Raws - Von Berlin in die Welt. Über Graffiti und Kunst

9. Dezember 2020, mit Joël KaczmarekSebastian Krumbiegel

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Joël Kaczmarek: Kunst trifft digital.

Sebastian Krumbiegel: Der Podcast.

Joël Kaczmarek: Hier erfahrt ihr jede Menge über Kunst in Zeiten der Digitalisierung und das Hautnah von ganz fantastischen Künstlerinnen und Künstlern.

Sebastian Krumbiegel: Wie immer mit dem Popprinz Sebastian Krumbiegel und dem Podcast Joël Kaczmarek.

Joël Kaczmarek: Für mich bist du ja noch viel mehr. Du bist ja mein Treuer Freund, wie ich in unserer letzten veröffentlichten Folge hier mit Minh-Khai, Die ist gerade on air gegangen. Also, wo wir das aufzeichnen, ist die gerade on air gegangen.

Sebastian Krumbiegel: Habe ich mich echt gefreut, ja.

Joël Kaczmarek: Ja, ich mich aber auch, weil ich so dachte, das ist auch einfach nur die Blanke Wahrheit.

Sebastian Krumbiegel: Aber es geht heute nicht um uns beide, sondern es geht um einen Gast, den wir heute haben, über den ich mich persönlich wirklich sehr freue. Am besten du, willst du dich selbst vorstellen oder sollen wir dich vorstellen?

Kai Imhof: Wie ihr wollt, Ich kann mich gerne auch selbst vorstellen. Nein, wenn man schon hier ist,

Joël Kaczmarek: dann müssen wir Ihnen hier den roten Teppich ausrollen, wa?

Kai Imhof: Ich bin gespannt, ich bin gespannt.

Joël Kaczmarek: Meine Damen und Herren, 1990 im Schönen Königs Wusterhausen, also in Berlin aufgewachsen, in Königs Wusterhausen geboren, Ein junger Mann, der den Künstlernamen Raws trägt. Und bürgerlich eigentlich Kai Imhof, Kai Imhof oder Kai Imhof? Kai Imhof, ne?

Kai Imhof: Kai Imhof, genau.

Joël Kaczmarek: Kai Imhof heißt Und in der Kunst des Graffitis aktiv ist. Und jetzt denken wir mal alle, so, Also, da werde ich ganz viele heute dich fragen, man kennt ja Graffiti ganz oft immer eher so. Krützeleien an der U-Bahn oder Sowas. Und dieser junge Mann hat das aber zur Kunstform erhoben und auch in die digitale Welt sehr erfolgreich transportiert. Also... Ich glaube, Dein Instagram-Account hat über 110.000 Follower und der macht auch Cooles Zeugs da. Deswegen, du bist für mich quasi wirklich der Par-Excellence-Künstler, der auch digital kompakt ist. Das wäre so mein Intro an dich. Und jetzt musst du mal ergänzen, was wir noch vergessen haben.

Kai Imhof: Danke, Das klingt schon sehr gut. Über eine kleine Sache bin ich gestolpert. Du meintest, ich habe Graffiti als Kunst auferhoben. Graffiti an sich ist für mich natürlich auch schon eine Kunst. Auch die Sachen an den Zügen und auch die nicht so erlaubten. Die sogenannten Schmierereien. Die sogenannten Schmierereien, genau. Ansonsten hast du das super gemacht und ich bin sehr froh, hier zu sein, euch kennenzulernen und bin mega gespannt auf das Gespräch, eure Fragen und die Ergebnisse daraus.

Joël Kaczmarek: Ich muss als erstes Mal einen warmen Gruß wegschicken. An Tan Erbas, der das Burgeramt macht, einen schönen Burgerladen hier in Berlin und auch in Trier, Wenn ich mich richtig erinnere, der uns zusammengebracht hat und auch Sprüher ist, wie ich gelernt habe. Und Hip-Hop-Fan. Hast du bei ihm im Laden, was gesprüht eigentlich?

Kai Imhof: Lass mich mal überlegen. Ne, Gesprüht habe ich noch nicht.

Sebastian Krumbiegel: Sagt man sprühen oder sprayen?

Kai Imhof: Ach, wie man will. Wirklich, das ist total geil. Nee, Tan ist ein Mega Cooler Typ, Den hatte ich mal kennengelernt. Ich habe als Abschlussarbeit von meiner Grafikdesign-Ausbildung damals einen Film gedreht, Graffiti Berlin Thema. Und da hatte ich in Tans Burgeramt ein Interview mit einem bekannten Oldschooler geführt und habe so Tan kennengelernt. Und seitdem sind wir echt, Ich würde sagen, befreundet und er denkt immer an mich und schlägt mich vor. Ja, Connected, Tan ist ja ein Mega guter Connecter. auch, Super vernetzt, auch in die Hip-Hop-Szene, wie du schon meinst. Ja, Super Kerl, so haben wir uns kennengelernt.

Joël Kaczmarek: Ja, also Tan, heute hast du echt Werbung gekriegt, kostenlose, für Dein Burger-Restaurant. Aber jetzt, lustigerweise selber Vegetarier, habe ich gelernt, oder so, Ich glaube so halb. Flexitarier. Also, Da gibt es auch leckere, vegetarische Burger, Liebe Zuhörer. So, aber zurück zu dir. Also, Du Bist Graffiti-Künstler. Wie bist du denn zu deiner Kunst gekommen? Also, Wir sagen ja immer, Kunst trifft digital. Du hast jetzt schon gesagt, das ist für dich eine Kunst. Ich glaube, nicht überraschend. Wie kamst du dazu?

Kai Imhof: Also so die allerersten Berührungen... Hat man glaube ich in Berlin, wenn man in den 90ern groß geworden ist, wie ich, schon als Kind auf der Straße. Also unterschwellig ist es immer präsent, irgendwie. Aber so richtig wahrgenommen. Zum ersten Mal hatte ich es damals in der fünften Klasse bei meiner Kunstlehrerin im Kunstunterricht. Die war ziemlich jung, damals, Ich würde sagen Mitte 20, Ende 20 und hat so einen Graffiti-Kurs im Kunstunterricht gemacht. Und dann hieß es Ja mal doch mal eure Namen, mit Buchstaben und so und mit Pinsel. Damals weiß ich noch. Das war so das erste Mal, dass ich dachte, hm, ist ja irgendwie spannend. Aber ich habe es nicht viel weiter verfolgt. Sie hatte dann auch mal so ein Magazin mitgebracht und ich dachte, oh, schöne bunte Bilder, Aber so richtig verstanden habe ich es da noch nicht. Das kam dann erst so ein bisschen später.

Sebastian Krumbiegel: Wann bist du kriminell geworden?

Kai Imhof: Wann bin ich kriminell? Da könnte man sagen so 2004, da war ich 14. Der ausschlaggebende Punkt, Ich war früher so ein bisschen als Skaterboy unterwegs. Mellowpark ist so ein ganz bekannter Skatepark in Treptow-Köpenick, wo ich herkomme. Und da war ich immer skaten. Und da gab es dann auch so eine Wand, wo man legal sprühen konnte. Und da habe ich dann immer die großen, erwachsenen, Coolen Jungs gesehen und dachte, was machen die da? Irgendwie hat das was. Und dann hatten die auch immer so eine Aura und es sah einfach cool aus. Und dann habe ich so angefangen, okay, kaufst du dir auch mal so eine Sprühdose? Damals noch im Baumarkt, keine Ahnung, Die Kosten da teilweise 9 Euro, also Wucherpreise. Und habe dann einfach angefangen mit einem Kumpel zusammen.

Sebastian Krumbiegel: Nachts heimlich sozusagen.

Kai Imhof: Genau, also erst... Ich glaube, erst habe ich wirklich auf Papier, so diese Skizzen gemacht und mir viel angeguckt und gelesen. Und dann kam oder habe ich entdeckt, so ein ganz bekanntes Buch in der Sprüherszene, Odem on the Run, heißt es. Wo ein Berliner Sprüher aus seinen Erfahrungen erzählt, hat, Geschichten erzählt hat, wie Sie früher die Anfänge in Berlin Graffiti, also, wie sie früher. Friedrichstraße, Da gab es immer so einen Corner, Da haben die sich alle getroffen, wie sie da rumgehangen haben, wie sie Züge besprüht, haben, die ganze Nachtaktion und dieser Nervenkitzel und so. Und das war der Punkt, wo ich dann dachte, Naja, gut, Jetzt versuchst du es auch mal draußen und nicht ganz so legal. Und versuchst dir da, auf der Straße so einen Namen zu machen. Und das war so der Anfang, ja. Dieses Buch war sehr wichtig für mich.

Joël Kaczmarek: Ich muss ja gestehen, ich habe mich immer gewundert, das ist Krass blamabel, Wenn man so durch Berlin geht, dann habe ich mir gedacht, Wahnsinn, Wer ist denn dieser Krass aktive Sprüher, der irgendwie H-Hab Heißt OdEr ACAB, Bis ich es irgendwann gerappt habe. Aber ist das ein bisschen so, also für den geneigten Hörer, Das heißt All Cops Are Bastards, Das ist so eine rechte, oder ich weiß gar nicht, aus welchem Lager das kommt, links, rechts?

Sebastian Krumbiegel: Es kommt schon von links, würde ich sagen. Der Witz ist der, Ich habe ein T-Shirt, Auf dem steht hinten drauf auch ACAB. Aber das ist von meinem Freund Ole Plogstedt, den wir auch bald im Podcast haben werden. Der hat die Catering-Firma Rote Gourmet Fraktion.

Joël Kaczmarek: Er sagt dann, All Cooks Are Bastards.

Sebastian Krumbiegel: All Cooks Are Bastards, ja. Und das finde ich total lustig. Und wenn ich damit irgendwie in Leipzig durch Connewitz laufe, sage ich manchmal, Hey geil, ACAB. Da sage ich, guck mal genau hin. Weil ich bin ja, also kommen wir vielleicht gleich dahin, dass du das sozusagen irgendwann für dich entschieden hast, aus der Illegalität in die Legalität zu gehen und sozusagen, dich nicht mehr mit der Polizei anzulegen, NICHT MEHR irgendwie... Wild zu sprühen, da hast du doch garantiert aus der Sprayer-Szene auch Anfeindung gekriegt. Du Kommerzschwein, du irgendwie, du legales Miststück. Also erzähl mal darüber bitte. Wie war dein Weg, sozusagen aus der Illegalität dahin zu sagen, ich will jetzt gar nicht sagen, erhebe es zur Kunstform, sondern ich mach das jetzt eben legal. Ich kenn's ja zum Beispiel Danger Dan, Antilopen Gang, Der hat ein Lied gemacht auf seiner letzten Platte, Das heißt Piss in den Käfig. Und da ist so eine Zeile drin, aus denen entstehen später von widerlichen, aus städtischen Kulturfonds bezahlten Streetartisten. Und das ist eben genau, Damit werden Leute, wie du sozusagen auch angegriffen. Und das kann ich verstehen. Ich kann diesen Zorn verstehen von Leuten, die sozusagen sagen, hey, Eigentlich ist das doch eine ganz andere Intention gewesen. Von Anfang an. Wir machen hier illegal, irgendwelche sachen und setzen unsere Marke irgendwo hin. Und dann sozusagen zu sagen, ich gehe aus der Illegalität raus. Wie war da für dich der Punkt?

Kai Imhof: Also, natürlich höre ich das auch. Vielleicht nicht ganz so radikal, dass man mir jetzt direkt ins Gesicht sagt, oh, du Kommerzschwein oder so. Aber natürlich gibt es da auch Stimmen, die das nicht so cool finden. Wie kam das? Ganz klassisch und einfach. Ich wurde von der Polizei geschnappt. Und das leider nicht nur einmal, auch nicht zweimal. Also das erste Mal war, Ich glaube, ich. 17. Das war alles relativ unkompliziert. ist, die Liegt oder... Also strafrechtlich hatte ich da immer mein Glück, aber insgesamt waren es nun mal drei Mal, dass ich geschnappt wurde. Und dann auch über 17, also mit 18, 19, glaube Ich war es das letzte Mal.

Sebastian Krumbiegel: Strafrechtlich relevant sozusagen. Genau, ja.

Kai Imhof: Wurde auch fallen gelassen, Aber wir mussten halt eine kleine Summe bezahlen.

Sebastian Krumbiegel: Wollt Ihr gerade fragen, wie war es im Knast? Nee, warst du nie.

Kai Imhof: Ich war einen Tag in dieser gefangenen Sammelstelle. In Berlin gibt es die. Das war aber, als ich unter 18 war, Da mussten mich meine Eltern halt abholen. Da haben Sie uns Kids mal gezeigt, so hier, So sieht es in der Zelle aus. Ja, im Nachhinein lachen meine Eltern drüber. Damals weiß ich nicht, ob sie es so witzig fanden. Ja, jedenfalls war das dann der Auslöser nach dem dritten Mal, dass ich gesagt habe, oh nee, diesen Stress will ich nicht mehr haben, da Irgendwelche Briefe vor den Eltern verstecken. Und außerdem muss ich auch zugeben, dass ich nie der Adrenalin-Junkie war. Also, es gibt ja viele Sprüher, denen geht es gar nicht vorrangig um jetzt die Kunst? Oder was auch immer, sondern die mögen auch diesen Nervenkitzel, dich nachts in die U-Bahn-Schächte zu schleichen. Räuber und Gendarmen mit der Polizei zu spielen, das war nie mein Ding. Da bin ich einfach zu viel Schisser für. Aber da gab es schon, um auf die Frage zurückzukommen, gab es schon immer Gegenwind. Naja, hier nur legal und ist das real, diese Realness-Debatte. Und ich sage aber für mich, jeder soll doch seine Kunst ausleben, wie er will. Ich bin auch niemand, der jetzt unbedingt, sagt, mit den Sachen, die ich jetzt mache, die ja mittlerweile Abstrakter sind, ja, ich will hier den Graffiti-Stempel drauf haben oder so. Das ist ja auch eine Frage, die ich mir oft stelle. Was ist denn überhaupt Graffiti? Wie definiert sich das? Muss Graffiti illegal sein? Muss es auf dem Zug stattfinden?

Sebastian Krumbiegel: Ja, oder die Frage, was Kunst auch ist. Ja, da habe ich ein interessantes Zitat von dir gefunden, wenn ich das Mal kurz vorlesen darf. Für mich ist alles Kunst, was aus einer bestimmten Intention heraus entsteht und dabei Fragen aufwirft. Deswegen hat Kunst für mich weniger etwas mit einer ästhetischen Qualität, als mit einer inhaltlichen Qualität zu tun. Die Floskel... Kunst kommt von Können, trifft für mich nicht zu. Dennoch trägt eine gestalterische oder technische Qualität zu einer attraktiven Gestaltung bei. Demnach ist Graffiti für mich fast in jeder Form Kunst. Und das muss ich ehrlich sagen, kann ich auch aus meiner warte Raus total unterschreiben, weil ich auch nicht der Meinung bin, dass Kunst von Können kommt, sondern dass große Kunst auch sein kann, wenn Du Sie mit einem gewissen unschuldigen Dilettantismus, ist das das Wort? Klingt gut. Also, wenn man sozusagen dilettantisch als Punkrocker, sagt, okay, Ich beschließe jetzt eine Band zu gründen, Keiner von uns kann ein Instrument spielen. Mir hat Jan Müller von Tocotronic neulich gesagt, für uns stand. Das können auch immer eher im Wege und war eher nicht das, was wir wirklich wollten. Wir haben beschlossen, wir machen jetzt Krach, wir machen jetzt Kunst, Wir transportieren eine Haltung, wir transportieren einen Inhalt. Und deswegen kann ich das voll unterschreiben.

Kai Imhof: Und gerade da ist ja Graffiti auch eine sehr radikale Kunst. Ich nehme mir meinen Freiraum, ich suche mir meine Flächen und Frage nicht nach. Und könnte man jetzt diskutieren, Aber ich glaube, dass gute Kunst fast immer radikal sein muss. Immer, wie du schon sagst, Fragen aufwerfen, auch anecken, nicht jedem gefallen. Dann wird es sehr spannend, weil dann kommt es zum Diskurs.

Joël Kaczmarek: Ich muss ja sagen, ich bin ja künstlerisch, was dein Metier angeht, irgendwie extremer Fan von, Ich glaube, total mainstreamig, schon mittlerweile, auch von dem Banksy, Das finde ich ja Phänomenal, auch. Hast du den ein bisschen verfolgt?

Sebastian Krumbiegel: Ich habe ihn gerade jetzt, wir haben darüber gesprochen, natürlich habe ich ihn. Spätestens seitdem verfolgt, seitdem diese Tür jetzt irgendwie geklaut worden ist und seit das eben auch doll durchs Netz ging, aber habe natürlich vorher auch schon gecheckt, was das für ein Typ ist. Natürlich weiß keiner, was das für ein Typ ist. Oder weißt du, was das für ein Typ ist? Es gibt irgendwie Gerüchte, dass, also Gorillaz, stimmt übrigens nicht, dass er irgendwie bei den Gorillaz dabei ist, sondern was ich gehört, hatte, dass er bei Massive Attack dabei sein soll, also Birmingham Band. Ich weiß nicht, ob du da irgendwie was drüber weißt oder so.

Kai Imhof: Nee, ich kann jetzt euch leider nicht hier weltweit verraten, Wer ist Banksy. Nee, ganz ehrlich, Der hält sich auch aus dieser Graffiti-Szene ziemlich raus. Also Ich glaube, ich kenne jemanden, der ihn schon mal getroffen hat oder so, Aber mehr Informationen habe ich da nicht. Aber Banksy ist natürlich immer dieses Paradebeispiel. Ich sage jetzt mal im Mainstream, ist, so der bekannteste Street-Art-Künstler. Kann man auch wieder diskutieren, ist es Graffiti, ist es. Street-Art, Wo sind die Unterschiede? Erzähl mal,

Joël Kaczmarek: wie siehst du das?

Kai Imhof: Wie sehe ich das? Ja, ich glaube wirklich. Für mich ist Graffiti Buchstaben, auch öffentlicher Raum. Und ich habe für mich da auch noch kein Ergebnis. Deswegen arbeite ich ja auch immer noch an meinen Sachen und Male, die Sachen, die ich male, um da irgendwie das so rauszuschleifen. Es gibt bestimmt auch Stimmen in der Szene, Die sagen, wenn du Buchstaben auf einer Leinwand malst, ist es auch kein Graffiti mehr. Es gibt andere, die sagen, alles, was mit Buchstaben zu tun hat und sprühdose ist Graffiti. Das ist auch wieder eine ganz individuelle Geschichte. Das ist sehr schwierig.

Joël Kaczmarek: Also, ich erinnere mich noch, als ich in die Oberschule ging, hatte ich einen guten Freund. Wenn er mir noch zuhört, Ich habe den Kontakt leider ein bisschen verloren, Oliver Rudolph aus Marzahn. Und der saß immer da und hat dann im Unterricht auch so wie du, als hätte er so Skizzen gemalt mit so bunten Feinpens. Und ich fand beeindruckend, der hat mich das erste Mal auch mal abgeholt. Und jetzt möchte ich mit dir gerne noch das vertiefen, Wie man eigentlich auch Plastizität in Schrift reinkriegt und in welcher Reihenfolge man das eigentlich sprüht. Weil ich sitze manchmal da und denke so, wie machen die das eigentlich, dass du so mehrere Farbebenen hast? Und das musst du eigentlich tun, während Du hinten schon den Wachmann mit dem Hund anlaufen, kommst und siehst, dass Du sagen und noch schnell fertig sprühen den S-Bahn-Waggon. Und das war so der erste, der mir gesagt hat, guck, mal, So macht man hier irgendwie Tiefenschatten rein und das macht man so. Vielleicht kannst du uns ja mal für diese Techniken so abholen. Gibt es da so Denkschulen bei Graffiti oder ist da alles erlaubt, was geht? Wie ist das bei euch?

Kai Imhof: Wieder Super Spannendes Thema. Es gibt natürlich auch wieder, Ich sage immer spaßenshalber, die Graffiti-Bibel, wo es dann heißt, ja, Die 3D-Blöcke, die man so ransetzt, dass es 3D-mäßig wirkt, Die müssen immer zum gleichen Fluchtpunkt und so. Wie es in vielen Dingen ist, Du musst erst mal die Regeln kennen, um sie dann zu brechen. Ich sage mittlerweile... Scheiß auf alle Regeln, Mal, was du willst, wenn du damit glücklich bist. Du musst niemandem gefallen, Du musst nicht irgendwelchen Regeln entsprechen. Mach was du willst.

Sebastian Krumbiegel: Du hast trotzdem, was weiß ich, was ich gelesen habe, in Bauhaus, in Picasso, in Kandinsky, Hast du natürlich auch Vorbilder, die Dich inspirieren. Von Picasso kommt ja eben genau dieser Spruch, Du musst die Regeln erstmal kennen, um sie brechen zu können. Genau, bestes Beispiel. Natürlich gibt es irgendwie dieses Ding, Es gibt Sachen, das ist doch Kinderzeug, das kann doch jedes Kind. malen. Nee, kann es eben nicht. Also Diese ganz einfachen, kennst du natürlich, Diese Tiere aus einem Strich, gemalt von Picasso, finde ich ja wirklich faszinierend, Wie das geht. Und um das hinzukriegen, glaube ich wirklich, musst du erstmal das Handwerk sozusagen? beherrschen.

Kai Imhof: Genau, genau. Und um zu deiner Frage zurückzukommen, Joël, wie geht man daran? Also im Endeffekt, wenn man jetzt so dieses Klassische Nach-Graffiti-Bibel-Graffiti Malen will. Du fängst mit Bleistift an, wenn du jetzt auf dem Papier malst, Skizzierst Deine Buchstaben vor. Wenn du jetzt ein R hast, wie bei mir, dann ziehst du mal den einen Strich. Ein bisschen länger und so. Du versuchst halt einfach so, dass Sie ein bisschen Schwung haben. Dann malst du in der Regel aus. Dann kommt die Outline rum, Das ist die Umrandung. Und dann guckst du halt, diese Plastizität reinzubringen. Entweder mit Farbabstufung, Dass du nicht nur ein helles Gelb hast, sondern ein helles Gelb und ein dunkleres Gelb. Das bringt auch schon viel Tiefe. Und dann halt diese Blöcke. Wie damals im Geometrieunterricht, wo du ein Viereck gemalt hast und dann daraus einen Würfel gemacht hast. Das ist genau das gleiche Prinzip im Graffiti.

Joël Kaczmarek: Und hattest du da irgendwie Talent für? Musstest du das erarbeiten? Es gibt, glaube ich, so Leute, die haben Talent. Und dann knallt es. Und es gibt Leute, die müssen das richtig erarbeiten. Welchen Bucket warst du?

Kai Imhof: Ja, also, ich glaube ganz klar der Erarbeiten-Typ. Ich habe einen Freund, Riot, der ist so ein richtiger Talent-Typ. Der setzt sich hin, malt los, also ist auch sehr zeichnerisch, GAR NICHT so... Klassisch Graffiti, sondern auch viel Charakter, sagt man, Figuren und so. Der malt drauf los und das funktioniert einfach. Und ich gerade die Graffiti-Sachen, ich musste mir das alles beibringen. Und ich war auch noch nie jetzt so ein, dass man sagt, so ein Wunderkind. Meine Eltern würden jetzt nie behaupten, ja, mit fünf. Damals hat er schon jeden Tag gemalt. Das kam auch wirklich nach und nach. Gerade durchs Graffiti, glaube ich, Habe ich überhaupt so ein bisschen das Talent für Gestaltung oder was auch immer entdeckt. Und habe auch in der Schule, Wenn man jetzt so Schulnoten mäßig, habe ich da nicht groß abgerissen. Erst zum Ende hin, wo es dann auch um die inhaltliche Ebene ging, wo man dann Bilder analysiert hat. Und sowas. Da habe ich dann auch meine Einsen gekriegt. Aber das rein zeichnerische Blümchen, Malen und Landschaften, Da war ich auch klassischer Zweier, Dreier Kandidat.

Joël Kaczmarek: Kann man eigentlich Fehler beim Graffiti wieder ausgleichen? Also hast Du Möglichkeiten, wenn Du jetzt was falsch machst mit deiner Outline oder irgendwie was, Also verzeiht Dir diese Kunst, was oder ist es so einmal versaut, versaut?

Kai Imhof: Nee, das ist ja genau das Geile an Graffiti, dass du immer wieder rüber gehen kannst. Die Sprühdosenfarben decken mittlerweile so gut, Du ziehst eine schwarze Linie, denkst dir, ach, Die ist ja ein bisschen Krumm geworden, nimmst dir eine weiße Dose und kannst die wieder wegradieren. Das ist genau das Geile. Also, so schaffst du halt auch diese ganz scharfen Kanten und sowas. Du hast eine rote Fläche, die so ein bisschen ausfranst am Rand und gehst von außen mit der Hintergrundfarbe, In dem Fall weiß, nochmal gegen und hast eine richtig scharfe Kante. Das ist das faszinierende daran, an dem Tool Sprühdose.

Joël Kaczmarek: Und was ist der Reiz? Warum macht man das? Ist das wirklich Adrenalin? Ist das irgendwie so ein bisschen? Gegen das System opponieren? Warum, wie kommt man zu dieser, weil du auch gesagt hast, Viele machen das eher so gar nicht der Kunst wegen, sondern entweder wegen Adrenalin oder wahrscheinlich, um hier irgendwie mal gegen Karren zu pissen. Was ist da die Motivation?

Kai Imhof: Bei mir, um jetzt nur von mir zu reden, Ich habe angefangen, jetzt so im Nachhinein bin ich da mal so ein bisschen analytisch reingegangen. Ich glaube einfach, mein Elternhaus war so klassisch. Mittelstand. Teilweise auch ein bisschen, Wie sagt man, in der strengen oder konservativ. Ja, also, ich würde sagen spießig. Nicht jetzt im negativen Sinne, aber angespießt, wenn man das so sagen kann. Und das war für mich ein Ausbruch. Also, da ging es ganz am Anfang gar nicht darum, Ich will jetzt bekannt sein oder cool sein, sondern ich will mal was anderes machen. Jetzt mal nicht nach den Regeln spielen, sondern mein eigenes Ding machen, was ja, viele Jugendliche haben. Kennen wir alle. Ich glaube, das ist wirklich für viele, so der Einstieg. Und dann, wenn du dich ein bisschen damit beschäftigst, merkst du halt, Ach, guck, mal, Den Namen habe ich aber schon mal gelesen. Der war ja hinten an der Mauer. Schon mal gesehen. Und dann denkst du, dann merkst du den Namen und denkst, ja, geil, das will ich auch. Vielleicht schaffe ich ja nicht nur zwei Bilder, sondern drei Bilder. Und dann geht es so weiter. Und dann geht es irgendwann um dieses Bekanntwerden. Und wie gesagt bei manchen Adrenalin, was bei mir nie. Der Faktor war.

Joël Kaczmarek: Ist es eigentlich noch so ein ungeschriebenes Gesetz, dass man die Graffiti-Arts von anderen nicht over-taggt? Dass man sozusagen, dass das so eine Todsünde ist, Andere Leute zu übermalen? Oder war das vielleicht nie so? Ich habe das immer so wahrgenommen, dass das so sei.

Kai Imhof: Ja, also, das sagt man schon so. Und über bestimmte Leute oder Crews. Sprüht man auch nicht, einfach, weil man auch keine Lust auf Ärger hat. Also, das ist halt auch so ein Ding, Dass die Graffiti-Szene durch die Illegalität natürlich auch Leute, anzieht, die jetzt nicht gerade die netten... Halbwelt. Genau. Und da gibt es schon Sachen, wo man weiß, da mache ich jetzt definitiv nicht. rüber. Aber aus dem klassischen Sinne. Graffiti-Hip-Hop-Bibel war es immer so, Du gehst nie über einen besseren, Du gehst nie mit einem Silberschwarzbild über ein buntes Bild und so. Da gab es schon einen Ehrenkodex, der mittlerweile aber auch öfter Tschüssi.

Sebastian Krumbiegel: Da gibt es den Kodex auch sozusagen inhaltlich, wenn irgendjemand wirklich inhaltlich Dinge bombt, die du scheiße, findest. Also jetzt politisch inhaltlich sozusagen. Es ist doch nicht nur eine linke Ausdrucksform, sondern ich glaube, dass das doch mittlerweile definitiv so ist. Wie überall, wie auch im Hip-Hop, wie auch in jeder Kunstform, Dass es mittlerweile eben auch Leute, gibt, die da eben irgendwie fragwürdige Dinge transportieren, die du richtig ablehnst. Und ist das dann vielleicht auch ein Sport, zu sagen, hey... Dich mache ich hier unsichtbar.

Kai Imhof: Ich würde sagen, die Graffiti-Szene, die ich kenne und aus der ich komme, ist vordergründig, unpolitisch. Muss man ganz ehrlich sagen. Da geht es darum, meinen Namen zu verbreiten und gar nicht jetzt die großen politischen Äußerungen zu tätigen. Oder so. Das sind dann wahrscheinlich eher, Also gibt es natürlich auch, Ich will jetzt hier gar nicht pauschalisieren. Oder so, aber ich glaube, Dieses Street-Art-Ding, was ja nochmal irgendwie doch ein eigenes Ding ist, Die sind eher politisch. Und dann à La Banksy, ne? Ja, ja. Aussagen Treffen und so.

Joël Kaczmarek: Du hast ja vorhin, was interessantes gesagt, dass für dich Graffiti immer Schrift ist. Und Schrift heißt dann mein Name oder auch eine Aussage, Bedeutung, oder ist es wirklich nur ich? Ich-Botschaft.

Kai Imhof: Wenn man ehrlich ist, Bei den meisten ist es ich-Botschaft. Ich fange jetzt auch, ich fange jetzt auch gerade damit an, mal zu gucken, Vielleicht kann ich auch ein bisschen, außer jetzt dieser Ewige Kunstdiskurs, was ja, so mein Thema ist. Wie kann ich auch ein bisschen politischer? Vielleicht mal werden, eine Aussage treffen, um dann bestimmte Wörter, Catchphrases oder so mal zu meinen. Das habe ich auch jahrelang nicht gemacht. Je älter, ich werde, desto politischer werde ich auch. Und desto mehr, denke ich, werde ich auch in Zukunft noch in die Richtung gehen. Aber das ist in der Regel in der klassischen Graffiti-Szene Nicht so, dass man jetzt Freedom oder sowas, Klar kommt es vor, aber...

Sebastian Krumbiegel: Hat die Corona-Zeit das in irgendeiner Weise auch verändert? Also, ich habe in letzter Zeit öfter... In Leipzig, wo ich wohne, Graffitis gesehen, wo, was weiß ich, Das Wort Virus, Autorität ist ein Virus. So, ich hab mich fotografiert, fand ich geil. Erstmal die Aussage sozusagen, ja. Hat das irgendwie auch für dich deine Kunst verändert?

Kai Imhof: Hat das für mich meine Kunst verändert?

Sebastian Krumbiegel: Also, weißt du, wenn ich von mir aus gehe, wir sollten auf Tour gehen. Dieses Jahr, ist verschoben worden. Ist auf Herbst verschoben worden, Wir wissen nicht, ob das im Herbst jetzt auch stattfindet. Dass ich hier gerade mit Joël Podcast mache, hat für mich definitiv, was auch mit Corona zu tun. Und die Frage ist erstmal, Ist das in allen Kunstformen so, Dass dieses Virus uns verändert, oder ist das wirklich gar kein Thema?

Kai Imhof: Also, ich glaube, mich. Als Künstler hat es jetzt nicht groß verändert. Ich habe eine Leinwand gemalt, wo ich im Hintergrund so. Diese Tags hatte. Da habe ich stay Safe, So einfach diese Verbindung zu Corona. Aber das jetzt zum Thema Corona Selber oder so. Was gemacht habe, hat es mich nicht verändert. Ich hatte einfach mehr Zeit, mich mit meiner Kunst zu beschäftigen. Das würde ich sagen.

Joël Kaczmarek: Wie bist du denn eigentlich zu deinem Namen gekommen, Raws?

Kai Imhof: Ja, ich könnte euch jetzt hier eine mega spannende Geschichte erzählen, wäre aber gelogen. Ich fand die buchstaben geil. Ich hatte vorher noch einen anderen Namen. Dazu könnte ich eine Geschichte erzählen. Der war nämlich Kans, K-A-N-S. Und mein Jugendname, der Nachname, den ich als geborenes Kind hatte. Dein Geburtsname. Geburtsname, ja. Der war Schröder und damals war Schröder Kanzler. Und so kam ich dann irgendwie auf Kanzler, Kanz, okay, habe ich Kanz gemalt. Und dann gab es aber auch innerhalb der Graffiti-Szene jemanden, der den Namen schon gemalt hat. Oder was sehr ähnliches. Gab es ein bisschen hin und her, und dann habe ich gesagt, Pass auf. Kein Bock auf Stress. Ich suche mir was Neues. Und dann habe ich so auf dem Blatt Papier angefangen, So Welche Buchstaben magst du? Ah, ist ja ganz cool. Ein W. Ja, R. Und dann ein bisschen hin und her geschoben. Und dann dachte ich, das klingt auch noch cool. Den nehme ich. Ganz einfach.

Joël Kaczmarek: Ich bin ja noch so ein bisschen desillusioniert, auch. Also, wenn man manchmal so diese, man denkt, so, da ist so eine Magie hinter, Dass du wirklich, also, dass Du sagst, die schreiben nur Ihren Namen. Und das ist Street-Artist, Was politisches ist und was Künstlerisches und Graffiti nicht. Ist das auch wirklich so? trennscharf? Also sagt man eines oder anderes Lager?

Kai Imhof: Nee, also Trennscharf ist es nicht. Das ist Quatsch. Ich kann halt nur aus meiner Perspektive reden, und in meinem Umfeld war es immer, Ich male meinen Namen. Vielleicht habe ich da die richtigen Street-Art-Künstler noch nicht kennengelernt. Oder so.

Joël Kaczmarek: Für mich gibt es ja irgendwie so Abstufungen. Es gibt so wirklich künstlerische Dinge, diese bunten, wirklich gebilde von einer gewissen Größe. Und wenn mich da mal voll auf den Sack geht, sind, so diese Leute. Du hast so eine schön neu gestrichene Häuserwand. Und dann kommt einer mit so einem fetten Edding und malt da, was rauf. Also, das ist so für mich immer so. Da lasse ich jetzt mal den Spießer raushängen. Ich frage mich manchmal, oder da überlege ich so, wenn ich so eine Edding-Zeichnung sehe, habe ich mir den Eindruck, Das sind mal irgendwelche Jugendlichen, die hier so irgendwie auf sich aufmerksam machen wollen. Und du hast jetzt ganz oft auch so den Begriff. Crews gesagt. Also, da steckt, glaube ich, schon ein soziales, Gefüge, aber eigentlich auch hinter, wenn man das ernsthaft macht, oder?

Kai Imhof: Total. Im Endeffekt ist es wie beim Fußballverein. Du lernst dann irgendwann deine Leute kennen und glaubst an eine gemeinsame Sache. Und dann ist es dieses Wir, Ihr. Wir sind die Cooleren. Wir halten zusammen. Wir haben die meisten Graffitis in der Stadt. Tschüssi. Bin da selbst auch, also, wenn jetzt so eine Wand neu gestrichen ist? Und da ist jetzt so ein Ding dran, was qualitativ auch nicht hochwertig ist, Dann denke ich auch schon, Ah, Mensch, hätte das jetzt sein müssen.

Sebastian Krumbiegel: Ich habe da immer Gentrifizierungskritik drin gesehen, sozusagen.

Kai Imhof: Sehr gut, stimmt, Hast du vollkommen recht. Stimmt, Den Aspekt habe ich jetzt gerade gar nicht bedacht. Indirekt ist es definitiv so.

Sebastian Krumbiegel: Mich nervt das auch, muss ich ehrlich sagen, aber ich verstehe die Intention. Ich verstehe die Leute, die zornig sind und die Wir kommen jetzt wieder auf Danger. Dan, dieses Piss in den Käfig. Leute, hört euch dieses Lied mal an von seinem letzten Soloalbum. Das ist wirklich ein großartiger Song, und ihr redet da eben genau drüber. Schlag Alles kaputt. Kriege ich Gänsehaut, wenn ich drüber Rede gerade, weil das wirklich für mich, Ich bin nicht der Typ, der das selbst macht, Aber ich kann die Intentionen von Leuten verstehen, die echt steil gehen, Wenn Sie sehen, Wie die Entwicklung geht.

Joël Kaczmarek: Ich glaube ehrlich gesagt, dass das oft so ein, Wie sagst du, Ein Feigenblatt ist für eigentlich...

Sebastian Krumbiegel: Moralisch, ja.

Joël Kaczmarek: Man gibt sich so einen politischen Habitus, wo man einfach mit seinem Leben unzufrieden und so einen Neid auf andere Leute schiebt, glaube ich. Das ist beim ganz großen Fall der Leute, wäre so meine Vermutung.

Kai Imhof: Da muss man auch sagen, dass wirklich auch wahrscheinlich derjenige, der dieses Take auf diese cleane Häuserwand macht, meistens in der, Ich will jetzt nicht pauschalisieren. Und so, aber, dass der jetzt auch nicht groß politisch darüber nachdenkt. Natürlich gibt es die Fälle, aber trotzdem ist die Handlung politisch. Auch wenn er es nicht direkt bewusst macht.

Joël Kaczmarek: Es macht trotzdem, was mit der Gesellschaft. Hast du in deinem Beruf eigentlich ein Gesundheitsrisiko? Also A, dass du einatmest die ganze Zeit, das Spray, aber B, Auch wenn Sie sich da dauernd jagen.

Sebastian Krumbiegel: Du warst ja die Avantgarde, was Masken betrifft sozusagen. Also Ihr wart ja, wenn ich von dir Bilder sehe, natürlich immer mit Maske. Lange vor dem Virus.

Kai Imhof: Ja, das stimmt. Da gibt es auch irgendwelche Memes, glaube ich. Ja, wir haben schon immer Maske getragen und so, nicht erst jetzt. Gesundheitsrisiko ist ein Riesenthema. Wird leider von vielen total unterschätzt, von den Sprühern auch gerade. Aber es gibt halt leider, gerade auch in den USA, wo es ja herkommt, ich würde sagen, Anfang der 70er hat es da so angefangen, gibt es auch viele, die mittlerweile schon gestorben sind. Und auch nachweislich an Krebs, Lungenkrebs oder was auch immer. Die Farben sind mega giftig. Und dann gibt es die ersten Hersteller, die dann versuchen, naja, Wir machen das auf Wasserbasis und so. Ist genauso gefährlich, weil wenn der Stoff oder die Pigmente auf Wasserbasis sind, nimmt es der Körper auch über die Haut. Viel schneller auf. Das ist halt ein körpereigener Stoff. Eine ganz blöde Frage.

Sebastian Krumbiegel: Knallt das irgendwie? Also soll ich das mal verglichen mit Schnüffeln von Schwiegern? Der Künstler wieder hier. Naja, Es interessiert mich jetzt wirklich. Also merkt man das, wenn du jetzt, oder hast du das jemals gemacht? Am Anfang, dass Du wirklich auch ohne Maske und dass Du da einfach irgendwie wild das Zeug eingeatmet hast? Dann hast du was gemerkt?

Kai Imhof: Ich habe es leider viel zu oft ohne Maske gemacht. Wenn du Indoor sprühst, dann knallt es sowas von. Dann merkst du richtig, also Du wirst nicht lustiger oder so, aber du merkst, dass du halt voll benebelt, bist. Du stehst neben dir und auch abends, wenn du im Bett liegst, dann merkst du noch, Der Kopf brummt. Und ich hatte es dann halt, teilweise auch schon so, dass mir dann die Lunge auch wirklich wehgetan hat. Nach so einem Sprühtag und seitdem. Ich versuche es, die Maske immer einzupacken. Aber es gibt auch immer noch die Tage, wo man es vergisst. Scheiße, Maske vergessen. Nee, da muss man schon Mega aufpassen. Es gibt mittlerweile auch diese Vollmasken, die über das gesamte Gesicht gehen, Weil die Schleimen heute in den Augen und so. Die nehmen das alles auf. Dann gibt es auch die Leute, Die ziehen sich noch so einen Maleranzug über, Wo dann halt wirklich kaum noch was an die Haut kommt.

Joël Kaczmarek: Okay, krass. Also, du musst richtig, auch mit Porenatmung sozusagen aufpassen, dass das nicht nur über die Atmung ist, sondern auch über die Haut. Krass.

Kai Imhof: Ja, total. Mega giftig leider. Und früher, Die Farben sind schon besser geworden. Früher hattest du dann noch irgendwelche Schwermetalle drin. Und was weiß ich, die größte Scheiß zusammen gematscht. Ja, das ist Mega Risiko und unterschätzen leider viele Leute.

Joël Kaczmarek: Aber ich kann mir das total vorstellen, diesen Lifestyle ehrlich gesagt, wenn Du sagst, Man ist so eine Crew, wir gegen den Rest der Welt und man hat sozusagen Ziele, nämlich irgendwie Frequenz. Und dann gehst du jeden Freitag, jeden Samstagabend los. Also, es ist wahrscheinlich, so der Clubgang, Das muss unfassbar, also ist eigentlich auch ganz nett, du bist ja eigentlich draußen, bewegst dich viel, Vielleicht rennst du auch eine Runde. Das muss ein echt integrierendes Moment sein, So als Kunst, auch gemeinsam.

Kai Imhof: Ich glaube auch, dass es für mich in meiner Persönlichkeitsbildung mega wichtig war, Wie schon gesagt, dieser eher spießige Background, genau. Und das hat mir total geholfen, auch selbstbewusster zu werden. Man hat so viele irgendwie witzige, Spannende Sachen erlebt, die will ich nicht missen. Natürlich hat man auch Scheiße gebaut und irgendwas halt vollgeschmiert. Oder wie man es nennen will. Aber trotzdem war das eine geile Zeit. Und die hat mich mega geprägt und mich zu dem gemacht, was ich bin.

Joël Kaczmarek: Würdest Du sagen, dass Graffiti eher ein Teamsport oder eher ein Einzelsport ist? sozusagen?

Kai Imhof: Oh, gute Frage. Ich würde sagen, prinzipiell Teamsport. Ja, doch, eigentlich schon. Es geht viel um connecten, Leute kennenlernen. Das ist auch das Schöne an der Graffiti-Szene, dass die schon immer sehr international war. Auch vor dem Internet haben die sich schon connected, die Leute. Du lernst wirklich mega. Viele Leute kennen, wirst zu irgendwelchen. Veranstaltungen eingeladen, siehst andere Länder. Also in dem Sinne auf jeden Fall. Teamsport. Obwohl ich auch jemand bin, Ich kann auch super gerne in meiner Malecke alleine mir einen Podcast anmachen oder Musik hören. Und da vor mich hin malen. Ich finde beides super.

Joël Kaczmarek: Und wie findet man so eine Crew? Also ich meine, es ist ja nicht so, dass man eine Aussage am schwarzen Brett macht. Hallo, Ich möchte gerne U-Bahn-Waggons besprühen. Wer macht mit? Wie findet man sich da?

Kai Imhof: Ja, das war bei mir auch so ein Punkt. Bei mir hat es ewig lange gedauert, überhaupt mal Anschluss zu kriegen, in dieser Szene auch. Wo ich gewohnt habe, wie gesagt, Treptow-Köpenick Und dann da auch noch ziemlich weit draußen, Da gab es niemanden, der auch gesprüht hat. Das heißt, ich habe mir erst mal meine Jungs, meine Kumpels, die ich sowieso schon hatte, genommen. Ey, komm, Wir machen jetzt hier mal ein bisschen Graffiti und lass uns mal eine Crew sein. Und dann, dadurch, dass man dann halt gesehen wurde und so, und dann hört man, ah, In der Schule, In der älteren Klasse gibt es noch einen, Der macht das, Dann lernst du den kennen, Der kennt auch schon zwei, drei weitere. Und dann nach einer Zeit lernst du die Leute kennen und merkst dann, Mit Wem verstehst du dich, Mit wem passt es künstlerisch und tust dich dann halt zusammen.

Joël Kaczmarek: Ich hatte den Eindruck, dass es da richtig auch so eine Art Lifestyle geht. Also, wenn ich an meinen Kumpel Olli wieder zurückdenke, damals, Der hat mir immer von seinen Caps, erzählt, die er sich gekauft hat. Also diese Deckel, die du auf die Dosen draufsteckst, um entweder dünn oder dick zu sprühen. Der hatte einfach so einen Style, so die ganzen Dosen, immer in seinem Rucksack, Das war dann auch, weiß ich nicht, Bestimmte Marken Übergeschwungen und dann bestimmte Tonschüler, damit er gut rennen konnte und so.

Kai Imhof: Ja, war schon cool, auf jeden Fall, so. Das ist auf jeden Fall eine eigene Welt, ja.

Sebastian Krumbiegel: Und jetzt in der legalen Zeit sozusagen, Also, was ich auch gelesen habe, dass du eben, was weiß ich, Sneakers besprühst, dass du alufelgen besprühst, Ist das dann ein Geschäftsmodell sozusagen, dass man damit auch wirklich Geld verdient?

Kai Imhof: Wurde so, ne? Also... Es war nie so, dass ich jetzt, als ich angefangen habe, gedacht habe, irgendwann wirst du damit dein Geld verdienen. Ich habe halt dann meine Ausbildung als Grafikdesigner gemacht, was mich auch sehr geprägt hat. Im Sinne von Kunstgeschichte und überhaupt das ganze Mal so ein bisschen einordnen. Und habe dann nebenbei klassisch diese Aufträge gemalt. Also auch mal so ein paar Blümchen ans Haus und so, das würde ich jetzt nicht mehr machen. Aber zu der Zeit habe ich damit schon mein Taschengeld verdient und gemerkt, okay, da geht was.

Joël Kaczmarek: Warum würdest du jetzt keine Blümchen mehr in Häuser? malen?

Kai Imhof: Klingt jetzt doof, aber ich will kein klassischer Dienstleister sein. Ich will mein Ding machen. Und wenn Leute dafür Geld bezahlen und mich haben wollen, dann mache ich das gerne. Du lädst ja auch nicht die Prinzen ein und sagst, Sing mal einen Song von Metallica oder so. Also, ich will das mit meinem Zeug erfolgreich werden. Und wenn ich dann dadurch noch meine Miete zahlen kann, dann bin ich mega dankbar und glücklich. Ja, mittlerweile ist es ein Geschäftsmodell, natürlich. Ich kann davon auch relativ gut leben. Versuche dabei aber immer mir treu zu bleiben und nicht auch bestimmten Marken, sagt man dann ab. Das geht dann halt, weiß nicht, von meinem Weltbild nicht zusammen oder so. Muss man ja keine Namen nennen.

Sebastian Krumbiegel: Aber wenn Heckler & Koch kommen und sagen, hey, mach mal hier unsere schöne Pistole.

Kai Imhof: Genau, besprühe uns mal unsere Pistole schön bunt. Ja, dann würde ich, glaube ich, absagen. Nicht nur glaube ich, sondern definitiv.

Joël Kaczmarek: Meine Marke wäre Nestlé, muss ich sagen. Wenn Nestlé jetzt kommt. Und sagt, hier, mach mal irgendwie einen Afrikaner mit einem Wasserloch und irgendwie alle glücklich. Wenn denn, wer kommt? Nestlé. Ach so, okay. Die gerne in Afrika Brunnen kaufen und den ansässigen Einheimischen das irgendwie teuer. Wieder rückverkaufen. Und so. Aber gut, wer hat nicht seine Sünden, ja? Der, der unschuldig. Und so wäre für den ersten Stein. Aber gut, verstanden. Wie sieht denn so eine typische Woche bei dir aus? vielleicht? Oder so ein typischer Arbeitstag ist wahrscheinlich bei dir unnackbar. Okay, ich sprühe. Aber was hast du so für Projekte? Wie kommt deine Arbeit zusammen? Wie Verdienst du Geld?

Kai Imhof: Jede Woche ist unterschiedlich. Jeder Tag ist unterschiedlich. Wo ich mega dankbar für bin und was ich auch ganz gerne mache, ausschlafen.

Sebastian Krumbiegel: Deswegen bin ich Musiker geworden. Ja,

Kai Imhof: genau so ungefähr. Deswegen bin ich auch das, was ich mache. Und dann geht's los. Erstmal dieses klassische E-Mails checken. Was sind für Anfragen? Wenn es denn keine Anfragen gibt, dann suche ich mir meine eigenen Projekte, mal noch eine Leinwand, bringe einen Print raus, was auch immer. Aber oftmals sind es dann halt, auch irgendwelche Anfragen, ob es eine Werbekooperation ist. Oder wir würden gerne ein Bild von dir in unserer Agentur haben, dann machst du dafür Skizzen. Ja, Ausstellungsplanung. Jetzt, im September, ist die nächste Solo-Ausstellung in Leipzig dran.

Sebastian Krumbiegel: Wo, wenn ich fragen darf?

Kai Imhof: Ist die X23-Galerie. Die ist jetzt ganz neu. Die hat jetzt ihre Pforten geöffnet. Seit einer Woche oder so ist die erste Ausstellung. Andreas heißt Der Galerist, hat vorher auch Feinart gemacht.

Sebastian Krumbiegel: Ah ja.

Kai Imhof: Und ist jetzt, Ich weiß leider gerade nicht, Die Adresse oder Straße. Anfang September wird da die Eröffnung sein. Bist auch herzlich eingeladen. natürlich, wenn du vor Ort bist. Wenn Ich Da bin,

Sebastian Krumbiegel: TOTAL gern, ja.

Kai Imhof: Ja. Und das sind natürlich so. Sachen, wo man longterm-mäßig dran arbeiten muss.

Joël Kaczmarek: Ja, ich meine, ich muss mich auch bei dir entschuldigen. fast. Der geneigte Hörer, Dem sei erzählt, als du hier bei uns reingekommen bist, meinte ich auch so, Hey du, hast du Bock, Wir kaufen auch mal eine Leinwand, Du sprühst ein bisschen was. Also, ich ertappe mich dabei, Irgendwie hat deine Kunst eine Faszination. Und man ist dann aber auch mal so in seinem Habitus, Dass man denkt, ja, ist ja selbstverständlich, dass er immer etwas sprüht und so. Also die Frage für mich, die sich so mir aufdrängt, ist, Wie verbindest du das auch mit einem Wert? Also sagst Du zum Beispiel, Du Rechnest Stunden ab oder Bildergrößen oder Pauschalen, Wie machst du denn das?

Kai Imhof: Also, wenn ich eine Wandgestaltung mache, mache ich es schon, so pauschal, Quadratmeterpreis. Bei Leinwänden, Das ist wie in jeder Kunstform, geht es natürlich auch darum, Wie bekannt bist du, was hast du für eine Vita, Wo hast du ausgestellt. Dann gibt es so bestimmte Faktoren, die man da nehmen kann. Also Du rechnest Höhe plus breite, mal einen bestimmten Faktor, Der steigt mit Bekanntheit. Und so berechnest du dann halt deine Preise. Also viele wundern sich dann immer, dass ich vierstellige Preise teilweise aufrufe. Und sagen, wie kann denn das so teuer sein? Du sitzt doch zwei Tage nur dran. Aber das ist ja nicht der Wert. Der Wert ist ja die ganze Vita, die man mitbringt, Die Erfahrung, die man gemacht hat und so weiter, wie es halt so. Bei allen Künstlern ist wahrscheinlich.

Joël Kaczmarek: Ich meine, wir wollen jetzt nicht zu indiskret sein, Aber was sagst du denn, in welchen Dimensionen kannst du denn Geld verdienen? Pro Monat? Also damit jetzt, wenn jetzt hier junge Kids auch zuhören und sagen, ey, Das ist vielleicht für mich ein Beruf, Ich habe künstlerisches Fable. Ist es was, wo man so von der Hand in den Mund lebt, oder ist es so, wow, Ich kann mir jetzt auch irgendwie schon mal einen VW Kombi leisten. Oder so?

Kai Imhof: Ja, also VW Kombi müsste drin sein. Das schwankt auch total, ne? Also was für Projekte? Du hast. Es gibt Monate, da Verdienst du zehnstellig, Es gibt Monate dreistellig. Zehnstellig? Nee, nee, hab ich zehnstellig gesagt? Das ist interessant. Das ist interessant. Nee, fünfstellig meine ich. Dann gibt es die Monate, wo halt kaum, was passiert. Unterm Strich, Ich habe eine nette Wohnung. Die ich mir mit meiner Freundin leisten kann. Wir haben ein Auto. Ich kann gut davon leben, bin aber nicht reich.

Joël Kaczmarek: Jetzt ist ja auch der Name unseres Formats. Kunst trifft digital. Wie nutzt du denn digitale Werkzeuge auch, um deine Kunst zu transportieren?

Kai Imhof: Ja, das ist eigentlich eins meiner Top-Tools. Instagram, wie bei vielen. Instagram ist da eine Super Plattform, gerade bei uns als visuelle Künstler. Instagram funktioniert ja sehr visuell. Ich würde sagen fast nur. Fast nur eigentlich, ja, kann man sagen. Ja, genau. Das ist halt das Tool Nummer eins. Dann gibt es natürlich deine Webseite, wo du versuchst, alle Kanäle raufzuladen. Ich habe einen YouTube-Kanal, ich habe Facebook und arbeite jetzt endlich viel zu spät an einem Newsletter, wo man sich mal eine gewisse Crowd aufbaut. Aber das Tool Nummer eins ist Instagram. Also wenn ich irgendwie news habe, Ich bringe neuen, limitierten Druck raus oder so, dann funktioniert das alles über Instagram.

Joël Kaczmarek: Und dann hast du dir einen eigenen Shop aufgebaut und versendest die oder wie muss ich mir das vorstellen?

Kai Imhof: Genau, ja, ich mache das alles selber. Bei mir sind es jetzt noch nicht die 10.000 Drucke, die man dann da losschicken muss. Das sind, weiß ich nicht, Mal 50 Drucke, mal 10 oder so. Ich mache das alles selber, ja.

Joël Kaczmarek: Du sprühst richtig auf Papier, Dann heißt es Drucke?

Kai Imhof: Kann man machen, Das würde dann Handfinishing heißen. Im Grunde habe ich da meine Druckerei, die macht das dann entweder siebdruckmäßig. Das ist ja auch nochmal, was sehr haptisches, und jeder Druck ist so ein bisschen anders. Du kannst auch ganz normal digital drucken. Da gibt es mittlerweile ja auch richtig Geile Qualitäten, Geile, Papiere. Und dann sagst du dir, okay, Ich baue mir noch eine kleine Schablone und mache bestimmte Parts nochmal mit Dose per Hand. Dann ist es nochmal ein bisschen wertvoller, wenn du an jeden Druck selber rangegangen bist.

Joël Kaczmarek: Wollen wir nicht zusammen? EINE T-Shirt hier So KTD-X-Raws machen? Das wäre doch eigentlich ganz cool, oder?

Kai Imhof: Können wir machen, können wir auf jeden Fall drüber reden. Definitiv.

Joël Kaczmarek: Also, was ich gerade überlege, Wir Unternehmer sind ja immer so eine Skalierungssäue. Also wir überlegen uns immer, Wie können wir mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel rausziehen. Geht das bei dir, dass Du sagst, du sprühst jetzt mal eine Wand, Fotografierst die, machst mit Photoshop ein bisschen Action drüber? Und haust dann irgendwie 50 Drucke, Raus und Verdienst sozusagen mit dem gleichen Produkt, Was vielleicht auch immer gleich gut geht, Deinen Cash. Oder ist das nicht so?

Kai Imhof: Das ist witzig, weil ich erst letztens darüber nachgedacht habe, Das wäre absolut nicht mein Anspruch. Als Künstler willst du ja das Bestmögliche machen, du willst ja geilen, scheiß machen und nicht... Maximal Kohle verdienen. Es gibt schöne Projekte, wo man schönes Geld verdienen kann, Aber das ist halt nicht der Anspruch. Und da weiß ich noch, ich bin jetzt gerade selber so ein bisschen am Sammeln, in der Streetart-Szene und guck mal so international, so ein paar Drucke, Die kann man auch noch bezahlen, mir anzuschaffen. Und da kam dann letztens auch ein Druck von einem ziemlich bekannten Streetartist, Den Namen möchte ich jetzt nicht nennen. Und da war ich richtig enttäuscht, weil ich dachte, alter, Der hat eine 500er Auflage, nimmt seine, Ich weiß gar nicht wie teuer, 280 Euro. Pro Stück, also, es kommt eine Summe zusammen. Und dann merkst du, dass das Papier billig ist, Der Druck ist billig. Und dann denke ich mir, Die machen auf Profit teilweise. Die haben dann auch den Namen, Die werden die 500 Dinger super schnell los, Aber trotzdem finde ich das Halt schade, und das ist also mein persönlicher Anspruch. Absolut nicht. Ich will keinen Scheiß machen, natürlich will ich auch meine paar Euro pro Print verdienen, Aber ich habe noch nie irgendwas rausgebracht, wo ich gesagt habe, komm, da können wir noch sparen, Dann habe ich mehr Profit. Da bin ich zu wenig Unternehmer für.

Sebastian Krumbiegel: Ich bin da eben auch ein bisschen gestorben, als du sagst, das ist schon irgendwie minimaler Aufwand, Maximaler Profit. Also Ich verstehe deine Antwort total gut, und das adelt dich für mich, weil natürlich. Am Ende geht es darum, Wie gesagt, geilen, scheiß zu machen. Am Ende geht es darum, auch dich selbst zu befriedigen. Das denke ich immer.

Kai Imhof: Genau. Das ist auch wieder sehr egoistisch, auch auf irgendeine Art. Aber man will für sich den Geilen Scheiß machen. Und wenn dann die Leute dafür Geld bezahlen oder das Toll finden, Dann ist es natürlich das noch viel geilere.

Joël Kaczmarek: Ich bin halt so ein Sonderlegen, ich bin halt. Internetunternehmer, Da ist alles auf Automatisierung und Skalierung angelegt, Aber ich finde, es muss sich ja gar nicht widersprechen. Also, ich meine, weißt du, ein Picasso, Der hatte irgendwie ein Meisterwerk geschaffen, Wenn man dann sagt, ich habe einmal so ein geiles Design hingekriegt. Und das spricht alle Leute an. Also, ich war noch nicht bei einer Freundin, Die malt irgendwie so hobbymäßig und es gibt ein Bild, Da hüpfen alle drauf los. Das finden alle cool. So und andere sagen, ja, das ist auch gut, aber das, das kickt mich richtig. Und dann denke ich so, ist doch fair zu sagen. Dann mache ich jetzt einen kalender Draus oder so, und den verbringe ich jedes Jahr wieder raus. So zum Beispiel, ja, deswegen. Klar,

Kai Imhof: nee, das verstehe ich auch. total. Ich habe zum Beispiel auch meinen eigenen Pulli rausgemacht, den ich auch gerade zufällig anhabe. Ja, der ist hübsch. Ganz zufällig. Da habe ich auch geguckt, halt, ne, gute Qualität zu nehmen. Ist halt auch ein Massenprodukt in dem Sinne, Aber trotzdem soll auch da denn die Qualität stimmen. Und auch bei einem Kalender kann man gucken, dass man einen geilen Kalender macht und gute Qualität hat.

Joël Kaczmarek: Also, ich bin ja Markenfetischist, damit meine ich nicht. Muss mich mit teuren Marken bekleben, sondern ich sage, meine Marke muss Qualität kommunizieren und marken. Generell sollten das tun. Also, wenn ich sage, du machst minimalen Aufwand für dich, also operativ, heißt das nicht, dass das Endprodukt deswegen billig sein soll. Was du gerade gesagt hast mit, Ich kriege dann hier so ein, das halte ich gegen das Licht. Und es scheint durch und irgendwie, Keine Ahnung, Das reißt schon beim Versand ein. Das nicht, aber was ich eher so überlege, ist, Wie sehr lebt deine Kunst von Verknappung? Also ich glaube, Kunst lebt ja oft von Verknappung. Bei Musik ist es, glaube ich, ein bisschen was anderes. Die lebt fast eher vom Gegenteil, vom Teilen und von viel konsumiert werden. Aber bei dir könnte ich mir vorstellen, ist das so, dass das wertvoller, attraktiver ist, wenn es halt limitiert ist?

Kai Imhof: Total, genau. Also außer einem Druck, Ich habe, glaube ich, mittlerweile, Keine Ahnung, 12, 13, 14 Drucke über die Zeit rausgebracht. Die waren alle limitiert. Das ist ein Tool, was ich dann nehme. Ja, Verknappung, genau. Ist, glaube ich, Aber auch für den Sammler. Oder wer auch immer, das kauft. Auch irgendwie ganz schön zu wissen, oh, ich bin jetzt einer von 50 weltweit, der das Ding hat.

Joël Kaczmarek: Klar.

Kai Imhof: So steigt ja auch die Kunst im Wert. dann, ne, über die lange Zeit.

Joël Kaczmarek: Und wenn wir jetzt mal das digital kompakt noch weiter reiten, also Instagram, ist quasi dein Verkaufsfenster. Wie machst du den ganzen Rest? Hast Du Dir irgendwie einen Shop selber gebaut? Benutzt Du das wie Shopify? Wie gehst Du da vor?

Kai Imhof: Ja, ich habe so einen Big Cartel Shop, ja. Ganz einfaches System. War auch schon stolz auf mich, dass ich dann PayPal eingebunden habe. Und so, dass das alles ein bisschen einfacher geht. Ja, genau, das ist so mein Shop. Es verknüpft mit der Webseite, ja, so mache ich das. Und natürlich geht auch viel über persönliche Kontakte, wenn man jemanden kennenlernt, der will eine Leinwand kaufen. Oder so, das ist ja auch wichtig.

Joël Kaczmarek: So und jetzt kommt so ein verkopfter Onkel, wie ich daher. Wenn du jetzt deine Einnahme übers Jahr hin sozusagen aufgliederst, wie verteilt sich das? Wie viel davon sind irgendwie Ausstellungen? Und du verkaufst Bilder? Wie viel sind Drucke übers Internet? Wie viel sind Auftragsarbeiten? Wie viel sind irgendwelche Sneakershirts, was weiß ich, Merch, wie man so neudeutsch, sagt?

Kai Imhof: Das verschiebt sich immer mehr in die Richtung, die ich auch gut finde, nämlich, dass die Kunst selber, also Leinwände, Drucke, Dass das den größeren Teil ausmacht als Werbekooperation oder Aufträge. Das wird immer mehr. Ich würde jetzt sagen, keine Ahnung, Mittlerweile 50 Prozent Kunstverkaufen, 30 Prozent Werbekooperation und der Rest dann so für die letzten 20 Prozent.

Joël Kaczmarek: Ich finde deinen Job, ja irgendwie auch cool. Ich stelle mir das total verrückt vor, wenn du morgens aufstehst und weißt eigentlich noch nicht, was abends passiert. Ja,

Kai Imhof: also, ich mag das auch, so. Natürlich gibt es die Phasen, wo du dann denkst, oh, jetzt muss mal langsam wieder was kommen. Aber es gibt halt auch genau die anderen Phasen. Und du denkst, oh, cool, jetzt klappt was. Ob's jetzt künstlerisch ist, gestalterisch oder irgendein Geiles Projekt oder so. Zum Beispiel vor zwei Jahren hatte Tim Raue, den ihr ja auch schon, oder du zumindest. Der kommt jetzt in der nächsten Woche. Ah ja, genau. Hatte dann eine Leinwand für sein Restaurant bestellt. Und so. Das sind dann so kleine Sachen, wo ich denke, Oh cool, bei Tim Raue hängen. Da ist man dann schon stolz. Ich sag immer so ein bisschen, für mich ist das wie so ein Gameboy-Spiel. Immer ein Level weiterkommen. Jetzt bin ich bei euch im Podcast.

Sebastian Krumbiegel: Und sozusagen nochmal... Down zu graden, in deine Anfangszeit? Also hast du mal, das Verlangen oder das Gefühl zu sagen, hey, ich will jetzt nochmal, Ich sage jetzt mal extra das Wort illegal, Irgendwie nachts nochmal losziehen, mir das nochmal geben, nochmal gucken, wie das damals war. Hast du das mal gemacht oder hast du manchmal das Gefühl zu sagen, hey, ich will das mir nochmal geben?

Kai Imhof: Also das Gefühl habe ich so, ich hätte...

Sebastian Krumbiegel: Träumst du davon?

Kai Imhof: Nee, also, so ist es nicht. Ich bin schon echt zufrieden mit dem, was ich mache und wie ich es mache. Aber es wäre auch schon geil, nochmal so einen Zug fahren zu sehen, wo mein Name draufsteht. Da muss man natürlich jetzt, dadurch, dass ich mein Gesicht ja auch zeige und so, Es ist schwierig. Die Polizei ist ja auch nicht doof.

Joël Kaczmarek: Aber ich frage mich ja immer, warum, ich meine, BVG ist doch mittlerweile so, Du sprühst so ein Ding voll und es ist, glaube ich, ein oder zwei Tage später schon wieder sauber. Die haben ja so eine Art Waschanlagen mittlerweile, das ist gefühlt industrialisiert. Manchmal frage ich mich, warum man da nicht auch mal Kooperationen macht. Also, ob man mal sagt, wir nehmen mal eine S-Bahn und lassen die mal künstlerisch gestalten.

Sebastian Krumbiegel: Dann fehlt doch der Kick. Das ist doch genau der Witz. Ja, auf dem Graffiti-Seiten, ja.

Kai Imhof: Naja, Im Endeffekt wäre es ja auch, eine Positionierung von der BVG, zu sagen, ey, Es ist cool, wenn Ihr Graffiti an unsere Bahn macht und das wollen Sie ja nicht. Die machen lieber Kooperationen mit Werbepartnern.

Sebastian Krumbiegel: Naja.

Joël Kaczmarek: Meinst du, Graffiti-Künstler hätten keinen Bock mehr, Züge zu besprühen, Wenn die BVG das salonfähig machen würde?

Kai Imhof: Das ist ein super interessanter Gedanke. Ich könnte mir vorstellen, dass der Reiz für viele auf jeden Fall verloren geht, ja. Das Einzige, weswegen die Jungs in New York damals auch angefangen haben, es sehen halt viele Leute, also Du hast halt der Zug, Keine Ahnung, Wie viele Leute da einsteigen. Auf dem Ring in Berlin am Tag, Es sind Zehntausende wahrscheinlich oder Hunderttausende, keine Ahnung. Das ist halt eine riesen Werbefläche. Aber der Kick wäre weg und ich glaube, das würde viele abschrecken.

Joël Kaczmarek: Lass uns mal gucken, Sebastian, Ob wir hier Raws mal so einen QR-Code zu unserem Podcast auf so eine U-Bahn irgendwie sprühen lassen. I like.

Sebastian Krumbiegel: Wir besuchen dich auch im Knast.

Kai Imhof: Sehr gut. Bringt Ihr dann Geschenke mit?

Sebastian Krumbiegel: Wir bringen dir ein Brot mit, mit einer Pfeile, die eingebacken ist.

Joël Kaczmarek: Machst du noch eigentlich für deine Platten? Richtige Heftchen?

Sebastian Krumbiegel: Na klar, na klar, na logisch. Also, das ist immer noch das Haptische. Da hat sich ja auch logischerweise viel verändert, dass eigentlich kaum noch, also CDS werden immer weniger verkauft. Vinyl ist wieder ein kleines bisschen im Kommen, aber logischerweise gestaltet man das. Und ich finde ja nach wie vor, Ein wunderbar großartig gestaltetes Albumcover ist ein Kunstwerk, auch. Also, da gibt es ja ganz viele Beispiele. Jetzt nicht nur... Sgt. Pepper's oder von den Beatles oder Sticky Fingers mit dem Reißverschluss von den Stones. Da gibt es ja wirklich ganz, Ganz viele großartige Plattencover. Und klar ist, das ist auch eine Kunstform. Und das ist ein Gesamtkunstwerk, sozusagen. Also ich denke, dass zu Musik, Da trifft sich ganz viel. Bei dir trifft sich ja auch Hip-Hop mit Sprayen. Das ist ja auch ein Gesamtkunstwerk. Genau. Was hörst du für Mucke? Oder was hast du früher für Mucke gehört, wenn du losgezogen bist nachts? Weil du vorhin gesagt, hast, Kopfhörer auf und ab dafür. Und was hörst du heute?

Kai Imhof: Also, früher habe ich so Hip-Hop gehört, heute Beethoven. Nee, ich höre immer Rap, Hip-Hop, Obwohl das auch ein Trugschluss ist. Viele denken, dass Graffiti, Rap, Breakdancen und so weiter, dass das schon immer zusammen war. Das war ursprünglich nicht so.

Sebastian Krumbiegel: Beat Street, Diesen

Kai Imhof: Eighties-Film. Genau, Diese Filme haben dieses, Ich sage jetzt mal, Image nach Europa getragen. In New York und wo diese Graffiti-Bewegungen herkommen, waren das teilweise unterschiedliche Sachen. Also auch die Sprüher haben damals Punk gehört in New York und so.

Joël Kaczmarek: Also mein Kumpel Olli hat immer so Nine Inch Nails und so gehört. Damals gab es ja noch diese MiniDiscs auf ohrenbetäubender Lautstärke. Also der Ohrenarzt wird sich freuen, der verdient dann gut Geld, irgendwann. Aber ich überlege ja gerade noch so ein bisschen im Kopf, Ob Graffiti-Künstler immer so ein bisschen auch jemand sein muss, Der Wut im Bauch hat. Also, oder Enttäuschung, oder was so die Triebfeder ist dieser Menschen. Weil Ich habe mal einen Artikel gelesen im Tipp oder City oder so, Da hat sich, so ein Journalist, von denen mal mit so einer Crew mit auf die, hat das dann beschrieben, wie es ist, auf so eine Tour begeben. Ja, total krass, Und ich bin dann morgens um sechs aus dem Schacht raus. Und das Adrenalin und das Herz pumpte krass. Ich muss es nicht jeden Tag machen, aber ich verstehe den Reiz. Ist das so? Muss irgendwas in dem eigenen Leben so ein bisschen Krumm sein oder der Lebensweg ein bisschen ungerade, dass man da wie von dieser Kunst angezogen wird, Oder ist das Quatsch?

Kai Imhof: Mega schwer zu beantworten, weil jeder seine eigene Vita hat und seinen eigenen Ansatz, Warum er damit anfängt. Für mich, wie gesagt, war es halt dieses Ausbrechen. Ich will was Neues machen. Ein Stück weit vielleicht auch Bestätigung kriegen oder so, dass es aus so einem verletzten Selbstbewusstsein, Ich kann da echt nicht pauschalisieren, Das ist bei jedem komplett unterschiedlich.

Sebastian Krumbiegel: Ich glaube auch nicht, dass der Erfolgreiche oder der Coole Musiker unter der Brücke schlafen muss, um große Kunst zu machen. Also ich glaube, dass das eine Triebfeder sein kann, aber nicht muss.

Joël Kaczmarek: Ich meine, ich überlege gerade so, weil du auch erzählt hast, man steigert sich so, man kommt immer weiter. Ich habe so überlegt, welche Marke müsste ich sein, dass ich buche? Und ich habe so an Vitra gedacht, denen die Designmöbel machen. Und Vitra hat einen ganz interessanten Ansatz. Die beobachten Künstler über Jahre. Und Künstler heißt, bei denen ja vor allem eigentlich so Innendesigner, Architekten und sowas. Und die Reden bei Künstlern immer von Autoren. Das fand ich echt interessant. Der Deutschlandchef ist ein Freund von mir, und dann hat er mir erzählt, ja, Vitra betrachtet die als Autoren, weil die Erzählen quasi eine Design-Geschichte. Und jetzt kommt mir so die Überlegung, Wie ist denn die Geschichte von Kai Raws über die Jahre? Was soll noch so kommen? Wie willst du Deine künstlerische Geschichte fortschreiben? Hast du da einen Plan oder lässt du dich treiben?

Sebastian Krumbiegel: Du hast doch Boxen gestaltet, du hast Musikboxen gestaltet. Wie kam das?

Kai Imhof: Unter anderem.

Sebastian Krumbiegel: Wie kann das?

Kai Imhof: Ich glaube, es war eine klassische Anfrage. Von wegen, lasst uns doch mal, was zusammen machen. Genau, das ist aus so einem klassischen Instagram-Influencer-Ding entstanden. Wir waren im Kontakt, Wir schicken dir hier so eine Box und dann machst du mal so eine Instagram-Story. Und daraus ist dann entstanden, hey, du machst ja wirklich Coole Sachen, lass uns mal zusammen, so eine Box. Da gestalten. Genau, also auch aus diesem Insta. Instagram-Ding. Jetzt habe ich den Punkt, den wir davor hatten.

Joël Kaczmarek: Was ist deine Geschichte? Du Bist Autor Deiner Kunst. Wie willst du die fortschreiben?

Kai Imhof: Also, wie ich die fortschreiten? Karrieremäßig kann ich es dir sagen. Künstlerisch, Inhaltlich ist es schwierig. Wenn ich jetzt schon wüsste, was ich in 50 Jahren male, wäre es gruselig.

Sebastian Krumbiegel: Wenn du da noch nicht gestorben, bist an Lungenkrebs.

Kai Imhof: Ja.

Joël Kaczmarek: Oder von der Polizei doch wieder hochgenommen.

Sebastian Krumbiegel: Genau.

Kai Imhof: Karrieremäßig wünsche ich mir einfach, weltweit ausstellen zu können, noch mehr Leuten bekannt zu werden, Ein Begriff zu werden. Einfach auch noch bedeutendere Sachen zu machen. Das ist ja immer noch sehr egoistisch bei mir, Diese Kunst-Graffiti-Debatte da, irgendwann aufzubrechen und größer politischer zu werden. Ja, Ausstellungen machen ohne Ende gerne.

Joël Kaczmarek: Was ist denn eigentlich das Triebwerk? Also wenn du jetzt so die Rakete soll abheben, Was trennt die Spreu vom Weizen? Was macht richtig? bekannte, Erfolgreiche Graffiti-Künstler zu dem, Was Sie so gut sind? Was sind eure Maßstäbe? Woran messt Ihr euch?

Kai Imhof: Also, ich dachte erst, du meinst die Frage anders. Wie wird man sozusagen? erfolgreich? Dann würde ich sagen, du musst auch ein guter Marketer sein, Du musst dich gut verkaufen können. Das ist ja leider bei vielen Künstlern das Problem, Die sind die Hammerkünstler, aber können sich nicht verkaufen. Überall so, überall, so.

Sebastian Krumbiegel: Auch in der Musik. Es gibt die genialste Musik, die in Kellern stattfindet, die keiner kennt, weil sie nicht vermarktet wird, weil das nicht funktioniert.

Kai Imhof: Ja, Mega schade. Entweder hast du Glück, du lernst dann den richtigen Galeristen kennen, der Dich an der Hand nimmt oder... Du wirst halt nie richtig groß, werden. Manchmal denke ich auch, dass mein größtes Talent, vielleicht dieses Gesamt, also dieses Gefühl für Marketing. Oder so ist ja aus dem Grafikdesign, Wie gesagt, komme ich. Und diese Markenbildung ist schon mega spannend. auch. Und aus der Graffiti-Szene geht es eigentlich darum, bekannt zu werden. Also, wo sprühst du, Mit welchen Leuten zusammen ist auch ganz wichtig. Auch in Deutschland gibt es ganz große Namen wie Can't Who. Der ist auch schon fast im Mainstream bekannt, auch in den 90er, Anfang 2000er. Legende, Wenn du mit so jemandem als kleiner Sprüher zusammensprühen, gehst, dann kriegst du deinen Respekt und so. Dann halt bei vielen auch, Wie real bist du? Also wie viele Züge malst du? Wie illegal bist du unterwegs? Also Dieser Coolness-Faktor ist wichtig. Ja, ansonsten, was für Projekte hast du gemacht? Aber das ist halt immer diese schwammige Grenze zwischen Graffiti-Kultur, Untergrund in dem Sinne und mainstreamig.

Joël Kaczmarek: Gibt es so Handwerkspunkte, dass wenn du vor einem Graffiti-Kunstwerk stehst, dass Du beurteilen kannst, Ist das eine hochwertige Arbeit oder keine hochwertige, Jetzt mal abgesehen von dem Kunstausdruck?

Kai Imhof: Total, total. Das ist, glaube ich, Das Schwerste für die Gesellschaft zu verstehen. Was ist ein gutes Graffiti und was nicht? Die meisten sehen ein Graffiti, entweder ist es eine Figur, Dann ist es schon mal richtig schön, und das mag auch die Oma um die Ecke. Und ansonsten, wenn es um Buchstaben geht, ist halt, das ist schön bunt oder die Farbkombination gefällt mir, Aber worum es ja im wirklich klassischen Graffiti geht, ist der Style. Also, wie verformst du deine Buchstaben? Was für Elemente baust du auf? Und da gibt es ganz, also in meiner Meinung nach, ganz klare Sachen, wo man sieht, der ist gut, der ist schlecht. Wenn die Proportionen nicht stimmen, Da muss man auch wirklich jahrelang sich mit diesem Thema beschäftigen, um überhaupt zu verstehen, Warum ist jetzt das eher von dem besser als das von dem, Obwohl die die gleichen Farben die gleiche Technik genommen haben. Das geht um Style, ja.

Joël Kaczmarek: Hast du für dich auch so ein bisschen so deine? Phasen, Deine Blaue Phase, Deine grüne, Deine gelbe? Weil mir ist so aufgefallen, wenn man dein Instagram gerade anguckt, das ist alles sehr, Ich weiß nicht, wie man kubisch, sagt. Also viele Formen erinnern mich so an Dreiecke bei dir. Du hast sehr viele klare Farbflächen momentan. Hast erzählt, Früher hattest du auch ein bisschen einen anderen Stil. Also wechselst du das öfters Mal oder festigt man sich?

Kai Imhof: Also diese Kuben und so male ich, weil ich meinen Graffiti runterbrechen wollte. Auf die Essenz, auf die Formen Und... Was ist das? Um kurz abzuschweifen, war auch ganz witzig, Ich habe letztens ein Kumpel erzählt, Ja, mein allererstes Graffiti-Bild, da hatte ich Dreiecke auf dem Blatt gemalt und bunt ausgemalt, weil ich nicht wusste, dass das Buchstaben sind. Da wollte ich dieses Gefühl. Graffiti malen, habe es aber noch nicht verstanden. Und im Endeffekt ist jetzt so dieser Bogen gespannt, jetzt male ich wieder Dreiecke, Um dieses Graffiti-Gefühl zu vermitteln und somit auch zu fragen, ist es denn noch Graffiti? Ich benutze ja eine Sprühdose. Was ist Graffiti? Blablabla, Das sind so meine Fragen.

Joël Kaczmarek: Jetzt habe ich schon wieder deinen. Pullover zum Beispiel angucken. Du hast für den geneigten Hörer mal beschrieben, du hast einen schwarzen Pullover und da ist ein horizontaler Farbbalken drauf. Mit einem Farbverlauf, Rosa zu gelb zu einer Art orange, glaube ich. So sieht es von hier aus aus. Das hätte ich jetzt zum Beispiel mit deinem Style auf Instagram gar nicht so. Das habe ich erst gecheckt, als du gesagt, hast, die habe ich designt.

Kai Imhof: Ja, ich habe eine Zeit lang, so Leinwände gemacht, Schwarze Leinwände mit dunkelgrauen, Graffiti-Buchstaben und diesen Verlauf, also sehr farbenfroh, intensiv, So kleine Linien drauf. Da war so ein bisschen der Ansatz von wegen. Guck doch mal durch den Schlitz durch. Graffiti ist nicht immer schwarz, was Schlechtes, Negatives, sondern guck mal durch, Dahinter ist eine bunte Welt. Das war, so der Ansatz bei den Sachen. Und weil du sagst, dass ich gerade so eine bestimmte Phase oder so habe, Ich habe mir irgendwann mal gesagt, ich nutze jetzt nur noch bestimmte Farben. Das ist viel Rot, viel Orange, viel Türkis, glaube ich, oder? Genau, Türkis ist auch dabei, Um mich in der Farbwelt zu limitieren und so gestalterisch gezwungen werde, verschiedene Sachen zu testen. Und so habe ich mich... Mit diesen Farben darauf beschränkt, zu sagen, okay, so bin ich gezwungen, gestalterisch auch verschiedene Sachen zu probieren.

Joël Kaczmarek: Bleibt das immer so oder kommt auch mal wieder? Vielleicht eine Phase, wo du vielleicht verspielt? bist, Total bunt, andere Farben nimmst?

Kai Imhof: Garantiert, bestimmt, ja. Ich merke jetzt auch schon, die Farben, die ich gerade immer nutze, Langsam kann ich sie nicht mehr sehen. Ich weiß nicht, seit anderthalb Jahren oder so nutze ich die. Jetzt will ich auch mal wieder ein bisschen mehr dezente Farben, weil meine Farben sind schon sehr doll, genau. War halt auch die Intention dabei, Graffiti ist doll und soll polarisieren. Das war so die Idee, diese knalligen Farben zu nehmen, Aber ja.

Joël Kaczmarek: Also Mir gefällt es, was du machst. Ich habe mich aber auch bei R-Tab, Wir haben darüber geredet, wir haben hinten bei uns ein eigenes Studio noch. Also, momentan sitzen wir gerade für den geneigten Hörer vorne in unserem provisorischen Corona-Safe-Studio. Und hinten haben wir so eine Ecke, wo wir irgendwie so eine tapete designen wollten, die auf unsere Sachen hinweisen. Dann meinte ich so, hey, wollen wir nicht mal den Raws ansprechen, ob wir das mit ihm zusammen machen könnten? Und dann kam, so die Reaktion aus dem Team. Naja, Aber der ist halt sozusagen in seiner eigenen Farbwelt und auch in seiner eigenen Formwelt. Und das ist nicht unsere Farbe und nicht unsere Formwelt. Gleichst du sowas auch mal an? Also machst du auch Auftragsarbeiten, wo du sagst, okay, eigentlich bin ich der Podcast und kubische Typ, Aber für Euch mache ich jetzt mal rund und gelb?

Kai Imhof: Eigentlich nicht. Nicht mehr. Also wenn ich merken, würde, dass es finanziell sehr abwärts geht, Dann würde ich das natürlich immer noch tausendmal lieber machen, so eine Aufträge anzunehmen, als bei McDonald's arbeiten zu gehen. Oder so, was ich auch gemacht habe. ABER derzeit... Will ich oder Wünsche mir, dass die Leute mich haben wollen und meinen Stil und dann auch Halt meine Farbe. Ich glaube,

Joël Kaczmarek: das ist auch wichtig, Aber deswegen interessiert mich auch so ein Stück weit, wie du dich da so formst, also, wie du deinen klaren Rahmen Podcast und wo nimmst du zum Beispiel auch deine Inspiration her? Wie findest du das, Was dich am nächsten Tag dann, wenn du sagst, Es kam kein Auftrag rein, jetzt mache ich eine Leinwand, wo kommt das her?

Kai Imhof: Ja, es gibt Phasen, da kommt gar nichts in meinen Kopf, da denke ich, da bin ich lost. Dann gibt es Phasen, Da gucke ich bei Instagram und sehe irgendwelche anderen abstrakten... Maler und denke mir, oh, Das ist ein geiler Ansatz. Mal das dann nicht ab oder so, aber denke mir, ja, Vielleicht kannst du davon ein bisschen, was mitnehmen oder so. Und ganz prinzipiell, Sebastian, wie du es angesprochen hast, Bauhaus, Kandinsky, Also auch schon die großen Namen, die es da so gibt, Gerade Was abstrakte Malerei angeht. Mega inspirierend. Ich gucke auch irgendwelche Dokus auf Netflix über irgendwelche Künstler. Musik ist auch Inspiration auf irgendeine Art. Ich glaube,

Sebastian Krumbiegel: diese Blockade hat jeder irgendwann. Und ich glaube, für mich ist immer so, also Schreibblockade, dass du denkst, scheiße, Du sitzt hier vor einem weißen Blatt Papier und dir fällt nichts ein, worüber du willst zu schreiben. Ich glaube, dass es immer das Ding ist, dass du mit offenen Augen durch die Gegend rennst und dass du einfach Dinge siehst, die eigentlich jeder sieht, aber die eben auch jeder übersieht. Also jetzt mal ganz pathetisch gesagt, irgendwo lang zu gehen und zu merken, Da steht eine schöne... Einsame Blume am Wegesrand. Und die ist so schön und die erfreut mein Herz und die inspiriert mich irgendwie, irgendwas zu machen. Das ist, glaube ich, die Kunst. Die Kunst, Das ist am Ende, hey, das ist für mich die Triebfeder, dass ich sage, ich versuche sehr bewusst, offen zu sein, versuche auch sehr bewusst, mich für Dinge zu interessieren und habe in letzter Zeit, gerade auch durch unseren Podcast, gelernt, Dass man auch beschließen kann, sich für Dinge zu interessieren, von denen man immer gedacht hätte, das ist uninteressant. Nein, du kannst dich darauf einlassen, du kannst sagen, hey. Damit möchte ich mich jetzt gerne beschäftigen, und das führt mich wieder irgendwo hin, Wo was Neues passiert. Du hast es ja vorhin selbst gesagt, du weißt nicht, was du in 50 Jahren machst, du weißt aber auch nicht, was du morgen machst. Ich weiß auch nicht, was ich morgen für einen Song schreibe, Aber ich weiß, dass ich morgen einen Song schreiben werde.

Kai Imhof: Aber Sebastian, Hast du da, würde mich mal interessieren, so ganz konkrete Tipps, auch, wenn du jetzt eine Phase hast oder einen Tag, wo du nicht kreativ sein kannst, hast du irgendwie keine Ahnung, dann mache ich mir meinen Spezialkaffee oder... Setz mich in den Garten oder so. Hast Du da so kleine Tipps, wie du dann wieder kreativ wirst? Oder sagst du wirklich, Ich packe sie jetzt weg und gehe mit offenen Augen durch die Welt?

Sebastian Krumbiegel: Also, ich wollte eben, bevor du das gesagt hast, Mit Spezialkaffee, wollte ich irgendwie über die Beatles erzählen, dass sie irgendwann angefangen haben, Gras zu rauchen und dass sie irgendwann angefangen haben, LSD zu machen. Und dass es viele Leute, LSD einzuwerfen, dass es viele Leute heute gibt, Die sagen, Sgt. Pepper'ss wäre nie entstanden ohne die Drogenerfahrung der Beatles. Charles Bukowski hätte nie so geschrieben, wie er geschrieben hat, wenn er nicht so ein exzessiver Typ gewesen wäre. Ich glaube, dass das auf jeden Fall für viele Leute ein Weg sein kann, aber bitte nicht sein muss. Also, ich glaube, das muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er mit sich und seinem Körper und seinem Leben umgeht. Am Ende glaube ich wirklich offen sein und natürlich auch Dinge wegzulegen, aber ganz nebenbei, was ein bisschen spießig klingt, auch einfach fleißig zu sein. Einfach zu sagen, ich mache jetzt was. Und wenn ich sage, ich warte darauf, dass die Muse mich küsst und scheiße, die kommt nicht vorbei. Dann mache ich eben heute nichts. Das ist auch ein bisschen Faul, und das ist ein bisschen feige, Weil am Ende hast du, wenn du zehn Songs schreibst, ist die Chance größer, dass ein geiler Hit dabei ist, den du selbst richtig geil findest und den viele andere Leute geil finden, Als wenn du keinen Song schreibst. So einfach ist das. Und deswegen mache ich manchmal wirklich so richtig, Ich sage dann, hey, Ich setze mich heute hin und fange an, mit irgendwas und lese irgendwas und versuche, wie gesagt, da auch mich inspirieren zu lassen. Wenn ich Bücher lese und ich finde einen geilen Satz, dann schreibe ich mir den auf. Wenn ich irgendwo langgehe und ich höre einen geilen Spruch von irgendjemandem, dann schreibe ich mir den auf. Und manchmal wird da was draus, und manchmal wird auch nichts draus. Aber wenn ich nur sage, ich warte drauf, dass ich irgendwie von der Muse geküsst werde, dann ist das, glaube ich, Ich glaube übrigens auch, je älter Du wirst, ist das anders. Als Kind oder als junger Mensch hast du so viel Fantasie in deiner Rübe und so viel unschuldiges, Inspirationsfähiges Material, Dass das von alleine angeflogen kommt. Aber je älter, du wirst, dann musst du dich kümmern. Glaube ich.

Kai Imhof: Eigentlich ist ja wirklich, Als Künstler ist man ja auch so ein bisschen, oder versucht, so ein bisschen Kind zu bleiben, oder? Ich finde auch, so wenn Kinder malen, ist irgendwie auch, also, es ist total Kunst. Wenn Kinder Geschichten erzählen, das ist pure Fantasie. Das ist echt spannend. Und wir als erwachsene Künstler versuchen, eigentlich nur das beizubehalten, oder?

Sebastian Krumbiegel: Ich glaube auch. Und ich glaube, dass das schon, ja, also das versuche ich auch. Man kann irgendwie abschätzig sagen, infantil, wie auch immer. Nö, Ich finde das geil. Ich finde, gerade Kinder, wenn ich kleinen Kindern zuhöre, wenn die Geschichten erzählen, das ist der absolute Hammer. Und da kannst du ganz viel Draus ziehen. Viel mehr als aus irgendwelchen großen wissenschaftlichen Abhandlungen.

Joël Kaczmarek: Ja, ich meine, ich überlege es über meine Arbeit. Also meine Arbeit ist ja das Schreiben, aber ganz anders als Deine, zum Beispiel. Also, ich habe halt irgendwie Bücher geschrieben, Artikel ganz viel, und wir hatten teilweise bei uns so Diskussionen. Wir machen ja ganz viel Podcast. Und dann habe ich immer gesagt, wir müssen mal wieder mehr so Artikelanalysen auf unserer Seite haben. Dann wollte ich dafür jemanden suchen. Mein Team hat nicht verstanden, warum ich das nicht selber mache. Weil ich bin, glaube ich, so in Deutschland. einer, der das am besten kann und habe, aber gesagt, ich will mir jemanden suchen.

Sebastian Krumbiegel: Bei aller Bescheidenheit. Nein, wirklich so.

Joël Kaczmarek: Ist wirklich so. Also ich weiß, wovon ich rede, weil einfach mein Segment so klein ist. Das liegt eher daran. ICH BIN so... Also ja, ich glaube, ich kann auch ganz solide schreiben, aber es ist so, Menschen zu finden, die über mein Thema schreiben, Digital Plus Business Plus Deutscher Fokus Plus. Die Leute kennen plus Strategien, Das ist einfach wenig, es gibt es einfach wenig, so. Und dann haben die mir gesagt, hä, machst du das nicht selber? Du hast es doch sieben Jahre bewiesen, du kannst das. Dann habe ich gesagt, nein, weil ich gerade nicht in dem Modus bin. Ich bin im Modus Reden, Podcast, Dann kann ich nicht das andere, so wie du vielleicht jetzt deine. Rote Türkise Fase hast.

Sebastian Krumbiegel: Also wenn ich dich gerade so schwadronieren, höre, mein lieber Freund, das klingt wirklich auch, Das ist irgendwie eine. Ich hatte fast gesagt, eine ungesunde Form des Selbstbewusstseins natürlich. Auch dazu führt, ein gewisser Größenwahn, Irgendwie einfach der Gedanke zu sagen, ich mach das jetzt einfach. Und natürlich irgendwie selbstbewusst zu sagen, ich mal jetzt hier, was oder? Ich schreib jetzt hier einen Text und weiß erstmal, ich mach das jetzt einfach. Und daraus kann natürlich auch wirklich was entstehen. Wenn du dich selbst scheiße, findest, wenn du selbst irgendwie von dir nicht überzeugt bist, kannst du glaube ich auch keine guten Sachen machen. Wenn du dich selbst nicht magst, um es so zu sagen. Es gibt ja den Spruch, wer sich selbst nicht liebt, kann auch andere nicht lieben. Und das stimmt, Da ist was Wahres dran. Und wenn du dich selbst nicht magst und denkst, ich versuche jetzt hier irgendwie große Kunst zu machen, dann wird das nichts, glaube ich.

Joël Kaczmarek: Also ich glaube, es gibt zwei Zitate, die meine Mama mir immer mitgegeben hat. Eigenlob stinkt, Aber nur dem Neider war der eine Satz. Und der andere ist halt, tu, Gutes und sprich darüber. Und bei mir ist es so, Ich finde es total okay, wenn jetzt jemand, sagt, Was für ein arroganter Großkotz, den sich der Kunde...

Sebastian Krumbiegel: Ich wollte es nicht so ganz hart sagen.

Joël Kaczmarek: Ja, aber warum eigentlich? Weißt du, es ist so, Ich bin so ein Mensch, ich bin, glaube, ich mein Leben lang durch... Im Minderwertigkeitskomplex wäre zu viel gesagt, aber immer nicht zu genügen und nicht genug getan zu haben. Getrieben worden. Das war meine Triebfeder. Und ich habe mich mit vielen Leuten verglichen und viele Leute bewertet. Und ich habe in dem, was ich tue, und ich habe es wirklich mir jahrelang angeguckt. Und auch oft mich hinterfragt. Und ich habe keinen gefunden, der es eigentlich gut macht. Dann habe ich irgendwann zu mir gesagt, okay, wenn ich der Meinung bin, Ich bin darin in Deutschland der Beste, weil es halt auch ein klarer Bucket ist. Ich weiß relativ, das ist ein bisschen, wie wenn du jetzt so Hockeyspieler bist. Ich glaube, Hockey-Weltmeister. Wenn das ein Breitensport wäre, oder Surfen, oder Inlineskaten, oder so, Wenn es so viel Popularität hat wie Fußball, dann ist der Weltmeister von heute auf einmal. Der 40. platzierte von morgen. Weißt du, was ich meine? Also, man muss sich auch immer gewahr sein. Ich bin extrem gut da drin, weil ich mir eine Nische gesucht habe, die sich andere extrem talentierte Leute nicht gesucht haben. Und da gibt es auch diesen schönen Spruch mit, Wenn du die schlauste Person im Raum bist, bist du im falschen Raum. Es gibt immer Leute, die besser sind als du. Also das möchte ich gar nicht davon sozusagen. Beiseite stellen. Der Arroganzanfall war eigentlich die Einleitung zu was anderem, nämlich eigentlich zu sagen, wenn man manchmal in einem Fokus ist, kriegt man den anderen Fokus nicht rein. Und was ich gemerkt habe bei Schreibblockaden, Ich muss wegpacken. Also das Schlimmste ist, Ich zwinge. Ich bin aber auch so ein Kandidat, ich arbeite, Mich muss man vom Schreibtisch wegzerren und nicht hinschieben. Dann merke ich aber, wenn ich aber dran sitze und merke, da geht nichts.

Sebastian Krumbiegel: Ich glaube ja, einfach, dass diese Art von Selbstbewusstsein, Entschuldige, dass wir jetzt hier beide hier Monologe halten. Ich finde das total interessant. Also ich glaube, dass diese... Dass schon das Selbstbewusstsein, was sehr wichtiges ist. Wir hatten ja schon mal, als wir uns unterhalten hatten, darüber gesprochen, dass jeder irgendwas besser kann als jemand anderes. Und das ist, glaube ich, ein bisschen das, was du meinst. Dass du das für dich finden musst, was du gut kannst, und Du kannst das am besten, was du am meisten magst. Das, wofür du brennst, Darin hast du die Chance, irgendwie wirklich gut zu werden und eben auch besser als andere zu werden. Wenn du dir den besten Jazzmusiker ranholst, dann wird der niemals guten Metal spielen oder guten Hip-Hop machen können. Oder wenn du dir den besten, was weiß ich, Ein klassischer Maler kann nicht sprayen. Und ein Sprayer, okay, Da sind die Grenzen auch fließend, inwieweit das eine, das andere bedingt. Aber ich glaube, das Geheimrezept ist das, rauszufinden, was magst Du am meisten, wofür brennst du? Und wenn du das rausgefunden hast, dann kannst du darin gut werden.

Joël Kaczmarek: Also ich glaube, wir hatten ja. Matthias Kling hier, der gesagt hat, du musst etwas tun, was du liebst. Und dann ist es Fleiß. Ich glaube, das waren seine beiden Erfolgskriterien. Wir haben eine dritte Achse aber vergessen. Ich überlege gerade so, Michael Jordan ist ja so ein Kandidat, der war ja unfassbar. wettbewerbsorientiert. Und meine Frage ist, wo kommt Ehrgeiz her? Weil ich glaube, Kunst schaffen und etwas richtig gut werden, hat auch mit Ehrgeiz zu tun. Und ich bin für mich am überlegen, Wie bringe ich meinem Kind? Ehrgeiz bei, ohne dass es ihn zerfrisst. Bei Jordan war ja immer so, der wollte die Aufmerksamkeit des Vaters, und sein Bruder war immer besser. Und er hat so lange gegen seinen Bruder, den Größeren, gespielt, bis er den geschlagen hat. Und dann weiß man, wenn ich den geschlagen habe, schaffe ich den nächsten und so. Und du weißt ja bei mir auch, was ich vorhin erzählt hatte mit, Ich mache da meine Profession und vergleiche mich und so weiter. Naja gut, aber jetzt schweifen wir ab, der hat schon recht, wir machen mal hier.

Kai Imhof: Aber im Endeffekt ist es ja genau das in der Graffiti-Szene, Ich will der Beste werden, Ich will meinen Namen an den meisten Häuserwänden haben, das ist genau dieses Ding, was du gerade beschrieben hast.

Sebastian Krumbiegel: Mit dem, was ich am meisten mag.

Kai Imhof: Genau.

Sebastian Krumbiegel: Und da hast du eben auch die Chance, der Beste zu werden.

Kai Imhof: Ja.

Joël Kaczmarek: Gut, Es war ein spaßiges Gespräch, wo ich jetzt noch fieberhaft überlege, wie ich hier mein arrogantes Image auf den letzten Meter, Aber ich glaube, es ist passiert. Nein,

Kai Imhof: es wird nicht mehr.

Sebastian Krumbiegel: Quatsch.

Joël Kaczmarek: Ich muss gerade an meinen Schullehrer denken. Der hat mir in der 10. Klasse, glaube ich mal, als, kennt Ihr noch diese Zeugnisköpfe? Früher war man oben Text geschrieben und dann kamen die ganzen Noten. Und da hat er mir reingeschrieben, Joël versieht die Beiträge anderer Mitschüler mit abwertigen Kommentaren. Und ich glaube, das ist so meine Reminiscenz. Ich danke dir, dass Du mich immer wieder auf den Boden... Dass du mein neuer Geschichtslehrer bist, der mich wieder auf den Boden der Tatsachen holt.

Sebastian Krumbiegel: Ich möchte niemanden belehren, ich möchte nur sagen, was mich stört.

Joël Kaczmarek: Gut, Kai, ABER vielen, Vielen Dank. Es hat viel Spaß gemacht, in deine Kunst mit dir einzutauchen, und ich habe viel gelernt. Und ja, es ist immer faszinierend, wenn man Leute, die das Leben mal sozusagen mit reinnimmt. Und ich drücke dir die Daumen, dass du jetzt auch ganz viele Marken nochmal deinen Style entdecken, dass es Kopfhörer von Bang & Olufsen von dir gibt und Tische von Vitra und Coca-Cola-Flaschen.

Kai Imhof: Lieber die Sammler und Galeristen.

Sebastian Krumbiegel: Das ist doch echt geil. Das freut mich jetzt wieder, dass du das so sagst. Weil am Ende geht es nicht um Geld. Natürlich ist es immer sehr leicht zu sagen, wenn du Geld einigermaßen hast, zu sagen, es geht nicht um Geld. Natürlich musst du erst mal deinen Lebensunterhalt verdienen. Aber die Triebfeder ist meiner Ansicht nach bei Kunst, darf nicht Geld sein. Muss immer irgendwie der Anspruch sein, muss immer irgendwie das sein, was du magst, was dich treibt.

Joël Kaczmarek: Eigentlich ist meine Schlussfrage oder mein Schlusswort, dass ich jetzt mal hier rausgehen und drüber nachdenken muss, Wie viel Ego steckt in Kunst? Weil ich habe gerade gedacht, ich würde sagen, ich würde an deiner Stelle mit so einer Birne rausgehen, wenn ich die Coca-Cola 2021-Edition zu 50 Jahren irgendwas designt hätte.

Sebastian Krumbiegel: Na, klar ist das auch ein Ritterschlag. Logisch, glaube ich auch. Wenn die ankommen und sagen, ja, dann klar.

Joël Kaczmarek: Sebastian Krumbiegel hat den Soundtrack für Mulan von Disney gemacht. Da würde ich noch in zehn Jahren meinen Kindern von erzählen, glaube ich.

Sebastian Krumbiegel: Ja, ich habe den nicht gemacht. Ich habe da eine kleine Rolle gesungen. Aber logisch ist das geil. Du hast mal für Disney gesungen. Ja, cool.

Joël Kaczmarek: Also du sagst, da steckt viel ego drin in Kunst.

Kai Imhof: Ja, definitiv. Hat das Gespräch ja eigentlich herausgearbeitet. Leute, Ich will mich auch nochmal bedanken. War mir echt eine Ehre. Ich habe die anderen Podcast auch so ein bisschen verfolgt. Es sind bekannte Namen, Gregor Gysi, Jan-Josef Liefers dabei. Ich freue mich da, so ein bisschen einreihen zu können. Oder was auch immer.

Sebastian Krumbiegel: Wir laden nur die coolsten Kaisers ein. Ja,

Kai Imhof: vielen Dank auf jeden Fall. Es hat Mega Spaß gemacht. Und wenn ihr irgendwie was mitgenommen habt aus meiner kleinen Graffiti-Welt, dann freut mich das total.

Sebastian Krumbiegel: Haben wir definitiv und mal gucken, was uns noch alles so zusammenführt? In Zukunft.

Kai Imhof: Ja, sehr gerne. Danke, dass Du da warst. Tschüssi.