Bernd Kurtzke von den Beatsteaks: Was bedeutet Punk?

16. Dezember 2020, mit Joël KaczmarekSebastian Krumbiegel

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Bernd Kurtzke: Kunst trifft digital.

Sebastian Krumbiegel: Der Podcast.

Bernd Kurtzke: Hier erfahrt ihr jede Menge über Kunst in Zeiten der Digitalisierung und das Hautnah von ganz fantastischen Künstlerinnen und Künstlern.

Sebastian Krumbiegel: Wir haben heute einen Gast, den ich kennengelernt habe, vor mehr als zehn Jahren. Musiker, Berlin, Punkrocker. Ich bin sehr froh, dass du dabei bist. Bernd von den Beatstakes, Ich grüße dich, ganz herzlich.

Bernd Kurtzke: Dankeschön, schönen guten Tag.

Sebastian Krumbiegel: Ich durfte ja feststellen, du hast auch eine charmante Berliner Schnauze, das macht dich ja, super sympathisch. Komm, Wir sind ja aus der gleichen Stadt, du und ich.

Bernd Kurtzke: Joa, kann ich nicht dafür, wa? Also mal eine Sache gleich zum Auftakt, Sebastian, Ihr müsst ja eigentlich auch gefühlt... Vom Engagement her Nähen haben, weil ich gesehen habe, Dass sich die Beatsteaks auch in Dresden zum Beispiel unter anderem gegen rechts engagiert haben. Und auch sonst relativ viele Sachen machen. Also sich einsetzen, zum Beispiel gegen Analphabetismus. Also sehr viel Aktivität, auch so im gesellschaftlichen Bereich, oder?

Sebastian Krumbiegel: Ja, das muss jeder selbst wissen, ob er das machen will oder nicht. Also, ich mache das gern. Und wenn ihr das auch gern macht, ist das cool. Aber lass uns lieber über Musik reden. Es ist jetzt gerade eine EP draußen mit sechs, Neun Songs, die ich mir alle schon anhören konnte. Und die Klammer für mich ist natürlich logischerweise, dass es Cover-Versionen sind. Und die Klammer ist für mich weiterhin, dass es Songs von Leuten sind, die von Ladies gesungen werden. Und jetzt erzähl vielleicht mal selbst drüber, wie Seid ihr drauf gekommen, dieses Ding zu machen? Was war die Intention, zu gucken, Wir covern hier Songs, die nur Ladies singen?

Bernd Kurtzke: Also dem voran ging natürlich so diese ganze Geschichte mit Pandemie, Corona und zu Hause bleiben. Und als Musiker eigentlich nicht so richtig wissen, was du tun kannst oder was du machen sollst. irgendwie, weil du irgendwie auch nicht so richtig weißt, für was du das eigentlich tust. Live auf der Bühne stehen ist, ist ja überhaupt nicht. Und wann das wieder sein wird, Keiner weiß es. Und insofern suchst du dir irgendwie eine Beschäftigung, ansonsten wirst du ja wahnsinnig. Und irgendwie hat sich unser Schlagzeuger und unser Sänger getroffen. Und die hatten dann diese Idee, und die anderen drei fanden das halt eine super Idee. Und dann haben wir das einfach gemacht.

Sebastian Krumbiegel: Wird das dann demokratisch entschieden, Was das für Songs sind? Oder kann da jeder einen raushauen? Hat jeder einen Freischuss? Oder wie geht das?

Bernd Kurtzke: Die hatten die Vorschläge schon, Aber die Demokratie ist natürlich, wir sind ja eine demokratische Band. Und wenn da nur einer sagt, nee, da hab ich Bauchschmerzen mit, dann wird's nicht gemacht, Aber da hatte niemand Bauchschmerzen und insofern war das alles perfekt. Und wir haben das dann genau so gemacht.

Sebastian Krumbiegel: Ja, cool, also, was auf meine Frage gleich, muss ich gleich reingrätschen, weil wir als Prinzen ja auch eine sogenannte demokratische Band sind.

Bernd Kurtzke: Sogenannt, Das lässt auch was Tieferes schließen, okay.

Sebastian Krumbiegel: Naja, also, es gibt ja auch, glaube ich, den Spruch, dass Demokratie in der Kunst nervt. Und dass es eigentlich fehl am Platze ist. Also wenn du sozusagen einen kleinsten gemeinsamen Nenner suchst, dann ist das oft irgendwie nicht wirklich cool. Und ich frage mich oft, wie das bei euch ist. Bei uns ist es natürlich auch so, Es gibt irgendwie ein Veto. Du kannst sagen, nö, passt mir nicht, da bin ich eben voll dagegen. Aber wenn irgendjemand anfängt und sagt, hey, dieser eine Ton, den du da gerade spielst, Den möchte ich gerne demokratisch anzweifeln, Dann ist das natürlich irgendwie auch schwierig.

Bernd Kurtzke: Ist Mega schwierig, aber ich glaube, Eine Grundvoraussetzung für eine funktionierende Demokratie in einer Band ist einfach der Respekt voreinander. Und wenn der da ist, dann ist es manchmal ganz einfach, Dann kann man sich sofort auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen. Manchmal ist es halt, aber auch eine tierische Auseinandersetzung, einfach, weil es dann wie so ein Plenum ist, wo wirklich über jeden Pieps, der irgendwie gemacht wird, Irgendwie diskutiert wird. Am Ende zählen ja dann auch nur Argumente und man darf dabei auch nicht vergessen, dass Musik ja eins ist, nämlich die Schmackssache. Richtig. Und jeder hat einen anderen Geschmack. Es wäre ja langweilig, wenn wir alle denselben Geschmack hätten. Dann geht man einfach mal mit der Meinung mit des anderen oder der andere geht mal mit der eigenen Meinung mit. Also irgendwie ergibt sich immer eine Lösung. Also auf die Schnauze, Deswegen muss sich niemand hauen, Dominik. Richtig.

Sebastian Krumbiegel: So, jetzt bin ich aber mal neugierig, dass wir uns mal heranarbeiten. An euer aktuelles Album oder mal in der Vergangenheit beginnen, wie das mit Euch eigentlich alles seinen Anfang genommen hat. Weil ich finde, es gibt ja ganz viele interessante Anknüpfungspunkte bei euch. Also in welchen Sprachen ihr? Teilweise singt, die Bandkonstellationen, die auch sich verändert haben. Wie ging denn deine Reise los mit der Kunst Beatstakes?

Bernd Kurtzke: Ja, das fing ja gar nicht als Beatsteaks an. Eigentlich, Gott, das war 1987, war ich in der Lehre und habe dann da so Leute kennengelernt, die in ihrer Freizeit Musik gemacht haben, würde ich es mal nicht nennen, weil das war, glaube ich, alles so dilettantisch, Das hatte mit Musik nicht viel zu tun, Aber zumindest haben sie sich mit Musik beschäftigt. Und das hat mir sehr imponiert. Und irgendwie wollte ich Teil davon sein und war es dann irgendwann auch. Und dann habe ich mich mit zwei anderen Leuten getroffen und wir haben irgendwie angefangen, Musik zu machen. Also so ganz rudimentär und also wirklich von uns war ja niemand irgendwie studiert. Also, ich war auf der Musikschule, habe aber Akkordeon gelernt, was völlig artfremdet. Und habe das auch ziemlich schnell wieder vergessen wollen und habe es auch getan. Und irgendwie bin ich dann bei zuerst bei Bass und dann bei Gitarre gelandet. Und das hat mir Spaß gemacht. Und keiner von uns hat das Instrument gelernt. Wir haben das einfach, also auf der Musikschule, Sondern wir haben das einfach autodidaktisch für uns, einfach uns drauf geschafft. So wie wir meinten, wie wir das machen müssen. Jeder Gitarrenlehrer hätte wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, Aber für uns hat es gepasst und hat Spaß gemacht. Und so hat man sich dann entwickelt. Und dann gingen ein Paar aus der Band raus, Ein paar Neue kamen dazu. Und wir sind jetzt, glaube ich, Seit 2000, also seit 20 Jahren, sind wir in derselben Besetzung.

Sebastian Krumbiegel: Glückwunsch, hey, das ist ja schon eine ganze Menge. Also wir machen es seit 30 Jahren wirklich auch in derselben Besetzung. Und ich muss gerade echt ein bisschen schmunzeln. Weil du eben gesagt, hast, dass ihr völlig autodidaktisch rangegangen seid, Ist ja bei uns eigentlich genau das Gegenteil. Weil wir sozusagen voll aus der Klassik kommen und irgendwie in unserer Kindheit klassisch gesungen haben. Johann Sebastian Bach. Und was weiß ich, was. Und ich habe aber ganz oft gedacht, weil ich wirklich auch im Herzen ein Punkrock-Fan bin, Und ich denke ganz oft, Wie sehr dir klassische Ausbildung bei so einer Art von Musik auch echt im Wege stehen kann. Dass du wirklich Sachen, einfach kaputt denkst und irgendwie verkopfst. Und dass du eben vergisst, dass ein guter Song aus... Drei Harmonien und einer geilen Message besteht. Als ich euch gesehen habe, damals im Conne Island in Leipzig, habt ihr zum Beispiel Ramones gecovert. The KKK took my baby away. Und da habe ich gedacht, hey, das ist ja echt abgefahren. Weil das ist so ein richtiger, typischer Song, wo ich wirklich denke, das ist Punkrock pur sozusagen. Eine Message, irgendwie ein Spruch, der irgendwie auch witzig ist, aber trotzdem auch politisch. Und eine Haltung hat. Und dann eben die berühmten drei Harmonien. Und das ist ja bei ganz viel Musik, so. Die Hosen haben angefangen, wie man ja hört, irgendwie... Die haben sich am Anfang gesagt, wir losen aus, wer die Instrumente spielt. Also so richtig irgendwie von der Pike auf. Es ist völlig egal, was du kannst, Es ist völlig egal, was du bist. Hauptsache, wir haben dasselbe zu sagen. Und das ist das, was mich an Punkrock fasziniert.

Bernd Kurtzke: War es nicht bei Tocotronic auch so, dass die gesagt haben, Uns waren die Musikinstrumente eher im Weg? War das nicht das Zitat von Jan Müller?

Sebastian Krumbiegel: Ja, ja, das hat Jan Mal, erzählt.

Bernd Kurtzke: Aber du hast es jetzt sozusagen, Du hast so gefühlt fast 30 Jahre deines Lebens, jetzt in so einem Rausch so schnell weg, erzählt.

Sebastian Krumbiegel: Was war denn so die Triebfeder bei euch? Also was hat euch dazu gebracht, dass Ihr euch zusammengerauft, habt, dass Ihr damit begonnen habt? Und vielleicht auch, Wie ist der Name entstanden? Was war denn da so euer Begleitweg? Wolltet Ihr jemandem nacheifern? War das so ein innerer Trieb, der euch da geführt hat? Was war das bei euch?

Bernd Kurtzke: Das ist eine sehr komplexe Fragestellung. gerade. Da gibt es nicht nur eine Antwort, sondern ganz viele. Fangen wir mit dem Namen an. Irgendwie... Ich kann ja nicht mehr wirklich sagen, wie der Name entstanden ist. Und Fakt ist, dass es ja wirklich Dolle dämlich ist. Also, was soll das nun sein, Beatstakes? Es steht außerhalb jedes Zusammenhangs. Aber irgendwie haben wir uns gesagt, irgendwie muss das Ding ja heißen. Das lassen wir einfach. Und wer damit nicht klarkommt, kommt halt nicht klar. Aber ich glaube, den Leuten ist es wurscht, wie das heißt am Ende. Wenn die Musik dahinter irgendwie und die Haltung stimmt, dann kann das auch Hotzenplotz heißen, Sag ich jetzt mal. Wie kommt man zum Musikmachen? Wieso macht man Musik? Ich glaube... Da hat jeder eine eigene und vielleicht auch leicht andere Triebfeder. Ich kann nur über mich sprechen. Ich bin kein Mensch, der, obwohl ich jetzt hier sitze, Aber der viel redet und gerne viel redet, weil das ist irgendwie nicht so mein Ding. Ich kann meine Gefühle jetzt nicht so in Wortiraden ausdrücken. Ich kann das aber mit Musik. Ich mache ganz viel Musik. Ich mache auch nie mehr ganz viel Musik und bin eigentlich die ganze Zeit nur an Musik machen, weil das irgendwie meine Art ist, mich auszudrücken und meine Gefühle irgendwie auszudrücken. Wenn ich unseren Werdegang so sehe, ist das eigentlich alles. Eine Abfolge von Dingen, die für mich irgendwie on top oben drauf gekommen sind. Mir ging es immer nur darum, dass ich Musik machen kann. Mehr wollte ich ja nicht. Und jetzt sitzen wir hier 30 Jahre später und sind eine bekannte Band. Da freue ich mich tierisch drüber, aber das war nie meine Triebfeder. Da wollte ich nie hin. Nicht, dass ich es scheiße, finde, aber ich finde es auch super, wie es ist. Nur das war nie mein Antrieb. Ich war nie jemand, der, sagte, Ich muss auf einer Bühne stehen, Ich muss berühmt und bekannt werden. Mir war viel wichtiger, dass ich einen Weg finde, meine Emotionen irgendwie auszudrücken.

Sebastian Krumbiegel: Also ich denke genau wie dasselbe nach. Es ist natürlich auch ein totaler Luxus, wenn wir sagen können, Wir machen Musik, und wir können deswegen Musik machen, weil wir davon leben können. Weil wir eben nicht irgendwie uns mit irgendwas anderem beschäftigen müssen und weil wir irgendwas machen müssen, was uns vielleicht nervt, sondern wir können wirklich genau das machen, was wir gerne machen wollen. Also bei mir war es so, als wir angefangen haben, Musik zu studieren, das war ja im Osten so... Wenn du Berufsmusiker werden wolltest, musstest du irgendwie einen Berufsausweis haben. Und das ging entweder über Musikschule oder es ging eben über ein Studium. Und ich habe Schlagzeug studiert, also, ich bin eigentlich auch Trommler. Und als die ganzen Leute Da anfingen, als wir uns das erste Mal getroffen haben, Das Studienjahr, musste jeder sagen, warum er das macht, was er macht. Und mein Spruch, also alle haben gesagt, ja, ich, heiße Kerstin Müller, Ich studiere Geige, und ich möchte gerne irgendwie im Gewandhausorchester die erste Geige spielen. Und der andere hat gesagt, ich möchte gern Musicalsänger werden. Oder was weiß ich, was. Und ich habe gesagt, ich heiße Sebastian, und ich möchte gern berühmt und reich werden. Und das war wirklich so, meine Triebfeder, sozusagen, Popstar zu werden. Und dieses Musikmachen war für mich immer eine Selbstverständlichkeit. Aber damit sozusagen, irgendwie ja eben auch einen Blumentopf zu gewinnen und vor allem eben das Privileg zu haben, nichts anderes machen zu müssen. Das ist, glaube ich, das, was man schnell vergisst, wenn man einfach sagt, mir geht es überhaupt nicht darum, mir ist es scheißegal, ob ich irgendwie viel Geld verdiene. verdiene. Klar ist das scheißegal, ob du viel Geld verdienst, aber Geld zu verdienen. Erstmal ist schon ganz geil. Das Geld zu verdienen, dass du deine Miete zahlen kannst, dass Du dir deine Instrumente kaufen kannst und dass du irgendwie dein Ding machen kannst.

Bernd Kurtzke: Das ist ein Privileg. Das ist genau das. Das ist ein Privileg und das ist ja nicht jedem, vergönnt. Und wir machen, ich nenne es mal einen Job, ist ja ein Job, Wir machen einen Job, der uns verdammt. Viel Spaß macht. Kann auch nicht mehr von sich behaupten.

Sebastian Krumbiegel: Und wie war das, wenn du mal so in die Vergangenheit blickst? Also war euch Erfolg wichtig. Und was war für euch Erfolg? Oder ging es wirklich nur ums Machen?

Bernd Kurtzke: Naja, Ab irgendeinem Moment ist natürlich Erfolg schon wichtig, weil du schon Erfolg hattest. Und jeder Schritt zurück ist dann irgendwie auch ein komischer Schritt. Stell dir vor, du machst ein Album, Alle WELt findet es toll, machst das nächste Album, interessiert sich kein Mensch mehr für dich. Wirf die Frage auf, was du falsch machst. Insofern, klar, war Erfolg dann schon so ein bisschen wichtig. Aber wichtiger war uns tatsächlich das Musikmachen. Also Das einfach... Gemeinsam Musik machen und gemeinsame Zeit miteinander verbringen und die dafür nutzen. Das war das Allerwichtigste, glaube ich.

Sebastian Krumbiegel: War es zum Beispiel ein Meilenstein, dass ihr Support für die Sex Pistols gespielt habt? Das muss doch der Hammer sein, wenn du bei Sowas angefragt, wirst. Oder ist das ein Fake?

Bernd Kurtzke: Nee, nee, ist kein Fake. Es war tatsächlich, das war unser zehntes Konzert überhaupt. Standen wir vor 5000 Leuten in Berlin in der Arena und waren eine der Bands, die vor den Sex Pistols spielen durften. Aussegelos wurde das Ganze bei einem Berliner Punkrock Band Contest, den wir gewonnen hatten. Und auch nur, weil irgendjemand wahrscheinlich dazu gekommen ist, der den Bus nicht gekriegt hat, irgendwie zu spät kam und am Ende seine Stimme noch abgegeben hat. Und die hat dann irgendwie den Ausschlag gegeben, Keine Ahnung. Neben uns waren da rein Rasier Punkbands, Wir waren ja eher so Bubis, die so ein bisschen so eine Musik gemacht haben. Die anderen hätten es wahrscheinlich viel mehr verdient als wir, aber egal. Wir standen dann vor den Sex Pistols und äh, Ich weiß nicht, dass ich drei Wochen später erst wirklich realisiert habe, was da passiert, ist an dem Abend. Ich hab das, das war wie so ein Zug, der durch deinen Kopf gefahren ist. War ganz komisch. Und ich glaube, wir standen auch die Hälfte der Zeit mit dem Rücken zum Publikum, weil wir uns so fast in die Hosen gemacht hätten. Vor 5.00.000. Leuten. Aber ich habe mir die Sex Pistols dann noch angeguckt, an dem Abend. Durfte ich auf der Bühne, sitzen daneben und durfte mir das Angucken und war sehr beeindruckt. Die haben zwar auch nur eine Stunde gespielt, aber das war mir, ja, Dafür hat es sich gelohnt auf jeden Fall. Aber was du gerade gemeint hast mit? Das erste Album ist erfolgreich, dann muss das Zweite auch so werden. Ich gucke immer gerne Formel 1, und da habe ich von so einem Manager so einen interessanten Spruch aufgeschnappt. Der meinte, Er liebt Autorennen fahren, weil der Kampf gegen die Uhr der Ehrlichste ist, den es gibt. Also, wenn du sozusagen auf die Stoppuhr drückst, Die Runde ist vorbei, dann weißt du genau, ob du gut oder schlecht, warst. Bei der Musik ist es ja ein bisschen ähnlich. Also ich finde, wenn man selber singt. Zum Beispiel, merkt man, ob man Töne trifft. Und dann gibt es halt das Publikum, was mit den Füßen abstimmt. Was macht das mit einem? Oder könnt Ihr Mal? Beide sagen, was das mit einem Macht als Künstler, wenn man quasi etwas tut, was gefühlt immer einer Bewertung unterliegt?

Sebastian Krumbiegel: Ich habe das Gefühl gar nicht, dass das einer Bewertung unterliegt, muss ich ehrlich sagen. Also Natürlich hast du das Gefühl, wenn du ein Konzert machst und es kommt keiner, Scheiß Bewertung. Und wenn du ein Konzert machst, es kommen viele Leute, bessere Bewertung. Aber das ist trotzdem für mich kein abrechenbares Kriterium sozusagen für das, was ich mache. Also klingt jetzt auch ein bisschen doof, Aber ich mache erstmal Musik für mich. Ich meine, dieses Abrechenbare, wie es bei der Formel 1 oder beim Sport allgemein, diesen olympischen Gedanken, Den kenne ich bei der Musik überhaupt nicht. Ich glaube, dass Musik mit schneller Höhe weiter gar nichts zu tun hat, sondern... Nur, was damit zu tun hat, Finde ich das geil, was ich mache, mag ich das. Und natürlich, Ganz nebenbei mögen das auch andere Leute. Aber das ist trotzdem für mich nicht das vordergründige Ding.

Bernd Kurtzke: Geht mir auch so. ALSO ja, natürlich, Es gibt Konzerte, wo Leute, wenn man einfach schlecht ist, da gehen ein Paar auch. Und das ist dann auf jeden Fall ein Indiz dafür, dass man nicht alles richtig macht. An dem Abend. Aber beim Musikmachen führen wir ja keine Excel-Tabellen aus und der am schnellsten ist, ist der bessere. Sondern da kommt ja, wie gesagt, immer noch das Momentum des Geschmacks dazu. Ich sage immer, es gibt keine schlechte und gute Musik. Es gibt nur Musik. Die meinen Geschmack erfüllt und Musik, die es eben nicht tut. Und außer als Rechtsrock, dann ist es definitiv schlecht. Aber alles andere hat seine Berechtigung, und es wird immer jemanden geben, der das gut findet. Und das ist einfach der Geschmack. Und so unterschiedlich Die Geschmäcker sind, Umso weniger lohnt sich eine Bewertung dessen, was man da hört. Weil ich kann mich nicht hinstellen und das gut oder schlecht finden. Ich kann nur sagen, es ist nicht mein Geschmack. Und da das so ist, gibt es da auch kein gut oder schlecht im Sinne von gute Platte, schlechte Platte. Weil es gibt immer Menschen, DIE Finden die Prinzen geil, Die finden die Beatsteaks geil, die finden aber auch Roland Kaiser geil. Und ich kann mich jetzt nicht hinstellen und sagen, Roland Kaiser macht Scheiß Musik. Steht mir überhaupt nicht zu. Insofern glaube ich, das kann man nicht wirklich miteinander vergleichen.

Sebastian Krumbiegel: So eine Einstellung wünsche ich mir ja manchmal viel, Viel mehr von Leuten, die sich eben immer abgrenzen müssen. Also, ich verstehe es auf der einen Seite, dass man sich natürlich auch profiliert. Und im besten Sinne profiliert meine ich jetzt dadurch, dass man sich von irgendwas abgrenzt. Ich weiß auch gar nicht, ob das so ein deutsches Phänomen ist. Also ich beobachte das bei den Amis. Ganz oft, dass die überhaupt keine Berührungsängste haben. Gerade, weil du jetzt die verschiedenen Fronten sagst, die verschiedenen Pole, Ob das jetzt Schlager ist, Ob das Metal ist, ob das Jazz ist, ob das Country ist, ob das sonst, was für ein Musikstyle ist. Hey, die Leute sagen, Du machst das gern, was du machst, du bist damit erfolgreich und deswegen komm, lass uns, was zusammen machen. Und damit haben wir, glaube ich, eher Probleme in unserem Land. Oder sehe ich das falsch?

Bernd Kurtzke: Ich hab auch den Eindruck, Das muss nicht irgendwie jeder irgendwie dissen, Irgendwie den anderen Scheiße finden, weil das möglicherweise einen ins bessere Licht rückt, warum auch immer, aber ich find das ganz so irgendwie total doof. Obwohl ich sagen muss, ich meine, als wir jünger waren, So Um die 20, haben wir natürlich auch, ey, da haben wir auch gedisst. Ich hab's auch, die ein oder andere Band wohl gesagt haben, die sind ja doof, die sind ja kacke, machen Scheiß Musik. Aber irgendwann, wenn du älter wirst, kommst du irgendwann an den Punkt und... Sagst du, warum soll ich jetzt jemanden, der andere Musik macht, nur deswegen weniger respektieren? Weil das ist ja auch nur ein Mensch und macht das im Grunde, was ich auch mache, nur auf einer anderen Ebene.

Sebastian Krumbiegel: Ich denke ja, dass ich die Spreu vom Weizen trenne. An der Stelle, an der Du merkst, genau, wie du es eben Bandintern gesagt hast, dass es am Ende darum geht, ob man sich respektiert untereinander. Es geht, glaube ich, genauso darum, ob du als Musiker oder als Künstler, der auf einer Bühne steht, Ob du dein Publikum achtest oder ob du dein Publikum respektierst. Ich denke manchmal auch, dass es wirklich... Zyniker gibt, die auf einer Bühne stehen. Und die genau wissen, sie machen eine Sache, die nicht ehrlich ist und die Sozusagen eigentlich ihr Publikum verachten, die irgendwie ein von oben herab, irgendein Scheiß Gefühl haben, das ich wirklich ehrlich, ganz ganz ehrlich nicht haben möchte und auch nicht habe. Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich es habe, dann erschrecke ich mich vor mir selbst, Aber eigentlich möchte ich immer auf der Bühne stehen und ich sage das auch immer, Ich sage, meine Absagen bei Konzerten ist immer, Die sind manchmal so pathetisch. Und das meine ich in dem Moment auch wirklich so, dass wir froh sind, dass es die Leute gibt. Wir sind froh, dass es euch gibt. Wir sind froh, dass wir für euch Musik machen dürfen. Weil ohne euch wären wir gar nichts. Klingt sehr pathetisch, aber das fühle ich so. Und ich glaube, dass da sich wirklich die Spreu vom Weizen trennt. Ob du deine Leute, die zu dir kommen, im tiefsten Deines Herzens achtest oder sogar liebst oder ehrst, oder ob du Sie eben verachtest. Ich glaube, der Deutsche denkt halt auch gerne an Schubladen. Und was nicht in eine Schublade passt, ist ihm erst mal irgendwie zuwider.

Bernd Kurtzke: Ja, total. Muss alles irgendwann irgendein Label kriegen oder irgendeine Schublade passen.

Sebastian Krumbiegel: Euer Label Jetzt ist ja, also? Ich komme jetzt noch einmal zu eurer EP, weil ich die Grundidee ja wirklich erstmal geil, finde, zu sagen, wir singen nur Songs von Frauen. Ihr habt Monotonie von Ideal gekabbert. Und natürlich ist ideal eine Band, die wir damals eingesogen haben und die irgendwie uns total begleitet hat. Und Annette kenne ich wirklich sehr gut, weil wir mit ihr vier Platten aufgenommen haben. Oder noch mehr sogar. Wir hatten mit ihr viel zu tun, ich habe von ihr extrem viel gelernt. Ich weiß nicht, ob ihr sie mal gefragt habt oder ob sie überhaupt weiß, dass ihr das gerade macht.

Bernd Kurtzke: Ah ja, doch, klar.

Sebastian Krumbiegel: Also Sie findet die Idee garantiert hammermäßig geil, weil sie, also auch diese Zusammensetzung, auch mit Hilde Knef. Also, ich habe sie noch kennenlernen dürfen, Wir als Prinzen haben Sie noch kennenlernen dürfen? Und das war schon irgendwie der Hammer. Also Du hast vorhin gesagt, die Idee, welche Songs das werden, Die kamen hauptsächlich von Arnim und vom Trommler.

Bernd Kurtzke: Ja, von Thomas, genau.

Sebastian Krumbiegel: Wie arrangiert Ihr Sowas oder wer hat da den Fahrplan oder gibt es da jemanden, Gibt es einen sogenannten musikalischen Generalmusikdirektor oder geht Ihr in den Probenraum und jammt und überlegt euch, was wird denn jetzt oder gibt es da einen Plan oder passiert das intuitiv?

Bernd Kurtzke: Im Groben und Ganzen ist es intuitiv, und da ist jede Stimme wichtig. In dem Moment. Also, wir gehen dann schon hin und besprechen uns erstmal, sagen okay, der soll es sein, Der Song von dem und dem Künstler. Wie machen wir das jetzt? Wie setzen wir ihn um? Und da gibt es ganz viele verschiedene Wege. Das kennst du vielleicht auch. Das gibt, so Lieder, die hörst du und denkst, die sind geil, Aber wie wär's denn, wenn? Wenn der eigene innere musikalische Kopf angeht und du überlegst, also für mich fehlt da jetzt noch das. Und das würde ich übrigens so singen. Und schon bist du bei einer Version, die du von dem Originalsong machst. Oder du coverst das Eins zu eins und sagst einfach, das ist so geil, so genial, das musst du einfach so machen.

Sebastian Krumbiegel: Wer singt das Hilde-Knef-Lied?

Bernd Kurtzke: Peter, Der andere Gitarrist.

Sebastian Krumbiegel: Ah ja, das ist total interessant, weil der Sound ist wirklich so, dass du erstmal denkst, das ist irgendwie von der Produktion her, Das klingt wie Hilde Knef in diesem Wahnsinnshall und so. Und dann die Stimme, aber auch. Ich habe es meiner Frau vorgespielt und habe sie raten lassen, von wem? Das Original ist. Und dabei hat sie, Sie kannte das Lied nicht von nun, Man geht es bergab, aber Sie hat gesagt, das klingt wie Hilde Knef. Weil es wirklich so klingt und weil er auch so singt. Ich weiß nicht, ob ich das schon mal jemandem gesagt habe, Aber das ist wirklich frappierend, dass das irgendwie, dass man wirklich denkt, irgendwie, hey, da ist sie wieder.

Bernd Kurtzke: Ja, ja. Ja, aber was willst du an dem Song? Auch anders machen? Na, klar, haben wir unsere Version davon gespielt. Wir haben natürlich, Benutzen wir die Instrumente, die wir naturgegeben, auch benutzen, sonst bei anderen Sachen. Aber wir haben ja kein Orchester im Rücken, was uns dann den Song dahin spielt. Also müssen wir das schon selber machen. Aber die Stimme hat einfach gepasst. Und was musst du jetzt da noch irgendwie, Da lässt du jetzt kein Kind singen? Oder ein Mann mit einem Mit einem tiefen Bass, oder? Das ist Quatsch. Naja,

Sebastian Krumbiegel: naja. Wie fühlt es sich denn umgekehrt an, wenn man euch covert? Also die Hosen haben ja auch, hier in diesem Album, im Wiener Burgtheater, Euer Hand in Hand sozusagen, selbst vertont. Wie geht es einem damit, wenn andere die eigene Musik nehmen und was neues Draus machen?

Bernd Kurtzke: Das ist sehr interessant. So ein bisschen so wie, wenn plötzlich die eigene Musik im Radio läuft. Also man zuckt Kurz zusammen. Oh, kenn ich ja irgendwie. Und dann ist es aber auch Ganz nice. Also, es ist schön. Man freut sich drüber. Und wenn Die Hosen Sowas machen, dann sowieso. Aber wir kriegen ab und an auch mal so von anderen Bands. Irgendwelche Cover-Versionen zugeschickt. Und die Reaktionen reichen von Wow bis ja, also, da ist alles dabei. Und es ist auch okay, so.

Sebastian Krumbiegel: Wie war denn aber so eure eigene Findung? Weil ihr habt ja irgendwie auch ein gewisses Spektrum auf dem Kasten, wenn man sich so über die Jahre hinweg anguckt, was ihr gemacht habt. Also, ihr seid auch eine der wenigen Bands, die ich kenne, die auf Deutsch und auf Englisch arbeiten und irgendwie gefühlt ähnlich erfolgreich sind. Und das irgendwie, wo es sich, Wie soll man sagen, anfühlt wie aus einem Guss.

Bernd Kurtzke: Hat sich so ergeben wahrscheinlich, keine Ahnung. Ja, wie sind wir? Also bei uns gab es immer ein ganz wichtiges Kriterium. Wenn Leute rausgehen, neue dazu kommen, wie das abzulaufen hat. Das war eine ganz klare Prämisse, weil der Muss als Mensch zu uns passen. Was er am Instrument kann, ist erstmal scheißegal. Weil das kann man sich alle drauf schaffen. Und da sind noch vier andere da, die einem helfen können. Insofern. Wartet immer das Kriterium, der muss menschlich zu uns passen. Und genau vielleicht aus diesem Grund sind wir alle so unterschiedlich. Also, wir sind als Menschen jetzt nicht deckungsgleich, aber wir ergänzen uns ziemlich gut und vertrauen einander, glaube ich. Und das ist das Allerwichtigste. Und wir haben sehr unterschiedliche Musikgeschmäcker. Und das ist geil.

Sebastian Krumbiegel: Wie steuert Ihr das dann? Wir hatten ja vorhin so über die Demokratie in der Band gesprochen. Wenn ich jetzt zum Beispiel so, wenn man auf eure Webseite geht, Da ist irgendwie ein deutschsprachiger Song, Monotonie, wenn ich mich richtig entsinne, als Video vollformatig füllend, empfinde ich, ALSO ES ist... Irgendwie merkt man, das Seid ihr, Aber es ist doch auch nochmal anders als dieses laute, Englisch gesungene, ein bisschen Punk-Action versehene. Also wie kommt das zustande, dass Ihr dann so in so Richtung driftet, mal, was Neues probiert, dann wieder in eine andere Richtung geht? Gibt es da einen kreativen Prozess?

Bernd Kurtzke: Den gibt es immer, natürlich. Und ich glaube, uns war von Platte Nummer eins klar, Wir wollen dieselbe Platte nicht zweimal machen, sondern immer andere Sachen ausprobieren. Und da gibt es keinen, der da irgendwie ausschert. Insofern haben wir es einfach versucht und, glaube ich, auch heranzuteilen, bekommen. Immer wieder andere Platten zu machen, die anders klingen, die auf andere Einflüsse dazu kommen. Ich meine, das ist ja auch irgendwie logisch. Wir werden ja älter, und mein musikalisches Spektrum reicht ja nicht nur von Ramones bis Motörhead, sondern wesentlich weiter, viel, viel weiter. Und das sind alle Sachen, die mich natürlich in D-Matic mache, auch beeinflussen. Und so ist es ja nicht nur bei mir, bei den anderen, ja eben auch. Und dann wächst du als Band halt in die Richtung. Du musst damit klarkommen, dass es Leute gibt, die sagen, ja, Die erste Platte war die geilste. Ja, ist halt so. Für die ist das so und ist auch völlig in Ordnung. Und die Alles, was du danach machst, ist dann für die Eh scheiße. Auch okay. Und das ist auch eine Meinung. Aber für uns selber ist es, glaube ich, Einfach extrem wichtig, dass wir nicht stehenbleiben und dass wir immer weitergehen und immer neue Sachen ausprobieren. Vielleicht nicht ganz so wie die Beatles, die dann, Nachdem sie Satzgesänge hatten, also nicht mehr live auftreten konnten, weil sie es nicht mehr hingekriegt haben. Auf der Bühne. Aber für uns ist da noch ganz, ganz viel Luft nach oben.

Sebastian Krumbiegel: Also, was mir mal so bei den Toten Hosen zum Beispiel kommt, Wenn wir den Campino immer mal an der Show haben, muss ich den jetzt mal fragen, ob man sich irgendwann auch zu alt fühlt für Punk. Weil ich hab bei den Hosen zum Beispiel mal so diese in besetzten Häusern, Wohnzimmerkonzerte, Das Publikum an Kotzen-Geschichten im Kopf versus jetzt volle Konzerte, Alles ein bisschen kommerzieller, breiter. Also wächst man auch aus der Musik raus, die ihr für euch erkoren habt?

Bernd Kurtzke: Ja, dazu müsste man ja erstmal komplett total reingewachsen sein. Sind wir persönlich, glaube ich, aber gar nicht, sondern wir haben schon immer sehr viele unterschiedliche Sachen gemacht. Mir fällt eine kleine Geschichte dazu ein. Als ich in der Lehre war, Bei uns war es noch Usus, dass man sich Kassetten hin und her gereicht hat. Mit Lieblingsmusik drauf. So Mixtape. Und ich hab von einem Kollegen damals. London Calling bekommen, von The Clash, Der erste Platte. Jaja, und Hab, die mir angehört und war infiziert und total begeistert. Und der kam dann irgendwann um die Ecke, gab mir die nächste Kassette, da war Sandinista drauf. Hab ich überhaupt nicht verstanden. Dachte, was ist denn da los? Warum, die haben doch so eine geile, warum machen Sie denn nicht da? Und Jahre später ist mir dann klar geworden, dass das gar nicht so das Rezept sein kann. Weil das war eine Seite, die war wahrscheinlich, bei denen schon drin. Bevor Sie London Calling gemacht haben, so dieses Reggae, Dubstep, diese Geschichten, Das war auch eine musikalische Seite, von denen. Und warum hätten Sie, die nicht zeigen sollen? Also, das kam erst später, Aber dann habe ich es auch verstanden und so habe ich halt auch angefangen, Musik zu machen. Wollte nie jemand Dasselbe machen. Es gibt ein paar wenige Bands, die dürfen das.

Sebastian Krumbiegel: AC/DC.

Bernd Kurtzke: AC/DC, Ramones und die dürfen das, Aber dann ist eigentlich auch schon Schluss. Naja, naja.

Sebastian Krumbiegel: Was habt Ihr so für Nebenprojekte? Also, was macht Ihr alle nebenbei und wie kriegt Ihr das unter einen Hut, dass ihr das auch verträgt?

Bernd Kurtzke: Na, wie man es unter den Hut kriegt, ist ganz einfach. Es gibt ja dieses Projekt Beatsteaks, und es hat immer Vorrang. Vielleicht nicht vor der eigenen persönlichen Familie, aber gleich danach kommt Beatsteaks. Und was da läuft, ist halt wirklich extrem wichtig, weil es ja um jeweils noch vier andere geht. Und eben nicht nur um vier andere, sondern man hat ja mittlerweile Leute, die für einen arbeiten. Man hat da eine gewisse Verantwortung, kann es jetzt nicht sagen, so will ich nicht mehr. Also, da muss man schon ein sehr gutes Argument Da haben. Und dann macht jeder noch so Sachen halt. Thomas hat ein kleines Plattenlabel und hat da mehrere kleine Bands drauf, die er da in Kleinstauflagen unter die Leute bringt. Peter hat in der Zeit, wo wir nichts zu tun hatten, Dellen aus Autos gemacht. Und sogar auch relativ erfolgreich, also, da hat er ein gutes Händchen für. Arnim singt so hier, bei hier und da bei Leuten mit, die dann Platten machen. Also sucht sich da eine Beschäftigung. Ich mache nebenher. Elektronische Musik. Macht mir viel Spaß. Torsten macht Sowas ähnliches, Der nimmt auch irgendwelche Sachen. Immer auf und ja, jeder beschäftigt sich.

Sebastian Krumbiegel: Weil du gerade sagtest, in der Zeit, in der wir nichts zu tun haben, Also jetzt die Corona-Zeit. Habt Ihr euch überhaupt gesehen in der Zeit des Lockdowns? Wart Ihr viel zusammen oder ist jeder seiner Wege gegangen oder habt Ihr gesagt, Wir nutzen die Zeit, um was zu machen? Jetzt mal unabhängig von dem Album, von den sechs Songs. Sind die in der Zeit entstanden jetzt im letzten Dreiviertel Jahr oder ist das länger her?

Bernd Kurtzke: Die im letzten Vierteljahr entstanden tatsächlich. Und in der Zeit davor haben wir uns eigentlich relativ kaum gesehen, weil wir ohnehin so eine Art Bandpause hatten. Wir haben gesagt, wir machen mal eine längere Zeit, geht mal jeder seiner Wege und probiert mal seine Sachen aus. Und so und sehen uns erst dann wieder, wenn wir wirklich Bock aufeinander haben. Und wir waren also diese Pandemie raus, quasi mitten in diese Bandpause hinein und hat die eigentlich nur ein bisschen verlängert. Ja, aber wir merken schon, dass wir jetzt, dass wir wieder Bock aufeinander haben. Und was werden wir jetzt machen? Wir werden jetzt Musik machen.

Sebastian Krumbiegel: Habt Ihr eine Tour geplant?

Bernd Kurtzke: Wie willst du eine Tour planen? Also, Na, klar, setzt du dich mit deinem Booker hin und sagst, komm, Lass uns mal für Ende des Jahres ein paar Sachen freihalten. Aber so richtig planen kannst du das nicht. Und das sagen ja auch alle irgendwie, Auch nächstes Jahr wird wahrscheinlich nicht wirklich viel passieren und wir müssen es einfach abwarten. Und man soll schon seine Pläne machen, irgendwie, was Touren angeht. Und so, aber eigentlich eher so ein bisschen unter der Prämisse, Wie kommt man zurück, wie füllt man dann so ein bisschen seine Zeit aus. Und nicht so, Wie sieht die nächste große Tour aus, Welches Motto hat die, Wie sieht das Bühnenbild aus. Erstmal muss irgendwas gefunden werden, dass alle wieder irgendwie gesund werden oder gesund bleiben. Und dann kann man sich wirklich über Sowas unterhalten. Die Zeit wird kommen, definitiv.

Sebastian Krumbiegel: Ja, das Problem ist ja, was du eben selbst angedeutet, hast, dass Ihr eben nicht nur Ihr Musiker seid, sondern dass es eine Peripherie gibt, die davon lebt, sozusagen. Wir merken es bei uns jetzt, also, wir haben unsere Tour, Wir hatten eine Tour geplant, im März, April, diesen Jahres, hatten die verschoben auf jetzt, Haben Sie dann nochmal verschoben, auf März, April, nächsten Jahres und wissen jetzt schon oder glauben jetzt schon zu wissen, dass es auch im nächsten Jahr, auf jeden Fall im Frühjahr erstmal nichts werden wird, ja. Wir stehen echt auf dem Schlauch, Wir sind total, Also, wir sind auch wirklich echt genervt, dass wir nicht live spielen können, ja, aber es ist, wie es ist und wir machen zur Zeit gerade eine Platte, Wir werden nächstes Jahr 30 Jahre alt und bereiten das eben sozusagen vor. Aber es nervt schon. Und das größte Problem für mich ist eben wirklich auch, dass ich merke, dass die ganze Peripherie, also unsere Techniker, dass die wirklich teilweise in andere Jobs gehen, dass die teilweise sich kümmern müssen, dass sie eben Kohle verdienen, dass Sie ihre Miete zahlen können. Und dass da sozusagen gerade eine ganze Branche irgendwie den Löffel abzugeben, scheint. Und dass ich mich wirklich frage, wie geht das weiter, wenn das irgendwann mal alles vorbei ist? Was sagen eure Leute? Ihr habt ja auch eine feste Crew, mit denen ihr irgendwie unterwegs seid. Was machen die?

Bernd Kurtzke: Naja, Sagen wir mal, so, die Leute, die in unserer Crew sind oder bis dahin waren, Die haben ja auch schon noch nebenher andere Sachen gemacht. Aber eben leider auch Sachen, die auch jetzt gerade nicht stattfinden. Also insofern stehen die vor dem gleichen Problem. Wir haben über die Jahre relativ gut gewirtschaftet und haben uns so nicht ohne Grund eine Bandpause machen können. Und uns da weiterhin durchbezahlen können. Das ist alles gut, Aber ich denke gar nicht so sehr an uns, sondern eben an die Leute, die es wirklich hart trifft. Also die Leute, die jetzt sich einen anderen Job suchen müssen, weil sie eben nicht mehr auf einer Bühne arbeiten können. Das ist hart und da kann man gar nicht so viel machen. Wir haben jetzt blöd gesagt, auch kein Geld zu verschenken. Wir hätten gerne so viel Geld, dass wir allen Leuten was geben könnten. Und sagen, so. Jetzt müsst ihr euch die nächsten zwei Jahre keine Sorgen machen. Ist aber nicht so. Was musst du machen? Du musst dich mit den Leuten wenigstens unterhalten und mal für sie da sein, dass Sie sich mal was von der Seele reden können. Ja, ich habe jetzt mit einem, der für uns Mal gearbeitet hat, angefangen. Musikalisch irgendwie irgendwas zu machen, So dass er zumindest mal so irgendwas tun kann und nicht zu Hause rumsitzen muss. Und darüber hinaus hoffen wir, dass dem Staat vielleicht noch irgendwas einfällt, Ein Konzept. Und vielleicht allen zusammen. Warum alle auf die Straße gehen und sagen, ohne uns wird es irgendwann still. Das ist ja einfach so. Wenn dann die ganzen Clubs alle zu sind und die Bands vielleicht nur noch die Hälfte existiert. Oder ein Viertel, Dann wird es ganz schön still in dem Land. Es sind ja nicht nur Bands und Clubs, es ist ja noch so viel mehr. Das sind Theaterhäuser, Das sind Künstler, die auf Theaterbühnen stehen. Die können ja auch nichts machen. Meine Schauspieler können nach wie vor ihre Filme drehen. Aber wer geht ins Kino und guckt sich die an? Also das ist ein Riesen-Rattenschwanz, der hinten dran hängt. Und das ist ganz schön schwer, das den Leuten begreiflich zu machen, wie die Zusammenhänge Da sind.

Sebastian Krumbiegel: Kannst du nachvollziehen, dass Leute gegen die Maßnahmen demonstrieren? Also, ich war zum Beispiel bei dieser Demo in Leipzig dabei und war erschrocken. Und also ganz abgesehen davon, dass da wirklich auch echt Nazi-Scheiß dabei war und wirklich richtig. Hardcore-Hools Und das weiß ich, was. Aber eben auch die sogenannten ganz normalen Leute, die da eben irgendwie auf der Straße waren. Kannst du das nachvollziehen?

Bernd Kurtzke: Also, weil du es gerade angesprochen hast, also, wer mit, sag ich mal, mit Nazis auf die Straße geht, das ist für mich nicht tolerierbar, Weil die Gehen mit Leuten auf die Straße, die ganz sicher Meinungsfreiheit nicht im Sinn haben. Und mit denen macht man sich gleich, Wenn man dann auf die Straße, mit denen geht, dann gibt man Ihnen auch eine Plattform. Und darüber muss man nachdenken Und das sollte man nicht tun. Grundsätzlich, finde ich, hat jeder schon das Recht, seine Meinung zu sagen. Und wenn jemand gegen Maßnahmen ist. Hat er schon das Recht, das auch deutlich zu sagen. Ich finde nur, es ist ein Unterschied, seine Meinung zu äußern. Und das tut man nun mal einfach verbal. Oder auf die Straße zu gehen und auf alles zu pfeifen, was irgendwie Sinn macht. Und es dann zu tun, das halte ich auch nicht für so schlau, ehrlich gesagt. Und da wünsche ich mir manchmal mehr nach als Querdenken tatsächlich.

Sebastian Krumbiegel: Ich sehe das Haargenau, so. Andererseits, Ich war bei vielen Gegendemos dabei, war ja in der ganzen Innenstadt von Leipzig, bin mit dem Fahrrad da lang gefahren und habe wirklich gesehen, das WAREN ja... Tierisch viele Menschen. Also die Leute, die dabei waren, Das waren, wenn das 40.000 Leute waren, mal ganz platt gesagt, das waren ja nicht alles. Nazis. Es waren nazis dabei, die hast du soweit erkannt. Es waren aber eben auch Leute dabei, die irgendwie esoterisch und irgendwie schräg und waren aber eben auch ganz normale Leute dabei. Das waren nicht 40.000 Nazis. Meine Frage ist immer, wie gehe ich damit um? Wie trenne ich da die Guten von den Arschlöchern?

Bernd Kurtzke: Wer sind in dem Fall die Guten? Das ist dann die Frage. Gegen Maßnahmen, die irgendwie Sinn machen, zu demonstrieren, weil man irgendwie das Gefühl hat, Man müsste sein Recht auf Demonstrations- und Meinungsfreiheit irgendwie ausüben. Und das Das einzige Argument ist, weil einem sonst kein Vernünftiges einfällt, So richtig gut finde ich das auch nicht, ehrlich gesagt.

Sebastian Krumbiegel: Na, wir demonstrieren auch Alarmstufe Rot.

Bernd Kurtzke: Ja, aber niemand stellt von uns die Maßnahmen infrage.

Sebastian Krumbiegel: Das ist richtig.

Bernd Kurtzke: Wir demonstrieren ja dafür, dass sich Leute bitte darüber Gedanken machen sollen, wie es für uns weitergeht, damit für die Zeit danach... Corona, Die Leute auch Kultur nach wie vor konsumieren können. Also, dafür demonstrieren wir ja. Das ist ja unser Anliegen. Wir wollen ja nicht irgendwelche Maßnahmen infrage stellen. Aber vielleicht zurück zu der Idee, also Wie kriegt man die Leute wieder ins Boot? Ich glaube, Corona ist wie ein Brennglas, was jetzt quasi auf uns allen liegt. Es offenbart Probleme, und zwar in der krassesten Form, die es davor aber auch schon gab. Und ich erinnere nur daran, dass plötzlich eine AfD viele Stimmen bekommen hat. Oh Wunder. Auch das ist eine Reaktion. Auch das hat ja einen Ursprung. Wo kommt das her? Weil Leute irgendwann müde waren. Politikverdrossenheit ist ein ganz bekanntes Wort dafür. Weil sie sich abgehängt, führten, weil sie dachten, sie wären nicht Teil davon. Und natürlich sind wir eine Demokratie, aber ich, nur mal als Vergleich, In der Schweiz gibt es die direkte Demokratie. Da heißt, da gibt es überall wirklich auch wichtige Punkte in der Politik, eine Volksabstimmung. Und die ist bindend. Und wenn das Volk abgestimmt hat, muss die Politik das so machen. Und es ist interessant, dass das da funktioniert. Man könnte jetzt glauben, ja, Da gibt es genug auch Idioten. Und dann hätten sie schon längst eine Diktatur, Aber das ist ja nicht so. Also auch da ist es nach wie vor eine Demokratie. Und auch da haben sich die Leute an ihre eigene Verantwortung gewöhnt und nehmen die wirklich wahr. Und das ist sehr interessant. Vielleicht wäre das auch mal ein Modell irgendwann für die Bundesrepublik.

Sebastian Krumbiegel: Die haben natürlich auch über Sachen abgestimmt, Die dann fragwürdige Ergebnisse haben, ja?

Bernd Kurtzke: Ja, natürlich. Na klar. Das gehört dazu.

Sebastian Krumbiegel: Also irgendwie, wenn du Volksentscheide machst, Die WÄREN AM Ende... Von der Bild-Zeitung entschieden oder von großen Medien, Die eben die Meinungsmacher sind. Und das ist eben schwierig. Und deswegen glaube ich schon, dass irgendwie die Demokratie, die wir haben, irgendwie ganz gut funktioniert. Unterm Strich, Und das ist für mich letzter Gedanke dazu, Diese Idee, dass wir sozusagen, wie das immer war, Als Musiker gegen das Establishment ansingen, ist für mich auch ein bisschen überholt, weil ich habe zur Zeit ein bisschen das Gefühl, dass das sogenannte Establishment eben genau das ist, Wogegen auch Gauland und Storch und Weidel irgendwie Alarm schlagen. Das sind die sogenannten etablierten Parteien. Und dieses sogenannte Establishment, Da bin ich nicht dagegen. Und das ist sozusagen das, was unsere Generation, glaube ich, Von der 68er-Generation unterscheidet. Dass wir nicht sagen, fuck you da oben, Wir sind dagegen, sondern nee, wir sind eigentlich dafür. Und wir sind gegen die, die dagegen sind. Wir sind gegen die, die diese demokratischen Grundwerte aushöhlen wollen.

Bernd Kurtzke: Sag doch mal, Was für Haltung in deiner Unterhaltung steckt. Grundsätzlich ist das Punk. Weil wir machen, was wir wollen, ohne jemandem wehzutun. Das ist für mich so die Definition von Punk. Sei du selbst, Mach, was du willst? Und aber tu niemandem weh dabei. Und ich glaube, das kannst du auch als 80-Jähriger noch machen, wenn du zu Hause bist und für dich musizierst. Dann ist das genau das. Und was Politik angeht, also? Ich glaube, wir kriegen es ganz gut hin, unsere Musik, so ein bisschen davon abzukoppeln. Was uns nicht daran hindert, auch unsere politische Meinung hier und da kundzutun. Und wie die aussieht, ist, glaube ich, hinlänglich bekannt. Aber das trennen wir schon mal voneinander, Weil das... Ist auch ein bisschen so, dass wir sagen, wenn Leute zu uns zu einem Konzert kommen, Zwei Stunden lang Musik hören, Dann sollen sie eigentlich im besten Falle den Kopf ausschalten können und durchdrehen und nicht nachdenken. Einfach eine gute Zeit haben. Ich glaube, das ist für die Leute auch wichtig. Und trotzdem gibt es ja Möglichkeiten, wo man nachlesen kann oder nachhören kann, wie wir politisch ticken. Und das ist eigentlich eine ziemlich klare Angelegenheit.

Sebastian Krumbiegel: Bringt Ihr das auch ein, irgendwie gesellschaftlich? Also geht Ihr zum Beispiel in Diskurs mit Politikern? Macht ihr Aktivitäten auf der Straße? Was habt Ihr denn da an Aktivität? Wenn du sagst, es ist ja klar, wofür Ihr politisch steht.

Bernd Kurtzke: Also ich weiß, dass Arnim und Torsten, Die waren letztens auf der großen Kundgebung in Berlin, Was Alarmstufe Rot angeht. Wir machen, wenn wir was machen, immer so richtig. Zweckdienliche Geschichten. Zum Beispiel haben wir nach dieser Tsunami-Katastrophe damals ein Benefiz-Konzert gespielt und zwar ein halbes Jahr danach. Wo nämlich eigentlich niemand mehr darüber nachgedacht hat, was da? Eigentlich war. Und haben das Geld dann an Ärzte ohne Grenzen gestiftet? sozusagen. Das ist eine direkte Hilfe, da machst du direkt was. Und ich glaube, das ist mindestens genauso wichtig, wie sich irgendwo hinzustellen und seine Meinung kundzutun, weil das am Ende wirklich was bewirkt. Und wenn wir auf Tour gehen, dann nehmen wir immer Leute mit, die ihren Stand neben unserem Merchstand aufbauen können, Ob das Oxfam ist oder Amnesty International. Also, das sind einfach die Sachen, die wir automatisch machen. Ich rede jetzt drüber, aber normalerweise sprechen wir nicht so darüber, weil das eigentlich passiert. Und da muss auch niemand drüber reden. Die Leute sehen es ja dann sowieso. Das ist direkte Hilfe, die wir machen. Und klar, wenn wir dann die Möglichkeit haben, unseren Mund aufzumachen, dann machen wir es auch.

Sebastian Krumbiegel: Und wie geht es euch jetzt mit eurem neuen Album? Habt Ihr Mal drüber nachgedacht, wo eigentlich noch? Corona grassiert, dass ihr das verschiebt? So wie James Bond nicht in die Kinos kommt, dass die Beatsteaks auch erst ein halbes Jahr später über eine Äther fließen?

Bernd Kurtzke: Ach, da gehen uns ganz andere Gedanken durch den Kopf. Also erstmal müssten wir ein Album haben. Wir haben ja bis jetzt eine EP mit Coversongs, Das erkennen. Ein neues Album, sondern ein neues Album wäre. Dann sagen wir mal so zehn, elf eigene Stücke. Die müssen aber erstmal geschrieben werden, glaube ich, Und das wird jetzt irgendwann passieren. Wir denken aber auch darüber nach, wie es ist, in den Zeiten, in denen wir gerade leben, Ob es überhaupt sinnvoll ist, noch ein Album zu veröffentlichen oder ob du einfach sagst, mach doch einfach mal mehrere EPs hintereinander oder eben Singles, so keine Ahnung. Niemand interessiert sich wirklich mehr für Alben, so zumindest die große breite Masse nicht. Und für die, die die gerne sammeln. Du kompilierst am Ende irgendwie ein Album zusammen, und dann machst du eine Kleinstauflage auf Vinyl. Und das können Sie dann bei dir im Shop kaufen. Und die Leute sind dann auch glücklich. Vielleicht ist das ein Konzept. Darüber denken wir gerade nach, da gibt es ganz viele Gedanken zu.

Sebastian Krumbiegel: Habt Ihr euch nicht als Albumband gesehen? Seht Ihr euch nicht als Albumband?

Bernd Kurtzke: Immer, aber du merkst ja selber, du guckst auf deine Albumverkäufe und merkst, wenn das dann nach unten geht und du am Ende merkst... Das einzige Geld, was du noch verdienen kannst, ist, Wenn du live auf einer Bühne stehst, dann bezeichnest du dich zwar immer noch als Albumband, aber das ist ja dann eher Schmuck am Nachthemd.

Sebastian Krumbiegel: Ja, ist die Frage, sozusagen, ob das ein künstlerisches Ding ist. Also ich glaube, die Leute, die unsere Musik hören, also unsere Generation, was ja jetzt nicht irgendwie in allererster Linie, irgendwie die Teenies sind, das waren Sie früher, Aber dass die Leute schon irgendwie nach wie vor sich, zwar vielleicht nicht irgendwie haptisch ein Album kaufen, Das machen immer noch auch einige, aber die sich einfach jetzt eine Vinyl oder eben eine CD hier. Wie das damals hieß, kaufen. Aber, dass sie trotzdem Bock drauf haben, sich ein Album anzuhören, So, wie es die Künstler gemeint haben. Wir machen uns ja schon lange keine Gedanken mehr, Womit geht die A-Seite los, Womit geht die B-Seite los. Das ist ja alles schon lange nicht mehr, so. Aber, dass sozusagen 10 oder 12 Songs irgendwie zusammenpassen und dass das einen Guss hat, das ist schon wichtig. Und dass das sozusagen auch ein Ausschnitt der Zeit ist, in der wir eben gerade leben und in der wir eben zusammen Musik machen. Wir machen gerade ein Album mit zwölf neuen Songs und wir machen noch fünf alte Songs, die wir mit Gästen zusammen covern. Und das macht uns totale Laune, und wir glauben, dass das irgendwie ganz cool wird. Wie schreibt Ihr Songs, wollte ich vorhin schon fragen. Wie schreibt Ihr in der Band Songs? Kommt einer an mit einer Idee oder kommt einer sogar an mit einem ganzen Song?

Bernd Kurtzke: Ganz unterschiedlich. Irgendwann sind wir da gelandet, dass dann die Ideen, die jeder anbracht, schon so RELATIV aus... Gearbeitet waren, irgendwie so schon komplett, Da war da schon irgendein Drammen drauf und der Schlagzeuger, Was soll ich denn jetzt noch spielen? Und da war schon ein Basslauf drauf, sagt der Bassist, was soll ich denn jetzt noch machen? Und irgendwie sind wir jetzt so ein bisschen da zurückgekommen, dass wir sagen, okay, lass doch einfach eine Idee, so, wie es einfach mal aufnehmen, jeder für sich so. Und das muss gar nicht viel sein, das reicht, das kann auch ein Loop sein, Das kann auch eine Gitarre sein oder eine Gesangslinie oder so, und dann setzt man sich ran. Und was fällt denn dem anderen dazu? ein, Das ist, glaube ich, da müssten wir jetzt eigentlich wieder hin, so ein bisschen, und ich glaube, da wollen auch alle hin. Schauen wir mal, da ist es eigentlich egal, von wem die Idee kommt.

Sebastian Krumbiegel: Ich finde ja auch Euren Gedanken mit den EPs irgendwie noch nett, weil ich weiß, Als ich Sebastian kennengelernt habe, habe ich ihn auch immer mal gefragt, warum macht Ihr eigentlich noch Alben, wenn Ihr es eh keine Sau mehr kauft? Weil was du gerade beschrieben hast, ist ja so,

Bernd Kurtzke: wenn ich jetzt mal ein bisschen blasphemisch rede, Also, ich bin ja jetzt kein Generation Z, Aber ein junger Mensch würde ja sagen, was soll ich denn mit einem Album? Das ist ja eigentlich nur eine gepresste Playlist, so nach dem Motto. Mit dem Unterschied,

Sebastian Krumbiegel: dass die quasi eine enge Chronologie hat, also eng aneinandergelegt. Und ich meine, Unser Podcast heißt Ja, Kunst trifft digital. Was hast du denn sonst noch so, was dieses ganze digitale Universum mit dir macht? Also von irgendwie Webgeschichten, YouTube, Spotify und, Was macht das mit Euch als Musiker und Künstler?

Bernd Kurtzke: Also grundsätzlich, also, wenn ich jetzt über mich persönlich rede und über meine Vorliebe. Für elektronische Musik, hat es mir natürlich auch ganz viele Sachen erleichtert. Also, ich kann einfach, wenn ich will, nehme ich ein Album auf und stelle es auf Spotify. Und die ganze Welt kann es hören. Das ist so einfach. Oder eine EP oder eine Single. Und das ist, das war, glaube ich, so vor 10, 20 Jahren. Ging das einfach gar nicht. Ja, Und da waren auch die Möglichkeiten zur Aufnahme zu Hause jetzt nicht so weit, wie sie mittlerweile sind. Und im Grunde kann jeder, wenn er will, Musik machen und die ganze Welt wissen lassen, dass er das macht. Das ist eine tolle Sache auf der einen Seite. Auf der anderen Seite sehe ich schon so die Gefahr, dass Leute das, was da passiert, als zu selbstverständlich nehmen und zu sehr vergessen dabei, dass Musik machen. Ja, auch, was mit Zeit zu tun hat, die man da investieren muss, auch was mit Konzentration. Herzblut zu tun hat, was man da reingeben muss und dass das am Ende irgendeinen Preis haben muss. Ich kenne das aus der Vergangenheit von Leuten, junge Leute, die so eine Grundhaltung haben. Wieso kann ich doch da holen? Hol ich, es mir? Ja, natürlich, so ist es, aber denk doch mal darüber nach, was es für den Künstler bedeutet, der die Musik gemacht hat. Nämlich, dass er sich hinsetzt, eine Idee hat, Natürlich macht er das gern und das ist keine verschwendete Zeit für ihn, Aber trotzdem steckt er viel Zeit, viel Herzblut da rein und du sagst, gib her. Umsonst ist ein bisschen komisch Wie wäre das für dich, wenn du das so machen würdest? Wie würde sich das für Dich anfühlen? Das macht es auf der anderen Seite mit Menschen und das ist ein ganz schmaler Grad. Also, ich glaube, das wird noch Jahrzehnte dauern, bis Spotify in der Lage ist, die Künstler gerecht zu entlohnen. Für das, was sie da drauf stehen haben. Und habt ihr Spaß daran, damit auch zu experimentieren, weil was ich ja sehe, ist, dass die Sphäre noch immer mehr verschieben,

Sebastian Krumbiegel: irgendwie. Also, ich habe die Tage irgendwie mal... Disney+ aufgemacht, um irgendwie mal ein bisschen, was zu gucken. Hab dann gesehen, dass Taylor Swift da irgendwie sozusagen so eine Art Dokumentation gemacht hat, wo Sie irgendwie Ihr Album, was Sie während Corona zu Hause geschrieben hat, aufzeigt,

Bernd Kurtzke: Wie Sie das in so einem Studio bei New York irgendwie mitten an einem See, das heißt irgendwie, Ich glaube, great lake oder so ähnlich, weil es an einem ganz langen See ist, aufgenommen hat. Oder Justin Bieber hat so eine Art Documentary gemacht auf YouTube,

Sebastian Krumbiegel: wo er auch gezeigt hat, wie er sich beschäftigt hat. Da fließen ja so ganz viele Medien auf einmal. Auch so quer, dass dann irgendwie große Konzerne kommen. Und so. Habt Ihr an Sowas Freude? Setzt ihr euch mit Sowas auch auseinander? Oder sagt ihr, Ich bin so Handmade-Musik, zack, Und der Output ist mir dann eigentlich egal?

Bernd Kurtzke: Wir sind Handmade-Musik, weil so haben wir angefangen. Und wie der Output am Ende aussehen wird, muss ja irgendwie verhandelt werden. Aber es ist erst mal nicht ausschlaggebend für den Prozess des Musikmachens. Es gibt Dokumentationen über uns, wo auch Szenen im Studio sind. Aber grundsätzlich sind wir, glaube ich, eher eine Band, die sich dabei ungerne zupacken. Gucken lassen wollen. Also, das macht auch jeder für sich, so wie er das mag. Und es gibt auch Leute, die haben da wirklich, Die müssen sich auch die Welt wissen lassen, wie sie das nun machen. Ist auch völlig in Ordnung, Aber das ist ein Modell, glaube ich, was für uns nicht so sehr in Frage kommt. Wahrscheinlich sind wir einfach so was wie Architekten, Die Häuser bauen und andere müssen sie dann bewohnen. Und ich möchte aber jetzt niemanden in meinem Büro rumhernehmen, während ich da das Haus irgendwie aufmale. Das möchte ich nicht.

Sebastian Krumbiegel: Aber wenn du auf der Bühne bist, dann stellst du dein Musterhaus vor, sozusagen.

Bernd Kurtzke: Richtig, genau. Und da kann ja dann Musik auch dabei sein, Dann muss ja auch jeder da rumlaufen können. Richtig, genau.

Sebastian Krumbiegel: Ist es vielleicht so ein bisschen Deutschland versus Amerika, dass die Amis irgendwie an diesem Vermarkten, an dem Verkaufen mehr Spaß haben. Und der Deutsche mehr am Handwerk?

Bernd Kurtzke: Ja, wahrscheinlich ist es so. Warum das so ist, Keine Ahnung.

Sebastian Krumbiegel: Ist das bei dir, Sebastian? Verkaufst du gerne deine Kunst? Nee, es ist schon ähnlich. Also, ich lasse hier bei mir zum Beispiel auch keinen rein. Zu Hause sowieso nicht. Auch Proberaum ist für uns irgendwie Heiliges Terrain. Da kommen keine Medien, kommt, keine Kamera, rein. Und wie gesagt, am Ende ist es das, wenn wir auf der Bühne sind, das ist das, was wir genießen. Also Ich verstehe das total, was du gerade gesagt hast, Bernd, dass es sozusagen einen Preis hat, was wir machen und dass es einen Wert hat, was wir machen und dass man den Wert auch irgendwie kommunizieren muss. Aber ich finde trotzdem den Gedanken irgendwie schon ganz gut, dass wir was machen, was wir gern machen und dass wir, wo wir am Anfang waren, Das Privileg haben, dafür, Geld zu kriegen. Also Lindenberg zum Beispiel hat diese wunderbare Vokabel kreiert, dass er sagt, wenn er auf Tour ist, dann ist das für ihn Tourlaub. Also, so versuche ich das auch zu sehen. Wenn wir auf Tour sind, Ich sage nicht irgendwie jeden Tag, Oh, ist das ein Stress und Hilfe, Heute Abend muss ich wieder auf die Bühne. Nee, ganz im Gegenteil. Ich freue mich da drauf und denke irgendwie, geil, Du hast das wieder irgendwie zwei Stunden oder drei Stunden vor dir, die du auf einer Bühne bist. Wo du dir die Energie der Leute holst und wo du irgendwie das machst, weswegen du irgendwann mal angefangen hast, das zu machen, was Du machst, Nämlich Musik machen vor Menschen.

Bernd Kurtzke: Ich habe das mal aus dem Silicon Valley gehört, Da gibt es diesen Begriff. Mercenaries versus Missionaries. Also, Missionaries sind quasi Missionare, Überzeugungstäter und Mercenaries sind so, Wie sagt man im Krieg, Söldner. Also Menschen, die eigentlich nur Lebenszeit gegen Geld tauschen. Und ich glaube, in der Kunst hat man sehr viele Menschen. Die Missionary sind, die quasi ihre Belohnung schon aus dem Kunst erzeugen. ziehen, während man in anderen Berufssparten, Weil ihr sagt, Ihr habt ja beide gesagt, ich werde für was bezahlen, was mir total Spaß macht, ich liebe meinen Job. Und ich glaube, das ist in der Kunst idealerweise ein bisschen höher als woanders.

Sebastian Krumbiegel: Einerseits ja, also auf jeden Fall. Aber das Problem ist eben, was Bernd eben auch, sagte, dass dieser Wert gerade ein bisschen verloren geht, Weil die Leute irgendwie denken, hey, ist ja irgendwie alles für lau. Dieser Spruch, Applaus ist das Brot des Künstlers. Ja, geil, ist natürlich wirklich so. Aber für Applaus kannst du dir am Ende eben kein Brot kaufen.

Bernd Kurtzke: Applaus ist das Trinkgeld des Künstlers.

Sebastian Krumbiegel: Oder es ist das Brot, Aber da muss auch noch eine Salami drauf und die will bezahlt werden.

Bernd Kurtzke: Ja, irgendwie schon, ja. Trockenbrot allein.

Sebastian Krumbiegel: Naja, ICH meine, Man könnte es ja zuspitzen.

Bernd Kurtzke: Ich finde es ja auch ein Stück weit bezeichnend. Also, ich finde total richtig, dass man Gastronomen sehr stark unterstützt, aber fressen wird. jetzt, sage ich mal, überspitzt, eher gefördert, gerade als irgendwie Kultur.

Sebastian Krumbiegel: Das ist schon schade, dass das so lange im Hintertreffen war, Aber vielleicht kommt es ja jetzt vermehrt. Bernd, Es war ein spaßiger, ein bunter Ritt. Wir sind, glaube ich, alle gespannt, Was aus dem EP zu Album sich noch weiterentwickelt.

Bernd Kurtzke: Wir auch.

Sebastian Krumbiegel: Wir wünschen uns, dass du uns auf dem Laufenden hältst.

Bernd Kurtzke: Ja, machen wir.

Sebastian Krumbiegel: Und du hast das Anfangswort gehabt, Sebastian, Du hast auch noch das Schlusswort, komm. Ja, ich hoffe, wir sehen uns irgendwann mal wieder. Also, ob das auf einer Bühne ist oder ob das irgendwie sonst. Wo ist. Grüße Wir bitte mal ganz herzlich. Deine Band.

Bernd Kurtzke: Das mache ich, das mache ich.

Sebastian Krumbiegel: Ich weiß nicht, wer sich von denen noch erinnert, das... Dass wir uns mal wirklich flüchtig irgendwie getroffen haben. Ich habe euch zweimal live gesehen. Einmal in der Columbiahalle Berlin und dann viel, viel früher im Island. Und das war für mich irgendwie ein Hammerkonzert. Das war für mich irgendwie unvergessen.

Bernd Kurtzke: Ich gebe das sehr gerne weiter.

Sebastian Krumbiegel: Hab. vielen, Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Und man muss euch gar nichts wünschen. Wir können uns nur allen zusammen wünschen, dass wir irgendwann wieder auf bühnen dürfen. Und das machen, was wir am liebsten tun.

Bernd Kurtzke: Genau. Hand in Hand.

Sebastian Krumbiegel: Hand in Hand. Hey, Hau rein. Mach's gut. Hab vielen Dank.