zusammenhängen? Gehirn, Depression, Rücknahme? Ja, auf jeden Fall. Und der hat so einen schönen Satz gesagt, der hat gesagt, weißt du, Joël, Es ist ganz oft so, Wir setzen irgendwie den Kopf und den Körper in so einen Kampf miteinander. Und der Körper gewinnt am Ende eigentlich immer, weil er immer die fieseren Mittel noch ziehen kann. Also ganz oft gehen wir sozusagen mit unseren Gedanken über die Signale rüber, die uns der Körper schickt, überschreiben die oder ignorieren die einfach. Und dann kommt halt die größere, sozusagen die größere Schlag. Und jetzt bin ich ja mal neugierig, du bist ja jetzt sozusagen, da ein Einfallstor, ein Weg, von dem ich lernen kann. Was ist denn, so der Pfad, wie du Embodiment beTREibst? Also, wenn du jetzt sagst, okay, ich bin jetzt hier, und ich möchte aber gerne das erweitern. Was ist so der Pfad, den du dafür mal kennst und empfiehlst?
Iva Samina: Das ist super, super individuell. Ich muss wirklich immer schauen, wer sitzt da vor mir. Weil es gibt viele Menschen, Die haben in der Vergangenheit auch häufig im Kleinkindalter Situationen erlebt, die sich bedrohlich angefühlt haben. Und wenn ich mich bedroht, fühle, dann habe ich die Tendenz, eher in den Kopf zu gehen, weil wenn ich im Kopf bin, dann habe ich das Gefühl, ich kann die Situation kontrollieren. Das heißt, Viele Menschen, die im Kopf sind, sind in der Regel auch starke Kontrollettis, Kontrollmenschen. Und ich finde, da müssen wir acht geben, dass wir das nicht bewerten. Da gibt es ganz schnell so eine Bewertung, Ah ja, so ein Kontrolletti. Und nee, das hat häufig etwas damit zu tun, Ich habe gelernt, dass ich in gewissen Situationen nicht sicher bin. Deshalb gehe ich lieber in den Kopf. Hier habe ich alles im Überblick. Hier kann ich die Dinge kontrollieren. Dann fühle ich mich vermeintlich sicher. Das Ding ist nur, Es ist eine totale Illusion. Es funktioniert bis zum gewissen Grad und dann halt eben nicht mehr.
Joël Kaczmarek: Ich kann damit total relaten. Also, ich hatte auch eine unsichere Kindheit und bin genau in so einen Modus gegangen. Lustigerweise weiß ich sogar noch, Ich war in der Schule, in der Grundschule, habe die gewechselt, kam in eine neue Klasse und wurde dann immer verdroschen, weil ich so frech war. Also, ich war immer so gewohnt, King Louie kommt hier in die neue Klasse, macht auf dicke Hose und dann hat einen die Realität wieder eingeholt. Und ich habe dann irgendwann gedacht, für mich so proaktiv, okay, Wenn du Sie nicht mit dem Körper schlagen, kannst, weil sie einfach zu viele sind, dann schlag Sie mit dem Geist. Also so ein klassisches Symptom, eigentlich von dem, was du da beschrieben hast. Wie ist denn der Pfad da? raus? Also, wie kann man denn da wieder quasi dieses Embodiment für sich angehen?
Iva Samina: Ja, ich habe Kunden, da muss ich schauen, Wir müssen ganz kleine Schritte gehen, dass sie wirklich, dass das Nervensystem mitbekommt. Der Körper ist wirklich ein sicherer Ort. Ich als Kopf, ich darf mich entspannen, weil ich mitbekomme, Der Körper ist sicher. Und das geht in der Regel nicht von jetzt auf gleich, sondern das braucht manchmal mehrere Sitzungen, bis das Nervensystem wirklich mitschneidet. Okay, ich bin wirklich sicher. Andere Menschen, es gibt Menschen, Da sind die Stimmen im Kopf so laut. Das ist quasi den Weg in den Körper versperrt. Und es gibt eine Übung, Die mache ich ganz gerne. Das machen nur wenige Menschen wirklich konsequent, Aber die Übung ist geil. Die hat mir selber damals auch sehr geholfen, weil ich nämlich auch so ein Kontrollettie war, Stimmentagebuch zu führen. Und das mehrere Wochen am Stück. Nimmt man sich ein leeres Heft und einen Stift? Und jeden Tag setzt man sich hin. Und schreibt für 20 Minuten auf, was jetzt in diesem Augenblick in meinem Kopf lebendig ist. Und das ist manchmal so ein erstmal so ein belangloses Bla Bla, bla, bla, bla. Oder ich weiß nicht, was ich schreiben soll. Wenn der Staudamm einmal bricht, so schnell kann man oft gar nicht schreiben. Und dann merkt man, dass hinter der einen Stimme manchmal noch eine Stimme ist und hinter der Stimme sogar noch eine Stimme ist. Und wenn man fertig ist, Nach diesen 20 Minuten Schreiben, dann gibt man diesen Stimmen einen Namen. Und das ist ganz spannend herauszufinden, welche Anteile sind in uns denn alle aktiv. Und da gibt es Menschen, Die haben 27 Stimmen, es gibt Menschen, die haben 42 Stimmen, die sehr herausarbeiten. Und man merkt ganz schnell, Es gibt, wie Teams, die zusammenarbeiten, Es gibt aber häufig auch Gegner. Und das sind die Stimmen, denen wir oft im Alltag unsere Kraft und Macht abgeben. Wir geben quasi den Stimmen, die Kontrolle über uns. Das heißt, Diese Stimmen sitzen vorne am Steuer, und wir sitzen hinten auf der Rückseite. Und dann geht es im Endeffekt darum, dass wir wieder Lernende Steuern in die Hand zu nehmen. Und dass wir sagen, Stimmen auf den Rücksitz mit euch. Ab jetzt habe ich ja alles in der Hand und unter der Kontrolle. Und wenn ich euch brauche, kann ich jederzeit auf euch zurückgreifen. Aber jetzt bestimme ich. Wenn das Geschehen ist, dann können wir oft anfangen, ganz anders mit dem Körper zu arbeiten.
Joël Kaczmarek: Also so eine Stimme, Ist das dann zum Beispiel sowas wie, Iva, Hier spricht Bob, Du musst noch das Projekt fertig machen, Da ist eine Abgabe. Oder ist das so eine Stimme, hallo, Hier spricht Sally, Du bist gar nichts wert, sTREng, dich mehr an, nur wenn du dich ansprichst. Weißt du, was ich meine?
Iva Samina: Also, ich habe diese Übung ja auch gemacht. Meine Stimme hieß dann die innere AnTREiberin oder die innere Kritikerin. Oder die Stimme, Ich bin nicht gut genug. Oder dann kam die fürsorgliche Mutter. Oder dann kam das kleine Kind, was plötzlich aktiv wurde. Und so habe ich diese verschiedenen Anteile in mir herausgearbeitet, die alle aktiv in mir waren. Eine sehr kraftvolle Übung, Das war für mich das Tor in meine innere Freiheit. Seitdem ist mein Kopf sehr viel stiller, sehr viel Leiser. Und es fällt mir so viel leichter, in den Körper reinzukommen. Und dann gibt es andere Übungen, wo wir Dinge berühren. Wo die Menschen lernen, mit der Aufmerksamkeit in die Hand reinzugehen und ganz bewusst zu spüren, was spüre ich denn da, wenn ich bewusst etwas berühre. Dann üben wir manchmal Berührung an den Händen, dass wir gegenseitig die Hände berühren. Oder es gibt eine Übung, die kommt aus dem Wheel of Consent, Die Bossy Massage, Dass Menschen sich hinlegen und reinspüren, wo und wie will ich in diesem Augenblick berührt werden? Will ich überhaupt berührt werden? Und wenn ja, wie genau? Schaut diese Berührung aus. Und dann bekommen Sie diese Berührung für maximal zehn Sekunden. Und dann werden sie runtergenommen und sie bekommen Raum zum Nachfühlen. Und das hört sich sehr simpel an. Das kann unglaublich tief gehen. Und viele Menschen, die oft sagen, ich weiß gar nicht, was ich will, ich weiß gar nicht. Die wissen dann manchmal erstaunlicherweise sehr genau, was Sie wollen. Und es war eine Idee. Das war der Kopf, der erzählt hat, ich weiß es nicht. Und der Kopf kann auch nicht wissen. Was ich gleich für eine Berührung mag, das kann nur der Körper wissen. Und das sind je nach Person gehen wir unterschiedlich ran. Und bei den einen dauert es länger, bei den anderen geht es schneller.
Joël Kaczmarek: Ist Embodiment dann mit so einer Art Therapie auch verbunden? Oder ist es so ein bisschen so, dass es da 20 Pfade gibt? Und jeder ist vielleicht für den einen Passender als der andere? Ja, sowas. Wo ich sonst so dran gedacht habe, ist so Körpertherapie. Ich kenne das aus der Traumatherapie. Ich habe mal jemanden sagen hören, die sagt, Ja, Trauma ist verkörperter Schrecken. Und deswegen kann er auch nur dort gelöst werden. Und das fand ich interessant, da kommen wir vielleicht später auch nochmal bei deinen Punkten zu, dass man halt dahin geht, wo es liegt. Ich weiß nicht, wie es dir so geht, aber ich finde, Wenn man redet, ist es manchmal endlich an bestimmten Punkten.
Iva Samina: Ist es. Und das ist zum Beispiel, Ich finde es sehr schön zu merken, Wenn Menschen sehr schnell reden, dann ist es ein Indiz dafür, dass sie im Kopf sind. Wenn Menschen langsam reden, dann ist es ein Indiz dafür, dass sie viel eher in ihrem Körper sind. Dann sind Sie mit dem verbunden, was sich gerade in ihnen bewegt. Und man kann diese Menschen in der Regel auch besser wahrnehmen und spüren. Also das, was Sie sagen, kommt eher beim Gegenüber an.
Joël Kaczmarek: Ich weiß, ich saß mal mit einer Dame zusammen, die Macht, so TCM, Traditionelle chinesische Medizin. Und dann saß ich so vor ihr und sagte, Wissen Sie... Ich kann einfach so schnell denken, ich kann nicht so schnell fühlen, Deswegen denke ich manchmal gerne auch einfach, weil ich dann sachen. Schneller erfasse. Guckt die mich so an und meint so, was erzählen Sie denn da für ein Blödsinn? Ich sag, wieso? Wissen sie, wie viele Prozesse das Gehirn beim Denken machen kann? Pro Sekunde? Sieben oder neun, Das war irgendeine einstellige Zahl. Wissen sie, wie viele Prozesse das Gehirn beim Fühlen machen kann? Im Körper? 26.000. Also so in den Dimensionen, Wie war das? Also die Signale, die der Körper schickt, sind viel schneller und viel intensiver als der Kopf.
Iva Samina: Ist es. Und es gibt ja auch ganz viele spannende, Mega spannende Studien zum Darm. Das ist ein mega unterschätztes Organ, finde ich. Und man hat herausgefunden, dass mehr Informationen vom Darm zum Gehirn gehen, als vom Gehirn zum Darm. Und der Darm, Das ist ja auch der Sitz unserer Gefühle. Und es wird mittlerweile auch In einigen Szenen wird das zweite Herz genannt.
Joël Kaczmarek: Spannend. Jetzt hast du mir im Vorfeld so ein paar Punkte gegeben, die wir zu dem Thema Embodiment bearbeiten können. Also, ich mag das ja immer, Fünf Dinge, die man wissen kann, dazu. Ja, Fünf Dinge. Und das erste, was du mir gesagt hast, war immer so ein Leitspruch. Wenn ich im Körper bin, wird der Kopf leiser. Was steckt dahinter?
Iva Samina: Der Körper ist ja der zentrale Punkt des Erlebens und der Erfahrung. Und wie wir gerade ja schon drüber gesprochen haben, Der Kopf ist manchmal sehr laut, Der erzählt uns sehr, sehr viele Dinge. Und das ist ganz spannend. Also die Menschen, die sich auch mit Dr. Joe Dispenza Ein bisschen auseinandergesetzt haben, Der erzählt ja auch ganz viel darüber, dass die Dinge, die wir denken, Das ist in der Regel ein Reprodukt der Vergangenheit. Also ungefähr 95 Prozent der Dinge, die wir denken, das sind Dinge, die wir aus der Vergangenheit in die Zukunft holen. Holen und wir reproduzieren quasi unsere Vergangenheit in der Zukunft. Die ganze Zeit. Ich würde sogar sagen, 95 Prozent der Gedanken, die wir denken, sind mehr oder weniger. Müll. Wir können unseren Gedanken oft nicht vertrauen, weil wir uns selber gerne mal verarschen und Storys erzählen. Der Kopf kann sehr gut funktionieren, aber erzählt uns auch manchmal einfach Blödsinn. Und wir geben dem Kopf sehr viel, Macht über uns. Und wenn wir jetzt lernen, in den Körper rein zu sinken, Wenn wir lernen, im Körper zu Hause zu sein, wird der Kopf ruhiger. Und dann kommt eine Entspannung in unser System. Und das ist unglaublich, gut und sehr erleichternd.
Joël Kaczmarek: Das klingt fast so ein bisschen meditativ, wie du das beschreibst.
Iva Samina: Ja, das hat, was davon.
Joël Kaczmarek: Ich habe jetzt ganzen Menschen gerade so im Kopf, die irgendwie vor dem Monitor oder mit dem Kopfhörer da sitzen, die zuhören und sich fragen, ja, aber wie mache ich das denn? Ja, aber wie mache ich das denn? Also genau dieses Kopfleiser-Kriegen-Raus-aus-dem-Denken-Kommen. Vielleicht hast du auch nochmal, genau passend zu dem Punkt, so einen ersten Schritt. Also ist das sowas, was Du gesagt Hast mit der Übung, mit dem Tagebuch oder wäre Meditation, was? Braucht man da immer einen Menschen für oder kann man das alleine schaffen? Was wäre für dich der erste Schritt in so eine Richtung?
Iva Samina: Also Menschen, die den ganzen Tag vorm Monitor sitzen, würde ich sagen, mach definitiv mindestens eine halbe Stunde. Sport am Tag, wenn nicht schon eine ganze Stunde. Beweg deinen Körper, dass du deinen Körper überhaupt wieder fühlst. Und oft wird dann auch der Kopf ein bisschen ruhiger und entspannter. Und dann kann man schauen, ist die Person offen für Meditation? Ich finde Meditation ziemlich toll. Vielleicht braucht es aber auch Körpertherapie. Ja, Hilfe von außen, dass ich meinen Körper besser wahrnehmen kann, dass ich besser ins Spüren kommen kann. Das muss man wirklich super individuell schauen.
Joël Kaczmarek: War es interessant, was du mit dem Sport sagst. Das machen viele Menschen, Ich glaube auch, so Topmanager, Die machen dann immer ExTREmsport, Weil das ist ja auch das, wo sie sich noch spüren und so. Ja,
Iva Samina: ja.
Joël Kaczmarek: Spannend, spannend. Jetzt hast du gesagt, wenn ich im Körper bin, wird der Kopf leiser. Kannst du das nochmal sozusagen, ein bisschen ausführen, was das dann mit sich bringt? Das ist, glaube ich, für viele Menschen sogar ein unangenehmer Zustand. Also, es gibt so manche Menschen, die mögen diese Stille gar nicht. Das fällt denen schwer. Aber wie fühlt sich das an? Warum ist das stimmig? Vielleicht kannst du das mal so ein bisschen bebildern.
Iva Samina: Das ist klar. Also, wenn man merkt, es macht einem Angst, dann ist es wahrscheinlich. Ein Indiz dafür, dass diese Kontrolle im Kopf ein wunderschöner Überlebensmechanismus gewesen ist. Und dann geht es darum, vielleicht diesen Anteil erstmal zu würdigen und zu schätzen. Hey, du warst immer für mich da. Du hast immer auf mich. Acht gegeben. Vielen Dank. Und jetzt möchte ich gerne was Neues lernen. Ich habe ja noch diesen wundervollen Körper, und ich möchte den gerne auch noch kennenlernen. Und das in einem eigenen Rhythmus zu machen. Das heißt ja nicht, dass ich gleich irgendwie eine Stunde in der absoluten Stille versinken muss. Das kann wirklich einigen Menschen Angst machen. Da taste ich mich ganz vorsichtig heran in meinem Rhythmus. Und für mich ist es wirklich so ein Gefühl von einer tiefen Entspannung. Vielleicht so wie nach dem Sport. Wenn ich ordentlich gepowert habe, dann macht sich in mir eine Entspannung. breit. Da fühle ich mich in der Regel wohl und gut in meinem Körper und ich kann besser loslassen. Ich würde sagen, es geht in diese Richtung.
Joël Kaczmarek: Ich habe das manchmal, wenn ich in diese Zustände komme, dass es sich so anfühlt, als wenn man so eine andere Weisheit auf einmal hervorbringen kann. Kennst du sowas?
Iva Samina: Ja, sehr klar.
Joël Kaczmarek: Dann hast du so den Eindruck oder habe ich so den Eindruck, Ach, okay, Worte, die dann kommen, haben irgendwie mehr Gewicht. Die Eindrücke wirken irgendwie stimmiger, Die Wirkung nach außen ist viel wuchtiger, die man so hat. Also, das ist so wichtig zu erleben, und ich finde das einen sehr faszinierenden Zustand. Wie kommt das, dass das so ist, dass irgendwie das Denken sogar besser wird, wenn es leiser wird?
Iva Samina: Was ich heraushöre, es ist so eine Klarheit, die dann kommt. Ich glaube einfach, dass diese 95 Prozent, die uns ja die ganze Zeit... Zum Müllen, dieses Bla Bla Bla bla, Die sind ja so im Karussell, Im Ewigen Loop, noch eine Runde, noch eine Runde, dass das endlich mal eine Pause hat und dass diese Essenz da drunter, die schnell verschüttet geht, Endlich mal raum haben kann. Dass wir mit der eigentlichen Essenz. Eher in Verbindung kommen.
Joël Kaczmarek: Hast du dich mal mit auseinandergesetzt? Und ich finde, man sollte da aber vorsichtig sein, darüber zu reden, weil das, glaube ich, Auch ein sensibles Thema ist, Was so diese ganzen Psychedelics angeht, Die Menschen mittlerweile nutzen. Weil, so, wie ich es verstanden habe, Gibt es ja Substanzen, die Menschen dann nutzen, um zu erreichen, dass diese inneren Stimmen und diese Leitplanken, die man im Kopf hat, dass die mal kurz weggenommen werden und dass ich mich dann mal so 360 Grad anschauen kann. Also, so wird mir das beschrieben. Das sagt jetzt jemand, der glaube ich. Als schlimmste Droge Zucker konsumiert, vielleicht auch noch Alkohol, Aber ansonsten da gar keine Erfahrung hat. Aber es gibt ja sehr viele Menschen, die gerade sich auf so einen Weg begeben, zu sagen, Ich nehme mal externe Stoffe, um quasi die ganzen Banden kurz mal wegzunehmen und dann mich zu entdecken. Hattest Du mit Sowas Mal Berührung?
Iva Samina: Hatte ich und ich sehe das jetzt wie spät. Ich kenne viele Menschen, die sind jetzt total auf diesem Ding. Es gibt ja auch immer mehr Therapeuten. Die Sowas anbieten. Ich bin immer eine große Freundin davon, wie kann ich es alleine aus mir heraus schaffen, weil ich denke, das ist sehr viel kraftvoller als mit etwas von außen. Es kann vielleicht für einige hilfreich sein, einmal so eine Erfahrung zu machen und zu wissen, ah, so fühlt sich das an, da geht es hin, wie so als Referenzpunkt. Um dann zu schauen, wie komme ich jetzt alleine dahin. Ich finde es immer sehr problematisch, wenn Leute, dann anfangen, Ich brauche das im Außen, damit ich das fühlen kann.
Joël Kaczmarek: Wie eine Krücke.
Iva Samina: Wie eine Krücke oder im Endeffekt, dann eben auch eine Sucht.
Joël Kaczmarek: Ich meine, wenn Du dir mal unser modernes Leben anschaust, Gibt es eigentlich Raum für Embodiment? Weil ich habe den Eindruck, Viele sind in so einem Transit. Das ist alles sehr schnell geworden.
Iva Samina: Es ist super schnell. Ich glaube, In der heutigen Welt gibt es quasi keinen Raum dafür. Alle gehen immer schneller, Essen immer schneller, Reden immer schneller, Vögeln immer schneller, Also ist alles schneller. Das ist durchs Internet scrollen. Es gibt ja Studien, Die besagen, dass viele Menschen sich maximal sechs Sekunden auf eine Sache konzentrieren können. Und länger reicht das nicht mehr für die Aufmerksamkeit. Das finde ich hochbedenklich. Hochbedenklich, Das heißt, wir sind schon so konditioniert, wir müssen. Wir brauchen immer Ablenkung, wir brauchen Futter. Es gibt viele Menschen, Die können auch nicht mal mehr entspannten Film schauen, weil sie nervös werden und daddeln die ganze Zeit nebenher auf dem Handy rum. Das finde ich sehr bedenklich und ich glaube, wir brauchen definitiv bewusste Räume dafür. Und zum Beispiel auch in Schulen von Klasse 1 an. Ja, Sowas wie morgens 15 Minuten Meditation oder nach der Mittagspause 10 Minuten Stille. Ja, kurz mal den Körper wahrnehmen, Body scannen. Wie fühlt sich mein Körper an? Was fühle ich in diesem Augenblick in meinem Körper super wichtig?
Joël Kaczmarek: Also, ich bin da auch selbstkritisch. Ich ertappe mich selber auch manchmal dabei, dass ich beim Zähneputzen mir dann irgendwelche Kurzvideos angucke, weil ich gelangweilt, bin, von dem Akt dazustehen und die Zähne zu putzen. Was halt jeden Tag dasselbe, ist. Vier Bereiche im Mund oder mit vorne, hinten, deswegen sechs. Aber eigentlich geht es ein bisschen genau um sowas. Immer präsent zu sein. Und da komme ich zu deinem zweiten Punkt. Wenn ich im Körper bin, bin ich präsent. Also mal ein kleines Beispiel von vielen, Aber vielleicht kannst du ja nochmal sagen, was du damit noch viel mehr verbindest.
Iva Samina: Also, es ist ganz spannend, jetzt auf dieses Zahnputzthema drauf einzugehen. Ich habe genau das Gegenteil. Ich kann mich total im Zähneputzen verlieren. Das kann, was sehr meditatives haben. Und dann merke ich so, oh, hier die Stelle, das fühlt sich ja total schön an. Jetzt könnte ich nochmal diese Stelle hier putzen. Und oh, das fühlt sich total schön an. Also, ich kann da mit einem totalen Genuss reingehen. Also genau, das ist möglich. Und genau, wenn ich im Körper bin, dann komme ich in die Präsenz. Und nicht nur in die Präsenz, sondern ich komme auch ins Fühlen. Und ich glaube, das ist etwas unglaublich. Wichtiges, was vielen Menschen abhandengekommen ist. Ja, weil wir leben auch in einer Gesellschaft, wenn man fragt, wie geht's dir? Man kommt auf die Arbeit, man wird gefragt, hey, wie geht's dir? Da gibt es ja eigentlich immer nur diese Bandbreite, wo gesagt wird, gut, naja, oder könnte besser gehen. Darüber hinaus, darunter hinaus, wollen wir uns nicht zumuten. Oder wenn jetzt jemand kommt? Und sagt, ich bin gerade Fucking wütend, oder ich bin total mit meinem Schmerzen. Kontakt oder wow, ich bin so happy. Da ist die Reaktion oft so, okay, so genau wollte ich das jetzt aber nicht wissen. Das heißt... Das gibt diesen Raum gar nicht. Wir haben das oft auch nicht gelernt. Viele Menschen... Dürfen lernen, mit Ihren Gefühlen wieder richtig in Kontakt zu gehen. Auch gerade ein Gefühl, wie Wut, was ja gerne als schlecht oder Böse gelabelt wird. Aber Wut ist ein ganz, ganz wichtiges Gefühl, eine Emotion. Wenn ich mit meiner Wut in Kontakt bin, kann ich nehmen, oh, hier ist gerade was off, Irgendwas ist nicht stimmig. Da ist gerade jemand über meine Grenzen gegangen. Ich habe jemanden über meine Grenzen gehen lassen. Ich muss hier mal eine Grenze aufziehen. Oder ich kann es als Energie nutzen. Um etwas, was für mich nicht stimmig ist, zu verändern, aus der Situation rauszugehen, wie auch immer. Und wenn wir uns jetzt unsere Kindererziehung anschauen, Kinder dürfen in unserer Gesellschaft ja nicht wirklich wütend sein. Du bist wütend, geh in dein Zimmer und schäm dich. Du darfst wieder rauskommen, wenn du dich abgeregt hast. Wir sind in der Schule, wir sind wütend. Wow, ja, dann werden wir abgestraft, haben eventuell ein Elterngespräch oder eine schlechte Note. dastehen. Das heißt, es wird oft unterdrückt und es wird... Eben auch oft über unsere Grenzen gegangen, wenn wir klein sind. Wir werden so konditioniert. Sei ein artiges Kind und Gib deinem Onkel die Hand. Du willst oder nicht. Du willst doch jetzt nicht ausgeschimpft werden. Du willst doch geliebt, werden. Gib deiner tante ein Küsschen. Kinder sind geil, radikal, ehrlich. Will ich nicht, geh weg. Jetzt sei aber ein artiges Kind. Und das erleben wir so und so oft in diesem Kindsein, in dem Jugendalter. Zu Hause, in der Kita, in der Schule, später. Ja, dann kommen wir an die Uni und dann sind wir in der Regel sehr gut geformt. Und viele Menschen haben eben keinen Zugriff auf ihre Gefühlswelt. Ich finde das katastrophal. Ich finde das einen absoluten Desaster. Und das ist mit ein Hauptteil meiner Arbeit, dass Menschen wieder lernen, mit den Gefühlen in Kontakt zu gehen. Und damit geht ja auch einher, meine Bedürfnisse wahrnehmen können, meine Grenzen wahrnehmen können. Und viele Menschen kommen zu mir und sagen, ich habe Orgasmusstörungen oder... Frühzeitige Ejakulation oder Schmerzen oder was auch immer. Und dann arbeiten wir heraus, dass viele gar nicht wissen, was sie wirklich wollen und was ihre Grenzen sind. Ich würde sagen, Mindestens 75 Prozent der Bevölkerung weiß das nicht. Das ist ein Desaster.
Joël Kaczmarek: Es kam jetzt ganz vieles zusammen. Also zum einen bin ich bewegt gerade, weil ich hatte mich dabei bei einem meiner Kids, Das ist auch so, dass immer viel Wut im Spiel ist und ich dann immer sozusagen, so die Verhältnismäßigkeit in Frage. Stelle und sage, was schmeißt du jetzt hier mit den Türen? Und so. Und es tut mir im Nachhinein eigentlich Total leid, weil du hast vollkommen recht. Mir geht es selber auch so, dass manche Gefühle sind positiv gelabelt und manche negativ. Angst und Wut sind zum Beispiel negativ gelabelt.
Iva Samina: Ekel ist auch negativ gelabelt, Scham, oft auch. Ja,
Joël Kaczmarek: stimmt. Und das ist so bewegend. Mich schmerzt es innerlich immer, wenn ich mich dabei ertappe, dass ich selber einen Weg für etwas bereite, worunter Ich selber leide in der Sekunde.
Iva Samina: Weil wir es nicht besser wissen. Ich habe das mit meinen Kindern teilweise auch gemacht. Weil ich es nicht besser gewusst habe.
Joël Kaczmarek: Und dann habe ich so Diese Erlebnisse zu dem Ersten, was du gesagt, hast. Ich mache mir manchmal den Spaß. Ich finde, es ist ein überraschendes Erlebnis, wenn man an der Kasse steht, Supermarkt, Drogerie, whatever, Und fragt die Leute, hallo, sagt man immer, und dann, wie geht's? Und wenn das der Kunde fragt und nicht der Kassierer. Und ich finde faszinierend, was dann passiert. Weil wenn man mal so den Vergleich macht, wenn ich in den USA bin, ist es so, hey, how are you doing? Oh, I'M fine, Thank you, how are you? Und da ist halt so, weißt du, so überhaupt nichts drin. Das ist so völlig. Höflichkeit. Da müsstest du eigentlich sagen, okay, how are you really doing? Dann kommst du vielleicht. Und in Deutschland ist es ja so, wenn du in einer Kasse jemanden das fragst, du kriegst ja eine Erbliebsgeschichte, erzählt. Das ist ganz krass. Da merkst du so ein Bedürfnis. Und das ist halt wirklich ganz interessant, dieses, Ich weiß aber auch, was du meinst, so mit, Man will eigentlich immer sagen, ja, mir geht's gut. Oder man möchte es eigentlich nicht sagen, Hey, du, mir geht's gar nicht richtig. kacke. Mir tut der Rücken weh, ich habe schlecht geschlafen. Ich kann im Kopf nicht abschalten, weil mein Nachwuchs hat. Folgendes Problem, weil dann ist genau das, was du beschreibst, dass es sich immer so nach Zumutung anfühlt, eine Belastung. Das war eigentlich nur eine Höflichkeitsfrage, der will ja gar nicht wissen, wie es mir wirklich geht. Wenn wir mal ehrlich sind, Manchmal ist es vielleicht auch so, dass den Leuten zu viel ist, Aber eigentlich gehen die Türen auf, wenn du genau so diese echten Momente teilst. Wenn du sagst, ey, beschissen, wäre gerade noch ein schönes Label, für wie ich mich gerade fühle, weil... Und dann geht es mir echt mal oft so, dass dann andere Leute auch in diesen Modus gehen. Und sagen, Oh ja. Da war ich auch schon. Ich habe das, wie folgt, gelöst. Oder hast du das? Und das auch bohrt und Zack bist du in so einer ganz anderen Welt drin.
Iva Samina: Und klar, man muss auch wirklich nach dem Kontext schauen. Also, ich kenne das auch, Diese Höflichkeitsfloskel, wie geht es dir? Und oft merke ich, da ist nicht wirklich Interesse, mein gegenüber ist nicht offen. Warum soll ich mich jetzt hier großartig öffnen? Ich komme zum Beispiel aus einer Familie, da wird dann oft gefragt, wie geht es dir? Und ich merke, die interessieren sich überhaupt gar nicht für das, was ich erzähle. Ja, und das war irgendwann so frustrierend, dass ich gemerkt habe, ich gehe auf diese Frage gar nicht mehr ein. Und wie schön es aber ist, wenn man jemanden fragt Und man bekommt eine ehrliche Antwort, weil man ist ja sofort greifbar. Und wir alle haben ja die Sehnsucht, wir alle. Die tiefste Sehnsucht ist, Wir wollen alle gesehen werden, gehört und gefühlt werden. Gleichzeitig ist es unsere größte Angst.
Joël Kaczmarek: Ich habe das im Vertrieb lustigerweise oft gemacht. Gar nicht so sehr als manipulative Taktik, Aber das hat sich irgendwie immer so ergeben. Das Erste, wenn ich mit Leuten telefoniert habe, war, wie geht es dir? Und dann erzählen die was. Und wenn du anfängst, den Menschen Fragen zu stellen. Also, ich weiß nicht, Bei wie vielen Salesgesprächen ich auf einmal da war und habe über die gestorbene Oma geredet. Oder über den Partner, wo es gerade schlecht läuft oder keine Ahnung was. Und ich mache das nicht, weil ich den Leuten hinterher hart was verkaufe, Sondern weil ich mich wirklich für die Menschen interessiere. Und habe dann aber festgestellt, Der Nebeneffekt ist, dass du natürlich ein ganz starkes Bonding mit den Leuten aufbaust. Also genau das. Aber es ist interessant, was du gesagt hast. Ich habe immer gedacht, ja, jeder Mensch will gesehen werden. Aber stimmt auch, gehört und gefühlt.
Iva Samina: Ja, und das ist zum Beispiel in unserer Schulmedizin. Und es gibt Studien, besagen Ärzte, die sich wirklich... Einen Ticken mehr Zeit für die Patienten nehmen. Und die wirklich aufmerksam mit ihrem Herzen dabei sind. Und wirklich sich dafür interessieren, wie geht es dir, dass die Genesung eine ganz andere ist.
Joël Kaczmarek: Jetzt nochmal zu deinem Leitsatz, Wenn ich im Körper bin, bin ich präsent. Ist das ein Punkt, den du auf dich selbst bezogen, verstehst oder auf andere? Also präsent sein heißt ja meistens auch, Ich nehme dich wahr, ich nehme mein gegenüber wahr, Ich bin in echter Interaktion. Präsent heißt aber auch, Ich spüre in mir viel mehr. In welche Richtung denkst Du den Punkt? Vielleicht auch in beide?
Iva Samina: Beide. Ich bin mit mir präsent, ich bekomme mit, was in mir geschieht. Dann merke ich zum Beispiel, oh, Jetzt sind meine Hände ein bisschen angespannt oder mein Herz schlägt schneller. Mein Atem hat sich ein bisschen verändert, ist entspannter oder ist flacher. Und dann kriege ich ganz schnell Rückschlüsse. Ah, ich merke, ich gehe gerade eine Anspannung. Irgendwas triggert mich vielleicht gerade. Oder ich gehe eine Entspannung, Ich fühle mich hier sicher mit meinem Gegenüber. Gleichzeitig, Wenn ich mich fühle, kann ich auch dich fühlen. Viel besser fühlen. Wir gehen in Resonanz. Ich kann zwar sehen und hören, aber ich kann nochmal anders wahrnehmen. Ich kann nochmal anders fühlen. Und das finde ich auch super, super wichtig. Also in der Kindererziehung unabdingbar. In der Partnerschaft super wichtig. In der Sexualität mega wichtig. Das brauchen wir für eine erfüllte Sexualität.
Joël Kaczmarek: Das ist interessant, weil ich glaube, bei diesen ganzen Szenarios, die wir bisher beschrieben haben, diese Gesellschaft, womit man erzogen wurde und so weiter und so fort, Es ist manchmal gar nicht so einfach, in diese Präsenz zu kommen. Bei mir war es oft so, ich hatte so einen Delay. Also, ich habe so zwei Stunden später gemeint, warte mal, bist du doch gleich angepisst, weswegen eigentlich? Also, ich würde, Es ist mir jetzt ein bisschen unangenehm zu sagen, aber ich würde sagen, Am Anfang waren es wahrscheinlich sogar eher zwei Tage. Vielleicht sogar drei. Und dann waren es irgendwie von drei auf zwei, auf einen Tag, auf sechs Stunden, auf zwei Stunden. Also das purzelt dann ja relativ schnell. Mittlerweile würde ich sagen, bin ich bei 20 bis 30 Minuten. Aber immerhin.
Iva Samina: Und du bist ja nicht der Einzige. Also, es gibt viele Menschen, denen es so geht.
Joël Kaczmarek: Ja, und ich finde es auch schwierig, weil es ist ja auch so viel los. Und gerade, was du gesagt, hast mit, wenn man Gefühle auch labelt. Und dann merkst du so, warte mal. Sie war wütend gerade, aber wütend, das ist irgendwie unangebracht, Ich will hier die Harmonie im Moment halten und so weiter und so fort. Also, da gehen ja so. Autopiloten-Muster los. Wie ist denn, so der Pfad, den du vielversprechend findest, um in diese Präsenz zu kommen?
Iva Samina: Authentisch mit dem zu sein, Was gerade ist, weil ich bekomme ganz schnell mit und mein Gegenüber ist gerade getriggert. Mein Gegenüber ist eigentlich wütend und versucht, gerade diese Wut zu überspielen. Mit einem netten Lächeln oder mit irgendwelchen Floskeln. Und dann merke ich aber, das, was in der Person geschieht und wie sie versucht, gerade zu sein, ist nicht konkurrent. Das heißt, ich kann meinem Gegenüber nicht vertrauen. Ich fühle mich bei meinem Gegenüber nicht sicher, weil ich weiß, Diese Person ist gerade nicht ehrlich mit sich selber und damit auch nicht mit mir. Und wenn wir lernen, ehrlich zu sein, mit diesem, Oh Moment, mal, Ich merke gerade, ich bin hier gerade ein bisschen angepisst, das meint, so. Und wir müssen aber nochmal drauf schauen, das fühlt sich gerade gar nicht stimmig an für mich, Dann bewegt sich Energie. Ja, und das ist für einige Menschen vielleicht ungewohnt und unangenehm, Aber die Karten liegen ehrlich und offen auf dem Tisch. Und dann können wir damit umgehen. Also ich zum Beispiel, Ich finde es schrecklich, wenn ich genau mitbekomme, was bei meinem Gegenüber passiert, Dann wird es mir abgesprochen und die Energie kann nicht fließen. Die Energie stockt, Man kann fast nicht mehr atmen. ALLE TUN SO als... Würden Sie den Elefanten im Raum nicht sehen? Und dann hintenrum wird vielleicht noch gelästert. Oder dann, zwei Tage später kommt dann plötzlich die Meldung, Das fand ich jetzt aber richtig blöd von dir. Aber es war ja offensichtlich.
Joël Kaczmarek: Ja, ich finde, Es tut sich auch so ein völlig neues Vokabular auf. Also ich weiß gar nicht, ob ich das in deinem Kurs mal gehört habe. Da sollten wir glaube, ich sagen, wie geht es uns gerade? Und dann meinte einer, ja. Mir war gar nicht klar, vielleicht verwechsel ich es aber auch, was man da alles sagen kann. Weil ich habe dann immer gesagt, gut oder schlecht, aufgeregt oder ruhig. Okay, aber es gibt ja noch 50 andere Beschreibungen. Manche gehen ja auch in Details und sagen dann, naja, Mir zwickt es gerade im Bauch, weil ich glaube, ich bin ein bisschen aufgewühlt. Weißt du, was ich meine? Vielleicht kannst du ja mal beschreiben, wie ist denn auch die Reaktion, wenn man dreht? Weil ich habe auch so einen Freund, Waldemar. Von einhorn Kondome. Der hat ja viel so Gefühlsfindung und so gemacht. Und dann sitzt der manchmal da. Und dann sage ich so, du, warte mal, wollen wir das und das, und das machen? Was hältst du denn davon? Dann sitzt der da, guckt mich an und sagt so, ich mache gerade mal ganz kurz einen Body-Check-In. Also Ich merke irgendwie, das macht mir die Brust ein bisschen eng. Ich glaube, das wäre jetzt zu sTREssig, Joël. Können wir das vielleicht aufs zweite Halbbelegung? Und dann das, und das, und das? So in der Art redet der. Und ich sitze da und denke mir so, Das ist in der ersten Sekunde so Skurril und in der zweiten Sekunde so stimmig. Und deswegen bin ich von dir mal neugierig zu hören, wenn man jetzt sich dieser Art mal nähert, präsent zu sein. Im Körper. Was erlebst du, Wie andere Menschen reagieren, wenn man das selbst beginnt?
Iva Samina: Ja, das kommt immer ganz auf mein Gegenüber drauf an. Also so, wenn ich jetzt deinen Freund Waldemar sehen würde, würde ich mich total freuen, weil ich wissen würde, Oh wow, der ist zu Hause, Der ist verbunden mit seinem Körper. Ich gehe da total mit in Resonanz, Ich kann damit gut was anfangen. Ich weiß jetzt aber... Ich habe Kunden, wenn ich so mit denen reden würde, die würden mich anschauen und denken, Die alte spinnt. Aber ich glaube, es ist wichtig und ich glaube, das ist etwas, Was Kinder in der Schule lernen sollten.
Joël Kaczmarek: Aber dann höre ich so ein Stück weit raus, wenn ich more Embodied werde und mehr präsent bin, dass es mir auch auf die Füße fallen, kann, dass Leute auch negativ darauf reagieren.
Iva Samina: Ja klar. Also ich bin oft als die Esotante oder die Hippietante, oder die Perverse, oder was auch immer abgestempelt worden. Weil ich mit meinem Körper verbunden bin, weil ich ehrlich bin, weil ich klar direkt bin.
Joël Kaczmarek: Ich stelle das auch fest. Also das eine ist, Ich glaube, Faszination ist oft groß, dafür. Also es beginnt mir oft, weil ich halt oft Sachen so einfach ausspreche, wo andere Leute, glaube ich, so ein bisschen erschrocken sind oder Fragen stelle auch. So etwas kannst du auch nicht fragen. Und gleichzeitig, also Ich merke, Leute mögen das aber auch, dass es so ein bisschen so ein Bedürfnis gibt. Nach dieser Ehrlichkeit, aber auch viel Angst. Also in so einer Interviewsituation ist ja immer das eine, aber ich überlege in meinem Privatleben, Viele Leute haben Angst vor mir. Und das klingt bizarr, weil ich mache mir. 1.,72 groß. Ich bin jetzt nicht so, dass ich dich irgendwie aus den Socken haue mit der Faust. Aber Fragen zu stellen auf Themen, wo du vielleicht nicht hingucken, willst, so merke ich immer wieder, triggert viele Leute. Aber gut, ich schweife ab. Eine schöne Überleitung, aber vielleicht ein Stück weit auch zu deinem. Dritten Punkt rund um den Faktor Embodiment. Du hast Mir gesagt, Gedanken, Emotionen, Körperzustände hängen zusammen. Das hast du ja eigentlich auch gerade schon ganz schön angeleitet, dass du gesagt hast, naja, Ich sehe ja, wenn du hier mit der Faust in der Tasche da sitzt und machst. Aber schönes Spiel nach außen, also sozusagen ist es ablesbar und es hängt alles zusammen. Nimm uns mal vielleicht ein bisschen an die Hand, so mich, und die Menschen, die jetzt zuhören, wie du darüber denkst, über diesen Dreiklang, den du da gerade auch beschrieben, hast in diesem Satz.
Iva Samina: Ja. Also Gedanken, Emotionen und Körpergefühle bedingen sich gegenseitig. Das heißt, Wenn ich gesTREsst bin, ziehe ich vielleicht meine Schultern hoch und gehe mehr in so eine Körperanspannung. Wenn ich wütend werde, kann es sein, dass meine Fäuste plötzlich aktiver sind. Wenn eine Entspannung kommt, dann kann es sein, dass mein Körper anfängt, so tief auszuatmen. Das sind ja lauter. Sachen, wo man Körper lesen kann. Das mache ich zum Beispiel als, In meinem Beruf mache ich das ganz viel. Ich habe gelernt, wahnsinnig gut, Körper zu lesen. Und ich kann auch oft sehen, sind die Worte und der Körper in Einklang. Jemand, der Depressionen hat, der wird wahrscheinlich eher zusammengesackt sein, Blick auf den Boden haben. Und das ist ganz spannend, wenn ich das eine Weile mache, Die Schultern hochziehen, den Rücken so ein bisschen zusammenrollen, den Kopf. Auf die Brustzinken lösse und einfach die ganze Zeit nach unten schaue, Dann merke ich, wie sich in mir emotional anfängt, was zu verändern. Wohingegen, wenn ich meine Schultern nach oben hinten rolle, meinen Brustkorb Richtung Himmel öffne, Ich meinen Blick hebe, das hat sofort einen emotionalen Effekt auf mich. Ich fühle mich gleich anders. Und das ist nicht zu unterschätzen.
Joël Kaczmarek: Ich denke gerade an eine Situation, habe ich dir lustigerweise auch schon mal von, erzählt. Da saß ich irgendwie in einem, Ich glaube, es war ein Restaurant, so ein Hotelrestaurant. Und dann kam jemand zu mir, hat gesagt, ich habe dir nicht Hallo gesagt, entschuldige, bitte. Und ich hatte den Eindruck, Du wirkst auf mich gerade so, als wenn du dich voll unattraktiv fühlst. Und ich wollte dir nur mal sagen, es ist das Gegenteil, Ich finde dich sehr attraktiv, sagt ein Mann zu mir. Ich fand das total herzig und gleichzeitig habe ich dann darüber nachgedacht, dachte so, okay, ICH hatte... Ich habe mich gar nicht unattraktiv gefühlt, Ich hatte Geldthemen im Kopf, also, ich habe über Umsatz nachgedacht, Über wie kann ich sozusagen? Sachen finanzieren, Ach, du Scheiße, wie mache ich das? Also, man könnte sagen, ich hatte sorgen, und jetzt versuche ich es für mich manchmal dann auch so zu finden, Gerade auch, was du gesagt, hast zu diesem Punkt, wenn das zusammenhängt, hatte der recht? Hat der mich richtig gelesen? Oder hat er eigentlich was rein interpretiert, was in ihm los war? Also weißt du, wo fangen so die Grenzen an und wie nehme ich so auseinander für mich? Was ist in mir, Was ist in anderen? Weil ich finde, das manchmal auch ganz schwer auseinanderzuhalten, wenn man diesen Dreiklang Gedanken, Emotionen, Körperzustand nimmt, zwischen meiner Welt und der anderen Welt zu unterscheiden. Weißt du, was ich meine?
Iva Samina: Ich weiß, was du meinst. Ich meine, wir senden ja schon permanent Signale raus. Und es scheint so, als hätte er schon was wahrgenommen. Vielleicht warst du so ein bisschen mehr zusammengekauert oder so eine runzlige Stirn oder der Blick auf den Boden gerichtet. Also, er scheint irgendwas wahrgenommen zu haben. Seine Interpretation war anscheinend...
Joël Kaczmarek: Attraktivität.
Iva Samina: Ja, genau, Attraktivität. So, Das heißt beides. Und da dann immer zu schauen, dieses, was resoniert, dieses okay, Er scheint, was beobachtet zu haben. So, okay, Ich bin gerade nicht so in meiner Blüte. Ich fühle mich nicht mega fresh und yeah, alive. Und resoniert das mit der Attraktivität? Nee, das nicht. Da müssen wir einfach mal schauen, passt das?
Joël Kaczmarek: Es ist faszinierend, wie du das so übersetzt. Wie hast du das gelernt, Körper zu lesen?
Iva Samina: Oho, Das ist eine gute Frage. Ich meine, wenn man so viele Jahre mit Menschen und mit Körpern arbeitet, lernt man irgendwann gewisse Dinge wahrzunehmen. Ich bin, ich würde sagen, sowieso eine gute Beobachterin. Das ist eine meiner Superpower. Ich kann wahnsinnig gut beobachten und wahrnehmen. Wenn man sich auch mit Trauma zum Beispiel beschäftigt oder diese ganzen Bodywork-Ausbildungen, die ich mache, Da ist das manchmal auch Teil davon, so Mikrobewegungen wahrzunehmen. Verändert sich der Atem, gehen die Augen einen Millimeter weiter auf, wird das Gesicht ein bisschen starrer. Das ist so fein, dass man das, wenn man nicht geschult ist, manchmal gar nicht wahrnimmt. Eine einfache Übung, das haben wir mal gemacht in einem Training, Die war total toll. Eine Person ist gelaufen und die andere Person ist hinter der Person hergelaufen und hat den Gang imitiert. Und das haben wir ein paar Mal gemacht und es ist abgefahren, zu merken, wenn man den Gang von der anderen Person imitiert, also alles, die Schultern, die Bewegungen, die Armbewegungen, Die Beine, Wie die Füße aufgesetzt werden, alles, bekommt man ein anderes Körperempfinden. Und wenn man das so und so oft macht, kriegt man ein Stück weit den Rückschluss auch über diese Person.
Joël Kaczmarek: Das ist ja total faszinierend.
Iva Samina: So was. Oder der Kiefer ist zum Beispiel eng mit dem Beckenboden verbunden. Viele Menschen sind sehr angespannt im Kiefer. Da kann man schauen, okay, Ist es da vielleicht unterdrückter Wut? Werden die Zähne zusammengebissen? Was wird da vielleicht nicht klar kommuniziert? Oder eben auch, Gibt es viel Anspannung im Becken oder vielleicht alles zusammen? Und das gibt mir auch wieder eventuell. Rückschluss über eine Person.
Joël Kaczmarek: Ich überlege noch ein Stück weit. Wenn wir jetzt sagen, Gedanken, Emotionen, Körperzustände hängen zusammen. Was heißt das in der Konsequenz für den Menschen? Was bedeutet das für mich?
Iva Samina: Dass wir uns ein Stück weit über unseren Körper verletzlich machen. Angela Merkel ist doch ein Super Beispiel dafür mit ihrer Raute. Die hat doch immer ihre Hände in diese Raute gelegt, damit sie eben immer schön neutral ist. Und man nicht erkennen kann, ob sie jetzt zum Beispiel nervös ist, angespannt ist oder was auch immer. In Asien ist es ja zum Teil, Ich glaube China oder sowas, da lernen Menschen ja auch, Ich glaube auch gerade in hohen Positionen, sich nichts ansehen zu lassen, ja, die würde nicht zu verlieren. Das ist ein Taffes Training. Das ist gar nicht so leicht, die innere Gefühlswelt von dem Körper so abzuschneiden, Dass die Außenwelt das nicht mehr lesen kann. Das ist echt ein Kunststück.
Joël Kaczmarek: Ja, das ist eine super Überleitung, auch zu deinem vierten Punkt. Wenn ich im Körper bin, kann mein Körper Gefühle darstellen. Also das, was du gerade beschreibst, hat ja auch eine Funktion. Also eigentlich willst du ja wissen, Wenn die Führerin einer Nation gerade richtig aufgewühlt ist, dann ist wohl irgendwas Schlimmes los. Also, das hat für uns ja als menschliches Rudel sozusagen eigentlich eine Aufgabe, auch, oder?
Iva Samina: Definitiv, definitiv. Ein anderes gutes Beispiel war zum Beispiel während... Der Corona-Zeit, Als alle Menschen Masken tragen mussten, gab es Kinder, Die konnten nicht mehr die Mimiken von Erwachsenen lesen. Es gab dann Kinder, die haben angefangen, Menschen zu malen, mit Augen und Nase, Aber es gab keinen Mund. Ja, Und die konnten zum Beispiel dann nicht mehr erkennen, ist die Person, ist da jetzt Freude oder ist da Wut? Und das ist ein Desaster, wenn ein Kind, das nicht als Kind lernt, das ist ein Desaster, weil dieser Mensch kann ja das Gegenüber nicht mehr einschätzen. Das heißt, wir können uns in fürchterliche Gefahren manövrieren.
Joël Kaczmarek: Also die Wegnahme der Hälfte des Gesichtes sozusagen führt schon dazu, dass man nicht mehr weiß, was eigentlich beim anderen los ist.
Iva Samina: Seitdem, als Erwachsener, Wir können ja schon auch ein bisschen die Augen lesen, Aber einem Kind scheint das anscheinend eher schwer zu fallen.
Joël Kaczmarek: Ist es sozusagen, also kann ich Gefühle noch besser darstellen, wenn ich im Körper bin, als wenn ich es nicht sehe? Bin oder zeigt der Körper nicht immer die Gefühle, die ich habe?
Iva Samina: Nicht immer. Also, es gibt manche Menschen, wo ich sage, die sind sehr von sich abgeschnitten, die dann sagen, ich will Freude. Wo ich merke, ja, es kommt aber nicht bei mir an. Oder ich bin wütend. Und dann lächeln sie manchmal dazu. Ich bin total wütend. Ich sage, ja, aber es kommt tatsächlich nicht bei mir an. Ja, Da Scheint es... Anscheinend so einen Riegel davor zu geben. Dieses, wenn ich das, meine Wut, zeige, dann weiß ich nicht, ob ich weiter geliebt werde. Dann weiß ich nicht, ob ich überleben werde. Das sind manchmal so ganz tiefgehende Ängste oder Freude. Manchmal sind wir so sehr davon abgeschnitten, Dass der Körper es nicht mehr schafft, es nach außen hin zu übersetzen.
Joël Kaczmarek: Ich habe mal gesagt, bekommen, wenn man Mauern, um sich herum baut, ist das schön, weil dann ist man geschützt, Man wird aber auch nicht gesehen. Ich finde, in so eine Richtung geht das manchmal. Wenn man irgendwie mit so Also... Du hast ja gerade beschrieben, was du gesagt hast, wenn ich in der Kindheit nicht sicher war und wut, wird mir ab und gibt man dem Onkel die Hand und so. Das heißt, Wenn ich da quasi eine Schwierigkeit habe und mich dann Konditioniere auf ein Verhalten, was mir nicht zu eigen ist, Da tritt etwas zwischen, was du mit dem Energiefließen gesagt hast.
Iva Samina: Und auch da. Immer erst mal, das ist für mich ganz wichtig, dass es anerkannt wird, Das war eine Überlebensstrategie. Das war ganz, ganz, ganz, ganz wichtig. Das war quasi der beste Freund, der immer acht gegeben hat. Jetzt werden wir irgendwann erwachsen und merken, es steht uns im Weg, gerade so eine Mauer. Ich habe mir damals auch, ich habe viel Trauma in meiner Kindheit erlebt. Ich hatte so eine Supermauer. Die war innerhalb von einer Millisekunde hochgezogen. Nach außen habe ich immer kalt gewirkt. Hinter der Mauer ging die Post ab. Ich habe gedacht, ich sterbe, ich überlebe nicht. Und ich dachte mir, wie kann das die Außenwelt nicht sehen? Ich bin doch wirklich hier kurz vorm Verrecken, vorm Eingehen. Nee, du bist zu kalt. Also, es war nicht konkurrent, meine Innenwelt mit dem nach außen hin. Es war eine Super Überlebensstrategie, aber es war einfach irgendwann nicht mehr dienlich und es stand mir unglaublich im Weg, auf einem gewissen Punkt. Und vor allem, Ich war unglaublich einsam hinter dieser Mauer. Es war unglaublich einsam und es war schwer, dass irgendjemand zu mir durchdringen konnte.
Joël Kaczmarek: Wie hast du die abgebaut, Deine Betonsupermauer?
Iva Samina: Ach ja, jahrelange Arbeit. Ich habe so viele Sachen gemacht. Und das Wichtigste war einfach zu erkennen, Es ist wichtig, dass ich lerne, dass ich mich in mir sicher fühle. Das ist der wichtigste Ort, wo ich mich sicher fühlen muss. Und ja. Das war mein individueller Weg. Ich habe wahrscheinlich auch viele Umwege geschlagen. Es hätte vielleicht noch schneller und effizienter sein können, gehen können. Aber im Endeffekt zu lernen, in meinem Körper zu Hause zu sein und einen Ort der Sicherheit in mir zu finden.
Joël Kaczmarek: Das muss doch auch irgendwie eine unglaublich faszinierende Grenzerfahrung gewesen sein, wenn du da sitzt und denkst so, hallo, Party, was kriegst Du hier nicht mit? Und das Gegenüber sagt so, nö. Ist gar nichts.
Iva Samina: Und es hat einen Großteil meines Lebens gedauert, bis ich gecheckt habe, dass die Außenwelt das anders sieht, als ich. Das muss man ja erstmal verstehen. Und das sind ja zwei verschiedene Welten, die da zusammenprallen. Ich in meinem Bubble, in meiner Welt, in meiner Wahrheit. Du in deinem Bubble, deiner Welt, deiner Wahrheit. Da muss ja deine Wahrheit erstmal zu mir durchdringen, dass ich realisiere, du nimmst mich gerade ganz anders wahr.
Joël Kaczmarek: Und den Punkt finde ich noch interessant, abschließend zu dem, worüber wir gerade reden. Vielleicht ist es auch eine persönliche Neugierde, aber wie kriegt man sowas aufgelöst? Du willst dich ja jetzt nicht theatralisch benehmen, damit andere Leute verstehen, was in dir vorgeht. Das ist ja auch unnatürlich. Und gleichzeitig ist es aber total merkwürdig, dass deine innere Gefühlswelt im Außen gar nicht wahrgenommen wird, Was sich für dich aber total natürlich ist. Es ist wie Schwimmen. Das machst du einfach. Das kannst du gar nicht. Weißt du, was ich meine? Und wie kommt man dann an den Punkt, Dass etwas, was man so, oder wie Atmen, schwimmen, ist ja eher gelernt. So wie du atmest, zeigst du deine Gefühle, aber die Leute checken Sie nicht. Und weißt du, was ich meine?
Iva Samina: Ja, die Frage ist, habe ich Sie wirklich gezeigt? In mir ist ganz viel passiert, aber ich habe sie offensichtlich nicht nach außen hin gezeigt. Und einer der ersten Schritte war, also das erstmal zu erkennen. Der nächste Schritt war, wenn ich in diesem Zustand war, das zu benennen. So, ich kriege gerade mit, Du nimmst mich sehr kalt wahr, aber in mir schaut es komplett anders aus. Ich habe hier gerade richtig Angst. Mir geht der Arsch auf Grundeis. Ich habe das Gefühl, ich bin kurz vorm Sterben. Überhaupt, das in Worte fassen zu können, das auszusprechen, Da habe ich mich gefühlt, schon in so eine Verletzlichkeit reinbegeben. Das war ein Riesending. Das konnte ich auch nicht von heute auf gleich machen. Das war ein Prozess, Ich glaube zum Teil über mehrere Jahre hinweg.
Joël Kaczmarek: Ich wollte gerade sagen, also diese Befähigung, sowas, also, es ist ja gar nicht so sehr. Das eine ist die Überwindung, Sowas zu äußern, Das andere ist ja aber erstmal zu übersetzen, was hier drin ist, in ein Wort, in eine Erklärung zu packen, die man draußen verstehen kann. Also manchmal ist ja da auch ein Motiv hinter, was man gar nicht versteht. Ich fühle mich hier in meinem Leben bedroht, obwohl wir eigentlich nur über ein Arbeitsprojekt reden. Also das stelle ich mir unglaublich. Komplex vor.
Iva Samina: Ja, und wir Menschen, Wir sind auch unfassbar. komplex. Das ist manchmal so ein bisschen das AnsTREngende, aber ich glaube auch das Schöne am Menschsein.
Joël Kaczmarek: Jetzt hast du mir als Deinen fünften Punkt noch mitgegeben, Die Integration von Erfahrungen. Also bei allem, was du gerade gesagt hast, Embodiment, Man sieht am Körper, wie die Leute sozusagen in der Haltung, wie es ihnen geht. Und so weiter und so fort. Du hast ja auch, erzählt, Vieles im Denken ist immer rückwärts gerichtet. So, wenn jetzt also Gedanken, Emotionen, Körperzustände miteinander zusammenhängen, der Körper darstellt, wie es mir geht, Dann ist ja eigentlich die logische Konsequenz aus dem, Was du auch gerade gesagt hast, dass vieles, was ich körperlich zeige, eigentlich So eine Erfahrungsvergangenheit ist, die ich da abbilde, oder? Ist das damit gemeint mit dem Punkt? Vielleicht müsste ich es eher so fragen.
Iva Samina: Ich würde es jetzt eher so beschreiben, keine Ahnung, ich gehe über die Straße, werde Blöde angepöpelt. Ja, da kann ich zurückpöpeln und so tun, als wäre nichts gewesen. Ich kann aber auch reinfühlen und merken, oh, das hat gerade was mit mir gemacht. Das ist gerade richtig reingegangen und das fühlt sich in meinem Brustkorb ziemlich schmerzvoll an. So, Und ich merke eigentlich, Willenteile mir gerade zittern. Da kommt gerade... Angst hoch, eine Unsicherheit. Und ich fange an, mich sehr klein zu fühlen. So. Das wäre so eine Integration. Ich erkenne an, dass das ist gerade wirklich passiert, und ich kehr es nicht einfach unter den Teppich.
Joël Kaczmarek: Ich habe gedacht, dass Du meinst, dass sich im Fühlen die Erfahrungen zeigen, die man gemacht hat. Also, dass du zum Beispiel sagst, Ich hatte in der Kindheit ein Trauma und das wird getriggert. Und deswegen kommt diese Erfahrung wieder hoch. Und ich reagiere in der Situation aus einer Erfahrung heraus.
Iva Samina: Und das... Ist im Endeffekt auch Teil davon, doch schon.
Joël Kaczmarek: Ja? Okay.
Iva Samina: Natürlich.
Joël Kaczmarek: Weil es ist interessant, was du sagst, weil ich erinnere mich, Ich hatte einen Unfall beim Sport. Ich bin beim Fußball das erste Mal seit Jahren wieder gespielt, hab mich im Loch im Bauch gefreut, Tore geschossen, Es lief toll. Und dann bin ich auf dem Ball ausgerutscht, in die Luft gesiegelt, auf den Boden aufgeschlagen, erst mit der Hüfte, dann mit dem Kopf. Und es hat so gerumst und die ganze Halle hat den Atem angehalten, dass ich wusste, okay, jetzt bleibst du in Berlin. So, Es tat auch weh, logischerweise. Und dann Krankenwagen gerufen auf die Bahre und so weiter und so fort. Und ich habe an irgendeinem Punkt gemerkt, so, ich würde jetzt gerne heulen. Gar nicht so sehr, weil es weh tut, sondern weil so Spannung raus wollte. Habe ich natürlich nicht gemacht, weil irgendwie nur Kerle beim Sport, ja. Wäre wahrscheinlich, aber ganz toll gewesen.
Iva Samina: Das wäre wahrscheinlich sehr gut gewesen. So,
Joël Kaczmarek: und das ist, glaube ich, ein bisschen so mit gemein, mit dem, was du gerade beschrieben hast, so diese Erfahrung zu machen. Aber ich lerne so, also ich stelle für mich fest, das ist gar nicht so einfach, sich dem zu öffnen. Also, man muss das auch erst mal lesen, lernen.
Iva Samina: Sich selber wieder Vertrauen, lernen. Und dafür brauchen wir diesen Zugang wieder zum Körper. Weil was nämlich passiert, Das war ja in dem Moment auch eine Schockerfahrung für dich. Und ein natürlicher Zustand ist zum Beispiel, dass der Körper anfängt, zu zittern, dass wir weinen oder oder. Das heißt, Die Anspannung der STREss will unser System verlassen. Das ist eine total gesunde Reaktion unseres Körpers. Wir haben oft gelernt, das zu unterdrücken. Und wenn wir das unterdrücken, so habe ich das von meiner Lehrerin, die eine der tollsten Traumatherapeutinnen auf diesem Planeten ist, gelernt. Ein Trauma, wenn wir das nicht adäquat aus unserem Körper rausholen, manifestiert es sich innerhalb von drei Wochen zu einem Trauma in unserem System. Und verkapselt sich irgendwo im Körper. Und das ist sowieso alles, was wir erfahren haben, erlebt, haben, gut, schlecht und so weiter, speichert sich irgendwo in unserem Körper ab. Das heißt, Jede Zelle unseres Körpers trägt jede Erfahrung, die wir je gemacht haben, in uns. Und je mehr von dieser Angst und STREss und Spannung da ist, desto schlechter können wir atmen, desto schlechter kann die Energie frei durch uns durchfließen, desto eher sind wir von uns abgeschnitten und so weiter. Und je mehr Wir lernen, das sofort wieder ans Fließen zu bringen, desto weniger Blockaden haben wir im System. Das so gesünder, würde ich sogar sagen, sind Körper, Geist und Seele. Und so ein gutes Beispiel dafür ist, Wir kennen ja alle diese Tierdokumentation. Ja, Löwe jagt Gazelle, Die Gazelle entkommt, ab einem gewissen Punkt bleibt Sie stehen, zittert einmal und in dem Moment, wo Sie sich so schüttelt und zittert, Bringt sie die ganze Anspannung, STREss aus dem Körper raus. Und dann geht sie zur Herde zurück und Podcast ganz normal weiter, als wäre nichts gewesen. Und das machen so ziemlich alle Tiere, bis auf Zootiere, Die haben es verlernt, Zoo- und Zirkustiere und wir Menschen.
Joël Kaczmarek: Es ist lustig, dass du das sagst. Ich habe genau das als Übung gerade empfohlen. Bekommen nach diesem Sturz. Weil es war genau das, Du hast den Schock noch im Körper. Guck Dir mal TRE an.
Iva Samina: Ja, TRE.
Joël Kaczmarek: Ich krieg die Podcast nicht mehr zusammen, aber guck dir das Mal an. Und dann guck dich, so, Google, Google, Google. Ah, okay, dann hab ich so. Tension & Trauma Releasing Exercises. DACHTE ich, ah, okay, Übersetzungsmaschine. Ich lasse sozusagen sowas los. Und es war genau sowas mit Beinen. So schwingen, dass man die Beine so schwingt. Und dann sitze ich, also irgendwann, ich hab ja gedacht, wie Espenlaub. Ich habe mir Kissen, irgendwann daneben legen müssen, weil meine Beine schlackerten so hin und her. Das ist ganz faszinierend.
Iva Samina: Ja, ja, das ist, ach, Gott, jetzt fällt mir das Wort nicht dafür ein.
Joël Kaczmarek: Neurogenes Zittern.
Iva Samina: Ja, genau, Neurogenes Zittern. Das kommt im Endeffekt. Aus dem Becken heraus, Aus dem Psoasmuskel, der gerne, der Psoasmuskel wird auch der Muskel der Seele genannt. Und gerade Anspannung, STREss, Trauma manifestiert sich gerne in diesem Psoasmuskel. Und wenn wir, Und das ist eine fantastische Übung, in der wir wirklich diese Spannung und Trauma aus dem Körper rausholen können. Ganz, ganz, ganz fantastisch. Einfach zu machen. Ich bin ein Riesen Fan davon. Und genau, Damit können wir selber ganz gut gegen solche STREssmomente vorgehen.
Joël Kaczmarek: Ich verlinke das Mal in der Beschreibung. Die sind wirklich super, Diese Übungen. Und jetzt hast du eben gesagt, Deine Lehrmeisterin sagte, In drei Wochen ist das verkörpert. Wie darf ich mir das vorstellen?
Iva Samina: Verkapselt,
Joël Kaczmarek: du hast, es gesagt.
Iva Samina: Wir können uns vorstellen, es gibt Trauma, Es gibt so ein einmaliges Trauma, was wahnsinnig groß ist, wie ein Autounfall oder eine Vergewaltigung. Das ist so intensiv und heftig, das können wir in dem Moment nicht verarbeiten. Das ist so ein Schock. Da geht der Körper, das geht nur ums Überleben. Und das heißt, Wenn wir diese Schocksituation, wie du ja auch gerade erzählt, hast, dann nicht ganz bewusst angehen, dann, Wir können uns das vorstellen, tut es sich wie in Zeit und Raum verkapseln, wie in so einem Eiswürfel. Und dann sitzt das irgendwo in unserem Körper und wartet darauf, dass es wieder schmelzen kann, damit das, was damals nicht zu Ende gefühlt werden konnte, jetzt zu Ende gefühlt werden kann. Damit es unser System verlässt. Und dann gibt es auch die sich wiederholenden Erfahrungen, wie, also, ich kenne das zum Beispiel aus meiner Arbeit, Menschen, Die immer wieder unachtsamen Sex haben, zu dollen, heftigen Stoßsex haben. Und der Körper ist noch gar nicht vorbereitet. Und oft haben die Menschen schmerzen und sagen nichts. Und dann passiert das einmal und zweimal und dreimal und viermal und fünfmal. Und irgendwann geht der Körper in so einen Shutdown und sagt, Okay. Du gibst hier nicht auf mich. acht, Ich gehe jetzt mal besser in so eine Art Taubheit, damit ich diesen Schmerz nicht mehr fühlen muss. Und das sind übrigens Sachen, Die passieren uns im Alltag immer wieder. So was, Das sind manchmal auch so. Kleinigkeiten. Und dann geht es eben darum, dass der Körper, dass wir das nochmal erstmal wahrnehmen, dass wir das ernst, nehmen, dass wir besser auf uns Acht geben, aber auch, dass wir das aus unserem Körper rausholen können, Damit es eben schmelzen, kann, Damit die Taubheit wieder sich lösen kann und wir wieder fühlen können.
Joël Kaczmarek: Das klingt ja ein bisschen wie so eine Gefühlshypothek. Also wenn ich es jetzt nicht lebe, muss ich es später wieder rausholen. Das klingt ja nach richtig Arbeit.
Iva Samina: Ja, ich bin ein großer Fan davon, die Dinge nicht zu verschieben, weil die Dinge unter den Teppich zu fegen, bringt nichts. Der Körper holt uns ein in Form von Krankheit. Der Körper kommuniziert ja immer mit uns. Immer, immer, immer. Wir müssen nur lernen, wieder hinzuhören. Und die meisten ignorieren das einfach. Und dann wundern sich alle, dass sie... Irgendwelche Erkrankungen haben, dass sie Rückenschmerzen haben, dass Sie dies und Jenes haben. Der Körper schreit zum Teil und sorgt halt dafür, dass wir ab einem gewissen Punkt hinschauen müssen. Oder, und das erlebe ich auch immer wieder, Menschen, die auch gerade Traumen, verdrängen, das ist jetzt auch ein bisschen weit hergeholt, Es muss nicht bei allen Menschen zu sein, Aber ich habe es schon häufiger beobachtet, dass diese Menschen im Alter dann eben Dement werden. Und ist plötzlich das kleine Kind. Wieder aktiv wird. Das, was damals diese Erfahrung gemacht hat. Und dieser Teil ist ein Stück weit in dieser Zeit Hängen geblieben. Und da denke ich mir, ja, das wäre ganz gut gewesen, hättest du früher dich diesen Themen gewidmet, Dann hätte es nicht so weit kommen müssen. Ich sage ja, wir können den Themen nicht entkommen. Es bringt nichts, die Dinge unter den Teppich zu fegen. Es holt uns früher oder später wieder ein.
Joël Kaczmarek: Ja, ich merke das auch, dass dann manchmal Menschen so eine. Da musst du noch nicht mal dement sein, dass die immer so kindlich werden. So ein bisschen wie das innere Kind, Was dann so hervorkommt in so Situationen. Das ist ganz putzig. Und ich glaube, wenn man Körperarbeit macht, dann kann man das erst so Stück für Stück verstehen. Damit will ich nicht sagen, man ist was Besseres, wenn man das macht. Das meine ich nicht, sondern es gibt Erfahrungen im Leben, die kannst du erst nachempfinden, wenn du selber drin, warst.
Iva Samina: Und ich unterscheide da immer dieses Verstehen. Ich kann die Dinge mit dem Kopf verstehen, Aber die Dinge mit dem Körper begreifen.
Joël Kaczmarek: Ich nehme immer noch ein gutes Wort dafür, weil das ist genau das Ding. Wenn aus deinem Körper was rauskommt, dann ist es nicht verstehen, das ist Verfühlen oder irgendwas in der Art. Und es hat eine ganz andere Qualität.
Iva Samina: Es hat eine andere Qualität. Es geht nochmal tiefer. Und ich finde zum Beispiel, diese ganzen Therapieformen oder einen Großteil der Therapieformen, die wir zur Verfügung haben, Die sparen ja oft den Körper aus. Ja, auch oft viele, die Religion ja im Endeffekt auch, der Körper, Der wird immer ausgespart. Und ich behaupte, es geht nicht ohne den Körper. Wenn wir den Körper mit einbeziehen, Ob es jetzt für die Spiritualität ist, für die Sexualität ist, Für die Partnerschaft ist, Für Therapie ist, Das ist der schnellere Weg. Wir kommen schneller, leichter, einfacher an die Themen dran und können uns nach meinem Empfinden viel schneller hindurcharbeiten.
Joël Kaczmarek: Also, ich kann das bestätigen. Es ist mir unangenehm, sowas in Zahlen zu belegen, Aber in meinem Kopf sage ich immer, Es ist gefühlt 40 Mal so schnell, wie wenn ich es mit dem Kopf löse, wie wenn ich es mit dem Körper löse.
Iva Samina: Und es mag an gewissen Punkten auch gut sein, erstmal nur mit dem Kopf zu arbeiten, Weil gerade, wenn wir diese Sicherheit brauchen, Wenn wir das Bedürfnis haben, in Kontrolle zu sein, dann kann das erstmal gut sein. Meine Erfahrung ist aber, Es geht immer nur bis zu einem gewissen Punkt, und dann kommt vieler nicht weiter. Und das ist der Punkt, wo ich behaupte, wir müssen den Körper mit einbeziehen.
Joël Kaczmarek: Naja, Es ist ganz lustig. Ich weiß, mein Vater hat das, glaube ich, mal zu mir gesagt. Und ich habe nur den Ort abgespeichert. Warum auch immer, Es war eine RollTREppe. Und dann meinte er, Sohn, es ist manchmal so, Ich kann dir Hundertmal was sagen und es kommt bei dir nicht an. Und wenn, dann sagt dir jemand anders, was beim Hundertersten Mal, und dann klickt es. Und ich finde, Bei körperlicher Arbeit setzt dieses Klicken so schnell ein. Auch so anders. Also ich weiß, ich saß mal da. Und dann hieß es so, ja, atme mal in dich rein, Was spürst du denn gerade? Ich sage, ja, weiß nicht, Wut oder irgendwie so, ja, geh mal hin. Und ich fühlte dann tiefer und dann, hast du ein bisschen Griff drauf? Ich sage, ja, ich bin wütend auf meinen Vater, lustigerweise, passt ja zu der Geschichte eben. Ich sage, echt, wieso denn das? Ja, ich weiß nicht. Und dann ging es weiter. Und das kann man, wenn man es erzählt, klingt es ja, bekloppt. Ich sage, ich bin gerade zwei Jahre alt. Also, ich würde mal behaupten, ich erinnere mich an fast gar nichts mehr mit zwei. Aber in der Sekunde habe ich gedacht, ich bin zwei Jahre alt. Ah, okay, Und was ist es? Ah, der hat mir verboten, laut zu sein. Dann meinte sie, Ah ja, das passt ja gut. Kindern sagt man ja gerne mal in dem Alter, sei nicht so laut. Und ich sage so, ja, das hat mich getroffen, dass ich mit zwei Jahren verboten bekommen habe, laut zu sein. Und das kannst du mir 50 mal erzählen, aber einmal hingefühlt haben und dann die Übersetzung, jetzt bist du gerade zwei, das ist das, das passiert. Bam, War Es da. Und das finde ich, kann man halt, kann man glaube ich, wie gesagt, wenn man es mal erlebt hat. Deswegen ist es lustig. Ich wusste gar nicht, dass Embodiment uns da hinführt, Aber das ist genau diese andere Qualität, die ich meine.
Iva Samina: Ein fantastisches Thema, oder? Ich bin so froh, dass du mich eingeladen hast. Ja,
Joël Kaczmarek: wirklich. Und gleichzeitig so schwer zu erklären, wenn man nicht da ist. Ich habe manchmal das Gefühl, wenn ich sozusagen fühlen und denken, verbinde und unterhalte mich mit Menschen. Und es fehlt eine Ebene. Ich sage dann immer, es ist, wie gucken bei den Filmen, Du siehst den in schwarz-weiß und ich sehe den in Farbe. Und dann versuch mal, eine Farbe zu erklären. Ja,
Iva Samina: das ist eine gute Erklärung.
Joël Kaczmarek: Das macht es manchmal schwierig, finde ich. Aber worth the effort, von daher kann ja nur helfen.
Iva Samina: Es lohnt sich, auf jeden Fall. Und es mag am Anfang schwierig und sehr stolperig sein. Sagt man stolperig?
Joël Kaczmarek: Ich finde es gut, wenn ich erfinden würde, ist jetzt.
Iva Samina: Und es lohnt sich, Aber es lohnt sich, dran zu bleiben. Es lohnt. sich. Das ist wie ein Nachhausekommen und das Leben verändert sich. Es ist, wie du gerade gesagt hast, ich finde es ein schönes Beispiel, wie man schaut immer einen Film in schwarz-weiß und plötzlich schaut man den Film in Farbe. Man nimmt mehr wahr. Der Kopf ist ja immer noch da, der darf ja auch immer noch da sein. Nur wir nehmen jetzt noch mehr wahr. Über den Körper, über die Gefühle, über die Emotionen. Wir dehnen uns aus. Wir gehen anders durchs Leben. Wir sind anders in Beziehungen. Wir leben. Beziehung anders und die Sexualität verändert sich. Die verändert sich komplett. Die ist so viel mehr erfüllender. Die macht so viel mehr Spaß.
Joël Kaczmarek: Ja, also vor allem auch die Geschwindigkeit nimmt ja zu, wenn man sagt, ich bin ungeduldig, weil ich habe das manchmal mit dem Zittern. Ich hatte Konfliktsituationen, wo ich mich gestritten habe, und dann fing ich an, zu zittern. Dann habe ich gesagt, bist du hier kalt? Dachte ich so, nee. Kreislauf im Keller? Nee, eigentlich auch nicht. Hast du gegessen? Ist es warm hier? Hier ist wohl gerade was los. So, Und dann geht sozusagen die Reise los und hast natürlich eine ganz andere Qualität an. Erfahrung. dann. Aber es ist sozusagen ein Weg dahin. Und jetzt hast du mir noch einen letzten Punkt mit an die Hand gegeben, also quasi unser 5 Plus 1. Wir fassen es unter ein Stichwort
Iva Samina: Sinnlichkeit. Ach, stimmt, die Sinnlichkeit. Ja, das finde ich ein ganz fantastisches Thema. Wahrscheinlich könnten wir darüber auch einen ganzen Podcast füllen. Die Sinnlichkeit. Wir haben ja Sinne. Das heißt, Über den Körper können wir diese Sinne erfahren. Sinne sind quasi der Übersetzer von der Außenwelt und der Innenwelt. Ich kann mich in dieser Welt über meine Sinne erfahren. Das ist fantastisch. Also, wenn man da mal reingeht, das ist ein riesengroßes Feld. Und die meisten haben sich nur noch auf das Schauen konzentriert. Wir können sehr gut sehen, Aber wer tut denn mal bewusst? schmecken? Was da im Mund passiert und wenn man isst und mal ganz bewusst wahrnimmt, was geschieht denn jetzt, gerade in meinem Mund, Das ist total abgefahren, Die reinste Geschmacksexplosion. Wenn ich mal bewusst nicht nur höre, sondern lausche, was nehme ich denn da? Alles wahr? Und das ist Wahnsinn, was wir alles hören können. Und es gibt ja immer wieder Berichte von Blinden, Die sagen, erst... Seitdem ich blind bin, habe ich angefangen, die Welt wirklich zu sehen. Weil die anderen Sinne plötzlich sehr viel aktiver wurden und sie wirklich nochmal ganz anders wahrnehmen konnten. Das Gleiche mit dem Fühlen und dem Riechen. Das ist fantastisch. Wenn wir damit anfangen zu arbeiten, Ich bin da mal ganz exTREm reingegangen. Eine ganze Weile. Ich habe das wirklich in so ein Ding reingebracht, dass ich quasi über meine Sinne Orgasmen bekommen konnte. Ich habe etwas gerochen und in mir fing an, eine Explosion zu kommen. Ich stand in der Fußgängerzone, habe ein Eis gegessen, habe mich mit diesem Geschmack verbunden. Und plötzlich kam eine riesengroße Orgasmuswelle angerollt. Also das ist möglich. Ja, und wenn wir uns mit diesen Sinnen verbinden, kommen wir ja in eine ganz andere Sinnlichkeit. Das heißt, WIE in... Wir fühlen uns anders. Ich sage immer ein bisschen, dass es wie Liebe machen mit dem Leben. Das ist jetzt so, alles mal kurz.
Joël Kaczmarek: Darf ich mal kurz droppen, habe ich auch gerade gedacht.
Intro & Outro Speaker: Ja,
Joël Kaczmarek: ich weiß, was du meinst und ich meine, wo du es mit dem Essen gerade beschrieben hast, Für mich ist es auch so ein Genussmoment. Gleichzeitig ertappe ich mich dabei. Es ist ja irgendwie so en Vogue geworden, dass man was dabei schaut, also einen Film. Oder ich sehe ganz oft, komischerweise immer Asiaten. Die sind immer so gebeugt. Über ihrer Schüssel, wie ein namesisches Curry sitzen mit zwei Stäbchen. Und dann sich Reinschaufeln. Und dabei auf so ein Smartphone gucken. Und es verkommt zu so einem Akt, das irgendwie, ja, und diese Sinnlichkeit mal wieder herzustellen, das macht was. Ist ja auch ein bisschen so wie bei Barfußlaufen zum Beispiel.
Iva Samina: Ja, natürlich. Die wirklich wahrzunehmen, Was ist denn da unter meinen Füßen? Wie bewege ich die Muskeln meiner Füße, wenn ich über die Wiese oder über diese Steine laufe? Und da kann man erst denken, das ist ja total langweilig. Und irgendwann merkte ich, sagt man, Oh, wow, Das ist mega geil und hat einen Riesen Effekt auf meinen ganzen Körper.
Joël Kaczmarek: Spannend. Also, wir lassen nochmal ganz kurz ein Revue passieren. Wir haben gesagt über Embodiment, wenn ich im Körper bin, wird der Kopf leiser. Wenn ich im Körper bin, bin ich präsent. Und dann ist es so, Gedanken, Emotionen und Körperzustände hängen zusammen. Und wenn ich im Körper bin, kann mein Körper Gefühle darstellen. Dazu gehört auch, Erfahrungen zu integrieren. Und dann ist vielleicht noch die Spitze des Eisbergs, Die Sinnlichkeit.
Iva Samina: Die Sinne mit der Sinnlichkeit, ja. Ja.
Joël Kaczmarek: Also, ich sehe schon kommen, wir werden uns hier nochmal wiedersehen. Wir haben ja so viele Anmerkpunkte bei einzelnen Themen gehabt. Danke, dass du das mit mir verkörpert hast, und es war mir ein großes Vergnügen.
Iva Samina: Ach, ich danke dir, ich danke dir. Ich finde dieses Thema so toll und ich hoffe wirklich, dass so viele Menschen diesen Podcast hören. Weil man könnte jetzt denken, langweilig und banal. Und ich glaube, es ist alles. Andere als langweilig und banal. Und anstatt in die nächsten Sneaker rein zu investieren. Oder den neuen Porsche oder sowas, Sollten alle Menschen viel mehr in ihr Embodiment rein investieren, Weil das Leben, Das ist wirklich ein Reichtum. Das ist Reichtum.
Joël Kaczmarek: Ich bin heute das sicherweise so aus der S-Bahn oder aus dem Zug ausgestiegen, laufe so durch die Gegend und habe gedacht, irgendwie besteht die Welt häufig daraus, dass man mir einredet, das, was ich sein werde, ist wichtiger als das, was ich bin. Also, ich werde überall von Marketing zugeworfen, mit welchen Haarföhn ich brauche, um irgendwie schön auszusehen. Oder die OPs im Gesicht. Oder es gibt ja Millionen von Punkten. Dann dachte ich mir so, warum nicht einfach mal sein, anstatt immer nur zu werden.
Iva Samina: Ja.
Joël Kaczmarek: Danke dir.
Iva Samina: Ja, ich danke dir auch für diesen wunderschönen Podcast.
Intro & Outro Speaker: Lass Diese Folge gerne kurz wirken und nimm einen Gedanken mit, der für dich gerade wichtig ist. Und diese Next Level Journey begleitet dich auf deinem Weg zum nächsten Level.
Joël Kaczmarek: Wenn du tiefer einsteigen möchtest, bietet Dir unsere Community, die Next Level Society, Exklusives Anwendungswissen, den Austausch mit anderen auf derselben Reise, sowie Events, Kurse und weitere Formate. Den Link dazu findest du in den Show Notes. Schön, dass du dabei warst. Bis zur nächsten Folge.
Intro & Outro Speaker: Gib Mir fünf oder mehr, Gib mir alles, was du mir sagen kannst und sag, was hast du gelernt? Vom Fallen und Aufstehen, suchen und Plasen weißt du jetzt, was du willst? Weißt du jetzt, was du brauchst? Wie lang hat es gedauert und was hat es gebraucht? Ist es gut, wie es ist? Woran feilst du noch? Komm, erzähl es mir und der Welt, und jetzt du.
