Florian Heinemann: 5 Dinge, die ich gerne mit 20 gewusst hätte

23. August 2024, mit Joël Kaczmarek

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Joel Kaczmarek: Hallo Leute, mein Name ist Joel Kaczmarek. Ich bin der Geschäftsführer von digital kompakt und heute habe ich wieder den lieben Florian Heinemann an meiner Seite. Ihr wisst, der gute Florian ist die Koryphäe in Sachen Online-Marketing, Startups, Venture Capital und und und. Normalerweise machen wir das letzte Mal im Doppelflug mit dem lieben Martin Schilling. Martin hat gesagt, er muss zur Abwechslung auch mal Geld verdienen, macht heute mal ohne mich. Florian leidet sehr drunter, weil dann sind die Podcasts nicht so gut vorbereitet. Also dachten wir beide uns, heute machen wir mal ein spannendes Thema, was trotzdem auch ein bisschen Spaß macht. Und zwar reden wir über fünf Dinge, die Florian gerne gewusst hätte mit 25. Also vielleicht kennt ihr diesen geflügelten Satz, five things I wish I knew when I was 25. Und so geht es heute auch zu fünf Dinge, die ich gerne gewusst hätte mit 25. So, ich weiß gar nicht, was es ist, aber ich kann euch schon sagen, es wird eine Mischung aus privaten, persönlichen Dingen und aus geschäftlichen. Also ich glaube auch ganz cool, mal diese Mischung zu hören. Und lieber Florian, danke, dass du das auch ohne Martin mit dir heute mal wieder antust.

Florian Heinemann: Ja, klar, absolut. Unser Motto ist ja stets, ohne Proben ganz nach oben. Das können wir heute wieder einlösen. Packen wir heute wieder aus. Die Frage ist natürlich, nagel mich bitte nicht auf fünf oder sechs Sachen fest. Du weißt ja, ich bin immer so ein bisschen, ich kann nicht so gut kurz und komme dann immer noch mal auf ein paar andere Dinge. Aber ich hoffe, du wirst dem Ganzen etwas Struktur geben. Und die Frage ist natürlich, womit fangen wir an?

Joel Kaczmarek: Ich mache hier einen Zufallsgenerator an von 1 bis 10. Wenn es eine gerade Zahl wird, fangen wir mit etwas Beruflichem an. Wenn es eine ungerade Zahl wird, mit etwas Privatem. Das ist die 4. Also es wird etwas Berufliches.

Florian Heinemann: Genau, es gibt eine Reihe von Dingen, die ich gelernt habe. Und ich versuche das jetzt einfach mal so in so ein paar, ich nenne es jetzt mal Guiding Principles, die mir irgendwie klar gewesen oder es wäre toll gewesen, wenn die mir klar gewesen wären, damals schon. Und die ich dann irgendwo so über die Zeit realisiert habe. Und mir hätte es einfach wahnsinnig geholfen, glaube ich, das früher zu verstehen. Das ist so ein bisschen so eine Mischung aus beruflich und privat. Man kann sich nicht letztendlich gegen seine eigene Persönlichkeitsstruktur wehren, wenn man quasi seine richtige berufliche Rolle finden will. Das heißt, und das hat auch ein Stück mit Selbstbestimmtheit zu tun. Was will ich damit sagen? Gerade wenn man im Studium unterwegs ist oder auch vorher in der Schule, man wird ja sehr stark beeinflusst durch Eltern, dann wird man beeinflusst durch Freunde, dann wird man irgendwo beeinflusst durch Dinge, die letztendlich auf einen projiziert werden. Welche Erwartungen man denn erfüllen müsste, um quasi Anerkennung zu kriegen. Das ist ja so letztendlich das, wonach viele von uns streben. Und was mir irgendwie im Verlauf der Zeit klar geworden ist, also was ich jetzt, ich habe ja in der WU studiert und da war es irgendwie so, wenn du sehr gut warst. Dann bist du zu McKinsey gegangen oder du bist zu Goldman Sachs gegangen. Dann warst du halt exzellent. Oder das war dann sozusagen das Äquivalent für Exzellenz. Und ich glaube, jemand, der wirklich gut ist, der kann das auch durchziehen, der hält das durch. Auch wenn das nicht hundertprozentig passt zur eigenen Person. Aber ich glaube, was man dann schon feststellt, und das ist mir nochmal sehr klar geworden, warum ich jetzt auch die richtige Rolle für mich gefunden habe, wo ich auch wirklich gut bin, ist eben, dass ich Und letztendlich wahrscheinlich auch diese letzte Härte, die viele Unternehmer auszeichnet und so weiter, dass ich die nicht habe, dass ich eher besser drin bin, andere zu supporten und dass das eigentlich sozusagen meine Rolle ist, in der ich wirklich gut bin und aufgehe, unabhängig davon, was jetzt Dritte sagen, was exzellent ist. Ja, so. Und wie wichtig es ist, sich erstmal selbst zu verstehen, zu sagen, wo sind eigentlich meine eigenen Stärken, Schwächen. Das ist aber ganz wichtig, dass es nicht zu verwechseln mit Leidenschaft. Wie gesagt, ja, du sollst das machen, was deiner Leidenschaft entspricht. Das kann das Gleiche sein. Ich würde aber viel eher dafür argumentieren zu sagen, versuche rauszufinden, wo sozusagen deine beruflichen Stärken sind, wo du besser bist als viele andere, weil das führt dann eben auch zu Anerkennung. Das kann etwas sein, wofür du eine gewisse Leidenschaft empfindest. Was ich nur gemerkt habe, wenn man in irgendwas gut ist und auch besser als andere, muss ich sagen, als alle anderen, das ist natürlich nicht möglich, aber sozusagen zumindest mal, wo man zum Top-Quartil gehört oder zu den Top-10% in irgendwas, das ist eigentlich bei jedem so, Dass es halt wahnsinnig wichtig ist, das für sich selbst rauszufinden, weil dann entsteht auch häufig darüber eine Leidenschaft. Und ich glaube, sehr viele Menschen sind auch deshalb unglücklich in ihren beruflichen Kontexten oder in dem, was sie machen, weil sie für sich nicht hundertprozentig verstanden haben, was ist eigentlich das, wo sie wirklich eine relative Stärke haben und was passt auch zu ihrer eigenen Persönlichkeitsstruktur. Weil ich glaube, das ist nochmal eine ganz wichtige Sache. Man hat gewisse Eigenschaften, gewisse Charaktereigenschaften, die sind sehr schwer zu verändern oder eigentlich gar nicht zu verändern. Und die determinieren natürlich auch, welche Rollen zu einem selbst passen, was nicht. und ich glaube so das Selbstbewusstsein, also sich selbstbewusst zu sein, was ist das eigentlich für ein Selbst und das dann auch konsequent zu verfolgen, unabhängig davon, was jetzt die Einflüsse von Dritten sind. Man hört ja häufig irgendwas von Eltern und so weiter, also von irgendwelchen Freunden und irgendwelchen Freunden von irgendwelchen Eltern oder so. Das sind alles Dinge, die kennen einen natürlich, oder Einflüsse, die kennen einen natürlich deutlich weniger als man sich selbst. Und ich glaube, es ist wahnsinnig wichtig, das für sich relativ früh zu erkennen und daran auch ein Stück weit zu arbeiten, weil das natürlich dazu führt, dass man gewisse Irrwege vermeidet. Und ich sehe es halt immer wieder, dass diese Irrwege wirklich zu sehr viel Unzufriedenheit führen. Und ich glaube, das früher für sich klar zu haben, wie wichtig das ist, Das wäre wahnsinnig wertvoll gewesen. Also bei mir hat es dann zufällig sich sozusagen so ergeben, dass ich das dann irgendwann mal realisiert habe und im Nachhinein machte das dann auch irgendwo Sinn. Aber ich glaube, rechtzeitig das zu erkennen, auch anzuerkennen, dass man vielleicht nicht in der letzten Konsequenz jetzt der beste Unternehmer ist, aufgrund von einfach gewissen Dingen, die einem Die eigene Persönlichkeitsstruktur mitgibt, das war für mich jetzt eben eine wirklich sehr wertvolle Erkenntnis. und dieses Loslösen von der Drittmeinung, das ist glaube ich auch nochmal eine sehr wichtige Sache.

Joel Kaczmarek: Nachfrage dazu, das was du gerade geschrieben hast mit der Drittmeinung, es ist ja öftermals so und lustigerweise erinnere ich mich, dass ich das mit dir sogar auch schon hatte, dass Leute einem so ein Etikett geben. Also du warst früher zum Beispiel die Online-Marketing-Koryphäe. Dann bist du irgendwie Teil eines VCs geworden. Dann bist du auf einmal so der Start-up-VC-Superexperte. Wenn du jetzt morgen sagen würdest, naja, meine Charakter-Trades sind aber, ich bin total gut in Immobilien-Investing, dann würde dich die Branche aber gar nicht so wahrnehmen. Dann hast du so einen Mismatch auf einmal drin. Weißt du, was ich meine? Das heißt, ich finde, man hat ja schon oft so Gründer haben ja vielleicht auch, wenn jetzt jemand mal ein Food-Startup gegründet hat, dann gilt der als der Foodie. Und wenn er jetzt Fashion macht, dann sagen die vor allem, was soll denn das? Oder wieso machst du jetzt das? Das nehme ich dir aber nicht ab, diese Kompetenz. Also diesen Beweis nach draußen zu erbringen, ist ja manchmal gar nicht so einfach. Wie gehst du denn damit um?

Florian Heinemann: Das stimmt, aber ich meine, das ist ja, ich glaube, sämtliche dieser Themen, die du jetzt beschrieben hast Ich habe diese sozusagen Expertenrolle zu einer gewissen Zeit dann auch wirklich glaubwürdig ausgefüllt. Und sämtliche dieser Themen passen ja zu mir, sag ich jetzt mal. Also die Character Traits, die man hat, und das ist bei vielen ja so, unterstützen ja durchaus unterschiedliche Rollen und unterschiedliche Positionen. Ich glaube, das ist ja alles eine Abstraktionsebene höher. Und ich argumentiere ja nicht, dass man sozusagen in der einen Rolle verharren sollte, die dann quasi den eigenen Stärken entsprechen. Sondern es gibt ja in der Regel eine Vielzahl von Rollen, die den eigenen Stärken entsprechen. Klar, ich habe am Anfang sehr stark digitales Marketing selbst gemacht, aber dann bin ich im Prinzip sehr stark in so eine Mentoring-Rolle reingekommen, wo ich halt angefangen habe, Dritten eigentlich zu erklären oder Firmen dabei zu helfen, den für sie richtigen digitalen Marketingansatz zu finden, wo ja dann CRM dazugehört, BI dazugehört und so weiter. Also sprich so dieses, ich bin eigentlich besser da drin, andere Menschen zu enablen, als Dinge jetzt immer zwangsläufig selbst zu machen. Also quasi so dieses Coaching-Element bei mir zieht sich ja im Prinzip letztendlich durch viele Dinge. Ich war, glaube ich, auch nicht so schlecht an der Uni. Wo es ja auch darum geht, andere Leute zu enablen, gewisse Fähigkeiten aufzubauen. Und das hat mir auch wahnsinnig viel Spaß gemacht. Also ich glaube schon, alles basiert letztendlich auf einem sehr ähnlichen Persönlichkeitsprofil, Stärken-Schwächen-Profil. Und auch die Rolle des VCs tut das letztendlich wieder. Also wirklich, bei mir ist ja immer sozusagen die Verbindung Ich bin in der Lage, glaube ich, mich relativ tief in nicht so einfache Materien einzuarbeiten und dann dritten den Zugang dazu zu ermöglichen. Und das ist ehrlicherweise das Gleiche, ob es jetzt an der Uni ist oder ob es als Investor ist oder ob es jetzt im Bereich Online-Marketing der Fall war. Man kann natürlich nicht alles gleichzeitig machen, das geht nicht. Aber letztendlich basieren alle diese Rollen. die ich hatte und wo ich glaube ich auch jeweils ein ganz gutes Niveau erreicht habe, basierte im Prinzip alles auf einem sehr ähnlichen Persönlichkeitsprofil, nämlich einem Genuine Interest sozusagen in fachlicher Materie und eben dem Genuine Interest da wirklich vielen den Zugang zu ermöglichen. Und das ist ja sozusagen auch etwas, was viele Experten, es gibt ja viele Experten, die sind sehr, sehr gut in dem, was sie tun. Die haben aber eigentlich immer das Bedürfnis, dieses Expertenwissen nicht sozusagen Dritten mitzugeben, sondern sich selbst quasi als der Oberexperte dauerhaft zu etablieren, was ja quasi zwangsläufig damit einhergeht, dass man das Wissen eben nicht weitergibt. Und ich glaube, für mich war halt immer wichtig zu erkennen, mir macht es wahnsinnig viel Freude, wenn ich merke, dass ich Dritte enable. Das ist sozusagen das, was mich beeinflusst. quasi auch motiviert, wenn ich sehe, aha, da entwickeln sich Leute aufgrund dieser Impulse in eine gewisse Richtung und die ist, glaube ich, die hilft denen das Potenzial, das ist sozusagen, das muss man ja auch merken, das will ich jetzt gar nicht bewerten, ich wäre jetzt so der wahnsinnig soziale Typ, dass mir das jetzt so viel Spaß macht, dass andere besser werden, ich kann nur sagen, sozusagen, mir macht das Freude, es wäre aber auch völlig okay, Wenn man dabei eben keine Freude empfindet, sondern Freude dabei empfindet, selbst eben diese exzellenten Resultate zu erzielen, ohne dass davon jetzt Dritte partizipieren. Das ist ja, was ich bei Forschern, die jetzt exzellente Resultate erreichen in irgendwas, deren Ziel ist ja nicht, Dritte zu enablen, vielleicht mit den Forschungsergebnissen dann, dass davon Dritte profitieren. Aber erstmal wollen sie selbst diese Ergebnisse erzielen. Und das ist ja auch eine sehr tolle Motivation. Und ich glaube, wichtig ist halt nur auch da, dass man nicht sagt, ja, es ist jetzt super, dass der Florian jetzt quasi davon motiviert wird, Dritte besser zu machen. Das ist ja sehr schön. und sehr honorig und deswegen versuche ich im Prinzip dann auch das zu tun, obwohl das eigentlich gar nicht meiner Persönlichkeitsstruktur entspricht, sondern meine Persönlichkeitsstruktur determiniert nun mal, dass ich selbst diesen Outcome erreichen will und dann ist das auch völlig okay. Wichtig ist ja glaube ich nur, ich glaube man kann halt, die Botschaft ist ja letztendlich, man muss halt für sich realisieren, was sind die eigenen Trigger, was sind die eigenen Motivatoren und die dann eben wirklich umzusetzen in die eigene berufliche Rolle oder die eigene berufliche Position, die man sich eben versucht zu bauen. Und dann eben nicht danach zu streben, wo man denn glaubt, dass Dritte meinen würden, dass das gut wäre. Weil ich glaube, das führt letztendlich immer nur dazu, dass man eben dieses Niveau an Exzellenz nicht erreicht und dass man auch selbst nicht wirklich zufrieden damit ist. Und das zu verstehen für sich Was ist das, was mich selbst sozusagen treibt? Was sind meine eigenen Motivatoren? Und das konsequent und auch ohne sozusagen Einfluss durch Dritte. Das ist, glaube ich, wichtig. Man kann durchaus, glaube ich, also mir hat es auch geholfen, immer mal wieder mit Coaches zu sprechen, um das für mich selbst sozusagen in der Klarheit rauszudestillieren. Ich weiß gar nicht, ob man dafür unbedingt einen Coach braucht. Ich glaube, es reicht völlig, wenn man quasi sich selbst bestätigt, quasi aufmerksam versucht zu beobachten, wenn man diese Fähigkeit hat und versucht, das eben so ein Stück weit abstrakt zu sehen. Aber ich glaube, das war mir halt mit 25 nicht klar, wie wichtig das ist. Sondern da strebst du halt nach dem, was andere dir sagen, was gut ist. Da gehst du zur WRU, weil andere sagen, das ist toll. Bei mir hat das jetzt irgendwie gepasst, aber ich glaube, es ist halt wichtig, möglichst schnell in diesen selbstbestimmten Modus umzuschalten. Und damit meine ich jetzt eben bewusst nicht sozusagen naive Selbstverwirklichung, sondern eben wirklich im eigenen ökonomischen Fortkommen gesehen. Weil ich glaube, es ist völlig legitim, ökonomische oder sozusagen Ich möchte mein ökonomisches, aber auch sozusagen mein Potenzial, was ich habe, das ein Stück weit anzustreben, das irgendwie in irgendeiner Weise auszufüllen. Das ist, glaube ich, völlig legitim.

Joel Kaczmarek: Letzte Frage dazu, bevor wir zu deinem zweiten Punkt kommen. Wie würdest du die Gefühlswelt beschreiben, die du erlebt hast, wenn du dich dahin entwickelt hast? War es eher schmerzhaft, war es eher befreiend, als du dann zum Beispiel nicht mehr der Rocket-Internet-Geschäftsführer warst, der Unternehmer, der irgendwie ABI-Books gegründet hat, sondern der Experte, der andere besser macht. War der Weg dahin, war der schmerzhaft oder war der befreiend?

Florian Heinemann: Nö, überhaupt nicht. Also ich habe das jetzt nicht als schmerzhaft empfunden, sondern eher so, man fängt das ja dann an, irgendwie immer stärker für sich zu realisieren. Und man merkt ja so, ich gehe da total gerne hin zu dem, wieso ist das eigentlich so? Wo man dann so merkt, Was macht mir eigentlich Freude? Oder Freude ist so ein bisschen, das hört sich so ein bisschen so kurzweilig an. Also was sorgt bei mir eigentlich für Befriedigung? Wo bin ich mit mir zufrieden und warum ist das eigentlich so? Insofern, das ist ja eher eine positive Erkenntnis als jetzt ein schmerzhafter Weg. Ich habe aber ehrlicherweise jetzt die anderen Sachen ja auch nicht als, das ist auch nochmal ganz wichtig, das ist ja ein Spektrum. Also ich bin ja auch jetzt kein so beschissener Unternehmer gewesen bisher. Dass man jetzt irgendwie dachte, boah, was für eine Qual, sondern du hast einfach so gemerkt, ja das war jetzt, aber da musste ich mich als Unternehmer, der dann sozusagen die harten Entscheidungen ja auch treffen muss, das war für mich schmerzhafter, als sozusagen jetzt andere da hinzubringen, die harten Entscheidungen zu treffen. Aber der Weg dahin war jetzt nicht, kann man so nicht sagen, es war eine spannende Erkenntnisreise. Und ich glaube, dafür sensibel zu sein, möglichst früh, das ist, glaube ich, wichtig. Und sozusagen auch für sich einen Weg zu definieren, ob das jetzt mit einem Coach ist. Ich bin zum Beispiel auch Teil von so einer unternehmerischen Selbsthilfegruppe, die ersetzt so ein bisschen auch für mich dieses Coaching. Wir haben auch teilweise Coaches dabei, das ist dann auch mal ganz Ich glaube, jeder braucht sozusagen so einen Selbstreflexionszirkel, der einem dabei hilft, ob das jetzt ein Coach ist, ob das andere Leute sind. Bei EO gibt es das oder bei YPO gibt es das.

Joel Kaczmarek: Oder bei Makers & Checkers, diesem großartigen Business-Club, von dem alle gerade reden.

Florian Heinemann: Egal, was es ist. Mir geht es da nicht um esoterische Selbstverwirklichung, sondern mir geht es wirklich um, ich mache das, um ökonomischen Erfolg zu maximieren. Das ist nochmal ganz wichtig. Es geht nicht um Und wir sind alle total fröhlich in der Natur und so, sondern ich würde halt sagen, das hilft einem dabei, das eigene ökonomische Potenzial zu erhöhen und Erfolgspotenzial, wenn man das für sich realisiert. Und darum geht es mir halt. Und das kann sicherlich auch bei Leuten sein, die halt künstlerisch sehr begabt sind oder so, das kann schon sein. Bloß, ich glaube, das ist halt keine naive Exercise, sondern es ist wirklich jetzt bei mir zumindest eine sehr, sehr rationale und auch ein Stück weit ökonomisch getriebene. Immer mit dem Streben nach Exzellenz, weil ich halt sage, und das ist glaube ich auch nochmal wichtig, man sollte ja versuchen, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten ebenso exzellent wie möglich zu sein. Und das in der Klarheit zu haben, das heißt ja nicht, dass alle können nicht in allem exzellent sein. Das geht nicht. Also man hat natürlich ein gewisses Exzellenzniveau, was man maximal erreichen kann. Aber ich finde, jeder Mensch, und das hatte ich so ein Stück weit in mir drin, da finde ich, sind viele einfach nicht konsequent genug. Ich finde, wenn ich irgendwo hingehe, beruflich oder ich gehe an der Uni, das versuche ich jetzt auch mal Kindern zu vermitteln, wenn ihr euch schon die Schule setzt da für acht Stunden, Dann versuch das halt so gut wie es geht zu machen. Alles andere ist auch einfach nur sackendämlich. Das sage ich auch jedem jungen Mitarbeiter. Wenn du da sowieso rumhängst bei der Arbeit, dann mach es doch möglichst gut. Weil es macht doch keinen Spaß. dann da irgendwie, es gibt ja viele, siehst du, gestern habe ich mir eine Schule angeguckt. Und dann siehst du, dann hängen da einige Schüler in der letzten Reihe, hören nicht richtig zu, quatschen, gucken auf ihrem Handy und sagst so, Alter, wenn du jetzt hier schon rumhängst, dann mach doch das Beste draus. When you do it, do it right. Das ist glaube ich sozusagen auch nochmal eine wesentliche Erkenntnis und sozusagen so dieses, ich hänge mich jetzt da nicht so rein. weil das mir dann in dem Moment Erleichterungen verschafft. Das ist einfach nur sackendämlich, weil es eben nicht dazu führt, glaube ich, dass Leute langfristig glücklich sind. Also ich habe schon das Gefühl, dass die meisten Menschen, und das ist bei mir auch so, streben nach Anerkennung in irgendeiner Weise. Und Anerkennung kommt halt durch Erreichen des eigenen Potenzials. dann bekommt man Anerkennung und ist, glaube ich, auch zufrieden. Und ich glaube, jeder, der das negiert, und das ist gerade natürlich im Prenzlauer Berg auch auf Elternseite eine sehr weit verbreitete Tugend, ich glaube nicht, dass das dazu führt, dass die Menschen durch diese kurzfristige Erleichterung Also ökonomisch erfolgreicher oder sozusagen anerkennungsbekommen. das schon gar nicht, aber ich glaube auch nicht, dass die Menschen dadurch glücklicher werden. Also ich habe da zumindest wenig Beispiele gesehen.

Joel Kaczmarek: Was ist denn dein zweiter Punkt, den du gerne mit 25 gewusst hättest?

Florian Heinemann: Ich glaube halt, dass mir heute total klar ist, wie wichtig sozusagen die Konfiguration von Systemen ist. Also sprich, egal wo ich mich befinde, ich habe immer eine gewisse Konfiguration an Menschen, an Systemen, an Prozessen. Und diese Konfiguration determiniert sehr, sehr stark, auf welchem Pfad ich mich bewege. Wenn die Ursprungskonfiguration scheiße ist, dann ist der Pfad, auf den ich mich bewege, scheiße. Und das muss einem halt klar sein. Das siehst du sozusagen, wenn du deinen Zahnarzt, deinen Onkel und deinen Cousin als Startup-Angel-Investor hast, und das sind jetzt nicht alles total super Leute zufälligerweise, das kann ja alles sein, dann ist der Pfad, auf den du dich bewegst, mittelmäßig. Oder schlecht, wenn du ein erfolgreiches Unternehmen bauen willst, dann muss alles so gut sein, wie es dir maximal möglich ist. Alles. Die ersten Mitarbeiter, die ersten Investoren, dein Vertragssetup, das Office, alles. Und ich glaube sozusagen, das, was ich Fahrtabhängigkeit nenne, das erlebe ich halt immer wieder. Also sozusagen dieses, die Wahrscheinlichkeit, Pfade zu wechseln, ist einfach nicht besonders hoch. Und deswegen kann ich jedem nur raten, frühzeitig für sich selbst zu erkennen, was ist mein maximaler Entwicklungspfad, den ich beschreiten kann. Der ist natürlich begrenzt durch die eigenen Fähigkeiten, durch das eigene Netzwerk und so weiter. Aber, das siehst du ja, wenn du halt eine 4 in Mathe hast im Abitur, kann man jetzt lustig finden. Aber das beschränkt dich einfach in wahnsinnig vielen Pfaden going forward. Weil jeder denkt, kann keine Naturwissenschaft, kann keine Mathe und so weiter. Und ich glaube sozusagen, viele Entscheidungen, die du triffst, wenn du halt an eine mittelmäßige Uni gehst, ist die Wahrscheinlichkeit, dass du nachher zu einer ganz exzellenten Firma gehst. Ja, das kann alles gehen. Jetzt kommen auch wieder so die Gegenbeispiele. Ja, aber ich kenne den und den und da war das so und da war das so. Ja, kann alles sein. Aber die Wahrscheinlichkeiten sinken einfach dramatisch. Was ich für mich gelernt habe ist, Pfade sind einfach eine Funktion von Wahrscheinlichkeiten. Und diese Wahrscheinlichkeiten kann ich dramatisch beeinflussen, indem ich in jedem Moment, in dem ich mich bewege, Die Konfiguration, mit der ich mich umgebe, die Menschen oder jetzt in einem Startup, Menschen, Prozesse, Systeme. Wenn ich da sozusagen meinen angestrebten Pfad der Exzellenz, wenn der sich sozusagen in dieser Konfiguration widerspiegelt, weil der Wechsel des Pfades, sich zu überlegen, ich bin mittelmäßig und jetzt will ich auf einmal sozusagen Geld von, keine Ahnung, Sequoia kriegen. Ja, das gibt immer wieder Beispiele, wo das dann auch mal passiert ist. Gerade in den USA, das ist schon ganz spannend. Also wenn du so guckst, die Airbnb-Gründer oder so, das war jetzt, nach meinem Verständnis, das war jetzt nicht die, sind jetzt nicht dadurch aufgefallen, dass die immer jetzt nur an Elite-Udis waren und so weiter. Das gibt es schon immer wieder. Aber man kann natürlich die Wahrscheinlichkeiten maximieren. Und ich glaube, das zu verstehen, was ist sozusagen das Exzellenzniveau, was ich anstrebe, das Exzellenzniveau des Pfades, auf dem ich mich bewegen will, mit mir selbst, meiner Firma, das sich jederzeit bewusst zu machen und bewusst Entscheidungen zu treffen. Für mich geht es gar nicht darum, dass jeder jetzt nach dem Maximum streben sollte. Aber ich glaube, zu verstehen, wenn ich mich jetzt auf den Pfad begebe, was hat das sehr, sehr wahrscheinlich für Konsequenzen. Und bin ich bereit, mit diesen Konsequenzen zu leben? Bin ich wirklich in der Lage, damit meinen Frieden zu machen? Nur dann kann ich sozusagen auch glücklich sein mit dem. Und ich glaube, das zieht sich halt wirklich durch. Ich beobachte das eben auch bei den besten Startups. Die überlegen dann wirklich, oder die besten Gründerteams, die überlegen halt kontinuierlich, der CTO, der jetzt auf der Position ist, ist das wirklich die beste Person, die wir in dem Moment für unser Unternehmen haben können. Der Investor XYZ, ist das jetzt wirklich der beste Investor? Die Verträge, die wir gemacht haben, sind das jetzt wirklich die bestmöglichen Verträge? Und das ist, finde ich, schon sehr auffällig bei den Leuten, die wirklich große Sachen bauen, bei denen ist halt alles exzellent. Und das wird natürlich auch leichter. Wenn ich einmal natürlich eine gewisse Flughöhe erreicht habe, dann bin ich eben auch in der Lage, auf exzellente Ressourcen zuzugreifen, weil die so zu mir kommen. Und ich natürlich auch in der Lage bin, diese Ressourcen zu bezahlen. Aber das merke ich ja auch. Klar, es ist so, als wenn du sagst, wenn wir als Project A irgendein Setup machen wollen für irgendeinen Fund in irgendeiner komischen Struktur, dann suchen wir uns halt den besten Anwalt, der genau das schon mal fünfmal gemacht hat. Also das ist ja genau sozusagen diese Denke, wenn du zum Arzt gehst und du wirst an einer Bandscheibe operiert, dann guckst du dir halt an, was ist der beste Typ für dieses Thema? Oder die beste Frau für dieses Thema? Und ich glaube, das zieht sich halt durch und ich glaube, das hätte ich einfach besser gerne verstanden früher. Und es gibt sicherlich Leute, die ja noch deutlich konsequenter sind als ich. Da fehlt mir sozusagen auch wieder so das allerletzte wahrscheinlich an Konsequenz. Das ist aber auch okay für mich. Damit kann ich auch leben. Aber ich glaube sozusagen, für sich selbst rauszufinden, Was ist mein maximales Exzellenzniveau? Was ist das, womit ich auch wirklich meinen Frieden mache? Und das konsequent durchzuziehen im Sinne von optimale Konfiguration und dann den Pfad going forward, das glaube ich für sich zu realisieren, das wäre toll gewesen, wenn ich das früher verstanden hätte.

Joel Kaczmarek: Und hast du einen Tipp, wenn jemand jetzt, sage ich mal, unter Ressourcenknappheit leidet, wie er Exzellenz erreichen kann in seinen Konfigurationen, obwohl er sie sich vielleicht nicht leisten kann oder sie?

Florian Heinemann: Ja, ich glaube sozusagen, selbst exzellent und attraktiv sein, also das ist ja das Bewundernswerte an auch tollen Gründern, die sind in der Lage, über die große Vision, die sie zeigen, die Überzeugungskraft, die sie haben, im Sinne von, das ist der Pfad, auf dem ich mich bewegen werde. Willst du mitmachen bei diesem Pfad? Ich bin nicht in der Lage, dir jetzt adäquat 300.000 Euro zu bezahlen oder 250.000. Ich kann dir nur 100.000 zahlen. Aber wenn wir diesen Pfad erfolgreich beschreiten, dann wirst du Donald Duck-artig reich werden aufgrund so und so. Also anzuerkennen, dass du das gerade nicht kannst, aber trotzdem eben sozusagen, das ist ja genau das, was gute Startup-Gründer auszeichnet, dass sie eben in der Lage sind, Ressourcen zu mobilisieren für sich, die ihnen eigentlich in dem Moment noch gar nicht zustehen. Das sind ja genau sozusagen die, die in der Lage sind, sehr viel Geld zu raisen von Investoren, die dann in der Lage sind, eben Talente zu bekommen, die eigentlich sozusagen für sie noch eine Nummer zu groß sind, weil sie wissen, dass das die Wahrscheinlichkeit, dass sie dann wirklich diese spätere Stufe auf dem erfolgreichen Pfad oder das spätere Stadium auf diesem Pfad, den sie eigentlich da vorzeigen, dass das halt die Wahrscheinlichkeit dahin erhöht. Und das ist ja genau sozusagen das, was jetzt im Startup-Fall gute Gründe auszeichnet, Große Vision, aber auch die Fähigkeit und das ist sozusagen der Unterschied, der jetzt den Spinner vom sehr guten Gründer unterzeichnet. Die Spinner haben sozusagen große Visionen, kriegen aber die PS nicht auf die Straße. Die sehr, sehr guten Gründer haben die großen Visionen, sind aber in der Lage, Ressourcen zu mobilisieren, die dann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sie das dann tatsächlich erreichen. Und das ist sozusagen, finde ich, eine ziemlich faszinierende Beobachtung, weil du dann natürlich auch so ein bisschen in so eine self-fulfilling-prophecy-Logik irgendwo reinkommst. Und ich finde, das zeigt auch nochmal sozusagen die wahnsinnige Stärke von dieser Pfadabhängigkeit, gerade im Startup-Bereich, dass wenn du dich und auch das Learning, was ja auch viele Investoren machen, Sehr, sehr gute Firmen entwickeln sich mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit auch sehr stark weiter. Das führt ja dann auch zu dieser sehr starken Wertkonzentration. Letztendlich sind es ja ein paar Firmen pro Jahr, die quasi 90, 95 Prozent des Wertes einer gesamten Startup-Gehorte ausmachen. Aufgrund genau dieses Phänomens, dass sozusagen Exzellenz zu mehr Exzellenz führt und zu einer exzellenten Weiterentwicklung. Zumindest wieder mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit. Klar, Fehlentscheidungen können alles dann wieder zunichte machen. Aber ich glaube nur sozusagen, die Stärke von Fahrtabhängigkeit für sich zu erkennen. Ich glaube, in der Konsequenz, das hätte mir sehr geholfen.

Joel Kaczmarek: Bin ich neugierig auf deinen dritten Punkt.

Florian Heinemann: Was ein Stück weit damit zusammenhängt, ist ja sozusagen so diese Sales- und Überzeugungsfähigkeit. So, dass man denkt Weil du kommst ja aus so einer Hochschule und dann schreibst du irgendwelche Noten. Du bist dann ganz schlau oder du bist dann eben nicht so schlau. Und ich glaube, Intelligenz ist halt eine notwendige Bedingung, um erfolgreich zu sein, aber auch nur in einem gewissen Maße. Also ich glaube, zu intelligent hilft dann auch nichts oder hat einen sehr abnehmenden Grenznutzen. Aber du brauchst im Prinzip die Fähigkeit, Menschen zu überzeugen, Menschen mitzunehmen, Ressourcen zu mobilisieren. Und das spielt eigentlich an Hochschulen kaum eine Rolle. Also diese Fähigkeit zu verkaufen, Es gibt nur wenige Kurse, selbst im BWL-Bereich, wo dann irgendwie Sales gelehrt wird, das hat sich so ein bisschen gebessert, aber ich meine, letztendlich wahnsinnig viel in deinem Leben hängt ja von Salesfähigkeit ab, weil es dazu führt, dass du eben Ressourcen mobilisierst, um dich auf einen anderen Pfad zu bewegen. Und wenn ich das gewusst hätte, wie wichtig eigentlich Sales ist. Also ich bin jetzt nicht der Beschissenste im Sales, deswegen ist das okay so. Und was mir wahnsinnig geholfen hat, das ist eigentlich absurd. Ich habe halt sehr viel Vorlesungen gemacht an der Hochschule. Ich habe ja drei, vier Jahre lang wirklich jede Woche Vorlesungen gemacht. Vor Leuten mich hingestellt und irgendwas erzählt. Und Presentation Skills ist natürlich ein Teil von Überzeugungsfähigkeit. Aber ich bin zum Beispiel ganz schlecht drin, Erstkontakt zu machen. Ich bin quasi schüchtern. Schüchtern im Erstkontakt. Das ist total dämlich. Wie viele Menschen ein Problem haben, andere Menschen anzusprechen und irgendwas zu fragen. Und das ist ja einfach nur sackendämlich. Also sozusagen dämlich bei Frauen oder Männern, egal, dämlich bei Geschäftspartnern, Kunden, die Fähigkeit des Erstkontakts. ist einfach wahnsinnig wichtig. Und wie viele Studenten ich erlebt habe, die nicht in der Lage sind, halbwegs unaufgeregt vor 30 ihrer Mitstudenten zu stehen, die sie alle kennen. Also es ist ein relativ vertrauter Raum. Und 20 Minuten was zu erzählen, dass du so denkst, das ist jetzt mal ganz nett. Und das kann man üben. Das ist eine reine handwerkliche Fähigkeit. Auch so dieses Thema, Menschen anzusprechen. Was ist das Schlimmste, was dir passieren kann? Das Schlimmste, was dir passieren kann, ist Die Dame sagt, nee, ich will nicht mit dir reden. Der Geschäftspartner sagt, ruf mich nie wieder an. Ich weiß noch, als wir damals am Anfang bei EBI Books oder bei Just Books, da musste jeder von uns am Tag, keine Ahnung, 20 Antiquariate anrufen. weil wir damals Buchhändler akquirieren wollten. Das hat mir physische Schmerzen bereitet, diese 20 Antiquariate anzurufen. Wie schlimm ist das? Ich meine, du rufst da irgendwelche Leute an, da sagt dir einer, rufen sie mich nie wieder an. Ja, so what? Also, passiert ja nichts. Aber es hat mich, ich habe mich gedrückt davor. Ich habe angefangen, irgendwelche anderen Sachen zu machen, weil ich dieses abgelehnt zu werden, das hat mir solche Schmerzen bereitet. Und tut es ehrlicherweise bis heute. Und das ist einfach sackendämlich. Weil die Konsequenz dieser Ablehnung in diesem Moment, die ist eigentlich total vernachlässigbar. Objektiv ist das nicht schlimm, wenn jemand in der Bar sagt, ich will mit denen nicht reden, geh weiter. Oder der Antiquar sagt, rufen Sie mich nie wieder an. Das hat keine Konsequenz. Und ich glaube, diese Fähigkeit zu haben, ist im beruflichen Kontext wahnsinnig, wahnsinnig wichtig. verbunden mit eben einer gewissen Salesfähigkeit. Und das kann ich jedem nur raten, dass sich sozusagen so diese Furcht vor der Ablehnung, sich das ein Stück weit abzutrainieren, sage ich jetzt mal. Was, glaube ich, geht. Das ist eine Fähigkeit, die wird einem, glaube ich, sein ganzes Leben lang extrem helfen. In allen Lebens lang. Also ich sehe das nur sozusagen, meine Frau, die hat null Schmerzen, irgendwelche Leute anzusprechen, um irgendwas zu bitten, zu fragen. Und ist auch selbst sehr ansprechbar. Da passiert nie was. Also was soll da passieren? Und es passieren aber wahnsinnig viele gute Dinge dadurch, muss man sagen. Und ich glaube, wer diese Fähigkeit hat, auch wenn es darum geht, in einem Konzern jetzt Aufmerksamkeit zu kriegen, also wie viele Leute dann da irgendwie rummachen und was ich, bevor sie dann da den Geschäftsführer ansprechen auf irgendeiner Veranstaltung oder was. Total dämlich, das nicht zu tun.

Joel Kaczmarek: Ich weiß total, was du meinst. Für meinen Business Club mache ich es ja momentan so, dass ich auf LinkedIn wirklich wildfremde Menschen anschreibe, die bei Calendly irgendwie reinjage und ich sammle immer fünf Leute in einem Termin. Das heißt, ich gehe regelmäßig, also mehrmals pro Woche, gehe ich in einen Videocall mit fünf mir völlig fremden Menschen. Und meine größte Angst war immer, dass da so Freaks bei sind. Dass ich dann irgendjemanden habe, der dann so ausfallen wird oder sagt so,was duzt denn du mich hier, du Idiot, ich hab dir das nicht erlaubt und so. Und siehe da, nichts davon passiert, sondern im Gegenteil.

Florian Heinemann: Ja, genau, es passiert nichts. Ja, und selbst wenn, selbst wenn, dann machst du halt den Call zu. Und ich ärgere mich so wahnsinnig über mich selbst, ja. dass ich diese Emotionen nicht kontrollieren kann. Und wie dämlich ist das? Muss man ja mal sagen. Ist einfach dämlich. Weil es wirklich dazu führt, dass du wahnsinnig viel an Potenzial hast, Wenn du das nett machst, also klar, es gibt einen Unterschied zwischen, sag mal, Marschmeyer-artig jetzt irgendwelche Türen einzutreten oder sozusagen, aber wenn du was Sinnvolles zu erzählen hast, so, what's the problem? Aber ich schaff's auch nicht. Und ich glaube sozusagen, das kann man, wenn man noch jünger ist und noch nicht so gefestigt in den eigenen Emotionen, ist es, glaube ich, deutlich leichter, das aufzulösen.

Joel Kaczmarek: Ich war auf einem Seminar von Karin Kuschik, die dieses Buch geschrieben hat, 50 Sätze, die das Leben leichter machen. Und dann sind so zwei, drei Sätze mir ins Gehirn gewandert. Das erste war, dass sie so meinte, egal was jemand von dir denkt, es hat nichts mit der Realität zu tun. Was ich schon mal total befreiend fand. Und dann saß ich mit so einer Teilnehmerin da und dann meinte die zu mir so, ja, du machst ja total das geile Produkt. Jemandem davon nichts zu erzählen, das wäre ja unterlassene Hilfeleistung. Und ich fand das so cool, wie die das gesagt haben und ich dachte so, ja, hat sie voll recht.

Florian Heinemann: Deswegen, also ich glaube, man kann, ja, also das hätte ich gerne früher gewusst. und vielleicht letzter beruflicher Punkt, wobei das auch ein Stück weit mit persönlichem Wohlbefinden irgendwie zu tun hat. Auch wieder sackendämlich, aber ich habe wirklich so eine Phase gehabt zwischen 23 und 33, wo ich quasi körperlichen Raubbau betrieben habe. Immer nur 70 Stunden gearbeitet, super viel geflogen. Das ist auch alles okay, man kann viel arbeiten, das ist alles gut. Aber ich glaube, einfach nur zu sagen, ich mache zwei, drei Mal die Woche Sport, das kommt mit in meinen Kalender. Ich ernähre mich vernünftig. Es ist so einfach im Verhältnis. Also mit so wenig Effort verbunden. Und ich habe wirklich so eine Phase gehabt und ich war wirklich sozusagen ein sportlicher Schüler. Ich habe vier, fünf Mal die Woche Sport gemacht. Ich habe halbwegs vernünftig Tennis gespielt. Ich habe halbwegs vernünftig Basketball gespielt. Dieses Stadium aufrechtzuerhalten in dieser ersten beruflichen Phase, das war ein Riesenfehler, das nicht zu tun. Weil wenn du zehn Jahre lang nichts tust, Und dich dann noch schlecht ernährst, das ist wirklich auch wieder sackendämlich. Und das ist persönlich, aber auch beruflich total relevant und das erfordert gar nicht so wahnsinnig, also einfach dieses Bewusstsein, dein Körper ist irgendwie die relevanteste Ressource, die du irgendwie hast und da die halbwegs pfleglich zu behandeln.

Joel Kaczmarek: Wie haben das denn früher die Samuels eigentlich gemacht? In dem sagte man ja auch mal nach, dass der gefühlt im Flieger lebte und unter den Schreibtischen schlief und so. Wie haben die das gemacht?

Florian Heinemann: Ich kann es jetzt bei Olli jetzt aktuell. Aktuell macht er wohl wieder viel, viel mehr Sport. Also viel mehr Sport und achtet viel mehr auf solche Sachen. Ich weiß gar nicht, ob der damals immer mit irgendwem trainiert hat oder so. Aber das Leben an sich von dem war natürlich wahnsinnig anstrengend. Und er hat sich auch nicht gut ernährt. Das ist das, was ich sehen konnte. Aber ich hatte jetzt auch nicht Ich hab den, weiß ich, wie oft hab ich Wir haben viel telefoniert, aber ich hab den vielleicht, keine Ahnung, alle drei, vier Wochen mal gesehen, ne? Damals hast du ja auch nicht per Zoom gesprochen, da hast du ja telefoniert. So zu der Zeit. Ich kann es dir gar nicht sagen, ehrlicherweise.

Joel Kaczmarek: Machst du es denn heute besser? Machst du heute mehr Sport?

Florian Heinemann: Ja, viel besser. Ja, ja. Also seit 32, 33 habe ich angefangen, zweimal die Woche Sport zu machen. Ich ernähre mich halbwegs. Auch natürlich durch die Kinder, weil du natürlich auch den Kindern Auch sowas wie Kohle. Man hat ja früher, war es völlig normal, dass du irgendwie Cola getrunken hast. Was für ein Schwachsinn. Red Bull. Also trinkst du ein paar Dosen Red Bull am Tag. Also wie dämlich. Gut, das hat sich generell geändert, die Einstellung zu solchen Themen und auch die Awareness, wie wichtig sowas eigentlich ist. Nee, aber das hat sich bei mir massiv geändert. Viel weniger Fleisch, einfach zwei-, dreimal die Woche Sport, viel in der Natur. So, klar, das nimmt natürlich auch Zeit in Anspruch, aber ich glaube, da brauchst du auch nicht, musst du gar nicht so wahnsinnig viel Zeit investieren, ehrlicherweise.

Joel Kaczmarek: Jetzt verstehe ich, wo dein Revue-Körper herkommt. Endlich habe ich auch darauf eine Antwort.

Florian Heinemann: Darum geht es ja gar nicht. Das ist ja auch für mich wieder, was ist mein Anspruch hier? Mir geht es ja einfach im Prinzip nur, es geht ja nicht darum, alt zu werden, sondern es geht ja auch darum, den Zustand, wo man funktionsfähig alt wird.

Joel Kaczmarek: Bist du ein ehrgeiziger Typ eigentlich?

Florian Heinemann: Ich bin schon relativ ehrgeizig. Aber ich glaube, in dem, worauf sich mein Ehrgeiz konzentriert, bin ich glaube ich schon, und das ist schon ganz cool, ziemlich selbstbestimmt. Also, Was meine ich jetzt damit? Ich habe, glaube ich schon, ich setze mir meine eigenen Ziele, meine eigenen Ambitionen und bin nicht so stark fremdbestimmt in meiner Zielsetzung. Also ich nehme schon auf, wenn jetzt irgendwie andere Venture Capitalisten irgendwelche ganz tollen Dinge tun und so weiter, aber es kommt nicht ganz so nah an mich ran und das ist super. Also es kann natürlich auch dazu führen, dass du dann eben nicht mehr dieses Exzellenzstreben hast. Aber ich würde sagen, man darf eben zwei Sachen nicht verwechseln. Ehrgeizig zu sein heißt nicht unbedingt immer sozusagen das besser zu machen, was andere machen, sondern ehrgeizig kann man glaube ich auch sein, wenn man sich selbst ambitionierte Ziele setzt, die nicht unbedingt immer sehr stark dadurch beeinflusst werden, ob jetzt gerade der das macht oder der das macht. Ich glaube, das ist sehr kraftvoll, wenn man quasi in der Lage ist, sich selbst ambitionierte Ziele zu setzen in einer gewissen unabhängigen Entscheidungsfindung. Das sorgt, glaube ich, für sehr viel Zufriedenheit und nicht unbedingt zu weniger Output. Und da habe ich irgendwie ein bisschen Glück, dass meine Persönlichkeitsstruktur, es gibt natürlich Leute, die deutlich stärker, ist auch eine Persönlichkeitseigenschaft, ehrlicherweise, die deutlich stärker kontextsensitiv sind. Und das bin ich zum Glück nicht ganz so stark. Und das hilft mir schon enorm, weil das, finde ich, sehr viel Ruhe reinbringt und sich eben die Fähigkeit, sich dann auf gewisse Dinge zu fokussieren und nicht immer sozusagen ständig zu überlegen.

Joel Kaczmarek: Ich habe manchmal so diese Krankheit, dass ich immer diesen Fehler genau mache, den du beschreibst. Ich hatte neulich Gesangsunterricht mit meinem Gesangslehrer, da meinte er, oh super, halb zehn, du kannst schon das Hohe C singen. Und dann, wo ich so sagte, ja, aber das machst du ja auch. Also dann erwarte ich das doch von mir. Und wie ich mir das so aussprach, dachte ich so, okay, warte mal, der macht das aber auch sechsmal am Tag, fünf Tage die Woche und ist irgendwie 15 Jahre lang Opernsänger gewesen. Maybe he's right, ja, und das ist nicht der Bezugsrahmen, den man haben sollte. Aber jetzt bin ich einmal neugierig vor allem, was so dein fünfter und letzter Punkt ist, weil der ja, wenn ich es richtig verstanden habe, eher persönlicher Natur ist.

Florian Heinemann: Ja, ich glaube, was ich mir im Nachhinein wünsche, gewünscht hätte, das hat ehrlicherweise jetzt auch wieder einen gewissen beruflichen Bezug, Ich habe bei BWL studiert damals, an der WAU, das war auch gut. Also ich möchte das nicht missen, das war eine super Zeit, ich habe super Leute kennengelernt. Aber ich habe im Nachhinein nicht das Umfeld bereut, das Umfeld war super. Das hat mir eine Menge mitgegeben und ich glaube sozusagen auch gerade diese Einstieg in die Startups hat nur dadurch funktioniert, muss man auch ganz klar sagen. Sonst hätte ich wahrscheinlich was anderes gemacht oder wäre da über Umwege reingekommen. Das war schon für mich ein super Einstieg. Insofern möchte ich das nicht missen. Aber im Nachhinein muss ich schon sagen, finde ich es schade, BWL studiert zu haben. Weil ich immer denke, BWL, die allermeisten Sachen, die man da so lernt, vielleicht mal VWL außen vor, die kann man eigentlich auch in einem Jahr am INSEAD lernen. Oder wenn man ganz nüchtern ehrlicherweise ist, durch eine disziplinierte YouTube-Recherche sich ebenfalls aneignen. Und eigentlich ist es ja so, wenn man irgendwas macht, wo man vier Jahre lang hingeht, das war ja bei mir so, ich habe ja vier Jahre lang an der Uni verbracht. um da diesen Diplom-Kaufmann zu kriegen, muss man natürlich eigentlich da Dinge machen, die eine höhere Einstiegshürde haben, die du eben nicht in einem Jahr im Instiat machen kannst, die du nicht in einem Mini-MBA bei McKinsey, BCG oder sonst irgendwas dann quasi noch on the job lernst, sondern eigentlich muss man ja Dinge tun, wo du wirklich sagst, dafür muss ich jetzt wirklich vier Jahre lang eine Institution besuchen. Und das sind wahrscheinlich eher Dinge wie Medizin, Ingenieurswesen, Also ich finde es so, wenn ich jetzt so die neuen Gründer sehe, die ja häufig nicht mehr so Execution-lastige Modelle machen, die dann irgendwas, ich an der TU München einen Kurs in, wie baue ich eigentlich so einen Motor für eine Rakete? oder die bauen da irgendwelche Solarautos, wo du denkst, ja okay, da gibt es vielleicht auch irgendwelche Tutorials auf YouTube. Aber da ist die Barriere oder die Eintrittshürde natürlich nochmal eine ganz andere. Oder in Aachen, wo ich dann da promoviert habe, da siehst du diese riesen Institute, wo dann irgendwelche Motoren getestet werden und sowas. Das sind natürlich alles so Themen, wo du sagst, ja okay, das geht halt nicht einfach mal so mit YouTube. Da brauchst du halt Anlagen, du brauchst Apparaturen oder Medizin ja genauso. Das sind so Und das muss ich im Nachhinein schon sagen, eigentlich wenn ich schon vier Jahre meiner Zeit mir nehme und dann mache ich etwas, was ich auch auf YouTube mir hätte beibringen können, ist das eigentlich schade, muss man sagen. Ich glaube schon, dass die Welt BWLer braucht, das ist jetzt nicht der Punkt. Ich glaube, du hast schon einen gewissen Beitrag, aber ich muss schon sagen, die Zeit hätte ich wahrscheinlich besser verbringen können.

Joel Kaczmarek: Aber konfligiert das nicht mit deinem ersten Punkt, wo du meintest, die eigene Leidenschaft finden, das eigentliche Setup in einem Selbstverstehen und dann danach handeln, weil du bist ja kein Mediziner und kein Ingenieur.

Florian Heinemann: Ja, aber ich weiß gar nicht, ob ich ein guter Naturwissenschaftler auch hätte werden können. BWL war ja bei mir jetzt, oder die Entscheidung für die WRU damals, das war ja keine Oh, jetzt großartig strategische Entscheidungen, wo ich wirklich dann verstanden hatte, was ist mir eigentlich wichtig, sondern es war eigentlich, oh, das ist schwer da reinzukommen, da sind viele Leute mit gutem Abi, da sind viele Studienstiftler und so weiter, dann mache ich das doch auch mal. Und wenn du das halt schaffst, diesen Aufnahmetest, dann bist du halt quasi exzellent oder dann gibt es dafür eine gewisse Anerkennung. Wie gesagt, ich habe das im Nachhinein sozusagen, das Studium da war super, das hat mir Spaß gemacht, gerade so dieses Umfeld und so, es war alles toll. Aber eigentlich wäre so ein Umfeld kombiniert mit einer deutlich höher schwelligen Materie, das wäre eigentlich das für mich jetzt Gute gewesen wahrscheinlich. Aber wie gesagt, das ist so, zumindest kann ich halt sagen, ich habe damals keine bewusste Entscheidung dafür getroffen.

Joel Kaczmarek: Ich finde das sehr sympathisch, weil bei dir die ganze Zeit auch so rausklingt, was wir glaube ich alle haben, was einem schwerfällt, sich einzugestehen, wie oft wir im Leben eigentlich falschen Götzen hinterherrennen. Bei mir war es immer so, als ich überlegt habe, wo willst du mal beruflich landen, habe ich immer gedacht, ich will zu Coca-Cola oder Walt Disney, weil die Company-Namen so groß waren. und ich dachte, da verdient man viel Geld. und mir wurde das beigebracht, wenn du viel Geld hast, dann bist du ein gemachter Mann, hast du keine Sorgen. Surprise, das Leben hat sich irgendwie anders herausgestellt, dass das gar nicht so ist, ja.

Florian Heinemann: Ja und ich glaube, und das ist so ein bisschen das im Nachhinein, was sich so ein bisschen durchzieht. Man muss letztendlich für sich selbst natürlich dann einen Weg finden, wie man quasi bewusste Entscheidungen, also wie man sich selbst auf einen bewusst gewählten Pfad quasi bewegt und das möglichst schnell. und möglichst systematisch hinzukriegen. Das ist, glaube ich, wichtig. Und viele lassen sich einfach treiben. Du lässt dich treiben, es ist keine selbstbestimmte Entscheidung, es ist keine bewusste Entscheidung. Und dann auch noch, wie du gerade gesagt hast, läufst du auch noch dem falschen Götzen hinterher. Also das ist sozusagen, du treibst nicht, sondern du wirst getrieben. Und dann auch noch vor den falschen Orientierungspunkten. Ja gut, also Dass das jetzt nicht zu maximaler Potenzialausschöpfung führt und zu Zufriedenheit, das ist ja irgendwo logisch. Und ich glaube, da früher in den Modus zu kommen, das ist eigentlich so ein bisschen das, was sich bei vielen der Dinge durchzieht. Und vielleicht noch einen letzten Punkt, was ich schon toll finde, was mir jetzt auch nochmal so aufgegangen ist, auch an einigen Leuten, die jetzt hier bei uns arbeiten oder sozusagen, was ich auch bei anderen jetzt beobachte, auch hier in Berlin. an irgendwelchen internationalen Schulen. Was ich im Nachhinein, glaube ich, auch nochmal anders machen würde. wäre sozusagen ein noch stärker international ausgerichtetes Mindset. Also ich habe quasi, ja, ich war in den USA, ich habe irgendwie im Ausland studiert, dann war ich nochmal in den USA, habe dann nochmal einen Austausch PhD-seitig gemacht. Ich habe auch regelmäßig im Ausland gearbeitet. Aber ich finde sozusagen, und das haben viele Firmen, die du auch hier in Deutschland siehst, aber fairerweise in anderen Ländern siehst du es genauso, die Leute sind doch noch in gewisser Weise vorgeprägt durch die eigene Heimat. Also jetzt in unserem Fall Deutschland. Und das siehst du auch in deutschen Unternehmen, siehst du im deutschen Mittelstand. Das sind sehr häufig deutsch geprägte Managements. Das ist aber auch bei deutschen Großunternehmen so, deutsch geprägte Managements. Und eigentlich, ich glaube, wenn man ein truly international Mindset hat, dann öffnet sich, glaube ich, nochmal wahnsinnig viele Türen. Wenn du einfach verstehst, eigentlich ist eben nicht die Frage, wer ist jetzt die beste Person in Deutschland, die mir jetzt irgendwie helfen kann. sondern wer ist eigentlich die beste Person in Europa oder wer ist die beste Person global? So dieses sich deutlich stärker nochmal zu öffnen, möglichst früh und das mit einer anderen Selbstverständlichkeit nochmal hinzunehmen, weil man merkt schon, und deswegen ist das ja so, viele deutsche Mittelständler haben hauptsächlich deutsche Manager oder Managerinnen in Führungspositionen. Warum ist das so? Weil sie sich mit denen am wohlsten fühlen. Also weil das sich so am besten, am gewohntesten anfühlt. Und dieser Schritt, den zu gehen und zu sagen, nee, eigentlich müssen wir da komplett agnostisch werden. Wir müssen eigentlich überlegen, was ist die beste Konfiguration unabhängig von. Und ich glaube, das kriegst du halt nur hin, indem du noch konsequenter diese wirklich komplett agnostische Prägung annimmst. Und ich glaube, das ist ein sehr starker Hebel, um bessere Systeme zu bauen, offenere Systeme zu bauen. Und ich glaube, ich bin jetzt sozusagen für so einen Deutschen bin ich relativ international geprägt, aus verschiedenen Gründen, kann auch ganz vernünftig Englisch und so weiter. Aber ich glaube, da noch konsequenter am Abbau von Barrieren im Kopf, sprachlich und so weiter zu arbeiten, ich glaube, das ist im Nachhinein etwas, was ich noch deutlich konsequenter hätte vorantreiben müssen, muss man sagen.

Joel Kaczmarek: Diversere Teams erzeugen ja wissenschaftlich belegt bessere Ergebnisse, wenngleich man die Reibung auch nicht außen vor lassen sollte, die dadurch entsteht.

Florian Heinemann: Und das ist eben genau das Thema. Du musst dich damit wohlfühlen, du musst lernen, damit umzugehen. Ich glaube auch. unvorbereitete Diversität führt eben nicht zu mehr Performance. Sondern du musst wissen, wie du damit umgehst. Du musst wissen, wie du eben das Potenzial da rausholst. Und das mit einer hohen Selbstverständlichkeit. Und das passiert halt nur, wenn du quasi diese Prägung möglichst früh erlangst. Und das habe ich zwar so ein bisschen vorangetrieben, aber eben nicht in der letzten Konsequenz, wie man das wahrscheinlich machen müsste. Und da ist Deutschland natürlich auch nochmal hinterher, muss man eben auch sagen, hinter Ländern wie den USA. wo du schon nochmal eine deutlich stärkere, zumindest in gewissen Kreisen, einfach natürlich auch durch sozusagen diese sehr hochqualifizierte Zuwanderung, die du in diesen Ländern hast, wo du wahrscheinlich in der Hinsicht auch nochmal eine andere Offenheit hast. Aber ja, unabhängig davon, ich glaube, der Punkt für mich ist einfach, das sehe ich schon im Nachhinein, dass das eine vertane Chance ist, da noch mehr Selbstverständlichkeit im Umgang mit genau dieser internationalen Diversität, da noch eine andere Selbstverständlichkeit bei mir selbst zu erzeugen. durch einfach eine frühere Prägung. Das ist so ein Punkt, wo ich sagen würde, würde ich jetzt zum Beispiel meinen Kindern, wenn ich da die Möglichkeit hätte, anders raten.

Joel Kaczmarek: Florian, ich habe das heute sehr genossen. Dafür, dass es wieder ohne Proben ganz nach oben ging, war ich sehr verdutzt im positiven Sinne und begeistert, wie deep das heute war. Freut mich total. Danke. War schön mit dir.

Florian Heinemann: Fand ich auch. Und vielleicht kann ja der ein oder andere mit den Gedanken was anfangen.

Joel Kaczmarek: Auf die nächsten 25.

Florian Heinemann: Das wäre doch gut.