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Ariane Hingst: Dieses Grundverständnis muss aber in dir drin sein, weil sonst gehst Du bestimmte Wege nicht. Je älter man wird, So viele Dinge sind einem einfach mehr egal. Klassiker als Kind: Ich konnte nicht verlieren und dann schmeiß ich die Spielfiguren vom Tisch. Fand ich fürchterlich
Intro & Outro Speaker: Gib mir fünf oder mehr, gib mir alles, was du mir sagen kannst und sag, was hast du gelernt? Vom Fallen und Aufstehen, suchen und Versehen. Und jetzt du
Joël Kaczmarek: High five Leute, Hier ist Joël. Und ich habe heute eine ganz tolle Person da und zwar die Liebe. Ariane Hingst. Und ich kann euch sagen, wie gut Ariane, liebevoll Ari genannt. Hat mehr Europameistertitel, als ich socken habe und Weltmeistertitel auch. Sie ist nämlich Profifußballerin, kennt ihr vielleicht noch. Mittlerweile auch Expertin und teilweise auch schon Coachin. Und vor allem auch Unternehmerin mit dem FC Viktoria Berlin. Also ein richtig buntes Paket. Und nochmal zum Mitschreiben, vier Europameistertitel und zwei Weltmeister, richtig?
Ariane Hingst: Das ist korrekt, aufgezählt. Gute Recherche übertrieben.
Joël Kaczmarek: Also, das ist ja nur sozusagen auf internationaler Bühne. Deutsche Meisterschaften glaube ich auch zwei. DFB-Pokal viermal, habe ich es richtig im Kopf? Also Olympia-France, bei Dir war alles dabei.
Ariane Hingst: Alles dabei, Nur die Goldene bei Olympia hat nicht gereicht. Aber eine Olympiamedaille ist auch mit im Rennen. Ja, das stimmt.
Joël Kaczmarek: Machst du noch als Trainerin in den nächsten Jahren? Ja, die geht schon. Also Du hast viel von der Welt gesehen und hast dich sozusagen in den Extremen des Sports bewegt. Und da bin ich immer neugierig, was die Leute da so mitnehmen. Und bevor wir jetzt mal mit deinen fünf Dingen gleich Straight starten, ist ja bei Frauen immer so eine Sache, aber ich bin immer neugierig, wie alt. Die Menschen sind. Weil dann kriege ich so einen Blick auf, Wie viele Jahre gucken wir denn zurück? Wie ist das bei dir?
Ariane Hingst: Ich finde es super, dass ich wusste, dass die Frage sehr wahrscheinlich kommt, weil ich mittlerweile ein Alter habe, wo ich nachrechnen muss. Und weil ich das gestern schon getan habe, kann ich dir ganz spontan sagen, ich bin 46 Jahre alt.
Joël Kaczmarek: Okay, aber nicht, also bisher. Ja,
Ariane Hingst: danke, danke.
Joël Kaczmarek: Das macht ja Sport. Okay, also. Wir gucken über 20 Jahre, sozusagen ein Vierteljahrhundert mehr sogar in die Vergangenheit. Komm, Gehen wir mal gleich rein. Was ist so das erste Ding, wo du sagst, Mit 20 hätte die junge Ariane gerne schon gewusst?
Ariane Hingst: Die junge Ariane Hingst vor allem mit Hinblick, Wir sind im Herbst, es wird kälter, Die Knochen sprühe ich, hätte ich gerne gewusst, Wie Krafttraining und Athletiktraining besser schützen kann in der Leistungssportphase. Prophylaxe, aber auch Verschleiß und dergleichen. Zu meiner aktiven Karriere war das Thema Krafttraining noch nicht so ausgereift. Im Fußball, muss man sagen. Es kam dann so ein bisschen rein und natürlich gab es da noch Ansagen von Trainerinnen. Oder auch von Physiotherapeuten, Ihr müsst auch Athletiktraining machen. Aber das war nicht ausgefeilt. genug. Und leider habe ich das in meiner Jugend zu wenig gemacht. Glaube ich mehr, als ich sie hätte spüren müssen.
Joël Kaczmarek: Blöde Frage. Athletik meint eigentlich genau, was?
Ariane Hingst: Wirklich diese Stabilisationsübungen, die Du machst, Diese Dehnübungen, diese Flexibilität. Mittlerweile kennt man es. Spielerspielerinnen in sämtlichen Sportarten, bevor sie ins Training starten, Sind Sie vorher nochmal bestimmt eine halbe Stunde im Kraftraum oder in Räumlichkeiten, um sich besser aufs Training vorzubereiten und einfach die Gesamtstatik des Körpers, da auch besser vorzubereiten. Den ganzen Rumpftraining, solche Themen. Für mich war, wenn es extra Einheiten mal gab, war für mich klar, die mache ich auf dem Platz. Und ja, dieses Zusammenspiel Athletik, Aber auch, um es ein bisschen breiter zu fassen, Dann natürlich auch mentales Training, Ernährungslehre und so weiter. Das sind die Dinge, die erst im Laufe der Zeit so ein bisschen dazugekommen sind. Und ja, ich glaube, es hätte mir gut getan, hätte ich da früher Ahnung von gehabt und das auch besser umgesetzt.
Joël Kaczmarek: Das ist ja auch ein super aktuelles Thema, gerade. Also, ich habe das gerade in Erfahrung gebracht. Am Spieltag verletzten sich gerade zwei Spielerinnen, also weltweit gesehen, beim Kreuzbandriss. Also Die Belastung im Sport ist jetzt auch so hoch, dass das heute nochmal eine ganz andere Relevanz hat.
Ariane Hingst: Ja, absolut. Es sind wirklich extrem negativ. Schlagzeilen, die wir sehen. Jetzt kann man sich natürlich auch fragen, wissen wir es mehr, weil wir einfach weltweit eine größere Berichterstattung auch über Frauenfußball haben. Gab es die vielleicht früher auch schon? Man hat es bloß weniger mitbekommen. Ich glaube, da steckt auch ein bisschen Wahrheit dahinter und natürlich, Der Sport wird immer schneller, wird extremer. Wird professioneller und die Anpassung des weiblichen Körpers kommt da vielleicht auch nicht so mit. Und natürlich immer wieder das gleiche Thema, Wir haben viel zu wenig Studien, Trainingseinheiten, Trainingssteuerungen sind auch weiterhin noch sehr auf den männlichen Körper zugeschnitten. Und wir wissen noch zu wenig, wie man es Positiver beeinflussen kann. Da rennen wir noch Jahre hinterher und deshalb haben wir gerade echt viel. Zu viele schlechte Schlagzeilen über Verletzungen von Spielerinnen, was unbedingt ganz schnell aufgeholt werden muss.
Joël Kaczmarek: Hier hören ja viele Menschen zu, Die sind ja jetzt nicht, wie du auf Olympia- und Weltmeisterschaftsniveau in einem breiten Sport unterwegs, sondern auch so Normalsterbliche. Und selbst für uns normalos ist es ja so, dass man halt hört, ey, Ab 40 bauen die Muskeln ab. Und so, mach mal, was. Was ist denn, so Dein Insight, den Du bei Krafttraining und Athletik gewonnen hast? Also was müsste ich tun, damit mir diese Mittel helfen, gesünder alt zu werden?
Ariane Hingst: Ich glaube in den Medien, Jeder hört jetzt auch von Longevity und solche Themen, Die sind mittlerweile einfach im Alltag deutlich präsenter. Und ich denke gerade diese Basic-Themen, was Beweglichkeit anbelangt. Und früher war es dann, Die Frauen machen alle Yoga oder Pilates. Ich glaube, dass es auch spannende, interessantere Übungen gibt. Oder allgemeine Athletik-Fitnessübungen, die du mit deinem eigenen Körpergewicht machen kannst. Ob es wirklich nur die 10 bis 15 Minuten am Morgen oder Abend sind. Wir sind beide, als wir ins Studio gegangen sind, Die Treppen hochgestiegen. Da hast du mir auch gesagt, ja, hoch geht, aber runter muss ich den Fahrstuhl nehmen, Weil die Kino nicht mehr mitmachen. Ohne Hochleistungssport. Und ich denke, wenn auch der Orthonormalverbraucher ein bisschen anders auf seinen Körper. Auch Acht gibt, glaube ich, kann man da dem Ganzen auch schon besser vorbeugen. Und auch so Themen im Alltag, Wie häufig benutzen wir denn die Treppe oder wie häufig sind wir auf den, Gott, Wie heißen die Rolltreppen? Rolltreppen heißen sie, Ganz einfaches Wort. Wir sind auf Rolltreppen unterwegs oder am Flughafen. Hast du dann das Band, wo du drüber gefahren wirst. Also Wir sind ganz anders im Thema Mobilität unterwegs und hast dann natürlich auf einmal höhere Belastungen. Ich glaube, dass man da mehr Prophylaxe betreiben kann durch ganz einfache Mittel. Und wie gesagt, wenn man es dann in Hochleistungssport reinnimmt, dann ist es unbedingt noch mehr Pflichtaufgabe.
Joël Kaczmarek: Was für Sport machst du eigentlich so tagtäglich?
Ariane Hingst: Viel zu wenig. Also tatsächlich, Und das ist die große Problematik, die ich habe, so Thema. Joggen gehen. Kann ich einfach gerade gar nicht, weil da meine Knie überhaupt nicht mitspielen. Ich kann Rad fahren, Da fehlt dann aber auch so ein bisschen die Zeit dafür. Eine halbe Stunde laufen, Äquivalenz zu zwei, zweieinhalb Stunden Fahrradfahren. Das ist dann eine Problematik. Wir kommen ein bisschen später noch dazu, was ich als Sport mache oder als Hobby, um das so ein bisschen auszugleichen. Also im Moment mache ich leider viel zu wenig. Ich muss da meinen Schweinehund wieder ein bisschen mehr in Bewegung kriegen. Und vor allem meinen Körper da besser in Schuss kriegen. Da bin ich aber einfach leider Gottes Halt so ein bisschen eingeschränkt bei mir da doch. Der Leistungssport, Der hat mir dann schon ein bisschen Grenzen für meinen Körper aufgezeigt.
Joël Kaczmarek: Interessant, da wollte ich mit dir gerne mal eintauchen, falls du dich wohlfühlst, darüber zu reden, weil, wie du es gerade mit dem Laufen gesagt hast, Ich habe mal mit Franziska van Almsick zusammengestanden und meinte, hey,
Intro & Outro Speaker: ich kann überhaupt nicht laufen,
Joël Kaczmarek: ich kann überhaupt nicht joggen. Ich dachte so, Schwimmen ist doch so ein Megasport für Ausdauer. Ja, aber meine Gelenke sind es nicht gewohnt, wenn ich laufe. Das ist so ein bisschen so wie, fühlt sich so wie aus Gummi und so, das geht gar nicht. Was ja, viele Menschen glaube ich nicht so richtig mitkriegen ist, was für einen Preis eigentlich? Auch Sport hat, wenn man ihn auf Leistungsniveau betreibt. Wie ist es denn bei dir? Weil ich will so ein bisschen auf den Punkt hinaus, du hast gesagt, wenn ich gewusst hätte. Mit 20. Das Krafttraining und Athletik, Also wie hätte dein Leben? Denn dann ausgesehen? heute? Was hätte das anders gemacht? Für dich?
Ariane Hingst: Also ich glaube, egal, wie gut du dich vorbereitest und was für medizinische Möglichkeiten hast oder Prophylaxe-Möglichkeiten, Leistungssport, Du zahlst dein Tribut als Sportler, ist es einfach Fakt. Also das hinterlässt Spüren an deinem Körper. Und trotzdem bin ich jetzt 20 und du sagst mir, Pass auf, Du wirst die und die Karriere haben, aber du wirst körperliche Probleme, haben. Du wirst eingeschränkt sein im Alltag. Deine Knie werden wehtun, Dein Rücken wird wehtun. Ich würde trotzdem nichts anders machen. Ich würde trotzdem genau diese Karriere so haben wollen und ich bin bereit, diesen Preis zu zahlen. Mit dem Körper. Ich glaube, dass ich bloß kleine Weichen hätte, anders machen können. Und ein, zwei, drei Prozent. Anders jetzt drauf wäre. Aber ja, was mir der Leistungssport gegeben hat, und da geht es gar nicht unbedingt nur um die Titel oder Erfolge, die man hat, sondern die Menschen, die ich treffen durfte, Werte, die ich fürs Leben gelernt habe, die ich in meinen Alltag mit übernehme, Länder, die ich bereisen, durfte, die ich sonst nie gesehen habe, Kulturen, die ich kennenlernen durfte. Das ist alles ein so großer Zugewinn, dass ich sage, ich zahle den Preis der körperlichen Belastung. Kein Problem.
Joël Kaczmarek: Ja, ich finde, da denkt man immer nicht so drüber nach. Viele Menschen sagen so, der hat das, so viel Kohle, das will ich auch. Aber was du für gezahlt hast, fragen viele nicht. Jetzt hast du gesagt Knie und Rücken. Ist das so die Sphäre, in der du dich da auch bewegst? Weil ich habe das zum Beispiel über Nowitzki Mal gelesen. Schweinsteiger kommt, glaube ich, sowas mal durch.
Ariane Hingst: Also, es ist halt schon echt ein hartes Ding, was Du da... Und die ist zwar meistens morgens früher aufgestanden, als ich, Aber ab und zu sind wir dann doch immer gleichzeitig aufgestanden. Und es war dann schon sehr lustig, wenn du morgens probierst, deine Socken anzuziehen. Und da ist noch so eine Körpersteifheit da, also Du kommst kaum nach unten runter. Und das hat sich jetzt auch nicht verändert. Also gerade kalte Jahreszeit lässt grüßen, Das merkt man dann schon. Also wirklich diese Steifheit, die da ist. Und du hast vorhin die Kreuzbänder angesprochen. Tatsächlich, Kreuzbänder ist das Beste in meinen Knien. Bei mir hat es dann eher den Meniskus erwischt. Und den Knorpel, Also, dass dann wirklich Knochen auf Knochen ist. Und das merkt man halt einfach, diese Morgensteifen. Und man ist nicht mehr so beweglich. Ich meine, ich liebe die vier Jahreszeiten, aber ich freue mich dann schon wieder, wenn es wärmer ist und man doch besser aus dem Bett wieder rauskommt. Aber ich glaube, das kennst du ja auch. Ich kann mir vorstellen, so ganz geschmeidig kommst du auch nicht mehr aus dem Bett raus. Und die ersten Schritte des Morgens sind vielleicht etwas steifer?
Joël Kaczmarek: Ich freue mich einfach gerade ein bisschen, dass du mir sagst, das ist eine Bürgerprinz. Wenn Du dir mit Ihr ein Zimmer geteilt hast, heißt das ja, ihr wart. Beim Turnier, heißt es Ja Peak-Level der Karriere, dass sie da auch Probleme hatte, Ihre Socken anzuziehen. Das war ich mal auch so dran und denke so, Oh, Gott.
Intro & Outro Speaker: Ja,
Ariane Hingst: das kam dann zum Ende der Karriere, Das hat alle betroffen.
Joël Kaczmarek: Hast du vielleicht abschließend zu dem Punkt noch so eine kleine Mindset-Geschichte? Je länger so eine Karriere ja auch voranschreitet, desto merkbarer wird der Preis ja auch. Und es fallen vielleicht auch Sachen schwerer. Was war so dein Hebel im Kopf, dass du geschafft hast, entgegen der Widerstände und der Schmerzen vielleicht trotzdem Leistung zu bringen und das zu machen, was du liebst?
Ariane Hingst: Das ist der Ehrgeiz, der einfach da ist. Und diese Wettkampfsfreude und Wille daran. Und Fußball hat mir vor allem in erster Linie immer extrem viel Spaß gemacht. Und diese Freude geht nicht verloren, Nur weil es einem vielleicht ein bisschen schwerer fällt. Und natürlich ist das Bewusstsein da, wenn ich dann in die Trainingseinheit gehe. Ich brauche vielleicht ein, zwei, drei Minuten länger, um warm zu werden. Und fange ein bisschen früher an, um meine Bahn zu laufen. Aber wirklich die Freude an dem Sport, die war so groß, das wollte ich noch nicht aufgeben. Und auch sich selbst auch nochmal beweisen zu wollen, es geht noch, ich kann es noch. Ich kann auch mit den Jüngeren mithalten und vielleicht jetzt nicht auf der körperlichen Schiene, Was jetzt das Spieltempo dann anbelangt, aber mit meiner Erfahrung, die ich mitbringe. Spielsituationen anders lesen zu können, da, was anderes mit reinzubringen. Oder auch im mentalen Bereich, jüngere Spielerinnen vielleicht ein bisschen ein Wegweiser zu sein. Also andere Qualitäten werden im Laufe des Alters dann irgendwann wichtiger. Und ich glaube, das ist auch total normal. Also manche Dinge in jungen Jahren haben mich nicht interessiert, die habe ich einfach gekickt. Da war mein Gehirn noch gar nicht bereit dazu, oder ich war von der Einstellung auch noch gar nicht so. Ich glaube, das gehört einfach im normalen Leben dazu. Wir entwickeln uns weiter und so ist es im Sportlerleben. auch. Es verändert sich halt einfach die Perspektive und der Ehrgeiz, Das war für mich das Wichtigste, die Triebkraft für mich, bei dem Spaß, den ich immer hatte.
Joël Kaczmarek: So eine Vermutung, wo der bei dir herkommt? Also, was Dich ehrgeizig gemacht hat im Leben?
Ariane Hingst: Oh, jetzt kriegen wir aber die richtig tiefgründigen Fragen. Nee, ich glaube, dass ein gewisser Ehrgeiz, den musst du auch in dir drin haben, der muss irgendwie da sein. Und ich glaube, wenn du dann etwas gefunden hast, in deinem Leben, was dir wirklich Spaß macht, Ich glaube, dass du diesen Ehrgeiz dann auch irgendwann steigern kannst. Wenn du einfach siehst, was gibt es denn, was kann ich denn dadurch erreichen, Was für Träume kann ich mir eventuell auch erfüllen. Und ich glaube, dass das gesteigert wird. Dieses Grundverständnis muss aber, Glaube ich, in Dir drin sein, weil sonst gehst Du bestimmte Wege nicht. Also, das ist schon ein steiler Weg, und dann gibt es genug Momente, wo es dann auch einfach mal weh tut. Und ich glaube, das kennt jeder in seinem Arbeitsleben, in seinem Privatleben. Und es gibt halt Menschen, die schneller aufgeben. Klingt jetzt so negativ, aber die schneller sagen: "Nee, Den Weg will ich auch vielleicht gar nicht so gehen, da ist mein Ehrgeiz nicht ganz so groß." Und das glaube Ich ist eine Grundeinstellung, die dann auch vorhanden ist.
Joël Kaczmarek: Ich habe gestern mit einem Mindset-Coach aus den USA mich unterhalten. Der ist Brite und wohnt in Utah. Da hat er gesagt, also? Der ist darauf spezialisiert, nur die Top 5 der Welt immer zu trainieren. Das heißt, du gehst zu dem, wenn Du sagst: "Pass mal auf, Ich bin hier irgendwie Top 50, ich will Top 5 sein." Im Sport, im Business, Poker auch ganz viel. Und hat er gesagt, das fand ich super spannend, Ganz viele Menschen geben nur 80% Leistung und sind nicht bereit, die letzten 20 zu kriegen. Und ein Grund dafür ist, dass wenn sie es nicht schaffen, sie immer sagen können, Ich habe es noch nicht richtig versucht. Ich hätte immer mehr geschafft. Das ist so ein Ego-Schutz für den Selbstwert sozusagen. Ich fand das total spannend. Aber ich frage mich oft, was ist denn so der Ursprung von Ehrgeiz? Weil ich bin so wie du, Ultra kompetitiv, trotzdem Teamplayer. Und ich bin immer so, Hey, klar, wie? Deutscher Meister werden, Champions-League-Spiel. Weißt du, das IST so... Wenn ich so Hertha, meinen Lieblingsverein, angucke, denke ich mal so...
Ariane Hingst: Oh, schwere Zeiten.
Joël Kaczmarek: Purer Masochismus, leider. Aber da denke ich so, okay, du hast den auf... Ich weiß noch, als die aufgestiegen sind, Zweite Liga, hatten die noch zwei Spiele. Da habe ich gesagt, die musst du trotzdem noch gewinnen. Da führt gar kein Weg dran vorbei, weil das ist doch so Mindset. Du kommst dann sozusagen anders in so eine neue Liga rein. Ja, BeIDE verloren, die Penner. Und ich frage mich das oft, Woher kommt diese Triebfeder? Ehrgeiz? Und ich frage mich, Ist das ein Biografieding, zum Beispiel?
Ariane Hingst: Ja, ich finde es super spannend, auch diese Aussage, und ich glaube Da bist du dann genau bei dem Punkt, Du hast extrem erfolgreiche Menschen im Sport, im Berufsleben und so weiter, und wirklich nur die Spitze ist deshalb erfolgreich, weil sie eben ein anderes Mindset hat und ihnen nicht zu sagen, ich lasse mir den Puffer, Ich habe ja auch nicht alles reingegeben, sondern das jetzt zu hören, das höre ich gerade das erste Mal, so, Der Gedanke, wäre mir im Leben nicht gekommen. Und ich glaube, deshalb landest du dann letztendlich auch an der Spitze des Erfolgs. Wahnsinnig spannendes Thema. Ich habe auch Momente gehabt, wo ich mich im Umfeld gefragt habe: Warum gehen die denn jetzt nicht mit? Ob es Mitspielerinnen waren oder auch im Außerberuflichen. Ja, weil wir. Menschen sind halt einfach verschieden und es geht halt nicht jeder bis ans Limit. Muss er ja auch nicht, aber ja, diese Erkenntnis finde ich auch super spannend.
Joël Kaczmarek: Ich war sehr fasziniert, dass vieles einfach aktive Selbstsabotage ist. Also ein Faktor, Ich habe den gefragt, was sind die meisten Gründe, Warum Leute das nicht schaffen? Das eine war das, dass sie sich Pro verlassen um. Das andere war zum Beispiel, dass sie Angst vor sozialer Ächtung haben, wenn sie erfolgreich sind. Also gerade in Deutschland ist es ja so, wenn du reich bist, ist es irgendwie schmutzig. Oder der erzählte mir dann auch, wenn Unternehmer eine Firma verkauft haben für 100 Millionen Dollar. Das erste, was die machen wollen, ist Ihren Freundeskreis reichen. Weil sie völlig entwachsen sind. Also, sie sind auf einmal sehr einsam, weil keiner mehr relaten kann auf das Niveau, auf dem Du bist. Ich meine, war das bei dir ähnlich? Du spielst auf einmal Weltmeisterschaft in deinem Sport, kommst wieder nach Hause. Und keiner hat ja diesen Wachstumssprung mitgemacht, so wie du.
Ariane Hingst: Ja, gar nicht. Dazu muss ich sagen, dass ich ein ganz fantastisches Umfeld hatte. Also familiäre, brutale Unterstützung. Da war. Meine Mama ist auch wirklich zu einigen Turnieren gereist. EM in England, Olympische Spiele in Athen, Solche Geschichten. Also wirklich fantastisch und mein Freundeskreis auch. Natürlich wird der Freundeskreis sehr klein, Diese engen Teamfreundschaften, die du hast, die außerhalb der Fußballwelt sind. Denn du hast halt einfach keine Zeit. Ich habe Freunde monatelang einfach nicht gesehen. Und es machen die wenigsten mit im Sinne von, ja, wo ist denn da dieses Verhältnis? Und wenn ich mich mit denen bewegt habe, Die waren stolz auf das, was ich erreicht habe. Aber Fußball war größtenteils überhaupt kein Thema. Und wir hatten dann halt andere Dinge, über die wir gesprochen haben. Und das waren dann wirklich diese zwei Welten. Und deshalb kann ich, also, wenn du es sagst, Ich finde es interessant und spannend und sage, okay, kann ich mir vorstellen, Für mich hat das zum Glück nie zugetroffen.
Joël Kaczmarek: Kennst Du diesen Effekt, wenn du nach Hause kommst? Ich denke so an, so Musiker, da hört man das immer ganz oft. Stehen vor 80.000 in so einem Stadion und dann kommen sie nach Hause. Und die Frau drückt denen irgendwie die schmutzige Windel und sagt, hier komm, mach mal und nimm mal das Kind, Wickel mal und so. Weißt du, was ich meine? Back to earth.
Ariane Hingst: Hast du sowas auch, erlebt? Ne, tatsächlich nicht, sondern eher in die Richtung, Das ist so Wahnsinn. Also ich hab's ja, erzählt. Wir kommen aus Zeiten in der Nationalmannschaft, Hast du Doppelzimmer oder auch mit dem Verein, weil da die Reisen natürlich anders waren. Am Wochenende. Dann hast du aber auch den Zeitplan, Die wird genau vorgegeben. Dann ist Frühstück, dann ist Mittagessen, dann ist Training, dann ist Besprechung. Also, dein Tag ist ja komplett getaktet. Natürlich hast du Freizeiten, aber die festen Uhrzeiten musst du einhalten. Die wird vorgegeben, was du anziehst. Und wir haben da teilweise späße Draus gemacht, Wenn wir nach Vorbereitung und dann auch noch einen größeren Turnier, dann sprechen wir teilweise vom Zeitraum, Dann warst du zwei bis drei Monate. Sehr intensiv miteinander unterwegs. Und dann ist das Turnier vorbei. Und dann hast du ein, Zwei Wochen Urlaub. Und dann kommst du zu Hause an. Und dann ist erstmal eine Lehre da. So, Oh, Gott, was ziehe ich denn jetzt an? Wann stehe ich denn auf? Wann gehe ich denn jetzt? duschen? Also, weil du bist auf einmal wirklich so, Oh Gott, ich muss selber Entscheidungen treffen. Und da haben wir uns teilweise dann wirklich drüber lustig gemacht. Dann gab es dann doch die eine oder andere Gruppe zum Ende der Karriere. Gab es dann auch ein bisschen andere Social Medien, WhatsApp und dergleichen. Was machen wir denn jetzt? Wann treffen wir uns denn? Das ist es viel mehr, dass da diese Lehre so eingesetzt hat. Oh Gott, Eigenverantwortung, Selbstständige Entscheidung zu treffen. Das war das Thema bei mir.
Joël Kaczmarek: Ich habe mal über Wayne Rooney gelesen, dass der erst mit Ende 30 gelernt hat, wie man eine Waschmaschine bedient. Dass er nicht in der Lage war, Kleidung zu waschen, weil er meinte, du hast die Sachen immer an so einem Ding, und dann hast du halt da so einen Platzwart. oder...
Ariane Hingst: Ein brutales Thema. Da siehst du dann wieder die Unterschiede zwischen Männer und Frauenfußball. Aber das ist ja auch immer diese Diskussion, wenn es jetzt um Akademien geht, um Nachwuchsleistungszentren. Wie viel Arbeit wollen wir den Jugendlichen auch abnehmen? Was sollen Sie selbst entscheiden? Wie bereiten wir Sie auch aufs Leben vor? Ganz, ganz spannendes Thema. Auf der einen Seite wird gesagt, ja, sie sollen Eigenständiger sein. Auf der anderen Seite wird um Talente gebohlt. Und wenn du denen nicht alles bietest, wenn du dem Elternhaus nicht sagst, wir haben den, der kümmert sich darum und so weiter. Entscheiden die sich dann wirklich für dieses Leistungszentrum oder gehen Sie woanders hin, wo alles gemacht wird? Also, das sind die ganz großen Unterschiede. Männerfußball, Frauenfußball. Ich habe von Klein auf wirklich alles gelernt. Mehr schlecht als recht. Also Kochkünste sind da vielleicht nicht ganz so ausgeprägt. Aber generell, Ich weiß, wie man Verträge abschließt. Ich weiß, wie man eine Wohnung sich mietet, und ich weiß auch, wie man die Wäsche wäscht. Wie geht es Dir manchmal?
Joël Kaczmarek: Jetzt mal unabhängig von Männer versus Frauen. Harry Kane verdient 30 Millionen im Jahr, Also ist ja auch sportunabhängig. Ein Vettel hat zu Hochzeiten 60 Millionen verdient im Jahr. Das ist ja irgendwie auch so ein bisschen entrückt. alles, oder? Dieses, was das Geld im Sport macht.
Ariane Hingst: Absolut, absolut. Also ich denke, es ist auch extrem ungesund. Generell bin ich der Meinung, Es ist absolut gerechtfertigt, wenn da wirklich hohe Gehälter gezahlt werden oder Werbeeinnahmen oder so dergleichen, da sind. Denn du gibst schon dein Privatleben komplett auf. Ich habe es ja jetzt so nicht kennengelernt, aber man sieht es. Also deren Privatleben sieht völlig anders aus. Und da dann wirklich auch. hohe... Hohe Gehälter zu verdienen, denke ich, ist generell okay. Wenn man es aber wirklich ins Verhältnis setzt, mit dem Rest der Bevölkerung und in diesen Bereichen, Da stellt man sich schon die Frage, wie viel ist zu viel? Und sollte es da nicht irgendwie auch Obergrenzen geben? So wie sich der Kapitalmarkt dabei irgendwie darstellt, glaube ich, sind wir da meilenweit von entfernt. Und man kann die Diskussion ja auch von dem Sportler ins Wirtschaftsleben übertragen. Die Top-Manager sind deren Gehälter noch gerechtfertigt. Ja, sie tragen einen Haufen Verantwortung, aber sind Millionen Boni gerechtfertigt, wenn Mitarbeiter entlassen werden oder Streichungen und so weiter hinnehmen müssen? Also in welchem Verhältnis sind wir denn dann da? Also ich finde es extrem ungesund, Keine Frage. Aber nicht nur Sport, sondern auch gesellschaftlich diese Disparität. Und mir geht es nicht darum, jeder muss alles gleich kriegen, um Gottes Willen. Ich finde das Leistungsprinzip schon auch gut. In irgendeiner Art und Weise, eine Deckelung zu haben, fände ich deutlich gesünder.
Joël Kaczmarek: Gut, also soviel zu deinem ersten Ding. Mehr Kraft, Athletik und den Effekt verstehen. Was ist das zweite, wo du sagst?
Ariane Hingst: 20? Das zweite, Und da schließt er so ein bisschen an, Tauchen ist das schönste Hobby der Welt.
Joël Kaczmarek: Tauch?
Ariane Hingst: Ja, und ich liebe Tauchen, weil wenn ich jetzt tauchen, gehe, ist so, ach, meine Gelenke tun nicht weh. Du bist im Wasser, Du wirst schwerelos. Es ist alles deutlich leichter. Es ist wahnsinnig toll. Es kann keiner mit dir reden. Das Einzige, was du hörst, sind die Blubberbläschen von deinen Atemgeräuschen. Und dann hast du andere Geräusche gelesen. Das Knistern, wenn du an einem Riff tauchst, hörst du tatsächlich Unterwassergeräusche. Ob es Fischlaute sind, wenn da an den Algen geknabbert wird oder so dergleichen. Wahnsinnig faszinierend. Und ich habe das Tauchen 2008 kennengelernt. Auch natürlich mit einem Fußballkontext. Ich habe in der Zeit in Schweden gespielt und Schweden hat eine andere Saison. Und in Schweden hat es dazu geführt, dass man eine längere Winterpause hat. Also über mehrere Wochen Zeit hat. Sonst zum Rest meiner Karriere, Da habe ich häufig im Sommer mal eine Woche, maximal zwei Wochen gehabt. Im Urlaub. Da musste ich aber schon wieder vorbereiten. Und da wusste ich, okay, ich kann jetzt sechs Wochen wirklich in den Urlaub fliegen. Ich habe mir damals Thailand ausgesucht, wollte eine Rundreise machen. Und meine damalige Mitspielerin Nadine Angerer, benannt Natze, der einen oder anderen Fußballkontext kennt das noch. Die hat mich damals gelöscht und gesagt, Ari, du musst Tauchen gehen. Du bist in Thailand, du musst Tauchen gehen. Und ich hatte da absolut null Interesse dran. Ich hatte auch Angst vor Gehabe. Ich dachte, Oh nee, ich kann doch ein bisschen klaustrophobisch sein. Wassermengen über mir. Also, ich wollte es einfach nicht. Und Natze hat so eine Penetranz an den Tag gelegt, dass ich irgendwann zu ihr hingegangen habe und gesagt habe, Natze, Halt die Klappe. Ich kann es nicht mehr hören. Ich verspreche dir, ich werde es ausprobieren. Ich werde einen Kurs buchen und ich probiere es aus. Aber du darfst nichts mehr sagen. Und ich bin ihr bis heute dankbar, dass Sie so Penetrant war, weil wirklich... Allererste Sekunden, Das erste Mal unter Wasser. Klar, alles neu. Ich fand es so toll. Ich fand es so aufregend und bin begeisterte Taucherin. Und die Tauchwelt hat sich verändert. Ich glaube, vor 20, 25 Jahren hast du noch ganz andere Erlebnisse gehabt. Zum einen natürlich. Die Natur war intakter, aber auch es war noch nicht so weit, verbreitet. Du hattest deutlich weniger Taucher unter Wasser. Du hast Orte bereist, die abenteuerlicher zu erreichen, waren. Heute ist es deutlich einfacher. Und ich hätte das Tauchen gerne ein bisschen früher entdeckt für mich.
Joël Kaczmarek: Geht es dir auch, so? Ich hätte das auf Mallorca gerade gemacht. Mit diesen geilen Schnorchelmasken, die man sich mit Lampen haut.
Ariane Hingst: Ach, hör mir auf,
Joël Kaczmarek: also du denkst wahrscheinlich voll der Noob hier, Aber für mich war das von so mit Schnorchelzug, ey wow, man kann so 360 Grad sehen, schon echt was. Und mir geht es immer, so, Ich finde das offene Meer unfassbar, faszinierend und gleichzeitig unfassbar beängstigend.
Ariane Hingst: Und da schreibe ich eins zu eins, ja, es ist wirklich, weil es gibt ja Tauchorte, Da bist du dann mit deinem kleinen Dinghy, wirst du dann einen Tauchspot gefahren. Vielleicht siehst du irgendwie eine Insel in der Nähe, Manche Spots sind aber auch wirklich sehr remote, und da ist weit und breit irgendwie nichts. Und dann tauchst du in das offene Meer ab und du siehst am Anfang erstmal gar nichts. Das ist schon nicht wirklich Angst, aber es ist schon ein interessantes Gefühl. Und an dem Zeitpunkt, wo du dann runtergehst und den ersten 10-20 Meter siehst du nichts. Und dann Irgendwann siehst du den Grund oder das Riff oder das Wrack, was Du betauchst. Genau, Und dann ist wirklich einfach nur noch Freude da und Spaß. Kommt und dann darauf wartet, dass das Boot ein wieder einsammelt, Dann merkt man schon auch, Wie klein ist man eigentlich hier, Wie ist man der Natur ausgeliefert. Ja, genau diesen Mix unterschreibe ich. 1 zu 1.
Joël Kaczmarek: Ich finde, man ist da irgendwie auch Gast.
Ariane Hingst: Oh, tausendprozentig. Ja.
Joël Kaczmarek: Also ich meine, es ist so, Wir sind schon Teil dieses Ökosystems, Aber du merkst, Die Gesetze hier schreibt nicht ich. So kann man es nicht sagen.
Ariane Hingst: Hundertprozentig, absolut. Also, man ist Gast, man... Man darf die Welt mitentdecken, man darf Zuschauer sein, aber genau, du bist allem ausgeliefert, der Tierwelt, der Pflanzenwelt, Aber natürlich auch Strömungen und dergleichen. Also Du bist ein Spielball der Natur.
Joël Kaczmarek: Bist du schon mal in Gefahr, geraten dabei?
Ariane Hingst: Nein, bin ich nicht. Es gibt natürlich auch, Die Ausbildungen sind in der Regel ganz gut. Ich würde mich selber als auch einen sehr verantwortungsbewussten Taucherin bezeichnen. Und daher, also noch nicht mal kalkuliertes Risiko. Klar gehst du vielleicht auch mal in den Wrack rein, wobei das jetzt nicht meine Spezialdisziplin ist, Ein bisschen klaustrophobisch bin ich dann. Aber auch da hast du ja. Absicherungsmethoden. Ich bin auch schon in eine Situation geraten mit meiner Tauchpartnerin zusammen, Wir waren an einem Riff und haben man das beobachtet. Und in einem kleinen Moment sind wir vom Riff ein bisschen weggekommen. Und wir haben es dann nicht mehr geschafft, zurück zu schwimmen. Und dann waren wir wirklich in so einer Waschmaschine drin. Mit extremen Strömungen. Und dann bist du in einer Sekunde noch auf 10 Meter, Auf einmal sackst du auf 30 Meter ab und dann schießt du wieder auf 5 Meter hoch. Also das war ein unangenehmes Gefühl. Aber das Beste, was du in dem Moment machen kannst, ist ruhig zu bleiben und total zu entspannen. Weil du kannst dich dagegen ankämpfen und irgendwann wirst du auch wieder hochgehen. Und deshalb mit der Ausbildung, mit dem Wissen, was ich hatte, war ich da zum Glück entspannt, bin ruhig geblieben. Und deshalb ist auch wirklich nichts passiert. Gehört dazu.
Joël Kaczmarek: Fast so ein bisschen eine Lebenslektion. Ich habe ein Buch gelesen. Von John Strelecky, Das Café am Rande der Welt. Ist ein ganz verbreitetes Buch. Und da gibt es diese Geschichte, wie die eine Frau erzählt. Wie ihr eine Schildkröte beigebracht hat, entspannter im Leben zu sein. Weil die ging immer tauchen und dann schwamm da eine Schildkröte. Und ich meine, Schildkröten sind jetzt an Land eher langsame Tiere und im Wasser aber relativ. agil. Und die hat sich gewundert, wie kann es sein, dass diese Schildkröte viermal so schnell vom Land wegkommt, wie ich. Was war der Trick? Die Schildkröte hat immer, wenn die Wellen landeinwärts kamen, stillgehalten. Und wenn sie auswärts, ging, gerudert. Also war, so die Lektion dieser Begleitung, Das fand ich sehr smart, wenn du Widerstände im Leben hast, mach dich locker und das, was du ändern kannst, da GiB Gas.
Ariane Hingst: Schöne Geschichte. Da nur Kurz einhaken. Das sind wieder, was wir von der Natur auch lernen können und unter Wasser. Es gibt eine ganz tolle Dokumentation auf Netflix, My Octopus Teacher. Und auch eine wahre Gegebenheit, also die Hörer, Hörerin, guckt Sie euch an. Das ist wahnsinnig spannend. Auch ein Mensch, Extrem viel Stress im Leben gehabt und so weiter. Ich muss mal runterfahren, ist dann Tauchen gegangen, freitauchen, abnötauchen. Und hat einen Oktopus unter Wasser sehen, kennengelernt und den über viele Tage, täglich, Wochen, Monate lang beobachtet. Und da eine Verbindung aufgebaut und extrem viel gelernt. Und da ging es auch ums Thema Entschleunigung und was man alles mitnehmen kann, wieder die Unterwasserwelt oder generell Natur- und Tierwelt, wo wir extrem viel lernen können als Menschen.
Joël Kaczmarek: War das bei dir auch ein bisschen so? Weil du hast eben beschrieben, Gott sei Dank, da bin ich unter Wasser, da kann mich keiner vollquatschen. Anderen Menschen oder vor Stress?
Ariane Hingst: Ja, also. Ich hatte erzählt, 2008 habe ich angefangen. Da hatte ich noch ungefähr so drei Jahre wirklich auf allerhöchstem Niveau und Nationalmannschaftskarriere auch gehabt. Und dann die letzten zwei Jahre, dann noch auch auf Klubebene. Und da habe ich es dann schon geschafft, mir eine Woche Urlaub auch mal freizuschaufeln, wo ich dann tauchen, gehen konnte. Und da konnte ich brutal entspannen. Und im weiteren Leben auch, Da verändert sich der Stress. Und das sind so wirklich für mich. Meine Oasen definitiv. Klar, man kann selbst wählen. Ich kann auch an Land irgendwie dafür sorgen, dass jetzt keiner mit mir redet. Aber da ist es nicht unhöflich, weil es kann ja keiner mit mir sprechen. Am Land musst du dann schon mal erklären, warum ziehst du dich denn jetzt zurück? Warum willst du denn nicht den Sozialkontakt haben? Und da unten bist du ja, du tauchst ja nie alleine, häufig auch in einer kleinen Gruppe zusammen. Aber du bist dann trotzdem in deiner eigenen Welt, was ich extrem schön finde.
Joël Kaczmarek: Okay, also tauchen, sowie deine Meditation lerne ich. Das ist das Dritte bei dir.
Ariane Hingst: Ich muss ja auf den Spickzettel gucken, Welche Einfolge. Ah ja, wir machen einen ganz kleinen Sprung und Cut. Thema Geldanlage. Also nicht, auf diese vermeintlichen Finanzexperten zu hören. Das ist wahnsinnig interessant. In der Zeit, wo ich gespielt habe, habe ich jetzt nicht irgendwelches Vermögenreichtum oder Sowas anhäufen können. Aber sicherlich war auch in meinen jungen Jahren irgendwie 10 Euro im Monat, 20 Euro im Monat, Irgendwann vielleicht auch mal ein bisschen mehr. Sicherlich wäre das kein Thema gewesen, DAS auch... Zur Seite zu legen und zu sparen. Ich war immer ein sparsamer Mensch, Mir haben aber die Hebel und das Wissen und die Informationen gefehlt, was macht man denn am besten? Wenn man mich jetzt googelt, dann kommt raus, dass ich gelernte Bankkauffrau bin, Deshalb finde ich das nochmal beschämender, dass ich da nicht genug wissen hatte, wie man das macht. Natürlich war damals die Finanzwelt auch noch ein bisschen eine andere. Und dann kommen die Klassiker in jungen Jahren, ja, Machst du eine Lebensversicherung oder meinetwegen einen Bausparvertrag? Und eigentlich habe ich erst so in den letzten 1-5 Jahren mich individueller damit auch beschäftigt. Und ja, aber so vor 10-15 Jahren, wo man dann ein bisschen Geld hatte, was mache ich denn? Dann gehst du zum Finanzenxperten und der sagt dir dann, Dieses Produkt ist extrem gut, da kannst du reininvestieren. Und leider gehöre ich jetzt auch zu den Menschen, die sehr naiv sind, die sehr schnell jemandem glauben. Wenn die mir sagen, das ist gut, dann wird es auch gut sein. Und wenn die doch die Experten in diesem Markt sind und ich mittlerweile festgestellt habe, also Das Geld hätte ich wirklich deutlich besser anders anlegen können und besser spät als nie. Ich habe jetzt ein bisschen mehr Wissen, eigne mir auch mehr Wissen an, Aber es hätte schon nicht schlecht getan, auch vor 25 Jahren schon anders Geld zu sparen. Nicht das Geld deswegen, aber, um eine Unabhängigkeit zu haben, um eine Absicherung zu haben und dergleichen. Da hätte ich gerne früher mit angefangen.
Joël Kaczmarek: Ich finde bei den Finanzexperten irgendwie immer schwierig, dass die Halt eine Inzentivierung haben, dir bestimmte Produkte zu verkaufen. Wenn sie neutral wären und sagen würden, ich berate dich auf deiner Basis, was ist ja anscheinend? Auch gewusst, ich gar nicht, dass es auch Leute gibt, Dann zahle ich denen für die Stunde Geld und die stellen mir was zusammen, okay. Dann hast du einen ganz anderen Geschmack. Aber wenn du da hingehst und dann sagst du hier so Bauchververtrag, dann denkst du so, hä? Wenn dann so 70-jährigen Frauen eine Lebensversicherung verkauft wird, ja?
Ariane Hingst: Ja, ja.
Joël Kaczmarek: The heck?
Ariane Hingst: Genau, Und das Spannende ist ja, also, man geht ja nicht zu den Finanzexperten. Also klar weiß man ja, da ist eine Leistung, die erbracht wird, Die will ich auch bezahlen. Und natürlich, dass da irgendwelche Kosten dann auch vorhanden sind. Aber wirklich dann jetzt mal zu sehen, wie ich Geldanlagen hatte in irgendwelchen Fondsmanagement-Bereichen. Und natürlich kriegt man die Aufschlüsselung, was das jährlich kostet. Aber da habe ich mich nicht genug mit beschäftigt. Und jetzt mit deutlich mehr Wissen, auch selber mal ein bisschen Geld anders anzulegen. Und dann gucke ich mir ein, wie viel ich auf die Jahre an Tausenden von Euro gezahlt habe. An Gebühren. Und da denke ich mir, boah, Wahnsinn. Also wirklich, Ich zahle gerne, wenn ich gut beraten werde, einen Einstieg oder einen Stundensatz oder so. Ja, Aber leider Gottes ist die Finanzwelt vor allem in der Vergangenheit nur so aufgestellt gewesen. Ich muss ja dauerhaft an einem Produkt verdienen, und das ist nicht individuell, sondern wo kann ich einfach auch Geld mitverdienen? Bin ich auch eine von denen gewesen, die da eher drauf reingefallen ist.
Joël Kaczmarek: Erlebst du das Thema? Finanzvorsorge für Frauen noch mal schwieriger als für Männer?
Ariane Hingst: Ja, auf jeden Fall. Ich meine, Jetzt passt es auch mit Viktoria Berlin. Jetzt haben wir mit Scalable Capital dann einen Partner an unserer Seite gefunden, der auch gerade das Thema Finanzen für Frauen extrem noch mal pushen will. Und es gab auch schon die ersten Workshops mit unseren Spielerinnen, die so dankbar und froh waren. Einfach wissen, über das Thema zu haben, sich auch mal austauschen zu können und einfach andere Möglichkeiten zu geben. Ich glaube leider Gottes ist es in der heutigen Gesellschaft immer noch so, Dass viel zu viele Frauen sich damit nicht beschäftigen, Weil der Ehemann hat es gemacht. Oder es ist ein leidiges Thema. Oder ich will mit Zahlen auch nicht. Oder wie beschäftige ich mich? Oder auch Heutzutage in Deutschland, Wir reden ja nicht über Geld. Entweder ist der Neid da oder man will bloß nicht wissen, irgendwie austauschen. Oder man will vielleicht auch nicht zugeben, dass man eine Wissenslücke hat. Und ich spreche auch immer wieder mit der Mama. Und die sagt auch so, mir ist das so anstrengend, Eigentlich will ich mich gar nicht drum kümmern. Ja, aber du musst ein bisschen, dann probiere ich dir so ein bisschen zu helfen. Ich glaube, dass da noch extrem viel Aufholbedarf ist. Du kannst dich selber drum kümmern. Das ist übrigens gar kein Hexenwerk. Mit gezieltem Training kannst du relativ schnell das deutlich besser verstehen, Das Thema. Und ich glaube, dann werden es auch viel mehr Menschen machen.
Joël Kaczmarek: Was ist heute so? Deine? Philosophie? Also, wenn Du es nochmal in die Vergangenheit bieben könntest, was würdest Du da investieren? Unter der Prämisse, dass es vielleicht damals die gleichen Anlagen gibt wie heute?
Ariane Hingst: Ja, klar, bist du da in dem Thema ETFs auch natürlich anders. Vor allem würde ich solche Produkte wählen, wo die Verwaltungskosten, die jährlichen Gebühren und Kosten, die anfallen, Deutlich geringer sind. Wirklich diese Streuung auch zu haben, im Aktienmarkt drin zu sein, Aber auch die Sicheren im Anleihenbereich. Thema Immobilien auch anders anzugehen. Was für Möglichkeiten hat man da denn eigentlich? Also diese breite Streuung, da anders zu haben. Ich bin ein Mensch, der jetzt zum Glück auch nicht risikoscheu ist, also ein Teil des Geldes, Da sage ich okay, ich freue mich, wenn am Ende da doch ein Plus rauskommt, Aber wenn ich dann Verlust habe, ist es für mich jetzt auch nicht weniger tragisch, aber wirklich anders. Aufgestellt und gestreut aufzustellen zu sein. Und ich freue mich auch immer noch, dass ich eine Lebensversicherung habe. Keine Frage, in ein paar Jahren, Da kommt gutes Geld raus. Aber es gibt halt nicht nur diese Lebensversicherung oder diesen gemanagten Fonds, der mir zwar einen Gewinn eingebracht hat, Aber wo ich viel zu viel Geld gezahlt habe, was ich nicht hätte tun müssen.
Joël Kaczmarek: Okay, dann bist du ja richtig ein Pro jetzt hier.
Ariane Hingst: Ich wünschte, nee, also, ich bin weit davon entfernt, Aber ich bin einfach offener und probiere Dinge auch mal anders aus. Natürlich hat man auch andere Möglichkeiten. Du machst das Internet auf und du kannst dir anderes Wissen aneignen. gelernt, auch das Internet nicht einzuleiten. Beim Internet fällt es mir leichter, da glaube ich nicht direkt das, was ich sehe. Bei Menschen bin ich, wie gesagt, da falle ich leichter drauf. rein, da bin ich naiver unterwegs, aber da, wenn ich im Internet unterwegs bin, befasse ich mich mit dem Thema kritischer und probiere mich da, so ein bisschen mehr einzulesen. Und ich glaube, dass man heutzutage auch andere Möglichkeiten hat, da auch mehr aufgeklärt zu werden.
Joël Kaczmarek: Na gut, also von Kraft über Tauchen zu Geld. Was ist deine Nummer vier?
Ariane Hingst: Oh, super Punkt. Das ist das Schönste mit einem Altern. Gelassenheit. Je älter, man wird, desto gelassener wird man in vielen Themen. Also gerade, Ich habe es nochmal in Anführungsstrichen geschrieben, du kannst nicht jedem gefallen. Ich glaube, in jüngeren Jahren war es bei mir deutlich ausgeprägter, vielleicht nicht unbedingt nach außen, aber so nach innen. Was denken andere Menschen von mir über mich? Wie reagieren Sie auf bestimmte Dinge? Gar nicht unbedingt das Bedürfnis zu haben, ich muss gefallen und ich muss toll sein, aber eine deutlich größere... Unsicherheit und mich mehr davon ableiten lassen, wie mich andere Menschen beurteilen. Interessanterweise ein Unterschied, ob ich im Fußball unterwegs war oder im Privatleben. Also da konnte ich deutlich besser differenzieren. Und je älter, man wird, also ich denke, dass du es auch unterschreiben, wirst, So viele Dinge sind einem einfach deutlich mehr egal. Ja, dann, sagt er halt, was über mich. Wir Menschen werden immer den anderen gefallen wollen. Wir sind soziale Wesen, aber... Ich gehe mit so vielen Dingen so viel gelassener um und das ist, Es entspannt das Ganze. Finde ich so toll.
Joël Kaczmarek: Meine Mama hat immer zu mir gesagt, ein Drittel mag dich, ein Drittel kann dich nicht leiden, ein Drittel bist du egal.
Ariane Hingst: Ja, gute, Gute Aufteilung, ja. Konntest du das damals als in jungen Jahren auch umsetzen und sagen, ist so?
Joël Kaczmarek: Nee, Wahrscheinlich irrt es sich auch. Ich würde sogar fast tippen, dass du wahrscheinlich 80 Prozent egal bist.
Ariane Hingst: Ja.
Joël Kaczmarek: Also die Leute, die dich nicht leiden können, Das ist ganz klein und die, die dich leiden können, wahrscheinlich auch.
Ariane Hingst: Ja.
Joël Kaczmarek: Also, wenn du ein gutes Leben führst, mögen dich sehr viele Leute, aber... Man staunt, wie viele Menschen sich eigentlich eher für sich selbst interessieren.
Ariane Hingst: Ja.
Joël Kaczmarek: Und als du gerade gesagt hast, so gehen wir gar nicht so sehr darum, anderen zu gefallen, haben mir so die Fortsetzung im Kopf. Ja, aber manchmal wahrscheinlich so ein bisschen, dass man versucht, den anderen nicht nicht zu gefallen.
Ariane Hingst: Ja.
Joël Kaczmarek: So, ne?
Ariane Hingst: Sehr gut formuliert, ja. Das wahrscheinlich noch mehr.
Joël Kaczmarek: Und ich finde es manchmal ganz lustig, Also, wie viele Leute sich auch auf Erfolg verwehren oder Dinge auszuprobieren? Mit der Begründung, Was würden denn die Nachbarn sagen?
Ariane Hingst: Ja.
Joël Kaczmarek: Einfach nur Satz.
Ariane Hingst: Ja, ja, auf jeden Fall.
Joël Kaczmarek: Aber das haben viele, glaube ich.
Ariane Hingst: Ja, definitiv. Ich glaube, je jünger, man ist, Ist es mehr so, Was sagen die nach der Mauer oder wie denken die? Oder Entscheidungen wurden, Glaube ich, auch von meiner Seite vielleicht vermehrt getroffen. Wie reagiert die Familie? Wie reagiert der Freundeskreis? Während heute, natürlich hat man so seinen engen Kreis, wo man sich sicherlich auch nochmal fragt. Aber ich mache heute viel häufiger. Auch Dinge, probiere es auch einfach mal aus. Und ich kann ja eh, nicht... Einfluss drauf nehmen, wie andere darauf reagieren. Sondern einfach mehr, mich selbst zu reflektieren. War das jetzt gut für mich? War das schlecht für mich? Wie gehe ich selber damit um? Und es ist total spannend, diese Reise dann nochmal zu machen.
Joël Kaczmarek: Was glaubst du, wenn Du sagst, Gelassenheit ist so ein Stück weit ein Symptom des Alters? Woher kommt die? Ist es so Lebenserfahrung? Oder muss ich wie du zweimal einen Weltmeister gewinnen?
Ariane Hingst: Nee, weil im Sport. Da habe ich deutlich weniger Gelassenheit als im nicht sportlichen Kontext. Ich glaube, das ist wirklich das Thema. Erfahrung, Die man sammelt. Und ich glaube, auch mit 20 Jahren kannst du gar nicht so gelassen sein. Da fehlt dir zum einen die Lebenserfahrung, und du bist natürlich auch anders drauf. Man blickt, glaube ich auch anders aufs Leben. In unseren Jahren bist du jetzt ungefähr bei der Hälfte des Ganzen angekommen. Was ist denn eigentlich gerade wichtig? Wo willst du deine Prioritäten setzen? Ich möchte meine Zeit wirklich nicht mit Menschen verbringen. Die nicht gut für mich sind. Und ich glaube, man nimmt das Ganze auch anders wahr, weil man andere Prioritäten hat und setzt und auch eine andere Achtsamkeit drauf hat. Ich glaube, das ist das Entscheidende.
Joël Kaczmarek: Zu mir hat so ein Soldat, was interessantes gesagt. Der hat ja wirklich 15 Karrieren gehabt oder so. Angefangen eigentlich Schule, dann irgendwie Lehre, dann nochmal Abitur nachgemacht, dann beim Bund, dann irgendwie auf einmal Flieger geworden. Crazy. Und dann hat er diesen schönen Satz gesagt, ja, dein erster Job muss nicht der sein, der dich reich und glücklich macht. Und ich finde, In jungen Jahren spürt man noch einen viel größeren Druck. Und der Mindset-Coach, mit dem ich gestern geredet habe, hat gesagt, die erfolgreichsten Menschen, die er sieht und immer bedenken, Der hat sozusagen einen krass kleinen Filter, Top 5 in ihrer Branche. Irre wird sich klein, aber die meisten von denen sind in den 50ern. Ich weiß nicht, wie es dir so geht, aber ich hatte immer den Eindruck, alles klar, 20, jetzt musst du racken. Ab 35 wird es dann ruhiger und das ist eigentlich gar nicht so.
Ariane Hingst: Hundertprozentig. Dann hast du die Schule beendet, Egal ob Realschluss oder Abitur oder was auch immer. Und dann so die Erwartungshaltung, was machst du denn jetzt mit deinem Leben? Du musst doch wissen, welchen Beruf wählst du, Deine Karriere, wo geht die lang, so geradlinig. Und da schreibe ich komplett und ich finde es auch wahnsinnig spannend. Mir hat das da auch sehr den Horizont geöffnet, erweitert. Ich war auch anderthalb Jahre in Australien unterwegs. Zum Ende meiner Fußballkarriere konnte das so ein bisschen verbinden. Und da sind wir Deutschen auch wahnsinnig extrem. Also das verändert sich ja zum Glück, aber gerade in der Vergangenheit, wenn du in Deutschland einen Lebenslauf hattest, wo du fünf verschiedene Jobs hattest, Dann wurde das nicht als positiv gesehen. Im Sinne von, boah, Wie viele unterschiedliche Erfahrungen hast du denn? Du hast dich, als Mensch verändert, Hast es denn auch deinem Leben angepasst? Sondern da war eher die Frage, wieso hast du denn? Fünf verschiedene Jobs? Hat dich keiner länger genommen? Wurdest du rausgeschmissen? Hast du es nicht ausgehalten? Bist du nicht beständig? Du passt ja nicht zu uns rein. Währenddessen in Australien war von Anfang an das total in Ordnung, fünf, zehn verschiedene Jobs zu haben, auch zu sagen, okay, Ich arbeite jetzt zwei Jahre richtig hart und dann nehme ich mir eine Auszeit für ein halbes Jahr, bereise unser wunderschönes Land, und dann suche ich mir den nächsten Job. Und ich glaube, da hast du auch ganz große kulturelle Unterschiede. Und wie gesagt, ich finde, Das bricht in Deutschland auch mittlerweile deutlich mehr auf. Und das ist auch deutlich gesünder. Also, wir verändern uns auch. Wir haben andere Interessen. Oder mit 20 weiß ich doch noch gar nicht, wo sind alle meine Interessen oder so. Wo sind meine Stärken? Und bleib doch auch offen. Selbst wenn ich es vermeintlich weiß, probiere dich doch aus. Manche Dinge hast du noch gar nicht kennengelernt. Wo willst du dann eigentlich? wissen, ob es nicht? Was gibt, was dir viel mehr Spaß macht? Ich bin jetzt nicht gescheitert, sondern einfach, Ich habe was gemacht, aber das passt gar nicht zu mir. Aber ich bin froh, es ausprobiert zu haben, und jetzt suche ich mir aber was anderes, was viel mehr meinen Interessen entspricht oder meinen Stärken oder dergleichen. Das ist in der Wissenschaft auch so,
Joël Kaczmarek: dass Falsifikation fast wertvoller ist als Verifikation. Ich weiß, was du meinst. In Israel haben die gesagt, die Top-Investoren, Wir finanzieren nur Gründer, die schon ein-, zweimal gescheitert sind.
Ariane Hingst: Ja, auf jeden Fall.
Joël Kaczmarek: Ich weiß auch, warum, weil du da natürlich die dummen Fehler schon mal gemacht hast, da gebe ich dir recht, Das ist manchmal wirklich wie so Kultur, da wirkt. Wie war es bei Dir sonst? Hast du viel Druck im Leben? empfunden, auch wenn man so eine Karriere baut wie du?
Ariane Hingst: Nee, tatsächlich nicht. Man hat ja wieder dieses Spannende, gerade wenn es über Leistungssport zu sprechen, Da ist jeder natürlich auch unterschiedlich. Aber die meiste Antwort, die man ja immer wieder hört, ist, Der Druck, den man sich selbst macht, ist immer der größte. Und das ist auch so, und das war für mich auch so. Und da ist man halt in diesem Bereich, Warum ist man denn erfolgreich? Ich glaube, du kannst nur erfolgreich sein im Leben, wenn du ein Ziel hast. Und wo will ich denn eigentlich hin ohne Ziel? Hast du keinen Erfolg, weil dann treibst du ja irgendwo dergleichen. Und dieses Ziel muss natürlich auch extrem hoch gesteckt werden, Natürlich mit der Gefahr, dass ich auch scheitern könnte. Komme ich vielleicht genau Top Ten, aber ich hätte eigentlich vielleicht noch besser sein können. Und ich glaube, das ist dann, was man dann natürlich mitnimmt, den Druck, den man sich selbst macht. Und für mich war es dann so gewesen, ich will immer das Maximale aus mir ausholen. Und manchmal ist es einem gelungen und manchmal ist es sicherlich nicht gelungen. Und das war viel entscheidender. Und ja, natürlich ab und zu kriegst du es dann von außen mit. Ich glaube, das beste Beispiel war für uns, die 2011, haben wir die Weltmeisterschaft zu Hause in Deutschland gehabt. Und da war sicherlich ein Druck von außen da. Und eine Erwartungshaltung, Ich glaube, dass es aber vielmehr war auch eine ganz andere Öffentlichkeit, wo wir nicht darauf vorbereitet waren, was wir nicht erwartet hatten. Und das kann man dann natürlich vielleicht auch mit Druck vergleichen. Und daran sind wir dann gescheitert, weil wir mental nicht darauf eingestellt waren und damit sicherlich auch nicht umgehen konnten. Aber für mich war es wirklich eher, Was habe ich mir selber als Ziel gesetzt, wie bin ich da mit Druck umgegangen? Und ja,
Joël Kaczmarek: also, ich bin da echt entspannt unterwegs. Das ist ja mal eine spannende Frage. Verträgt sich Gelassenheit mit Leistungssport? Also wenn du auf dem Platz bist und hast so eine, jetzt nicht, leck mich am Arsch Stimmung, Aber so ein bisschen lockerer sein, ein bisschen in dir ruhend, Kannst du trotzdem dann hohe Leistungen bringen?
Ariane Hingst: 100%ig Teilweise glaube ich sogar besser. Und ich glaube, das merkst du dann auch erfahrene Sportler, Die gehen anders um. Also, natürlich haben sie Erfahrungen gemacht, Sie hatten deutlich mehr Misserfolge, dann auch mal dabei oder haben die Fehler gemacht oder konnten damit umgehen. Wenn du ein junger Sportler bist, hast du dein Ziel, und jetzt machst du den Fehler. Und im Fußballkontext, keine Ahnung, Du verursachst das Gegentor und Du verlierst, weil du diesen Fehler gemacht hast. Jetzt hast du zwei Möglichkeiten, Entweder zerbrichst Du da dran und kommst ins Negative oder Du sagst, okay, Ich habe den Fehler gemacht, Ich muss ihn aber ganz schnell abhaken. Und da bist du dann bei dem Thema Gelassenheit. Die Person, die es schneller schafft, diesen Fehler abzuhaken, Weil den kannst du ja nicht mehr verändern und diese gewisse Gelassenheit mitzubringen. Die wird schneller erfolgreich sein. Und deshalb glaube ich, Eine gesunde Mischung ist sehr, sehr hilfreich. diesbezüglich. Oder, keine Ahnung, Spielst Du vor 500 Zuschauern oder spielst Du auf einmal vor 80.000 Zuschauern? Wenn Du diese Gelassenheit in dir drin hast, dann sind diese 80.000 eher euphorisierend für dich. Die pushen dich eher nach vorne und nicht im Sinne von, Oh, Gott, alle gucken mir jetzt zu. Und was mache ich denn damit? Also von daher, ja, Sie muss nur im richtigen Kontext sein und angewendet werden.
Joël Kaczmarek: Wie war das so bei dir? Weil ich habe das auch von Leuten, die sich professionell damit beschäftigen, was erfolgreiche Menschen erfolgreich gemacht haben. Nach einem Sport kam öfters mal dieses Leute, die schneller Niederlagen abhaken können. Und Fehler. Wie ist dir das gelungen?
Ariane Hingst: Unterschiedlich und da auch wieder sicherlich zum Ende der Karriere. schneller, besser, leichter. Genau, es war sicherlich auch ein Prozess, aber generell, Und das ist auch wieder so dieses Schöne am Teamsport natürlich, Warum ich es einfach liebe, Wenn ich einen Fehler mache, habe ich eine Mitspielerin neben mir. Die die Chance hat, Diesen Fehler wieder wettzumachen. Ob es eine Spielsituation ist, Ich verliere den Ball, die erkämpft ihn zurück. Oder, Keine Ahnung, Ich habe ein Gegentor verschuldet, Aber eine Stürmerin schießt dann den Ausgleich. Zum Beispiel. Also das eine, jemanden neben mir zu haben, der diesen Fehler auch ausbügeln kann. Und auf der anderen Seite auch für mich die Freude, Eine Mitspielerin macht einen Fehler. Und ich bin in der Lage, diesen auszubügeln oder ihr zu helfen, sie zu unterstützen. Dieses Zusammenspiel ist eines der schönsten Gefühle, was man irgendwie auch haben kann. Deshalb glaube ich, dass ich relativ früh auch schon gut damit umgehen konnte. Aber natürlich, je mehr Erfahrung, desto leichter ist es mir dann auch gefallen.
Joël Kaczmarek: Ich erinnere mich immer an die Situation, ich bin ja ein großer Formel 1 Fan. Und dann gab es diesen Wettbewerb. Ferrari gegen Mercedes. Sebastian Vettel will hier das erste Mal den roten Titel wiederholen. Dann ist der in Hockenheim bei Regen ins Kiesbett gerutscht. Boah, Das war ein Schmerz. Dann kamen die Mal auf den Zu und haben gesagt... Stimmt sein Mindset nicht, ist mit der Einstellung, Was so ist, dass er Fehler macht. Und er hat da recht grantig darauf reagiert und gesagt, ich weiß nicht, was Ihr von mir wollt, Ich arbeite mit den besten Leuten der Welt, und ich glaube, mein Mindset ist schon ziemlich okay. Und ich habe mich dann immer gefragt, Wie sieht Sowas aus? Also Welche Mentalität verbindet sich mit dem Thema Fehler? abhaken? Hast du für dich da, was entwickelt oder war das so ein bisschen ein natürlicher Prozess, dass das mit der Zeit einfach kam?
Ariane Hingst: Ich glaube, das ist auch so ein natürlicher Prozess. Aber auch, was für ein Umfeld hast du? Wie reagiert denn dein Trainerteam darauf? Und generell glaube ich, dass der Sport eine richtig gute Fehlerkultur hat. Auch Dinge anzusprechen. Ich glaube, das fehlt im Alltag noch deutlich zu sehr. Und da sind wieder die Dinge, wo man vom Sport extrem viel lernen kann. Wir als Sportler wissen, dass Erfolg, Misserfolg steht und fällt mit Fehlern. Ohne Fehler würde jetzt im Fußball jedes Spiel 0 ausgehen, ist total langweilig, will keiner. Die gehören also dazu. Das heißt, von Klein auf Lernst du eigentlich, wie gehst Du mit diesem Fehler um? Es ist klar, dass ich den Ball verlieren werde, dass ich einen Zweikampf verlieren werde. Aber vielmehr die Frage, warum habe ich ihn denn verloren? Und dann gibt es zwei Antworten. Entweder, weil ich nicht gut genug war, weil ich nicht die Fähigkeiten, die ich vielleicht habe, angewendet habe, weil mir vielleicht aber auch ein Wissen gefehlt hat. Also, ich muss meine Technik meinetwegen noch... verfeinern. Ich kann den Ball noch nicht richtig gut stoppen, also, es ist etwas, woran ich arbeiten kann, Aber auch die Erkenntnis, das lernst du auch recht zügig, recht schnell. Ich habe alles richtig gemacht und trotzdem verliere ich den Ball, weil mein gegenüber besser war. Und das auch anzunehmen und zu akzeptieren. Und sagen, okay, ich. Selber konnte es jetzt vielleicht nicht verändern, Aber wie können wir als Mannschaft das vielleicht anders abfangen? Und das lernt man eigentlich von... Klein auf im Sportgeschäft und verfeinert durch Rückmeldung vom Trainerteam oder von Mitspielerinnen. Und auch der kritische Umgang mit sich selbst. Also jeder Sportler kennt Selbstkritik, dieses Feedback. Sportler wollen Feedback. Was habe ich? Sie wissen es teilweise selber, aber auch von außen. Wie war das denn? Aber warum war es denn so? Was kann ich anders machen? Wir lächzen danach. Und das ist etwas, wo ich auch immer... Freude drin habe, das zu probieren, in die Außenwelt ein bisschen weiter rauszutragen. Weil Fehlerkultur in Deutschland, Es wird besser, Aber es ist ja immer noch nicht so leicht, das Menschen zu geben. Ich habe einen Fehler gemacht, wie kann ich aber daraus lernen?
Joël Kaczmarek: Ey, weil dieses, Ich habe alles richtig gemacht und trotzdem verliere ich, das stelle ich mir richtig schwer vor.
Ariane Hingst: Tausendprozentig, absolut. Und im ersten Moment ist es auch, also keine Ahnung, Du verlierst und du hast ein richtig gutes Spiel gemacht und du verlierst. Ist es scheiße? Magst du nicht? Tut weh. Da ist sicherlich auch eine Trauer da. Und wenn du dann aber mit Abstand einfach guckst, wie war es denn? Habe ich alles gegeben? Ja, ich habe alles gegeben. Dann hast du trotzdem eine Zufriedenheit, weil das ist enorm wichtig. Das war mir zumindest immer wichtig. Ich wollte vom Platz gehen und auf ein Turnier beenden und gesagt haben, Ich habe alles Menschenmögliche in dem Moment gemacht, was in dem Moment von mir 100% waren. Und wenn das der Fall war, habe ich trotzdem eine Zufriedenheit. Und dann gehört es, und das ist wieder der Sportsgeist. natürlich, dann gehört es für mich dazu. Leistung andere anzuerkennen. Die sind besser. Ich weiß, es gibt auch andere Beispiele. Dieses Klassiker als Kind, Ich konnte nicht verlieren, und dann schmeiße ich die Spielfiguren vom Tisch. Fand ich fürchterlich, konnte ich nie was mit anfangen. Aber er hatte ja auch seine Berechtigung. Aber ich gehöre wirklich zu den Menschen. Ich kann andere Leistungen wirklich anerkennen, Auch wenn es bedeutet, dass ich in dem Moment verloren habe. Und die anderen waren besser. Dann bin ich stolz drauf, was ich geleistet habe und sage wow, Wahnsinn, was du geschafft hast.
Joël Kaczmarek: Da gibt es aber auch immer, so Krasse. Beispiele, weil. Ich habe mal mit dem erfolgreichsten Pokerspieler der Welt gesprochen, der hat genau das selber, erzählt. Ganz oft spielst du die Hand ideal. Du kannst gar nichts falsch machen und verlierst trotzdem. Und das ist nicht selten so, sondern häufig, so. Und es gibt ja auch immer diese Roger Federer-Geschichten. Wie viel Prozent seiner Aufstiege hat der gewonnen und wie viel Prozent seiner Spiele? Und dann hast du gemerkt, er hat eigentlich fast jeden zweiten Punkt, glaube ich, verhauen. Aber er hat halt die Entscheidenden gewonnen und hat an den entscheidenden Momenten, wenn er einen Fehler gemacht hat, schnell die Lösung gefunden. In diesen 15 Sekunden, kennst du das? Ganz geil. Der hat immer gesagt, ich gebe mir 15 Sekunden. 5 Sekunden, um mich zu ärgern. 5 Sekunden, um zu überlegen, was ich das nächste Mal anders machen kann. Und 5 Sekunden, um mich zu freuen, dass ich gerade gewachsen bin. Das ist eine geile Haltung, irgendwie.
Ariane Hingst: Hundertprozentig, genau. Da bist du ja bei dem, die wirklich guten zeichnet, aus, schnell abhaken, weitermachen, daraus lernen. Ich meine, wenn du es innerhalb von 15 Sekunden sogar direkt umsetzen kannst, ist ja fantastisch, Deshalb war er so erfolgreich. Aber natürlich auch in der Nacharbeitung, nach dem Spiel, Was war es denn? Das sind die Unterschiede zwischen. Ich bin gut oder ich bin wirklich Weltspitze.
Joël Kaczmarek: Was würdest du sagen, manchmal hat es auch mit Nischen zu tun. Was war so dein Aspekt, der Dich in die Weltspitze gebracht hat?
Ariane Hingst: Ich glaube, der unendliche Ehrgeiz. Ich war sicherlich eine sehr gute Spielerin. Es gab aber auch in meinem Jahrgang selbst in Berlin ein, Zwei Spielerinnen, die waren besser als ich. Die hatten aber nicht den Willen, den ich hatte. Und dann bist du wieder bei, weil Ehrgeiz schlägt, Talent sozusagen. Ganz kleine Anekdote. In der Schule, Deutschunterricht, Man fängt an mit Diktaten. Und irgendwann schreibst du diesen ersten Aufsatz in der dritten Klasse oder so dergleichen. Was möchtest du später einmal werden? Was ist dein Berufswunsch? Ich habe aufgeschrieben, ich möchte Fußballprofi werden. Ich wusste nicht, was das bedeutet, aber ich wollte. Ich wollte nur Fußball spielen. Ich wollte erfolgreich sein. Irgendwann habe ich Fernsehen gesehen, Da gibt es eine Nationalmannschaft, Da gab es die Frauen noch nicht mehr, da gab es die Männer. Ich habe gedacht, ich kann auch in der Männernationalmannschaft spielen. Habe es ja nicht kapiert. Erfolgreich gemacht. Ich wollte, ich bin zur WM gefahren. Ich will gewinnen. Ich will Weltmeister werden. Und habe trotzdem dauerhaft diesen Spaß dabei gehabt. Und ich war bereit, Sacrifices einzugehen. Ja, verzicht gehört dazu. Ich wusste, wie gesagt, ich habe meine Familie häufig nicht gesehen. Die Geburtstage, die ich verpasst habe, die, weiß nicht, Ostern, was gefeiert wurde, wo ich nicht da war. Meine Abiturzeit, Ich habe die Abifeier verpasst. Ich habe die Prüfungsphasen irgendwie verpasst. Das gehörte dazu. Ich konnte nicht in den Urlaub reisen, wie ich wollte. Das waren dann Verzichtsmomente, um diesen Erfolg zu erreichen. Und dann, wenn es erfolgreich war, dann konnte ich auch Party machen. Ich konnte es aber nicht davor. Ich musste halt andere Zeiträume haben, und da war ich bereit, einfach alles zu geben.
Joël Kaczmarek: Was ist denn in der Crunch-Time? Also USA, Brasilien, Spanien, Die haben ja auch alle Leute, die sagen, ich will Wettmeister werden, Ich hack mir hier einen linken Zeh ab oder so. Hast Du da so ein Feeling gehabt, was es dann auf den letzten Metern ist?
Ariane Hingst: Ich glaube, das war wirklich wahnsinnig spannend. In Deutschland. Diese Mentalität, die nochmal anders ist. Gerade auch in der Zeit, wo wir erfolgreich waren. So 2003. bis 2007 mit Weltmeistertitel. Auch verteidigt ist das falsche Wort, aber zweimal hintereinander, das zu gewinnen. War auch eine Phase, wo Schweden, Ich weiß nicht, wir haben, glaube ich dreimal im Finale gegen die gestanden. Haben Sie zweimal mit Golden Goal besiegt. Die Schweden waren wahnsinnig gut. Aber wir Deutschen hatten eine andere Mentalität. DA War wirklich... Das letzte Funken nochmal anders rauszuholen. Und das war, glaube ich, Der Unterschied, der dann da war.
Joël Kaczmarek: Spannend. Eins fehlt noch.
Ariane Hingst: Es ist schon am Ende. Es ist wahnsinnig schwer. Ich muss mich wirklich zwischen zwei entscheiden. Vielleicht kann ich einen kleinen Spaß Plus One am Ende dazu fügen. Sprachen lernen tatsächlich. Ich habe in der Schule, klar, man hat Englisch gelernt und ich hatte dann auch französisch gehabt. Und Boah. War das eine Vollkatastrophe, und diese Vokabeln, wozu eigentlich? Und man hat die Anwendung nicht gesehen, habe ich im Englischen auch nicht gesehen, Das kam dann erst später mit meiner Karriere dazu. Und da ist eigentlich nichts übrig geblieben. Und ich hätte gerne, weil es natürlich mit jüngeren Jahren einfacher fällt, Sprachen anders gelernt noch, also Französisch und Spanisch, Das sind zwei Sprachen, die ich gerne noch sprechen würde. Und das kommt mit der Erkenntnis im Laufe der Jahre durch den Fußball, Viel gereist, dann, viel kennengelernt. Jetzt, in meinem Privatleben, ich liebe es zu verreisen, auf vielen Ländern dieser Erde, in vielen Ländern dieser Erde unterwegs gewesen. Jetzt auch vermehrt im Fußballkontext mit FIFA-Reisen unterwegs. Und da sieht man klar, Englisch kann jeder, das kann ich auch perfekt, aber spanisch zu sprechen, ist jetzt auch nicht so verkehrt oder französisch. Und das hätte ich gerne. gehabt, um auch nochmal eine andere Möglichkeit der Kommunikation zu haben. Gerade ich war im März im Urlaub in Kolumbien mit meiner Freundin zusammen und wir können beide kein Wort. Spanisch. Und wir haben gesagt, okay, wir reisen trotzdem hin. Wir haben uns dann eine kleine Unterkunft, Homestay im Amazonas besorgt. Und ja, die Leute sprechen halt einfach nur Spanisch. Und wir hatten einen Übersetzer gehabt für Ausflüge und dergleichen. Aber diese Familie war so toll. Wir haben zwar kein Wort verstanden, aber sie haben sich trotzdem die ganze Zeit mit uns unterhalten. Wie schön wäre es, wenn ich doch Spanisch sprechen und verstehen könnte. Dann hast du einfach eine andere Nähe zu Menschen. Und ja, das hätte ich gerne früher gemacht und gelernt. Ich weiß, ich könnte es heute auch noch machen, aber boah, Das fällt schon deutlich schwerer, Jetzt mal eine Sprache zu lernen.
Joël Kaczmarek: Das ist so ein Thema, was mich immer so wurmt, weil ich würde mir das manchmal wünschen, So wie bei den Matrix-Filmen früher. Wenn einer so am Computer sitzt, dann hat er die Fähigkeit beherrscht. Weil ich mir so denke: Boah, es gibt so viele Sprachen, die ich schön finde. Ich finde arabisch, klingt schön, Russisch ist irgendwie spannend, Spanisch... Mir geht's da so wie du. Ich hab auch manchmal darüber nachgedacht. Ich dachte so: Okay, kannst du Lateinamerika jetzt schon mal abhaken? Sprichst ja kein Wort, bist dann der Pampa und dann kannst du nicht... Ne?
Ariane Hingst: Ja. Aha.
Joël Kaczmarek: Aber es ist halt so Fucking schwer, das nachzuholen.
Ariane Hingst: Ja.
Joël Kaczmarek: Ich hatte es ja mal gesagt, bekommen: Der Gründer von StudiVZ hat mir das lustigerweise mal beigebracht. Der Techie von dem. Und ich dachte so: Wie, du bist Programmierer? Baust Du Social Network und auf einmal lernst du Sprache und am fließt man? Und er hat mir beigebracht, das fand ich einen interessanten Insight, dass wir Sprachen oft falsch lernen. Wir lernen die oft so links. Deutsches Wort, rechts spanisches Wort. Und er meinte, du musst es so lernen, wie du es als Kind gelernt hast. Du bist doch auch nicht zu dem Kind hingegangen und hast ihm gesagt, Waschmaschine und dann irgendwie Dishwasher, so geht ja gar nicht. Oder Waschmaschine, sondern Du hast einfach geredet und hast sozusagen aus dem Kontext. Die Sachen so geschlossen. Da gibt es Techniken. Naja, Vielleicht sollte ich den nochmal anrufen, wenn ich jetzt hier mit dir rede.
Ariane Hingst: Und definitiv, also meine Sohle, wie ich damals, als ich in Schweden Fußball gespielt habe. Und dann auch die schwedische Sprache, Das ist eine sehr leichte Sprache, weil jetzt nicht so schwer zu lernen, Aber ich habe schwedisches Kinderfernsehen geguckt, vor allem Pippi Langstrumpf. Es ist die einfachste Sprache, die gesprochen wird, im Sinne von, wenn man sich auch auf Deutsch anhört, Das sind einfache Worte und es wird langsam gesprochen und verständlich. Und ja, also Kinderfernsehen, jetzt nicht unbedingt à La Teletubbies, Ich glaube, da lernt man die Sprache nicht so gut, aber Kinderfernsehen in einer anderen Sprache ist perfekt. Ich nehme mir jetzt aber heutzutage leider nicht die Zeit, da spanisch zu lernen. Oder französisch oder so dergleichen.
Joël Kaczmarek: Ich habe Asterix auf Französisch geguckt, ich habe kein Wort verstanden.
Ariane Hingst: Wobei die Frage ist, Asterix, Obelix, Ist es Kinderfernsehen oder ist es nicht auch größtenteils Erwachsenenfernsehen, wo das sehr schnell gesprochen wird?
Joël Kaczmarek: Ja, mir geht es ganz oft so, dass ich mir so denke, Was für schöne Redewendungen gibt es im Deutschen und was? Für bildhafte Sprache kennt man im Englischen? Und jetzt denk das mal weiter, wenn du jetzt Persisch liest, Was muss es da für schöne Gedichte geben? Spanisch finde ich auch tolle Fluchereien oder Italienisch, Schimpfwörter, You Name it. Oder auch Bilder, also Wie Leute einfach reden mit was für Sprachbildern. In Deutschland sagen wir, Eine Hand wäscht die andere, auf Englisch sagst Du scratch each others back. Ich finde, da steckt so viel drin, deswegen kann ich das mich ja wehmütig. Jetzt hier am Ende sagen.
Ariane Hingst: Schön, dass ich dich da erwischt habe, aber ich gebe dir total recht, Diese Art und Weise Sprache zu lernen, dieses Eins zu eins übersetzen, funktioniert ja nicht, dann macht es ja auch keinen Sinn. Dann gibt es ja die tollen... Englisch Aussprüche, dann, Klar Wenn du das Deutsche direkt eins eins ins Englische übersetzt, macht es keinen Sinn. Aber ja, diesen Hinweis, mit wie viel Sprache lernen, hätte ich auch schon früher gebraucht.
Joël Kaczmarek: Ich finde auch, manchmal habe ich ein bisschen Sorge, ob jetzt KI dazu führt, dass die Leute aufhören, zu lernen. Weil wenn du mit Kindern dich unterhältst, sagen die so, also meine Kinder noch nicht so. Aber so die mit Teenagern sagen die so Papa, warum soll ich das lernen? Guck mal hier, was ist das und das? Antwort. What about it? Informationen finden mich. Ich muss eigentlich gar nichts mehr. Und das finde ich, Ich glaube nicht, dass es smart ist. Auf lange Sicht. Du bist halt völlig abhängig.
Ariane Hingst: Auf gar keinen Fall. Also für mich, mal schauen, wie sich das entwickelt. Weißt du, Im Amazonas sind es erschreckend. Da hast du teilweise wirklich richtig guten. Internetempfang, wo wir waren. Aber zum Glück und dann auch noch Strom mit Generator untergleichen. Und dann gab es dann, Internet gab es dann nur zwischen 19 und 20 Uhr. Und das Signal vom normalen Handy war einfach nicht vorhanden. Super, also klar, du kannst es dir auch Offline runterladen, aber häufig die technischen Geräte, Die funktionieren gar nicht. toll, super. Und dann? Wie kommst du dann klar?
Joël Kaczmarek: Ich finde ja, dieses Kopfhörer mittlerweile drin haben, die nehmen, was auf, übersetzen es dir, und du sprichst rein und auf deinem Telefon wird angezeigt. Und der Sprach... Das ist ja schon ein bisschen Star Trek, so, ne?
Ariane Hingst: Hundertprozentig. Klar, da ist man auch in dieser Bequemlichkeit irgendwie drin, aber... Ich glaube, was für mich, aber das sind halt. Unterschiedliche Ansätze. Ich will ja diesen direkten Kontakt mit den Menschen haben. Und ich glaube, wenn du einfach immer nur übersetzt, da ist eine Maschine dazwischen. Dann hast du nicht die hundertprozentige Interaktion.
Joël Kaczmarek: Das stimmt. So, als kleines Resümee unserer Hundertprozentigen Interaktion. Ariane Hingst, Nummer eins. Krafttraining und Athletik können deine Gesundheit länger bewahren und sind wichtig für dich. Nummer zwei. Tauchen ist das beste Hobby. Nummer drei, Geldanlage solltest du selbst können, nicht mit Finanzexperten. Nummer vier, Lerne Gelassenheit, Weil Du kannst es eh nicht jedem Recht machen. Und Nummer fünf, Sprachenlernen ist etwas, was dich sehr voranbringt und wertvoll ist.
Ariane Hingst: Genau so.
Joël Kaczmarek: How cool is that? Was glaubst du? Jetzt haben wir gesagt, 44 war es, glaube ich, ne?
Ariane Hingst: 44 war es.
Joël Kaczmarek: Dein Alter?
Ariane Hingst: Äh, 46, danke, danke.
Joël Kaczmarek: In den nächsten 25 wird es ähnlich aussehen in dieser Richtung, wie wir es jetzt hatten, oder was glaubst, du kommt noch?
Ariane Hingst: Nein, da... Da werden definitiv andere Punkte draufstehen. Das ist auch das Schöne im Leben, Da reflektiert man anders. Das wird super spannend sein. Ich habe keine Ahnung, was draufsteht, aber den einen Bonus, den muss ich noch reinschmeißen. Mango Sticky Rice ist das beste Dessert, was es gibt. Habe ich erst vor drei bis vier Jahren kennengelernt. Hätte ich auch gerne schon früher gewusst, vor allem in meiner aktiven Karriere. Da konnte ich noch besser essen, da habe ich nicht so schnell angelegt. Was für ein geiler Nachtisch.
Joël Kaczmarek: Ist ja lustig, Ich habe überlegt, ob ich dich jetzt nicht noch Einlade zum Sushi-Essen beim Vietnam-Mädchen.
Ariane Hingst: Geht in die richtige
Intro & Outro Speaker: Richtung mit dem Asiatischen. Na, gut, gehen wir nochmal aus. Vielen Dank, war mein großes Vergnügen.
Joël Kaczmarek: Danke, dass ich hier sein durfte, hat Spaß gemacht. Hilft uns sehr, damit noch mehr Menschen von diesen inspirierenden Geschichten profitieren können. Nimm Dir doch kurz Zeit dafür. Genauso wie für einen Besuch auf unseren Social-Media-Kanälen, um Updates und exklusive Inhalte zu erhalten. Die links findest du in den Shownotes. Wir freuen uns nämlich über deine Anregungen und Feedback zu zukünftigen Themen und Gästen. So, Und jetzt hören wir nochmal in unseren Podcast rein. Bis zum nächsten Mal. Bleib inspiriert und neugierig. Dein Joël.
Intro & Outro Speaker: Gib Mir fünf oder mehr, Gib mir alles, was du mir sagen kannst und sag, was hast du gelernt? Von Fallen und aufstehen, suchen und klar sehen, Weißt du jetzt, was du willst? Weißt du jetzt, was du brauchst? Wie lang hat es gedauert und was hat es gebraucht? Ist es gut, wie es ist? Woran feilst du noch? Komm erzähl es mir und der Welt. Bist du so geworden, wie du gemeint? warst? Oder völlig anders wie ein Zaungast? Du bist schon weit gegangen, bist Du angekommen in deiner Hall of Fame komm her und sei wirklich ehrlich, was ist für Dich heute unentbehrlich? Sollen wir hier fertig sein oder einfach sein? So wie wir sind, so wie wir sind. Gib Mir fünf oder mehr, Gib mir ein. Alles, was du mir sagen kannst und sag, was hast du gelernt? Vom Fallen und Aufstehen, Suchen und Plasen. Weißt du jetzt, was du willst? Weißt du jetzt, was du brauchst? Wie lang hat es gedauert und was hat es gebraucht? Ist es gut, wie es ist? Woran feilst du noch? Komm, erzähl es mir und der Welt. Weißt du jetzt, was du brauchst? Wie lang hat es gedauert und was hat es gebraucht? Ist es gut, wie es ist? Woran feilst du noch? Komm erzähl es mir und dem Welt. Und jetzt du.
