
Julia Neigel: Die Kämpferin für die Rechte der Musiker
30. September 2020, mit Joël Kaczmarek, Sebastian Krumbiegel
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Joël Kaczmarek: Kunst trifft digital.
Sebastian Krumbiegel: Der Podcast.
Joël Kaczmarek: Hier hört ihr alles zu Kunst in Zeiten der Digitalisierung und das mit dem Popprinzen. Sebastian Krumbiegel.
Sebastian Krumbiegel: Und mit unserem Podcast Joël Kaczmarek.
Joël Kaczmarek: So und heute bin ich ja mal ganz neugierig. Ich glaube, heute geht dir das Herz auf, ne? Ich glaube, der Gast, den wir heute hier haben, also? Ich weiß auch, dass er eine spannende Person ist, Aber ich glaube, du hast auch noch eine ganz besondere Beziehung. Erzähl mal.
Sebastian Krumbiegel: Ich kenne diese schöne Frau seit mittlerweile über 30 Jahren, glaube ich. Wir haben uns kennengelernt 1988 in einer Fernsehsendung des damals noch DDR-Fernsehens, Als ich mit meiner Band, die damals noch nicht die Prinzen, hieß, sondern Herzbuben, zu Gast war. Die Band hieß, glaube ich, Schokolade, moderiert von Gunther Emmerlich und, äh... Das war sozusagen der Startschuss für eine, Man kann schon sagen Freundschaft, weil in dieser Sendung trat die Jule Neigel Band auf. Und heute haben wir keinen geringeren zu Gast als die wunderbare, Großartige Julia Neigel.
Joël Kaczmarek: Hallo Sebastian. Hey Julia. Boah, Ich Krieg Grad Gänsehaut. Wie schön. Wie schön du das beschreibst.
Sebastian Krumbiegel: Das sind doch schöne, also, ich hab ja eben gesagt. Die Jule Neigel Band. Damals hieß es Jule Neigel Band, Heute nennst Du dich Julia Neigel. So heiß ich. Also Du hast sozusagen einen Künstlernamen abgelegt und machst unter deinem Trademark weiter.
Joël Kaczmarek: Ich habe einfach das Wort Jule abgelegt, also diesen Nickname, der war so und so.
Sebastian Krumbiegel: Schon in der Schule, Ich war sieben Jahre alt, da war die Jule. Ah, ehrlich ist das? Ja, Küssen verboten.
Joël Kaczmarek: Ich habe nie gefragt, wen du damit gemeint hast. Tja,
Sebastian Krumbiegel: habe ich auch nie verraten, jetzt ist es raus. Ernsthaft? Ja, natürlich.
Joël Kaczmarek: Wow.
Sebastian Krumbiegel: Das ist ja ein Moment hier, Da erlebe ich ja, was, wirklich. Das ist ein kleines Tränchen, Verrührung. Da bin ich ja baff.
Joël Kaczmarek: Wir kennen uns schon ziemlich lange, und wir sind uns immer wieder begegnet und sind uns so ins Herz gewachsen. Ich würde schon sagen, wir können von einer Freundschaft reden. Und wir helfen uns gegenseitig, wenn irgendwie wir irgendwas tun wollen, irgendwas sozialgesellschaftliches, Was wichtig ist, wir rufen uns gegenseitig an. Also, wenn ich jetzt zum Beispiel irgendwas im Kopf habe, was wichtig wäre für die Gesellschaft? Und wir wollen eine Aktion machen, Ich würde ihn ganz sicher als einen der ersten Fünf anrufen. Ich würde dich auf jeden Fall erinnern.
Sebastian Krumbiegel: Wir werden ja oft gefragt, ob man wirklich das, was man künstlerisch tut, Auch in irgendeiner Weise gesellschaftlich nutzen sollte. Ich versuche immer darauf zu antworten, dass das jeder selbst wissen muss, aber, dass es für mich wichtig ist. Und ich glaube, das geht dir genauso. Du bist ja sehr engagiert auf ganz verschiedenen Gebieten. Du bist zum Beispiel, was die Rechte der Musiker betrifft, extrem engagiert. Also was die Künstler, wie heißt das, Wie sagt man da?
Joël Kaczmarek: Urheberrechte, Leistungsschutzrechte.
Sebastian Krumbiegel: Nach dem Wort habe ich gesucht.
Joël Kaczmarek: Ein sehr, sehr eigenartiges Wort, das man nicht so richtig greifen kann. Hat nichts mit Ur zu tun. Nein, hat nichts mit Ur zu tun. Wir sind Urheber. Und dieses Wort impliziert, dass wir erfinder sind. sind. Wir sind Erfinder, die ein geistiges Eigentum entwickeln. Du als Komponist, als Podcast, ich als Komponistin, als Textdichterin und du natürlich auch als Musikproduzent. Wir sind alles Urheber, also diejenigen, die Ideen, geistiges Eigentum im Kopf haben. Und das umsetzen, sei es in Büchern, sei es in Musik, sei es in Grafiken, in Bildern. So nennt man die juristisch. Das sind die Urheber.
Sebastian Krumbiegel: Ja, ich habe das neulich, aber auch gerade gehört, bei TikTok, glaube ich, gab es so ein Video. Und dann erzählt jemand, Ein Mann fällt seine Rolex runter, er kriegt sie nicht vom Boden. Weißt du, warum? Nein, Er hat kein Urheberrecht.
Joël Kaczmarek: Genau. Das ist schon so ein Wort, Da habe ich mich früher ziemlich drum gedrückt, wenn ich irgendwie als Musikerin irgendwelche Verträge vorliegen hatte. Ich weiß nicht, wie du es früher so empfunden hast. Da kam ja immer wieder was mit Urheberrecht und Leistungsschutzrecht. Ja, das Kleingedruckte. Das Kleingedruckte,
Sebastian Krumbiegel: genau.
Joël Kaczmarek: Da bin ich immer ganz hilflos gewesen, habe erst mal fünf Anwälte angerufen, weil ich keine Ahnung davon hatte. Und das war für mich einfach so eine fremde Materie. Und irgendwann mal habe ich mich dann doch reingekniet und ich habe es lieb geworden. Ich finde es wichtig für uns alle, insbesondere auch zu Zeiten der Digitalisierung. Das ist ja auch ein ganz wichtiger Faktor. Und habe mich da so reingekniet und durfte dann irgendwann mal, Wurde ich dann von bei der GEMA-Versammlung, bei der öffentlichen GEMA-Versammlung, Haben mich dann auch noch die Kollegen, die Komponisten und die Texter zu einer GEMA-Aufsichtsrätin gewählt. Dann saß ich dann plötzlich in so einem Aufsichtsrat drin und man schickte mich, Oder besser gesagt, ich habe mich da auch selber dann irgendwie freiwillig engagiert. Bin immer in den Bundestag gefahren und habe mit Politikern geredet. Das war auch meine erste tatsächliche Begegnung der dritten Art mit Politikern in Ämtern, in Ministerien. Und bin nach Brüssel gefahren und habe mich mit Parlamentariern unterhalten. Und saß da irgendwie beim Abendessen zusammen mit den französischen Kollegen und mit englischen Kollegen, Als es dann wirklich ganz brisant wurde und wir uns dann organisiert haben. Vor vier, fünf Jahren fingen ja die Künstler ganz europaweit an, um ihre Künstlerrechte zu kämpfen.
Sebastian Krumbiegel: Es ist ja eigentlich nicht das. Weswegen wir irgendwann mal angetreten sind, Musik zu machen. Also, wir sind ja deswegen angetreten, um uns zu entäußern, auf die Bühnen zu gehen und irgendwie uns selbst geil zu finden. Und wenn jetzt auf einmal, dann dieses ganze Fachchinesische und diese ganzen Begriffe dazukommen, also mal andersrum gefragt, wie bist du überhaupt zu deiner Kunst gekommen? Wie hast du angefangen, Musik zu machen? Wann hast du gemerkt, dass das dein Ding ist?
Joël Kaczmarek: Mit fünf. Also, ich kam mit fünf Jahren nach Deutschland, so rum. Du bist in Russland geboren. Ich bin in der UdSSR geboren, mit meiner Familie hierher gekommen. Wir sind Russlanddeutsche, und dann habe ich natürlich die wunderbaren Möglichkeiten, die so im Westen vorhanden waren, wie zum Beispiel Radio und Fernsehen und das alles, habe ich als Fünfjährige schon erlebt. Und ich hörte mit, glaube ich, Fünf oder sechs Jahren. Sechs Jahren hörte ich Musik im Radio und dann hörte ich die Beatles. Und dann war es um mich geschehen. Also, ich habe dann plötzlich so eine Liebe entwickelt zu dieser Musik, die ich da gehört habe. Und gleichzeitig war es so, bevor ich eingeschult wurde, hat meine Mutter, das war für alle die... Die eben aus dem Ausland kamen, Einen Test mit mir machen müssen. Da wurde ich zu so einer Lehrerin geschickt, Die haben dann einen Eignungstest durchgeführt, Ob ich überhaupt als noch halb deutschsprachig, Ich sprach ja mehr Russisch als Deutsch, überhaupt schon eingeschult werden sollte. Und wenn, normale Grundschule oder irgendein Internat oder so eine Spezialschule. Und dabei stellte man fest, Ich hätte eine gewisse Hochbegabung, speziell im künstlerischen, Musischen Bereich. Also hat meine Mutter dann auch mich noch gefragt, ob ich Lust hätte, Zum Beispiel musikalisch, einen Unterricht zu nehmen. Und hat mich in die Musikschule geschickt, damals in die klassische. Und ich bekam dann eine Blockflöte in die Hand und fing dann erstmal an, so kleine Dinge zu spielen. Und später dann halt mit fünf, sechs, Na, mit acht ging es dann schon an Vivaldi und so Dinge.
Sebastian Krumbiegel: Oh ja.
Joël Kaczmarek: Also so richtig schwere Sachen. Und eigentlich fing es schon mit fünf, sechs Jahren an, dass ich mir immer gesagt habe, das ist so toll, Das macht, so Spaß, Musik zu machen, Töne von sich zu geben, über ein Instrument. Und die Musik, die ich im Radio hörte, speziell die Beatles, die haben mich wirklich inspiriert. Ich habe mir das gewünscht, Musikerin zu werden. Dann hatte ich so Zwischendrin die Überlegung, ich würde vielleicht doch Archäologin werden wollen, wenn man dann irgendwann mal... Mit Archäologie in der Schule in Kontakt gerät. Aber dieser Wunsch nach Musik, der blieb seit meiner Kindheit. Und irgendwann hatte ich dann das Glück, in der Schule ein paar Leute zu treffen, die dann eine Band hatten in so einem dunklen Kellerproberaum. Und sie hatten keine Sängerin. Und alle sagten, Deine Sprechstimme wäre so interessant, komm, Probier das doch mal. Meine Mutter sagte dann auch immer zu mir, du könntest mit Sicherheit singen, so eine Stimme, wie Du hättest. Und dann habe ich das da ausprobiert. Es war eine Punkband und ich habe es dann auch gleich gelassen mit dieser Band. Aber relativ schnell, Ich glaube, zwei Monate später, war ich in der ersten Blues-Band. Band, die relativ erfolgreich war in dieser Region.
Sebastian Krumbiegel: Wo war das?
Joël Kaczmarek: Das war in Ludwigshafen. Am Rhein.
Sebastian Krumbiegel: Also du bist, also, ich kenne dich ja auch aus Ludwigshafen, aus Mannheim, Ludwigshafen. Man muss dazu sagen, dass diese Ecke ja musikalisch auch sehr speziell ist, dass aus dieser Ecke extrem viel deutschsprachige oder überhaupt deutsche Soul-Musik kommt, Weil eben der amerikanische Einfluss extrem war mit Soldatensender. Und was weiß ich, was. Wer kommt alles aus dieser Schule?
Joël Kaczmarek: Fleming war natürlich eine total bekannte Frau, die in den 60ern, 70ern... 70ern mit den Hitkits Erstmal die ganzen amerikanischen Clubs bespielt, Besser gesagt, besungen hat. Und diese Clubs gab es auch noch zu meiner Zeit, als ich Anfing, mit 14 zu singen. Ich habe meine ersten großen, vielen Konzerte, die wirklich jedes Wochenende liefen, in diesen Ami-Clubs gemacht. Da gab es richtige Agenturen in Marrakesch.
Sebastian Krumbiegel: Das ist die beste Schule, oder?
Joël Kaczmarek: Das war Sowas von brutal. Das waren fünf Stunden am Stück singen. Und ich mit meinen 14 Jahren, Ich saß dann immer ein bisschen so in der Ecke, weil ich war ja minderjährig, ich durfte da eigentlich gar nicht hin. Ich habe immer so getan, als ob ich älter wäre. Und Katharina kommt aus dieser Stadt. Uwe Ochsenknecht, der ja auch durchaus singt, kommt aus dieser Stadt. Anneliese Rothenberger, Eine sehr gute Opernsängerin. Und dann kommen wir mal zu den jüngeren Generationen. Dann sehen wir Xavier Naidoo kommt aus der Gegend. Dann haben wir Laith Al-Deen. Und sogar Joris kommt aus der Gegend.
Sebastian Krumbiegel: Sabrina Setlur auch.
Joël Kaczmarek: Sabrina Setlur kommt aus Frankfurt. Das ist dann schon wieder Hessen. Und ich bin so eine Zwischendrin-Künstlerin, weil ich wohne in Rheinland-Pfalz, in Ludwigshafen, was die Mannheimer nicht so gerne haben, dass die Künstler in Ludwigshafen wohnen. Und Rheinland-Pfalz, Weil das sind. Baden-Württemberger. Und die sind alle unglaublich. Der picht darauf, dass alle Künstler in Mannheim wohnen. Und ich bin nie hingezogen. Ich habe immer gesagt, nee, ich finde irgendwie die Rheinseite auf der anderen Seite, die finde ich irgendwie. cooler. Ich finde dann die Weinberge schöner, den Pfälzer Wald schöner, Ich bleibe da mal, da drüben, Außerdem wohnt da meine Familie. Und Tatsache ist, dass das tatsächlich so eine Art, ja,
Sebastian Krumbiegel: Melting Pot.
Joël Kaczmarek: Ja, genau, so. Ein Schmelztiegel ist für viele Künstler, weil das eben eine unglaublich segensreiche Szene war. Für amerikanische Clubs. Und in den 70ern, 80ern, Da hat Halt Joy Fleming, kam halt daraus hervor, Da haben halt wirklich die Künstler oder die Sängerinnen speziell, Die mussten dann so sachen singen wie Aretha Franklin und Chaka Khan. Und was weiß ich, weil die Amerikaner wollten das hören. Und ich habe damit auch angefangen, als ich Sängerin wurde.
Sebastian Krumbiegel: Und wann hast du angefangen, deutsch zu singen? Oder besser noch, vor allem auch eigene Sachen umzusetzen?
Joël Kaczmarek: Also, ich habe klassische Musik gemacht, bis zu meinem 14. Lebensjahr. Dann fing ich mal ganz kurz mit einer Punkband an, habe das zwei Monate später gelassen, stieg in eine Bluesband. ein, die deutschsprachige Sachen machten und die ich erst mal sang. Ich mochte die Band nicht, also ich verstehe. Stieg ich da wieder aus? Und wurde von einer Coverband gefragt, die genau diese Army-Club-Sachen gemacht hat. Und habe dann erst einmal zwei Jahre, da war ich, lass mich rechnen, bis 16, habe ich dann nur diese Cover-Sachen gemacht. Und zwar nur amerikanischen Soul, Schwarzen Soul. Und mit 17 habe ich angefangen, zu schreiben. Ich wollte nämlich eigenes Material machen, weil mir das dann doch auf den Keks ging. Also, es war unglaublich anstrengend. Man bekam wenig Geld und man stand fünf Stunden auf der Bühne und war in irgendwelchen Pensionen untergebracht, in Schlafzimmern. Und was weiß ich, wo. Also, es war wirklich ein hartes Brot.
Sebastian Krumbiegel: Wie schafft man es eigentlich nicht, Heiser zu werden? Ist das Training? Fünf Stunden, Da würde ich ja irgendwie am Stock.
Joël Kaczmarek: Das ist Training, das ist Training. Das weißt du ja auch, Sebastian. Und Psyche, glaube ich, auch. Und Psyche, genau.
Sebastian Krumbiegel: Also, wenn du Angst davor hast, Heiser zu werden, dann wirst du heiser. Genau.
Joël Kaczmarek: Angst ist ganz schlecht. Man sollte überhaupt gar keine Angst haben. Man sollte sich eigentlich immer gut in seinem Körper fühlen und es als natürliches Instrument im Hals betrachten. Also die Schule, die ich da gemacht habe, diese fünf Stunden am Stück. Und manchmal waren es sogar zwei Konzerte in der Nacht. Bis morgens um vier oder so und dann am nächsten Tag weiterfahren. Mit irgendeinem kalten Bandbus und dann in die nächste Stadt hinein, manchmal bis Belgien hinaus. Da hast du entweder überlebt oder du warst kaputt. Und wir haben halt überlebt, also, ich habe überlebt. Ich habe dann irgendwie überlegt, wie kriege ich das hin, dass ich mich schone und gleichzeitig natürlich auch am Üben, dass ich überhaupt diese Lieder singen konnte. Ich habe noch alte Demos, da singe ich zum Beispiel mit 16 Chaka-Khan-Songs wie Ain't Nobody und so. Und ich höre natürlich, dass ich noch nicht ganz so geübt war, Die Stimme war noch nicht so weich, war also nicht so dehnbar. Das ist sie jetzt natürlich. Also, ich hatte die Technik nicht, die ich heute habe, Aber ich hatte natürlich die geistige Vorstellung, wie ich das haben möchte, wie ich es hören möchte, die war schon immer da. Und das ist ja die Musikalität, die man braucht. Und ich habe dann irgendwann mal einfach gemerkt, Ich kriege das nicht wegen dem körperlichen hin, sondern ich hatte keine Lust mehr. Ich hatte keine Lust mehr, auf einer Bühne zu stehen. Vor betrunkenen Soldaten. Ich fühlte mich da unwohl, ich war das einzige Mädchen, ich war ja noch minderjährig. Auch noch mit 16. Und ich wollte das nicht und ich hatte dauernd. Lieder gehört. Von Udo Lindenberg und Peter Maffay und Rio Reiser und Nina Hagen, auf die ich sehr abgefahren bin. Und ich fand die Texte von Ulla Meinecke so geil und so. Und ich dachte, ich sag mal, das kriege ich doch wohl hin. Und probiere mal selber, was zu schreiben. Und das tat ich und habe Melodien im Kopf gehabt, zumal ich ja durch den klassischen Musikunterricht mit Melodien aufgewachsen bin. Blockflöten können ja nur Melodien spielen, Die spielen ja, keine Akkorde. Und hatte das Halt auswendig lernen müssen. Das waren ja manchmal ganze Sonaten, Die gingen fast zwei Stunden zum Teil. Und so kam es dann, dass ich meine ersten Kompositionen und Texte, also die Melodie dazu und den Text, So habe ich angefangen, in so Büchern aufgeschrieben habe. Dann siehst du dann, Ich habe so alte Bücher noch, Siehst du, wie ich sie durchgestrichen und wieder eingetragen habe. Dann habe ich so ein uraltes Buch gefunden, Das war ein altes Reimlexikon aus 1960 oder irgendwoher. Und habe das dann auch öfter mal verwandt, um die weiblichen und männlichen Silben in den Reimen zu finden. Ich hatte Kunstleistung im Abitur, insofern hatte ich natürlich auch sehr viel Kontakt mit guten Literaten. Und auch mit Reimen und mit Versen und Poesie. Und dann habe ich die Sachen dann auf so ein Diktiergerät gesungen. Meine erste Investition war ein Diktiergerät, auf dem ich dann die Stimmen, die Gesänge drauf gemacht habe. Und dann Mit Schatten an der Wand habe ich geschrieben, da war ich 17.
Sebastian Krumbiegel: Da gab es auch noch keine Jule Neigel Band?
Joël Kaczmarek: Nee, die gab es überhaupt nicht. Zu der Zeit gab es diese Band The Steelers. Und The Steelers war diese Coverband, bei der Ich sang.
Sebastian Krumbiegel: Daraus ist die Band hervorgegangen, dann sozusagen?
Joël Kaczmarek: Aus diesen Musikern, die damals dort waren, ist die Band hervorgegangen, weil ich gesagt habe, ich möchte gerne eigene Sachen machen. Ich habe keine Lust mehr dauernd, Kawamuke zu machen. Ich wollte einfach meine eigenen Materialien schreiben, und das habe ich dann gemacht. Und dass es Jule Neigel Band hieß, das war nicht mein Wunsch. Ich war dagegen. Allerdings hat Halt der Produzent, der dann irgendwann mal diese Demos gehört hat, von mir, mit den Musikern in dieser Band The Steelers gesprochen. Und die waren natürlich alle scharf drauf, dass es gleich eine Band ist. Und ich wollte immer Jule Neigel & Band. Damals nannte mich Micha Jule, und ich wollte diese Trennung. Ich wollte diese solistische Karriere für mich. Das war mir sehr wichtig. Ich wollte mich nicht in so ein Bandkonzept machen, in dem einerseits mein Name verwendet wird, So, wie es zum Beispiel bei den Prinzen ist. Das ist ja ein wirklich gemeinsamer Name. Das ist ja kein Name, der auf dich, Sebastian, zurückzuschließen ist. Das ist ja bei danich gemacht worden. Da haben die einfach beschlossen, hinter meinem Rücken, den Namen Jule Neigel Band der Plattenfirma weiterzugeben. Und ich hatte noch keinen Vertrag. Und dann wurde der einfach verbreitet. Und dann hatte ich erstmal diesen Namen an der Backe. Ist aber auch nicht das schlechteste erstmal,
Sebastian Krumbiegel: oder?
Joël Kaczmarek: Naja, Grundsätzlich ist der Name nicht so relevant, Ob das jetzt Jule Neigel Band und Jule Neigel und Band ist. Aber es täuschte halt darüber hinweg, dass die Verträge im Gegensatz zu den Prinzen, Die Künstlerverträge habe ich alle alleine. Da hat nie jemand anderes, was unterschrieben. Das war nach außen hin, wirkte das so, als ob das irgendwie fünf Leute wären. Und es stimmte nicht. Es war nie so.
Sebastian Krumbiegel: Wie lange hattet ihr als Jule Neigel Band damals eine gute Zeit miteinander?
Joël Kaczmarek: Du willst wirklich eine ehrliche Antwort?
Sebastian Krumbiegel: Es gab nie eine gute Zeit.
Joël Kaczmarek: Also, ich hatte nie eine gute Zeit, mit denen. Ehrlich, ja? Ehrlich, ganz ehrlich.
Sebastian Krumbiegel: Das ist ja echt heavy, ja.
Joël Kaczmarek: Ich hatte gar keine gute Zeit, mit denen. Ich war leider mit einem dieser zwei Männer zusammen, die dann speziell später in den 90ern noch übrig blieben. Von diesem Kern, der Gitarrist. Und ich möchte jetzt also... Nicht viel über meine private Situation. Mit diesem Mann reden, Aber der war halt eben gitarrist und die beiden waren effektiv. Die falschen Menschen.
Sebastian Krumbiegel: Wer war der andere?
Joël Kaczmarek: Der andere war der Keyboarder.
Sebastian Krumbiegel: Okay. Der vermeintliche. Bin ich fast ein bisschen froh, weil ich habe Frank Schäfer kennengelernt. Der war total in Ordnung. Frank war super. Mit dem konnte ich total gut. Das war der Bassgitarrist, der Jule Neigel Band. Genau. Und der hat uns damals als... Damals noch Herzbuben. Als dann die Mauer gefallen war, hatten wir, Wir hatten Kontakt und da hat er uns was versorgt, dass wir das erste Mal in ein westdeutsches Studio gekommen sind, nach Mönchengladbach zu Rudi Braka.
Joël Kaczmarek: Geil. Kennst Du den? Nee, aber ich kann mir das gut vorstellen, dass das Frank macht.
Sebastian Krumbiegel: Das war total witzig für uns, weil wir auf einmal gedacht haben, Boah, geil, Jetzt geht's hier irgendwie los und jetzt fangen wir an. War natürlich ein Zwischenschritt für uns dann dahin, dass wir irgendwann Annette Humpel kennengelernt haben, Was dann diesen ganzen Prinzenweg vorgezeichnet hat, sozusagen. Aber Frank Schäfer... Mit dem konntest du sozusagen gut. Frank war super. Na, wunderbar.
Joël Kaczmarek: Also zu dem habe ich heute noch Kontakt. Und Frank war auch eine ehrliche Haut. Ja. Von Anfang an. Aber das kann man halt über die anderen überhaupt nicht sagen.
Sebastian Krumbiegel: Und wenn du sagst, du wolltest deine eigene Musik machen, was war dir wichtig? Was wolltest du in die Welt bringen?
Joël Kaczmarek: Meine eigenen Vorstellungen von Musik, logischerweise. Also ich bin Musikerin, Das ist das Vorrangigste. Und dass ich dann darüber hinaus eben die Texte geschrieben habe und begonnen habe, damit, das lag einfach daran, dass ich, Ich wollte weder covern, so wie damals in dieser Blues-Band, Das war ja für mich eine Cover. Situation, Auch wenn die Texte von denen stammten, Das war nichts von mir und ich konnte das nicht nachvollziehen, ich stand da nicht dahinter. Für mich war einfach das Wichtigste, dass ich meine Vorstellung, meine Visionen von Kompositionen und von Geschichten, die ich im Kopf hatte, dass ich die rüberbringen konnte mit meinem Instrument Stimme. Und das wusste ich lange nicht. Ich bin von meiner Wahrnehmung, von meiner Sinneswahrnehmung bin ich Synästhetikerin. Ich weiß nicht, ob ihr wisst, was das ist. Klingt nach einer Krankheit, ist aber eine Gabe. So heißt es. Also, es ist keine Krankheit. Es bedeutet... Wenn du jetzt zum Beispiel Musik hörst, dann hörst du Musik, und Du hörst einfach die Musik. Du hast normalerweise nicht sofort. Bilder von Farben im Kopf. Also Du hast in deinem Inneren nicht sofort die Vision von irgendeinem Bild, von irgendeinem, Was auch immer, irgendeine fiktive Vision. Oder Du hast auch keine Farben, die du siehst. Es gibt aber Menschen, Das sind die Synesthetiker, Die haben mehrere Sinnesverknüpfungen, Wenn Sie einen Sinnesreiz wahrnehmen. Beispielsweise, Wenn ich Musik höre, sehe ich Farben. Ich sehe die im inneren Auge. Ich sehe auch Bilder. Also ich sehe, wenn ich zum Beispiel schreibe, und ich erzähle eine Geschichte, Ich sehe einen ganzen Video. Ich sehe ein komplettes Video mit Geschichten, mit Handlungen und ich sehe auch Farben. Und dass Musik bei mir diesen Sinnesreiz, farben und zum Teil Gerüche, Es gibt auch Menschen, Die haben zum Beispiel die Verknüpfung zwischen Musik und Gerüche, Das ist bei mir weniger ausgeprägt. Aber dass das funktioniert, das nennt man. Synästhesie. Und diese Synästhesie war bei mir immer sehr stark ausgeprägt. Das heißt, wenn ich zum Beispiel bei Schatten an der Wand etwas geschrieben habe, habe ich die Melodie, Das war erstmal das Grundsätzliche, was zuerst da war, die hatte ich im Kopf. Die kam, die flog so, um mir zu, und dann sah ich bei dieser Melodie bestimmte Farben. Und plötzlich sah ich Feuer, ich sah Rot, ich sah Gelb, ich sah eine Szene, ich sah einen Kamin. Und daraus entwickelten sich die Texte. Das heißt, Es war so ein innerer Zugang zu meiner eigenen Kreativität, so ein Kanal, den ich früher nicht kannte. Dieser Zugang zu einer Inspiration und zu einer Form von Vision. Du nennst Vision, oder Du kannst es auch so einen Art Trance-Zustand nennen, den du sicher kennst, der einfach automatisiert war. Ich wusste am Anfang gar nicht, wie ich den überhaupt niederschreiben soll. Ich war am Anfang ganz unsicher, aus meinem Kopf, das Ganze auf Papier zu bringen.
Sebastian Krumbiegel: Wie geht der Anfang? Die Glut, Die leuchtet rot. Das ist eine Zeile der Glut?
Joël Kaczmarek: Das knistert leise, Rote Glut. Genau. Das ist knistert. leise, Rote Glut. Und dieses Rot, diese Farbe, Die war da bei der Melodie. Ich habe die im inneren Auge gesehen. Hinter meinen Augen habe ich plötzlich diese Farben gesehen und habe die versucht, mit Worten auf Papier zu bringen. Und da ich gerade in der Abiturphase meines Lebens war, Ich war schon in der Oberstufe und habe extrem viele Bücher gelesen, Ich habe Goethe lesen müssen und so weiter und so fort, war es eine altdeutsche Sprache, die ich verwendet habe. Also, dieses Wohlgefühl des Wortes ist ja jetzt nicht gerade der modernste Begriff, zum Beispiel. Oder es knistert Leise, Warmes Holz und rote Glut, Sie leuchtet stolz, ist eher eine altdeutsche Formulierung. Und das hat mich sehr inspiriert, Diese Bücher. Das fand ich toll. Ich war immer verliebt in diese Sprache, weil ich als Fünfjährige nach Deutschland kam und sprach erst mal nur Russisch. Und dann lernte ich ganz fix Deutsch, und ich war so fleißig und so ehrgeizig, diese Sprache zu verstehen. Und als ich dann eben im Abitur eben auch Deutschleistung hatte und diese wunderbaren Bücher geschrieben habe. Von den Dichtern und Denkern, gelesen habe, gelesen, habe. Ach,
Sebastian Krumbiegel: du hast faust geschrieben?
Joël Kaczmarek: Aber, dass ich sie gelesen habe, und dann erkannte ich noch mehr. Die Anmut dieser deutschen Sprache und die Eleganz und die Ästhetik. Und diese unglaublich vielfältige Differenzierung der einzelnen Worte für eine ganz bestimmte innere Beschreibung. Toll.
Sebastian Krumbiegel: Habe ich das richtig verstanden, dass du diese Synästhesie als Erstes vielleicht nicht als eine Belastung empfunden hast, Aber wo du erst lernen musstest, das zu verarbeiten? Also du sagst, man, sagt, das sei eine Gabe. Da klang für mich mit, Du empfandest das am Anfang nicht so.
Joël Kaczmarek: Am Anfang war es so, dass ich versucht habe, den Musikern, mit denen ich zu tun hatte, zu erklären, Wie die Atmosphäre, die Anmut der Endproduktion zu klingen, hätte. Ich spiele kein Instrument. Natürlich Blockflöte gespielt, Aber es ist ziemlich sinnlos, damit, in so einen Proberaum reinzugehen, bei Pop und Rockmusik. Und ich habe dann viel in diesen farblichen Sprachen erzählt und ich habe gesagt, du musst dir vorstellen, fühlst du das und Du musst Dir vorstellen über dir. Meinetwegen tobt ein Sturm, und du hast irgendwie den Eindruck, dass dir der Wind ins Gesicht knallt. Also Ich habe versucht, in Gefühlen zu beschreiben, was ich höre und was ich sehe. Und am Anfang war das so, Diese Musiker haben mich da eher ausgelacht. Die haben immer so getan, als ob ich irgendwie eine Behinderung hätte. Und erst später, als ich mich später mit Musikern zu tun hatte, die auf einer anderen Ebene waren, Das waren eben die falschen Leute, wie ich es vorhin beschrieb. Die haben dann mir das irgendwann, erzählt, Das ist eine synesthetische Gabe, und das hätten nicht so viele Musiker, Das wäre eher etwas Faszinierendes. Und jemand, der zum Beispiel studiert hatte, Hat mir das dann geschildert, Dass die jetzt beispielsweise notiert rangehen, Die haben dann den Quintenzirkel und die ganzen anderen Dinge.
Sebastian Krumbiegel: Eher theoretisch sozusagen. Die Theorie, genau. Die Wissenschaft. Es gibt einen ganz berühmten Ausspruch von Martin. Der Produzent der Beatles Ja, der hat man den George Martin, der war ja wurde ja als fünfter Beatle bezeichnet, oft und der wurde gefragt. Beschreiben Sie mal den Unterschied zwischen den beiden Haupt Masterminds? Der Beatles zwischen McCartney und John Lennon hatte gesagt Ja, McCartney, er hatte immer einen klaren Plan, wo es immer hat, gesagt, ja, und dann hier an der Stelle müssen dann Trompeten kommen und geigen. Und dann muss dann hier ein Clavinet und das muss so und so sein. Und John Lennon hat einfach nur gesagt, ich möchte, dass es klingt wie eine Blumenwiese.
Joël Kaczmarek: Geil, wo ich dann denke, ja,
Sebastian Krumbiegel: dann war der Anscheinend auch so.
Joël Kaczmarek: Die Möglichkeit besteht, dass er auch so visionär rangegangen ist. Also es gibt ganz viele Beispiele. Wenn ich jetzt heute Interviews lese von Superstars, Dann gibt es doch einige, die genau diese Art und Weise der kompositorischen Arbeit beschreiben, Dass die dann so eine Vision, so ein Bild im Kopf haben und möchten, dass das musikalisch umgesetzt wird. Und ich grinse mir dann einen ab, weil ich denke, ich bin in guter Gesellschaft, wenn ich so rangehe an Kompositionen oder an das Schreiben. Was halt früher mir gegenüber in den 80er Jahren eben anders dargestellt wurde, Die haben das eher so als Bürde empfunden und als eine Art Behinderung. musikalischer. Und das ist natürlich keine. Da gab es eine gewisse Arroganz innerhalb dieser Szene, mit der ich damals zu tun hatte.
Sebastian Krumbiegel: Nimm doch mal unsere Hörer, die vielleicht auch ein bisschen jüngeren Alter sind. Also ich glaube, da darf ich mich auch mitzählen. Ich bin mit deiner Musik jetzt noch nicht groß geworden. Ich war ein bisschen später dran. Wie hat der Markt und das Land das aufgenommen? Weil du hast ja auch super spannende Sachen gemacht, wenn ich mir so an deine... Also, ich muss mich da auch belesen, ehrlich gesagt, aber, so deine. Tourneeaktivitäten in die DDR rein auch. Ja. Und da gibt es ja ganz spannende Dinge, die du getan hast. Wie ging die Reise für dich weiter?
Joël Kaczmarek: Der Zustand, Das Schatten an der Wand, Das war ja eine Demo, genau genommen. Das war wirklich eine Demo, da war keine große Produktionskosten oder irgendwas gemacht worden. Ich habe das Nachts auch in so einen kleinen Raum eingesungen zwischen Steuerakten und musste irgendwie aufpassen, dass ich nicht auf irgendeinen Balken trete, weil der knirscht. Und dann wäre die ganze Aufnahme dahin gewesen. Als dieses Ding durch die Decke schoss und in die Top Ten kam, das war ein unglaublicher Hit. Das habe ich gar nicht so richtig realisiert. Man könnte das eigentlich ein bisschen mit atemlos vergleichen. Zu der Zeit. Nur, dass es Halt Pop- und Rockgenre war. Und mich hat es einfach erschlagen. Dieses ganze öffentliche Interesse, was da alles erstmal gewollt wurde von mir, war gepaart mit diesem öffentlichen Interesse an mir, auch als Frau. Und damit war ich überhaupt nicht bewandert. Da war ich ein bisschen scheu. Und auch ja schon fast so ein bisschen unerfahren, weil ich kam vom Land. Genau genommen hatte ich überhaupt keine Erfahrung in diesen Dingen und war eher jemand, der nur Musik machen wollte. Ich hatte gar nichts mit solchen Überlegungen zu tun, Wie ein Journalist sitzt mir gegenüber und empfindet mich als sexy. Ich hatte keine Vorstellung davon, welche Wirkung ich auf Menschen hätte. Damit war ich erst mal ziemlich am Kämpfen, gebe ich offen zu, weil es für mich als Frau in den 80er Jahren erst mal am Allerwichtigsten war. Und das ist, glaube ich, in der DDR so nicht gewesen, Die Emanzipation im Beruf. Unter Frauen oder für Frauen war in der BRD so stark nicht ausgeprägt. Wie in der DDR, sagt man mir.
Sebastian Krumbiegel: Sagt man heute immer. Ich glaube,
Joël Kaczmarek: es ist wohl was Wahres dran. In jedem Fall war das für mich verwirrend, weil ich kannte das nicht. Ich kannte also nicht diesen Aspekt, dass die Presse sich auf eine Frau stürzt. Also auf diesen Aspekt der Weiblichkeit. Für mich war ja viel wichtiger, dass man meine Musik mag und dass man mein Künstlerisches Können gut findet. Und ich wurde halt eben von einer Fernsehsendung zur nächsten gereicht, was auch richtig und wichtig war. Aber ich wurde halt vor allen Dingen auf jede Titelseite gebracht. Und zwar auf jede. Also ich weiß noch, ich habe diese ganzen alten Zeitungen noch, Das waren, ich glaube, Insgesamt 40 Titelseiten von verschiedenen Tages- und Wochenmagazinen. Und für mich war das wirklich verrückt, dass es immer so ums Optische ging. Es ging so viel um die Optik und so wenig um die Musik. Und dann war für mich natürlich der Live-Sektor, wie auch heute, meine Rettung. Denn da... Konnte ich einfach beweisen, was ich tue. Und da gab es tatsächlich auch keinen doppelten Boden. Da konnte man einfach auch zeigen, hier, Ich kann das, was ich hier mache, das ist irgendwie kein Fake. Und die Konzerte haben mir natürlich gut getan. Da hatte ich zum ersten Mal, weil du mich ja vorhin auf die Stimme ansprachst, Ich habe eine Tournee gemacht, die ging, glaube ich, Über 40 Konzerte am Stück. Und weil zu der Zeit noch nicht so diese Riesengelder vorhanden waren, haben, die mich auch durch fünf, sechs, sieben Konzerte in der Woche gejagt. Und dann bin ich platt gewesen. Da war ich danach wirklich mal krank. Hatte dann irgendwie so eine... Blase auf den Stimmbändern und habe dann erstmal eine OP gehabt, dass man die dann entfernt hat. Und dann bekam ich, dieses Angebot, in die DDR zu fahren, als es sie noch gab. Als eine von vier Künstlern, die sozusagen die Rockpoetentour gemacht haben.
Sebastian Krumbiegel: Wer war da dabei noch?
Joël Kaczmarek: Da war die Ulla Meinecke dabei, Purple Schulz und Heinz-Rudolf Kunze.
Sebastian Krumbiegel: Das ist echt so witzig, weil die ganzen Leute, Also das sind alles Leute, die ich auch kenne, zu denen ich auch wirklich einen guten Draht habe. Also Heinz habe ich sowieso einen guten Draht. Ulla haben wir damals über Annette kennengelernt. Und mit Purple habe ich jetzt vor Kurzem gerade, Oder das ist auch schon wieder anderthalb Jahre her, Ein Festival gespielt, Lieder auf Band, hieß das, Ich weiß nicht, ob du da mal warst. Ja, natürlich. Da waren wir auch letztes Jahr, das ist so schön. Und das ist echt so lustig, dass am Ende sich wirklich die Leute, ja, dass die Leute auch dabei bleiben, die es ernst, meinen. Das war ja damals, wann war das? Ende der 80er Jahre.
Joël Kaczmarek: Das war 1989, dann, Ich glaube im Juli oder im August.
Sebastian Krumbiegel: 22. August sagt mal ein schlaues Briefing und mündete in einem Konzert mit 5 Dinge mit 20 Menschen und live übertragen der ARD. Ist das so?
Joël Kaczmarek: Das war so.
Sebastian Krumbiegel: Wo war das Konzert?
Joël Kaczmarek: Am Berlin-Weißensee.
Sebastian Krumbiegel: Hammer, ne? Das ist schon geil.
Joël Kaczmarek: Das war wirklich, also, und das hat mich dann so geflasht. Diese Erfahrung, so ein Riesenkonzert zu machen.
Sebastian Krumbiegel: Da warst du auch, oder gab's da eine Art Headliner, oder wie war das?
Joël Kaczmarek: Es gab zwei Headliner an einem Abend, und ich war einer der beiden Headliner. Also, es gab den Freitag davor, das war Ulla und Purple. Und der Samstag war ich zuerst dran, und dann kam Heinz als der Letzte. Und ich weiß noch, wie ich auf die Bühne ging.
Sebastian Krumbiegel: Alle hatten damals auch Riesenhits, ne? Riesenhits. Purple Schulz mit Verliebte Jungs.
Joël Kaczmarek: Und Sehnsucht. Und Sehnsucht,
Sebastian Krumbiegel: Heinz mit Dein ist mein ganzes Herz und Finden Sie Mabel.
Joël Kaczmarek: Und Ulla mit Tänzerin. Genau. Ich glaube, Tänzerin war die Zeit.
Sebastian Krumbiegel: Du bist die Tänzerin im Sturm.
Joël Kaczmarek: Mega-Lied. Und ich werde nie vergessen, guck, mal, ich kriege Gänsehaut, wenn ich nur dran denke. Stimmt. Ich habe diese Vision, ich habe die Bilder immer noch im Kopf, wie ich auf die Bühne ging. Und ich sah immer nur so Fahnen, die so geschwenkt wurden mit Hallo, Wir grüßen dich und so. Und es gab nur Köpfe. Es gab kein Horizontende. Es waren nur Köpfe. Es war so unglaublich viele Menschen, das war so unglaublich, Ich habe so etwas noch nie gesehen.
Sebastian Krumbiegel: Und alle kennen deine Songs und singen mit, Das ist doch irgendwie auch der Hammer.
Joël Kaczmarek: Alle sangen diese Lieder mit und es gab unten große Kameras, Die richtigen Fernsehkameras, Einmal vom ARD und einmal vom DDR-Fernsehen, Das wurde beide Male live übertragen. Und ich stand da auf der Bühne und dachte, Oh, Gott, ich falle jetzt gleich in Ohnmacht, Hoffentlich schaffe ich das. Und es war eines der geilsten Konzerte, die ich je gemacht habe.
Sebastian Krumbiegel: Wie lange hat diese Hochphase angehalten?
Joël Kaczmarek: Die Hochphase selber ging fast zehn Jahre. Und dann habe ich beschlossen, diese Band aufzulösen, also mich von diesen Leuten zu trennen. Und habe mich dann erst einmal zurückgezogen und musste meine Wunden lecken, meine persönlichen Wunden und alles, Was da an Enttäuschung sich aufgestapelt hatte. Weil ich war mit diesen Menschen völlig unglücklich. Ich wollte die nicht in meiner Nähe haben und habe das Halt hingenommen als junges Mädel. Und war ja mit dem einen auch noch liiert. Wie das Halt so ist mit dem ersten Partner, mit dem man zusammenkommt, Da wird man dann irgendwann als Frau erwachsen und beschließt sich dann doch von diesen Menschen zu trennen, weil die einem nicht gut tun. Und als das geschah, habe ich dann erstmal zu Thomas Stein, damals, Das war der Geschäftsführer von BMG Ariola, mit dem ich dann Vertrag hatte, gesagt, ich brauche eine Pause. Ich war ein halbes Kind, als ich anfing, Ich hatte kein Privatleben mehr. Zehn Jahre lang am Stück, nur jeden Tag woanders. 300 Tage im Jahr, irgendwo in einem Hotel, Was ich sehr liebe, ich reise gern. Aber ich brauche eine persönliche Entwicklungsphase für mich selbst. Ich hatte den Eindruck, ich konnte nicht erwachsen werden und nicht selbstbestimmt. Erwachsen werden. Und das habe ich nachgeholt.
Sebastian Krumbiegel: Zehn Jahre lang, 300 Tage. Im Jahr. Hast du dann überhaupt ein Verständnis von Heimat für dich entwickeln können?
Joël Kaczmarek: Ja, schon. Aber es ist ein eher emotionales Verständnis gewesen. Also zum einen natürlich zu meiner Familie und zu Freunden. Und für mich ist irgendwie ganz Bundesrepublik ist natürlich ein Riesenstück. Heimat, weil ich überall mich auch super wohl fühle. Und auch ein Millionen Mal war. Und dann habe ich dann nochmal den geografischen Aspekt Heimat. Und das ist dann nochmal Rheinland-Pfalz und da, wo ich wohne, wobei der sehr flexibel ist. Aber Heimat allgemein ist natürlich auch so eine Herzensheimat. Also dieser emotionale Aspekt und dieser mentale Aspekt, wo man sich wohlfühlt.
Sebastian Krumbiegel: Ich überlege mir gerade, dieser Überforderung Herr zu werden, Weil einerseits unglaublicher Kraftakt, wo ja ganz viele dann auch pimpen durch irgendwie Drogen, durch Überforderung. Andererseits Unfassbarer Erfolg. Man hat auf einmal nur noch Freunde, gleichzeitig aber auch gefühlt. Neider. Man wird so ein bisschen, wie sagt man auf Deutsch, detached, abgekoppelt. Wie hast du das alles verarbeitet? bekommen?
Joël Kaczmarek: Ich bin dann, also so, wie ich halt, bin, ich bin dann so eine Fleißlidl. Ich hab dann gesagt, okay, ich hab 60 Konzerte vor mir, ich muss die schaffen. Oder ich hab so und so viele Interviews, und ich hab die und die Fernsehsendung noch, Ich hab einfach gearbeitet wie ein Pferd. Und habe überhaupt nicht darüber nachgedacht. Und immer, wenn irgendeine Situation entstanden ist, in der ich vor einem Journalisten saß, vor dem ich ein bisschen Angst hatte, weil ich zu dem Zeitpunkt mich zum Beispiel auch noch nicht so gut ausdrücken konnte. Da hat man Hemmungen. Die Presse ist so ein, Oh, mein Gott, das ist so ein Riesenteil. Dann weißt du nicht, wem du da begegnest. Da habe ich dann einfach offen auch gesagt, also Mia Kulpa, ich bin noch nicht so erfahren. Bitte helft mir ein Stück, falls ich mich noch nicht so richtig ausdrücken könnte. Und das hat oft geholfen. Da waren die Journalisten eigentlich sehr freundlich zu mir. Für mich war es schwieriger, manchmal. Ich habe das am Anfang so gar nicht realisiert. Ich bin zum Beispiel ungeschminkt zum Bäcker gegangen. Und hab Brötchen geholt.
Sebastian Krumbiegel: Und Zack kamen die Paparazzi an. Und die Paparazzis kamen.
Joël Kaczmarek: Und mich hat das fertig gemacht, erst mal am Anfang. Ich dachte, Oh, Gott. Und dann bin ich irgendwann mal nur noch mit so einer Mütze, mit einer Sonnenbrille und am besten noch geschminkt zum Bäcker gegangen. Und wenn ich aus dem Haus ging, Irgendwann haben Sie gewusst, wo ich wohnte. Da saßen auf der Parkbank ungefähr 20 Leute. Und später, Zwei Jahre später, gab es richtige Städterundgänge, wo die Stadt Ludwigshafen dann vor dem Haus stand, mit So 20 Touristen, Und sagte, Und hier wohnt Julia Neigel oder Jule Neigel damals. Und dann bin ich erstmal weggezogen. An diesem Ort konnte ich nicht bleiben, weil die haben mich verfolgt durch die ganze Stadt. Und irgendwann mal war es dann aber für mich keine Bedrohung mehr. Ich habe das einfach entspannter gesehen. Und ich hatte auch Zwischendrin mal einen ganz fürchterlichen Stalker, eine Stalkerin. Man gewöhnt sich so dran, weißt du. Man gewöhnt sich, wenn man in der Öffentlichkeit steht, an diese Ups und Downs zum Teil, an diese Phasen, in denen einfach die Öffentlichkeit und das Interesse extrem groß ist. Und in der dann Halt natürlich dann auch Menschen gibt, die einen wirklich über die Maßen grenzüberschreitend verfolgen. Aber ich habe doch... Viele positive Erfahrungen gemacht. Also mit vielen Menschen, die ganz normal und freundlich zu mir waren. Da hatte ich irgendwie Glück.
Sebastian Krumbiegel: Wie gehst Du mit Grenzüberschreitungen um?
Joël Kaczmarek: Heute?
Sebastian Krumbiegel: Gleich Fresserhund. Aber sowas von.
Joël Kaczmarek: Da kommt sofort die Faust. Das weiß man auch von mir, glaube ich, heutzutage. Aber damals war es so, da war ich dann eher so.
Sebastian Krumbiegel: Ah, war das dein Ernst?
Joël Kaczmarek: Ja, das ist so. Also nicht körperlich. Nicht körperlich, sondern es kommt dann verbal. Oder ich bin einfach so drauf, wenn mir irgendeiner Dumm kommt, dann kriegt er halt sofort einen Spruch. Oder auf Facebook gibt es auch Momente, wo ich ihn anzähle und sage Amen. Bitte beachten Sie die nette Kette. Das mache ich dann manchmal selber, so als Admin und sage, Und das könnte jetzt für Stiziabe sein, das passiert selten genug, oder ich lösche den einfach und blockiere ihn. Punkt. Also, ich lasse mich hier nicht, das will auch keiner. Kein Mensch hat Bock, sich im Internet irgendwelchen komischen Zerwürfnissen oder Beleidigungen auszusetzen. Früher war das aber so, da habe ich eher geweint. Da saß ich so in der Ecke, wie so ein junges Mädchen halt. So ist. Und war dann halt verzweifelt, dass irgendeiner versucht hat, im Hausgang direkt bis in den zweiten Stock zu kommen, um bei mir an der Haustür zu klingeln. Und ich dann plötzlich irgendwie die Tür aufmache, und der steht vor mir. Da habe ich die Tür zugemacht und saß dann zitternd in der Küche und weinte. Weil mich das erstmal erschrocken hat, dieses Verfolgtwerden. Und heute bin ich da tiefenentspannt. Man gewöhnt sich dran, oder Sebastian?
Sebastian Krumbiegel: Also, als ich damals die extrem roten Haare hatte und wirklich... Auf 100 Meter Entfernung erkannt worden. bin, bin ich auch paranoid geworden. Und bin auch genauso im Hochsommer mit irgendwelchen Mützen und Brillen. Und trotzdem habe ich irgendwann gedacht, ey, Du MUSST jetzt... Also, ich hasse es, wenn irgendwelche Leute, die es geschafft haben, berühmt zu werden. Mit dem, Was Sie tun, wenn Sie dann da Rüber rumjammern, dass Sie so berühmt sind und dass sie überall erkannt werden. Dann sage ich dann immer, ey, komm, Augen auf bei der Rufswahl. Wirklich ehrlich, du musst dann noch was anderes. Und natürlich ist es trotzdem eine Gratwanderung, weil wenn Leute... Übergriffig werden in irgendeiner Weise. Und wenn du das Gefühl hast, du wirst irgendwie, Die Leute haben das Gefühl, dich zu besitzen. Oder du seist Ihnen irgendwas schuldig. Oder dich besonders gut zu kennen. Also, es gibt auch, Das zweite Beatles-Ding, Ringo hat irgendwann mal gesagt, er kommt damit eigentlich ganz gut zurecht, Aber manchmal hat er eben schon Angst, dass irgendwelche Leute vorbeikommen und ihn einsammeln, weil sie ihn in Ihr Beatles-Buch kleben wollen. Ringo ist halt lustig. Das brauchst du nicht. Das willst du nicht haben. Aber wie gesagt, am Ende musst du wissen, was du machst. Und es ist doch schön, wenn man es geschafft hat. Mit dem, also das versuche ich immer so, durchaus demutsvoll zu sehen, mit dem, was ich am liebsten mache, was Musik ist, dass ich damit meinen Lebensunterhalt verdienen kann und dass ich da irgendwie genau das mache, was mir Spaß macht, was ich machen kann. Das ist ein Segen.
Joël Kaczmarek: Das ist ein Segen, genau. Und natürlich weiß man erst mal nicht, was das Halt auch sonst noch so auslöst, dass man zum Beispiel plötzlich jemanden vor der Haustür stehen hat und so. Und dann ist man erst mal erschrocken und so. Aber ich persönlich, ich habe nicht deswegen Musik machen wollen, damit ich diese Prominenz erlange. Mein Motiv ist die Liebe zur Musik von Anfang an gewesen. Und dass ich mich berufen fühlte, Musik zu machen und es zu meinem Beruf machte. Aber, dass es so ist, ist ein Glück. Weil dann, wenn du erkannt wirst, bist du wenigstens berühmt. Ja, ja. Und noch zu den Drogen-Nummern. Also, ich habe halt schon mit 16 aufgehört. Jeglichen Alkohol zu trinken, weil ich Sportlerin war.
Sebastian Krumbiegel: Ich habe mit 16 aufgehört, Drogen zu nehmen.
Joël Kaczmarek: Also, ich habe es nie gemacht, weil ich einfach, Ich habe Sport gemacht, ich habe Bundesliga-Handball gespielt, sozusagen hobbymäßig zu dem Zeitpunkt.
Sebastian Krumbiegel: Wie man das so macht, Erste Liga Spielen aus Hobby.
Joël Kaczmarek: Nein, das war ja, In den 80ern war ja Bundesliga-Handball noch nicht so professionalisiert wie heute. Ich weiß,
Sebastian Krumbiegel: Sebastian war auch hier Eishockey-Nationalmannschaft und so, parallel zu dem. Hast du auch gemacht. Ja, Turmspringer war ich, ja, und Eiskunstläufer.
Joël Kaczmarek: Ich habe 35 D-Mark bekommen. Pro Nationalspiel. Echt? Das ist nichts. Aber ich habe es nicht vertragen. Alkohol, Drogen war alles nie mein Ding. Und dann habe ich es auch gelassen. Insofern war ich an der Stelle gefeit. Also, ich habe dann irgendwie auch keine Lust dazu gehabt. Und dann später traf ich dann natürlich ein paar Damen aus anderen Herren Ländern, die mir dann so als Kolleginnen über den Weg gelaufen sind. Die haben das Halt doch gemacht und die waren ein bisschen älter, als ich. Und ich dachte, ich glaube es besser. Ich lasse es dann wirklich sein für immer, so. Damit ich noch mit 40, 50 einigermaßen knackig dastehe. Es war einfach so Diese Erfahrung, mach es lieber nicht, weil sonst geht es dir so wie der oder wie der. Also, das war mein Glück.
Sebastian Krumbiegel: So, dann hast du gesagt, du konntest das nicht mehr. Du hast gesagt, Attacke, jetzt hier Pause, Selbstfindung. Wie ging es für dich weiter? Hast du dann so ein bisschen dich auch zurückgezogen, selbst gewählt? Oder was war so dein Fortgang?
Joël Kaczmarek: Na, ich bin erstmal ganz viel gereist. Ich bin viel ins Ausland gereist. Ich war irgendwie mit dem Rucksack unterwegs. In Südamerika, sechs Wochen da und dann nochmal sechs Wochen auf den Seychellen, hab Lieder geschrieben, bin überall herumgereist und hab erstmal andere Kulturen und andere Länder gesehen. Und hab es genossen, völlig anonym durch die Welt zu laufen. Und dann bin ich zurückgekommen und habe, und das ist ein Kapitel, Darüber rede ich gar nicht so gerne, Jedenfalls würde das den ganzen Rahmen sprengen, und Hab. Dann beschlossen, einen Anwalt zu nehmen. Und diese Männer, von denen ich vorhin sprach, zu verklagen.
Sebastian Krumbiegel: Wegen?
Joël Kaczmarek: Wegen Urheberrechtsverletzung.
Sebastian Krumbiegel: Echt, ja?
Joël Kaczmarek: Weil die das gemacht haben, was man nicht machen sollte. Also, die haben sich als Alleinkomponist meines ersten Albums ausgegeben. Unter anderem der Keyboarder als der Komponist von Schatten an der Wand. Die Melodie stammt von mir. Und das ganze erste Album wurde veröffentlicht, ohne dass ich einen Vertrag hatte. Und ohne, dass ich GEMA-Mitglied war. Und die hatten das aber schon, Die waren GEMA-Mitglied. Und die haben dann sofort irgendwelche Meldungen rausgeschickt und haben sich da als große Komponisten dargelegt. Die Melodie stammte von mir, Die Keyboards, Akkorde stammten, von denen, dann später, Was da zu hören war. Und haben mir halt, erzählt, Du kleines Mädchen, Du machst mal die Texte und du singst das mal schön, aber DU bist... Keine Komponistin. Also, mit diesem Zustand habe ich viele Jahre gelebt und dann habe ich mich mal aufklären lassen. Und der Anwalt sagte zu mir, ey, die haben dich belogen. Und dann dachte ich, scheiße, die haben mich belogen. Wie lange haben die mich belogen? 15 Jahre? Ich glaube, ich muss das irgendwie klären, weil die Waren nicht bereit, das zu klären. Und dann gingen halt so eine, ja, dann gingen halt Prozesse los. Und mittlerweile bin ich Komponistin meines eigenen Lieds, Schatten an der Wand. Es wurde dann auch nachgewiesen und es tauchten sehr unschöne Dokumente auf, die bei der GEMA lagen. Als ich noch kein GEMA-Mitglied war, alles hinter meinem Rücken. Ich dachte, das sind meine Freunde, mein Lebensgefährte. Und es laufen auch immer noch Prozesse, über die ich nicht so viel in der Öffentlichkeit spreche, sondern erst, wenn die Ergebnisse da sind. Bei einem anderen Prozess habe ich zum Beispiel den Keyboarder jetzt verboten, um lautere, üble Nachrede im Internet durchzuführen, weil der irgendwelche Stories auf seiner Internetseite veröffentlicht hat, bei denen dann das Gericht ganz klar gesagt hat, daSs es... Erstens Unwahr und zweitens verletzt ist meine Grundrechte nach Artikel 12 Grundgesetz. Und das ist halt die Vergangenheitsbewältigung, Das ist das Aufarbeiten, dessen, Das berichtige ich. Aber damit fing das damals an.
Sebastian Krumbiegel: Hast Du da ein bisschen das Gefühl, dass da eine Verbitterung kommt, dass du irgendwie eine Enttäuschung hast? Weil ich denke die ganze Zeit, so ein Fuck, das brauchst du doch eigentlich überhaupt nicht. Du willst Musik machen und dann auf einmal merkst du, dass du beschissen worden bist. Und dann fängst du an, Deine ehemaligen Kollegen zu verklagen. Das ist doch eigentlich eine Sache, die du irgendwie... Wo ich mir vorstellen kann, deswegen bist du niemals angetreten. Nein, ach, was,
Joël Kaczmarek: Ich hätte niemals gedacht, dass ich überhaupt mal in den Gericht sein muss. Aber es blieb mir ja nichts anderes übrig. Ich bekam Morddrohungen, nachdem ich gesagt habe, ich möchte es mit euch klären. Also mit denen. Anonyme Morddrohungen, Die Polizei ist dauernd in irgendwelche Häuser reingegangen, hat die Computer mitgenommen und hat überprüft, wo kommen die her. Es war online, dann hatte ich Nägel unter den Reifen, dann hatte ich Polizeischutz bei Konzerten, wo dann fünf Zivilpolizisten im Publikum saßen. Und dann dachte ich, nee, das lasse ich nicht auf mir sitzen, das geht so nicht.
Sebastian Krumbiegel: Ging das damals auch durch die Presse?
Joël Kaczmarek: Das ging durch die Presse, ja, ja. Da kam dann Brisant nach Ludwigshafen und schaute sich die Morddrohung an. Dein Kopf wird rollen und wir werden dich anzünden. Und so und so. Es war alles online, über so ein Gästebuch auf meiner Website. Und die Staatsanwaltschaft hat jeden Tag irgendwelche Ermittlungen dahin und dorthin gemacht. Und wir diskutierten mit dem Provider, der die Daten nicht rausgeben wollte. Da gab es damals unglaubliche Diskussionen über den Datenschutz. Also, das ist nicht lustig, wenn man dann... Was berichtigen oder in Ordnung bringen will. Und plötzlich kriegt man so eine Kampfansage. Und beim Konzert sitzen dann halt zwei, drei, vier, fünf Zivilbeamte in deiner Garderobe und Warten. Bis das Konzert beginnt, weil dir angedroht wird, dass Sie dich abknallen. Also, wer es war, wurde nie richtig festgestellt, Aber es ist für mich relativ naheliegend, dass es aus diesem Umfeld kommen muss. Und ich habe dann halt geklagt. Und das hat mich, muss ich ehrlich sagen, ich habe also praktisch sachen, berichtigt, die mir damals, als ich... So jung war und als die erste Platte aufgenommen wurde und ich noch keinen Künstlervertrag hatte, Ich hatte gar keine Verträge und ich war kein Gamer-Mitglied, Ich war kein GVL-Mitglied, du weißt, was das heißt, und die alles machen konnten, was sie wollten und alles irgendwie abgegriffen haben, das muss ich berichtigen, und das habe ich mir dann irgendwann mal so zum Ziel gesetzt. Ich habe mir das auch meiner Mama geschworen, die das natürlich alles begleitet, hat. Ich habe eine ganz wunderbare Mutter, eine tolle Family, die mich da auch erstmal emotional wieder rausgeholt hat, weil. Ich war völlig am Boden zerstört, als ich das so richtig begriff, Die Tragweite und das Ausmaß. Über diesen Weg kam ich so ein bisschen wie die Jungfrau zum Kinder. Weil ich das dann auch gewann und weil ich dann halt irgendwann mal auch belegen konnte, so läuft das. Ich bin die Komponistin von dem Lied und so weiter und so fort und habe mich in die Materie GEMA. Tief eingearbeitet, wo ich vorher immer gesagt habe, Bleib mal bloß weg, damit, dass ich dann GEMA-Aufsichtsrätin wurde, weil die mich haben wollten, weißt du, für solche Dinge.
Sebastian Krumbiegel: Das will ich jetzt alles verstehen. Wie genau läuft das eigentlich? Also Ich schreibe ein Lied, und dann bin ich Komponist. Dann habe ich das Urheberrecht. Oder erklär es mir mal, nimm es mal auseinander.
Joël Kaczmarek: Also zum einen ist es so, Die Komposition ist rein urheberrechtlich gesehen. Die Melodie. Die Gesangsmelodie. In der Popmusik ist es die Gesangsmelodie. Das ist die Melodie nach §24 Absatz. 2. Urhebergesetz. So, Und da bist du der Hauptkomponist, wenn nicht der alleinige Komponist, je nachdem, was da sonst noch erschaffen worden ist. Und wenn du den Text schreibst, bist du noch der Textsichter. Dann bist du also praktisch beides nach §65 Absatz. 3 Urhebergesetz. Das hast du schon, dieses Recht, bevor du es überhaupt irgendwo melden könntest. Es steht dir originär zu. Der Gesetzgeber sagt, du bist der... Urheber. Und du kannst das auch nicht verkaufen. Im Gegensatz zu USA ist es kein Copyright, Das gehört dir originär. Es ist wie DeIN Arm, Wie DEIN Hirn, Wie deine Ohren. Du kannst das nicht verkaufen. Du kannst die Nutzungsrechte übertragen, Zum Beispiel in einem Verlag. Und wenn Du GEMA-Mitglied schon bist, das ist ja. Diese Gesellschaft für die Textdichter und Komponisten und die Verleger,
Sebastian Krumbiegel: Gesellschaft zur Wahrung der Aufführungsrechte heißt das.
Joël Kaczmarek: Zur Verwertung der Aufführungsrechte, genau. Also die sind durch das Gesetz entstanden, Dieser Verein ist nicht ein Privatverein, dass die die Interessen aller Künstler, Musiker, Urheber, Komponisten, Textdichter. In dem Fall, waren bundesweit, damit nicht der Einzelne, Jetzt zum Beispiel du, wenn du ein Lied geschrieben hast, zum MDR laufen musst und sagen musst, lieber MDR, Gib. Mir jetzt bitte mein Geld dafür, dass du mein Lied gespielt hast. Das macht die GEMA für uns. Und wenn du da Mitglied wirst, dann musst du halt eben dort anmelden, dass du der Urheber bist, dass Du der Komponist bist, Der Textdichter bist. Wenn du einen Verleger hast, der dir sozusagen behilflich ist, es zu verbreiten, wird er noch dazugegeben, steht da mit drin oder er macht für dich die Meldung. Und so Die GEMA macht Verträge mit den verschiedenen anderen Systemen, die das Geld bezahlen. Das sind die Veranstalter, Das sind die Gastronomen, Rundfunksender, Fernsehsender. Die Zahlen, das Geld der GEMA und die GEMA verteilt es an die Mitglieder. An jemanden wie dich, zum Beispiel. Und zwar anhand dessen, dass dein Lied gespielt wurde.
Sebastian Krumbiegel: Und ich muss da Mitglied sein, damit ich das Geld kriege?
Joël Kaczmarek: Du musst Mitglied sein.
Sebastian Krumbiegel: Das ist wie eine Gilde eigentlich. Das ist wie eine Gilde, die sich für die Rechte der Schaffenden einsetzt. Wenn ich dann nicht Mitglied wäre und der MDR spielt mein Lied, was wäre dann? Dann muss ich selber zu denen hingehen und zur Kasse...
Joël Kaczmarek: Dann musst du selber, da hingehen oder Du musst sagen, du willst jetzt Mitglied werden, Wenn dieses Lied veröffentlicht, ist. Was aber nicht sein darf, ist, dass ein Mitglied, der schon in der GEMA ist und zu dir Kontakt hat, So tut, als ob er dein Werk geschrieben hätte. Und das ist mir aber passiert. Und zwar in mehrfacher Form. Wenn du jetzt kein Mitglied bist, kannst du keinen... Du hast keinen Zugang zu diesen Formularen. Du kriegst dieses Formular nicht. Und du kannst es dort auch nicht melden, das dürfen nur Mitglieder tun, Das ist eben diese Exklusivität. Und deswegen ist es ratsam für jeden Urheber, für jeden Komponist und Textdichter mitgelegt, bei der GEMA zu werden. Weil sonst hast du nicht die Möglichkeit, kommerziell deine Werke so auszuwerten, dass das Geld, Das entsteht, wenn zum Beispiel der Rundfunk dein Lied spielt, dass dir das zukommt. Sonst musst du wirklich von von Pontius zu Pilatus fahren.
Sebastian Krumbiegel: Geht das eigentlich nur für Musik oder könnten wir jetzt auch sagen? Podcast oder ein Audiobuch oder Sowas ist auch GEMA? Es gibt nur die VG Wort.
Joël Kaczmarek: Es gibt die VG Wort und die VG Bild-Kunst. Die gibt es auch noch, und dann gibt es noch die GVL. Genau,
Sebastian Krumbiegel: für Fotografen oder eben für Journalisten oder für Schriftsteller. Also alles, was in irgendeiner Weise kreativ ist, wird sozusagen verwertet, und der Urheber sollte dafür auch was bekommen.
Joël Kaczmarek: Genau, Und das macht dir dann diese Verwertungsgesellschaft, in der du dann Mitglied bist.
Sebastian Krumbiegel: Und GEMA bezieht sich aber nur auf Spielende Lieder, also Clubs, Bars, Restaurants, Radio oder auch Platten.
Joël Kaczmarek: Auch Platten.
Sebastian Krumbiegel: Auch Platten.
Joël Kaczmarek: Auch Platten. Und es bezieht sich auch nur auf die Komponisten und die Texter. Also nicht auf die Sänger oder... Die Gitarristen, Dafür gibt es dann die GVL, zum Beispiel, Das ist die ausübende Künstlerriege. Also das sind die, Die Musik machen.
Sebastian Krumbiegel: Gesellschaft zur Verwertung der Leistungsschutzrechte. Genau,
Joël Kaczmarek: das ist dann die GVL. Hey,
Sebastian Krumbiegel: was ich alles, weiß.
Joël Kaczmarek: Und das ist für die Sänger und Musiker aller Art, also alle, die die Instrumente spielen. Aber die müssen das nicht komponiert oder getextet oder geschrieben oder produziert haben.
Sebastian Krumbiegel: Also wenn ich jetzt hingehe und, schreibe Sebastian Ein Lied auf dem Leib, Melodie und den Text, Da bin ich einerseits der Urheber und andererseits der Textdichter. Genau.
Joël Kaczmarek: Also Du bist Komponist und Textdichter.
Sebastian Krumbiegel: Okay, Und wenn er jetzt ein Konzert spielt, dann kriege ich meine Knatter von der GEMA. Und er kriegt sie von der GVL.
Joël Kaczmarek: Richtig. Ganz genau.
Sebastian Krumbiegel: Wenn ich ein Lied von Udo Lindenberg Covere oder von Rio Reiser, kriegt. Udo oder die Erben von Rio kriegen dann dafür Geld. Und das ist auch richtig, so.
Joël Kaczmarek: Das ist auch richtig so, weil die die Komponisten sind.
Sebastian Krumbiegel: Hält das Lifetime oder ist das wie bei Patenten, dass das auch ausläuft?
Joël Kaczmarek: Das geht bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers, Also bis 70 Jahre nach dem Tod des letzten verstorbenen Urhebers, wenn es jetzt mehrere sind, zum Beispiel Du hast einen Komponist und einen Textdichter, Die zwei verschiedene Personen sind. Wenn der letzte Urheber gestorben ist, Dann fängt eine Frist von 70 Jahren an. Und nach diesen 70 Jahren ist es dann ein freies Werk. Wie bei Mozart zum Beispiel. Dann kann es wirklich jeder verwenden und muss nichts mehr dafür bezahlen. Aber bis dahin hast du sozusagen diese Schutzfrist, Die ist im deutschen Urhebergesetz versehen und die geht nach §64, Das ist diese 70-Jahresfrist bis nach dem Tod. Und bis dahin kannst du es auch vererben. Ist auch nur vererbbar. Du kannst diese Nutzungsrechte keinem Dritten übertragen, der nicht mit dir verwandt ist oder verheiratet war. Das kannst du nicht einfach irgendwie verkaufen.
Sebastian Krumbiegel: Und ist das einheitlich für ganz Europa, für die ganze Welt eigentlich?
Joël Kaczmarek: Das ist nicht einheitlich. Das deutsche Urhebergesetz ist das beste Gesetz in dieser Form in ganz Europa. Es gibt in Frankreich noch eine ganz gute, Angemessene Regelung, in Dänemark und so weiter. Die sind da ähnlich, wobei die deutsche Regelung die beste ist. Das deutsche Urhebergesetz ist der Wahnsinn. Das ist das Beste. In Großbritannien haben wir das Copyright. Die sind sehr amerikanisch. Die Amerikaner haben das auch mit dem Copyright gemacht. Und in Asien, glaube ich, gibt es gar nichts.
Sebastian Krumbiegel: In Asien habe ich mal gelernt, SAGEN DIE Chinesen, I Know copyright, It's my right to copy.
Joël Kaczmarek: Ja, genau. Und in der USA ist es so, da nennt man das Copyright. Und das Copyright ist, was völlig anderes. Da kann also Madonna hingehen, kann zum Komponisten gehen, sagt, das Lied will ich haben. Und ich bin jetzt der Komponist, ich gebe dir. 10.000 Dollar. Und dann gibt er ihr das Werk, Das ist ein Kaufvertrag. Und auf dem Cover steht, Sie ist die Komponistin. Das nennt man dann. Copyright. Du weißt halt nicht, ob sie es wirklich geschrieben hat. Das ist zum Beispiel in Deutschland verboten, nach dem deutschen Urhebergesetz. Es ist tatsächlich so, wenn du es bist und du hast es erfunden, Bist du der Erfinder. Und kein anderer kann so tun, als ob.
Sebastian Krumbiegel: Und jetzt frage ich mich so ein bisschen, also Ich will mal die Rechnung auch verstehen. Wenn ich jetzt sage, ich habe eine Radioshow, Da werden irgendwie zehn Songs gespielt. Die GEMA kommt jetzt um die Ecke. Was kostet das, einen Song zu spielen? Wonach geht das? Nach der Reichweite des Radios?
Joël Kaczmarek: Auch. Es geht zum Beispiel live. Kommt drauf an, Wie viele Menschen im Saal sind.
Sebastian Krumbiegel: Genau, wenn du im Stadion spielst, kriegst du mehr, als wenn du im 50-Mann-Club spielst.
Joël Kaczmarek: Genau, Da muss der Veranstalter viel weniger für die GEMA abführen, als wenn er einen Riesensaal hat. Das ist abhängig davon, Wie die Reichweite der Musik, die verwertet wird, Wie groß die ist. Und dann gibt es natürlich bei Rundfunksendern ähnliche Modelle, dass eben die großen Reichweiten natürlich etwas mehr abführen müssen. Und die melden dann auch, wie oft Sie, welches Lied gespielt haben. Das wird dann zugeordnet zu den Konten der einzelnen Mitglieder. Für das einzelne Lied, Die haben alle Nummern. Wir nennen das dann. Werknummer. Und das ist ein bisschen aufgeweicht worden durch die Digitalisierung, weil logischerweise die Digitalisierung dazu geführt hat, Dass zum Beispiel solche Firmen wie YouTube oder Google oder Spotify ja auch praktisch gar nichts bezahlt haben. Also, Spotify hat ja wenigstens noch... Was heißt wenigstens? 0.,000001 Cent, Die dann uns noch erzählt, denn wir können ja noch dankbar sein, dass wir nicht ganz ausgeplündert werden, Was uns natürlich alle aufgeregt hat und wo wir gesagt haben, ihr Seid doch nicht ganz dicht, Das ist Plünderung der Sklavenarbeit, Ihr könnt nicht unsere Musik verwerten und uns nichts dafür geben. Zumal es dann meistens bei der Plattenfirma gelandet ist und nicht bei uns.
Sebastian Krumbiegel: Aber gebt mir mal ein Gefühl, was zahlt die GEMA, wenn Ihr jetzt sagt, 500 Gäste in so einem Club oder 5000, Was kriegt man da pro Gast?
Joël Kaczmarek: Pro Gast kann man gar nicht so richtig berechnen, Es kommt auf den Laden an. Die haben ja auch zum Teil Pauschalverträge in diesen Läden. Und dann wird das Halt pauschalisiert, an Dich ausbezahlt, pro Lied, Runtergehundertstel oder was auch immer. Also ein Problem besteht zum Beispiel darin, dass, Als ich GEMA-Aufsichtsrätin war, habe ich mich darum auch unter anderem gekümmert. Es gibt ja auch genug Künstler, die selber Veranstalter sind. Die gehen also praktisch in eine Halle, Die Buchen, die, die Mieten, die. Und dann haben die meinetwegen 20.000 Menschen, die sozusagen diese Lieder hören. Und dann zahlen die selbst die GEMA für ihre eigenen Lieder. Und geben die der GEMA. Und dann kommt also, wenn die jetzt zum Beispiel meinetwegen 10.000 Euro zahlen müssen. Für ein Riesenstadion, kommen aber nur 6.000 zurück. Okay,
Sebastian Krumbiegel: Die erheben Gebühren, die GEMA auch.
Joël Kaczmarek: Gebühren, Aber die Gebühren können nicht so hoch gewesen sein. Und dann gibt es halt immer wieder Reklamationen. Also, man muss da wirklich aufpassen wie ein Luchs, dass man auch die volle Summe dann auch kriegt. Weil auf irgendwelchen Kanälen bleibt dann irgendwo, was hängen oder irgendeiner rechnet falsch oder was auch immer. Es ist nicht einfach. Die GEMA ist kein einfacher Apparat.
Sebastian Krumbiegel: Das klingt ein bisschen nach wilder Westen irgendwie.
Joël Kaczmarek: Ein bisschen, ja. Ich meine, Sie hätten zum Beispiel auch bei Schatten an der Wand, hätte die GEMA, als mein Name auftauchte, als Textdichterin, weil ich bin Textdichterin, Der hat ja meinen Namen als Textdichterin benannt und hatte mich schon benannt als Komponistin, als dann die Single rauskam und er wusste, Ich bin kein Mitglied. Und ich habe keinen Vertrag mit einer Plattenfirma, hat einfach der GEMA geschrieben, Ach, schmeißt die Mal wieder raus. Das hätte die GEMA zum Beispiel auch nicht machen dürfen. Nennt man Willkür, also Verstoß gegen das Willkürverbot. Gibt es ein Gesetz, das hätten Sie gar nicht machen dürfen.
Sebastian Krumbiegel: Und warum kommen Spotify und Deezer und wie sie alle heißen, Apple Music um solche Kisten rum? Warum ist es nicht viel teurer für die? Was ist da anders?
Joël Kaczmarek: Die Problematik, die wir im Moment haben, die haben wir eigentlich seit 1996, ist, dass der gute Helmut Kohl irgendwann beschlossen hat, das Telekommunikationsgesetz zu erfinden. Und er war zumindest mal der Kanzler zu der Zeit. Und das Telekommunikationsgesetz war das Gesetz, das sich darauf vorbereitet hat, dass wir irgendwann mal digitale Netze entwickeln. Und Computerleitungen und Telefonleitungen, die dann gleichzeitig alle möglichen Dinge herausgeschickt haben, Irgendwelche Daten. Und es wurde dann umgestaltet in ein Telemediengesetz, Das ist das TMG. Und in diesen beiden Gesetzen gab es weder das Persönlichkeitsrecht, also den Schutz des Persönlichkeitsrechtes, noch den Schutz des Urheberrechts, von dem wir vorhin sprachen. Und als die Digitalisierung begann, also Ihr erinnert euch sicher noch daran, Die ersten Computer kamen, Dann gab es die ersten E-Mails, die wir benutzt haben, Dann kamen die ersten Online-Möglichkeiten, Dann bist du auf das Portal, auf das Portal. Als diese Digitalisierung entstanden ist, Dann basierte das ganze Rechtssystem im Internet auf diesem Telemediengesetz. Und alle Firmen, die im Internet Geld verdient haben, seien es Deutsche Firmen, sei es Google, sei es... Facebook, sei es YouTube, Wer auch immer, Die haben sich immer darauf berufen, dass in deren Gesetzesgrundlagen, auf denen Sie ihre Arbeit machen dürfen und Geld verdienen dürfen, Keine Haftungsfragen bei Urheberrechtsverletzungen stattfinden. Und haben unsere Inhalte geplündert. Also, indem sie halt zum Beispiel Usern angeboten haben, Ihr könnt das jetzt alles hochladen, Die Menschen wissen nicht, dass sie da eine Rechtsverletzung begehen, haben das alles hochgeladen. Und dann war halt das Internet voll mit unserer Musik. Und wir wurden nie gefragt. Und die GEMA hatte darüber auch keine Kontrolle, weil die gar nicht wusste, Dass die Portale das einfach den Usern, den Nutzern, den Menschen, die da konsumieren, einfach frei angeboten hat, dass Sie das machen dürfen. Und dann ging halt diese Klagewelle los, Mit den Abmahnungen und mit diesen ganzen vielen Klagen, die da stattgefunden haben.
Sebastian Krumbiegel: Ist schon ein bisschen desillusionierend, wenn man das so hört. Na, ehrlich, Ich muss ganz ehrlich sagen, nein, ich hab mir über so einen Scheiß... Nie wirklich ernsthaft Gedanken gemacht. Und natürlich kannst du jetzt sagen, du bist doof, du bist selbst dran. schuld, dass du da nie hinterher warst. Aber mir ging, also sag mal so, Es ist immer schön, mit dem, was man tut, Geld zu verdienen. Und ich habe eben schon mal gesagt, es ist echt ein Segen, Es ist ein Geschenk, dass ich mit dem, was ich mache, meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Aber jetzt anfangen, Leute zu verklagen, das würde ich, glaube ich, nicht machen. Aber ich weiß es nicht. Du weißt nicht,
Joël Kaczmarek: in welcher Situation du wärst, wenn dir das passiert, wäre. Du,
Sebastian Krumbiegel: es kann sein, ja, das kann sein. Wenn du dich wirklich betrogen, hintergangen, fühlst, dann geht es einfach am Ende um klares Gerechtigkeitsempfinden. Das glaube ich schon auch, ja. Aber wie gesagt, es zerstört so diese ganzen Träume von Musik. Das hat es auch bei mir. Nein, das hat es eben nicht.
Joël Kaczmarek: Nein, eben nicht. Als ich mich zurückgezogen habe und entschlossen habe, zu klagen, weil mir das wieder vor, war ich erst mal sehr abgefuckt. Total abgefuckt. Und es war alles so, Meine ganzen Ideale waren einfach dahin. Und ich habe beispielsweise eine Zeit lang auch gedacht, Alle Musiker sind so. Also das, was mir widerfahren ist als junges Mädchen, Da hat es eigentlich gar keinen Sinn, überhaupt weiter Musik zu machen. Und ich bin halt eines viel Besseren belehrt worden. Es sind die wenigsten, so. Und es sind ja, wie gesagt, nur die. Ich kenne fast nur gute Kollegen und seriöse Kollegen, die sowas niemals machen würden. Und insofern, das kann ich dir meinerseits sagen, das heilt. Dieses desillusioniert sein. Das heilt, weil man dann irgendwann mal einfach erkennt, okay, das war ein Plan, von denen und das kann passieren, dass du halt solchen Leuten über den Weg läufst. Dann ist es halt so, dann musst du halt irgendwie da raus. Und ansonsten lebst du ganz normal weiter. Und machst mit allen Menschen Musik, wie du es früher gemacht hast. Und suchst dir halt die Leute aus, auch nach dem Charakter.
Sebastian Krumbiegel: Ja, du weißt es ja vorher nicht. Ich kann mir auch vorstellen, dass du dann sozusagen. Ein dermaßen ungesundes Misstrauen entwickelst gegenüber jedem und allen, denen du dich begegnest. Wie gesagt, das war so. Und das ist nicht gesund, natürlich auch. Da hast du recht. Das Gelingt mir... Garantiert auch nicht immer. Aber ich versuche auf jeden Fall, schon auf Menschen zuzugehen und die erstmal als Freunde zu betrachten. Und als normalen. Nicht als irgendwelche Gangster. Wenn ich irgendwie die ganze Zeit nur durch die Gegend renne und denke, scheiße, ich habe Angst, was nimmst du mir jetzt weg? Was willst du mir eigentlich? Böses? Das ist nicht gesund. Auf jeden Fall. Das ist böses Karma. Das ist vor allen Dingen eine schlechte Denke.
Joël Kaczmarek: Da stehst du ja morgens schon auf und bist fix und alle, wenn du darüber nachdenkst, die sonst noch ans Leben will. Diese Gedanken hatte ich ja nie. Es wurde mir erst später klar, dass es so geschehen war. Wie gesagt, ein halbes Jahr habe ich genauso getickt, wie du es erzählt, hast. Und dann Irgendwann habe ich gedacht, da können doch die anderen nichts dafür. Der Rest der Welt kann doch nichts dafür, Dass mir das passiert, ist. Und habe es dann irgendwann einfach auch wieder aufgehört. So zu denken.
Sebastian Krumbiegel: Also, ich kann mir vorstellen, da kommen so unterschiedliche Dinge zusammen. Man muss einerseits, glaube ich, aufpassen, dass man sich nicht selbst in die Opferrolle schiebt, also in die permanente Opferrolle. Und ich glaube, man muss auch für sich akzeptieren, dass es nichts mit einem selbst zu tun hat, wenn andere leute sich schlecht gegenüber einem benehmen.
Joël Kaczmarek: Genau, du hast das auf den Punkt gebracht. Und irgendwann war ich einfach raus aus dieser Opferrolle. Und ich war auch raus aus dieser Argus-Position, in der ich jedem möglicherweise hätte unterstellen können, weil mir bewusst wurde, Das sind Sondereinzelfälle. Und der Rest der Kollegen und Freunde ist so einfach nicht. Genauso wenig, wie ich so bin. Man muss es einfach akzeptieren, wie es war und einfach lösen.
Sebastian Krumbiegel: Was mich halt so ein bisschen traurig macht, Also Ich bin großer Spotify-Fan. Ich finde als Dienst toll. Ich kenne die Menschen dort, tolle Leute. Also ich bin mit denen per Du. Ich weiß ja, wer dahinter steckt. Ich kenne auch die Investoren teilweise. Also das ist eine tolle Firma und ein toller Dienst für einen Nutzer.
Joël Kaczmarek: Das ist sie.
Sebastian Krumbiegel: Ich finde nur manchmal traurig. Ich glaube, da muss man aber auch die Nutzer ein bisschen erziehen. Ich finde, die Zahlungsbranche müsste viel, viel höher sein. Es ist ja auch so ein bisschen verzogen. Man kann alles, hat alles auf Zugriff, aber man hört es gar nicht mehr an. Und es wird entwertet dadurch, dass man so wenig zahlt. Und das finde ich schade, wenn ich höre, dass da Menschen sind, die irgendwie, Ich gucke ja manchmal so den Künstler an, dann sehe ich so monatliche Hörer und sowas. Und dann denke ich, Wahnsinn, das wäre früher Chart-Erfolg, weiß ich nicht, Top Ten gewesen oder so. Und dann kriegen die da Puseratzen für.
Joël Kaczmarek: Und die hätten natürlich mit so einem Chart-Erfolg oder mit so einer Verkaufszahl oder Streamingzahl, hätten die schon Haus zu Haus. Hätten Sie schon eine Villa kaufen können, wären einfach, hätten sich zur Ruhe setzen können. Allein ein Hit, das wirst du mir bestätigen, überhaupt einen Hit zu haben, ist schon ein Segen und Glück. Es gibt ja Künstler, die haben in ihrem Leben nie einen gehabt. Solche Künstler gibt es ja auch oft. Es gibt ja diesen Spruch von...
Sebastian Krumbiegel: Ich glaube, DAMON Albarn, DER Blur-Sänger, hat mal gesagt, dass sein Song 2, Also dieses Wuhu, dieses sehr rockige Ding, das ein Riesenhit war und das auch von vielen, Ich glaube, Mercedes-Werbung war das mal. Ja, genau. Er hat gesagt, das ist meine Lebensversicherung. Ja, das ist der Hammer. Das ist natürlich wirklich irgendwie, ja, wenn Du so einen Welthit hast, hast du eigentlich früher echt richtig, richtig Knatter gekriegt. Na, Frau mal Dieter Bohlen, Wie viel der mit Cheri, Cheri Lady verdient hat. Zum Beispiel,
Joël Kaczmarek: zum Beispiel. Also, wenn du überhaupt einen Hit hast, und das ist schon mal eine Riesenleistung, kannst du von Glück reden? Und früher war das ausreichend, um ein ganzes Leben lang, sich einigermaßen zurückzulehnen, zu sagen, okay, ich habe es geschafft.
Sebastian Krumbiegel: Ja, ich denke, der hat mal hier so. Two and a Half Men, Der Charlie Harper, der so gefühlt so Villa am Strand hat und nur von Tantiemen lebt. Sebastian, Kannst du uns nicht mal so ein bisschen die Schatzschatulle aufmachen? Also, ich will dich ja nicht nach deiner Kohle fragen, das ist unhöflich, das ist despektierlich. Aber kannst du so eine grobe Einordnung geben, wenn man auf der Welle früher gesurft ist, zu den Zeiten, als du mit den Prinzen richtig groß warst,
Joël Kaczmarek: was war so ein Hit wert? Also ist es so, wie sie gesagt hat, reinhäuschen. Oder wie muss man sich das vorstellen?
Sebastian Krumbiegel: Das weiß ich nicht, das kann ich auch gar nicht so genau sagen. Ich weiß nur noch, als ich damals wirklich meine erste GEMA-Überweisung gekriegt habe, habe ich echt gedacht, die haben sich verdruckt. Ja, weil ich hatte wirklich. Von der ersten Platte hatte ich ganz viele Songs geschrieben, und das war schon echt eine Menge Geld. Aber wie gesagt, es ist immer doof, über Geld zu reden. Ich habe immer irgendwie das Gefühl, man muss sich rechtfertigen. Weißt du, Ich habe viel Geld verdient. Ich habe auch viel Geld verzockt, habe auch viele Fehler gemacht. Also am Ende bin ich nie angetreten. Oder es war nie mein Hauptmotor oder überhaupt nicht. Der Motor, irgendwie zu sagen, ich muss jetzt hier irgendwie. Geld verdienen. Natürlich ist es doof, wenn du das so sagst. Wenn du das so sagst. Dein Songtext So heißt, ne? Das war übrigens damals wirklich, also ich wäre so gerne Millionär, war schon irgendwie, ist zu einer Zeit entstanden, in der wir wirklich überhaupt keine Kohle hatten. Und das war sozusagen ein höchst authentisches Lied. Ja, und natürlich habe ich damit Geld verdient, Natürlich verdiene ich daran auch heute noch Geld, Aber es ist nicht so, dass ich davon irgendwie ausgesorgt hätte. Oder sowas. Das ist definitiv nicht so. Ich finde manchmal schade, ich glaube, das Vorurteil ist da. Ich habe meinem Vater erzählt, ich sage so, hier, guck, mal, mit Sebastian machen wir was. Und Mann, und die Künstler haben es echt schwer. Jetzt, beim Podcast haben wir zum ersten Mal Geld verdient. Und er meinte, das sollst du mir doch nicht erzählen, geh, mal, die haben doch alle ausgesorgt. Das ist immer so das Bild von den Leuten, ne?
Joël Kaczmarek: Naja, Also jemand, der weltweit veröffentlicht und das, also praktisch platten in der Qualität. Oder sagen wir mal in der Präsenz, auch in der USA veröffentlicht und überall sonst. Möglicherweise schon, Das kann schon mit einem Album passieren. Aber jemand, der deutschsprachig, so wie wir, Einen gewissen begrenzten Markt hat, Wir haben ja den deutschsprachigen Markt aus Österreich, Schweiz und Deutschland, Also die viele haben nicht ausgesorgt, das sind ja die wenigsten.
Sebastian Krumbiegel: Also, ich möchte heute mal eine Lanze brechen, weil ich weiß, ihr beide engagiert euch, glaube ich, Auch in der ganzen Corona-Debatte, haben, glaube ich, Künstler gefühlt keine Lobby und gefühlt werden die auch gar nicht wahrgenommen, weil alle Menschen so ein bisschen denken, der ist Popstar, Der fährt Ferrari. Und der muss sich sein Leben lang den Finger nicht mehr krummen. Und das stimmt,
Joël Kaczmarek: glaube ich, nicht. Und ich finde, es gibt, also, was du mir auch mal erzählst, so viele Künstler, die, glaube ich, voll auf dem Trocknen. Gerade sitzen, die teilweise Hartz IV beantragen müssen. Und das finde ich manchmal schade. Ist genauso wie mit Spotify, dass ich sage, die Wertschätzung fehlt mir manchmal.
Sebastian Krumbiegel: Ja, es ist die Frage, sozusagen, ist irgendwas, um dieses dämliche Wort zu kriegen. systemrelevant. Du kannst natürlich darüber streiten, ob Kunst und Kultur in irgendeiner Weise wirklich systemrelevant sind, Ob das in irgendeiner Weise wirklich wichtig ist und unersetzbar ist. Und ich bin definitiv der Meinung, das ist es. Wenn wir Kultur weglassen, werden wir kulturlose Menschen. Und deswegen glaube ich, dass auch zur Zeit das schon, Nicht nur mit den Künstlern, sondern auch mit den Konsumenten, mit den Fans, mit den Usern, irgendwie schon Was macht, dass Sie zur Zeit nicht auf Konzerte gehen können, dass Sie nicht ins Theater gehen können, dass das alles zur Zeit irgendwie wegfällt. Und jetzt mal völlig unabhängig von dem finanziellen Desaster für ganz viele Leute. Also, ich kenne echt gerade in Leipzig so viele Musiker, die eben nicht das Glück hatten, eine Band zu haben wie die Prinzen oder in irgendeiner Weise, eben ein paar Hits im Hintergrund zu haben, Sondern die wirklich sozusagen von der Hand in den Mund leben. Ob das DJS sind, ob das Musiker sind. Und die sind zurzeit richtig gearscht. Und denen wird wirklich ganz klar gesagt, hey, dann Beantrag, doch bitte Grundsicherung. Und natürlich kannst du sagen, ja, dann beantrag das eben. Und man kann ja auch froh sein, dass es so etwas gibt, sozusagen allgemein, dass wir in einem Sozialstaat leben, der so etwas abdeckt. Aber natürlich ist es überhaupt kein schönes Gefühl. Und ich habe einem Freund in Leipzig, der gesagt hat, ich habe das nie gemacht, aber es ist immer abgelehnt. Und jetzt bin ich dazu gezwungen, weil ich sonst meine Wohnung nicht mehr bezahlen kann, Meine Miete nicht mehr bezahlen kann. Und das ist, wie es ist. Und ich bin übrigens auch keiner, der irgendwie jetzt rumjammert und der irgendwie sagt, Hilfe, Das ist alles ganz schrecklich. Ich versuche immer, mich mit neuen Gegebenheiten abzufinden. Und glaube auch, dieser alte Spruch, den es gibt, so ein religiöser Spruch. Gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, die ich ändern, kann. Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Und natürlich sind wir alle miteinander. Keine Maschinenstürmer. Natürlich, du hast eben gerade selbst gesagt, Spotify ist großartig. Und ich als einer, Ich habe das damals am Anfang ätzend gefunden, habe irgendwie gedacht, ey, scheiße, du kannst ja irgendwie die ganze Musik, Alles auf der Welt liegt, dir sozusagen für ein Apfel und ein Ei zu Füßen. Und du kannst alles nutzen. Es ist schon geil, dass ich das nutzen kann als User. Aber natürlich ist es für die, die am Ende die Kreativen sind, nicht so richtig geil. Und da geht es einfach darum, glaube ich, um das Mal so runterzubrechen, mit meinem wirklich auch Halbwissen, Was diese ganze Diskussion betrifft, Man sollte am Ende die Leute zur Kasse bitten, die wirklich daran Geld verdienen. Und das sind dann eben wirklich. YouTube und Google. Und das sind die großen Global Player, die diese Musik benutzen und dafür nichts bezahlen. Weil das ist unanständig. Weil am Ende sollte schon der vergütet werden, der irgendwas erfunden hat. Und da stehe ich echt total dazu.
Joël Kaczmarek: Also mir ging es immer so, mich hat immer genervt, wenn so ein Grönemeyer oder Tote Hosen, Die haben sich ja sehr lange dagegen gewehrt, dort stattzufinden. Und das war so ein bisschen, was du immer sagst, Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen. Da habe ich mich immer gefragt, das ist irgendwie so, wenn man sich halt mal mit auseinandersetzt und mitkriegt, Wie wenig bei hängen bleibt. Also es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder Ich muss umdenken, dann muss ich so ein Spotify sehen, als ein Vermarktungstool und meine Kohle meinetwegen mit Live-Auftritten rausholen, was ich per Se schon mal irgendwie Defizitär finde. Oder ich muss halt irgendwie sagen, okay, so geht das nicht, da müssen wir was gegen tun. Unterm Strich ist es einfach zu billig, so mein Gefühl.
Sebastian Krumbiegel: Ich glaube, dafür ist Julia angetreten, gerade. Das ist ja auch das, wo ich dann vielleicht auch als einer, dem das alles viel zu stressig ist, Ich hasse das irgendwie, diese ganze kleingedruckte Scheiße zu lesen. Mag das nicht, Ich möchte lieber Musik machen, Ich möchte lieber irgendwie einen Song schreiben oder einen Song singen, als irgendjemanden wegen eines Liedes zu verklagen. Aber am Ende muss ich auch dir dankbar sein, wenn du dich um sowas kümmerst, weil du am Ende dann vielleicht wirklich Türen aufmachst, durch die am Ende alle gehen können. Und dass dann am Ende wirklich das ganze Ding ein kleines bisschen gerechter wird. Und dass eben gerade solche Leute wie die Global Player zur Kasse gebeten werden. Oder dass am Ende auch so eine Firma wie Spotify einfach auch überdenken muss, Wie vergüte ich die Künstler? Und dass eben ein Künstler Pro Stream 0,0000 irgendwas verdient, das ist nicht cool.
Joël Kaczmarek: Das ist unanständig und verwerflich, finde ich. Ja. Das ist echt nicht cool.
Sebastian Krumbiegel: Also, ich habe mal eine Debatte gehört, ich glaube, da hat der Bohlen, erzählt, dass er mit seinem Cover von Cheri, Cheri Lady, was er mit Capital Bra gemacht hat, Hat er irgendwie 500 Euro verdient. Oder so. Und der war halt... Auf Spotify. Auf
Joël Kaczmarek: Spotify, ja. Ich meine, Pharrell Williams mit Happy, Ich glaube, 20 Millionen Klicks oder 200 Millionen Klicks, 2000 Dollar. ICH meine, Entschuldigung, Das nennt man ja eigentlich einen Plünderungszustand.
Sebastian Krumbiegel: Das hat was von Raubrittertum, das stimmt.
Joël Kaczmarek: Hat auch ein bisschen was von Sklavenarbeit.
Sebastian Krumbiegel: Aber ich möchte trotzdem jetzt hier nicht irgendwie in die Rolle kommen, dass wir hier alle rumjammern. Am Ende müssen wir uns auch mit neuen Gegebenheiten abfinden. Also, warum mache ich das jetzt hier? Warum mache ich Podcast? Weil ich irgendwie mitgekriegt habe, hey, wir können gerade nicht mehr auftreten. Deswegen habe ich mir überlegt, was kannst du irgendwie noch machen? Und versuche einfach, ich bin auf der Suche und bin immer irgendwie am Gucken. Da kann ich jetzt sagen, am Ende könnte ich da dankbar sein, dass diese Situation eingetreten ist. Sonst hätten wir uns nie kennengelernt, Joël. Sonst hätte ich nie irgendwie in dieses Podcast meine Nase reingehalten. Und merke gerade, dass es heute...
Joël Kaczmarek: Hättest du doch. Hättest du doch.
Sebastian Krumbiegel: Hätte ich vielleicht doch irgendwann, ja. Aber nicht so intensiv, so schnell. Es ist heute unser, Ich glaube, wir zeichnen gerade unseren 15. Podcast auf. Wir sind also wirklich noch in den Kinderschuhen. Aber ich merke, es macht mir Spaß. Ich rede mit unterschiedlichsten Leuten. Und kann da eben eine Menge lernen. Und das ist für mich wirklich das Lustprinzip, weswegen ich irgendwas mache. Und ich glaube nach wie vor, dass du Geld nicht dann verdienst, wenn du sagst, Ich muss jetzt aber hier Geld verdienen, sondern Geld. Verdienst Du dann, wenn Du sagst, gerade als Künstler, Ich mache jetzt das, was ich richtig geil finde und was mir Spaß macht. Und dann, wenn du Glück hast, kommst du irgendwie ganz von alleine. Natürlich gibt es auch viele Leute, die haben das Glück nicht, aber ich bin ein Glückskind.
Joël Kaczmarek: Sehe ich genauso. Also nochmal zurück zu dieser unsäglichen Rechte-Situation. Glaub mir, ich hab mir das auch nicht gerne... Also, wenn ich in den 80er Jahren, wenn mir jemand gesagt hätte, du musst da jetzt mal so richtig schön durch, Du musst die ganzen Gesetze erkennen und musst auch mal mit Juristen dauernd reden und musst das alles verstehen, dann hätte ich dir auch gesagt, genauso wie du, du, Ich will nur Musik machen, lasst mich mal alle in Ruhe. Ich will mit so einem Scheiß gar nichts zu tun haben, aber man macht es dann halt, irgendwann schon. Und ehrlich gesagt, wenn ich jetzt zum Beispiel in so ein... Bundestag reingehe oder in Brüssel ins Parlament, So wie jetzt vor zwei Wochen da in diesem Bundesausschuss für Kultur und Medien. Ich gehe da rein, weil ich weiß, Fuck nochmal, Ich habe 17 Jahre Rechtswissen im Kopf. Ich blicke dieses System, das liegt einfach daran, dass ich zum Teil auch notgedrungenerweise es verstehen und lernen wollte. Und dann tue ich das jetzt einfach für uns alle. Also, ich gehe da so rein und sage... Wir können eigentlich nur gewinnen, wenn wir zumindest mal diese Möglichkeiten nutzen. Und wenn Künstler auch mal einem Politiker oder einem Geschäftsmann gegenüber, der Lobby, Leute gegenüber sitzen haben, die denen erklären, wie es läuft. Und sich nicht irgendwie zusammenzucken, wenn irgendeiner mit geschäftlichen Modellen kommt oder wenn er so kaufmännisch daherkommt. Ich habe das lernen wollen. Ich wollte Kauffrau werden, Ich wollte eine Geschäftsfrau werden. Weil nämlich, es ist einfach nicht möglich, wenn du nicht wenigstens... Ein Grundgerüst von Kaufmännischen oder Geschäftstüchtigkeit kennst, Dann kommst du mit deiner Kreativität auf die Dauer nicht weiter. Du musst zumindest mal die groben Grundlagen kennen. Das ist meine Erfahrung, die ich gemacht habe. Und deswegen habe ich dann irgendwann mal auch gesagt, okay, das lerne ich jetzt.
Sebastian Krumbiegel: Und bevor wir jetzt nochmal gleich mal weiter eintauchen, in deine Geschichte, finde ich auch nochmal wichtig zu sagen, weil du eben Meintest mit Jammern. Ich finde, es hat auch nichts mit Jammern zu tun. Gar nicht. DAS hat... Was mit Gerechtigkeit zu tun, mit Werten, mit Wertrespekt, weil mal ganz ehrlich, Es gibt so viele Banker, die kriegen Millionen Boni, obwohl ihre Firma Verluste macht. Und da schaffst du ein Werk,
Joël Kaczmarek: Was Leuten Glück schafft und wirst nicht für bezahlt. akkurat. Das ist nicht okay. So und dann finde ich, kann man da was gegen tun. Aber man muss, glaube ich, immer mit der richtigen Maßhaftigkeit rangehen, sich aber auch abwägen,
Sebastian Krumbiegel: Ist es immer die Währung Geld? Oder ist es auch mal eine andere Währung wie Promotion, wie Sichtbarkeit oder, oder, oder, Dass man sich damit auseinandersetzt, ja, von daher. Gut, aber wie angedroht. Lass uns noch ein bisschen deine Reise kompletieren. Wo stehst du heute? Wie ist es für dich weitergegangen? Nach dieser ganzen Phase des Sich-Findens, sich seine Rechte zurückholen?
Joël Kaczmarek: Also heute stehe ich in der Position, dass ich super glücklich bin. Ich bin mit mir im Reinen. Ich habe ein in mir selber inneres Glücksgefühl. Das habe ich eigentlich irgendwann mal entwickelt. Ich habe begriffen, wie dankbar ich für die Situation sein darf, Dass mir nichts Schlimmeres passiert, ist, dass ich das alles irgendwie halbwegs überstanden habe. Und ich sehe es positiv. Und ich bin heute in einer Position, in der ich Gott sei, dank großes Glück, genauso wie du, Glückspilz, immer noch bekannt bin und ein tolles Publikum habe und eben meine Musik und Arbeit machen darf. Ich habe tolle Kollegen, ich habe tolle Freunde überall. Das ist auch ein großes Glück, dass man so tolle Menschen kennt, dass man überhaupt mit solchen Menschen in Kontakt kommen kann und sich inspirieren lassen kann. auch. Und was für mich einfach anders ist, ist, Ich hadere nicht mehr mit meinem Schicksal, sondern ich bin zufrieden mit dem, wie ich es jetzt mache. Ich bin im Hier und jetzt. Und ich schaue einfach, dass ich das Beste aus all dem mache. Und das beste tue, was ich an Möglichkeiten habe und dass ich mich halt eben vor allen Dingen mit allen solidarisieren kann. Ich glaube, das ist das wichtigste im Moment, dass wir das miteinander tun. Denn je, wichtiger denn je. Und darüber bin ich auch froh, dass das gelingt. Ich merke, wie das wirklich funktioniert, dass irgendwie auch alle diese Erkenntnis haben, dass es jetzt an der Zeit ist.
Sebastian Krumbiegel: Ich glaube, wir müssen auch mal ein paar deiner Superlative noch mal herauskehren. Also Wir hatten dieses Konzert mit den 120 Gästen, was Du gesagt, hast. 5 Dinge mit 20. Tausend, Entschuldigung. 120 Millionen Gäste. 5 Dinge mit 20 Gäste. Du hast irgendwie bis nach über zwei Millionen Alben verkauft. Also, wenn man sich mal so einen Raum vorstellt, mit CDs, das muss man sich mal vorstellen.
Joël Kaczmarek: Ihr habt noch mehr, ne? Ja, ja, ja. Wie viele habt ihr denn verkauft?
Sebastian Krumbiegel: Ich weiß es gar nicht. Ich glaube sechs.
Joël Kaczmarek: Das ist ein richtiges Brand. Ja,
Sebastian Krumbiegel: aber komm ey, Am Ende ist das alles. Zahlen. Und ich merke ja nur, also Entschuldige, Ich wollte dich jetzt gar nicht in deiner Fragestellung unterbrechen, Aber das Allergeilste ist eigentlich wirklich, Wenn Du merkst, dass du Musik geschaffen hast, die Jahre überdauert hat und dass heute noch irgendwie Leute ankommen, vor allem die jüngste Generation, dass heute Kids nach wie vor, Ich wäre so gerne Millionär oder alles nur geklaut oder mein Fahrrad singen. Das ist schon echt geil und das ist schon irgendwie, also, das ist das Allergeilste. Ich glaube, es gibt so ein, Zwei Stationen, die wir in deinem Leben auch nochmal beleuchten sollten. Also einmal die Geschichten, die du mit Peter Maffay gemacht hast, fände ich ja interessant. Und dann natürlich auch deine. Aktuelle Band Silly.
Joël Kaczmarek: Oh, das ist ja nicht meine Band. Ich bin im Grunde, rein rechtlich gesehen, bin ich eine Gastsängerin. Die haben jetzt zum Beispiel eine Band, die besteht aus dem Jackie, also Jackie... Pertschlitschek. Genau. Über Uwe Hassbecker und Ritchie Barton. Und das ist die Band Silly.
Sebastian Krumbiegel: Ja.
Joël Kaczmarek: Rein rechtlich. Und dann haben Sie natürlich jetzt mittlerweile zwei Sängerinnen, die Sie dazu geholt haben. Und wir sind jetzt gerne...
Sebastian Krumbiegel: Anna R. (Rosenstolz)?
Joël Kaczmarek: Genau, und ich. Und wir sind rein rechtlich gesehen. Gastsängerinnen, sind aber natürlich Teil des Teams. Und das macht einen Riesen Spaß.
Sebastian Krumbiegel: Seid Ihr auch kreativ zusammen? eigentlich? Schreibt ihr neue Songs zusammen?
Joël Kaczmarek: Wir haben mal darüber jetzt gesprochen. Also das erste, was wir überhaupt mal gemacht haben, ist, Wir haben uns musikalisch beschnuppert. Weil das eine ist, dass man sich sympathisch findet und total aufeinander steht und einfach auch die Platten geil findet, Die Mucke, die ich da gehört, habe. Die Musik ist toll. Und dann zusammen im Proberaum steht und probt. Na, wie fließt denn das ineinander über? Wie funktioniert das miteinander? Und dann haben wir diese eine Tour gemacht, die letztes Jahr stattgefunden, hat, diese Analog-Tour mit 60 Liedern. Du musst dir das vorstellen, 10 Alben, 60 Lieder. Pro Tag, also pro Konzertort, wurden nur ein Album, also wurden einmal Lieder aus einem Album präsentiert. Und es waren 10 Alben und es waren 10 Städte. Also das war halt ein Riesenrepertoire. Und das hat so einen Spaß gemacht. live, dass man daran erkennen konnte, für uns, da geht noch mehr. Da geht einfach eine Welt auf, ein Horizont. Und man fängt an, sich auch inspirieren zu lassen. Das eine ist, miteinander zu musizieren, Das andere ist, miteinander kreativ zu sein. Das ist wieder eine andere Ebene. Richtig. Genau. Und da sind wir jetzt so in den ersten zögerlichen Schritten dabei. Wir wären ja jetzt normalerweise immer noch auf Rocklegenden 2020 Tour. Meine ganzen Konzerttermine habe ich gestern im Kalender endlich mal durchgeschrieben. Was sollte ich machen?
Sebastian Krumbiegel: Ist das verschoben oder ist das gecancelt?
Joël Kaczmarek: Na, einige sind gecancelt, Weil City wäre dabei gewesen. Und Dieter 'Maschine' Birr. Oder sie ist dabei und Dirk, Michaelis und Silly und ich bei Silly. Wir haben es nicht geschafft, Alle zwölf oder vierzehn Termine für nächstes Jahr komplett für alle Künstler, alle Acts zusammenzubringen. Wir haben sieben davon geschafft und die sind da. Die stehen auch fest in der Hoffnung, dass sie durchgeführt werden dürfen. Und dann haben wir mit Silly, hätten wir zu zweit, also Anna R. Und ich, hätten dieses Jahr, das wäre jetzt losgegangen, Die ersten Konzerte, also die ersten Festivals gehabt. Bis in den September hinein. Und die sind ja alle abgesagt worden oder verboten worden, weil wir dürfen ja die Großveranstaltungen bis Ende Oktober, glaube ich sogar, nicht machen. Wir haben ein Berufsverbot, sozusagen.
Sebastian Krumbiegel: Jetzt müsst ihr mir mal eine Frage beantworten. In meiner Branche ist es ja so, da haben wir ein bisschen Parallelen. Da gibt es halt Unternehmer, Die Gründen Startups.
Joël Kaczmarek: So, und da gibt es zwei Wege. Die einen sind so, dass sie sagen, das ist so mein Lebensinhalt. Das wird dann vielleicht sogar irgendwann Familienunternehmen. Es wird an den Nächsten weitergereicht oder es wird vielleicht irgendwann auch mal sehr erfolgreich verkauft.
Sebastian Krumbiegel: Und dann gibt es so die zweiten, Das sind, so die Seriengründer. Also die machen eine Bude. Nach der nächsten, haben so ein Startup nach drei Jahren verkauft. Und so weiter und so fort. Wie ist das bei Musikern? Sind Bands so ein bisschen was, was man irgendwann auch abstreift und gibt sich sozusagen, so eine neue Haut? Weil du auch meintest, von Ihr wart, früher die Herzbuben und die Prinzen?
Joël Kaczmarek: Das musst du beantworten. Also Du bist in der Band drin.
Sebastian Krumbiegel: Wenn ich das von den Prinzen ausgehe, ich glaube, Die Prinzen sind die Prinzen, und die Prinzen gibt es nur in dieser Besetzung. Sag mal, so, wenn einer aussteigen würde oder noch anders, Es gibt ja den geilen Spruch von Keith Richards, Was die Stones betrifft, Die Rolling Stones verlässt man nur mit den Füßen nach vorn. Und das ist ja irgendwie auch so, Also, wenn einer von uns stürbe, könnte es sein, dass der Rest der Band weitermacht. Aber es wird, glaube ich, nicht so sein, dass jemand anders dafür reinkommt. Das denke ich wirklich. Und ich habe neulich einen Podcast gehört von unserem Freund. Jan Müller, Reflektor, mit Marco Wanda von der österreichischen Band Wanda. Und der hat genau was Ähnliches gesagt. Er hat gesagt, Wanda ist eine Band, Das sind wir vier und wir vier sind wir vier. Und sobald einer da aussteigt, gibt es die Band nicht mehr. Und ich persönlich sehe das so, dass es bei uns genauso ist. Ich könnte mir das nicht vorstellen. Andererseits sagt niemand es nie. Es gibt genügend Möglichkeiten, irgendwas zu machen. Bestes Beispiel ist vielleicht Karat. Herbert Dreilich ist gestorben und sein Sohn ist in seine Fußschapfen getreten und macht sozusagen den Job seines Vaters weiter. Das ist eine Authentizität, die irgendwie funktioniert, wo ich auch denke, ja, das Haut hin. Hey, man muss es jedem sagen, Silly, logischerweise, Tamara, Damals ist gestorben, Anna Loos ist eingestiegen, irgendwann.
Joël Kaczmarek: Aber auch viel später erst, vor vielen Jahren.
Sebastian Krumbiegel: Viel, viel, viel später, ja. Aber das muss, glaube ich, Jeder halten, wie er es will. Aber ich kann nur für uns sprechen. Ich glaube...
Joël Kaczmarek: Gut, du bist ja Familienunternehmer, also in meinem Bild.
Sebastian Krumbiegel: Ja, ein bisschen, so kann man es sehen. Wir kennen uns auch alle schon seit Millionen von Jahren. Wir kennen uns wirklich seit unserer Kindheit, seit wir zehn Jahre alt sind. Oder teilweise noch länger mit Tobias. Und da fragst du dich manchmal, sind wir eigentlich Freunde oder sind wir Brüder? Und dann kommen wir immer irgendwie zu dem Trichter. Einem Freund kannst du sagen, du bist nicht mehr mein Freund, Aber einem Bruder kannst du nicht sagen, du bist nicht mehr mein Bruder. Also Ich glaube, ich werde mein Leben lang. Einer von den Prinzen bleiben. Hoffe ich, hoffe ich.
Joël Kaczmarek: Aber wie ist es bei dir? Du hast ja sozusagen auch deine ehemaligen Bandkollegen. Jetzt neue, Wobei ich. Auch interessant finde, dass du sagst,
Sebastian Krumbiegel: ich bin da Gastsängerin und dass du gerade nicht sagst, ich bin jetzt hier die neue Sängerin, dort.
Joël Kaczmarek: Bin ich schon, Aber ich bin in dieser juristischen Prozedur, bin ich sozusagen eine Gastsängerin, also jemand, der dazukommt. Und es gibt für mich ein Gebilde, wie du es auch kennst, von den Prinzen. Und das besteht aus diesen drei Musikern, über Jackie, Uwe und Richie. Und die drei repräsentieren für mich Silly. Ich habe großen Respekt vor deren Lebenswerk. Dass Tamara nicht mehr da ist, ist halt einfach nicht zu ändern. Aber diese drei sind sozusagen diejenigen, die diese Historie haben und die diesen Namen haben und die diese Lieder geschrieben haben, die ich gehört, habe.
Sebastian Krumbiegel: Ich glaube sogar übrigens, ich weiß jetzt nicht, ob das richtig ist, Aber ich glaube sogar, dass keiner von den dreien Gründungsmitglied ist.
Joël Kaczmarek: Also nicht bei Silly, ja.
Sebastian Krumbiegel: Ja, ja, genau.
Joël Kaczmarek: Aber beim zweiten Album kam, glaube ich, schon Ritchie hinzu. Ritchie war der, genau. Und der nächste war dann Jackie und der späteste...
Sebastian Krumbiegel: Jackie kam von Pankow.
Joël Kaczmarek: Genau. Und dann kam später dann Uwe.
Sebastian Krumbiegel: Und Uwe kam von Stern-Combo Meißen. Stern-Combo Meißen,
Joël Kaczmarek: genau.
Sebastian Krumbiegel: Mit Uwe habe ich übrigens gestern telefoniert. Schön, der ist i