Dieses Transkript wurde maschinell erstellt. Wenn dir ein Fehler auffällt, schreib uns gerne zu diesem unter redaktion@digitalkompakt.de.
Julian Fest: Da haben schon viele Leute damals gesagt, ihr Seid vollkommen verrückt. Also eine PlayStation 3 aufnehmen, auf YouTube hochladen, Wer macht sowas? Das machen vielleicht Team Franzl in ihrem Schlafzimmer. Aber das ist doch kein Markt. Wir sehen unsere Produkte in Szenarien, das hat mir nie geglaubt. Also ob das jetzt genau ein Podcast ist mit dem US-Vizepräsident oder große Tech-CEOs oder auch... Hinter den Kulissen bei Fernsehaufnahmen, bei Podcast, Meine Eltern haben das alles komplett selber gemacht. Wie gesagt, auch nie mit externen Investoren. Also immer komplett bootstrapped. Die ganzen Series A Hier und VC da. Und ich denke mir so, okay, es gibt halt auch einen anderen Weg. Der ist heute vielleicht nicht mehr so sexy, aber eigentlich ziemlich cool.
Intro & Outro Speaker: Gib Mir fünf oder mehr, Gib mir alles, was du mir sagen kannst und sag, was hast du gelernt? Vom Fallen und Aufstehen, suchen und Versehen. Und jetzt Du Hi,
Joël Kaczmarek: hi Leute, hier ist Joël und ihr wisst, An unserem Money Monday rede ich regelmäßig, mit spannenden Unternehmen und Versuche immer nachzuzeichnen, Wie sind die eigentlich so groß geworden, Worauf kam es dabei an? Ist das eigentlich so das Ding, Was die machen? Und heute, ich bin ehrlich, wenn ihr uns auf YouTube verfolgt, in Klammern, Das solltet Ihr dringend tun, dann könnt ihr vielleicht nachvollziehen, warum mein Kopf heute völlig leer ist. Normalerweise mache ich Geile Anmoderationen, aber ich bin so abgelenkt von diesem ganzen Geilen. Shit, den es hier gibt. Nämlich, Wir sind bei Elgato. Kennt Ihr vielleicht Anbieter von Super Geiler Hardware, unter anderem auch Software? Und da gibt es so schöne Dinge wie das Stream Deck, Was viele Menschen kennen, mit all diesen schönen Knöpfen, wo man seinen Computer und Co. Steuern kann. Die Lights, die Kameras, also Ihr merkt so ein bisschen das Paradies eines Creators-YouTubers-Podcasts. So. Und jetzt wird es noch spannender, wenn man diese Firma sich mal genauer anguckt, sieht man mit, dass das voll die Geile Geschichte ist, die dahinter steckt. Denn sie wurde schon 1999 gegründet, als was völlig anderes. Und der Junior des Gründers, der Liebe, Julian Fest, mit dem ich heute rede, der ist immer noch da, weil sie es mittlerweile verkauft, an Corsair, ein amerikanisches Unternehmen. Julian wiederum, Der ist dort SVP, also Senior Vice President, Der hat da richtig, was zu sagen. Und für Elgato ist er der MD, Also, man könnte sagen der Deutschlandchef. So, Und dann sitze ich so da und denke so, warte mal, wie Seid ihr gestartet? Was habt Ihr gemacht? Was ist daraus geworden? Da habe ich gesagt, Julian, da müssen wir mal live drüber reden. Ich will euer Wachstum nachvollziehen. Und er hat Lust gehabt. Und deswegen freue ich mich, in seinen heiligen Hallen im schönen München sein zu dürfen. Von daher, lieber Julian, schön, dass Du da bist.
Julian Fest: Danke, schön, dass Du da bist.
Joël Kaczmarek: Ich habe auch gerade gedacht, für keine Anmoderation vorbereitet, war es dann doch ganz schön. Viel Gesamme hier.
Julian Fest: Aber sehr professionell.
Joël Kaczmarek: Ja, nimm mich mal ein bisschen mit auf die Reise. Also vielleicht machen wir es mal chronologisch. Ich glaube, 1999 war der Start von Elgato, richtig?
Julian Fest: Genau, genau. 1999 Gegründet von Mein Eltern in Los Gatos, Kalifornien. Da kommt der Name her. Und dann ein paar Jahre später ist der Hauptsitz umgezogen. Nach München. Und die Firma hat fast 15 plus Jahre TV-Produkte eigentlich gemacht. Also Fernsehen am Mac, Fernsehen am iPad, Fernsehen am iPhone. Und ich bin dann 2011 dazugekommen, um was Neues auszuprobieren. Was damals relativ exotisch war, Und zwar das Aufnehmen von Videospielen, um sie auf YouTube hochzuladen. Und das hat ganz gut funktioniert. Und das heutige Elgato baut eigentlich immer noch darauf auf.
Joël Kaczmarek: Also, ich muss mal ganz kurz dazwischenhängen, Wie fängt es denn an? Finde ich ja schon eine Geile Geschichte, wenn man sagt, hier. Mutti und Fadi haben irgendwie so einen der geilsten Hardwarehersteller im Streaming-Bereich gegründet. Was habt Ihr denn in Kalifornien gegründet? Habt Ihr da gewohnt oder wie kam das?
Julian Fest: Wir haben damals in Kalifornien gewohnt. Mein Vater hat Mitte der 90er Jahre, Das ist eigentlich eine ganz coole Geschichte, Er hat sich selber das Programmieren beigebracht und meine Mutter hat dann gespart, hat ihm den ersten Mac damals gekauft und auf dem hat er dann eine Software geschrieben namens Toast. Das war damals die erste CD-Brand-Software für Mac. Die wurde gekauft. Ich glaube, 1996 von der Silicon Valley Firma Adaptec. Im Zuge von diesem Verkauf ist dann die ganze Familie nach Kalifornien gezogen.
Joël Kaczmarek: Was ist das denn bitte? Aber ich habe von dir schon gelernt, da machen wir vielleicht mal eine zweite Folge. draus, dass dein Vater mehr Exits hat, als ich Unterhosen. Da hast du einen Überzeugungstäter. Und vielleicht tauchen wir nochmal so einen Tick über eure Vergangenheit. ein. Also du hast gerade gesagt, TV-Kartenanbieter wart Ihr eigentlich.
Julian Fest: Genau.
Joël Kaczmarek: Darf es ja nicht auch so eine Story, dass das Produkt so ein bisschen... Bräuchlich eingesetzt? War das nicht so in diesem ganzen Hacker-Universum, auch rund um Pirate Bay und Co.? War das da nicht so ein Ding mit Auszeichnungen?
Julian Fest: Es hat angefangen so 2010. Also wir hatten eine Software, die hieß EyeTV. Die war sehr beliebt für TV auf Mac. Und die haben wir auch lizenziert an andere Hardware-Unternehmen. Irgendwann ist die Anzahl der Downloads einfach enorm in die Höhe geschossen. Okay, das kann eigentlich nichts mit dem normalen Use Case zu tun haben. Wir haben dann die Leute einfach gefragt, Die haben sich mit ihrer normalen E-Mail-Adresse registriert, Was macht Ihr eigentlich mit der Software? Und es kam immer wieder zurück, ja, Ich nehme meine Playstation 3 auf, Ich nehme meine Xbox 360 auf und ich lade das Zeug auf YouTube. Und genau das war so. 2010. Wir haben uns das angeschaut, haben uns überlegt, okay, Wir haben uns eigentlich zwei Möglichkeiten. Entweder Wir können versuchen, etwas gegen Piracy zu unternehmen, weil die Software als Standalone-Produkt hat, glaube ich, damals. 80 Euro gekostet. Oder Wir können einfach der Marktnachfrage folgen und versuchen, dafür, eine Lösung zu entwickeln. Wir haben uns dann für das Letztere entschieden, weil gegen Piracy anzukämpfen, eigentlich eh schwierig ist. Und auch wenig Spaß macht. Und dann sagt man, okay, Anscheinend ist da ein Ding. Ja, Gameplay-Video auf YouTube. Scheint im Kommen zu sein. Und haben dann die ganze TV-Expektise im Prinzip daran angesetzt, da die perfekte Lösung dafür zu entwickeln, um diesen Workflow von Ich will Gameplay aufnehmen, Ich will es auf YouTube teilen, um diesen ganzen Prozess zu vereinfachen. Und haben das dann, Ich glaube, im Mai 2012 haben wir ein Produkt gelauncht, Game Capture HD, Und das ist dann sofort eingeschlagen. eigentlich.
Joël Kaczmarek: Das ist ein bisschen geil. Also ihr hättet die Wahl gegen Piracy kämpfen oder selbst Pirat werden und habt sozusagen den Weg gewählt. Also, ich finde es insofern spannend, weil es sozusagen nah an der Zielgruppe dran ist und an den Bedürfnissen. Und wie war das so? Also hast du deinen Vater, da hart überzeugen müssen? Hat der gesagt, Sag, mal Junior, was stimmt mit dir nicht? Und dann sagst du doch, Papa, das ist der Trend, YouTube kommt auf. War das so ein Talk oder ist der so begeisterungsfähig, dass der gleich gesagt hat, super, Mach was.
Julian Fest: Nee, es ist halt super, pragmatisch. Also Wir hatten zum Glück eine ganz gute Datenlage, weil ähm. Ein Konkurrent von uns aus dem TV-Segment war damals Public. Und die waren eigentlich der Nutznießer von diesem ganzen. YouTube-Trend auf der Hardware-Seite. Die Leute haben unsere Software illegal runtergeladen, deren Hardware gekauft. Die war eigentlich gedacht, um Set-top-Boxen, also, so Pay-TV-Boxen aufzunehmen. Und die haben das Public reported, immer ganz stolz. Wir haben so viele Tausende units von diesem Ding verkauft. Und wir wussten halt intern, okay, das hat nichts mit Fernsehen zu tun. Das ist alles für YouTube. Von daher, WIR konnten... Wir konnten das Potenzial relativ einfach tracken. Von daher war mein Vater dann auch so, okay, lass uns das ausprobieren. Er wusste aber gleichzeitig, dass das Team vielleicht von der Marketingdenkweise ein bisschen weit weg war. Von jetzt 13-Jährigen, die Gameplay auf YouTube hochladen wollen. Ich hab gesagt, gut, dann mach du mal.
Joël Kaczmarek: Was hast du da gemacht? Wie bist du das angegangen?
Julian Fest: Also erstmal auf Produktebene. Wir haben sehr viel Zeit. Damit verbracht, den ganzen Prozess wirklich zu vereinfachen. Man muss sich das vorstellen, Damals haben Leute wirklich aus ihrer PlayStation 3, haben, die das noch mit Component-Kabeln gemacht, also irgendwie vier Kabel raus, vier Kabel an den Fernseher zurück, Kompletter Kabelsalat. Wir haben eine Hardware-Lösung gebaut, Die war dann nur HDMI, HDMI und wir haben eine komplett neue Software entwickelt, die das ganze Aufnehmen, editieren und Teilen unglaublich leicht gemacht, hat. Von daher war dann erstmal die Produktebene und dann eben die ganze Marketing-Ebene, wo wir, glaube ich, 2012 haben wir halt schon komplett mit Influencer-Marketing angefangen, bevor das eigentlich ein Begriff war.
Joël Kaczmarek: Ich habe gehört, dass du der Erste warst, der KSI Gesigned hat, Stimmt das?
Julian Fest: Wir waren der erste finanzielle Sponsor von KSI tatsächlich. 2012 wusste eigentlich noch keiner, dass man mit YouTube Geld verdienen kann.
Joël Kaczmarek: Also für alle, die nicht so nerdig unterwegs sind wie wir, ist, so einer der größten britischen, wenn ich mich nicht täusche, Streamer im YouTube-Bereich.
Julian Fest: Der ist riesig, mittlerweile.
Joël Kaczmarek: Ich glaube, Prime macht ja auch diese Getränkemarke zusammen mit dem...
Julian Fest: Mit Logan Paul, genau. Der ist überall mittlerweile. Er macht auch...
Joël Kaczmarek: Ich glaube, das ist in der Jury, habe ich gesehen, oder saß mal, von America's Got Talent oder Britain's Got Talent. Also richtig große Adresse. Okay, also Du machst jetzt sozusagen...
Julian Fest: Ja, der hat angefangen, damals mit FIFA-Videos. Einfach FIFA-Videos auf YouTube hochgeladen. Wie gesagt, Damals gab es keine Talentmanager, Es gab keine Agenturen. Ich habe die Leute einfach angeschrieben und gesagt, ich glaube, wir haben da ein Produkt, das könnte dir helfen. Du müsstest es nicht mal ausprobieren. Und in der Regel bin ich da offene Türen eingelaufen, weil wir nichts Problem gelöst haben. Die Leute hatten Bock, mit uns zu arbeiten, und für viele waren wir dann damals auch der erste finanzielle Sponsor. Damals ging es um ein paar... 100 Euro oder 100 Dollar. Heute sieht das alles ganz anders aus.
Joël Kaczmarek: Vielleicht können wir mal einen kleinen Zeitpunkt machen. Wie hast du das in die Gegenwart? transferiert? Also arbeitet ihr immer noch viel mit Creatoren und seid ihr eher so in so einer Grassroot-Bewegung? Also eher Micro-Influencer sozusagen spezifisch oder macht ihr auch wirklich die großen Accounts und setzt da Sachen um?
Julian Fest: Wir arbeiten mit extrem vielen Creatoren weltweit und auf eine Art und Weise, die glaube ich immer noch ziemlich einzigartig ist. Also Wir haben ein internes Team von 10 plus Leuten, die nichts anderes macht, als sich um unsere Creator Relations zu kümmern. Das ist auch, wo wir marketingseitig am meisten Geld investieren. Wir machen relativ wenig in traditionell Paid Media, sondern wir gehen sehr auf die Beziehungsebene. Integrieren das aber dann in alles, was wir marketingseitig machen. Wir sind halt sehr community getrieben. Wir haben es gerade im Produkt Launch und Stream zwei Wochen lang selber jeden Tag. Laden da auch Partner von uns in den Stream ein. Also das ist was, was wir noch sehr intensiv betreiben. Und ich würde sagen, es ist ein Wettbewerbsvorteil.
Joël Kaczmarek: Ich wollte es gerade sagen. Ich glaube, so viel darf ich von hinter den Kulissen Mal verraten. Wenn ich hier mit dir sitze, Man kriegt ja so ein Feeling für die Produkte. Also A, sind die ja super nah dran an den Bedürfnissen, die man hat. Aber B, das Video-Setup, Hier hast du zu großen Teilen du aufgebaut. Also, ich merke da so ganz viel Überzeugungstätertum noch drin und auch wirklich die Sachen benutzen, weil ich glaube, das ist wichtig.
Julian Fest: Da muss ich jetzt hier, Hier sitzt Viktor, unser Tech-Director hier, Der hat das alles aufgebaut.
Joël Kaczmarek: Du hast jetzt ein Schiff nur gemacht.
Julian Fest: Ich gebe meinen Senf. Ich benutze die Produkte intensiv jeden Tag. Die Produkte, die wir machen, bieten sich auch dafür an. Wir machen Mikrofone, wir machen Kameras, wir machen Lichter, wir machen Stream Deck. Das kann eigentlich jeder ziemlich intuitiv in seinen Arbeitsalltag einbinden, vor allem, wenn man den ganzen Tag eh in Videomeetings hängt. Aber wir versuchen, als Firma insgesamt extrem nah an unseren Kunden zu sein und wirklich die Arbeitsabläufe im Detail zu verstehen, um dann auch Lösungen zu entwickeln, die wirklich einen Mehrwert bieten.
Joël Kaczmarek: Also, ich kann ja mal so ein bisschen aus dem Nähkästchen pläuen, man merkt ja hier, Meine Neutralität ist der Begeisterung gewischen. Wenn Du mir so erzählst, so Ja, hey, wir haben halt auch ganz viel, so Burned Media. quasi, also, dass du mir dann erzählst, guck, mal, Ich sehe hier irgendwie einen amerikanischen Vizepräsidenten oder so, der unser Tool nutzt, Ich sehe den, ich sehe den, Also. Das muss doch auch unglaublich faszinierend sein, so ein Stück Hardware zu bauen, wo du merkst, also, in welche Dimension das eigentlich so vordringt und an welche Leute und in welche sozusagen? Anwendungsfälle, oder?
Julian Fest: Ja, Es ist total faszinierend. Also, wir sehen unsere Produkte in Szenarien, das hätten wir nie geglaubt. Also ob das jetzt genau ein Podcast ist mit dem US-Vizepräsident oder große Tech-CEOs oder auch hinter den Kulissen bei Fernsehaufnahmen, bei Sportevents, Wir haben mit Stream Decks ohne Ende bei den Olympischen Spielen gesehen. Das ist schon crazy, ja. Aber ich glaube, Jeder versucht, heutzutage irgendwie seinen Kunden, seinen Fans, seinen Kollegen, seine Angestellten digital näher zu kommen. Und ich glaube, wir bieten einfach sehr viele Lösungen an, die da einfach perfekt reinpassen. Deswegen sehen wir da zunehmend viel einfach. Organisches Wachstum.
Joël Kaczmarek: Wir können ja da gleich nochmal reintauchen, aber vorher machen wir nochmal den Zeitsprung zurück. Also, wir waren so beim Jahr 2011, bisschen später auch stehen geblieben, wo du gesagt hast, ich bin da eingestiegen. Wir haben diesen neuen Markt für uns entdeckt und dann sind wir im Prinzip hingegangen und haben so Influencer-Marketing gemacht. Was würdest du sagen, was waren so die Schlüsselmomente, die Ihr hattet, die Euch dann auch so eine Erfolgsspur gebracht haben?
Julian Fest: Ja, ich meine, Der allererste Schlüsselmoment war wirklich zu sagen, okay, Wir nehmen diesen markttrend ernst und entwickeln da ein Produkt dagegen. Denn da haben schon viele Leute damals gesagt, ihr Seid vollkommen verrückt. PlayStation 3 aufnehmen und auf YouTube hochladen, Wer macht sowas? Das machen vielleicht fünf Hansel in ihrem Schlafzimmer, Aber das ist doch kein Markt. Wir haben daran geglaubt, waren dann auch sehr schnell, sehr erfolgreich. Und ich glaube, der zweite große Sprung für uns war dann zu sagen, wir sehen es nicht als Produkt, sondern als Brand. Und sind dann wirklich auch umgeschwenkt und sind damals sehr hart in die Gaming-Richtung gegangen, haben dann Elgato Gaming als Sub-Brand gegründet und uns nur auf wirklich Gaming-Content fokussiert. Das war aber erst 2014, 2015, Dass wir diese Entscheidung getroffen haben. Und auf der Basis haben wir dann auch eine komplette Broadmap entwickelt und haben uns auch als Firma wirklich weiterentwickelt. Dann ist dann das Stream Deck entstanden, sind Lichter entstanden, sind dann irgendwann Mikrofone und Kameras entstanden.
Joël Kaczmarek: Wie macht Ihr das, wenn Ihr jetzt so neue Produkte entwickelt? Woher weißt du, also so ein Stream Deck zum Beispiel, korrigiere mich. Ich glaube nicht, dass es großartig andere Anbieter in dieser Richtung gibt. Es ist ein bisschen so eine Category of its own. Wie schafft Ihr das, so nah an den Leuten dran zu sein und solche Dinge zu entwickeln und dann auch zu verstehen? Ich meine, es gibt ja 50 Sachen, die bei Gaming relevant sind. Die meisten machen dann auf einmal Tastaturen und Mäuse und irgendwie Stühle, weil es ist, so unbequem zu sitzen. Und ihr kommt um die Ecke und macht so ein Stream. Deck. Was ist euer Prozess für?
Julian Fest: Ja, wir waren halt immer super fokussiert auf diesem Content Creator Workflow. Und wir sind halt auch schon sehr lange dabei. Ich glaube, Google hat YouTube 2008 gekauft. Wir haben 2012 gestartet, das gleiche Jahr, in dem Twitch eigentlich gelauncht ist. Also, wir sind, Wir haben einfach sehr früh angefangen und dürften. Dadurch sehr viele Trends in Echtzeit mitverfolgen. Dass zum Beispiel Twitch gelauncht ist, hat Livestreaming zugenommen. Irgendwie 2014 haben wir gemerkt, okay, das ist ein Trend, Leute finden es cool, Aber der Content ist eigentlich relativ langweilig. Also, es war immer jeden Stream, den du Dir angeschaut. hast, war Gameplay, Webcam, Mikrofon und die Leute haben halt gezockt und ein bisschen gelabert. dabei. Okay, wenn du das vergleichst mit einem äh, mit einem Bundesliga Match. Zum Beispiel, wo es permanent Kamerawechsel, Irgendwelche Informationen werden eingeblendet, Du hast verschiedene Stimmen, also, es ist viel dynamischer. Wie können wir diese Produktionsqualität eigentlich einer One-Man-Show ermöglichen? Und die Inspiration? Damals war tatsächlich Stefan Raab, der hatte so ein Nippelbord, wo er immer lustige Clips eingespielt hat. Und ich habe gedacht, okay, sowas bräuchten wir eigentlich, also irgendeine Lösung. Die sich ein Creator auf den Tisch setzen kann. Man kann einfach durch Tastendruck seine Produktion steuern und sind dann am Ende bei der Stream Deck-Lösung gelandet, dass wir gesagt haben, okay, wir machen eigentlich sowas wie eine intelligente, Softwaregesteuerte Tastatur, Wobei jede Taste ein kleiner Bildschirm ist. Und legen dir einfach so einen kompletten Kontrollraum. Eigentlich auf deinen Tisch.
Joël Kaczmarek: Was ich da gleich anschließe bei mir als Frage ist, was wart Ihr für eine Organisation? damals, dass Ihr Sowas ohne Weiteres hinkriegt, weil da steckt ja Hardware drin, Da steckt Software drin, da steckt Commerce drin. Und da steckt auch sowas wie Verpackungsdesign drin und ein ganzes Brand-Element. Also, es ist schon ein sehr komplexes Produkt, was Ihr da baut.
Julian Fest: Es ist komplex. Von der Organisation HER waren wir perfekt dafür ausgerichtet, weil wir hatten ja schon 15 plus Jahre. Erfahrung mit Consumer-Hardware-Produkten, die genau das kombinieren. Also Hardware, Firmware, Software, den ganzen Channel über Amazon, MediaMarktSaturn und so weiter, Da waren wir ja schon überall drin. Von daher, Das waren Probleme, die wir eigentlich in dem Jahrzehnt davor gelöst hatten. Jedes neue Produkt ist in sich komplex. Bei Stream Deck zum Beispiel wussten wir auch nicht, Wird das ein Erfolg oder nicht. Also, wir sind da softwaretechnisch sehr, sehr dezent gestartet. Haben denke ich, mit so einer MVP-Lösung gelauncht und haben wir gesehen, okay, das schlägt ein. Also der Markt hat uns das Feedback gegeben, cool, Das erste Produkt, das wirklich für uns entwickelt worden, ist. Weil davor haben die sich halt immer irgendwelche Tools so ein bisschen vergewaltigt für diesen neuen Workflow. Und die Leute sind ja sehr pfiffig, vor allem im Gaming-Bereich, Da sind die auch experimentierfreudig. Als wir mit dem Stream Deck gekommen sind, war das Feedback einfach echt extrem positiv. So wow, jemand sieht uns und entwickelt eine Lösung, die für uns optimiert ist.
Joël Kaczmarek: Und habt Ihr irgendwann so eine Art Absprung genommen, weil Du hast ja gesagt, Ihr habt euch sehr auf Gaming spezialisiert. Jetzt gibt es ja im Creator-Bereich, also, was es alleine wahrscheinlich für Kochsachen gibt, für Deko, für irgendwie Bastelsachen. Es gibt ja zig Ecken, in die man da optimieren kann. Also denke ich gerade so drüber nach. Wenn ich jetzt zum Beispiel basteln hätte, brauchst du so eine andere Kamerageschichte, dass Du vielleicht von oben, was filmst oder wenn Du mit Smartphones was machst oder oder. Also habt Ihr das Sukzessive ausgelagert oder ausgeweitet, vielmehr oder seid ihr eigentlich schon mit so einem gewissen Fokus immer geblieben?
Julian Fest: Wir hatten schon lange einen sehr starken Fokus auf das Gaming-Segment, weil man sagen muss, es ist auch über die Jahre enorm gewachsen. Also angefangen 2012, Die Entwicklung bis 2019. Gaming-Content ist einfach zu einem komplett eigenen Entertainment-Format eigentlich geworden. Also Die Zahlen sind... Sind massiv. YouTube sagt selber, Die haben 500 Millionen Leute, die täglich eingeloggt sind und Gaming-Content konsumieren. Es gab noch diese Geile Geschichte,
Joël Kaczmarek: die haben noch bei YouTube gesagt, Everyone can start a Podcast and it will work. Except for Minecraft, weil es so viele Podcast schon gibt.
Julian Fest: Nee, es ist ein Phänomen, und viele Leute finden es überraschend. Ich denke mir so... Wir haben auch damals anderen beim Zocken zugeschaut. Als ich aufgewachsen bin, habe ich immer meinem großen Cousin beim Resident Evil spielen zugeschaut. Ich habe mich selber nicht getraut, aber ich saß halt daneben. Und jetzt wird es halt einfach ins Internet übertragen, wo jeder zuschauen kann. Die Spiele haben sich natürlich weiterentwickelt, sind große Open-World-Games mit einer Riesen Modding-Community. Also Die Leute bauen ja ihre eigenen Welten in diesen Spielwelten. Wir sind eigentlich schon mit dem Markt gewachsen. Was dann wirklich uns ein bisschen in die Breite gezogen hat, war Covid und die Lockdowns, wo auf einmal jeder den ganzen Tag in Videocalls war. Die meisten Leute zum ersten Mal, muss man auch sagen. Also jetzt rückblickend, Ich glaube, davor war halt noch Skype. Und Voice-Chats, aber eigentlich Videocalls, waren nicht mehr im Stream. Und alle haben Lösungen gesucht. Okay, was brauche ich für eine Kamera? Was brauche ich für Ton? Das ist alles viel zu kompliziert. Kann ich das irgendwie vereinfachen? Wie optimiere ich meine Kamera-Qualität? Das heißt, die Probleme, Die Leute lösen wollten, Die waren eigentlich genau die gleichen, die wir eh schon gelöst haben, nur sehr speziell für YouTuber und Twitch-Streamer. Aber da haben wir... Das erste Mal wirklich gemerkt, dass unsere Produkte eigentlich deutlich breitere Nachfrage genießen können.
Joël Kaczmarek: Also Ich meine, nennen wir das Kind mal beim Namen. In meiner Sphäre ist es ja auch so. Ich habe viele Podcast. Ich habe mit sehr wohlhabenden Leuten zu tun und vor allem sehr digital. affin. Und dann hast du so ganz skurrile Situationen, dass ich meinetwegen mit zwei Anwälten eine Podcast-Folge mache. Die haben ein Büro, Da ist der Quadratmeterpreis in Kudammnähe in Berlin wahrscheinlich so hoch, wie ich in einem Monat, für was ich weiß, ausgebe. Du hast Einrichtungen, Krass, hohe Gehälter auf den Tischen, finde ich mal jetzt amüsant, So 15 Unterschiedliche Arten, Schokolade und Getränke, also luxus an allen Ecken und so Wellbeing und so weiter. Dann guckst du mal, was die für eine Kamera haben, Dann ist das, so die Integrierte in dem Laptop. Haben kein Monitor, so ungefähr, ne? Also dieses Verständnis für, okay... Das ist eine Visitenkarte, wie ich mich im digitalen Raum präsentiere. In Videosituationen. Hätte ich jetzt bis vor ein paar Jahren auf jeden Fall mal gesagt, und ich würde auch fast sagen, Bis in die Gegenwart ist ein bisschen schwierig. Kleiner Disclaimer, Vielleicht bin ich auch hier, wenn wir uns sowas angucken. Wie erlebst du das? Ich, meine, ist es für euch nicht ein Riesenbusiness, da auch, was Draus zu bauen, dass man so eine Situation irgendwie angeht?
Julian Fest: Es war in den Covid-Lockdowns war es ein Riesenbusiness, wirklich explodiert. Also, es ist, wenn man... zurückgeht, April 2020, Da hat sich unser Umsatz wirklich von einem Tag auf den nächsten einfach verdreifacht. Das war total krass, ohne dass wir irgendwas gemacht haben. Man muss aber auch sagen, das ist, Podcast hat sich das alles wieder extrem verlangsamt, Was diese Corporate Use Cases angeht. Und ich sehe es auch in den Meetings, die ich habe. So gefühlt legen die Leute da immer noch relativ wenig wert darauf, wie sie online auftreten. Also die Professionalität, die Sie dir in Person gegenüberbringen, Die bringen Sie noch nicht in Ihr digitales Auftreten mit rein. Vielleicht, weil die Lösungen immer noch zu kompliziert sind. Es ist einfach nicht zugänglich genug, Die Leute sind technisch, nicht affin genug oder haben ein bisschen Angst oder haben schlechte Erfahrungen gemacht, kann auch sein. Also da gibt es noch viel Arbeit.
Joël Kaczmarek: Ich glaube, das ist ein spannender Punkt. Ich bin die ganze Zeit immer griffig zu fragen. Es gibt ja dieses Marmeladenphänomen. Also Supermärkte haben irgendwann gesagt, hey, wir machen guten Umsatz mit Marmelade. Lasst uns mal mehr Sorten reinnehmen, und dann machen wir noch mehr Kohle. So, Da gab es neben Erdbeer und Kirsch vielleicht noch irgendwie Aprikose und Feige und Stachelbeere. Und You Name it. Und der Effekt war, Die Leute haben weniger Marmelade und mehr Honig gekauft. So, Und dann haben wir es wieder zurückgedreht. Und es fuhr hoch. Das heißt, das Learning daraus ist, Zu viel Auswahl killt eigentlich Umsatz. So, wenn ich jetzt mal hier bei dir so sitze, Du könntest ja wahrscheinlich zehn unterschiedliche Mikrofone verkaufen. Ihr habt nämlich so zwei, drei in die Richtung für verschiedene Use Cases. Von, meinetwegen, XLR, USB, Ansteck, kommt demnächst, weiß ich so. Wie macht Ihr das, dass Ihr es schafft, dass es nicht so Ausphase, dass ihr fokussiert bleibt und dass ihr auch nicht zu so einem Shop werdet. Mit Death by Filter, Ich habe 50.000 Produkte, Die SKU-Anzahl geht hoch, Keiner blickt mehr. Weißt du, was ich meine? Diese Einfachheit, Wie kriegt Ihr das denn?
Julian Fest: Ja, weil wir uns... Komplett auf Workflows konzentrieren. Ich glaube, was viele Firmen irgendwann machen, ist, Die fangen an, sich irgendwie GFK-Zahlen zu kaufen und sehen, ah, Das Produkt in dem Preisband und die Marke hier und die Marke da. Und die versuchen überall, was dagegen zu setzen. Wir konzentrieren uns nur auf die Probleme. Und welche Lösung. Das heißt, damit wir ein neues Produkt machen, muss es schon ganz andere Probleme lösen. In der Regel brauchst du nicht. Zehn Mikrofone, um Audio-Probleme zu lösen. Und wir sind da auch sehr spezialisiert. Wir versuchen jetzt nicht, Mikrofone für Schlagzeuge oder Instrumente zu machen. Wir konzentrieren uns nur auf deine Stimme. Und auf Workflows, die für unsere Kunden relevant sind, Die gehen dann vielleicht eher in die Richtung, Wie bringe ich Audio von meiner Konsole in meinen Content? Oder wie bringe ich ein zweites Mikrofon rein in so einem Podcast Oder wie bringe ich einen zweiten PC rein. Wir sind auch sehr aggressiv darin, Produkte dann End of Life zu setzen. Also wenn eine neue Generation kommt, dann laufen die nicht parallel, sondern das eine Produkt ersetzt, das andere Produkt relativ schnell. Und auch da habe ich gemerkt, da sind wir relativ eigen. Also bei Corsair, Teilweise fragen die uns auch, Ihr wollt jetzt hier das Produkt End of Life, und das gerade am Höhepunkt von seinem Umsatz ist, Ihr Seid doch bescheuert. Wir sagen, nee, nee, Wir setzen das mit was und der Trend geht in die Richtung. Und das ist die richtige Entscheidung.
Joël Kaczmarek: Apropos Corsair, Wie kam es dazu, dass Ihr Euch dann abkaufen lassen?
Julian Fest: Wir waren 2015 so ein bisschen in einem Scheideweg. Denn 2010 haben wir schon festgestellt, dieser Kernmarkt von TV, Der geht irgendwann weg. Du hattest auf der einen Seite Streaming mit Netflix und Co. Und auf der anderen Seite ist Sky, und alle anderen sind immer mehr in so eine Pay-TV-Richtung gegangen, wo wir einfach nicht mitspielen konnten. Das heißt, wir waren so ein bisschen mit dem Rücken gegen die Wand und wir sind, oh, Unser Kerngeschäft ist auf jeden Fall, also. Wird extrem unter Druck, wird sterben. Das war absehbar. Und wir haben dann sehr viel experimentiert. Also Das mit Gaming-Content war eine Richtung. Wir sind aber auch in die Smart-Home-Richtung gegangen. Da hat damals Apple HomeKit angefangen. Wir waren sehr Apple-nahe von der Entwicklungskultur und haben dann da auch rum experimentiert. Und waren dann eigentlich der erste große Anbieter von Apple HomeKit-Produkten. Hatten dann aber irgendwann eigentlich zwei Unternehmen in einem. Also, wir hatten ein Smart Home Unternehmen, wir hatten ein Gaming Content Unternehmen. Wir haben, glaube ich, relativ naiv gedacht, okay, das funktioniert. Wir können das mit einem Marketing Team, mit einem Vertriebsteam, Das wird schon irgendwie klappen. Wir haben dann mehr und mehr gemerkt, okay, das geht komplett auseinander. Also, wir müssen diese Firmen eigentlich eh aufspalten. Und als wir in diesem Prozess waren, haben wir angefangen, Angebote zu kriegen. Für die Gaming-Sparte. Unter anderem von Corsair. Wir haben uns dann damals entschieden, einen formellen Prozess draus zu machen. Mit dem Endergebnis, dass wir an Corsair verkauft haben, weil wir da das Gefühl hatten, okay, Das ist eine gute Heimat für dieses Business, Eine gute Heimat für das Team und hilft uns beim Wachstum.
Joël Kaczmarek: Viele fallen in Depressionen, Viele GründerInnen, Wenn denen Sowas passiert oder die Gehen und sagen, ich mache, was Neues. Was war es, dass du gesagt, hast, Ich habe aber Bock, das weiter aufs nächste Level zu bringen?
Julian Fest: Also zum einen bin ich mit der Marke irgendwo aufgewachsen. Also Ich habe wirklich damals im Keller Boxen verpackt. Ich habe als Software noch in CDS kam, habe ich die CDS gebrannt und die Sticker draufgepackt. Und so. Ich war als 13-Jähriger schon auf Messen unterwegs. Also, ich bin einfach mit dieser Firma aufgewachsen und die Marke bedeutet mir persönlich sehr viel. Ich kenne natürlich auch das Team schon extrem lange. So zwei von den damaligen Co-Foundern von 1999 sind immer noch dabei. Die kennen mich schon, seitdem ich ein kleiner Junge bin im Prinzip. Von daher, Da rauszugehen war nie was, was ich wollte. Plus der Markt und die Produkte sind extrem spannend. Unsere Kunden sind einfach extrem cool. Die machen Coole Sachen. Die sind sehr kreativ. Die machen mit unseren Produkten. Sachen, wo wir immer noch heute sagen, krass, okay, echt spannend. Und was auch wichtig ist, Corsair hat uns halt den Freiraum gegeben. Sie haben wirklich gesagt, okay, Ihr seid eine relativ autonome Business Unit, Ihr kümmert euch um Roadmap, Ihr kümmert euch um R&D, Ihr kümmert euch um Brand, Ihr kümmert euch um Marketing. Und wir helfen euch eher mit den Backoffice-Funktionen, Finance, HR, Legal. Supply Chain, Logistik, Solche Sachen. Das heißt, wir konnten uns eigentlich von Anfang an auf die Sachen konzentrieren, die mir und dem Team hier am meisten Spaß machen.
Joël Kaczmarek: Und war es denn aber keine Option, einfach ohne Käufer weiterzumachen? Also wäre es sozusagen schwieriger gewesen oder aus irgendeinem Grund nachteilig?
Julian Fest: Haben wir uns natürlich auch überlegt. Also man muss dazu sagen, ein Hardware-Business oder ein Hardware-lastiges Business. Wir generieren ja Umsatz in erster Linie durch den Verkauf von Hardware. Obwohl wir uns eigentlich als Softwareunternehmen verstehen, generieren wir Umsatz durch den Verkauf von Hardware. Das ist auch schon ein komplexes Business, also vor allem zu skalieren. Wir waren Bootstrapped, wir hatten nie. Externe Investoren. Und wenn du dann irgendwann eine Größe erreichst, wo du für 20 Millionen Euro fürs Weihnachtsgeschäft einkaufen musst und alles selber finanzierst, Das wird irgendwann echt schwierig und natürlich auch hoch riskant, Was Cashflow angeht. Also, wir hatten dann schon das Gefühl, so ein größerer Partner würde uns schon helfen.
Joël Kaczmarek: Und vielleicht für Menschen, die Corsair nicht so gut kennen. Also auf Gaming, auch spezialisiert, machen ja viel in Richtung Gaming-PCs, auch Mobiliar, Mäuse und so weiter und so fort. Amerikanische Firma. Und ich stelle bei Amis ehrlich gesagt oft fest, Wenn die eine Bude kaufen, dann kommen die ja so ein bisschen mit ihrem Cowboy-Style um die Ecke. Dann ist ja so, du da drüben auf meinem Kontinent, du bist, so mein Stadthalter, Die Regeln werden hier drüben bei mir gemacht. Hast du da Glück gehabt, dass es bei euch nicht so ist, oder habt ihr das sozusagen voll gut geklärt, dass Ihr sagt, hey, Pass mal auf, wenn dann nur so, wie ist dir das gelohnt?
Julian Fest: Also das Besondere bei Corsair. Zu dem Zeitpunkt war, dass der CEO, mit dem wir geredet haben, Andy Paul, Der war der Gründer von Corsair von vor 30 Jahren. Und diese Founder-CEO-Kultur ist schon mal was anderes, als wenn du mit einem großen börsennotierten amerikanischen Unternehmen Redes, Das halt irgendeinen Outside-CEO hat, der nur auf Share-Price ausgerichtet ist. Wir hatten mit Andy und der jetzigen, also meine Chefin, Thi La, die war damals COO, Das waren eigentlich die zwei Leute, mit denen wir geredet haben. Und wir hatten bei denen von Anfang an einfach ein sehr gutes Gefühl, Dass die uns den Freiraum nicht nur versprechen, sondern dass die das dann auch einhalten. Und haben uns dann aus dem Grund auch damals für Corsair entschieden. War dann auch alles so.
Joël Kaczmarek: Versuche Einmal Learnings abzuleiten für andere. Was sind so deine Learnings in der Zusammenarbeit mit Amerikanern?
Julian Fest: Also das amerikanische Mindset, Das musste auch ich lernen, ist einfach deutlich aggressiver als das deutsche, Was Wachstum angeht. Als vor Corsair Waren da... Mit unseren Zielen immer relativ konservativ. Wir sind 10% gewachsen, Super Applaus. Wenn es 11% waren, dann war es schon die Erwartungen übertroffen. Wenn du bei einem amerikanischen Unternehmen 10% wächst, dann musst du nächstes Jahr 30% wachsen. Also, es ist eigentlich alles so auf komplette Weltherrschaft ausgerichtet. Es ist eine andere Denkweise als bei einem deutschen Unternehmen. Das hat positive und negative Aspekte. Ich glaube, dieses ein bisschen größer denken, da können wir uns schon was davon abschauen. Gleichzeitig die Kultur hier, sag ich ein bisschen längerfristig, zu durchdenken. Da könnten die Amis, glaube ich, ab und zu ein bisschen daran profitieren. Aber ist das ein Geben und Nehmen?
Joël Kaczmarek: Ich habe eine spannende Geschichte in Neuschön, die wir haben, gehört, der genau im Subsetting ist, wie du beschrieben hast. Amerikanischer Konzern, Public und quasi deutsches und amerikanisches Team. Die hat es erzählt, ja. Weißt du, so ein typischer Ablauf bei uns in den Meetings ist, Es gibt eine Zielvorgabe, Wir wollen irgendwas machen. Dann sagen die amerikanischen Mitarbeiter, yeah, great, Let's Do it, we will make it happen, How about it, yes, Let's go. DIE DEUTSCHEN sagen, hä, wie, warte mal. Aber wie macht Ihr dies, Habt ihr daran gedacht, Was ist mit Kunden dort und wie ist das Bedürfnis? Dann meint sie, Sechs Wochen später passiert dann folgendes, Dann bist du vor Lounge, dann sind die Deutschen da, haben ein perfekt gebautes Produkt und die Amis stehen relativ nackig um die Beine da. Dann passiert aber Folgendes, die die Drehen dann natürlich schnell auf und versuchen fixen und kriegen es irgendwie hingebogen. Und sie meinte, obwohl die Deutschen die bessere Arbeit gemacht haben, kriegst Du diesen digital kompakt vom Anfang, so dieses irgendwie schwarzmalerische. Du hast trotzdem hinterher das Gefühl, Die Amis haben einen cooleren Job gemacht. Erlebst du das auch, so? Also ist dieses Schwarz-Weiß und dieses Klischee, dass die Deutschen immer so die Bedenkenträger sind und dass sich das immer nach hinten raus eher bestraft?
Julian Fest: Ja, viel davon ist Mindset. Also, da stoßen teilweise zwei Extreme aufeinander. Und wenn du die Balance hinkriegst, dann fährst du eigentlich sehr gut. Aber es ist oft, wie du es beschreibst, bei den Amis dann doch oft sehr, sehr hektisch. Gegen Ende wird dann aber alles mobilisiert und die Deutschen planen halt jeden Schritt minutiös. durch, sind dann aber teilweise halt auch viel langsamer, als sie eigentlich sein müssten.
Joël Kaczmarek: Und jetzt ist es ja in deinem Segment, so, Da gibt es ja durchaus Wettbewerb. Gar nicht mal so wenig. Also, wenn ich jetzt mal an die Mikrofonsparte denke, Da gibt es ja zum Beispiel viele Sachen, auch von RØDE, Was so ein bisschen aus der Studio-Ecke glaube ich auch kommt. Also, du kannst ja viele solche RØDE Podcaster, RODECaster und so weiter kaufen. Dann haben viele, weil du Corona angesprochen hast, wenn du jetzt da denkst, so viel in Richtung Schuhe, auch. Also das sehe ich in meiner Branche viel. Wenn jemand sich professionell aufbaut, dann so. Wie geht Ihr diesem Kampf an? Wie schaffst du, dass du sagst? Pass mal auf hier, Quality Made in Germany, Wir entwickeln dies, haben Abi, können das, Das ist unsere Spezialisierung, tak, tak, tak, tak, tak, use case orientiert. Wie kriegst Du diesen globalen Wettbewerb in Marketing und Co. Irgendwie gehebelt?
Julian Fest: Also unser großer Unterscheidungsfaktor war schon immer und ist auch heute Software. Das heißt, wir hatten jetzt diese Woche einen Riesen Audio Launch. Und wenn man sich damit beschäftigt, dann ist da eine große Hardware-Komponente dabei, die innovativ ist und der Rest ist wirklich Software. Wir versuchen, durch Software eben komplette Arbeitsläufe abzudecken und nicht nur zu sagen, okay, Hier ist ein Mikrofon, Das ist ein gutes Mikrofon, viel Erfolg. Wir sagen, okay, DAS Mikrofon, Deine Stimme soll ja irgendwo rein. Und vielleicht willst du die Mischen mit anderen Audioquellen und vielleicht mit anderen Hardware-Inputs Und vielleicht willst du da Effekte drauflegen. Und das ist der Prozess, den wir von Anfang bis Ende abdecken. Wenn du willst, kannst du auch noch einen Stream Deck davor setzen, um eine Kontrolleinheit direkt vor, dir auf dem Tisch zu haben, wenn du nicht alles in Software machen, willst. Also wir decken nicht Einzelprodukte ab, sondern ganze Workflows. Und so differenzieren wir uns, glaube ich.
Joël Kaczmarek: Wir müssen mal weitertreiben. Du hast ja viel von diesem KSI. Und der Erste, der in die Richtung mit Influencern und Creatoren gearbeitet hat, erzählt. Wie ist dieses Game heute gereift? Also funktioniert es für euch immer noch? Ich könnte mir vorstellen, dass es viel Earned gibt, also, dass ihr gar nicht viel bezahlen müsst, weil viele Leute eure Sachen eh benutzen. Aber ist es immer, Und du hast ja auch gesagt, ihr habt zehn Leute, die nur das machen. Und so weiter und so fort. Was ist denn vielleicht anders? Vielleicht mach mal so, wenn du heute mit Creatoren arbeitest, um deine Produkte bekannter zu machen als früher.
Julian Fest: Gut, Der Influencer-Marketing ist heute natürlich massiv, kommerziell. Das heißt, auch Creator, DIE vielleicht... Gar nicht mal so groß sind, haben heute wahrscheinlich einen Talent Manager oder sind Teil von irgendeiner Agentur. Und Podcast du gar nicht mehr mit dem Creator direkt reden, sondern nur noch mit einem Manager. Und der kommt dann da mit seiner Preisliste an und sagt, das kostet so und so viel. Die Preise sind meiner Meinung nach teilweise extrem hoch. Und wir versuchen diesem Pfad, eigentlich weitestgehend nicht mitzugehen. Unser Ziel ist, mit Creatoren direkt zu reden, weil wir auch Feedback wollen. Wie arbeitest du? Wie passen unsere Produkte da? rein? Was funktioniert? Was funktioniert nicht? Und wie du sagst, Viele Creator benutzen unsere Produkte eh, täglich. Das heißt, da dann auch noch ein Partnership-Deal zu machen, um Fragen zu beantworten, die Ihnen eh täglich gestellt werden, ist halt, naheliegender, als irgendeinen Energy-Drink zu verkaufen.
Joël Kaczmarek: Und wenn du jetzt nochmal so zurückblickst, gibt es so Fehler oder so Fehlentwicklungen, die du siehst, die ihr auch gemacht habt? Ist ja nicht alles so, wie ich schaue? TV Total, sehe, den auf seine Knöpfchen drücken, habe irgendwie so einen Wake-up-Moment mit der Fußball-WM, oh warte mal, Schnittbilder, zack, zack, Zack, und zack kommt so ein Stream-Back raus. Was waren denn so Momente, wo du sagst, Da haben wir uns auch mal verrannt und das haben wir daraus gelernt?
Julian Fest: Wir haben nach diesem ganzen Covid-Boom eine neue Produktlinie entwickelt, Neo heißt die, mit der wir eigentlich so ein bisschen in die breitere Masse stoßen wollten. Anderes Design, Reduzierte Preispunkte, sind dann zum Beispiel in USA, da, USA weit in Target gegangen, Also tausende, Tausende Target-Stores, Das Halt nicht funktioniert. Also, da merkt man einfach, Wir sind mit unseren Produkten immer noch viel zu weit weg vom Mainstream. Wahrscheinlich auch von der Marke, wenn wir ehrlich sind, also viele. Viele gehen auf elgato.com und denken, ah, das ist ja für irgendwie Twitch oder YouTube und das ist nichts für mich. Also, da waren wir einfach von der Positionierung her nicht klar genug. Also Die Produkte waren immer noch zu technisch, Das Brand zu Creator-fokussiert, Dass wir eigentlich den Schritt in die Breite, so wie wir es uns gewünscht hatten, den haben wir nicht hingekriegt. Wir haben viel daraus gelernt, würden heute vieles anders machen.
Joël Kaczmarek: Ich verrate im Begriff zu. Ich verreibte mich richtig zu fragen, wie würdest du es heute machen? Also würdest du eine zweite Marke starten, dass Du sagst, ein bisschen was, Was mehr auf Office und Professionalität ausgerichtet, ist? Weil ich habe die Erfahrung auch gemacht, dass gerade, wenn du Corporate Kunden hast, ich habe mal gehört, bekommen, Wir sehen aus nach Graffiti und nach Startup und Jugend forscht. Und so, dann wären wir einfach modern.
Julian Fest: Entweder das. Oder wir sagen einfach, wir machen es gar nicht. Wir sagen einfach, okay, Dieser User ist für uns zu weit weg und wir wollen die Marke nicht verwässern. Vielleicht würden wir eine Sub-Brand oder eine komplett andere Brand gründen. Oder wir fokussieren uns eben weiter auf den Creator. Mit dem Wissen, dass viele Leute dadurch unsere Produkte auch mit in ihre Arbeit bringen werden. Weil sie selber interessiert sind oder vielleicht selber einen YouTube-Channel haben oder eben selber auch mal, was weiß ich, Call of Duty anschmeißen und einen Stream starten. Also, das ist nicht mehr so ein Nischik, wie es vor zehn Jahren war. Und da sehen wir zum Beispiel Riesenerfolge im Broadcast-Bereich. Also die Produkte, die wir machen. Anstatt so ein bisschen in die Richtung Office Worker zu gehen, sehen wir halt, Stream Deck wird eh schon in der Fernsehproduktion benutzt, in der Produktion von Dive Events, in der Ausrüstung von Konferenzräumen und so weiter. Da haben wir organisches Wachstum, Von daher konzentrieren wir uns dann vielleicht eher auf so eine Richtung, wo wir sehen, das funktioniert eh. Da müssen wir gar nicht reinpushen, sondern werden wir reingezogen.
Joël Kaczmarek: Gibt es so... Wie soll man das so sagen? So ein bisschen Cocktail-Party-Momente, wo du dich an Dinge erinnerst, wenn du auf einer Cocktail-Party stehst, erzählst du die und alle fangen an zu lachen. Weißt du, SO Money-Can't-Buy-Momente, Wo Du sagst, KSI wäre so ein Ding gewesen oder so ein Produkt-Launch. Das waren so Momente, auf die du zurückblickst, wo du sagst, Wahnsinn, Das ist verrückt, Sowas erlebt zu haben und gemacht zu haben mit unseren Tools.
Julian Fest: Ich glaube, was mich immer wieder flasht, ist, wo wir unsere Produkte sehen. Also teilweise Apple Keynote, Du siehst im Hintergrund, die steht da in dem Pult versteckt, ein Stream Deck. Oprah Winfrey, Die benutzen Stream Decks. Letztens haben wir. James Cameron, hat ein Bild von seinem privaten Studio zu Hause gepostet, hat auch ein Stream Deck auf dem Tisch. Schau es Dir einen Podcast an mit... Ja. Irgendwelchen. Tech-CEOs, Mark Zuckerberg und die benutzen unsere Mikrofone. Neymar postet irgendwas auf Instagram, Weil er auch gerne Counter-Strike auf Twitch streamt und hat einen Stream Deck XL. Auf seinem Tisch stehen. Das sind so Sachen, die kannst du ja gar nicht kaufen. Wir hätten ja niemals genug. Marketing-Budget, um irgendwie mit Neymar was zu machen. Aber weil wir einfach in diesen Nischen so unglaublich tief drin sind. Sehen wir die Produkte einfach immer wieder auftauchen? Und das ist jedes Mal relativ faszinierend, muss ich sagen.
Joël Kaczmarek: Vielleicht machen wir das Ende des Gesprächs wieder zurück. Zum Anfang. Dein Vater, wenn du den Sonntag zum Essen triffst, Was für Gespräche führt ihr so bei Elgato? Wie nimmt der das wahr? Wie erlebt er das?
Julian Fest: Ich glaube, der interessiert sich mittlerweile so am Rande dafür. Der ist viel mit Segeln beschäftigt und anderen Hobbys. Ich glaube, er schaut schon, was wir machen und findet das alles ganz cool. Aber der liegt mittlerweile einfach auch mehr Wert auf andere Dinge. Und seine Enkelkinder.
Joël Kaczmarek: Aber wie ist es für dich auch so, in der Retrospektive mit Unternehmern groß geworden zu sein?
Julian Fest: Ich bin da extrem dankbar dafür. Ich durfte da viel sehen und viel erleben, und meine Eltern waren in der Hinsicht schon auch immer meine Helden, weil die haben wirklich alles selber gemacht, auch immer als Team. Also mein Vater eher auf der Technik- und Produktebene, Weil du brauchst dann auch eben jemanden, der dir überhaupt den Raum schafft, kreativ, da frei denken zu können. Und die haben das immer alles komplett selber gemacht. Wie gesagt, auch nie mit externen Investoren, also immer komplett. bootstrapped, Was heute auch selten ist. Du hörst immer diese ganzen, Series A hier und VC da. Und ich denke mir so, okay, Es gibt halt auch einen anderen Weg. Der ist heute vielleicht nicht mehr so sexy, aber eigentlich ziemlich cool.
Joël Kaczmarek: Ich habe nach 15 Jahren erst gelernt, wo der Begriff herkommt. Kennst du das? Warum man bootstrapped, sagt?
Julian Fest: Nee, eigentlich nicht.
Joël Kaczmarek: Im Deutschen gab es ja immer den Baron. Münchhausen, der sich an den eigenen Haaren wieder aus dem Sumpf gezogen hat.
Julian Fest: Was physikalisch nicht geht.
Joël Kaczmarek: Und im Englischen zieht man das an den eigenen Schnürsenkeln. Du ziehst dich an den Schnürsenkeln sozusagen aus dem Sumpf. Falsch, Total geil. ABER gut, anyway, Unqualifizierte Ablenkung. Vielleicht noch so als Abschlussfrage. Ich werde jetzt auch oft gefragt, was würdest du sagen, was war das Geheimnis deiner Eltern, dass die gut zusammengearbeitet haben als Paar? Weil viele Fragen mich das und sagen, wie geht das? Oh Gott, wie kriegst du das hin? Das könnte ich nie.
Julian Fest: Das müssten wir wahrscheinlich Sie fragen. Ich frage mich auch manchmal, wie sie das alles geschafft haben, Muss ich dir ganz ehrlich sagen. Aber die waren ein eingespieltes Team. Die haben sich, glaube ich, einfach blind vertraut in die Fähigkeiten des anderen. Und dann haben sich auch einfach super, ergänzt. Also der eine um die Software, der andere um die Finanzen, Der eine um Produkt, der andere um Brand. Das hilft,
Joël Kaczmarek: wenn man sich nicht ins Gegengekommen,
Julian Fest: glaube ich auch.
Joël Kaczmarek: Ja, cool, Julian. Vielen Dank, Das hat großen Spaß gemacht. Und ich fürchte, wenn ich hier weggehe, fehlen ein paar Produkte und ihr seht mich nochmal wieder.
Julian Fest: Danke fürs Vorbeischauen.
Intro & Outro Speaker: Wow, das war ein inspirierendes Gespräch, oder? Denk dran,
Joël Kaczmarek: Abonnier den Podcast unbedingt, Damit du... Du keine Episode verpasst und teile, die noch total gerne mit deinen Freunden oder Kollegen. Bis zum nächsten Mal. Bleib inspiriert und neugierig. Dein Joël.
