
Luci van Org: Weil ich ein Mädchen bin? Weil ich ein Mädchen bin!
11. November 2020, mit Joël Kaczmarek, Sebastian Krumbiegel
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Lucy van Org: Kunst trifft digital.
Sebastian Krumbiegel: Der Podcast.
Lucy van Org: Hier erfahrt ihr jede Menge über Kunst in Zeiten der Digitalisierung und das Hautnah von ganz fantastischen Künstlerinnen und Künstlern.
Sebastian Krumbiegel: Heute haben wir einen Gast, einen weiblichen Gast. Und ich freue mich extrem darüber, weil ich sie schon seit den 90ern kenne. Annette Humpe war unsere Produzentin. Und Sie hat, nachdem sie mit uns die ersten Platten produziert hat, Eine junge Künstlerin produziert, nämlich eine Band namens Lucilectric. Wir haben die Protagonistin dieser Band heute hier. Ich bin total froh, dass Du da bist. Hey, Lucy van Org.
Lucy van Org: Hallo, Tag Ihr beiden, wie schön. Ja, wobei. Sebastian und ich kennen uns tatsächlich, also oh, ich kenne so viele.
Sebastian Krumbiegel: Abgründe von ihr, ja. Wir waren auf Tour zusammen.
Lucy van Org: Wir waren zusammen auf Tour und zwar sogar mehrmals. Aber das ist total schön, weil mir fiel das wirklich auf, als wir so das Vorgespräch hatten. Für diesen Podcast. Das ist wirklich wie mit einem Familienmitglied sprechen oder so. Man sieht sich total selten, aber es ist wahnsinnig vertraut. Das ist ganz merkwürdig. Ich finde es immer sehr schön, dich zu sehen.
Sebastian Krumbiegel: Jung.
Lucy van Org: Ja, ja, wirklich. Echt? Naja, Sebastian. Jetzt stellt ihr doch mal, was wir an. Auf jeden Fall, aber ich möchte doch jetzt nicht... Tschüss. Nee, hat sich's ein bisschen geblasen? Ich glaube gar nicht. Ich glaube schon übrigens. Ja, weiß ich nicht. Aber es war damals natürlich schon so, dass gewisse Dinge klaglos hingenommen werden mussten. Von dir als weibliches Wesen. Also zum Beispiel erinnere ich mich sehr daran, wie wir im Tourbus zum allerersten Mal unseren Song im Radio gehört haben. Da lief Mädchen im Radio. Es war super Klasse und ich hab mich so gefreut, bis der Moderator den Song absagt. Und ja, hier so eine neue Band war gestern bei Geld oder Liebe. Das Mädel, was da singt, ist zwar ein bisschen Fett und hat Beine wie ein Sumoringer, aber irgendwie ist es ganz lustig. Und du stehst da und denkst dir so, ja, das wollte ich jetzt hören über mich. Und wenn ich mich dann angucke, so von damals und denke mir so, ey, das war echt, Also mal abgesehen davon, dass es Mega Fies war, hat es auch nicht gestimmt. Und sowas hast du natürlich dauernd mitgekriegt. Oder zum Beispiel, dass unser Trucker, der unser Tour-Equipment damals transportiert hat, Der kam dann irgendwann zu mir an und sagte, EY, Kleine, geh mal da zur Seite. Wo ich dachte, wie bitte? Ich bin deine. Chefin, DU DuMMES Arschloch. Und das durftest du dann aber nicht als Frau. Also mal abgesehen davon, von großen Fernsehmoderatoren, die dir ungefragt, die Zunge in den Mund stecken oder sowas, gab es auch. Und dem Radiopromoter, der Daneben stand und sagte, Oh, mein Gott, du darfst jetzt nichts sagen, sagt jetzt nichts. Und ich bin noch heute, also, ich habe das lustigerweise dann später, Ich schreibe ja mittlerweile Bücher, Ich habe das auch thematisiert in einem Buch, beziehungsweise in einer Kurzgeschichte von einem Buch. Man macht oder Frau macht sich dann immer noch Gedanken, warum hast du damals nichts gesagt, warum hast du dich nicht wert? Und ich finde es total hart, weil ich habe quasi die Schuldgefühle, die der hätte haben müssen. Der ist mittlerweile tot, deswegen sage ich dazu nichts mehr. Aber also mit Sowas musst du dann halt klarkommen und mit vielen anderen Dingen. Und das war nicht schön. Also mal abgesehen davon bin ich einfach, glaube ich nicht so ein Massenkompatibler Mensch. Und das war alles ein bisschen viel. Und ich habe dann da auch ja aktiv gegengesteuert, dass Lucilectric dann nicht mehr so erfolgreich wurde. Aber trotzdem war es sehr schön. Also, ich möchte das auch nicht missen. Ich mag mein Leben nur heute lieber.
Sebastian Krumbiegel: Ich frage jetzt mal suggestiv ein bisschen in der Hoffnung auf eine positive Antwort. Wir waren doch aber eigentlich ganz charmant zu dir.
Lucy van Org: Nein, Ihr wart entzückend. Also von euch will ich da überhaupt nichts, nee, nee, nee, nee. Also Ihr wart, deswegen sage ich, es ist schön, Es ist wie ein altes Familienbild, die Treffen. Also, es gab ja auch einen Schutzraum, und das war zum Beispiel ihr. Ihr wart hinreißend und super toll. Und es gab einige, die waren hinreißend und super toll. Das ist gar nicht das Ding. Ich glaube nur, dass es, wenn du alleine bist und die ganze Welt redet, über dich und also. Ich habe das damals empfunden wie so ein Computerspiel, was ich von Level 0 ohne die Regeln zu kennen. Plötzlich auf dem höchsten Endgegner-Level spielen muss, und ich darf aber keinen Fehler machen, weil jeder Fehler kostet. Nicht nur mich die Karriere, sondern auch noch zigtausend, leute irgendwie Arbeitsplätze und So und Geld, und Hilfe. Und ich kriege fürchterlichen Ärger, und das war alles nicht so. meins.
Sebastian Krumbiegel: Eines eurer späteren Lieder war... Komme ich deswegen drauf, weil du es eben so ähnlich gesagt hast, Nur wer im heute lebt, dem wird das Wohlergehen.
Lucy van Org: Nee, das war eins der ganz frühen. War das eins der ganz frühen? Ja, das war eins der ganz frühen. Es gab damals noch sowas, Liebe Leute, die eher jünger geboren sind, Es gab noch sowas wie B-Seiten. Die B-Seite war die Seite, wenn man die Platte umgedreht hat oder die Kassette gewendet hat. Und das war nur, wer im heute lebt. Das war ein völlig schräges Stück, so ein fast schon metalartiges Stück, so ein Technostück mit Metalgitarren, MIT einem... Gedichttext von François Villon, war schön. Ja, ja, das ist ja auch total schön, also, da bin ich ja auch super froh drüber und dankbar für. Nur wie gesagt, das ist alles sehr, sehr lange her, lasst uns über heute reden.
Sebastian Krumbiegel: Ich tue mich manchmal schwer, wenn ich Leute sehe, Die Erfolg haben. Und ich komme zu der Bewertung, dass sie aber eigentlich nicht so richtig gut sind in den Qualitäten, die Sie tun. Und dann hat Sie mir gesagt, ja, müssen Sie mal, Ich glaube, Hatha-Meditation oder so heißt das. Dass man leuten, ein gutes Wünscht, die einen vielleicht auch nerven. So wie zum Beispiel die Nachbarn, die über mir wohnen, wo die Kinder immer trampeln und kreischen. Oder wenn Leute ohne Maske heutzutage bei Corona irgendwie in die Kita rennen bei uns. Nee,
Lucy van Org: du wirst lachen. Also ich glaube, das ist im Übrigen auch ein Grund. Und also mal abgesehen davon, dass ich also wirklich aktiv alles gemacht habe, unbewusst, um dann später nicht mehr so erfolgreich zu sein. Es sind Mädchen und Hey Süßer, also die beiden wirklichen Hits, die Lucilectric gehabt hat. Die einzigen wirklich 100 Prozent fröhlichen Stücke, die ich je gemacht habe. Also, ich bin aus dem Grunde meines Herzens ein, Ja, wie soll ich sagen, das nannte man früher nicht so. Aber ich bin halt ein Goth, Ich bin in der Gothic-Szene sozialisiert worden, ICH bin... Mit 14 heimlich in So Discos gerannt wie das Linientreu. Mein musikalisches Erweckungserlebnis war The Cure. Und ich bin viel zu schwermütig, eigentlich, um so lustigen Pop zu machen. Das Lustige ist, Dass tatsächlich dieses Mädchen war, so ein Stück, Da hatte ich quasi Melodie und Text bis auf wenige Änderungen so in die Ehe gebracht. Mit Ralf. Und Ralf hat dann Sachen geändert und dieses geniale Riff dazu geschrieben. Genau, Die zweite Hälfte von Lucilectric. Und das ist tatsächlich genau so in so einem ganz oberflächlichen Moment. In der U-Bahn Mal entstanden. Das habe ich so runtergeschrieben und hatte das so im Ohr und dachte, ja, super. Und das war überhaupt nicht repräsentativ, Aber das geht ja ganz vielen, so. Und trotzdem, Ich finde es auch nicht schlimm. Weißt du, was,
Sebastian Krumbiegel: Ich habe dieses Lied eigentlich übrigens nie, also. Natürlich ist es ein fröhlicher Popsong, Aber ich habe dieses Lied inhaltlich eigentlich auch immer ein bisschen als ein selbstbewusstes, weil ich ein Mädchen bin, ich will jetzt nicht sagen, ein emanzipatorisches Lied, aber schon irgendwie in die Richtung gehend. Also nicht irgendwie Licht unter den Schall stellen, sondern einfach sagen, Hey, Baby, weil ich ein Mädchen bin, weißt du? Und das also immer eher mit breiter Brust sozusagen.
Lucy van Org: Viele Jungs haben das auch gehasst. Damals einfach. Aber natürlich, nee, das war auch so. Also ich, was mir damals wichtig war, daran, war halt, ein anderes Bild von Weiblichkeit zu geben. Ich war genervt davon, dass du nur ein, also quasi, dass du als stark und selbstbewusst wahrgenommen wurdest, wenn Du so warst wie, ja, das nannte man früher. Emanze, was echt fies ist, weil ich bin heute diesen Frauen, die das durchgekämpft haben, wahnsinnig dankbar. früher. Das ist, glaube ich, so ein bisschen wie wenn man sich pubertär von seinen Eltern abnabelt. Also so ohne die Frauen der 68er Bewegung. Also wenn ich mir so pappnasen wie Rainer Langhans angucke, Was der teilweise für hochgradig, unfassbar sexistische Scheiße absondert. Und diese Frauen mussten mit diesem Männertyp leben, Dann weiß ich auch, warum die so wütend waren und so teilweise auch so verbittert und genervt. Und wir haben natürlich quasi schon so den, Ja, so den, den auf dem Boden durften. Wir wachsen, den die bereitet haben und jetzt. Dürfen wieder die Frauen auf dem Boden wachsen, den wir bereiten. Aber es ist halt einfach immer noch unfassbar, viel zu tun. Und also viel zu viel, also teilweise frustriert es mich auch einfach, weil ich mitbekomme, dass immer noch eigentlich viel, viel mehr nicht stimmt, als dass es stimmt. Also ich liebe es, dass, also, vielleicht wird es wirklich in der Generation meines Sohnes ein bisschen besser. Dem kommen bestimmte Sachen total einfach über die Lippen. Der versteht gar nicht, warum man über sowas wie ein Gender-Sternchen überhaupt diskutiert. Das ist wunderbar.
Sebastian Krumbiegel: Muss man natürlich auch sagen, dass es wirklich, also? Und ich versuche ja immer heute auch bei den Diskussionen darüber immer wieder zu betonen, dass man die Dinge im Kontext der Zeit sehen sollte. Also, wenn wir überlegen, was Frauenrechte betrifft, Seit über 100 Jahren dürft ihr wählen, um es mal so ganz hart zu sagen. Und das ist für uns heute natürlich eine totale Normalität. Und viele Dinge sind bereitet worden, du hast es eben gesagt, Nicht erst durch die 68er-Generation, sondern eben schon viel, viel früher. Und natürlich sind viele Sachen, kommen uns heute total Scheiße vor. Die damals irgendwie erkämpft worden, sind. Weißt du, wie ich meine?
Lucy van Org: Ja, das ist ja das, was ich meine. Das ist aber natürlich, Das war zum Beispiel, was, was ich in dem Alter noch nicht gesehen habe. Also weil da habe ich das einfach als total selbstverständlich wahrgenommen. Und ich hatte auch wirklich das Gefühl, und ich habe auch immer noch das Gefühl, dass in der Generation, also, ich bin jetzt 49, ja, Das heißt so. In diesen Jahrgängen, sagen wir, zwischen Geboren 69 bis 75 oder so. Da habe ich wirklich das Gefühl, dass Männer anders mit Frauen umgehen. Das war vielleicht mal so eine kleine Lücke, wo die Klischees sich so ein bisschen aufgeweicht haben. Ich habe auch das Gefühl, dass da die Homophobie nicht ganz so schlimm ist wie davor und danach. Und dass auch viele andere Dinge irgendwie, Ich weiß nicht, Vielleicht waren wir einfach zu viel. Mit einem drohenden Atomkrieg beschäftigt, um uns Gedanken darüber machen zu müssen, was eine Frau nicht zu tun hat oder was. Ich habe dafür keine Erklärung, aber ich hatte zumindest das Gefühl, bis ich ein Kind bekommen habe, Eigentlich ist alles, was. Was haben die denn alle? Ja, ist doch alles total cool und so. Und hab dann aber natürlich die ganzen Dinge, die mir passiert sind, davor überhaupt nicht so wahrgenommen. Das fällt dir erst hinterher auf, wenn du zurückblickst und sagst, boah, heftig, Was war denn da eigentlich? Und dann gibt's nochmal einen Schritt, der kommt dann, wenn du das realisierst, was da teilweise abgelaufen ist. Es ist sehr, sehr unschön, sich selber als Opfer zu sehen. Das macht überhaupt keinen Spaß. Und deswegen bin ich auch lange so nach vorne gelaufen, habe gesagt, ach, Quatsch, und ich bin noch kein Opfer, ich habe das alles im Griff, ist alles super. Und sich dann eingestehen zu müssen, dass die Dinge eben teilweise beschissen sind und dass du Opfer bist von Diskriminierung, Beziehungsweise, dass Menschen nur, weil sie einen anderen Chromosomensatz haben, Bestimmte Privilegien haben, dann tut es weh, weil es einfach ungerecht ist. Und ich bin, ja, da muss man dann meinen Mann dazu fragen. Ich werde sehr, sehr, sehr ungehalten, wenn man mich ungerecht behandelt.
Sebastian Krumbiegel: Meine letzte Frage, was ist das beste Investment, das Du je getätigt hast? Und es muss nicht unbedingt Geld sein, Es kann auch Zeit, Energie, Aufmerksamkeit. Sehr dünnes Eis. Ich bin da immer ganz vorsichtig.
Lucy van Org: Darf ich da mal einreden? So hart das jetzt klingt, das zu sagen, Ganz viele Frauen durften karrieren, gar nicht erst machen. Und zwar unfassbar. viele, bevor das alles passiert, ist. Ganz viele Karrieren von Frauen wurden nur deshalb vernichtet, weil sie Frauen waren. Ich weiß, dass das für jeden einzelnen persönlich, der ungerecht behandelt wird, ist das total schrecklich. Und das Leid, was dabei entsteht, möchte ich niemandem absprechen. Glaube aber einfach, dass du tatsächlich einen Schritt zurückgehen musst. Und ja, dann einfach objektiv sehen musst, dass du sagst, Wie viel Leid ist auf der einen Seite, Wie viel Leid ist auf der anderen. Und ja, ich bin der Meinung, ich habe da sogar ein Buch drüber geschrieben, dass die Behandlung von Frauen in den letzten mehreren tausend Jahren einer Form von Sklaverei gleicht, weil wir auch immer noch, und das tun wir bis heute ganz, Ganz viel Arbeit machen, ohne dafür bezahlt zu werden, auch nur, ja, auch ohne dafür auch nur einen Dank zu kriegen oder so. Und wenn Sklaverei abgeschafft wird, dann gibt es... Dann passieren dabei teilweise auch Dinge, die übers Ziel hinausschießen. Eine Revolution fordert Blut. Ja, und das ist furchtbar. Ich habe einen Sohn. Ich habe da selber Angst davor, dass er möglicherweise ungerecht behandelt wird. Das Problem ist nur, dass du das Unrecht nicht abschaffen kannst, wenn du es nicht wagst, dann einfach mal Brachial irgendwo reinzuhacken. Und es muss gar nicht so weit gehen wie sexueller Missbrauch. Da stürzen sich Männer immer drauf. Sofort der... Beschützerinstinkt losgetreten wird und sagt, oh, Und das Ding ist sexueller Missbrauch, ist für Frauen so alltäglich. Jede Frau, die ich kenne und auch ich selber, ich kann dir zig. Situationen erzählen, Wo sowas passiert, ist. Und also das ist total normal. Und allein das ist schon grauenvoll. Aber das Problem ist viel subtiler. Zum Beispiel, dass in Berufsfragen, dass ganz viele Männer sich Frauen in Bestimmten Berufen, einfach nicht vorstellen können. Ganz dummes Beispiel. Ich produziere als Musikproduzentin in meinem eigenen Studio einen Künstler, der heißt King Mami. Das ist der Schauspieler Daniel Zillmann. Der ist super erfolgreich, Der hat jetzt beim König der Löwen zum Beispiel Pumbaa gesprochen und ist auch in ganz vielen Filmen, bei den Känguru-Chroniken und so. Und der singt, und der singt fantastisch, der ist großartig und wir haben, Als seine erste Single rauskam, Interviews gegeben. Ihr zu zweit? Ja, also, weil er so stolz war darauf, weil er war wirklich, was absolut entzückend war, der war früher Fan. Und zwar nicht nur von Lucilectric, so von Mädchen, sondern auch noch vom dritten Album. Und das hat ihm ganz viel, bedeutet, dass ich das mache. Es war ganz toll, und er hat jedem, der es hören oder nicht hören wollte, erzählt, Lucy ist meine Produzentin, sie ist mein Mastermind, Sie schreibt mit mir die Songs, Sie macht das alles, Sie hat meinen Sound entwickelt, Sie macht so. Und gelesen habe ich dann Eine Zeitung hat geschrieben, Daniel Zillmann und seine Muse Lucy van Org. Und der Rolling Stone hat sich immerhin dazu hinreißen lassen, Er arbeitet mit der Songschreiberin Lucy van Org, weil Produzent bei Annette Humpe, die hat, glaube ich wahnsinnig viele Jahre daran gearbeitet, dass das geht, aber Ja. Eine Produzentin ist ein Job, Den können sich die meisten, gerade Journalisten in Deutschland, nicht vorstellen. Deswegen passiert das nicht. Ein anderes Dummes Beispiel. Ich schreibe Drehbücher. Wenn ich in ein Drehbuch schreibe, klar, Bei den großen Stars ist das nicht so, Aber du hast ganz viele so kleine Rollen, die besetzt werden. Davon, Das ist das Tagesgeschäft für Leute, die im Schauspiel tätig sind. Fahrer, Da würde niemand auf die gekommen, eine Frau zu besetzen. Obwohl es unzählige Frauen gibt. Lokführer. Es gibt in Berlin mehr U-Bahn-Lokführer. Lokführerinnen als Lokführer. Trotzdem würde kein Kind, also eine weibliche Lokführerin zeichnen, wenn du sagst, mal mal ein Lokführer. Und diese Leute kriegen auch einfach weniger Arbeit.
Sebastian Krumbiegel: Aber glaubst du nicht, dass sich da gerade wirklich eine Menge verändert? Ne, ich hoffe das.
Lucy van Org: Und ich glaube, dass es tatsächlich, und so kompliziert manche Konstrukte sind oder so unbeholfen, Ich glaube, dass es notwendig ist, einfach, Also auch dieses Unbeholfen, dieses drüber stolpern ist notwendig, um sich bewusst zu machen. Du sagst zum Beispiel auch ständig Mann. Naja. Und... Und um sich bewusst zu machen, dass das die 50 Prozent der Welt einfach ausschließt. Und das ist doof. Und ich erlebe es zum Beispiel, Ich lebe, wenn nicht gerade Corona ist, einen großen Teil meines Lebens in Schottland. Wir haben da einen zweiten Wohnsitz. Und in Schottland ist das anders. Die gehen anders mit dem Thema Frau um. Die haben da so einen niedlichen Comic, der heißt The Broons. Und Maw Broon ist das Familienoberhaupt. Und The Broons sind seit vielen, vielen Generationen, so das role Model für eine schottische Familie. Und Maw Broon bestimmt alles Maw Broon. Beschützt alle, Maw Broon ist die Stärkste. Und in Schottland ist es total normal, dass du Frauen am Presslufthammer siehst, Zum Beispiel auf Baustellen oder als Müllfrauen. Mein Sohn zum Beispiel hat im Museum von Edinburgh, als er klein war, da haben die immer so Kinderwochen gehabt, Da hat er Schweißen gelernt von fünf Frauen. Das wäre in Deutschland total undenkbar, Aber das ist einfach tatsächlich auch durch den Sprachgebrauch und dadurch, Also, was du für Lebensmodelle den Menschen vorstellst, Dadurch entstehen Halt Bilder im Kopf. Und ich hoffe halt ganz toll, dass die... Dass sich das gerade ändert. Ich würde mich freuen. Also ich merke es halt selber bei mir, in meinem Umfeld, Gerade, was so Medien und so angeht, ist es immer noch schwierig. Also weil da sitzen auch viele Männer, die das natürlich auch sofort weit von sich weisen, weil keiner will sexist sein, weil das ist irgendwie gleichbedeutend. Mit Arschloch. Wer will schon ein Arschloch sein? Was?
Sebastian Krumbiegel: Ja, Scheiße und genau irgendwie Lila und Blau. Und was weiß ich. Also ich lese gerade zur Zeit oder habe gerade gelesen, Voller Freude, Das letzte Margarete Schokowski Buch. Und sie hat zum Beispiel, Ich komme deswegen wegen der Stichsäge drauf, also. Sie wohnt irgendwie außerhalb von Berlin, irgendwie in Brandenburg und hat da einen Kamin mit ihrem Mann zusammen. Und ich hoffe, ich bringe da jetzt nichts durcheinander, aber ich glaube, es war irgendwie so. Sie hat eine Lehre gemacht als Kettensägen. Also, sie hat kettensägen gelernt. Geil. Und hat das so geil beschrieben, wo ich echt auch gedacht habe, ey, Das ist doch der richtige Wind. Und wenn wir genau diese Plattitüden... Mal außen vor lassen. Also wenn deine Frau zu dir sagt, mach du das mal lieber, Dann ist das natürlich irgendwie das Rollenbild, das wir alle irgendwie kennen. Aber Margarete hat zum Beispiel geschrieben, sie hat den Ehrgeiz, das zu machen. Sie wollte ihr Holz selbst sägen und hat dann irgendwie da eine Lehre gemacht, Also richtig mit Schutzkleidung und mit dem ganzen Wahnsinn, wo man eben sagt, eigentlich so ein, in Anführungsstrichen, Typisches Männerding. Und dann hat sie gesagt, nö, das mache ich jetzt. Und das ist doch geil.
Lucy van Org: Das kommt dann ganz oft. übrigens, Genau dieses Argument kommt sehr häufig. Und auch somit tragt doch mal das. Ich glaube, dass es eine Weile dauert. Ich habe irgendwann mal einen ganz herzerreißenden Film gesehen, da war ich noch dazu schwanger. Das heißt, ich musste dann wirklich so, war dann so hormonüberflutet, dass ich echt heulen musste. Das war ein Film über einen Bären, der irgendwie 20 Jahre lang in so einem ganz kleinen Käfig eingesperrt wurde. Und dann haben die Helfer den aufgemacht. Und dann hat sich dieses riesige... Super gefährliche Tiere. Nicht aus diesem Käfig getraut, weil der überhaupt nicht wusste, was ihn erwartet. Der war total ängstlich, der konnte da überhaupt nicht, und das war so furchtbar und so herzerreißend. Und ich glaube, dass das ganz oft so ist, dass du, wenn du in eingefahrenen Bildern groß bist, wenn du als Sklave groß wirst, das klingt jetzt ganz dramatisch oder ganz pathetisch, Wir haben hier noch den, auch wirklich als Frauen, Auch noch wirklich den Goldenen Löffel im Arsch, wenn ich zum Beispiel an Indien denke oder so, aber wenn du als Sklave groß wirst, hast du es verdammt schwer, Dir klarzumachen, dass dir alles offen steht. Und du hast es auch verdammt schwer, dich bestimmte Dinge zu trauen. Ich erlebe das ja selber. Das ist zum Beispiel, Ich programmiere alle meine Musik selber. Ich habe ein eigenes Studio, ich beherstelle die gesamte Technik. Ich habe keinen Techniker oder irgendwas, auch keine Technikerin. Das gibt es relativ selten. Die einzige, die ich noch kenne, die das ebenso macht, Ist Nicola, das Mastermind von Lying, von der Band. Und bei Nicola, Und wir waren mit Lying auf Tour, mit King Mami. Und Nicola wurde immer... Sie wird immer angesprochen von allen, auch von den Journalisten. Auch wenn man das bei Wikipedia lesen, kann. natürlich, dass sie das alles macht. Sie ist die Produzentin von dem ganzen Spaß. Und sie wird immer angesprochen, sie sagt, Ach ja, und euer Schlagzeuger, Der macht die Songs. Also, es gibt den einen Mann in der Band und der Macht das, bestimmt. Weil das kann ja gar keine Frau machen. Und ich glaube, wenn du als Mädchen das immer wieder hörst, ich war halt irgendwann einfach genervt. Also ich bin mehr oder weniger so verunfeilt dazu gekommen. Mich musste, so das Schicksal, dazu stoßen, dass ich mich das getraut habe. Weil ich habe immer auch schon als... Ganz junges Mädchen, damals noch auf dem Atari Songs programmiert und so. Und es war aber immer so, dass klar war, dass Jungs können das auf jeden Fall besser. Das kann gar nicht sein. Das wurde einem suggeriert, Das hat man dann auch so genommen als Mädel. Und dann hat man halt, die Jungs machen lassen, obwohl man eigentlich selber dazu in der Lage gewesen wäre. Und irgendwann habe ich dann zum ersten Mal versucht, so ein kleines Soloprojekt zu starten. Da hatten wir dann als Co-Produzenten Gonzales angeheuert. Und dann hat mein Damals wirklich bekloppter Manager, wie ich dann später, Jahre später erfahren habe. Das Problem ist, Ich habe keinen Kontakt zu Gonzales. Deswegen, es tut mir total leid, der hat mich dann sogar öffentlich gedisst, weil er gesagt hat, ich habe ihn nicht bezahlt. Ich habe dann tatsächlich mitbekommen, dass mein Manager, der mich dann auch abgezockt hat, dem kein Geld gegeben hat. Und der ist dann irgendwann gegangen, was ich auch verstehen konnte, im Nachhinein. Und ich stand ohne Produzenten da. Also lieber Gonzalez, wenn du das jetzt hörst, solltest du das jemals hören, Sollte ich dir noch Geld schulden, ich möchte es dir gerne zurückzahlen, Ich habe keinen Kontakt mehr. Aber auf jeden Fall stand ich dann alleine da im Studio, ohne Produzenten. Da war aber noch diese Single, die ich produzieren musste.
Sebastian Krumbiegel: Aus der Not eine Tugend gemacht. Genau,
Lucy van Org: Und dann habe ich gesagt, scheiße, ich kann es ja mal selber probieren. Und dann waren da diese zwei Techniker im Studio, die mich anguckt haben und gesagt haben, was du? Und dann habe ich es probiert und habe das gezeigt, was ich konnte. Und dann war ich auf einmal Gott. Eine Frau, die das kann. Und wo ich dachte, jeder Idiot, also jeder mittelmäßige Wald- und Wiesenproducer, hätte das gekonnt, was ich damals konnte. Also, ich konnte wirklich kaum was. Aber wenn das eine Frau dann macht, dann ist es wieder ganz, ganz toll. Und da kommt man dann wieder zum Nächsten. Da gab es ein ganz tolles Interview mal mit Anke Engelke. Die wird als Frau immer suggeriert, dass du die Einzige sein musst. Dass du die einzige bist. Also, wenn es schon eine Frau in der Comedy gibt, dann kann es ja froh sein, dass du das bist. Oder wenn es schon eine Produzentin gibt, dann kann es ja froh sein, dass du das bist, die man kennt und nicht die andere. Zu sagen, es gibt hunderttausend männliche Comedians, Es gibt hunderttausend männliche Produzenten, Warum darf es nicht hunderttausend weibliche Produzenten geben? Und das ist aber tatsächlich so ein Ding, das wird auch geschürt. Das wird auch natürlich, Das wurde auch von den Müttern geschürt, Das wird von den Vätern geschürt. Und dich daraus zu befreien, aus diesem ganzen Netz, das dauert. Das wird wahrscheinlich auch noch Generationen dauern. Und ich glaube, du kannst als Mann gar nicht anders als dich bisweilen sexistisch verhalten. Das Einzige, was ich finde, was fair wäre, und das ist das, was mir tierisch auf den Sack geht, ich würde mich freuen, wenn Männer zuhören und einfaches akzeptieren oder respektieren würden, wenn du sagst, guck, mal, das war sexistisch und nicht anfangen, mir dann zu erklären, dass das gar nicht sein kann oder dass sie doch gar kein Sexist sind und nicht zuhören. Und ich glaube, das ist... Eigentlich bei den meisten Formen von Diskriminierung, so. Dass es eigentlich wichtig ist, dass du als privilegierte Gruppe einfach mal zuhörst und die Fresse hältst. Ich wollte gerade sagen,
Sebastian Krumbiegel: es ist so ähnlich wie bei Rassismus. Weil wir sagen alle von uns selbst, hey, wir sind doch keine Rassisten. Und am Ende müssen wir uns leider eingestehen, dass wir es alle irgendwie in uns tragen. Und dass wir alle irgendwie diese unangenehme Tendenz schon beherbergen, in uns selbst. Und wir müssen es reflektieren. Und das ist, glaube ich, genau der Punkt.
Lucy van Org: Und selbst, wenn wir diese Tendenz nicht in uns tragen, sind wir trotzdem... Wir tragen sie, glaube ich, alle in uns. Rassistisch, weil wir das Privileg in uns tragen. Und das ist, glaube ich, Der Unterschied. Also, du wirst quasi schon rassistisch verhalten, wenn du nur mit jemandem, der eine andere Hautfarbe hat, in einem Raum bist. Du wirst anders behandelt. Das ist halt so. Und deswegen verhältst du dich, so. Und deswegen ist es halt total wichtig, zumindest es zu versuchen. Also Ich glaube, ich habe auch schon Millionen von Fehlern gemacht. Und auch selber würde ich irgendwie hoffentlich nie von mir behaupten. müssen, Ich sei aktiv, Rassist. Aber passiv rassist ist man, glaube ich, automatisch, wenn du weiß, bist. Dann bist du das. Nein, klar. Also Mein Sohn kam gerade völlig schockiert nach Hause und war mit zwei Mädels unterwegs. Und sagte, er wäre mit denen halt irgendwie am See gewesen und war vollkommen schockiert, was die sich anhören, mussten die ganze Zeit. Ich finde es sehr gut, weil mittlerweile die Jüngeren, also, der ist jetzt 15, Die sind darauf sensibilisiert. Die finden das selber. Total scheiße. Die würden das auch selber nicht machen. Wobei das natürlich ja auch schon wieder eine privilegierte Gruppe ist, Weil Du ES NATÜRLICH in... In deinem Bubble. Prekiereren Verhältnissen teilweise oder auch extremeren Verhältnissen, Egal in welche Richtung, Du schlägst das auch oft um. Und da werden dann alte Rollenbilder auch zementiert, weil ich glaube auch, dass vieles, was bekannt ist, gibt Sicherheit, Auch wenn es scheiße, ist. Also das ist so, ja, also, das ist ja wirklich so, dass also selbst Menschen, deren Vater Alkoholiker war, die aufsteigen und sich als Chefs irgendwie überfordert und einsam fühlen, Die gleiten total oft selber in den Alkoholismus ab. Und zwar nicht, weil sie die selber Affinität zum Alkohol haben, sondern weil ihnen der Kontakt mit dem Elternhaus, also mit dem, was Sie kennen, Sicherheit gibt. Ich glaube wirklich, dass das relativ häufig so ist. Ich habe das zum Beispiel gemacht. Ich habe das bei Lucilectric gemacht. Ich habe nicht so ein schönes Elternhaus gehabt. Und ich war auch so, also dieses Computerspiel Level 200, von dem ich vorhin erzählt habe. Ich habe Streits angezettelt. Also mit Leuten. Ich wusste, wie man sich im Terror verhält. Das fand ich super. Konnte ich gut. Das habe ich gemacht, weil mir das Sicherheit gegeben hat. Also richtig bescheuert, aber ist so. Das macht man. Wenn man das nicht weiß, macht man das. Siehst du, Und ich habe selber jetzt Mann gesagt, siehst du mal, auch wenn ich es immer versuche zu vermeiden. Also, ich denke schon, also, es klingt zumindest genauso und ich finde es schön, es zu umgehen. Also ich habe zum Beispiel, Ich schreibe Ja, Romane auch und in meinen... Ja, ist sowieso scheiße und ich umgehe das. Ich versuche eigentlich, also zumindest jetzt die, in den letzten beiden Büchern, im Ersten noch nicht, In meinem ersten Roman, in meinem Zweiten habe ich es auch noch nicht gemacht, aber jetzt, Ich habe so eine Sammlung rausgebracht, mit nacherzählten nordischen Sagen und dann noch einen Roman, Der heißt Vagina Dentata, passt schön zum Emanzipationsthema, ist auch ein...
Sebastian Krumbiegel: Vagina Dentata.
Lucy van Org: Vagina Dentata, genau. Ja, auch, stimmt, Du bist des lateinischen mächtig, nicht wahr? Dentata ist der Dentist. Naja, Dentatus, Dentata, Dentatum heißt bezahnt. Und ist tatsächlich ein, auf jeden Fall, um das abzuschließen, Das sind beides Bücher, Die sind komplett in genderneutraler Sprache geschrieben, Aber so, dass du es nicht merkst. Das heißt, ich habe schon viel Hirnschmalz darauf verwandt, die Sätze so zu formulieren, dass du einfach ein anderes Bild hast. Also Ich habe zum Beispiel bei den nordischen Sagen nicht immer gesagt, Die Götter wollen, sondern ich habe das Wort Gottheit verwendet. Weil Gottheit ist neutral und da hast du ein anderes Bild, als wenn Du sagst Gott. Ja, und bei Vagina Dentata ist es so, dass quasi die Welt umgedreht, ist. Also ich schreibe immer alles, Ich habe ein großes Faible für antike Gottheiten. Und bei mir spielen die immer eine Rolle, wenn ich schreibe. Da ist es so, dass quasi ein Fluch im Babylonischen, Also im Zeitalter der babylonischen Zivilisation, den Frauen ihre eigentlich angestammte Herrschaftsposition dadurch geraubt hat, Dass ein babylonischer Priester den Frauen, Ihre Zähne... Weggezaubert hat, die sie eigentlich vorher hatten, also an der Stelle, wo Sie ihn am meisten nützen. Das heißt also kurzum, Die Frauen waren körperlich so mächtig, wie jetzt. Der Mann körperlich mächtiger ist. Und dieser Fluch wird halt durch einen bekloppten Zufall aufgehoben. Und alles, also auch die ganze Vergangenheit hat sich gedreht. Das heißt, wir haben ein Matriarchat und die Frauen verhalten sich natürlich genauso Scheiße wie die Männer. Ich habe einfach nur versucht, genau diese Nummer mit Lauf mal ein bisschen in meinem Kleid, einfach... Situationen zu beschreiben, wie sich möglicherweise Männer fühlen würde, wenn sie, so wie Frauen halt 4000 Jahre versklavt worden wären. Und auch, wie es jetzt ist, wo man eben auch mal Ministerien hat für Männer und Familie, die dann manchmal auch von Männern geführt werden. Oder wenn du das Männerwahlrecht einführst oder wenn du männliche Rollenvorbilder vielleicht mal korportieren könntest? Und wenn es mal männliche Superhelder es gäbe oder so, das wäre schön. Hm, ich, das kann Leute ruhig abstoßen. Wie gesagt, zum einen versuche ich zu zeigen, dass es möglich ist und eben zu sagen, wenn du halt nicht genderneutral sprichst oder schreibst, dann machst du das mit Absicht, weil es ist möglich, Punkt. Und zum anderen... Ich muss mich als diskriminierte Minderheit nicht bemühen, irgendwas durchzusetzen, sondern ich muss darauf zeigen, sagen, du Arschloch, guck in den Spiegel. Weil ich finde, wenn du jemanden diskriminierst und das Tust du, dann bist du an der Reihe, die Diskriminierung aufzuheben. Also ich fordere immer, Mein Lieblingsfilm ist ja Django Unchained. Also absolut, Was das angeht. Also ich weiß nicht, wie es beim Thema Rassismus ist. Ich bin von Rassismus nicht betroffen, das kann ich nicht sagen. Ich finde nur, dass Django Unchained... Gerade was Diskriminierung von Frauen angeht, Ein unglaublich Weiser Film ist, weil die Mechanismen einfach so klar werden, dass du sagst, du brauchst privilegierte Menschen an deiner Seite, die mit dir kämpfen, die die Türen öffnen, sonst schaffst du es nicht. Du brauchst privilegierte Menschen, die mit dem Finger auf die anderen zeigen und sagen, schämt euch. Das ist scheiße, was ihr da macht. Und ich bin unfassbar dankbar für jeden Mann, der in den SpieGEL guckt und sagt, ich mach bestimmt noch eine Menge Scheiß. Aber ich sehe ein, dass ich privilegiert bin, und ich möchte das gerne ändern, weil das ist ungerecht und das ist Kacke. Also genauso, wie es heute so ist. Beim Thema Rassismus und Männer sehen das beim Thema Sexismus ganz oft noch nicht so. Das versuche ich immer klar. Ich suche Verbündete. Ich suche auch Verbündete unter den Männern.
Sebastian Krumbiegel: Ich glaube, was Joël meint, ist sozusagen, dass man Menschen, die eigentlich so reflektiert sein wollen und zu versuchen, danach auch zu leben, dass man die verschrecken kann, indem man sofort anfängt, loszukreischen. Weißt du, wie ich das meine? Ja,
Lucy van Org: aber ich muss nicht darauf Rücksicht nehmen, ob ich die verschrecke, weil ich bin... Aber weißt du,
Sebastian Krumbiegel: es geht doch am Ende, entschuldige bitte, nein, es geht doch, Also für mich geht es doch? glaube ich darum, Ich sage mal ein bisschen pathetisch, die Welt besser zu machen und sozusagen dafür zu sorgen, dass wir am Ende dahin kommen, dass wir eine Gleichberechtigung haben.
Lucy van Org: Damit bestimmt doch der Privilegierte, wie der andere sich zu verhalten hat. Im Gegensatz dazu zu sagen, denkt Ihr selber, was aus. Ihr beide wisst darum, dass es Diskriminierung gibt. Ihr Seid die, die privilegiert sind. Und die automatisch dadurch, durch die Verhältnisse, in denen ihr aufgewachsen seid, einfach durch die Tatsache, dass Ihr ein Mann seid, Diese Privilegien genießen.
Sebastian Krumbiegel: Ich versuche immer reinzukretschen, wenn ich irgendwelche Scheiß... Ich weiß,
Lucy van Org: das habe ich auch gemerkt, finde ich auch super. Ich sage nur, ich möchte nicht buhlen. Ich finde, dass es nicht meine Aufgabe ist, als Opfer, das klingt immer so doof, Ich finde nicht, dass ich als nicht privilegierter Mensch mir ausdenken muss, Wie die Privilegierten ihre Privilegien abschaffen müssen. Ich kann nur sagen, wenn du das nicht tust, bist du ein Arschloch. Und mehr, was? Ich weiß nicht. Also, ich habe ehrlich gesagt, funktioniert das besser als vieles andere, weil das Lustige ist, Wenn du das mit Scham versuchst, wenn Du sagst, jetzt guck mal und so. Du wirst nicht ernst genommen. Es wird am schlimmsten. Und auch da ist Django Unchained wieder so ein tolles Beispiel. Am liebsten wird gesagt, wieso, es gibt, doch aber auch Frauen, die machen das so. Und damit sind alle Privilegien, Die Männer genießen, hinfällig, wenn jemand sagt, wieso, ich finde es total gut, dass Männer Privilegien haben. Damit dürfen die das. Also die eine Frau darf quasi stellvertretend für alle anderen sprechen. Und ich möchte einfach, weil ich nehme. Männer ernst. Ich glaube, dass Männer keine Arschlöcher sind. Und ich glaube, dass es aber so ist, dass es Sinn macht, Männer darauf aufmerksam zu machen, Dass es teilweise auch bewusst oder unbewusst, dass es Arschloch-Momente gibt. Es gibt zum Beispiel diesen wunderbaren Sketch des Magic Coffee Tables. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt. Das ist ein großartiger Sketch aus Großbritannien. Über einen Typ, der seiner Frau ernsthaft erzählt, sie hätten einen... Magic-Washing-Maschine und einem Magic-Coffee-Table zu Hause, wo immer komischerweise immer die Klamotten gefaltet sind und der Magic-Coffee-Table Manchmal macht er den Extra dreckig und lässt die letzte Scheiße drauf. Und am nächsten Morgen ist alles immer wieder schön. Und die Frau steht da und sagt, was? Das kann doch gar nicht sein. Und am Ende ist die Frau weg und es funktioniert nicht mehr und die Erklärung des Mannes ist wahrscheinlich, hat der Magic-Coffee-Table Sie verschwinden lassen und die Polizistin, die dabei ist, sagt, habt Ihr eigentlich, habt Ihr Sie noch alle? Und dann, sagt der Polizist, Der Daneben steht, doch, doch, Ich habe auch so einen Tisch zu Hause. Und mein Mann und ich hatten neulich einen Magic Coffee Table Moment. Irgendwie, Es war Hausarbeit und Nerv, und wir sind tatsächlich auch immer da, ich bin da immer so ein bisschen am Kämpfen, Das ist auch immer Thema. Und dann war ich völlig genervt, da meinte ich, ey, wenn du das nicht packst, da deinen Teil zu machen, dann weiß ich nicht, was wir machen. Aber also irgendeine Putzkraft bringt es auch nicht, weil das, die kommt einmal die Woche und dann Mhh. Du musst jeden Tag was machen und so. Und dann meinte er, wie war denn das noch früher? Wir hatten doch mal eine Putzkraft, und da war das doch auch nicht so schlimm. Da mussten wir doch auch weniger machen. Nee, dann musstest du weniger machen. Und da hat er sich fürchterlich geschämt und hat gesagt, also. Ganz oft machen Frauen das automatisch und Männer merken es nicht. Also In diese Falle sind wir teilweise auch getappt. Das ist ganz normal. Ja, das ist aber eine total billige Ausrede. Also, wenn du einen Job hast, also Du bist ja nicht doof, du machst ja deinen Job, Männer nehmen das nur nicht, so ernst. Bei dir auf der Arbeit weißt du auch genau, wo welche Knöpfe zu sein haben oder wo irgendwas zu sein hat. Und so. Und wenn du Sachen, ernst, nimmst und sagst zum Beispiel, Wenn deine Frau jetzt sagt, die Küche muss so und so aussehen, dann musst du dich halt. Damit befassen, dass Sie so und so aussieht. Und in vielen Fällen nehmen Männer das aus angelerntem Privilegiertsein einfach nicht ernst, weil es nicht für sie der Job ist. Ich glaube, mir fällt das nicht auf. Das ist echt eine billige Ausrede. Okay, Das Rezept zum Frieden ist in solchen Fällen, glaube ich, habe ich zumindest bei meinem Mann, ist ein eigenes Zimmer für jeden. Also, das ist natürlich Luxus, ja, gerade in Berlin. Messie-Room. Was?
Sebastian Krumbiegel: Messie-Room. Ja,
Lucy van Org: oder ein Messie-Room, ja, aber das ist furchtbar, weil den muss man dann mit meinen aufräumen. Und so, das ist kacke. Aber wir haben das tatsächlich, so, Ich glaube, das ist eines der Geheimnisse, weshalb ich seit 22 Jahren unendlich glücklich bin. Mit meinem Mann, dass wir wirklich jeder unser eigenes Zimmer haben, WO jeder... Diese Regeln, wie sie oder er sie will, beherzigen kann. Und die sehen wirklich anders aus. Also weil ich bin bis zur Pädanterie ordentlich, was aber daran liegt, dass ich wahnsinnig schlechte Augen habe. Und ich kann einfach nicht suchen. Und wenn ich nicht ein Fach für die kurzen Bleistifte habe und ein Fach für die langen Bleistifte, Dann finde ich die Kurzen nicht mehr. Und bei ihm ist das anders. Und dann gibt es einen Bereich der Wohnung, der ist für uns zusammen. Und da gibt es Halt Standards, die legen wir gemeinsam fest. Und die kann sich auch immer ändern. Und dann geht das auch. Aber trotzdem streiten wir uns natürlich darüber. Aber ich glaube, dass... Ein Anfang ist, sich dessen bewusst zu sein, dass es nötig ist, dass du nicht deiner Frau hilfst beim Putzen, sondern dass es dein Dreck ist. Und dass du genau denselben Teil machen musst, wie sie. Und das sind so Sachen, die, glaube ich, bei vielen Männern leider, leider, leider immer noch nicht angekommen sind.
Sebastian Krumbiegel: Nee, nee, das ist schon ein Geschlechterthema. Das ist schon ein gelerntes Rollenbildthema. Und was ich dazu sagen würde, dass es natürlich auch ein Generationsthema ist, in irgendeiner Weise. Ich darf meinen Eltern solche Sachen nicht vorwerfen. Also, ich bin 54, mein Vater ist 84. Natürlich hat er ein anderes Rollenbild, ein anderes Rollenverständnis als ich. Natürlich hat die nächste Generation noch ein anderes Rollenbild. Und was du eben sagst, Dein 15-jähriger Sohn, Der hat schon viel, viel mehr gecheckt. Als ich, geschweige, denn als mein Vater. Ich versuche und mein Vater übrigens auch, ganz nebenbei, Wir reden über solche Dinge. Also auch, was weiß ich, was Schwulenfeindlichkeit betrifft. Wann ist der Paragraf 175 abgeschafft worden? Das ist noch gar nicht so lange her. Und unsere Eltern oder die vorherige Generation ist eben so aufgewachsen, dass das Sozusagen ein Straftatbestand war. Aber ich muss mal ganz klar sagen, dass wir das Scheiße, finden, dass das irgendwie ätzend ist und dass das total nervt. Das geht außer Frage. Aber, dass mein Vater zum Beispiel diesbezüglich auch eine Menge gelernt hat. In letzter Zeit und eben irgendwie keine komischen Sprüche mehr. Diesbezüglich macht, die er vielleicht vor 20 Jahren noch gemacht hat. Oder von mir aus auch, ich höre gleich auf, Joël, Rassismus. Wir haben das N-Wort, glaube ich, vor 30, 40 Jahren alle gebraucht. Und selbst, wenn wir eben ein anderes Wort für Schaumkuss genannt haben, Es war sozusagen im Sprachgebrauch, und es verändert sich alles. Und ich glaube, du hast eben, was ganz Kluges gesagt, wenn wir es reflektieren. Ist das erstmal der erste Schritt dazu, dass wir uns eingestehen, dass das ein Problem ist. Es wird nicht künstlich ein Geschlechterthema daraus gemacht, Es ist ein Geschlechterthema. Und das müssen wir ganz klar sagen. Also, ich möchte vielleicht mal kurz ein bisschen davon wegkommen, weil wir wollen ja auch über Musik reden, weil Du Musikerin bist und weil du eine eigene Platte machst. Und weil du eben vorhin gesagt hast, du machst das alles selbst, und du bist eben da ganz Autark und so. Wirklich erstmal völlig unabhängig von dem Geschlechterthema. Glaubst du nicht, dass ein außenstehender Produzent, eine außenstehende Produzentin für einen Künstler, für eine Künstlerin wichtig ist? Also jetzt völlig unabhängig von Geschlechtern, sondern einfach nur, also. Ich glaube, dass wir als Band, wir waren immer froh, dass wir außenstehende Leute hatten und haben, die von außen drauf geguckt haben und die uns gesagt haben, hey, ihr seht das so und so, Aber ich würde das ein bisschen anders machen. Glaubst Du nicht, dass das auch ein Thema ist? Ich wollte jetzt gar nicht dieses Thema so abwürgen, Aber mir lag das schon die ganze Zeit auf der Zunge, weil du vorhin angefangen hast, über deine Musik zu sprechen. Ja,
Lucy van Org: das finde ich super. Als Erklärung für die Leute, die das Gespräch vorher nicht mitgekriegt haben, finde ich super. Also tatsächlich, Ich mache zum allerersten Mal in meinem Leben überhaupt. Eine wirkliche Soloplatte, also eine 100% Soloplatte, Das heißt ich, oder Platte, Ein Album heißt das heute. Das heißt, ich habe nicht nur die Songs selber geschrieben und getextet und gesungen, Ich habe auch alle Instrumente selber gespielt, Ich habe die Playbacks oder wie auch immer die Tracks selber programmiert. Und ich habe das Ganze auch noch gemischt. Und auch selber gemastert. Also, ich war quasi die ganze Zeit alleine in meinem Studio und habe gearbeitet und dabei ist, was rausgekommen. Und das heißt Lucina Sotera übrigens.
Sebastian Krumbiegel: Lucina Sotera.
Lucy van Org: Ja, Lucina, können wir gleich noch drauf kommen, Warum das so heißt. Ja, ich glaube, dass das durchaus so ist, dass das nötig ist. Ich habe mir das nur mal gegönnt. Ich habe gedacht, nach so vielen Jahren, also, wie gesagt, Ich bin jetzt 49 und meinen ersten Plattenvertrag, hieß das damals. Ja noch, hatte ich 1987 bei Hansa Records. Ja, Hansa Musikproduktion. Genau, Hansa Musikproduktion, wir beide. Rittelsbacher Straße 18, Westberlin. Ja, oh, toll.
Sebastian Krumbiegel: Ja.
Lucy van Org: Und ich dachte, nach so vielen Jahren, also 33 Jahre, sind es jetzt, in diesem Business? Als Profi, darf ich mir das Mal gönnen. Also einfach, weil ich es kann. Es ist so, Warum leckt der Hund sich die Eier? Weil er es kann. Und dann dachte ich, ich kann es jetzt auch, also probiere ich es mal und gucke einfach mal, was dabei rauskommt. Und da gibt es ja viele wahnsinnig berühmte Vorbilder. Ich will mich, mit denen jetzt nicht auf eine Stufe stellen, aber ich Eifere, denen nach, würde ich sagen.
Sebastian Krumbiegel: Wer fällt Dir spontan dazu? ein?
Lucy van Org: Kate Bush Zum Beispiel. Kate Bush macht das alles. Und mal abgesehen davon, Zum Beispiel, wusste jemand von euch, dass Kate Bush die Mehrspuraufnahmetechnik... Erfunden hat. Also Kate Bush war die erste Künstlerin. Oder auch überhaupt die erste Kunstschaffende im Musikbusiness, die eine Spur abgespielt hat. Und dann nochmal, was anderes drüber gesungen hat. Sagt niemand. Die war Total revolutionär.
Sebastian Krumbiegel: Das haben doch die Beatles aber auch schon gemacht.
Lucy van Org: Nee, so, AbER nee, George Martin hat mehr Spuraufnahmen gemacht. Aber dieses Ich spiele, was ab, Ich nehme was und singe dann drüber und mach das dann nochmal, Das war Kate Bush.
Sebastian Krumbiegel: Bohemian Rhapsody, 1975. Oder so. Es sind ganz viele Gesangsstimmen, wo Freddie Mercury irgendwie seinen eigenen Chor immer wieder gedoppelt hat.
Lucy van Org: Die war doch schon vorher, oder? Oder bin ich jetzt falsch? Okay, dann schneiden wir das bitte raus.
Sebastian Krumbiegel: Ich weiß es auch nicht so genau. Ich glaube schon, ich liebe die Musik von ihr, und ich glaube, dass sie echt eine Pionierin ist. Wie hieß sie? Wuthering Heights, Die große Platte von ihr. Mit hier
Lucy van Org: Babooshka. Ich meine gelesen zu haben, okay. Alle Leute sollen mich jetzt steinigen, bitte, wenn ich irgendwas falsches erzählt habe. Jaja, genau. Und die ist da zum Beispiel wahnsinnig vorbildlich. Später Prince hat das auch alles so gemacht. Und da gibt es sicherlich mehrere Leute, die so gerne sich mal so Ego-Trips gegönnt haben. Aber eben zum Beispiel mit dem Unterschied. Bei Kate Bush haben alle immer gesagt, die ist zickig, die ist schwierig. Und bei Prince war es das Genie. Und das ist schon, ja, Hip-Hop wurde von einer Frau erfunden, weiß auch keiner. Sylvia Robinson. Sylvia Robinson hat tatsächlich den Hip-Hop erfunden, Die größte Macho-Musik aller Zeiten heute. Aber ist wirklich so. Und ich finde, das wird halt nicht erwähnt. Es gibt noch eine Menge andere Sachen, die Frauen erfunden haben, die nicht erwähnt werden. Ich möchte darauf gar nicht so rumreiten, aber ich möchte einfach, Also das ist meine Taktik, Männer wie euch daran zu erinnern, dass es einfach schön wäre, gemeinsam Diskriminierung abzuschaffen, gemeinsam, sich über Privilegien Gedanken zu machen, die vielleicht unfair sind und zu gucken, Dass Ihr am Ende eures Lebens fröhlicher in den Spiegel gucken, könnt und euch sagen, könnt, Mann, Ich war cool, ich war kein Arschloch, ich war nett. Auch zur anderen Hälfte der Menschheit.
Sebastian Krumbiegel: Ich versuche diesbezüglich ernsthaft, wirklich ohne Scheiß, mit meinen Aufgaben zu wachsen. Ehrlich jetzt, wirklich. Also ich versuche reflektiert zu sein. Ich versuche, die Dinge zu sehen und ich versuche wirklich, mich zu bilden. diesbezüglich. Und versuche, also auch, wo ich oft irgendwie schräg angeguckt werde. Von Leuten, die irgendwie, Was weiß ich, wenn ich anfange zu gendern. Ich habe mir das echt vorgenommen, das zu tun. Egal, ob es auf der Bühne ist oder ob es in Interviews ist oder so. Also, natürlich klingt mir das auch nicht immer, aber ich bin schon da. Diesbezüglich ein reflektierter Kerl. Glaube ich wirklich.
Lucy van Org: Ich merke das ja auch. Ich will dich doch auch nicht Arschloch nennen. Nein, nein. Ich merke nur, dass Sebastian natürlich öfter eingrätscht. Dass du gerne mal so sachen, noch sagst, dass ihm schon viel mehr auffällt. Was ich mir wahnsinnig wünschen würde, ist genau, dass Männer das auch untereinander tun. Also genauso wie das für uns, wenn privilegierte Arschlöcher heute normal ist, Wenn irgendeiner rassistische Kackscheiße absondert, dass man dann sagt, Alter, Das ist rassistische, Kackscheiße oder Alte, das ist rassistische, Kackscheiße, Wäre ich unendlich dankbar, wenn Männer das untereinander genauso täten, wenn keine Frau dabei ist. Also, weil es nicht darum geht, ob gerade jemand direkt betroffen ist oder je Frau, sondern weil es auch darum geht, wie das Selbstbild ist.
Sebastian Krumbiegel: Und je Frau ist das auch? Nein, Quatsch. Nein, das benutze ich nicht. Nein, nein, Ich habe nur einen Scherz gemacht. Aber das meine ich eben manchmal, wenn so etwas kommt, dann denke ich, äh. Ja, aber ich mag sowas. Ich wusste eben nicht, ob es ein Scherz ist im Kontext. Nein, Quatsch,
Lucy van Org: Das war ein Scherz. Ich finde es manchmal lustig, wenn Leute so Stolpersteine einbauen. Ich mache das in meinen Büchern zum Beispiel gar nicht. Wie gesagt, bei meinen Büchern merkst du das überhaupt nicht, wenn du die liest, dass die komplett genderfrei geschrieben sind. Und das finde ich auch schön, also einfach, weil. Ich mag Sprache und ich finde so unbeholfene Sprache. Sprachkonstrukte ganz oft ganz doof und unsexy. Das meinen wir auch ein bisschen. Das meinte Joël Kaczmarek vorhin, glaube ich. Aber ich finde, dass immer noch das Stolpern über ein unbeholfenes Sprachkonstrukt besser ist, als wenn eine Schauspielerin keinen Job kriegt. Und da finde ich, Da muss man dann einfach den einen Nachteil gegen den anderen abwägen. Und sagen, okay, Dann schreibe ich Fahrerpunkt In oder Fahrerdoppelpunkt hat man auch. Das ist dann nämlich auch wieder inklusiv. Weil nämlich, Wenn blinde Texte vorgelesen kriegen, dann wird das Gendersternchen mit einem Sternchen gelesen, Was total blöd ist, wenn dann immer irgendwie also Lokführer Sternchen innen gesagt wird, sondern mit einem Doppelpunkt, Weil dann wird Lokführer innen gesagt Und das ist viel schöner. Aber wenn da Lokführer innen steht, denken die Menschen, die an der Besetzung arbeiten. plötzlich, ach, so, Da können wir auch eine Frau nehmen, Dann nehmen wir vielleicht mal eine Frau zur Abwechslung oder so. Und ich habe mich selber dabei. Ich sitze gerade an einem Drehbuch, Da gibt es einen Fahrlehrer und da habe ich einen Fahrlehrer, ganz automatisch einen Fahrlehrer geschrieben, obwohl es natürlich... Millionen, also nicht Millionen, vielleicht, aber Tausende von Fahrlehrerinnen gibt in Deutschland, die genauso gut hätten, da spielen können. Das machst du aber nicht, weil auch ich im Kopf natürlich noch dieses alte System habe.
Sebastian Krumbiegel: Das meinen wir übrigens auch, weißt du. Wenn du das jetzt über dich selbst sagst, ist doch gut, weil wir alle versuchen, reflektiert, damit umzugehen. Wie gesagt, ich denke, dass ich damit reflektiert umgehe und möchte mir nicht vorwerfen, dass ich nicht reflektiert. Damit umgehe. Klingt jetzt auch wieder, so gestelzt. Nö, Aber das tust du doch gar nicht.
Lucy van Org: Also habe ich das gemacht?
Sebastian Krumbiegel: Ja, ich möchte euch, Männer oder euch beide irgendwie dazu verleiten, dass ihr am Ende Eures Lebens in den Spiegel gucken, könnt. Ich glaube schon, Hey, Pass auf, wir sind alle Lernende. Ja, ja,
Lucy van Org: das war nicht meine Intention. Aber ich wollte jetzt auch nicht so speziell nur auf einem Mann rumhacken. Deswegen habe ich dich jetzt einfach inkludiert. Ich habe dich auch sehr dafür gelobt, dass du eingegrätscht hast. Komm. Das war, nein, Ich finde das tatsächlich, also du hast quasi gerade genau das gemacht, was ich mir so wünsche. Zu sagen, dass du in dem Moment, wo dein gegenüber, was sagt, was du nicht okay, findest, dass du dann eingrätschst. Und dass Du es eben auch als Mann, dass du es auch als privilegierter Mensch tust. Also, dass ich nicht als Nicht-Privilegierte da stehen muss und sagen kann, kann ich mal dazwischen, Ich muss jetzt ganz nett und charmant sein, Aber wenn ich jetzt aber falsch sage, dann ist es vielleicht auch blöd. Sondern, dass einfach gesagt wird, hey, aufpassen, vielleicht hast du es nicht gemerkt. Aber und dass dann auch nicht blöd reagiert, wird, sondern einfach gesagt wird, hey, oh, sorry. Also das gibt es immer wieder. Keine Ahnung. Ich habe eine Menge transgender Personen in meinem Bekanntenkreis und auch mir ist es schon passiert, dass ich ein falsches Pronomen verwendet habe. Und dann kommt Zeit darauf an, ob du dich dann dafür einfach entschuldigst und sagst, das war Kacke und nicht dafür, sagst, Also jetzt so schlimm kann es ja jetzt auch nicht sein, so ein Pronomen. Weil natürlich kann das total schlimm sein. Und ich kann mich nicht in die... Situation, dieses Menschen reinversetzen und einfach mal zu glauben, dass irgendwas doof ist, anstatt darüber zu diskutieren, ob es wirklich doof ist. Ich glaube, das ist der Anfang und sich dann zu bemühen und zu sagen, hey, das ist doof.
Sebastian Krumbiegel: Vielleicht wären wir uns ja wirklich genau, dann einig, wenn wir eben nicht mehr über Feminismus reden, sondern wenn wir über jegliche andere Art von Diskriminierung reden. Wenn wir sozusagen, alle in einem Boot sitzen, wenn es um Rassismus geht, zum Beispiel. Dass man über Menschen mit mit Behinderung sich lustig macht. Weißt du, ich glaube, wir sind alle reflektiert genug, das irgendwie hinzukriegen. Und wir machen auch alle, um es gleich hinterher zu sagen, wir machen auch alle unsere Fehler. Ja, ja, wir machen alle unsere Fehler. Wir müssen Sie checken.
Lucy van Org: Genau, Und ich merke halt, dass in diesem Männer-Frauen-Kontext natürlich besonders viel Sprengkraft liegt, Einfach, weil es so viele Frauen und so viele Männer gibt und so viele Alterssituationen. Und weil, ja, weil halt verständlicherweise kein Mann sich vorwerfen lassen will, dass er irgendwas falsch macht.
Sebastian Krumbiegel: Sexistisches Arschloch ist, ja.
Lucy van Org: ALSO und... Es geht auch nicht um große Arschlochsachen oder kleine Arschlochsachen oder so. Es gibt ganz große Arschlochsachen, aber es geht um das Bewusstsein im Alltag, dass da was ist, was blöd ist, was weggehört. Richtig, aber weißt du,
Sebastian Krumbiegel: Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich reingrätsche, macht auch da der Ton wieder die Musik. Und wenn ich merke, dass derjenige, das eigentlich vielleicht sogar nicht mehr gemerkt hat, und es auch nicht. Böse, meint. Da wirst du gleich wieder auch reingrätschen. Aber wenn ich das merke, also Pass auf, wenn irgendjemand sagt, Na, man würde heutzutage wenigstens nochmal hier. Irgendwie. Ja, so. Dann kannst du sagen, hör mal zu, das ist echt. Und dann musst du wirklich auch Ross und Reiter nennen, musst du die Dinge beim Namen nennen, musst du ganz klar sagen, so geht nicht. Schnauze halten, irgendwie, fuck, Das ist irgendwie sexistische, Kackscheiße oder rassistischer Wahnsinn und bitte nicht. Auch wenn jemandem das rausrutscht und wenn jemand, vielleicht sogar auch jemand, der Älter ist, Wir drehen uns jetzt ein bisschen im Kreis, der eine Generation vorher ist, der es nicht so gewohnt ist, wie wir heute gewohnt sind, darüber zu diskutieren. Übrigens auch in unserer Bubble. Dann ist es, glaube ich, cool, Ich sage es nochmal, nicht sofort loszukreischen, sondern zu sagen, Hey, du, Ich sage das nicht so und ich würde dich bitten, das auch nicht so zu machen.
Lucy van Org: Das ist ja super, also gerade, wenn du das machst, weil das Problem ist, ich kann sagen, wie ich es will, es wird immer Scheiße gefunden. Also eine Frau kann sagen, was du möchtest, weil wenn es nicht so wäre, also von mir nicht, wenn ich das Mal so sage. Und von vielen Leuten, die ich kenne, auch nicht. Aber wenn du wirklich, was sagst bei jemandem, der dafür kein Bewusstsein hat? Und du sagst, was? Und du sagst es, Es ist völlig egal, ob du es nett sagst oder super böse.
Sebastian Krumbiegel: Du erreichst jemanden auf jeden Fall eher, wenn du es so sagst, dass er sich nicht sofort in eine Ecke drängt.
Lucy van Org: Nee, leider nicht. Ich glaube, dass es daran liegt, dass du, weil als Frau ist es wirklich egal, weil sonst wären wir weiter. Also wenn ich lese, mir hat es das Herz zerrissen. Ich habe zum Thema Jubiläum 100 Jahre Frauenwahlrecht. Habe ich Texte gelesen von Olympe de Gouges? Für so eine Art höher, also auch fast wie so eine Podcast irgendwie. Und wie die versucht, haben, den Männern zu erklären, dass sie auch Menschen sind. Mir hat es das Herz zerrissen. Ich habe gedacht, das kann nicht sein. Wann war das? Vor 100 Jahren. Vor etwas mehr als 100 Jahren. Und Olympe de Gouges hat das mit dem Leben bezahlt, dass sie es gewagt hat, zu sagen, dass Sie auch ein Mensch ist. Wenn ich mir das angucke, mit welchen Engelszungen Frauen jahrzehntelang und ja auch noch davor, also, es ist ja jetzt nicht so, dafür, Dresche zu rühren und es nett zu sagen. Und es war dann egal. Also, es gab immer nochmal ein Backlash, einfach, weil es auch so herrlich bequem ist. Ich finde, du hast als nicht privilegierter Mensch durchaus das Recht, über das Ziel hinauszuschießen. Du hast auch als Mensch of Color das Recht, Sachen zu sagen, die... möglicherweise, Wo man, ja, wo du dich im Ton vergreifst, wo irgendwas blöd rüberkommt, wo vielleicht irgendwas auch völlig irrational ist. Oder irgendwas, weil Du bist einfach der Mensch ohne die Privilegien. Und ich finde, du hast als privilegierter Mensch. Die Pflicht, dann sowas auch mal zu schlucken und da drüber zu stehen. Also Diese Pflicht habe ich, wenn es ums Thema Rassismus geht, beispielsweise. Und diese Pflicht, finde ich, haben auch Männer, wenn es ums Thema Sexismus geht. Weil Ihr einfach die privilegierte, also nicht mal, Ihr seid die privilegierte Hälfte, Ihr seid ja, weder die privilegierte Mehr- noch Minderheit, sondern die privilegierte Hälfte. Und ich finde, da musst du dich, als Frau jetzt auch nicht unbedingt dir ständig Gedanken machen, Ob jetzt der Ton richtig ist oder nicht. Ich habe es verstanden. Ja, weißt du?
Sebastian Krumbiegel: Ja, ja. Aber was heißt Persilschein?
Lucy van Org: Also, wenn ich ein, nö, aber wenn Du sagst, du vergreifst dich zum Beispiel als Mensch of Color. Mal nicht so höflich im Ton, ja, oder Du beziehst, was auf deine Hautfarbe, was möglicherweise tatsächlich anders gemeint ist, Dann hast du alles Recht der Welt dazu, weil Du schluckst mit Sicherheit jeden Tag so viel Scheiße. Und ich finde das das bisschen Unwohlsein, was der privilegierte Mensch dann empfindet, dabei, dass der nicht privilegierte, sich im Ton vergreift, Das ist so viel weniger als das, was der nicht privilegierte Mensch jeden Tag erdulden muss. Dann finde ich, dann muss ich das einfach schlucken. Dann kann ich versuchen, nett zu sein und bestimmte Dinge zu erklären. Oder einfach irgendwie selber freundlich zu bleiben. Oder so. Aber ich finde, dass Menschen, die wegen ihrer Hautfarbe oder wegen ihres Erscheinungsbildes diskriminiert werden, Alles Recht der Welt dazu haben, Tschüss. Stinkwütend zu sein und auch unfair zu sein. Und auch irgendwie, also einfach, weil du ja. Und dass wir,
Sebastian Krumbiegel: die nicht schwarz sind, nicht das Recht haben. Zu sagen, hab dich, mal nicht so. Ja, ganz genau.
Lucy van Org: Und hab dich mal, und ich fühl mich jetzt und so, weil dieses bisschen Unwohlsein, was dann bei mir entsteht, weil jemand da vielleicht unfair ist, Das ist ein Scheiß gegen das, Was die immer, was die schlucken müssen. Und tatsächlich ist es auch, was das Thema Sexismus angeht, Auch Weißt du, ähm, dir wurde keine Zunge in den Mund gesteckt, unfreiwillig oder so. Ich finde, dann kannst du dich auch mal kurz. Unwohl fühlen, weil ich dich generalisiert habe, gerade oder so. Wir sind doch nett genug zueinander, als dass du da nicht drüberstehen kannst. Ich finde, dass du das ganz toll machst. Ich freue mich da so dran.
Sebastian Krumbiegel: Nein, ich möchte mich auch gar nicht irgendwie jetzt hier frei von Schuld sprechen. Oder so. Aber darum geht es ja auch gar nicht.
Lucy van Org: Es geht doch gar nicht darum, wer schuld ist. Wir sind alle letzten Endes, Wir sind alle gefangen in dieser Scheiße, in die wir reingeboren worden sind. Oder einer Mitarbeiterin. Achso, okay. Das ist ja auch super. Das gehört sich einfach. Das ist einfach so. Aber das ist genauso selbstverständlich wie die Frauen in deiner Hörerschaft. mitzudenken, dann finde halt ein neues Wort. SAG Hörerschaft, liebe, ja, Muss ja nicht Hörerpunkt Innen sagen. Liebe Menschen an den Abspielgeräten, liebe, also? Ich glaube, dass Privilegien abschaffen, auch im Kleinen. So ist. Also, dass es nicht nur so ist, dass du, also eben auch, Ich finde, Rassismus ist immer ein gutes Beispiel, weil da sind wir, glaube ich, was das Bewusstsein angeht, Wir sind überhaupt nicht weiter, was die Auswirkungen angeht, Weil Menschen werden immer noch wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert. Oder wegen Ihres Erscheinungsbildes, Aber wir sind zumindest, was unser, ja, also, wir sind uns einiger, Dass das Scheiße ist. Und ich glaube, dass es sowohl im großen wie im Kleinen, dass es dazu gehört, Dass ich genauso viele Menschen of Color beschäftige wie weiße Menschen, Aber, dass es genauso dazu gehört, dass ich N-Wort nicht sage. Und dass es mir keinen Freibrief gibt, sondern dass du einfach das versuchst, ich glaube, wir versuchen doch alle möglichst kein Arschloch zu sein. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung.
Sebastian Krumbiegel: Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung.
Lucy van Org: Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Mensch mit Behinderung. Was sich das in deren Generation so gehört, weil das Cool ist.
Sebastian Krumbiegel: Und wir reden jetzt drüber, das ist übrigens auch noch.
Lucy van Org: Ja, nein, aber wie gesagt, es geht aber noch weiter. Es geht nicht nur mit, Ich habe das nicht Böse gemeint, sondern wenn ich darauf aufmerksam mache, dann zu sagen, Oh ja, scheiße, Mache ich nicht mehr oder versuche ich nicht mehr zu machen. Das ist zum Beispiel so ein Ding mit Kompliment. Ja, so, also, ich hatte, das ist mir gerade vor drei Tagen. Ist es oder ein bisschen länger her, ist es mir passiert, dass ein Mensch bei uns in der Nachbarschaft, gibt es immer so ein paar Typen, Wir nennen Sie in der Nachbarschaft Die Comancheros. Und ich sammelte die Hundekacke auf meines Hundes in der Straße. Und einer der Comancheros, der schon ein bisschen älter ist. Und auch schon ein bisschen länger alkoholkrank, brüllte mir hinterher so, kannst du dich nochmal bücken? Und ich drehte mich um, das war ein Kompliment. Und ich habe dann auch nichts gesagt, weil ich dachte, das bringt jetzt auch nichts. Und das ist doch eigentlich ein lieber Kerl. Und vielleicht werde ich ihn irgendwann mal Beiseite nehmen. Und sagen, wenn du Frauen so komplimente machst, glaube ich, kommst du nicht weiter. Aber viele Männer sagen dann immer, Mensch, Ich habe doch nur was Nettes gesagt, ich habe doch nur ein Kompliment gesagt oder so. Und vergessen dann zum Beispiel dabei, dass du nur Menschen Komplimente machst, die du zumindest als gesellschaftlich gleichwertig empfindest, aber nicht als höher gestellt. Und Männer machen Frauen halt gerne Komplimente. Also, du würdest deinem Chef auch nicht, du würdest auch dem Bundeskanzler nicht sagen, Mensch, du siehst ja geil aus. Boah, Hast du einen tollen, Ja, so. Sondern das macht man. Also, sich über bestimmte Dinge zu mockieren, das machst du. Weil du das Gefühl hast, du kannst das, weil du auf einer Stufe stehst mit dem. Und das tust du bei Männern viel seltener. Und es gab zum Beispiel hier so einen Fall, Da hat eine Staatssekretärin, Sawsan Chebli, hat sich beschwert, völlig zu Recht, dass sie zum einen nicht erkannt wurde als Staatssekretärin, sondern sie saß unten im Publikum. Und dann, ja, Ist denn die Staatssekretärin überhaupt schon da von dem Saal, also von dem Menschen, der da im Saal war? Und dann stand sie halt auf und sie sieht sehr, sehr gut aus, sie ist sehr schön. Und dann habe ich jetzt gar nicht damit gerechnet, dass das eine so junge und so schöne Staatssekretärin. Und da hat sie sich drüber aufgeregt. Und alle haben dann gleich mit ihr auf sie mit dem Finger gezeigt und gesagt, die übertreibt, die Blöde Zicke. Anstatt zu sagen, ey, einem männlichen Staatssekretär, würdest du auch nicht sagen, wie gut der aussieht, weil du einfach sagst, okay, der ist in dem Moment, Also, wir sind alle Menschen, wir sind alle gleich, Aber in dem Moment ist er in einer Chefposition. Und diese Chefposition wird Frauen viel seltener zugebilligt. Und deswegen kann das manchmal echt Kacke sein, ein Kompliment zu kriegen. Also, das müssen Männer auch mal so annehmen, dass das so ist. Und da gibt es ganz viele so Kleinigkeiten, wo es dann auch keine blöde Intention gibt, sondern wo du als Mann auch einfach sagen kannst, oh, sorry, so habe ich es nicht gemeint, Werde ich das nächste Mal drüber nachdenken. Und dann ist es schon gut. Und dann ist auch völlig okay, dass du vorher ein Kompliment gemacht hast und es vielleicht unpassend war. Naja. Ja klar, also, wie gesagt, ist in Vagina Dentata auch drin. Denen geht es teilweise echt kacke. Die haben Krankheiten, die sind gestresst, Die haben auch von der... Ja, wobei, Das ist... Also die meisten Männer, die ich kenne, weinen wesentlich mehr als Frauen, ganz im Ernst. Also, das ist so ein Komischer. Mythos. Aber Männer dürfen sich nicht...
Sebastian Krumbiegel: Du hast vorhin Selbst gesagt, The Cure war irgendwie dein Erwettungserlebnis. Ja,
Lucy van Org: aber ich glaube, das ist ein Mythos. Also Männer sind auch viel weinerlicher, was Krankheiten angeht. Ja, also, das ist so... Was? Nein, nein, das tut mir leid. Es gibt super, Super Taffe, Männer. Da hast du recht. Das tut mir leid. Aber ich sage nur, so bestimmte Klischees, die korportiert werden, dass Männer das nicht dürfen, wo es tatsächlich so ist, ist, Männer müssen viel öfter in Kriege ziehen, Dafür werden Frauen viel öfter in Kriegen vergewaltigt. Also, es gibt bestimmte Sachen, Da haben auch Männer die absolute Arschkarte. Männer sterben früher, Männer haben eine schlechtere Gesundheitsversorgung, Männer haben beschissene Ideale. Ich glaube, man kann es so zusammenfassen, Dass das Patriarchat für beide Geschlechter scheiße, ist. Und dass es einfach abgeschafft gehört, weil es ist unzeitgemäß, es ist doof, es tut uns allen nur weh. Und ich finde, da kann man sich auch einigen. Und ich freue mich über jeden Mann als Verbündeten. Bei der Abschaffung des Patriarchats. Und ich glaube, da haben wir alle, was von. Ich finde auch, wir haben jetzt... Finde ich super. Vielen Dank, vielen, vielen Dank. Das ist sehr toll von euch. Also jetzt bei diesem Album. Sonst war es nicht so. Und wie gesagt, ich produziere ja auch andere Künstler. Da mache ich natürlich nicht so, da sind die.
Sebastian Krumbiegel: Jetzt machen wir mal das Blick-und-Geh-es-Tus.
Lucy van Org: Nee, also, das Lucy ist ja genau, deswegen habe ich es ja gemacht, warum leckt der Hund sich die Eier. Ja, also, ich bin auch schon durchaus öfter mal dafür bezahlt worden, dass ich platten mische. Ich bin Profi in all diesen Bereichen, und ich habe auch schon für andere Leute Songs geschrieben, Ich habe auch schon andere Leute produziert, Nicht wenig. Auch da wieder, Das Dumme ist, Das trifft natürlich in alle Bereiche. Ich habe zum Beispiel meine Remixe immer nur dann verkauft. bekommen, wenn ich statt Lucy van Org noch ein Landstudio drauf geschrieben habe. Also Ein Remix von der Frau kann nicht gut sein. Also, mittlerweile ist es nicht mehr so, aber es war früher, so. Aber ich habe durchaus in allen Bereichen, die ich da mache. Bei dieser Lucina Sotera Produktion, Erfahrung und auch Erfahrung als Profi. Ich kann das und deswegen mache ich das.
Sebastian Krumbiegel: Sag nochmal, Was der Name bedeutet.
Lucy van Org: Lucina Zum einen, weil das weißt du natürlich, ich heiße ja bürgerlich. Ina Lucia Hildebrandt. Und Ina Lucy spricht sich total scheiße. Irgendwann verschwammen halt, je mehr Leute. Ich kennenlernte. Also früher hatte ich meinen privaten Namen, das war Ina, zum Beispiel. Du nennst mich auch noch Ina von früher. Dann gab es aber ganz viele Leute, die haben mich danach kennengelernt, die haben auch irgendwann aus. Arbeit wurde Freundschaft und die nannten mich Lucy. Und irgendwann habe ich gedacht, ich muss das irgendwie zusammenbringen. Und Ina Lucy klingt total, spricht sich total blöd. Also habe ich angefangen, Lucina zu sagen und so zu unterschreiben. Und das haben die Leute wahnsinnig schnell übernommen, weil sie so gut spricht. Und deswegen ist das einfach mein, also, wo ich so sage, wenn ich schon eine hundertprozentige Soloplatte mache, dann ist mir das näher. Und Sotera ist tatsächlich, Sotera ist altgriechisch, Ich bin ja so ein antiken Fan, Ich stehe halt auf antike Gottheiten, ich stehe ganz doll auf antike Mysterien. Und Sotera ist ein Antiker Beiname, früher für herrschende Menschen und auch für Gottheiten. Und Sotera heißt Heil und Rettung. Und für mich war das, weil ich gesagt habe, ich muss jetzt mal, was für mein Seelenheil tun. Quasi und deswegen habe ich diesen Beinamen gewählt. Außerdem klingt es irgendwie gut. Irgendwie hatte ich das Gefühl, Lucina alleine klingt so nach, so Popsternchen. Ich dachte, ich muss irgendwas finden und die Musik ist schon, Das ist zwar echt Pop, aber der Pop ist in Deutsch, Englisch und Latein.
Sebastian Krumbiegel: Wollte ich dich gerade fragen, die Sprachen. Worum dreht es sich in den Texten?
Lucy van Org: In den Texten dreht es sich tatsächlich um...
Sebastian Krumbiegel: Erraben, MANN Um East. Nein, nein,
Lucy van Org: nein, aber so ähnlich.
Sebastian Krumbiegel: Non vitae Sed non schole Sed vitae vicinus.
Lucy van Org: Zum Beispiel, Der erste, der heißt Safe, Das ist ein Song über Liebe, also teilweise über mystische Liebe, über göttliche Liebe, aber auch einfach über Liebe. Und da sind die ersten Zeilen. Tu itio, deniqui, amplexo tuo mebeas, amplexo tuo me salvas, was so viel, heißt wie…
Sebastian Krumbiegel: Wir müssen das für unsere Hörerinnen und Hörer nicht übersetzen. Ja,
Lucy van Org: genau. Das heißt einfach endlich Schutz. In deiner Umarmung bin ich glücklich, beziehungsweise deine. Umarmung macht mich glücklich und deine Umarmung rettet mich und das handelt davon, wenn du das Gefühl hast, dass Du angekommen, bist, dass du das gefunden hast, wo du sagst, Jetzt habe ich meinen Seelenheil, den Menschen, die Haltung, etwas, was dich unendlich stärkt und beglückt. Und da gibt es dann eben noch englische Zeilen, da gibt es Deutsche Zeilen drin. Ach,
Sebastian Krumbiegel: Changen die innerhalb eines Liedes? Ja, ja,
Lucy van Org: Die wechseln innerhalb der Lieder immer, Die sind immer dreisprachig. Und die Zahl 3 hat in den antiken Mysterien auch eine schöne Bedeutung. Mir hat das alles gefallen, einfach das so zu benutzen, weil ich das einfach so, Ich bin so ein, da sind wir wieder, wie gesagt, Deswegen habe ich auch diese Sagensammlung damals gemacht und so. Ich bin ein ganz großer Antiken Fan. Ich habe auch tatsächlich in Latein mein Abitur geschrieben, als Latein-Leistungskurs. Ich habe ein Graecum und ich liebe das. Ich finde das ganz schön. Und deswegen dachte ich, wenn schon persönlich, dann richtig persönlich. Und dann muss das Latein da auch mit rein. Also, ich bin auch ein ganz großer Fan von auch. Nicht nur vom alten Rom, sondern von allen Zivilisationen, die da noch dazu waren. Also, wenn du teilweise siehst, was das alte Ägypten schon fertiggebracht hat. Und so einfach auch wissenschaftlich. Wenn die Bibliothek von Alexandria nicht abgebrannt wäre, Ich weiß gar nicht, wo wir da wären.
Sebastian Krumbiegel: Als wir noch in den Höhlen gelebt haben.
Lucy van Org: Ja, und ich denke mir immer so, ich habe da einen heiden Respekt vor. Oder zum Beispiel auch, was das Griechische angeht. Ich bin ein ganz großer Fan von Epikur. Also, ich bin ganz wirklich aktiv, überzeugte Hedonistin. Aber eben nicht im oberflächlichen Sinne, sondern Epikur hat halt gesagt, du musst gucken, was dich wirklich glücklich macht. Das heißt, du musst gucken, auf welche Freuden Du verzichtest zugunsten von großer Freude, von Allumfassender Freude. Und ja, das ist eigentlich meine Lebenshaltung. Und ich war dann irgendwann völlig schockiert, weil ich fand altgriechisch im Schulunterricht. Total blöd und langweilig. Und irgendwann musste ich dann feststellen, so mit Anfang, Mitte 30, Dass eigentlich meine gesamte Lebenshaltung aus diesem Blöden Griechischunterricht stammt. Und dann habe ich meine Meinung ein bisschen revidiert. Ja, also, ich habe tatsächlich eine eigene Plattenfirma, ich arbeite mit dem digitalen Vertrieb, mit Zebralution. Ich mache, da muss ich dann aber sagen, mehr widerwillig diesen ganzen Promokram, den du da machen musst. Und da wäre ich dann tatsächlich irgendwann total froh, wenn ich Menschen dafür finden würde, die sich den Scheiß ans Bein binden und es, ja, sollte ich hier draußen, ja, das ist ja ein digital kompakt, ja, sollten sich hier draußen Produkte... Punktmanager, Punktinnen finden, Die Lust haben, sich bei mir zu melden, die dieses wunderschöne Produkt mit mir vermarkten wollen, möglicherweise auch digital. Ich freue mich über alle, die sich melden, einfach, weil es wahnsinnig schwierig ist. Aber gerade genau aus diesem Grund, Es ist unglaublich schwierig, da auch Leute zu finden, die einerseits ein Faible dafür haben. Und auch für so eine alte Schachtel wie mich und sagen, mein Gott, Ich vermarkte eine 49-jährige Frau und keinen Teenie. Und gleichzeitig halt vorne sind, was so soziale Medien und so ein Zeug angeht. Und das ist halt alles eigentlich Arbeit, auf die habe ich überhaupt keinen Bock. Also, ich habe zwar Kunst studiert, ich habe ein Auge für Optik und so Zeug, aber mich nervt das. Und ich habe tollerweise meinen Bassist, der Bassist meiner Liveband, die ich natürlich auch habe. So wir dann mal irgendwann nach Corona wieder dürfen. Der ist ein unfassbar toller Schriftsteller, der noch viel zu wenig veröffentlicht hat. Und ich verehr den total, weil er wirklich ein Zauberer mit Worten ist. Und der schreibt quasi die Texte über mich auf meiner Webseite, was ich toll finde, weil ich kann das nicht. Ich kann mich selber eben bewerben. Und so, das ist so, Das fühlt sich Kacke an. Und das will ich nicht. Und da hört es dann bei mir auf. Also, da merke ich dann auch, Das können echt andere Leute besser. Und da lasse ich dann auch sehr gerne los. Ja, 1000 Streams, 4 Euro für alle Leute und zwar 4 Euro Vorteilung mit den Vertriebenen. Nein, niemals, Niemals so viel. Nein, nein, nein, 4 Euro ist quasi das, was ankommt, bevor es alles aufgeteilt wird. Und was dann bei dir, Wenn du deine eigene Plattenfirma hast, dann kommt bei Dir so etwa die Hälfte an. Ach, nein, niemals. Doch, doch, bei mir schon. Nein, es ist viel, viel weniger. Nein, bei mir schon. Es ist viel, viel weniger. Oh, da hast du aber echt einen guten... Hase. Ich weiß,
Sebastian Krumbiegel: was bei mir ankommt. 0,00... Drei Cent. Ja,
Lucy van Org: das liegt aber daran, dass ihr noch eine Plattenfirma habt, die dazwischen hängt. Bist du eigener deiner Plattenfirma?
Sebastian Krumbiegel: Nee.
Lucy van Org: Siehste? Nein, ich weiß ja, was bei mir ankommt, aber es ist lächerlich. Also, dafür habt ihr viel mehr Streams als ich. Und trotzdem, also, davon kannst du natürlich nicht leben. Nein, ich kann leben, weil ich schreibe Drehbücher. Und ich schreibe auch Nicht nur Drehbücher, so für den Spaß, sondern meine. Drehbücher werden auch verfilmt. Für Kino und Fernsehen. Und das ist zum Glück was, was immer ganz gut so meine laufenden Kosten... entdeckt. Ja, und ich produziere andere Menschen, ich mache Remixe für andere Menschen. Und all das sind natürlich Dinge, Was dann wieder für die Scheiße ist, weil die müssen ja dann wieder mich bezahlen. Die investieren dann wieder in Dinge. Also, wenn du deine eigenen Sachen rausbringst, heute als Musik Schaffende, bist du voll am Arsch. Ich habe es mittlerweile irgendwann auch mal fast mit einer Art Geisteskrankheit verglichen, weil du musst, es machen. Wenn du Musikerin oder Musiker bist, musst du Musik machen. Und ich merke das auch bei allen, die Versuchen aufzuhören. Das geht nicht. Nee, ist wirklich so. Und wenn Sie versuchen, aufzuhören, werden Sie echt krank. Ich habe Leute erlebt, die gesagt haben, ich mache das nicht. Also gerade lustigerweise im Produktionsbereich. Es gab viele, weil Musikproduktion ist noch so ein Bereich, wo du, wenn du keine Künstlerin oder Künstler hast, die dich bezahlen, Direkt bist du am Arsch. Da kannst du nichts mehr verdienen. Und die haben gesagt, nein. Also Es gibt dann Leute, die machen Kneipen auf, Die Arbeiten im Verkauf, machen irgendwas oder Vertrieb von irgendwelchen Dingen. Die werden richtig, richtig depressiv und krank, weil du das einfach... Also das ist so ein Gendefekt oder sowas. Und deswegen tue ich natürlich alles. Ich habe einen super bekannten DJ, den ich zu meinen Freunden zählen darf. Der ist gleichzeitig ein ganz toller Künstler, also bildender Künstler. Und der sagt auch, Ich mache Kunst, um meine Musik zu finanzieren, weil ich das so liebe. Aber ich kann da eigentlich, ist das totaler Scheiß. Ja, ja, klar. Aber das Ding ist halt, Da sind wir auch in Deutschland, ist es, glaube ich auch so ganz besonders scheiße. Also, es gibt, so Nationen, Die haben einen großen Respekt vor ihren Kunstschaffenden. Also, ich weiß es zum Beispiel vom Iran. Wenn du Künstler oder Künstlerin bist, dann bist du jemand. Also einfach nur, weil du Dinge erschaffen kannst. Da ist ein ganz anderer Respekt dafür da. Während hier ist es eher so, soll ich dir dein Hobby finanzieren oder was? Und also Das gab es ja jetzt irgendwie im Laufe der Corona-Krise, dieses tolle Meme von diesem Flug. Der da stand und dem Musiker mit seiner Gitarre irgendwie, der da auch jetzt steht. Und sagt, soll ich dir jetzt dein Hobby finanzieren, von Lufthansa. Und Kunst machen ist gleichbedeutend. Mit ein Hobby haben, weil alle der Meinung sind, dass das jeder kann. Weil niemand, Und ich glaube, das ist auch dieses typisch deutsche Bild von dem genialen Einfall. Und auch, Wir hatten an der Uni, ich habe an der HdK hier studiert. In Berlin noch vor vielen, vielen, vielen Jahren, Als das noch nicht mal UdK, hieß, sondern HdK, Da gab es tatsächlich. Kurse, wie du mit dem Bild klarkommst, was die Gesellschaft von Kunstschaffenden hat, nämlich, dass die immer arm und unglücklich sein müssen. Ich weiß nicht, woher das kommt, aber das ist so eine deutsche Macke. Also Der Künstler leidet stellvertretend, oder die Künstlerin leidet stellvertretend für die Gesellschaft. Ich weiß auch nicht, es ist ganz komisch. Ja, gut. Meine tollen Bands hätte ich mal vergessen. Da mache ich natürlich auch nichts alleine. Also bei Meistersinger ist mein geliebter Roman immer dabei, zum Beispiel und so. Das ist ganz wichtig. Ich hoffe, ich habe... Ich wollte dich doch gar nicht gegen die Warte... Nein, vielen, vielen Dank, dass Ihr mich eingeladen habt. Ich hoffe, ich habe euch nicht zu sehr zugeschweilt und es hat mir Spaß gemacht. Ich hätte euch gern beide als Verbündete. Aber habe ich glaube ich auch. Sebastian habe ich eh schon. Ich glaube dich habe ich jetzt. Vielleicht habe ich dich auch. Ja, ja, ja, genau. Das ist cool. Super. Muss ich total, darf ich das noch erwähnen? Ich muss total lachen, weil ich liebe es, wenn Männer, Kinderbücher schreiben. Das machen ganz viele Männer. Das Lustige ist, wenn du als Frau anfängst, Bücher zu schreiben, also, wenn du von irgendeinem anderen Genre kommst. Also, ich wurde als erstes, Ich habe ein ziemlich brutales Horrorgeschichtenbuch geschrieben, als erstes, als ich angefangen habe. Die erste Frage war, als ich das Buch geschrieben hatte, Ach, ein Kinderbuch. Nee, jetzt nicht so richtig. Es ist wirklich lustig, ist echt so. Habe ich mich gerade heute mit meinem Mann drüber unterhalten, muss ich jetzt noch anbringen. Ferdinand, ja, ja, ja, ja, Akif Pirinji leider auch in den Wahnsinn abgedriftet, in den grausigen rechtsradikalen Wahnsinn abgedriftet.
Sebastian Krumbiegel: Ich habe eine Rede von ihm gehört, boah, geht gar nicht. Ich habe das Buch damals verschlungen, fand das geil, also dieses Katzenbuch.
Lucy van Org: Wir gehen jetzt in Katzenfüße, schön, ja, aber es gibt ja eine Menge Leute, Mensch, Ich habe, ich finde es ganz gruselig daran zu denken, ich habe bei Radio Fritz, ich war ja neun Jahre bei Radio Fritz. irgendwie, habe da ganz normal, auch teilweise ganz normal Tagesprogramme gemacht, Ich habe mit Kenny jetzt eine Sendung gemacht, zusammen, wenn ich mir denke, oh, war ja.
Sebastian Krumbiegel: Hast du den als sympathischen Kollegen kennengelernt oder hat sich das damals schon abgezeichnet, wo er hingeht?
Lucy van Org: Also, es gibt Sachen, die würde ich jetzt... Einfach aus Gründen, weil ich die, also von jedem Menschen, egal, Die Privatsphäre respektiere, möchte ich da keine Interna sagen. Ich habe damals gerne mit ihm, also, es war nicht oft, aber man war so, der war nett, der war lustig, der war nett. Es gab schon so Tendenzen, wo ich dachte, ein bisschen komisch. Aber ja, also, wenn du zurückblickst auch heute, dann ist das gruselig. Ich finde es aber auch teilweise gruselig, wie Leute so kippen können. Und ich glaube auch für einen Selber so ist es kein, Wer weiß, ob das mit einem selber nicht auch passieren kann. Naja, Auf jeden Fall sind die
Sebastian Krumbiegel: Grenzen da auch oft sehr fließend. Ich meinte übrigens genau die Leute vorhin, Die sozusagen auf der Kippe sind, die man eher verschrecken kann mit irgendwie Angekreische. Das war meine Intention vorhin, da, einfach, was ich versuche, die Leute nicht aufzugeben. Also Leute, die, also, wir haben irgendwie, Wie viel Prozent im Osten sind es, irgendwie 25 Prozent oder über 20 Prozent, Die AfD wählen. Und es ist... Total kontraproduktiv, die alle als Verlorene oder als Arschlöcher zu bezeichnen. Das glaube ich wirklich. Und deswegen, Das meinte ich vorhin bei unserer Diskussion über Feminismus, dass man einfach sich wenigstens, Man sollte versuchen, Leute zu kriegen, die auf der Kippe stehen. Das meine ich.
Lucy van Org: Da stimme ich dir total zu, wobei ich immer wieder finde, dass du gerade, boah, Da machen wir jetzt noch eine weitere Büchse der Pandora auf. Ich finde, die Grenze ist da. Wo ich das Gefühl habe, dass versucht wird, so die Mitte zu verschieben, dass man sagt, wir treffen uns irgendwo. Ich kann mich mit jemandem, der unmenschliche Sachen, sagt, nicht in der Mitte treffen. Und ich glaube auch, dass es gut ist, Da schließt sich dann auch wieder der Kreis. Also egal in welcher Form von Diskriminierung, Ob ich rassistisch diskriminiere, ob ich sehe, dass Menschen rechtsradikal sind, dass es gut ist. Bestimmte Grenzen klarzumachen und zu sagen, halt,
Sebastian Krumbiegel: in dem Moment,
Lucy van Org: Hier ist die rote Linie, Du kannst gerne wiederkommen, wenn Du gemerkt hast, dass das Kacke ist, was Du erzählst. Und du bleibst für mich immer noch ein Mensch. Also, da halte ich es mit dem Hávamál aus der Edda, wo es immer heißt, hilf allen Menschen in Not, egal, ob es Freunde oder Feinde sind, aber Vergiss nie, Wer deine Feinde, sind. Also, ich werde jeden von einem Autounfall retten. Aber trotzdem werde ich sagen, solange du hier das sowas sagst oder dich so und so verhältst, möchte ich mit dir nichts zu tun haben. Und ich glaube, das ist tatsächlich, das ist auch wichtig, weil ich habe immer das Gefühl, dieses darf man das jetzt wieder sagen, führt dazu, dass da so Dämme brechen und dass Menschen auch so teilweise aus ganz anderen Beweggründen, Weil sie sich irgendwo anders ungerecht behandelt, fühlen, dann plötzlich irgendwo raufhacken. Und wenn Sie das dürfen, darin, dann auch sich noch gegenseitig bestärken. Und damit dann wieder anderen Menschen wehtun und fürchterliches anrichten. Und ich glaube, das kann man durch so rote Linien vielleicht nicht verhindern, aber zumindest ein bisschen begrenzen. Vielen Dank. Gleichfalls. Es hat mir viel Spaß gemacht und ich habe mich gefreut. Und auch ich habe Dinge gelernt und fand das sehr schön. Danke sehr.
Sebastian Krumbiegel: Hey, schön, dass du da warst und viel Erfolg mit deiner Platte.
Lucy van Org: Danke und Euch Viel Erfolg mit Eurem Podcast. Es macht Spaß, das zu hören, Auch die anderen Folgen. Musik.